[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Stekel & Reinhold ›Über die angebliche Zeitlosigkeit des Unbewußten‹ 1911-430/1911.01

Rank, Otto (1911-430/1911.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Stekel & Reinhold ›Über die angebliche Zeitlosigkeit des Unbewußten‹

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    P R O T O K O L L
    der

    3. S i t z u n g
    am 8.November 1911.






     

    DISKUSSION

    Ueber die angebliche Zeitlosigkeit des Unbewussten.

    Referenten:Dr.Stekel,Dr.Reinhold.

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              Stekel geht davon aus,dass der Neurotiker sich durch sein
    Verhältnis zur Realität verrate.Er zeige die Tendenz,die gegen-
    wärtige Realität zu annulieren und eine historische Realität zu
    fixieren.So liebt,erz.B.seine alternde Mutter weil er die Veränderun-
    gen ignoriert.In diesem Sinne  treffe die Behauptung zu,dass das
    Unbewusste keine Zeit kenne(Hinweis auf ein Gedicht von Wilhelm
    Pfau:Mama bleibt immer schön).Die infantilen Ideale des Neurotikers
    unterliegen nicht der Usur durch die Zeit;er ist im ewigen Kampf
    mit der Zeit,er verschwendet sie,weil sie für ihn keineWert Zeit hat.
    Das Problem der Zeit ist aber auch das tragische Problem des Kindes.
    Die Zeit verstreicht dem Kinde,das schon gross sein möchte,viel zu
    langsam.Dann kommt der Oedipuskomplex und es empfindet es tragisch,
    dass ihm die Mutter um so viel voraus ist.Die Empfindung,etwas nicht
    erreichen zu können,die sich in Träumen und Symtomhandlungen äussert,
    wurzelt in dieser zeitlichen Differenz zu den Eltern (Vater),die nie
    eingeholt werden kann.(Gedicht eines 6jährigen Knaben über die ent-
    schwindende Zeit).Das Kind kann wie der Neurotiker mit dem Zeit-
    problem nicht fertig werden,was aneinzelnen Beispielen erläutert wird
    So inszenieren d die Kinder bald einen Wettkampf mit den Erwachsenen
    um den Vorsprung im Leben.Die Schadenfreude,die Aelteren doch zu
    überleben äussert  sich oft unverhüllt bei Todesfällen,wendet sich
    aber als Talion gegen die eigene Person in der Idee,früh zu sterben;
    hier liegt die tiefste Wurzel der Hypochondrie.
         Redner bespricht hierauf das Verhältnis der Neurotiker inbe-
    zug auf die Zeit in der psychoanalytischen Kur;sie kommen zu spät
    oder zu früh,haben Angst,dass sie mit der Behandlungszeit nicht aus-
    kommen etz.Die Bedeutung der Zeit zeigt sich auch an dem unbewussten
    Kalender der Kranken,der gewisse Erlebnisse der Vergangenheit fix-
    iert und sie stets von neuem zu bestimmten Zeiten durchlebt,von de-
    nen das Bewusstsein nichts weiss.Die falsche Einstellung der Neuro-
    tiker zur Zeit zeigt sich ferner in ihrer Ungeduld,dem Zweifel wie
    spät es ist(fort auf die Uhr sehen)und der Empfindung/das Zeitgefühl
    verloren zu haben.
         Die Annulierungstendenz gegen die Realität der Zeit wurzelt al-
    so darin,dass das Unbewusste die Zeit nicht kennen will und sich da-
    rum über sie hinassetzt.

