Rank, Otto (1911-431/1911.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Reik ›Über Tod und Sexualität‹
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Der Vortr.unternimmt den Versuch,den befremdlichen Zusammenhang
von Todesgedanken und sexuellen Phantasien,der dem Psa.geläufig ist,
dem Verständnis näher zu bringen und fasst die Gründe dieser Erschei
nung in drei Hauptgruppen zusammen:1.formale,2.äussere und 3.psycho-
logische,die jedoch im einzelnen Falle zusammenwirken werden.Ad 1 Der formale Grund beruht auf der Tatsache,dass im Seelen-
leben Gegensätze gerne für einander eintreten,vorzugsweise wo das
Ubw.an der Arbeit ist.Diese Plastizität des psychischen Materials
vollzieht sich nicht im Individuellen,sondern ist gattungsmässig
präformiert.Gewisse Verknüpfungen,wie die von Liebe und Tod,ziehen
sich durch die ganze Geschichte,durch die Sitten und Gebräuche aller
Völker.Ad 2 Zu den äusseren Gründen zählt der Vortr.physiologische Be-
ziehungen zwischen den beiden Erscheinungen,z.B.die Aehnlichkeit
zwischen dem Orgasmus und dem Eintritt des Todeskampfes.Stärker noch
wirkt die Erfahrung,welchen Einfluss die abnorme vita sexualis auf
das Gemeingefühl ausübt.Weininger und Swoboda haben den Koitus als
ein partielles Sterben betrachtet.Doch möchte der Vortr.bei allem
Anschlagen.Bedeutsamer für das Zustandekommen der Beziehung von Tod
und Sexualität sei die Angst,die abnormale geschlechtliche Funktion
voraussetzt.Noch deutlicher ist mit der Behauptung von Fliess:alle
Angst ist Todesangst,der Zusammenhang gegeben.-Die vita sexualis
führt also die Menschen durch eine Reihe physiologischer Tatsachen
selbst auf den Zusammenhang.(Eintagsfliegen,andere Insekten etc,,die
nach dem Zeugungsakt sterben).In der Mitte zwischen den von aussen eindringenden Determinan ten
und psychischen Erlebnissen,welche die Verbindung herstellen helfen,
steht das Gesetz,die legale Bewertung des Geschlechtslebens.Die Re-
aktion gegen die antike Lebensfreudigkeit,die im Christentum ihren
Höhepunkt erreichte,fasst alle irdische Lust als Sünde und Augusti-
gedankenmässig stark hervortritt.Der geschlechtliche Verkehr wird
zur Todsünde gemacht und auch sexuelle Gedanken werden so bewertet.
Durch das Schreckgespenst des Todes und der ewigen Verdammnis,die
der irdischen Liebe und Sinnenlust folgten,war der Zusammenhang her-S.
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gestellt.Mit der Syphilis,die sich als unmittelbare Folge der ge-
nossenen Lust einstellte wurde die Beziehung noch enger geknüpft
und trat krass in die Erscheinung.So tritt neben die sittlichen
Wertungen und Strafen für den Sexualverkehr der Mittelbegriff der
Krankheit zur Verknüpfung von Tod und Sexualität.Ad 3 Die psychologischen Momente,aus denen sich die Verknüp-
fung aufbaut,sind von der mannigfachsten Art.a)infantile Quellen:Sexualtheorien,dass erst ein Familienmit-
glied sterben muss,ehe ein neues zur Welt kommen kann;Auffassung
des Koitus als Kampf;Drohungen vor den Folgen der Onannie etc.Auf früheren Stufen psychischer Entwicklung werden die Toten
als Dämonen betrachtet,die besänftigt werden müssen.Auch die sexuel
le Lebensführung ihrer Nachkommen unterliegt ihrer Kritik und Stra-
fe.Anderseits erscheinen die Toten in den Sagen selbst noch von der
Libido gequält.Bräute,die vor der Hochzeit sterben,werden zu Vampy-
