Rank, Otto (1909-434/1909.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Referate und kasuistische Mitteilungen aller Anwesenden
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Tausk möchte auf die jüngst von Prof. Freud vorgebrachte Definition
der Form als Niederschlag eines älteren Inhalts rekurrieren und
bemerken, dass das auf die sog. reinen Formen nicht stimmen kann;
die reinen Formen, das sind die Formen unseres Funktionierens.
Es müsste gelingen auch die affektiven Bewegungen auf solche
reine Erfahrungen zurückzuführen. Diese reinen Formenund
können nicht Niederschlag früherer Erfahrungen sein, sondern
sind die Voraussetzung, dass überhaupt eine Leistung in diesem
Sinne zustande komme.Prof. Freud bemerkt, dass was die Philosophen meinen sei nicht das,
was er meinte, nämlich die „künstlerische Form“; es hiesse den
Begriff der Form sprengen wenn man Raum und Zeit etc., also die
reinen Formen, dazu nähme.fragl Dr. Karplus
Federnmeint Kants Voraussetzung sei erkenntnistheoretisch
und es wäre nicht zulässig, das auf die Affektivität anzuwenden.
Hitschmann betont, dass alle diese Namen des Funktionierens
u. reinen Denkens nichts als Worte sind, bei denen etwas Be-
stimmtes nach Übereinkommen gedacht wird. Es habe noch
niemand bewiesen, dass es ein reines Denken gibt; es spielen
dabei doch immer die Affekte und der Wille mit. Er würde Tausk
auf die Werke von Mauthner über die Sprache verweisen, wo
dieser Wortmissbrauch, hinter dem sich manchmal sehr wert-
volle Gedanken verbergen (Mauthner: Spinoza), dargelegt sei.
Furtmüller kann sich der Ansicht Hitschmanns nicht anschließen,
der die Arbeit der Philosophen unterschätzte. Es könne gewiss mit
diesen Worten Missbrauch getrieben werden. Die Wissenschaft
aber ist sich bewusst mit dem „reinen Denken“ nur eine
Abstraktion zu gebrauchen. Gerade deshalb aber halte er die
Trennung von Psychologie und Philosophie für etwas Gefähr-
liches, denn sie haben nur Berechtigung, wenn sie dieselben
Dinge unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten.S.
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Wenn wir die Form als Niederschlag eines älteren Inhalts erklären, so
wird durch diese Erkenntnis das Problem nur um eine Reihe zu-
rückgerückt; wir müssen doch an einen Punkt kommen, wo
die Form sich gebildet hat.Federn stellt fest
tigt, dass Prof. Freud nur die Form der Darstellung
und nicht die Denkformen meinte. Aber auch diese Denkformen
müssten doch einmal erworben werden. Sie wurden deswegen von
Kant für a prioristische Formen gehalten, weil er nichts von der
großen Vererbungsreihe im Seelenleben wusste.
Weniger passe der Einfluss der Kantschen Lehren auf die Psycho-
logie in pathologischer Form; und doch sei etwas Richtiges daran.Tausk betont nochmals seine Ansicht, dass diese Dinge wirklich
zusammengebracht werden können.Prof. Freud hebt schließlich hervor, dass diese Dinge nicht so
kurzer Hand abgetan werden können. In der Zurückführung des
Problems (Furtmüller) brauchen wir keine Benachteiligung
zu sehen; wir sind gewohnt so etwas als Fortschritt zu bezeichnen,
denn wir tun bei unseren Erklärungen überhaupt nichts
anderes als die Probleme zurückzuverfolgen.Prof. Freud gibt zwei Beispiele für die Aufklärung von Zwangsvor-
stellungen, um aufmerksam zu machen in wie wunderbar
verkleideter Weise man die infantilen Sexualregungen auffinden
kann. Beide Beispiele stammen von einer Patientin, die an schweren
Zwängen leidet. 1. hat sie beständig die Angst ein Kind zu über-
fahren, 2. hat sie Splitterangst (vor Glassplittern). Diese beiden
scheinbar so verschiedenen, die Pat. extrem einschränkenden Vor-
stellungen, lassen die gleiche Auflösung zu.Sie ist eine Frau, die keine Kinder hat und an der Enttäuschung die-
ser Hoffnung erkrankte. Diese Phobie nun entspricht wie jede
Phobie einem Wunsch d. h. er ist hier sadistischer Natur. Wie
kommt sie aber dazu das Überfahren von Kindern zu wünschen?