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    Reinhold möchte nur das von Prof.Freud aufgeworfene Thema,dass das
    Unbewusste zeitlos und räumlich sei,präzisieren und gegen andere
    nicht dazugehörige Themata abgrenzen.Die Schwierigkeiten,die sich
    aus der Behauptung ergeben,sind zunächst rein erkenntnistheoretische
    Natur und betreffen das Unbewusste als Gegenstand der Erkenntnis.
    Fasst man es im Sinne der Psa.als etwas Psychisches auf,so ergibt
    sich aus der rein begrifflichen Deduktion allein die UnMöglichkeit,
    dem Unbewussten die Zeit als erkenntnistheoretischen Formalbegriff
    abzusprechen.Um den Widerspruch mit den Grundlagen der Psa.zu vermei-
    den,muss also diese Art von Zeitlichkeit resp.Zeitlosigkeit der be-
    wussten und unbewussten Vorgänge,die sich auf das Unbewusste als
    Gegenstand der Erkenntnis beziehen,aus der Diskussion ausgeschaltet
    werden.-Da die Zeitlosigkeit  des Ubw.von Prof.Freud im Gegensatze
    zur Zeitlichkeit des Bewusstseins gedacht wurde,ist zunächst die
    vielfache Relation des Bewusstseins zur Zeit zu besprechen.Dies ge-
    schieht unter den Titeln:1.Organisation des Bewusstseins;2.Enge des
    Bewusstseins und 3.Zeitbewusstsein.Ad 1) Das Bewusstsein ist eine rein
    historische Organisation und als solche ohne  die Zeit undenkbar.
    Will man daraus auf das Unbewusste schliessen,so ist zu berücksich-
    tigen,dass ein Unbewusstes an sich und ein nur für uns unbewusstes,
    also nur relatives Ubw.zu unterscheiden ist?Das Ubw.wäre also auch
    als eine Art von historischer Persönlichkeit aufzufassen,die sich
    von der des Nachbewusstseins abgespalten hat,woraus folgt,dass auch
    das Ubw.an die Zeit als Voraussetzung seines Zustandekommens ge-
    bunden ist? -Ad 2)Wenn man die Art der Beziehung des Bewusstseins
    zur Zeit als einer Relation,in der die Zeit als Grenzbegriff des
    Bewusstseins,als Einschränkung desselben erscheint,in Betracht zieht,
    kann der Behauptung Prof.Freuds,dass das Unbewusste zeitlos und räum-
    lich ist,zugestimmt werden,vorausgesetzt,dass hier das Wort"räumlich"
    als Bezeichnung des "Nebeneinanders" der unbewussten Vorgänge nur bild-
    lich verstanden werden kann.-Ad 3)Für die bewusste Psyche ist die imma-
    nente Zeitvorstellung eine conditio sine qua non.Wir unterscheiden im
    Bewusstsein das Vorstellen der Zeit als Bedingung der Erfahrung über-
    haupt.Es ist von vornherein unwahrscheinlich,dass im Unbewussten,in
    dem für alle Begriffe Platz ist,gerade der Zeitbegriff fehlen sollte.
    Eine andere Frage ist,wie es den Vorrat von Vorstellungen und Affek-

