Knöpfmacher, Wilhelm (/1935): Entstehungsgeschichte und Chronik der Vereinigung »Wien« B’nai B’rith in Wien
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Entstehungsgeschichte und Chronik
der Vereinigung,Wien" B'nai B'rith
in Wien.
Vom Ehren-Vize-Großpräsidenten des österreichischen Distriktes
XII. U. O. B. B. Dr. Wilhelm Knöpfmacher.
Einleitendes Vorwort.
Im Jahre 1843 wurde in New-York ein jüdischer Orden
gegründet, welchem in Anlehnung an die allen Juden geläufige
liturgische Bezeichnung der Name B'nai B'rith (Bundessöhne)
beigelegt wurde.
Die Gründer dieses Ordens waren mehrere edle jüdische
Männer, welche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus
verschiedenen Orten Deutschlands in Amerika eingewandert und
daselbst zu Ansehen und Anerkennung gelangt waren.
Als Vorbild schwebte ihnen etwa die Organisation der
Freimaurer und Old-Fellows vor. Da jedoch die Gründung
solcher Logen, die nur aus Juden bestehen sollten, nach der
Verfassung dieser Orden unstatthaft war, entschlossen sich
Henry Jones, eigentlich Heinrich Jonas aus Hamburg, und
seine näheren Freunde Isak Rosenburg, Wilhelm Renan
und Ruben Rodacher, die Juden Amerikas zu einem Bunde
zu vereinigen, mit dem Zwecke, einen innigen Zusammenhang
unter den amerikanischen Juden herzustellen und den jüdischen
Sinn unter ihnen zu neuem, kräftigen Leben zu erwecken.
Allmählich erweiterte sich dann sein Wirkungskreis so, daß
er seine Aufmerksamkeit und Arbeit sämtlichen Interessen der
amerikanischen Juden, ja der Judenheit im allgemeinen zuwandte.
So wuchs der Orden in Amerika zum Mittelpunkte und
festen Hort aller gemeinnützigen Einrichtungen und Bestrebungen
heran, die das Wohl unserer Glaubensgenossen erheischten. Ünd
neben seinem stets bewährten, mannhaften Eintreten für die
Rechte der Juden zeugen mannigfache humanitäre und kulturelle
Institutionen, wie Schulen, höhere Lehranstalten, Bibliotheken,
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Kranken- und Waisenhäuser, die alle im Dienste der Allgemein-
heit stehen, für die segensreiche Wirksamkeit, die dieser Orden
in Amerika entfaltet hat.
Die Begründer des Ordens hatten es verstanden, demselben
zu geben, welche seine Verbreitung zunächst
eine Organerika und weiterhin dann über den ganzen Erden-
über ganz
rund ermöglichte.
Zunächst konstituierten sich die Begründer unter der Be-
zeichnung Sekenim" als eine Zentralstelle, von welcher in den
7 Vereinigten Staaten von Amerika einzelne Logen errichtet
wurden. Sohin wurden beim Vorhandensein mehrerer Logen in
einem Staate diese zu je einem Distrikte unter der Bezeichnung
Großloge verbunden und die gewesenen Präsidenten dieser Groß-
logen der Zentralstelle als Repräsentanten ihres Distriktes zu-
gefügt. Diese Zentralstelle, bestehend aus den Gründer-Sekenim
und den gewesenen Großlogenpräsidenten, wurde als Konstitutions-
Großloge bezeichnet.
So entstanden in Amerika die ersten 7 Distrikte des Ordens,
bevor derselbe nach Europa verpflanzt wurde, und zwar :
1. New York at
2. Cincinnati
1851
1851
nabobini 3. Philadelphia
oglalog robul malls 4. San Franzisko
(ondesbu) di5. Baltimore
1852 181
1863
1867
6. Chicago
1868
7. New Orleans
1873
Als 8. Distrikt fügte sich sohin 1885 Deutschland, als 9. Rumä-
nien 1888, als 10. 1895 Österreich und als 11. „Orient" im
Jahre 1911 an.
Der 10. österreichische Distrikt hatte bei seiner Entstehung
im Jahre 1895 seinen Sitz in Prag. Als aber infolge des Zu-
sammenbruches des alten Österreich der Distrikt auseinanderfiel
und die in der neu gebildeten Čechoslovakei befindlichen Logen,
welche die Majorität repräsentierten, abgesondert wurden, so
behielten diese im Rahmen des Ordens die Benennung als
10. Distrikt, während die in den anderen Teilen des alten Oster-
reich gewesenen Logen im sogenannten Deutsch-Österreich und
Polen sich zu neuen Distrikten vereinigen mußten, und zwar der
neue österreichische im Jahre 1920 als 12. und der polnische im
Jahre 1924 als 13. Distrikt. Hiezu kamen dann im Jahre 1924
Palästina als 14. Distrikt und im Jahre 1925 England als
15. Distrikt.
Mit der räumlichen Ausdehnung ging die innere Erstarkung
des Ordens Hand in Hand und seine über dem ganzen Erden-
rund verbreiteten Arbeitsstätten (Logen) waren berufen, für das
leibliche und geistige Wohl unserer Glaubensgenossen zu wirken,
das soziale, sittliche und kulturelle Niveau unter ihnen zu heben,
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das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu kräftigen und so alle
Spaltungen zu überbrücken."