da sie selbst kinderlos ist, neidet sie allen anderen die Kinder.S.
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Dieser sonderbare Neidwunsch ist uns in der Anekdote vom Urteil Salomonis
erhalten, wo er zur Agnoszierung der wirklichen Mutter verwendet wird.
Neben dieser Rachenwurzel hat Phobie 1 noch eine Bedeutung. „Überfahren“
ist, wie wir aus Träumen wissen, ein sehr häufiges Symbol des Koitus (von der
Bewegung genommen). In dieser Übersetzung hiesse die Phobie: der Wunsch
ein Kind zu koitieren (sexuell zu gebrauchen). Das bekommt einen Sinn
durch eine einfache Ersetzung. Pat. ist in ihren Phantasien Weib und Mann.
Der Rachenneid ist der feminine, der andere der maskuline. Der Wunsch,
dass ein Mann ein Kind sexuell missbrauche: dieser Mann ist ihr Vater und
dieses absichtlich unbestimmt gehaltene Kind ist sie selbst. Der Schmerz,
dass der Vater sie nicht gebraucht hat, ist der Gehalt ihrer Neurose. Sie
ist die älteste von 5 Schwestern und hat sich, sauglingshaft auf die Geburtsvorgänge
gelenkt, vom Vater ein Kind gewünscht. Das im Verein mit einer deutlichen
Eifersucht auf die Mutter hat zu einer leichten Zwangsneurose geführt, die
in der Pubertät mit großer Frömmigkeit erlosch. Als sie erfuhr, dass sie
kein Kind bekommen könne, warf sich ihr Wunsch auf ihre infantile
Libido zurück. Ihre Phobie entbehrt keine eigentliche Angst, sondern sie
bekommt die unbestimmte Wahrnehmung, sie hätte ein Kind überfahren.
Die Phobien der Zwangs- n. haben nie Angst vor etwas. Es handelt sich dabei
immer um eine Angst, die an die Wahrnehmung gelangt ist, dass das
geschehen sei: es ist eine nachträgliche Angst.ad 2) hat eine rein infantile Motivierung resp. die anderen Motivierung
sind banal. Pat. erinnert sich spontan, dass man ihr als Kind gesagt habe,
der Storch bringe die Kinder durchs Fenster. Zufällig sah sie auch tatsäch-
lich anlässlich einer Geburt ein zerschlagenes Fenster. Hinter der Phobie
verbirgt sich also der Wunsch Splitter zu sehen und das ist der Beweis,
dass es ein Kind gibt, der sie jetzt ohnmächtig macht, während sie sich
damals, in der Kinderzeit, geeignet hätte, wenn ein neues Schwesterchen
ankam.Stekel hat auch in Selbstmordversuchen sich überfahren zu lassen
(d. h. in derartigen Phantasien) die Symbolisierung eines Sexualaktes ge-
funden. Diese Phantasien deuten immer auf eine Vergewaltigung.S.