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    ten zu diesem Zeitbegriff in Beziehung bringt.Mit anderen Worten,ob
    und in welchem Ausmass das Unbewusste die Vergangenheit und Zukunft
    kennt und von der Gegenwart unterscheidet und ob es für die Vorgän-
    ge in ihm ein richtiges Mass hat.
    Frl.Dr.Spielrein schickt voraus,dass sie die Dinge nur vom Standpunkt
    ihrer Schule betrachten könne.Anknüpfend an die Psy -Systeme Freuds
    wird die Tendenz der Wahrnehmungsinhalte,zum Bewusstsein vorzudrin-
    gen und die entsprechende rückläufige Bewegung von der Erinnerung
    zur Wahrnehmung mit der Tendenz in Verbindung gebracht,dass ein
    rezentes Erlebnis durch ein infantiles ersetzt wird.Der Grund,warum
    die infantilen Erlebnisse solchen Einfluss haben und so komplexer-
    regend sind,liegt darin,dass sie in phylogenetischen Bahnungen vor
    sich gehen,wie die Spiele der Kinder(Groos),die Perversionen(Inver-
    sion-Bisexualität),die infantilen Sexualtheorien und die Regression
    auf Vorstellungen der Art bei Dementia praecox zeigen.-Das Ubw.ent-
    kleidet das Ereignis des Gegenwärtigen und verwandelt es in eines,
    das nicht an irgend eine bestimmte  Zeit geknüpft ist(Vgl.die Mütter
    bei denen alle Grenzen und Zeiten miteinander verschmolzen sind).
    Was das Ubw.mit der Zeit macht,das macht es auch mit dem Ort und mit
    den Gegensätzen.Das Ubw.,das noch auf die Gegenwart eingestellt ist,
    kann vielleicht mit der Zeit rechnen,aber im tiefsten Ubw.kennen wir
    diese Zeitrechnung nichts.-Auch bei der Sublimierung wird ein rezen-
    ter Wunsch in einen phylogenetischen verwandelt.
    Tausk hebt hervor,dass die Diskussion bis nun drei verschiedene Prob-
    leme,die nichts miteinander zu tun haben und nur an das Wort Zeit ge-
    knüpft waren,gebracht habe.Man müsse auf die wichtigen Feststellungen
    Reinholds rekkurieren,der das Ubw.zunächst als GGegenstand der Er-
    kenntnis betrachtete,als welches es nicht anders als in Raum und Zeit
    betrachtet werden könne.-Die Frage ist jedoch die:Kennt das Ubw.die
    Zeit?Sind innerhalb des Ubw.die Vorstellungen in der Zeit auftauchend
    oder nicht?-Redner hat in seinem Vortrag das Problem aufgeworfen
    in der Feststellung,dass der Affekt sich zu der auftauchenden Vor-
    stellung in einer Weise stellt,die die zeitliche Distanz nicht ken-
    ne.In einer psychischen Schichte also,in der es nichts als Affekte
    gibt(nach Freud)kann es auch keine Zeit geben. Die Vorgänge,die Spiel-
    rein in unserem Ubw.als ähnlich dargestellt hat,sind von grosser Wich-

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    tigkeit.So kennt das Ubw.keien Gegensatz,weil der Affekt keine Unter
    scheidung hat,als nur seine Befriedigung .Die Ausdrucksmittel gehören
    dem Affekt gar nicht mehr an.Hervorzuheben ist,dass wir natürlich
    mit dem bewusst erworbenen Material später unbewusst operieren können .
    Federn möchte anknüpfend richtig stellen,dass im Traume nur die Aus-
    drucksmittel verwechselt seien und nicht die Begriffe.Gegen Reinholds
    methodisches Vorgehen seien Bedenken zu erheben.Wir schliessen aus
    der Kenntnis einzelner Vorgänge des Ubw.auf das Wesen desselben.-
    In dem heutigen Problem seien uns die Mystiker vorausgegangen.Sie ha-
    ben aus der des Ubw.Zeitlosigkeit,die sie geahnt haben,eine Ewigkeit ge-
    macht,mussten aber dann doch diese Ewigkeit wieder mit dem jüngsten
    Gericht begrenzen,weil das Begreifenwollen des Ubw.mit den Mitteln
    des Bewusstseins notwendig scheitern musste.-
         Es ist zu fragen,ob die angebliche Zeitlosigkeit des Ubw.nur
    als zeitweiliges Versagen oder als vollkommenere Mangel an Zeitein-
    stellung aufzufassen ist.Bei der Erinnerung an einen Traum wissen
    wir oft nicht,was vorher und was nachher war;weil der Traum zum Be-
    wusstsein kommt,muss er zeitlich wahrgenommen werden,aber er ist
    vielleicht wegen der Zeitlosigkeit des Ubw.in der Zeit unorientiert
    Es ist richtig,dass das Ubw.in seinen tiefsten Schichten zeitlos
    funktioniert.-Wichtig wäre zu untersuchen,wann die Zeitvorstellung
    beim Kindauftrete;bekanntlich gewöhnt sich das Kind schwer an die
    zeitliche Aufeinanderfolge.-Gegen Spielrein wäre zu sagen,dass sich
    ja gerade die Manifestationen des Ubw.in der Gegenwart abspielen;
    hier kommen wir auf die halluzinatorische Eigenart des Ubw.-Der Man
    gel der Zeitfunktion des Ubw.ist die Bedingung der Verdichtung.
    Sachs hat nichts wesentlich anderes zu sagen als bereits vom Tausk
    ausgeführt wurde.Der Begriff der Zeit sei in zwei verschiedenen Be-
    deutungen zu nehmen.Der abstrakte Begriff der Zeit als Form unserer
    Anschauung und dann der konkrete Zeitbegriff,der sich quantitativ
    feststellen und abstufen lässt.Was den ersten,metaphysischen Begriff
    der Zeitlosigkeit des Ubw.anbelange,so dürfe man in Umkehrung des
    Freudschen Satzes,das Ubw.könne nur wünschen,sagen :alles was wünscht
    stammt aus dem Ubw.-Das ist aber der Wille/der als solcher zeitlos sei
    Daher auch der Wille von Schopenhauer als unsterblich und ewig bezeich-
    net wird.Daraus folgt,dass das Wünschen in uns unausgesetzt und unab-