In Amerika machte der Orden seinen starken Einfluß auch
auf politischem Gebiete zu Gunsten der Juden geltend, indem
er alle antijüdischen Maßnahmen bekämpfte. Und es sei hier
insbesondere hervorgehoben, daß die seinerzeit wegen ungleicher
Behandlung der Juden erfolgte Kündigung des zwischen Amerika
und dem Zarenreiche bestehenden Handelsvertrages auf die
Initiative des Ordens zurückzuführen war.
Besonders hervorzuheben ist aber der glänzende Siegeslauf
des Ordens im Deutschen Reiche, wo seit der im Jahre 1885
erfolgten Errichtung der ersten deutschen Reichsloge bisher über
100 Logen mit einer Mitgliederzahl von ca. 15.000 entstanden sind.
Über die Zwecke und Ziele des Ordens äußert sich eine
kurzgefaßte Propagandaschrift zutreffender Weise wie folgt:
Wir bilden einen Bund von Israeliten. In solchem Zusammen-
schluß liegt aber keinerlei feindselige Absonderung von unserer
nichtjüdischen Umgebung, keine Lossagung von der Mitarbeit an
den allgemeinen Kulturaufgaben, keine Trennung von den In-
teressen, die uns mit dem engeren Vaterland oder mit der
Menschheit im allgemeinen verbinden. Einen engherzigen ex-
klusiven Standpunkt kennt unser Orden nicht; er bewahrt den
toleranten Geist des Judentums, das dem wahrhaft Edlen und
Guten, auf welchem Boden es auch entsproß, stets Anerkennung
zollte und sich gerne von den idealen Leistungen anderer Ge-
meinschaften befruchten ließ.
Schon die geschichtlichen Ursachen, die zur Gründung un-
seres Ordens führten, beweisen klar, daß wir keinen feindlichen
Tendenzen gegen andere huldigen, daß wir nicht zum Angriff da
sind, sondern zur Abwehr, zum eigenen Schutze, zur inneren
Erstarkung.
Als eine kleine Minorität unter den verschiedenen Völkern
bedürfen wir Juden an sich schon eines engeren Zusammen-
schlusses, um nicht in der Mehrheit unterzugehen. Wir bedürfen
aber eines solchen in umso stärkerem Maße, als, so alt unsere
Geschichte ist, so alt auch die Angriffe und Anfeindungen sind,
darunter wir zu leiden haben.
Zu den politischen Zurücksetzungen, die sich auch in den
Ländern bürgerlicher Gleichberechtigung noch unangenehm fühl-
bar machen und einen Stachel in der Seele zurücklassen, kommt
eine dreiste wirtschaftliche Zurückdrängung, die eine Verschlech-
terung oder gar den Ruin vieler jüdischer Existenzen bedeutet.
Wenn nun unser Orden prinzipiell alle politischen Aktionen von
seinem Arbeitsgebiete fernhält, so erachtet er es umsomehr als
seine Aufgabe, der wirtschaftlichen Not, wo sie unter Juden an-
getroffen wird, entgegenzuarbeiten, nach Möglichkeit das soziale
Niveau unserer Glaubensgenossen zu heben, die heranwachsende
Generation neuen Berufen zuzuführen, Liebe zum Handwerk und
Gartenbau zu wecken, den Willigen Arbeit zu verschaffen, da-
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gegen eine gewohnheitsmäßige Bettelei, ein
das Ansehen der
Gesamtheit schädigendes Schnorrertum möglichst zu bekämpfen.
Das Recht aber, erzieherisch für andere aufzutreten, hat nur der.
der sich selbst erzieht. Darum dürfen wir nur die besten Ele-
mente in unseren Orden aufnehmen, darf nur ein idealer Antrieb
für den Anschluß an unseren Orden bestimmend sein.
Überhebung liegt uns fern; wir kennen die menschliche
Unvollkommenheit; darum hören wir mit dem Werke der Selbst-
erziehung niemals auf. Unsere Losung lautet: Wohltätigkeit,
Bruderliebe und Eintracht. Wir verlangen wahre Herzensbildung
und einen makellosen Lebenswandel, im gegenseitigen Verkehre
der Brüder Freundschaft
dschaft und Wohlwollen, Duldsamkeit und Ver-
kennung der Leistungen anderer, Unterordnung des ose Aner-
träglichkeit. Wir fordern gegenseitige
des Willens und
Interessen des Einz
Einzelnen unter die Gesamtheit.
der
nütziger Bestreben und Anstand, durch Förderung gemein-
Durch
durch Achtung vor dem Gesetze und Liebe
zum Vaterlande wollen wir den Beweis liefern, daß Judentum
übereinstimmend ist mit der Betätigung der reinsten Grundsätze
der Ethik und Humanität, daß es eine Religion ist, die offen vor
aller Welt zu bekennen zur Ehre
inen zur regereicht.
Unsere Arbeit wurzelt in der Liebe und Treue zum Juden-
tum. Ohne uns auf
auf religiöse Erörterungen im engeren Sinne ein-
zulassen, vielmehr alle trennenden Streitfragen der orthodoxen
und liberalen Richtung von unseren
unseren Verhandlungen streng feren
haltend, sind wir einig in dem Bestreben, alle gemeinsamen
Ideen und Ziele im Judentum zu fördern. Wir wollen das Juden-
tum an der Hand seiner Geschichte achten und seinen idealen
Gehalt begreifen lernen; wir wollen in uns die Überzeugung
befestigen, daß seine religiösen Lehren es waren, die den Grund
zur sittlichen Entwicklung der Menschheit gelegt haben. So be-
wahren wir uns ein vornehmes Selbstbewußtsein und gewinnen
einen edlen Stolz, der, frei von Überhebung, zur strengsten
Pflichterfüllung hinleitet.