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Koitus, der die Betreffenden von jedem Schuldgefühl freisprechen
kann. Zur Splitterangst dürfte sich im Verlaufe der Analyse noch die
Determination ergeben, dass ein Kind an einem Splitter zu Grunde
gehen möge. Das Wertvollste sei die Bemerkung über die Angst der
Zwangsneurotiker. Er habe wiederholt gefunden, dass ihre Angst darin
bestehe, dass sie etwas in der Vergangenheit Geschehenes auf die
Zukunft projizieren.Joachim erinnert zur Angst vor etwas Vergangenem an den Reiter
auf dem Bodensee.Hitschmann findet darin einen Widerspruch, da Pat. noch an den
Storch glaubte und doch vom Vater ein Kind wünschte.Federn führt für diese zwangsneur. Angst eine innere Sprache des
Wortes, „Geminusangst“ an und macht aufmerksam dass die Alter-
jahresfurcht für das Kind typisch und normal sei.Prof. Freud kann die Vergewaltigungsphantasie (Stekel) nur bestätigen,
bemerkt aber, dass für das Kind mit seiner sadistischen Auffassung
diese Annahme ohnehin selbstverständlich sei. – Hitschmanns
Widerspruch löse sich durch die Zeitverschiedenheit der Phantasien.Furtmüller meint aus seiner Beschäftigung mit Pascal, speziell mit seinen
nachgelassenen Notizen, die Vorarbeiten zu einer Apologie des Christentums
darstellen sollten, reklamieren zu können, dass Pascal ein außerordentlich
dankbares Objekt für eine Betrachtung nach psychoanalytischen Ge-
sichtspunkten wäre. Schon dieser Umschlag ins Religiöse sei merkwürdig.
In der kurzen Biographie seiner Schwester wird ein Jugenderlebnis erzählt, das
interessant genug ist: er war einige Tage lang von einem alten Weibe ver-
hext. – Weiter fällt uns eine gewisse Rastlosigkeit auf, die sich auf
verschiedene Gebiete wirft, er dann zueinermehr als gewöhnlichen
Leistungen bringt, um dann ein neues Feld zu suchen. Zuerst trieb er
Mathematik und Physik (Falleversuche); dann stürzt er sich einige Jahre
ins Gesellschaftliche Leben, dann wird er religiös und schließlich ein
mystisch-demütiger Christ, der alles Intellektuelle abschwört.
Er möchte sich einzelne Worte für ein tieferes Eindringen erbitten.S.
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und zunächst fragen, ob das überhaupt aussichtsvoll, ja möglich sei, da man
ja sehr wenig biographisches Material hat.Stekel meint das Unternehmen sei wenig aussichtsreich. Von
seiner gänzlichen Frommigkeit lebte f. eine Periode der Verzweiflung,
des Zweifels.Prof. Freud meint man könnte aber antworten, wenn die Frage
präziser gestellt würde. Bei Charcot wird einer Notiz Pascals
Erwähnung getan: er hätte oft die Empfindung längs eines tiefen Ab-
grundes dahinzurollen.Stekel teilt einige Kleinigkeiten mit. Die so häufige Symbolik des
Bahnhofs in Träumen habe nebst der Koitusbedeutung aller Fahrens noch
eine andere. Das Ankommen und Abfahren der Züge symbolisiert
Geburts- und Todesphantasien (Wunsch es soll jemand abfahren = ster-
ben). Das Überholten eines Wagens bedeutet oft das Überleben eines
andern (jemandem vorkommen, ihn überleben etc.). – Auch die Karten-
träume sind sehr häufig, sie bedeuten zunächst Spiel und wie alles Spiel
im Traume (Klavier- Violispiel etc.) sexuelles Spielen. Dazu kommt noch
die auch dem bewussten Denken geläufige geheime Symbolik des Karten-
spiels (der König sticht die Dame, der Kleine, der Pagat, der Bube etc.