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    hägig von der Zeit vor sich geht.-Im empirischen Sinne lässt sich
    jedoch von einer Zeitlosigkeit des Ubw.nicht sprechen,da ja z.B.die
    unbewussten Phantasien den Begriff der Zeit voraussetzen.Aber auch
    in diesem Sinne ist der Begriff der Zeitlosigkeit nicht vollkommen
    zu verwerfen;das Ubw.entkleidet gewissermassen die Vorstellungen
    des zeitlichen Wertes,alte und neue Phantasien liegen gleichwertig
    nebeneinander.
    Hitschmann möchte zunächst auch nur vom empirischen Zeitbegriff
    sprechen.Das eigentliche Thema der Debatte betreffe die ewige Dau-
    er und die immer gleich starke Wirkung des Ubw. und das Zusammen-
    werfen einzelner Elemente(z.B.im Traume)aus verschiedenen Zeiten
    der Verdrängung habe wohl etwas "Zeitloses"an sich.Trotzdem könne
    man den Produkten des Ubw.den logischen Gebrauch der Zeit nicht
    absprechen,Z/B/im Anfall,wo ja die Zeitfolge direkt umgekehrt ist.
    Entscheidend ist wohl,mit welcher Kraft etwas verdrängt wurde oder
    noch vom Ubw.festgehalten wird;was am stärksten verdrängt ist,kommt
    am spätesten ins Bewusstsein.-Schliesslich wird darauf hingewiesen
    dass beim Hellsehen und bei Halluzinationen der Mangel der Zeit
    und Raumanwendung auffällt.Ferner dass der Neurotiker die Zeit
    rascher schwinden fühlt.
    Rosenstein kritisiert die Tausksche Aufstellung,dass der Affekt
    zeitlos sei.Der Affekt will sofortige Befriedigung und damit ist
    das Moment der Zeit schon gegeben.Nur unser Erkennen ist zeitlich,
    die andern Dinge haben mit dem Begriff der Zeit nichts zu tun und
    zur Zeitlosigkeit gehört der Begriff der Zeit hinzu.-Gegen Sachs
    wird eingewendet,dass nicht jeder Wille oder Affekt ein Derivat des
    Ubw.sein müsse.-Man könne auch die ubw.Vorgänge so weit sie Vorgän-
    ge seien,nicht zeitlos denken.Jerusalem fasst den Begriff der Zeit
    als Wahrnehmung der Bewusstseinsarbeit auf;das fehlt natürlich im
    Ubw.-Der Ausspruch Freuds bezieht sich nur auf eine spezielle Ei-
    genschaft des Ubw.,auf die Unveränderlichkeit.-Die Ewigkeit sei
    auch nicht zeitlos(Federn),sondern nur die Unendlichkeit der Zeit.
    Von Zeitlosigkeit könne man bei psychischen Vorgängen überhaupt
    nicht sprechen;weil sie nicht der Bewusstseinsarbeit unterliegen,
    sieht man die Vorgänge irrtümlich als zeitlos an.Dagegen sind fal-
    sche Auffassungen der Zeit beim Ubw.viel eher möglich.Das Ubw.geht