ren,welche die jungen Männer entkräften und mit sich ziehen(Vampyr
glaube nach Kleinpaul aus der Erfahrung der Pollutionsträume ent-
standen).Den Uebergang zu den kriminellen Phantasien,welche eine wichti
ge Beziehung bei der Verknüpfung bilden,bietet die Sage von der
weissen Frau,die als Hüterin der Moral ihrer Nachkommen das Ausster-
ben ihres Geschlechtesabwartenselbst durch einen Inzest verdammt muss,das ebenfalls sündige Liebe
pflegt.In zahlreichen Träumen sadistischen Inhalts zeigt sich deut-
lich der Sexualneid gegen den Vater als treibendes Motiv.Die ganze
Zahl sadistischer und masochistischer Tendenzen ist hier von gröss-
ter Bedeutung,was am klarsten beim Sexualverbrecher (Wulffen)hervor-
tritt.Die Grausamkeitskomponente wird fast immer durch unbefriedigte
Libido verstärkt.-Was die Gesetze fordern kehrt in Tag -und Nacht-
träumen wieder:für Gedankensünden werden Gedankenstrafen erlitten,
Inzestphantasien werden durch Angst-und Todesgedanken gesühnt.Es gibt noch andere Wege,die diese Begriffsverschmelzung bewir-
ken.Wir wissen,dass der Gedanke an den Tod das Leben heisser umklam-
nern lässt.-Die letzte Ursache des Ineinanderübergehens beider Phä-
nomene ist der Unsterblichkeitsgedanke,der Gedanke,dass wir in unse-
ren Kindern fortleben(Der Gott Siwa hat Totenköpfe und das Linwam als
Attribut.So schliesst sich der Ring,den Werden und Vergehen,Eros undS.
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Thanatos bilden.-
Der Vortr.erläutert seine Ausführungen an Beispielen aus der
Litteratur,wobei er insbesondere auf Flauberts Versuchung des hei-
ligen Antonius,dann auf die Dichtungen Schnitzlers und Beer-Hof-
manns näher eingeht.
D I S K U S S I O N
Federn möchte dem interessanten Material zunächst einige li-
terarische Beiträge hinzufügen.Byrons Don Juan spricht die Vulva
an:Du schwarzes Tor des Lebens und des Todes.-Bei den Chassidim wur
de die Braut mit dem Totenhemd bekleidet.-Mickiewicz hat im 1.T.
der Totenfeier dargestellt,wie ein unglücklich Liebender immer wie
der die Liebesszene als Selbstmord darstellt.Zum Verlust der Lebenskraft bei der Samenabgabe erwähnt er ei
nen Fall von Anorexie,bei dem sich herausstellte,dass er nach den
Pollutionen den Samen verschlungen hatte.Das Christentum sei eine zur Erhaltung der Menschheit not-
wendige Reaktion auf die ungeheure Uebertreibung der Sexualität
(Orgien) am Ausgang der Antike gewesen;sein psychologischer Feh-
ler liege,wie Nietzsche und Freud gezeigt haben,nurdarin/der Ver-
kennung der Tatsache,dass keine Unterdrückung gänzlich gelingen
könne und bei starkem Trieb zu ebensolchen Exzessen in phantasti-
scher Form führen müsse wie der ursprünglich zügellos gewordene
Trieb.Von den Sterbeträumen müssten die Tötungsträume unterschie-
den werden;Träume,wo die eigene Person(oder eine Ersatzfigur)stirbt
fanden sich bei zwei Patientinnen,die beide noch nicht sexuell ver
kehrt hatten.Es würde sich fragen,ob man die Sterbeträume nicht
überhaupt auf die asketische Zeit zurückzuführen seien.Tausk
unternimmt versuversucht die theoretischen Ausführun-
gen des Vortr.von der Auffassung des Liebesgenusses als einem aus
sich heraus und in den andern hinein Flüchtens zu ergänzen.Die
Psyche,der sich das Dasein als Kampf darstelle,habe des Bedürfnis
dieses Kampfbewusstsein zu vergessen,was nur in der höchsten LustS.