Besonders Pigre-Ass spielt eine große Rolle). Noch häufiger sind Land-
Karten, die den Landkartartigen Zeichnungen auf der Wäsche ent-
sprechen, welche die Masturbation verraten.Für den Funfatischismus komme vielleicht noch in Betracht, dass
durch Berührung mit den Analorganen der Fuss zur erogenen Zone
werden könne; in einigen Fällen liessen sich solche Berührungen
nachweisen. Häufig bezieht sich der Wunsch auf den Fuss eines Kano-
niers (Federn kennt auch solche Fälle), deren Deutung einfach
genug sei. Da fiel der Kampf gegen den Funfatischismus mit dem
Kampf gegen die Masturbation zusammen und Kanonier bedeutet
Ka(keine) onanie (in einem Falle war das überdeterminiert durch
einen Onkel Kanonikus u. a.).S.
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Ein Violinspieler, der an einer Neurose leidet, bleibt in A-Dur Läufen
häufig stecken. Unter seinen Erinnerungen findet sich auch ein
Witz, den er einst hörte: zwischen zwei füss' (fis) hat sie's (cis, gis).
Er hat auch die Angst, er schwitze in den Händen zu viel und die Saiten
könnten reissen; das bezieht sich auf Seitensprünge; er glaubt sein
Leben einem Seitensprung seiner Mutter zu verdanken. Unter
Musikern spielt übrigens auch die bewusste Sexualsymbolik eine grosse
Rolle.Zum Abgrund des Pascal: alle Pat., die Angst haben, auf der Gasse zu
gehen, leiden an Angst vor einem Abgrund, was mit dem Sündenfall
zusammenhängt. Schrau in München hat gefunden, dass alle Neurotiker
an Höhenschielen leiden, das sich mit prismatischen Brillen korri-
gieren liess, so dass die Neurose gebessert wurde. In einem seiner
eigenen Fälle ging das darauf zurück, dass Pat. in der Kindheit mit
Glasprismen häufig spielte und beim Durchsehen vor den Augen einen
Abgrund hatte.Federn bezweifelt, dass bei jeder Platzangst Abgrundangst ist.
Freud möchte zunächst vor diesen wunderbaren Heilerfolgen warnen.
Wichtig sei auch bei aller Determination die akzidentellen von
den prinzipiellen zu sondern. Auch er möchte bestreiten, dass bei
Agoraphobie der Abgrund eine wesentliche Rolle spiele. Bei der Ph.
wird ein weit verzweigter Komplex ins Räumliche übersetzt; es
sind dort die verschiedensten Gedankengänge, die räumlich darge-
stellt werden; meist ehrgeizige. Dabei sieht man erst wie viele
verblasste räumliche Ausdrucksweisen unsere Sprache hat
(vorwärtskommen, es zu etwas bringen etc. etc.).
Der gesuchte und verehrte Fuss des Fetischisten sei der Penis der
Weibes (inf. Sexualtheorien).Tausk weist darauf hin, dass die Landkarte auch mit dem Geburts-
orte zu tun habe und erzählt eine diesbezügliche Zote.Zum Überfahren: der Wagen vertritt sehr häufig das Genitale des
Weibes (Freud: als Kasten siehe kleinen Hans).S.
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Er habe einen Fall von Platzangst gesehen, wo das Gefängnis der Raum
war, vor dem die Furcht herrschte.Sadger warnt vor der einseitigen Auffassung der Landkarten-
symbolik. In einem Traum bedeutete Landkarten Gesäss.Joachim bittet für einen Fall, den er behandelt um praktische Winke.
Es handelt sich um Angstzustände bei einerseitseit 7 jährigen verheirateten
Frau, die im ersten Jahre ihrer Ehe ein Kind hatte und seither den Coitus
interruptus übt, wobei sie aber der Mann vorher durch Masturbation
befriedigt. Während des Koitus ist sie anästhetisch. Sie macht sich
Vorwürfe, die auf infantile Vorwürfe wegen der Masturbation zurückgehen.
