[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] III. Diskussion über Onanie 1912-061/1911.03

Rank, Otto (1912-061/1911.03): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] III. Diskussion über Onanie

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    P R O T O K O L L

    der

    9. S i t z u n g

    am 20.Dezember 1911.











     

    III. O N A N I E - D E B A T T E .

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    Rank

          Der Vortr. gibt eine kurze Skizze des spa. Standpunkts in der
    Frage der Onanie und geht besonders auf die Genese Genese des Schuldge-
    fühls ein, das er im Gegensatz zu der landläufigen Auffassung nicht
    als Folge äusserer abschreckender Einflüsse, sondern als Rationali-
    sierung der im Gefolge des inadäquaten onanstischen Aktes auftre-
    tenden Angst (analog Freuds Angstneurose) auffasst.

          Zum eigentlichen Thema seiner Ausführungen übergehend bespriecht
    er eine Reihe von psychischen und charakteriologischen Eigentümlich-
    keiten, die sich bei nicht neurotisch gewordenen Individuen als Fol-
    gen des Abwehr- und Verdrängungskampfes der Onanie einstellen können.
    So den Hang zur Heimlichkeit in den verschiedensten Formen als di-
    rekte Folge der geheimgehaltenen Sexualbetätigung, eine bestimmte
    Form des lügenhaften Charakters, nämlich den trotzigen Zwang zur Ab-
    leugnung der Wahrheit (wie er glänzend im Grimmschen Märchen vom Ma-
    rienkind No. 3 geschildert ist) als Reaktionsbildung gegen das ver-
    drängte Sexualwahrheit, den Selbstvorwurf der Masturbation und den
    Wahrheitsfanatismus als im Sinne einer Sublimierung als sekundäre
    Reaktionsbildung gegen den lügenhaften Charakter, der in gleicher
    Weise wie die Masturbation selbst verpönt ist. Als Gegenstück zur
    pathologischen Lügen sucht in der bestimmten Form der Verheimlichung
    der Wahrheit wird die kleptomanische Neigung hervorgehoben, in der
    die unvollkommen verdrängte Sexualhandlung ("etwas Verbotenes heim-
    lich zu tun" O. Gross) in Form einer Ersatzhandlung durchbricht, wie
    sich im Lügenzwang die missglückte Abwehr offenbart.

          Von den übrigen psychischen Eigentümlichkeiten, die dem unter
    Schwierigkeiten frei gewordenen Masturbanten verbleiben können, wer-
    den schliesslich noch einige genannt, die auffällige Beziehungen zu
    den Zügen des Analcharakters aufweisen, was mit der ein Stück weit
    in gleicher Weise verlaufenden Befriedigungs- und Verdrängungsvorg-
    gängen an diesen beiden erogenen Zonen in Zusammenhang gebracht wird
    So der Reinlichkeitsfanatismus in bezug auf den eigenen Körper (geni-
    talien), der auf der einen Seite in die anale Sauberkeit, die den Ob-
    jekten gilt, auf der andern Seite in den neurotischen Waschzwang über-
    geht. Ferner eine über die Brücke der Samensperrung auf die verschie-
    densten Dinge übertragene Sparsucht (der anale pReiz gilt dem Gelde).

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    oder Sammellust, die sich nicht selten mit Kleptomanie verbunden
    findet. Bezieht sich diese Sparsucht auf das Essen, so dient sie in
    Form einer Busse der Bestrafung für die Nichtabgewöhnung des Lasters
    wie im Falle Binswangers (Jahr. I. Pat. Irma) und führt dann infolgedes/
    vVerschiebung des Abwehrkampfes auf die Mundzone zu mannigfachen
    Ess- und Sprechstörungen. Endlich wird die übertriebene Pünktlichkeit
    die auch Beziehungen zur Pedantrie des Analcharakters hat, auf die
    für den Abgewöhnungskampf typischen Zwangstermine zurückgeführt, die
    auch Binswangers Fall deutlich zeigt. - Zum Schlusse werden noch eini
    ge psychische Besonderheiten kurz erwähnt und auf die Beziehungen
    des missglückten Abwehrkampfes zu den Selbstmordversuchen hingewiesen.