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    mit der Zeit nicht so streng vor,weil es einer früheren phylogene-
    tischen Reihe angehört(Spielrein).-Wenn Freud die Zeitlosigkeit
    des Ubw.in Gegensatz zum Bewusstsein bringt,so liegt dem eine so s
    scharfe Trennung dieser beiden psychischen Arbeitsweisen zugrunde,
    wie wir sie bei den tatsächlich stattfindenden fliessenden Uebergän-
    gen nicht zu machen gewohnt sind.
    Reitler rekkuriert auf die Ausführungen Stekels,die sich jedoch nicht
    auf unser Thema bezogen.Dass die Neurotiker zu ihren Symptomen auch
    den Zeitkomplex verwenden können ist klar,doch nicht hierhergehö-
    rig.Bei der Verdrängung einer bewussten Vorstellung ins Ubw.benimmt
    sich die Psyche so,als wäre das Ereignis nie geschehen,d.h.es ist
    zeitlos geworden.Ebenso sind die infantilen Erlebnisse zeitlos ge-
    worden und deswegen muss an ein rezentes Erlebnis der Affekt des
    verdrängten angeknüpft werden.
    Tausk bedauert,dass auf die Einteilung Reinholds so wenig Rücksicht
    genommen wurde in:1.Die metaphysische Betrachtung der Zeit,2.die
    Verwendung des Zeitbegriffs im psychologischen Sinne und 3.im den
    psychoanalytischen Sinne,der eben als Problem besteht.
    Prof.Freud,der sich mit den Ausführungen von Tausk,Federn,Sachs im
    Einklang weiss,möchte nur vereinzelte Bemerkungen zu dem Thema ma-
    chen,zu dessen Bewältigung kaum noch die Sprache ausreiche.-
    Stekel habe sich mit seinen schönen Beobachtungen an den klinischen
    Sachverhalt gehalten.Annulierungstendenz ist ein guter Ausdruck,
    aber identisch mit Verdrängungs-und Abweisungstendenz.-
    Die Aufklärung des Spieles durch Groos(Spielrein)sei flach;es hand-
    le sich dabei nicht um Vorbereitung fürs Leben,sondern um Anwendun-
    gen des Falles der Wunscherfüllung:sie spielen um darzustellen,dass
    sie erwachsen sind.-
    Was die Möglichkeit eines phylogenetisch erworbenen Gedächtnisinhalt
    betrifft(Züricher Schule,Spielrein),der die Aehnlichkeit in den Bil-
    dungen der Neurose und der alten Kulturen erklären könne,müsse man
    sich zunächst in Wahrung des Instanzenzuges eine andere Möglichkeit
    gegenwärtig halten.Es könnte sich um identische psychische Bedingun-
    gen handeln,die zu identischen Resultaten führen müssen.Diese beson-
    deren Bedingungen würde die Regression herstellen.So kennt die Wis-
    senschaft der Wilden ein magisches System,mit dem die Welt beherrscht