Seinen hohen Tendenzen entsprechen auch die Leistungen,
auf die unser Orden mit Stolz hinweisen kann. Eine nicht zu
unterschätzende Leistung bilden schon die regelmäßigen Sitzungen,
zu denen die Loge ihre Mitglieder zusammenruft. Nicht ist, wie
bei den meisten anderen Vereinen, die Arbeit lediglich dem Vor-
stand überlassen, der nur in jährlichen Generalversammlungen
Bericht über die Vereinstätigkeit zu erstatten hat, sondern alle
Brüder sind zur Mitarbeit berufen und sollen in den regelmäßigen
Zusammenkünften Interesse und Verständnis für alle das Juden-
tum bewegenden Fragen gewinnen. So erzieht der Orden einen
tüchtigen Stamm Männer, die auch außerhalb des Ordens in der
Verwaltung der Gemeinden und der anderen Vereine eine er-
sprießliche Betätigung versprechen.
Eine weitere Leistung auf geistigem Gebiete bilden die zahl-
reichen Vorträge und Referate, die in unseren Sitzungen gehalten
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werden und nicht nur den Gedankenkreis des Judentums behan-
deln, sondern sich auch auf alle übrigen Gebiete geistiger In-
teressen erstrecken. Solche Vorträge sollen uns über jeden
egoistischen Standpunkt emportragen, idealen Sinn und das Be-
wußtsein unserer Zugehörigkeit zur großen Allgemeinheit unter
uns fördern.
Deutlicher für die Außenwelt treten die Leistungen des
Ordens auf dem Gebiete der sozialen Wohltätigkeit in Erscheinung.
Wir wollen die Armut weniger durch Almosen bekämpfen, als
durch Arbeitsmöglichkeit, Dementsprechend sind von verschiedenen
Logen Arbeitsnachweise für jüdische Arbeitslose errichtet worden.
Durch die Gründung von Kinderhorten, Ferienkolonien und Kinder-
heilstätten, durch die Errichtung von Waisenhäusern, Toynbee-
hallen und sonstigen Wohlfahrtsinstitutionen betätigt sich der
Orden auf fast allen Gebieten humanitärer Bestrebungen.
Überdies halten es sämtliche Logen des Ordens für eine
Ehrenpflicht, nach besten Kräften alle Vereine und Institutionen.
zu unterstützen, die für die Förderung des geistigen, sittlichen
und sozialen Wohles der Juden eine heilsame Tätigkeit entfalten.
So bringt unser ganzes Wirken deutlich zum Ausdruck, daß
unser Orden nichts anderes bezweckt, als durch seine Betätigung
im Geiste des Judentums ein Segen zu sein für die ganze
Menschheit.
Ob die w. Loge,,Wien", deren Chronik die folgenden Blätter
enthalten, sich im Sinne der hier skizzierten Ordensideen betätigt,
mögen die Leser entscheiden,
Vorgeschichte.
Die am 13. Oktober 1895 erfolgte Gründung des Isr.
Humanitäts-Vereines Wien" B'nai B'rith VII Nr. 449 in Wien
hat eine Vorgeschichte, aus welcher folgende Momente hier fest-
gehalten werden sollen.
Zur Zeit, als diese Gründung in Angriff genommen wurde,
bestanden in Österreich bereits mehrere Zweigvereine des aus
Amerika nach Europa verpflanzten, unabhängigen Ordens
B'nai B'rith. Der erste Verein, welcher diesen Orden in Öster-
reich zur Geltung brachte, hatte sich bereits im Jahre 1889 in
Bielitz gebildet und derselbe führte aus diesem Grunde den
Namen Austria".
Drei Jahre nach Entstehung dieses ersten B'nai B'rith-Ver-
eines auf österreichischem Boden entstanden im Jahre 1892 fast
gleichzeitig Pilsen und Krakau zwei weitere Zweigvereine
dieses Ordens, nämlich die „Union" und die Solidaritas", wäh-
rend noch drei andere Zweigvereine, nämlich die „Bohemia" in
Prag, die Karlsbad" in Karlsbad und die Philanthropia" in
Reichenberg im Laufe der Jahre 1893 und 1894 gegründet
worden waren.
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Im Jahre 1894, u. zw. am 30. Dezember 1894 bildete sich
dann unter dem Namen Verband der
isr. Humanitätsvereine
B'nai B'rith" für Österreich jener Verein, welcher den Zweck
hatte, alle zu jener Zeit in Österreich bereits ins Leben getretenen,
sowie auch die fernerhin daselbst noch zu gründenden B'nai
B'rith-Vereinigungen mit einem gemeinsamen Bande zu um-
schlingen.
Der Sitz dieses Verbandes ist in Prag.
