Rank, Otto (1915-411/1915.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Kleine Mitteilungen und Kasuistik
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8. S i t z u n g
am 13. Jänner 1915
KLEINE MITTEILUNGEN UND KASUISTIK
Reik: Ausspruch Ludwigs XIV über Analerotik
Der Talmud über ein infantiles Trauma
Nietzsche über das Vergessen
Ueber Trauerzeremonien liegen im M. S. vor
Zum Kastrationskomplex
Dumas Vaterkomplex
Zu Jungs Auffassung der Wiedergeburtsphantasie
Hitschmann : Fall von Zwangsneurose, anscheinend Psychose (mit religiöser
Färbung) bei einem jungen Mädchen, das bewusst Hass- und Mordgedanken ge-
gen die Mutter hat. Erste Idee mit 4–5 Jahren: Die Mutter sollesoll sterben.
Ursprünglich hat sie die Mutter zärtlich geliebt; erster Grund des Has-
ses Mitleid mit dem Vater. Später wurde die Mutter als Liebesstörung
empfunden (Sie hatte Verhältnis mit einem älteren Mann und ein Kind von
einem jungen Mann. Aus ihrem kolossalen Schuldgefühl entspringt ein tie-
fes Bedürfnis nach Sühne, das sie, die ursprünglich Jüdin war, beim
Christentum zu finden hoffte. Jetzt hat sie auch blasphemische Ideen.
Einige Züge bei ihr erinnern an Dem. praec. (Stimmenhören). Doch ist die
Uebertragung so deutlich wie sie nur bei einer Uebertragungsneurose
sein kann.
Rank hat den Eindruck, dass der aufdringliche Hass gegen die Mutter kein
echter aus dem Oedipuskomplex stammender ist, sondern ein "Paranoischer",
der einer Abwehr der Liebe zur Mutter entspringt. Für die sexuelle Nei -
gung zur Mutter sind zahlreiche Beweise vorhanden. Aus dieser Auffassung
dürften sich einzelne unverständlich gebliebene Details des Falles er-
klären lassen.XXXXXXXXXX Reik bemerkt dagegen, dass der paranoische Mechanismus sich
nicht nur beim p Krankheitsbilde fände. Die Abwehr der Homosexualität ist
auch in der Zwangsneurose deutlich
Prof. Freud findet, dass der Fall von der psychiatrischen Seite Schwierig-
keiten biete. Er imponiere als Zwangsneurose und muss auch einmal eine
reine gewesen sein. Nicht selten wird aber die Zwangsneurose zur Zwangs-
psychose, in welchem Falle sie den Verlust der Kritik zeigt. Sie fühlt sic
mit den Zwangsimpulsen identisch und das bisher Zurückgewiesene bekommt
die Oberhand, während sich am Inhalt nichts ändert. Aehnlich mit den Fäl-
len, die Anfangs Hysterie sind und später Demenzen werden, sobald der hy
Abwehrmechanismus nicht mehr ausreicht. (Es hat dann den Anschein, als hät-
te man durch Beseitigung der Hy die Demenz gefördert.) Die Demenz tritt
nur partiell ein, an den Stellen, wo die Neurose nicht mehr genügt und
zum Zwecke der Abwehr anderer Objektbesetzungen.
Gegen die Mutter, die Exquisites Liebesobjekt ist, hat die Pat. die
zwangsneurotische Abwehr festgehalten (Ambivalenz). Die Objektwahl des
Vaters dagegen wird in der Demenz durch Identifizierung mit ihm ersetzt
Die Uebertragung tritt trotzdem auf, solange der Prozess noch florid ist
Die Demenz kann aber auch im Mutterverhältnis eingetreten sein, weil sie
wenig Reaktionsbildungen hier zeigt. – Demenz ist nicht zu verwechseln mit
Paranoia, welche sich gegen die homosexuelle vom Narzissmus ausgehende
Objektwahl richtet, während die Demenz gegen jede Art von Objektwahl ge-
wendet werden kann. Der Fall ist interessant dadurch, dass durch den Pro-
zess der Demenz das Ubw der Zwangsneurose entblösst ist.
Silberer: Ueber mediumistische Kunst (Ref. des gleichnamigen Buches von Freimark
und Flournoys Seherin von Genf. – Erscheint als Referat)
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