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    Stekel vermisst den stringenten Beweis, dass die geschilderten
    Charakterzüge tatsächlich der Onanie zuzuschreiben seien, was man
    aus ihrem Vorhandensein neben der Onanie noch nicht schliessen dür-
    fe. - Wertvoll sei die Bemerkung, dass die Reaktion auf die Onanie
    auch spontan auftreten könne, dass beim Onanisten ein Schuldbewusst-
    sein vorbereitet sei, das auf Auslösung warte. Aber man findet das-
    selbe Schuldgefühl bei Menschen, die nicht onaniert haben. Die Onanie
    ist somit nur ein Reservoir für das Schuldbewusstsein, das aus den
    Phantasien stammt und dazu führt / dass der Mensch sich jede Lust ver-
    sagt. Alle verbotenen verbrecherischen Phantasien werden dazu füh-
    ren, sich das Beste zu verbieten, worunter auch die Onanie ist. Bei
    Menschen mit sehr starken Trieben herrscht eben die Tendenz, diese
    Triebe als schlecht zu empfinden und sich dafür durch Entziehung
    von Lust zu bestrafen. -

          Dass die Homosexuellen onanieren könne man nicht sagen, denn sie
    begehen keinen autoerotischen, sondern einen sozialen Akt. -

          Starke Angst im Gefolge der Onanie hat er nicht beobachtet; die
    Angst tritt erst ein beim Aufgeben der Onanie, u. zw. oft als Angst vor
    der Onanie. Auch scheine das Schuldgefühl bei katholischen Kindern
    grösser, weil diese schon früh den Begriff der Sünde kennen lernen.
    Gesellschaftsscheu kommt bei Leuten vor, die nie onaniert haben, ist
    ein Ausdruck der Minderwertigkeit.
                      vom Marienkind
          Das Märchen sei tatsächlich für Onanie beweisend. Andere Märchen
    wie Fitchers Vogel stellen direkt einen Hymnus auf die Onanie dar.
    So richtig auch der psychische Mechanismus der Lügenhaftigkeit ge-
    schildert sei, möchte er doch den Zusammenhang mit der Onanie bestrei-
    ten. Das Wort du darfts nicht, du sollst nicht spielt im Leben des
    Neurotikers auch sonst eine grosse Rolle. Die Auffassung der Klepto-
    manie wäre sehr verlockend, erweist sich jedoch in anderen Fällen als
    Ersatz eines anderen verbotenen erotischen Aktes.

          Bei Onanisten finde sich nicht nur der Peinlichkeitswahn, son-
    dern oft genug Schmutzliebe. Ebenso sei zu bestreiten, dass das Auf-
    sparen des Besten (Freud) mit der Onanie zusammenhänge. Es bezieht sich
    oft auf etwas anderes Unerreichbares (Mutter etc.). Auch die Zurückfüh-
    rung des Fastens auf den Abgewöhnungskampf sei nicht richtig. Es sei
    eine der Formen der asketischen Regungen, die sich an ein sehr frühes

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    Schuldbewusstsein knüpfen, das gewiss häufig das der Onanie ist. Die
    Lüge ist oft nur ein Prüfenwollen der Umgebung; das Kind will sehen,
    ob die Eltern es merken, wenn es lügt.

    Prof. Freud bezeichnet es mit Marcinowski als eine Ueberschreitung,
    wenn Stekel die anstössigen Triebe des Kindes kriminelle nenne; das
    sei der Standpunkt der Aussenstehenden. Ausserdem liege ein metho-
    discher Fehler darin, denn Kriminell sei ein äusserst komplizierter
    sozialer Begriff und kein krimineller psychologischer, weshalb wir
    bis jetzt neben den sexuellen Trieben nur von den egoistischen, den
    Ichtrieben gesprochen haben. Wenn also Stekel sagte, das Schuldbewuss-
    sein komme von den kriminellen Trieben, so haben wir damit gar nichts
    erfahren, denn das Kriminelle muss erst aus der Psychologie erklärt
    werden und kann nicht umgekehrt zur Klärung psychologischer Proble-
    me verwendet werden.

          Auch habe Stekel die infantile Onannie (von 3-5 Jahren) nicht
    gesondert von der späteren Pubertätsmasturbation. An anderen Stellen
    befinde er sich nur in scheinbarem Gegensatz zum Vortr. So wenn er
    unterscheiden wolle, ob etwas von der Onanie oder von der Sexualität
    überhaupt komme, während doch der Vortr. zu Anfang hervorhob, dass die
    Onanie gleichzusetzen sei der infantilen Sexualität, die sei nur das
    Manifestwerden derselben. Vom Typus des Aufsparenden Kindes habe er
    in der letzten Zeit wieder ein Beispiel gesehen, dass den Zusammenhang
    mit der Onanie erwiesen habe.