Nachdem in dieser Weise der B'nai B'rith-Gedanke in Öster-
reich eine feste Basis gewonnen hatte, ergab es sich von selbst,
r allmählich auch nach Wien vordrang und hier immer mehr
Anhänger gewann, so daß schließlich auch hier zur Gründung
eines Zweigvereines geschritten werden konnte.
daß er
Die ersten Pioniere für die Verpflanzung des B'nai B'rith-
Gedankens nach Wien waren Kaufleute, welche anläßlich ihrer
chen Reisen in jene Städte, wo bereits Zweigvereine
diesen Orden kennen gelernt und sich demselben an-
geschlossen hatten.
Hie und da
da mag es auch vorgekommen sein, daß das eine
oder andere Mitglied eines der bestehenden Zweigvereine seinen
Wohnsitz in der Folge nach Wien verlegt hatte, Tatsache ist,
daß schon in den letzten 2 Jahren vor der Gründung des Wiener
des Ordens B. B. in Wien domizilierten, zwischen
denen, abgesehen von ihrer allfälligen persönlichen Bekanntschaft,
keine nähere Verbindung aus dem Gesichtspunkte ihrer Bundes-
zugehörigkeit bestand; es waren dies Mitglieder der „Austria" in
Bielitz, der Solidaritas" in Krakau, der Union" in Pilsen und
der „Bohemia" in
Im in Prag.
es 10 bis 12 Mitglieder verschiedener österreichischer
Im Wintersemester 1894 fanden über Initiative des am
4. Februar 1894 in die „Bohemia" aufgenommenen Br. Max
Fleischner, öffentlicher Gesellschafter der Firma
Pick & Fleischner, regelmäßige, gesellige Zusammenkünfte dieser,
in Wien wohnenden Bundesmitglieder zu dem Zwecke statt, um
einander näher zu treten und freundschaftliche Beziehungen mit-
einander anzuknüpfen.
Obzwar an die Gründung eines selbständigen Zweigvereines
in Wien in diesem kleinen Kreise zunächst gar nicht gedacht
wurde, konnte es doch bei längerer Fortsetzung dieses regel-
mäßigen Verkehres nicht ausbleiben, daß dieser Gedanke all-
mählich zum Durchbruche kam und daß man auf Mittel und Wege
sann, um denselben in bestmöglichster Weise zu verwirklichen.
Der sehr würdige Verband, mit welchem zunächst Fühlung
genommen wurde, zeigte sich dem Unternehmen selbstverständ-
lich sehr gewogen, nicht minder der Prager Zweigverein
Bohemia", dessen Mitwirkung zu dem Zwecke erbeten wurde,
damit die ersten Mitglieder der zu konstituierenden Loge da-
selbst eingeführt werden.
new brow
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Sowohl der sehr würdige Verband, als auch der genannte
Zweigverein haben sich sofort mit freundlichstem Entgegen-
kommen bereit erklärt, alle zur Konstituierung einer selbständigen
Vereinigung in Wien erforderlichen Maßnahmen tatkräftigst zu
nise brodog
unterstützen.
Die „Bohemia" erbot sich insbesondere, alle Wiener Kandi-
daten bei sich einzuführen und für den Fall, als innerhalb zweier
Jahre ein Zweigverein in Wien gegründet werden sollte, deren
Einführungsgebühren an diesen Zweigverein abzutreten.
Die Bohemia" hat aber diese in Aussicht genommene
Gründung einer Wiener Loge noch tatkräftiger dadurch gefördert,
daß sie durch ihre eigenen Mitglieder eine zielbewußte Propa-
ganda für dieses Unternehmen veranlaßte und in dieser Weise
die Anmeldung von in Wien wohnhaften näheren Freunden der
dortigen Mitglieder herbeiführte. So wurden im Laufe des Jahres
1894 außer den bereits in Wien befindlichen Br. Br. Rudolf
Kohn und Max Fleischner noch folgende Brüder bei der
„Bohemia" angemeldet und daselbst eingeführt, und zwar Alfred
Basch, Samuel Bermann, Dr. Edmund Kohn und Adolf
Pick (am 14. April 1894), Marcus Fischer, Moritz
Fleischner, Friedrich Lewith (5. Mai 1894), Baurat
Stiass ny (19. Mai 1894), Ludwig Kolliner (16. Juni 1894),
Jakob Köhler (30. Juni 1894).
Mit der Aufnahme des Br. Dr. Edmund Kohn hatte der
Kreis der Wiener Bundesangehörigen ein Mitglied gewonnen,
welches für die weitere Führung und Entwicklung der Gründungs-
aktion von maßgebendster Bedeutung war. Und es muß schon
hier ausgesprochen werden, daß erst die zielbewußte, be-
geisterungsvolle und unermüdliche Tätigkeit dieses Mitgliedes
jener Aktion zu ihrem schließlichen Erfolge verholfen hat.
W
Von edelster Begeisterung für die erhabenen Ziele des
Bundes erfüllt, hat Dr. Edmund Kohn vom Momente seines
Eintrittes in denselben, seine Persönlichkeit voll und ganz für
die Verwirklichung der Ordensideen eingesetzt und es muß vor-
zugsweise als sein Verdienst anerkannt werden, wenn die
Gründung des Wiener Zweigvereines des Ordens B. B. in einer
seiner Bedeutung entsprechenden, seinen Bestand und sein Ge-
deihen verbürgenden Weise erfolgt ist.
anslia
Bedarf es schon an sich der mühevollsten und ausdauernd-
sten Tätigkeit, um eine neue Institution auf einen neuen Boden
zu verpflanzen, so erhöht sich die hiefür notwendige Arbeits-
leistung noch in bedeutendem Maße, wenn es gilt, vorerst
Schwierigkeiten zu beseitigen, welche großen Steinen gleich die
Urbarmachung des Bodens hindern.
ja Und eine solche erhöhte Arbeitsleistung mußte der eigent-
lichen, auf die Einführung der B. B.-Institution in Wien abzielen-
den Mühewaltung vorausgehen.
