[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Sadger ›Über den sado-masochistischen Komplex II‹ 1912-423/1913.02

Rank, Otto (1912-423/1913.02): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Sadger ›Über den sado-masochistischen Komplex II‹

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  • S.

              Dattner wendet ein, dass die Behauptung des Pat., er habe sich
    nach Aufdeckung der Säuglingsaetiologie leichter gefühlt, für den
    Wert dieser Einsicht nicht massgebend sein könne. Auch möchte er sich
    entschieden gegen die vorgetr. Ansicht über die Entstehung des Hymens
    wenden.

              Weiss meint, dass eine solche Verstärkung einzelner erogener
    Zonen, wie sie zur spezifischen Aetiologie nötig sei, im Stadium des
    Narzissmus eintreten könnte. Die S.M. Betätigung des Kindes wäre aus
    seiner bisexuellen Anlage zu erklären.

    *  *  *  *  *  *  *  *  *  *
    /     2. Abend     /          6 Sitzung ?

    Hitschmann bringt ein Beispiel von Wortsad.

    Reinhold wiederholt seine Einwendungen bezüglich der Haut-etc-
    Erotik und vermisst in den wiedergegebenen Lösungen der Pat. die gem.
    Bearbeitung.

    Reitler stimmt mit Vortr. darin überein, dass die Kasuistik nicht
    entsprechend ausgearbeitet worden sei und die Nachweise einer Haut-
    etc-Erotik in diesen Fällen nicht erbracht sei (speziell nicht der ei-
    ner Urethralerotik). Dass der S.M. mit der Hautoberfläche zusammenhängt
    sei natürlich; ob es aber eine Muskelerotik gebe, sei zweifelhaft. Mit
    der Annahme eines bes. Grausamkeitstriebes beim Kinde sei ein ähnli-
    cher Fehler wie von Stekel mit der Kriminalität begangen worden; es
    handle sich vielfach nur um Bemächtigungstriebe. Die Urethralerotik
    in dem Masse anerkennen, hiesse den Sexualtrieb aus der Welt schaffen;
    in solchen Fällen (wie z.B. Rousseau) handle sich es sich einfach um
    sexuell frühreife Kinder. - Treffend sei die Bemerkung des Pat. dass
    die Marterwerkzeuge den Penis symbolisieren.

    Tausk findet, es sei nur gezeigt worden, dass die erogenen Zonen
    sad.-m. verwertet werden, aber nicht woher der S. kommt; auch wurde nicht
    gesagt, warum die Urethral- und Muskelerotik daran besondern Anteil ha-
    ben soll; ebensowenig unter welchen besonderen Bedingungen aus einem
    Menschen mit empfindlicher Haut ein S.M. wird. Alle die angeführten Erleb-
    bnisse aus der Kindheit werden nur später in einem bestimmten Sinne
    verwendet; die Frage ist warum.

    Federn betont, dass der Vortr. die Probleme des S.M. nicht berührt hat

  • S.

    habe. Zwei Bemerkungen seien richtig: dass der Blutsad. auf die bes.
    Lust zurückgehe, die Frauen oft an ihrer Menstruation haben. 2 / das
    Zurückführen der Fesselungssymptome auf die infantile Fesselung.
    Schliesslich bemerkt Fedner noch, dass er die Publikation der Arbeit
    in dieser Form für nicht ratsam und schädlich halte.

    Sad. - abgeleiteter
    u. n. klassisches [?]
    Sachs bemerkt, dass Rousseau seine leibliche Mutter nicht ge -
    kannt habe und in inniger Beziehung zu seinem Vater aufgewachsen
    sei. Dass er an Harnbeschwerden litt, ist richtig, doch könne man da-
    raus eine Harnerotik noch nicht erschliessen. Dass diese Beschwerden
    nervöser Natur waren, liesse sich vielleicht aus der Tatsache ver-
    muten, dass R. eine Audienz beim König mit Rücksicht auf seine incon-
    tinencia urinae ablehnte xxxxx. In einem Punkte sei der Vortr. misver -
    standen worden, der nicht die Absicht hatte, den Mechanismus des
    Zusammenhangs von Sad. und Hauterotik darzustellen, sondern nur darauf
    hinzuweisen, dass in allen Fällen von Sad. eine erhöhte Reizbarkeit der
    Haut zu finden sei.                                   