          Mit dem Vortr. stimmt Redner zumeist überein und findet vieles
    für wichtig und schön erwiesen. Nur wäre der Punkt, ob die Onanie ent-
    deckt wurde oder Geheimnis geblieben ist, mehr Aufmerksamkeit zu schen-
    ken.

    Federn ist in vielen Dingen mit dem Vortr. einverstanden, vor allem
    darin, dass er die Onanie vornehmlich als Symptom und nicht als Ur-
    sache betrachtet habe. -

          Der Hinweis Ellis' dürfte sich nicht so sehr auf ein gesteiger-
    tes Selbstbewusstsein als auf den Wunsch zu gelten beziehen. - Dass
    die Angst beim Kinde durch die psychische Unzulänglichkeit entstehe
    sei richtig. Beim Erwachsenen aber, wenn er die Onanie aufgibt, Die
    Verstimmung als Folge der Angst sei nicht sicher.

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          Gegen den 2. Teil der Ausführungen habe er zwei prinzipielle
    Einwände. 1. Sollte es sich um Symptome handeln, die bei Nichtneuro-
    tikern vorkommen, während man Zwangslügen und Zwangsstehlen doch
    nicht als normal bezeichnen könne. 2. sei zu bestreiten, dass die
    pathologische Lügenhaftigkeit von der exzessiven Onannie komme.
    Wenn der Wahrheitszwang mit der selbsttätig überwundenen Onanie
    zusammenhängt, so würde man erwarten, dass die von Rank erwähnte
                                zwenghaft
    Form der Lügenhaftigkeit (trotzig und starrsinnig) damit zusammenhängt
               P
    dass diese Personen schon als Kinder lügen mussten, um die Masturba-
    tion zu verheimlichen. - Er habe das heimliche Lügenmüssen bei zwei
    Neurotikern beobachtet, die als Kinder spontan die Sexualität entdeckt
    haben und der Meinung waren, dass nur die Kinder sexuell sind. Diese
    Individuen haben ein beständiges Geheimtun von der ersten Kindheit
    mit sich herumgeschleppt. Es sind Menschen, die aus einer gewissen
    Lügenhaftigkeit ihre Sexualität geheimhalten müssen, aber es zu einer
    moralischen Reaktion nicht gebracht haben. - Das Zwangshafte sei vielle.
    leicht zurückzuführen auf eine intensive, früh erwachte und verdrängte
    in der Pubertät wieder aufgefrischte Onanie; es käme zustande weil
    aus dem Unbewussten die erste intensiv verdrängte heimliche Sexuali-
    tät dabei mitwirkt, was keinen Widerspruch zu den Ausführungen des
    Vortr. bedeuten würde. Es sei auch zu fragen, ob diese Kinder nicht
    auch als die jüngsten oder schwächeren das Lügen als Schutz gebraucht
    haben. - Manche bilden den Imperativ: du darfst nicht lügen nicht di-
    rekt nach der Masturbation sondern lassen sich eine gewisse Freiheit
    in einem: du brauchst nicht mehr zu lügen als Ausdruck dafür, dass sie
    ihre sexuelle Aggression nach aussen frei haben. - Das Wechseln im Ent-
    schluss und nicht ausführen können sei vielleicht nicht Folge der Ma-
    turbation wie Rank meine, sondern dass umgekehrt den willensschwachen
    Menschen die Masturbation so schwer zu schaffen macht. Wir dürfen
    nicht immer die Charakterbildung als Zeichen der sexuellen Entwick-
    lung hinstellen. - Im Märchen wäre vielleicht in dem goldenen Finger
                                                        R
    ein Hinweis auf die infantile Form der Onanie (After) gegeben.

    Sadger findet die Ausführungen sehr wertvoll, namentlich so weit sie
    zur Frage der Symptomatologie und Charakterologie des Masturbanten
    beitragen. Sie wären einer Vertiefung fähig in der Richtung, welche
    Charaktereigenschaften dem noch ausübenden Masturnaten zukommen und

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    welche mit Ueberwindung der Masturbation manifest werden. Den von
    Stekel geforderten Beweis des strikten Zusammenhanges mit der
    Masturbation könne er an einem durch ausserordentliche Pünktlich-
    keit ausgezeichneten Manne erbringen, der in diesem Ounkt weniger
    übertrieben wurde, nachdem er die Masturbation aufgegeben hatte.
    Reik knüpft an die Bemerkung Freuds über den asozialen Charakter
    der Neurosen an und meint, dass der gleiche Charakter der Onanie
    vielleicht die Aufklärung gebe für den Zusammenhang bestimmter cha-
    rakterologischer Phänomene mit der Onanie und dem Analcharakter.
    Die Beziehung zu Arroganz und Schüchternheit liesse sich so erklä-
    ren, dass der Betreffende in die Frechheit flüchtet, um seine Schüch-
    ternheit zu verbergen.