Wie bereits oben erwähnt wurde, setzte sich der Kreis von
Bundesangehörigen, welche der Zufall in Wien zusammengeführt
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hatte, aus Mitgliedern der verschiedenen, in Österreich damals
bereits bestehenden Zweigvereinen zusammen.
Wenn nun auch die Grundsätze und Anforderungen, welche
für die Aufnahme von Mitgliedern in den Bund der B. B. maß-
gebend sein sollen, für alle Zweigvereine die gleichen sind, so
ist doch deren Anwendung und Verwirklichung nicht überall mit
den gleichen Kautelen umgeben,
eben, und es ist daher möglich, daß
in einzelnen Zweigvereinen Mitglieder Einlaß finden, welche
anderswo größeren Schwierigkeiten beigvereinigung ist aber
die Gründung
dung einer neuen
bege
würden.
Für
vor allem eine gewisse Homogenität der ersten grundlegenden
Elemente von besonderer Wichtigkeit. Diese Homogenität war
aber bei den nicht durch eigene gegenseitige Auswahl, sondern
bloß durch das Moment der Bundeszugehörigkeit in Wien ver-
einigten Bundesbrüdern nicht vorhanden.
Überdies gab es unter diesen Bundesangehörigen einzelne
Elemente, welche bei der Gründung der Vereinigung, Wien" un-
bedingt im Interesse der Entwicklungsfähigkeit dieser neuen Ver-
einigung umgangen werden mußten.
Es ist eines der wesentlichsten Verdienste des Br. Doktor
Edmund Kohn, welcher bei seiner im April 1894 erfolgten Auf-
in den Bund diese Situation vorfand, daß er sofort die
Gefahr erkannte, welche für die in Aussicht genommene neue
Schöpfung aus dem Zusammenwirken dieser disparaten Elemente
entstehen würde und daß
daß er sofort auf Mittel und Wege bedacht
war, um diese Hindernisse zu beseitigen.
nahme
Um keinen Miẞton unter den Wiener Bundesangehörigen
herbeizuführen, verfiel Br. Dr. Edmund Kohn auf die Idee, für
die Gründung der Wiener
iener Zweigvereinigung zunächst bloß die in
Wien befindlichen Brüder der Bohemia" als maß- und richtung-
gebend hinzustellen, während die Zuziehung der übrigen, in Wien
ansässigen Bundesangehörigen einem besonderen Kooptationsakte
vorbehalten bleiben sollte.
Diese Idee des Br. Dr. Kohn wurde zwar von der Mehr-
zahl jener in Wien befindlichen Bundesmitglieder im Hinblicke
auf die ihnen zur Kenntnis gebrachten Beweggründe akzeptiert,
aber sie begegnete nicht minder dem lebhaftesten Widerspruche
seitens der Minderzahl, welche sich durch dieselbe von der
aktuellen Mitwirkung an der neuen Schöpfung ausgeschlossen sah.
Diese Minderheit war es denn auch, welche beim General-
komitee des Verbandes entschiedenen Protest gegen diesen Modus
procedendi erhob und welche mit allem Nachdruck erklärte, daB
sie alle Hebel in Bewegung setzen wolle, um die Gründungs-
arbeiten zu stören. Br. Dr. Kohn und die Brüderschar, welche
sich ihm angeschlossen hatte, ließen sich aber durch keinerlei
Einwand oder Drohung von dem einmal als richtig erkannten
Wege ablenken.
resb
bw indilwal na do
listus ab adalow ginodagnsebna
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VII. Beamtenrat.
(Präs. Gottlieb Lederer).
In der am 10. Jänner 1899 abgehaltenen Generalversammlung
wurden folgende Beamte gewählt und vom Expräs. Dr. Edmund
Kohn als Delegaten des Verbandes installiert: d
Zum Präs. Br. Gottlieb Le derer,
Vize-Präs. Br. Dr. Wilhelm Knöpf macher,
Prot.-Sekr. Br. Eduard Glaser,
10 20941
Fin.-Sekr. Moritz Silberknopf,
and den
Schatzmeister Josef Toffler,
Mentor wurde der abtretende Präsident Dr. Gustav Lang-
stein,
zum Marschall wurde Br. Dr. Nandor Singer,
zum Wächter Br. Sigmund Piesen
ernannt und begann somit die VII. offizielle Amtsperiode, welche
bis zum Ende des Jahres 1899 währte.
Einführungsgebühr, Jahresbeitrag und Sitzungstage blieben
unverändert.
Als Repräsentanten im Verbande wurden gewählt die Ex-
präsidenten Dr. Edmund Kohn, Prof. Dr. Ehrmann und
Dr. Gustav Langstein.