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oder im Tode möglich sei(Freud:auch im Rausch).Psychologisch erhebt
sich die Frage,ob der Tod für die Sexualität Symbol ist oder umge-
kehrt.Das Gemeinsame ist:weg vom Bewusstsein,das ich bin,und je nach
der betreffenden Psyche wird das eine für das andere eingesetzt wer
den.Hiermit ist der für uns wichtigste Punkt des Themas,das Angst-
problem,aufgerollt.Ein völliges Aufgehen im Liebesgenuss ist viel-
leicht niemals ganz möglich,ein Teil von Libido(Affekt)geht nicht
ganz auf und dieser dissoziierte Teil liefert Angst.Hier tritt ein
Zwiespalt auf:Der Affekt kehrt sich gegen sich selbst,wenn er seine
Energie nicht in einer Linie aufgebraucht hat.Der Orgasmus kehrt
sich gegen sich selbst:also Tod.Von diesem Standpunkt ist das Chris
tentum nichts als eine mit einem Objekt ausgestattete Angsterschei-
nung.-Zur Verknüpfung von Liebe und Tod sind nicht alle Komponenten
der Sexualität gleich befähigt,sondern nur die,welche zur Vernich-
tung des Subjektes eine nähere Beziehung haben:Sadismus und Masochis
mus.In diesem Sinne ist der Liebestod ein masochistisches Sexual -
äquivalent(Reik).-Jedes Leben wird mit dem Tode gesühnt,jede Angst
ist Todesangst.Wir stehen hier vor der Frage des Schuldbewusstseins
im weitsten Sinne. -Es scheint,dass nicht nur Sexuallibido,wenn sie
gehemmt ist,Angst auslöst,dass dass diese Eigenschaft jeder Stauung
der Triebtendenz zukommt.Todesangst bedeutet die Stauung aller dem
Leben verfügbaren Triebe;mit Ausnahme des Fresstriebes.Doch haben
dessen Hilfstriebe,die er mit dem Sexualtrieb gemeinsam hat,eben -
falls diese Eigenschaft.In diesem Sinne ist alle Angst Todesangst.Sachs möchte es dem Vortr.besonders hoch anrechnen,dass er ge-
rade vieles von dem,was uns geläufig ist,selbständig vorgebracht ha-
be.-Die bekannteste und innigste Verbindung von Tod und Sexualität
finde sich in der Geschichte vom Sündenfall.(Auch Miltons Paradies
lost)?Bei Schnitzler dränge sich diese Nebeneinanderstellung deut -
lich vor und in :Der Weg ins Freie sei sie wenn auch in Form eines
Witzes direkt ausgesprochen.-Unter den allgemeinen Gesichtspunkten
vermisste man den Hinweis,dass für jeden Menschen das Leben nach dem
Tode und vor der Geburt einen gewissen Zusammenhang haben.Das Lie-
gen im Mutterleib hat etwas Sexuelles und in der Identifikation des-
selben mit dem Liegen in der Erde ist die Verbindung von Tod undS.
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Sexualität gegeben.Eine Bestätigung liefert Hamlet,bei dem sich im
Zusammenhang mit den Inzestphantasien die Todesgedanken vordrängen.In einem Traume,dessen Deutung im nächsten Jahrbuch zu finden
ist,erklärt sich die Wendung:Und er stirbt sofort,als Ausdruck des
Wunsches,sich von nun an dem Lebensgenuss hinzugeben.Sadger weist in Ergänzung des Vorgebrachten auf Schnitzlers
Schleier der Beatrice hin.Ferner auf die typische Redensart,vor
Lust vergehen.Dass viele Neurotiker nicht koitieren oder den Samen
zurückhalten,um ihr Leben zu verlängern,sei eine häufige Erfahrung.
Er kenne zwei Fälle,wo der Tod geliebter Personen auf die Kinder
(einen Knaben von 8 Jahren,dessen Mutter und ein Mädchen,dessen
Vater starben)keinen Eindruck machte.Dagegen gibt es Kinder,die aus
gesprochene Todesfurcht haben(z.B.Lenau mit 5 Jahren).Vielleicht
bleibt dort der Schrecken vor dem Tode aus,wo die Todeswünsche auf
die Eltern weggeblieben sind?Das Kind sieht den Tod meist nicht nur
als etwas nicht Schreckliches,sondern als etwas wünschenswertes,
eine Erlösung an.Hitschmann möchte sich beschränken auf die Erwähnung der Zwang
neurose,wo Sexualität und Todeswünsche in so engem Zusammenhang ste-
hen.Ferner hinweisen auf das gemeinsame Sterben und die Nekrophilie.