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    wird und dieses entspricht der Allmacht der Gedanken bei der Zwangs
    neurose.Die Assoziationstätigkeiten erweisen sich als die Grundlage
    aller Magie und wenn ein Mensch zu diesen Assoziationen gelangt,so
    muss er denselben Aberglauben produzieren wie seine Vorfahren.Der
    Schluss auf einen phylogenetisch mitgebrachten Erinnerungsschatz ist
    nicht gerechtfertigt,solange wir die Möglichkeit haben,diese Dinge
    durch eine Analyse der psychischen Situationen zu erklären.Was nach
    dieser Analyse der psychischen Phänomene der Regression übrig bleibt
    das könne man dann als phylogenetische Erinnerung auffassen.-
    Die Sublimierung sei kein Vorgang,der sich des Ubw.bediene (Spiel-
    rein)sondern der gerade mit Hilfe der Möglichkeit des bewussten
    Anteils erfolge.-Stekels Ausführungen haben das Thema vorbeige-
    streift;er hat die Unterscheidung des Vorbewussten fallengelassen
    (vorbewusster Kalender).-Den glücklichsten Ausdruck für manche
    Dinge habe Tausk gefunden.
    Die Psa.habe eine besondere Art psychologisch zu denken,die man
    als metapsychologisch bezeichnen könnte.Es wäre das eine Betrach-
    tung des Psychischen als etwas Objektivem,nachdem man sich von den
    Formen der bewussten Wahrnehmung freigemacht habe.Ein Beispiel wä-
    re das Schema in der Traumdeutung,das sich bis jetzt als brauch-
    bar erwiesen habe,um alles ,was wir erfahren haben einzureihen.In
    dieser metapsychologischen Betrachtungsweise gibt es nun ein Sys-
    tem,das zeitlos arbeitet.-Ein Schritt,um dieses Schema brauchba-
    rer zu machen,wäre folgender.Was wir studieren sind nicht Vorgänge
    in den Systemen,sondern zwischen den Systemen.Nun können wir einen
    ubw.Vorgang überhaupt nie erkennen,sondern nur im Bewusstsein wahr-
    nehmen.Man kann jedoch die Eigentümlichkeiten dieses Ubw.anführen;
    sie finden sich an psychischen Phänomenen,die nicht zeitlos sind,
    aber einen Schluss auf dieses System gestatten.Diese Eigentümlichkei-
    ten sind:1.die falsche Orientierung der Träume in der Zeit(Federn),
    dass Gegenwart,Vergangenheit und Zukunft eins sind(Spielrein);alles
    natürlich in der Traumbildung und nicht im bewussten Trauminhalt.
    2.Die Möglichkeit der Verdichtung(Federn);3.Das Fehlen der Usur;
    4.Das Festhalten der Objekte(was Tausk in glückliche Verbindung mit
    dem Trieb gebracht hat);5.Die Eigentümlichkeit der Neurotiker sich
    zu fixieren.-Das alles weist auf ein System,in dem das Zeitliche gar

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    keine Rolle spielt.Dagegen weist das System etwas auf,was mit dem
    Aehnlichkeit hat,was wir an den Objekten Räumlichkeit nennen.Es sind
    Vorgänge,die uns zu dieser
    zwei Eigentümlichkeiten der pathologischen Auffassung berechtigen.
    1.Das eigentümliche Nebeneinander,das eine Art von Räumlichkeit hat,
    und 2.die Tatsache,dass derselbe psychische Inhalt bei den Pat.ganz ver-
    schieden wirkt,jenachdem,ob man es dem Pat.erzählt oder er es erin-
    nert,was auf eine Art von Lokalisation schliessen lässt.Wenn die
    Philosophen behaupten,dass Zeit-und Raumvorstellung die notwendigen
    Formen unseres Denkens sind,so sagt uns eine Ahnung,dass das Indi-
    viduum die Welt bezwingt mittels zweier Systeme,von denen das eine
    nur zeitlich und das andere nur räumlich arbeitet.
    Rosenstein möchte die verschiedene Wirkung der bloss erzählten und
    reproduzierten Mitteilung beim Pat.nicht mit räumlichen Vorstellun-
    gen in Beziehung bringen,sondern mit dem Widerständen.
    Stekel wollte nur einen klinischen Beitrag zum Verhältnis des Neuro-
    tikers zur Zeit bringen.Er habe den Grund aufgezeigt,warum das Ubw/
    die Zeit ignoriere,weil es sie nicht kennen wolle.Redner versucht
    schliesslich noch einzelne Einwendungen zu widerlegen.



     

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