    Rosenstein wirft zunächst die Frage auf, ob die "spontane psychische
     R
    Reaktion" erwiesenermassen ohne jegliche Einwirkung von anderer Sei-
    te erfolgt sei, was jedenfalls schwer zu beweisen sei. Ist dies jedoch
    der Fall, dann ergeben sich eine Menge Schwierigkeiten. Ist nämlich
    die Onanie nur der Ausdruck der infantilen Sexualität, so ist ein
    Widerspruch darin zu erblicken, dass diese jedem Individuum zukommen-
    de Sexualität normalerweise Angst hervorrufen soll. - Die Frage, ob die
    Onanie Angst hervorrufe, sei überhaupt zweifelhaft. Freud habe im Ge-
    genteil behauptet, die Angst entstehe erst, wenn das Individuum die
    Onanie aufgibt. - Das Problem liegt offenbar darin, warum man die als
    verwerflich erkannte Onanie nicht aufgibt und den normalen Geschlech-
    verkehr aufnimmt/. Er stimme mit Stekel darin überein, dass der Kau-
    salnexus fehle; es handle sich einfach um Reaktionsbildungen der ver-
    schiedensten Art, wobei alle verbotenen Dinge Schuldbewusstsein her-
    vorrufen und auch nicht speziell die Onanie die bestimmten Charakter-
    eigenschaften hervorruft. - Auch möchte er die Frage aufwerfen, woher
    man weiss, dass die Masturbation eine Wiederholung der Reizungen des
    Säuglings sei.

    Sachs beschränkt sich auf eine Antikritik Stekels und möchte den Vor-
                                                            V
    dagegen in Schutz nehmen als wollte er das Schuldbewusstsein nur aus
    der Onanie ableiten; er habe nur auseinandergesetzt, welches Verhält-
                                                    TT
    nis das Schuldbewusstsein zur Onanie habe. Ebenso unberechtigt sei
    der Vorwurf, dass er alles aus der Onanie abgeleitet habe; selbstver-
    ständlich sei immer vorausgesetzt, dass andere Dinge dabei auch ei-
    nen Anteil haben, die jedoch nicht alle zugleich erörtert werden.

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    Die Deutung von Fitchers Vogel finde er noch ein bisschen unbegrün-
    det und getraue sich mit ebenso viel Berechtigung die entgegenge -
    stzte zu vertreten, die dann mit der des Marienkind parallel liefe.
              B
    Ueber den egriff der Kriminalität habe Professor Freud bereits das
    Wesentliche gesagt; seine Einführung sei keine Psa. Erklärung sondern
    eine Substitution. Das richtige Wort sei antisozial. - Dass die Kinder
    onanie normalerweise Angst hervorrufe sei kein Widerspruch (Rosenstein)
    sondern eine Erklärung; denn die Angst ist etwas so Allgemeines, dass
    sie ihre Ursache ebenfalls in etwas Allgemeinem haben müsse.

    Hitschmann findet viele interessante Punkte hervorgehoben, die eine
    endgültige Beantwortung wünschen lassen. - Dass das Schuldgefühl auch
    andere Wurzeln haben muss als die Onanie scheine auch daraus hervor-
    zugehen, dass schon die erste Pubertätsonanie Schuldgefühle zeigen
    kann. Die ganze kindliche Sexualität ist die Ursache des Schuldgefühls
                                             I
    das jedem gesteigerten Sexualtrieb entspricht. - n einem Falle be-
    klagte sich ein Mädchen darüber, dass sie keine Wahrheit sagen könne
    und als Ursache stellte sich die vor den Eltern verheimlichte Sexu-
                               ä
    alität heraus. - Fasten und Essen als Busse und Onanie sei ihm auch
    begegnet. Von hier aus ergeben sich weitere Perspektiven für die Ab-
                                    t
    stinenz vom Fleisch (Fleischlich) und den ganzen Vegetarismus. Alle hy-
    gienischen Vorschriften in Altenbergs Prodromos seien Reaktions n
    auf sexuelle Sünden. - Das gesteigerte Selbstgefühl mache einen mehr
    äusserlichen Eindruck, als Reaktion auf eine geringe Selbstachtung.
    Als Detail zum Waschzwang sei noch die Bevorzugung besonders parfü-
    mierter Seifen erwähnt.