Dass Suizid aus Mangel an Liebe oder Geliebtwerden erfolgen kann,
wurde in der Selbstmorddebatte erwähnt.Erwähnung eines Traumes,in
dem das Todsein das Entbehren der Sexualität bezeichnet.-Das Ster-
benwollen sei ein exquisit masochistischer Genuss(Hingerichtet werden)
Das post coitum triste treffe für den Normalen gewiss nicht zu,
ebensowenig wie das Erlösungsbedürfnis in der Liebe und die unvoll-
kommene Befriedigung(Tausk);dazu gehöre schon eine Spur von Perver-
sion oder irgend etwas Neurotisches.-Gewiss sei es hauptsächlich
die Angst,welche die Verbindung von Tod und Sexualität herstelle
und dass dabei auch Nervenbahnen eine Rolle spielen,zeige sich darin
dass das Herz mit der Angst ebenso zusammenhänge wie mit der Liebe.
Interessant ist,dass ganze Völker(Inder)das Leben als Sünde und den
Tod als Sühne ansehen.Rosenstein findet,dass im Zusammenhang von Angst und Sexualität
drei Dinge zu scheiden wären:1.der biologische Zusammenhang(eine Art
Identifikation),2.die Reaktionserscheinung gegen die Sexualität alsS.
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Schuldbewusstsein,und 3.die nicht befriedigte Sexualität,die sich
in der Angstneurose zeigt.Manches habe Klages in seiner Charaktero-
logie dargelegt,wo er z.B.das sich hingeben und nicht hingeben als
wesentliche Charakterunterschiede hinstellt.-Vielleicht bedeutet die
Sexualität wirklich einen Lebensverlust.Der Konflikt zwischen Ich u.
Sexualität besteht ja bei jedem Menschen und der Neurotiker würde
nur an seinem hypertrophischen Ich-trieb erkranken,der der Sexualität
das Ausleben nicht gestattet.-Das Christentum ist wohl Ausdruck einer Sexualverdrängung aber
nicht schuld daran.-Die eigene Todesangst und die Teilnahmslosigkeit
beim Tode anderer schliessen einander nicht aus (Sadger).Der Eindruck
hängt wohl davon ab,wie weit man dem Objekt Zärtlichkeit zugewendet
hatte(Sadger bemerkt,das stimme in seinen Fällen nicht,wo die Kinder
sehr an den betreffenden Personen hingen).Spielrein hat viele der heute besprochnen Probleme in einer
bereits abgeschlossenen Arbeit(Destruktion als Ursache des Werdens)
behandelt.So die Angst vor der Auflösung des Ich oder der Verwand-
lung in eine andere Persönlichkeit;ferner das Problems des ewigen
Lebens(Glaukos,der fliegende Holländer),das so schrecklich wie die
Geburt aufgefasst werde und wobei der Tod nichts anderes als die Ge-
burt darstelle.Ebenso sei dort auf die biologischen Zusammenhänge
sowie auf die Todesphantasien als Strafe für Inzestphantasien ein-
gegangen.-Die Todesgedanken seien im Sexualinstinkt selbst enthalten
nur werden einmal die Lebens-ein andermal die Todeskomponenten her-
vorgehoben (z.B.dort,wo das Individuum das Sexuelle als Verbrechen
empfinde:Inzest).Stekel reiht das Problem in die Bipolarität ein.Die Lösung des
Problems liege im Triebleben.Der Zerstörungs-und der Zeugungstrieb
seien offenbar eine Verschränkung eingegangen(Wilde in der Ballade:
denn jeder tötet,was er liebt)(Dass der Schaffensdrang als Zerstö-
rungsdrang auftreten kann,ist eine Rückschlagserscheinung,wie die
Neurose überhaupt.Die Menschheit erneuert sich durch Rückschläge auf
frühere Kulturstufen.Findet das Individuum dann keinen Ausweg,so wird
es entweder ein Neurotiker,oder ein Verbrecher oder er zerstört als
Reformer und Künstler alte Werte.-Die Sagen von den Geistern,die tö-
ten,gehen darauf zurück,dass jede unbefriedigte Libido wandern muss,S.