Sie hegt die Befürchtung durch diese abnorme Form der Befriedigung
krank geworden zu sein. Die Masturbation ist ihr natürlich zuuntersagenuntersagen, der
normale Koitus zu gestatten. Wie hat man sich da zu verhalten?Stekel möchte die Pat. nur von der Angst befreien, dass ihr die
Onanie schadet.Freud hält das nicht für ausreichend, da ihr die Onanie tatsäch-
lich schade. Wenn sich mit Abstellung der sexuellen Schädlich-
keit der Zustand nicht bessert so muss eine Analyse gemacht
werden; denn die Leute erinnern wenig und reproduzieren
das meiste.Joachim fügt hinzu es handle sich um eine 39jährig. Frau, die eine
Art Paranoia habe; sie hört Stimmen und es sei interessant
wie ihre Selbstvorwürfe (wegen der Onanie) dabei objektiviert
werden (sie hört z. B. „Drecksau“!).Federn berichtet von einem Fall, dessen Hauptsymptom eine psych.
Impotenz (1) war, der aber ausserdem an Zwangslachen (2) und an Schweiss-
händen (3) litt.ad 1. Pat. hatte in den ersten Lebensjahren starke Sexualerlebnisse.
Später beschäftigte er sich viel mit der Schwester, auf die er Inzest-
phantasien hatte, mit 12 1/2 Jahren hatte er seine Sexualität voll-
kommen verdrängt; es gelang die psych. Imp. aufzulösen.S.
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ad 2. bezieht sich fast ausschliesslich auf Absurditäten, die mit dem
Darmtrakt zusammenhängen; Trotz gegen den skatologischen Vater,
über den er immer lachen musste.ad 3. hat weder mit der Sexualität direkt noch mit der Analität
etwas zu tun, sondern hängt mit der Enuresis zusammen. Pat. war
starker Enuretiker gewesen. Die Schweisshände waren nur ein Ausdruck
der Verlegenheit; es wäre naheliegend das banal zu erklären und
zu sagen er würde eben wegen der Schweisshände verlegen, aber
es ergibt sich die Verlegenheit als das Primäre. Die Hauptwurzel
seiner Verlegenheit ist aber die Enurese, deretwegen er als Kind oft ausge-
lacht worden war, so dass er sich bei jedem Aufwachen in schwerer
Verlegenheit befand und sich zur Beruhigung einbildete er habe
nur geschwitzt unten. Dieses Schwitzen hat er von unten auf die
Hände verlegt; es war für ihn eine Beruhigung: ich habe ja nur
geschwitzt, nicht uriniert und zugleich eine Ersatzbildung
für die Enuresis sowie ein Symptom der Verlegenheit.Stekel erwähnt einen Violinspieler, der auch in den Händen errötet.
Die Symbolik von trocken und nass spielt beim Schwitzen eine
grosse Rolle. Er bezweifelt nicht, dass sich dies psychisch beein-
flussen lasse. —Rank zitiert ad Vorläufer der Breuer-Freudschen Verdrängungslehre
(Studien über Hysterie) eine Stelle aus Schopenhauer (Welt als Wille u. V.
Band 2, Kap 32 über den Wahnsinn) wo er die Entstehung des W. in
Zusammenhang bringt mit dem gewaltsamen „sich-aus-dem-Kopf-schlagen“
einer Sache. —Ein dichterisch sehr fein motiviertes Versprechen aus dem Kaufmann
von Venedig (III/2), die Eingangsworte der Porzia: „Halb bin ich euer,
Zur andern Hälfte Euer — Nein wollt ich sagen.“ — Das Versprechen
lässt der tiefe Psychologe Shakespeare gerade da ihr zustossen, wo
sie dem Geliebten verheimlichen will, dass sie ihm ganz gehört,
was das Versprechen verrät. —S.