In dieser Amtsperiode wurde die Aktion zur Kanstituierung
des Vereines für Arbeitsnachweis fortgesetzt und erfolgreich zu
Ende geführt, indem die Vereinigung "Wien" in der Sitzung vom
24. Jänner 1899 folgenden Antrag des früher bestellten Komitees
annahm:
„Die Vereinigung Wien" beschließt, ein Büro für un-
entgeltlichen Arbeitsnachweis zu errichten unter der Modalität,
daß ein eigener Verein zu diesem Zwecke gegründet werde,
zu welchem Behufe der Beamtenrat ein ständiges Komitee
bestellt, dem die unbeschränkte Vollmacht erteilt wird, alle
zur Vereinsgründung nötigen Schritte zu tun; das Komitee
hat dem Plenum Bericht zu erstatten und alle Brüder haben
das Komitee tatkräftigst zu unterstützen".
Auf Grund der von diesem Komitee getroffenen Vorarbeiten
ist sohin im April 1899 der genannte Verein tatsächlich unter
dem Präsidium des Expräsidenten der Vereinigung „Wien", Dr.
Alois Klemperer, ins Leben getreten und hat sofort, insbeson-
dere durch die rastlose und zielbewußte Initiative des Br. Sigm.
Rosenfeld eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet.
Dem Vereine Ferienheim" wurde für das Jahr 1899 ein
Beitrag von 50 K zuerkannt.
In der Sitzung vom 14. Februar wurde vom Vizepräsidenten
Dr. Wilhelm Knöpfmacher eine Diskussion „Über Zwecke
und Ziele der B'nai B'rith-Vereinigungen" eingeleitet, welche in
den folgenden 2 Sitzungen fortgesetzt und beendet wurde, da
die Frage nach Besserung der Verhältnisse unserer galizischen
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10
Nachdem sämtliche, in die Bohemia" eingeführten Wiener
Brüder in das Gründungskomitee kooptiert waren, wurden die
Statuten des in Wien zu gründenden Vereines nach eingehender
Beratung fertiggestellt und der k. k. Statthalterei zur Genehmigung
uber
überreicht.
Als diese erfolgt war, wurde für den 22. Februar 1895 die
erste konstituierende Generalversammlung in das Hotel Zillinger
im 1. Bezirk, Teinfaltstraße Nr. 6, ein
In dieser Versamm-
lung, welcher der Großsekretär des Verbandes, Br. Adalbert
Skall aus Prag als Gast beiwohnte, wurde von 22 Mitgliedern
das an den Verband zu rich
richtende Aufnahmsgesuch unterzeichnet.
Diesem Aufnahmsgesuche war schon am 8. Jänner 1895 eine
Eingabe an das Generalkomitee vorausgegangen, in welcher alle
Momente dargelegt wurden, welche die Art und Weise des Vor-
gehens der Freibrief-Petenten motivieren und rechtfertigen sollte.
Dieselbe hatte folgenden Wortlaut:
einberufen.
„Ehrwürdiges Großlogen-Komitee!"
Nachdem es auffallend sein könnte, daß nur die Brüder der
ole,Bohemia" und nicht alle in Wien domizilierenden Brüder die Petition
unterzeichneten und um ihr diesfälliges Vorgehen ins richtige Licht zu
stellen und zu rechtfertigen, und um eventuelle Schritte der nicht unter-
zeichneten Brüder zu paralysieren, erlauben sich die Freibriefpetenten
-in Wien im Nachstehenden zu erläutern, aus welchen Gründen nur sie
Tum Bewilligung eines Freibriefes zur Gründung einer Loge in Wien
10 einschritten.
Zu unserem eigenen größten Leidwesen war es uns nicht möglich,
sämtliche in Wien wohnhaften Brüder zur Unterfertigung der Petition
aufzufordern, da sich unter denselben solche befanden, welche teils
vermöge ihrer Qualifikation, teils wegen Mangel an Interesse für die
1 Sache nicht geeignet erschienen, zur Gründung der Wiener Loge her-
angezogen zu werden. Wir waren insbesondere mit Rücksicht auf die
außerordentlich prekären lokalen Verhältnisse gezwungen, im Interesse
der großen Sache, die wir einzig und allein im Auge hatten, mit größter
Rigorosität die Auswahl der Petenten und Kandidaten zu treffen und
gelangten zur Überzeugung, daß wir durch ausnahmslose Heranziehung
sämtlicher in Wien domizilierender Brüder höchstwahrscheinlich schon
die Gründung einer Loge, gewiß aber die prosperierende Existenz der-
selben unmöglich gemacht hätten; ist es doch jedem, der die hiesigen
Verhältnisse kennt, klar, daß hier eine Loge mit dem gewünschten
Erfolge nur bestehen kann, wenn sie in den sogenanuten Gesellschafts-
schichten von oben nach unten wächst, wenn zuerst diejenigen da
sind, welche sie geistig und moralisch heben und veredeln und nachher
erst jene hinzukommen, welchen die reinsten Prinzipien der Menschen-
molliebe, Ehre und Patriotismus eingeprägt werden sollen, wie es sich
sib unser geliebter Orden zur Aufgabe gemacht hat.