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bis sie ihre Befriedigung findet.-Im Christentum zeigt sich,dass je-
de Libido ihren Wert verliert ohne Hemmungen;es musste auch für die
Menschen die Sexualität erst ihren Wert verlieren,so wie bei den In-
dern das Leben erst durch das Verbot des Lebens seinen Reiz bekam.
Die Angstentwicklung bei Verdrängung der Libido ist weniger organisch
bedingt als in den unbefriedigten Trieben(Tausk).-Der Tod im Traume stellt häufig den Wunsch dar,ein neuer Mensch
zu werden.Die Teilnahmslosigkeit der Kinder beim Tod geht immer auf
Schadenfreude zurück.-Der Konflikt Hamlets liegt tiefer als im Inzest
es ist der Konflikt des ungehorsamen Sohnes,der auch in andern Dra-
men Shakespeares vorherrscht(Lear).Freud bespricht aus dem weitschichtigen Thema nur drei Punkte:
1.im Angstproblem treffen sich zwei bedeutsame Fragen.Er habe nur
die Entstehung der neurotischen Angst erklärt,die von der Lebensangst
verschieden sei.Auch heute wurden wieder zwei Probleme berührt:a)ob
Angst auch entstehen könne durch Unterdrückung von anderen als sexu-
ellen Trieben,b)durch welchen Mechanismus entsteht Angst überhaupt
bei Verdrängung von Trieben.Die neurotische Angst gehe regelmässig auf Verdrängung sexuel-
ler Energien zurück.Die Ansicht von Fliess,dass jede Angst Todes -
angst sei,werde sich wohl als unhaltbar erweisen.Das theoretische
Verhältnis der neurotischen Angst zur Lebensangst sei noch zweifel-
haft.Eine Untersuchung würde wahrscheinlich zeigen,dass diese Angst
neurotische Angst und nichtLebensTodesangst ist.Dass jede Angst Angst
vor sich selbst,vor seiner Libido sei,sei richtig;aber diese beiden
Sätze können nicht nebeneinander bestehen.Die Auskunft,dass die Angst auf dem Wege des psychischen Kon-
flikts entstehe,beantwortet das schwierige Problem nach dem Mechanis-
mus der Angstentwicklung höchst oberflächlich.Der Konflikt ist nur
die Form,aber die Angst muss anderswoher in die Psyche hineinkommen
und was die Hauptsache ist,er muss akut werden2.Beim Verhalten der Kinder zum Tode ist hervorzuheben,dass
sie sich verhalten wie die erwachsenen Neurotiker.Auch bei ihnen
kommt die Neurose erst später nach und eine mächtige Triebfeder der-
selben ist die Trauer,die hier ins Pathologische gesteigert ist.Die
Neurotiker sind der psychischen Leistung nicht gewachsen,sie haben
ein ambivalentes(bipolares)Verhältnis zu dem Thema,können es aberS.
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psychisch nicht bewältigen.Auch die Kinder erweisen sich psychisch
als nicht leistungsfähig und wahrscheinlich geht das mit der sexue
llen Reife Hand in Hand.Die ambivalente Einstellung muss ihnen die
Aufgabe erschweren;alles ist sie gewiss nicht.3.Beim Thema des Christentums hat Stekel den Mechanismus zu
der von Federn hervorgehobenen Tatsache hinzugefügt.Auch Jung habe
in seiner letzten Arbeit ausgeführt,dass die Antike zugrunde gegan
gen sei,weil ihr der Sexualgenuss durch die masslose Freiheit ent-
wertet worden sei.-Es fragt sich,ob das ein allgemeiner Charakter
des Trieblebens oder des Sexualtriebes im besondern sei.Für die
erste Annahme würde alles sprechen;doch zeigt die Tatsache,dass
der Trinker,der sein Objekt liebt und überschätzt,glatte Befriedi-
gung erlangt und diesen Einschränkungen des Sexualtriebs nicht un-
terliegt. /Tausk bemerkt noch dazu,es handle sich um den Konflikt zwi -
schen Art und Individuum.Die primäre,der Art dienende Funktion des
Triebes gerät mit der sekundären,der individuellen Lust dienendenBefriedigungin Konflikt,die darum nie voll befriedigt werden kann
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Herr cand.phil.Theodor Reik wird am Schluss der Sitzung einstimmig
zum Mitglied gewählt.