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Ein eigenes Erlebnis aus der Psychopathol. d. Alltags. Ein entgegenkom-
mender Bekannter namens Gold wird unbewusst bemerkt, zu einer
Gold-Phantasie verarbeitet und beim Aufblicken wird er der
Betreffende bewusst erkannt. —Rank: Aus der Autobiography des englischen Romanciers Anthony
Trollope (vol I p. 56) eine Stelle, worin er seine erotisch-ehrgeizigen
Kindheitsphantasien schildert und ihnen es zuschreibt, dass er
Dichter wurde; diese Schilderung stimmt sehr schön zu Freuds
Aufsatz: Der Dichter und das Phantasieren. — Es besteht ein wesentlicher
Unterschied zwischen der Phantasie des Dramatikers und des Romanciers,
der wahrscheinlich auf eine fundamentale Verschiedenheit in
der autoerotischen Sexualbetätigung zurückgeht. Die Tagträume
der Gesunden und der Neurotiker scheinen am meisten Ähnlichkeit mit
den Phantasien des Romanschreibers zu haben, den auch Freud in seiner
Arbeit nur heranzieht; der Dramatiker hat andere Phantasien.Prof. Freud hat deswegen die mittelmässigen Romanschreiber
herangezogen weil es sich in dieser Arbeit nicht darum handelt
das künstlerische Problem sondern den psychologischen Kern auf-
zudecken. Bei der direkten Mitteilung von Tagträumen würden
wir nur Teilnahmslosigkeit verspüren; diese Schranke ist vom
Künstler zu überwinden. Mit den Verhüllungen des Unbewussten
fängt die eigentliche Kunst an. Die „unkünstlerischen“ Dichter
aber zeigen die Sachen, die wir suchen, am deutlichsten.
Das dritte Problem ist noch gar nicht in Angriff genommen.
Die Komplikationen durch die Sexualkonstitution und die
Mittel, deren er sich zur künstlerischen Darstellung bedient.
Jedenfalls sei viel vom Dramatiker zu sagen, dass er Sadist
sei. Auch der Genuss am Drama beruht ja wesentlich auf
sadistischen Wirkungen.Joachim meint, dass der Dramatiker die Wendung des Auto-
erotismus zur Objektliebe zeige.S.
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Prof. Freud: Das Drama zeige deutlich wie die Multiplikation des
Schauspielers in der griechischen Tragödie entstand: das sind
Abspaltungen derselben Person. — Jung habe auf einen para-
noischen Roman hingewiesen: Imago von Spitteler.Rank: Die eigene Person als Liebesobjekt sei bei Malern fast typisch
wie die zahlreichen fast von allen Malern gemachten Selbstporträts
beweisen.Prof. Freud bestätigt dies und fügt hinzu, dass junge
MalerMaler den
porträtierten Gestalten eigene Züge geben.Rank erwähnt schliesslich, dass die Ödipus-Sage neben dem Inzest Komplex
auch dessen Gegenstück, die Homosexualität enthalte und zwar d. in der
Sphinx, die einen weiblichen Oberkörper und den Hinterleib eines männ-
lichen Tieres zeigt, das Weib mit dem Penis, was infantile Sexualtheorie
aufweist, die sich hier deutlich auf die Mutter bezieht, d dazu stimmt nicht
schlecht, dass der Fuss eine so grosse Rolle spielt. —Hitschmann berichtet die Titel einiger neuerer Arbeiten: Meyer: Über die
körperl. Erscheinungen der Dem. praecox. — Im letzten Heft des Brod-
mannschen Journals d. hyst. Dämmerzustände. In dem Archiv f. Rassen-
u. Gesellschaftsbiologie über den Ursprung der Homosexualität auf Grund
der Dezendenzlehre.Zur Bedeutung des Fusses einen Fall, wo eine Mutter das Kind zur Erwärmung
über füsse benutzte.Der Neid der Kinderlosen: eine kinderlose Dame, die ein Inst. leit.,
hat häufig Träume, dass die ihr anvertrauten Kinder in ihrem Aufzug
hinunterstürzen.Eine anästhetische Frau, die Vergewaltigungs Träume hat. —
Er behandle jetzt einen jungen agoraphobischen Mann mit seltsamen
Sachen; man sieht, es hängt doch nicht so eng mit den Augen
zusammen. —
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