    Dattner möchte zur Frage, ob die Onanie ohne äussere Einwirkung ein
    Schuldgefühl erzeugen kann, zunächst festgestellt wissen, was man in
    diesem Falle unter äusserer Einwirkung zu verstehen habe. Innerhalb
       L          F
    des ebens im Familienverband kann auch ohne ausgesprochene Einwir-
            S                        I
    kung ein chuldgefühl entstehen, da sich das ndividuum durch die
                                F
    Masturbation in Gegensatz zur amilie stellt, die es geliebt hat. Auch
    haben die Pat. oft sie erste Einwirkung vergessen, die erst spät im
     V
    Verlauf der Analyse zum Vorschein kommt. - Die unaufgeklärten Mastur-
     w                                                 m
    banten glauben Stigmen der Masturbation zu tragen, die ihr Laster je
    dem ersichtlich erscheinen lassen und das Schuldgefühl wäre darum
    so hervorragend weil es sich immer wieder aus den Stigmen erzeugen

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    lässt. - Zum Bezeichnen der Tage und dem Tagebuchführen weist Redner
                                     T                        G
    auf die in der Pubertät so häufige Geheimsprache und Geheimschrift
                                     M
    hin in der sich die Leute oft ihre Masturbationstage und die Form
    der Betätigung signieren.

    Tausk beschäftigt sich zunächst mit Stekel, der in seiner Auffassung
    des Kriminellen widerspruchsvoll gewesen sei, indem er auch die Be-
    zeichnung antisozial akzeptierte.

          Für sich allein betrachtet müsste die Onanie eine gringe An -
                                                       v         f
    zahl von Symptomen hervorrufen. Die Sexualität wird sich vielfach
                                         E
    ihrer nur als Brücke bedienen, um sich in der sozialen Einstellung
    durchzusetzen.

                                                       R
          Frage: Wie ist es mit dieser spontanen psychischen Reaktion in
                                                     K
    der Kindheit? Darüber gibt der Bericht über zwei Knaben, Brüder im
    Alter von 8 und 10 Jahren, Aufschluss, von denen der ältere gar kein
    Schuldbewusstsein zeigt und auch die Mitteilung von der Schädlich-
    keit auf ihn keinen Eindruck macht, während der jüngere starkes
    Schuldgefühl hat, die Onanie leugnet, errötet ist. ängstlich geworden.
    Der Unterschied erklärt sich daraus, dass der jüngere Inzestpahanta-
                                     V
    sien auf seine Mutter hat und gegen den ater die ablehnende Ein-
                                  F
    stellung, was beim älteren nicht der all ist. Wenn er sich vor dem
    Vater fürchtet und das Objekt ein verbotenes ist, dann wird sich das
                                               E
    Schuldgefühl einstellen. Das Schwergewicht liegt auf der Einstellung
           V               L
    zum Verbot, zum sozialen eben. Es scheine jedenfalls, dass man die
    Onanie nicht abgewöhnen könne, ohne ein schweres Trauma zu setzen,
    was für ihre biologische Nützlichkeit spräche. - Dass Angst immer ent-
                                        ni
    stehe, wenn Libido gestaut werde oder die Reaktion nicht adäquat sei,
    habe er widerholt ausgeführt. Dadurch, dass mit dem Akt die verbotene
                                         zentrierung
    Phantasie mitläuft, ist die Konsequenz auf den Akt gehemmt. Das In-
    adäquate der Abreaktion besteht in der schon dem Knaben irgendwie
    bewussten Tatsache, dass dazu das Weib oder ein anderes Obejkt ge -
    hört.

    | Prof. Freud bemerkt dazu, es sei im allgemeinen sehr wahrscheinlich,
    dass die Ablehnung der rein autoerotischen Betätigung zunächst mit
    dem Anschicken den nächsten Fortschritt in der Sexualentwicklung zu
    vollziehen, zusammenhängen dürfte. |

    Stekel wendet sich gegen die Umdrehung der Märchendeutung durch Sachs
    da man auf diese Art alles beweisen könne. Das Kriminelle sei für

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    ihn nur ein im Gegensatz zum Sexuellen stehender Begriff für die
                                              g
    Ichtriebe, deren Anteil Freud nicht genügend es würdigt habe.