Nun nahm nicht nur ein Teil der Brüder der „Bohemia" mit
Recht Anstoß an der Mitwirkung gewisser, außerhalb der „Bohemia"
stehender Brüder, sondern es lag auch die leider begründete Gefahr
vor, daß es durch die Teilnahme derselben an den Gründungsarbeiten
nicht gelingen würde, jene Persönlichkeiten für die Sache zu gewinnen,
deren Mitwirkung uns in hohem Grade wünschenswert erschien. Zur
Illustration des Gesagten führen wir an, daß selbst fernstehende, hoch-
angesehene Männer, an welche wir werbend herantreten, ihren Beitritt
mit dem Hinweise auf einzelne der erwähnten Brüder entschieden ab-
lehnten.
S.
11
Um eine für die betreffenden Brüder möglichst schonende und nicht
verletzende Form zu wählen, beschlossen wir von dem Ausschluße
einzelner abzusehen und im Interesse der Sache und der Brüderlichkeit
zwischen Ordensbrüdern zu erklären, daß wir, Brüder der „Bohemia"
die Gründung allein durchführen. Diejenigen von den anderen Brüdern,
auf die sich der Grund unseres Vorgehens nicht bezog, waren prinzi-
Hopiell mit unseren Anschauungen wohl einverstanden, doch nicht mit
der Art der Ausführung; unser mehrfaches Verlangen, eine ihnen passen-
dere Form vorzuschlagen, welche aber für die besagten Brüder eben-
sowenig verletzend sein muß, wie die von uns gewählte, blieb erfolglos.
Anstatt einen Vorschlag machen, versuchten gerade diese Brüder
uns Schwierigkeiten zu bereiten, und trotzdem, um ein brüderliches
Zusammensein zu ermöglichen, welches uns unerläßlich erscheint, haben
wir sie in der herzlichsten und freundschaftlichsten Weise eingeladen,
an unseren Gründungsarbeiten teilzunehmen; diese Einladung wurde all-
seits ohne Begründung refusiert. Ein letzter Versuch von dritter Seite,
eine Einigung herbeizuführen, schlug fehl, weil alle Brüder anderer
Logen verlangten, die Brüder der „Bohemia", resp. das vorbereitende
Komitee, soll sie alle einladen, und in dieser Versammlung sollten alle
nüber je einen, der sich absentierte, ballotieren, ob er Mitglied des
Komitees, resp. der Petenten sein solle oder nicht. Darauf konnten.
wir füglich nicht eingehen, weil wir in diesem Falle wir waren in
erdrückender Majorität gewiß hätten erreichen können, was wir
wollten, doch erst recht persönliche Verletzungen hervorgerufen und
vor allem ein zum mindesten gänzlich unberechtigtes Vorgehen ein-
geschlagen hätten. Bei unserer, unter den geschilderten Verhältnissen
äußerst schwierigen Arbeit vergaßen wir nie die Pflichten der Brüder-
lichkeit, doch hielten wir uns ebenso vor Augen, daß es sich bei der
Gründung dieser Loge in erster Linie um die Förderung der Sache
selbst handeln müsse und wählten zur Erreichung unseres Zieles die
unseres Erachtens beste und einzig mögliche Form, indem wir uns
nach vielen eingehenden Beratungen für den von uns eingeschlagenen
Weg entschieden. Es kam demnach dazu, daß die Petition unterzeich-
neten nur Brüder der „Bohemia" und ein Karlsbader Bruder, welcher
die oben erwähnte, auch an ihn ergangene Einladung zustimmend be-
antwortete.
Die Petenten, denen die geschilderten Verhältnisse unter Ordens-
brüdern nichts weniger als angenehm und zweckmäßig erscheinen,
handeln nur den Intentionen gemäß, welche sie von jeher geleitet haben,
wenn sie sich zu versprechen erlauben, einen Teil der außerhalb der
"Bohemia" stehenden Brüder, welche in Wien domizilieren, sofort
nach der Installation der neue Loge „Wien" gerne aufzunehmen, wenn
sie mit Abgangskarte sich anmelden und den anderen Teil dem brüder-
lichen Votum der zukünftigen Loge zu überlassen.
Wien, am 8. Jänner 1895.
Im Namen aller Freibrief-Petenten
Dr. Kohn.
Erste Vereinsfunktionäre.
all cob
Abou
(Präs. Dr. Edmund Kohn).
Als erste Vereinsfunktionäre wurden gleichzeitig gewählt zum
Präsidenten Br. Dr. Edmund Kohn, zum Vize-Präs. Dr. Richard
Goldmann, zum Prot.-Sekr. Br. Adolf Pick, zum Fin.-Sekr.
Br. Max Fleischner und zum Schatzmeister Br. Rudolf Kohn.
Weiters wurde beschlossen, die Installierung des neuen Ver-
eines als Mitglied des Verbandes erst dann zu veranlassen, wenn
derselbe mindestens 40 Mitglieder zählen würde.
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12
Die Heranziehung neuer Mitglieder wurde in der bisher
übten rigorosen Weise weiter betrieben, jedoch wurde zur Für
derung dieser Aktion an den Br. Dr. Hammerschlag in
Prag, welcher schon zu jener Zeit das Ehrenamt des Großpräsi-
denten im Verbande der B. B.-Vereine bekleidete, das Ersuchen
gerichtet, in einer von den Wiener Brüdern zu veranstaltenden
Versammlung einen Vortrag über die Ziele und Bestrebungen der
ge-
B'nai B'rith-Vereine abzuhalten und zur Teilnahme an dieser Ver-
sammlung alle jene Persönlichkeiten einzuladen, welche von allen
damaligen Mitgliedern als würdig bezeichnet und allenfalls von
einzelnen derselben zum Beitritte zu dem Vereine aufgefordert
werden konnten.