              Rosenstein ist im wesentlichen mit vielen Vorr. einverstanden.
    Die herangezogene (Feiern) Wallung des Blutes ist für den Sad. nicht
    wesentlich, würde aber auf den Zorn als bedeutsamen Faktor hinweisen.
    Der beste Einwand gegen die Zurückführung einzelner Symptome auf die
    Säuglingspflege sei der von Prof. Freud gemachte Hinweis, dass in
    England, dem klassischen Lande der Flagellomanie die Kinder nicht ge-
    wickelt werden. - Die vorgebrachten Autoanalysen erweisen sich als
    Suggestionserfolge.

              Hitschmann erwähnt, dass neuere Forschungen das Leiden Rousseaus
    anatomisch erklären.

    /     Prof. Freud bringt zunächst ein Beispiel von Wortsad. - Es handelt
    sich um eine Dame aus den höheren Kreisen der Lebenskunst mit einem
    merkwürdigen Liebesleben. Sie verlangt vom Manne eine bestimmte Szene
    von deren Gelingen die Sonderbarkeit ihrer Liebesexistenz abhängt.
    Er muss sie nach einem Wortwechsel niederwerfen, entblössen, ihr die Bei-
    ne auseinander reissen, das Genitale inspizieren und dabei sie unflä-
    tig beschimpfen. Am Ende muss er sie masturbieren. Sie stellt während
    dessen vor, dass Zuschauer dabei sind, wovon sie hauptsächlich ihr Ver-
    ngügen ableitet. Einmal stellte sie sich unter den Zuschauern auch ihren
    Vater vor, erschrak aber so sehr, dass sie eine Zeitlang die Szenen ein-

  • S.

    stellte. Das Schimpfen leitet sich von einer Eigentümlichkeit ihres
    Vaters ab, der jetzt alt und arbeitsunfähig, an Schwindel leidend, von
    der Tochter reichlich erhalten wird. Es liegt nahe, die Reihenfolge um-
    zukehren, so dass zuerst die Masturbation, dann die Untersuchung und zu
    endlich das Schimpfen folgt. Als Kern ergibt sich, dass das Mädchen,
    vor dem 3. Jahre, vom Arzt mit Gewalt untersucht worden war, wobei wahr-
    scheinlich die Eltern als Zuschauer zugegen waren. In ihrer Phantasie
    setzt sie nun den Vater an Stelle des Arztes. Die Untersuchung erfolgte
    damals wegen Bettnässens. Für die Pathogenese ihrer Neurose, die sich
    einstellte als da in Gefahr war, ihre Einkünfte zu verlieren, aus de-ne
    sie den Vater erhalten hatte, ist der Vater bedeutsam, dessen Schwindel-
    anfälle sie in ihren Symptomen nachahmt. In dieser Identifizierung
    kommt sowohl die zärtliche Regung als auch der verdrängte Wunsch,
    jeder Verpflichtung durch den Tod des Vaters ledig zu werden, zum Aus-
    druck.

              Zum Vortr. selbst sei zu bemerken, dass das vorwiegend kasuistische
    Material grosse Anforderungen an die Hörer stellte und dass die Ar-
    beit Gliederung und Aufbau vermissen lasse. /

              Sadger sucht im Schlusswort sich mit einzelnen Rednern auseinan*
    der zu setzen und wendet ins. gegen den Hinweis auf England ein, dass
    er die Flagellomanie in keinerlei Zusammenhang mit der Fesselung
    der Säuglingszeit gebracht habe. Auch habe er nicht behauptet, dass
    der Mas. primär sei, sondern sowohl die aktive wie die passive Form
    wurzeln auf der Hauterotik. Damit einer Sad. werde muss die dem Ichtrie-
    ben entstammende Grausamkeitskomponente hinzukommen.

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