Rank, Otto (1908-426/1908.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Referate und Kasuistik
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Referate:
Mitteilung literarischer Erscheinungen durch den Sekretär (aus
dem Lit. Zentralblatt). – Ausserdem:Dr. Marcuse: Die sex. Frage d. das Christentum (Werner Klinckhardt, Leipzig)
Meyerfeld: Byron u. seine Schwester (Neue Rundschau, Mai 1908). –
Bolte: Assoz. Exp. u. Assoz. Psychol. (Umschau XII, 4)
Lauer: Nervosität u. mod. Kultur do. 7)
Walter: Zur Gesch. d. sex. Pädagogik (Allg. Rundschau hg. Kausen V, 5).
Groß: Mnemotechnik im Unterbewusstsein (Arch. f. Krim. XXIX, 1)
Näcke: Beitr. z. d. sex. Träumen „ „ „ 4.
Woltär: Über d. sog. neurasthen. Vorstadium d. Psychose (W. Klin. Woch. XXI, 4)
Stekel erwähnt aus Strindbergs neuestem Roman ein Kapitel: Logik
in der Neurasthenie als interessant.Hitschmann erwähnt eine Arbeit aus der allg. Zeitschrift f. Psychol.
von Dr. Risch (Eichberg): Beitrag zum Verständnis der psychogenen
Zustände, die der Freudschen Auffassung nicht fern stehen,
indem sie als Ursachen all dieser Erscheinungen sexuelle
Dinge behauptet. –Ferner bringt Hitschmann ein genaueres Ref. über die schon
einmal genannte Arbeit des Russen Drobin: Chronische Prostatitis
als Ursache d. Neurasthenie.Dann referiert er Ziehens Festrede über das Gedächtnis, eine
englische Arbeit von Pirce über unbewusste Gehirntätigkeit
(Ref. in d. Zeitschr. f. Psych. u. Phys. d. Sinnesorgane.). Dann
eine Abhandlung von Meumann (Arch. f. d. ges. Psychol.) über
Organempfindungsträume u. merkwürdige Traumerinnerung
u. eine Arbeit von Binet (Revue philos. zur Graphologie). –
Anschließend an den publizierten Fall (Neurolog. – ) eines
10jährigen Knaben, der aggressiv gegen seinen Vater auftratS.
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Vegetarier war u. Selbstverhungerungsabsichten hatte macht Hitschmann
den Versuch dem Problem des Vegetarismus psychologisch näher
zu treten. Er kenne drei vegetarisch lebende Ehepaare, die alle
kinderlos seien, zwei Frauen davon anästhetisch. Neben der
Absicht durch eine geänderte Lebensweise vielleicht Kindersegen
herbeizuführen, sei doch auch die Unzufriedenheit der Leute mit
ihrem Zustand überhaupt daran beteiligt: es seien Leute, die aus
sich heraus wollen. – Auch die Symbolik des „Fleisches“ spiele da
bei eine große Rolle (Leute, die sich für geil halten.)Prof. Freud fügt als tiefere Wurzel die sadistische Anlage
hinzu, was Adler bestätigt. – Prof. Freud erzählt die erste Erinnerung
eines Vegetariers, der seit seiner Kindheit kein Fleisch
isst: Zu einem Besuch, den sie empfingen, sagte sein Vater:
geben Sie acht, er beißt. –Schließlich fügt Hitschmann noch hinzu, dass er alle Vege-
tarier der Lues verdächtige –Bach liest aus Feuchterslebens Diätetik der Seele einige Stellen
vor, in den einige von Adlers Gesichtspunkten bereits ange-
deutet seien. –
Kasuistik. –
Urbantschitsch erzählt einen eigenen Traum, dessen
Deutung ihm nicht vollständig gelang u. knüpft daran
einige theoretische u. praktische Fragen, die Prof. Freud be-
antwortet.Hitschmann berichtet von einer Dame, die einen Gynäkologen
wegen Verkleinerung ihrer Vulva konsultierte. Kurze Zeit
später erzählt sie einen Traum, sie habe ihr Schmuck-
kästchen aus der Jugend wieder gehabt. –Hollerung berichtet über das Abräumen eines Symptoms bei
einer schweren Hysterika mit Agoraphobie. –S.
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Adler erzählt den Fall einer Dame, die in Frühjahr an morgen-
lichem Erbrechen u. Aufstoßen leidet. Nach einigen Be-
sprechungen stellt sich heraus, dass es sich um einen
Fall von Geiz handelt, der sich also manchmal auch hinter
Erbrechen verbergen kann. –Federn berichtet über einen Fall von psychischer Impotenz,
wo ein unlustbetonter erster Sexual-Versuch nicht nach-
weisbar ist. – Die erste Betätigung war mutuelle (Onanie); die erste
Ejakulation hatte er bei schlaffem Glied, was eine große
Rolle spielen dürfte. –Rank bemerkt anknüpfend an den Fall von Adler, dass er vor
langer Zeit bereits in einem Fall den Zusammenhang von
Geiz u. Erbrechen beobachten konnte. Er möchte diesen
Zusammenhang überhaupt für alle Exkremente behaupten;
Fälle von Urin u. Samenlassen in Zusammenhang mit
Geiz seien ihm bekannt. – Auch die Prostitution möchte
er in diesen Zusammenhang.Anknüpfend an die große Bedeutung, die er dem sadistisch-
masochistischen Trieb in allen seinen Verwandlungen (bis
zur Angst) u. Abstufungen (bis zum Selbstmord) u. künstlerischen
Äußerungen in seinem Buche eingeräumt habe, er-
wähnt er als Bestätigung dafür drei Fälle von Künstlern,
bei denen dieser Trieb eine große Rolle spielte.1) einen Bildhauer, mit eminent sadistischer Anlage,
der ein masochistisches Liebesleben führt u. seinen
Sadismus in d. Kunst auslebt. – Das ganze geht wahr-
scheinlich auf das Saugen an der Mutterbrust u. d.
damit verbundenen Bemächtigungslust zurück.2) eine Stelle aus einem Briefe Buschs, wo er die wollüstige
Komponente des Grausamkeitstriebes betont.3) einen Todestraum Segantinis u. seine künstlerische Darstellung. –
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Adler rekurriert auf Ranks Erwähnung des Zusammenhanges
zwischen Sadismus u. Angst mit der Bemerkung, es sei
ihm nicht bekannt, dass das in Ranks Buch stehe;
er werde sich informieren u. wenn es sich bestätigte das
richtigstellen. – Für sich beanspruche er die Loslösung
des Sadismus vom Sexuellen u. seine Überordnung
über alle andern Triebe. –