    Rank weist darauf hin, dass er die von Tausk hervorgehobene Rolle
                                                           Ma
    der Objekttendenz an der Unbefriedigung und der Verdrängung der Ma-
                                              ?
    turbation ausdrücklich betont habe. Die spontane Entstehung des
                                             wi
    Schuldgefühls sei durch die verschiedenen Einwände nicht widerlegt
    sondern das Problem nur verschoben worden; denn auch bei äusserer
    Einwirkung wäre erst zu erklären, warum diese so enorme psychische
    Folgen für das Individuum hat.

    Tausk rekkuriert auf Stekels Ersetzung des Kriminellen durch das
    Antisoziale und hebt hervor, dass eben die Sexualität dann das aso-
    ziale sei und das Kind lehne sich mit seiner Sexualität gegen das
    Verbot auf.

    Sachs repliziert nochmals auf Stekels Begriff der Kriminalität und
                  M
    die Märchen deutung.

    Markus meint, dass Onanie und Schuldgefühl insofern mit Angst zu-
    sammenhängen, als die Angst sich darauf beziehe, diese Art der Lust-
    gewinnung zu verlieren. Es sei nicht einzusehen, warum eine Inzest-
    Phantasie dem Kind a priori als schlecht erscheinen müsse.

    Federn betont, dass die Frage, ob die kriminellen oder antisozialen
     T                                                     Th
    Tendenzen Mitursachen bei den Neurosen seien, das grosse Thema wie-
    der aufnehme, das Adler berührt habe. Ob Strebungen nur wenn sie li-
    bidinös sind pathogen werden oder ob dies auch bei anderen Regun-
    gen der Fall sei.-

          In Praxi sei es schwer zu trennen, was beim Kind spontan auf-
                  aus                  V
    tritt und aus Wirkung eines Verbotes sei. Trotzdem habe auch er den
                                H
    Eindruck, dass das Kind spontan andlungen verwirft und aufgibt, so-
    zusagen infolge der organischen Sexualverdrängung. Man kann sehen,
    wie manche Kinder gerade auch Inzestphantasien verlassen (Markus),
    ohne dass es verboten wäre.

    Rosenstein wendet gegen Sachs' Auffassung der Angst ein, dass diese
                                                            ei
    durchaus nichts Normales sei, wie die berechtigte Furcht vor einer
                                                      Kind
    Gefahr und dass er darum die allgemeine Ableitung aus der Kinder-
                                          K
    onanie nicht akzeptieren könne. - Auch sei das kleine ind selbst
                                        e
    nicht rein autoerotisch, sondern liebe bereits Objekte.

    Reik beanständet, dass Tausk den Sexualtrieb asozial genannt habe.

    Tausk erwidert, dass der Sexualtrieb eine soziale und eine egoisti-
                            Sexu
                              exual

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    sche Komponente habe und dass er bei blosser Lustgewinnung asozial
    und antisozial sei.
    Freud bemerkt dazu,dass er primär asozial sei und erst sek.sozial.
    Spielrein findet es schwer zu entscheiden,ob die Autoerotik oder
                   H
    die Heterosexualität das Primäre sei.Das Kind kann nicht aggressiv
                                                               V
    sein und versetzt sich vielleicht deshalb an die Stelle der machthab
                                         S
    benden Eltern,um sich selbst von Seiten der Eltern zu befriedigen.
                                       V
    Den Ausführungen des Vortr.sei der Vorwurf zu machen,dass sie allge-
    meine Eigenschaften auf ganz spezielle Ursachen zurückzuführen su-
                                               u
    chen.So kann zum Lügen und zum Drang nach Wahrheit aush oft führen,
                            K
    dass die Eltern dem Kinde die sexuellen Fragen verheimlicht haben;
    daraus kann sich der Drang nach Wahrheit,nach dem Warum und Wozu
                                                                  L
    aller Dinge entwickeln,wie sich anderseits dabei auch für das Kind
                          L
    Gelegenheit zum Lügen und Märchenspinnen ergibt.Dieser Fragezwang
                                            V
    des Kindes tritt dann später als Frageangst auf.Das Verbot bestand
                              V
    darin,dass man über etwas Verbotenes fragen wollte.




     

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