Br. Dr. Hammerschlag, welcher in seiner glühenden
Begeisterung für die hehren Bundeszwecke jederzeit bereit war
und ist, seine Persönlichkeit in den Dienst dieser edlen Sache
zu stellen, erklärte sich selbstverständlich sofort mit diesem Plane
einverstanden und hielt sohin am 22. März 1895 im dichtbesetzten
Festsaale des kaufmännischen Vereines in Wien unter dem Titel
,Entwicklung, Ziele und Zwecke der B'nai B'rith-Vereinigungen"
einen allseits mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag, welcher
die daran geknüpften Erwartungen der Wiener Brüder vollständig
erfüllte.
In rascher Folge kamen nunmehr 25 Anmeldungen zum neuen
Vereine.
Diese wurden in der Vereinigung Wien" selbst geschäfts-
ordnungsmäßig behandelt, die erste Ballotage der Vereinigung
Wien" fand am 17. Mai 1895 statt.
Nach günstiger Ballotage wurden die neuen Mitglieder zwar
Vereinsversammlungen zugezogen, ihre Einführung wurde aber
der Installierungsfeier vorbehalten.
Nur der Br. Edmund Schwarz wurde noch am 6. Mai 1895
als letzter der Wiener Brüder in die „Bohemia" eingeführt.
Die Vereinsitzungen (Versammlungen) wurden auch im Laufe
des Jahres
1895 allwöchentlich
abgehalten, wodurch sich ein
inniges freundschaftliches Verhältnis unter diesen ersten Mitgliedern
des neuen Vereines herausbildete, welches das Fundament für die
gedeihliche Entfaltung der neuen Schöpfung bildete.
Am 24. Mai 1895 wurde nach langen, vorhergegangenen
Beratungen und Erwägungen der Beschluß gefaßt, im Mezzanin
des Hauses IX., Universitätsstraße Nr. eine Wohnung zu mieten
und dieselbe zum Vereinslokale zu adaptieren. Bei diesem Anlasse
hat Br. Baurat Stiassny seinen fachmännischen Beirat in selbst-
loser Weise dem jungen Vereine angedeihen lassen, ebenso hat
Br. Sam. Bermann für die innere Ausstattung wesentliche
Dienste geleistet.
Obanebrims!
S.
13
Zweite Vereinsfunktionäre.
(Präs. Dr. Edmund Kohn.)
Am 25. Juli 1895 wurden statutenmäßig die Neuwahlen in
einer Generalversammlung vorgenommen, und zwar
gewählt:
wurden
zum Präs. Br. Dr. Edmund Kohn,
Vizepräs. Br. Dr. Richard Goldmann,
Prot.-Sekr. Br. Adolf Pick,
Fin.-Sekr. Br. Max Fleischner,
Schatzm. Br. Dr. Alois Klemperer.
(Am 23. November 1895 wurde an Stelle des Br. Dr. Richard
Goldmann, welcher wegen geschäftlicher Überbürdung resigniert
hatte, Br. Dr. Albert Kuh zum Vizepräsidenten gewählt.)
Um dieselbe Zeit Juli 1895 traf die Verständigung
seitens des s. w. Verbandes ein, daß die Aufnahme der Ver-
einigung Wien" in den Verband der israelitischen Humanitäts-
vereine B'nai B'rith für Österreich genehmigt sei, daß dieselbe
im Verzeichnisse sämtlicher Vereinigungen die Nummer 449
erhalten habe und daß als Tag ihrer Installierung der 13. Ok-
tober 1895 bestimmt sei.
Es wurden nunmehr die zur Fertigstellung des Vereinslokales
erforderlichen Arbeiten, sowie überhaupt alle zur Vorbereitung
der Installierungsfeier notwendigen Maßnahmen in umsichtiger
Weise in
Angriff genommen.
Am 13. Oktober 1895 fand sohin in einer überaus feierlichen
die Installierung der Vereinigung Wien" XII 449 statt.
Sitzung
Den Vorsitz bei der feierlichen Installierungssitzung führte
der s. w. Großpräsident Dr. Moritz Hammerschlag.
Dieselbe wurde in Gegenwart von 96 Gästen und 21 Mit-
gliedern eröffnet und es wurden hiebei folgende Ehrenfunktionäre
ernannt:
Expräs. Dr. Leon Horowitz aus Krakau,
zum Vize Expräs. Dr. Josef Schanzer aus Pilsen,
Mentor
Fin.-Sekr. Expräs. Dr. Ludwig Lustgarten aus Krakau,
Schatzm. Expräs. Dr. Josef Ruff aus Karlsbad,
Wächter kais. Rat Alfred Deutsch aus Reichenberg,
Marschall Expräs. Dr. Sigmund Stein.
Als Prot.-Sekr. fungiert Br. Adolf Pick.
Von den Gästen wurden insbesondere begrüßt:
Br. Rosenstiel aus Berlin als Repräsentant der ameri-
kanischen Verbände, ferner die Vertreter der Verbände für
Deutschland und Rumänien Expräs. Adolf Mayer für D. VIII
und Expräs. Stern für D. IX, weiters die Delegierten der
deutschen Reichsloge, der „Berthold Auerbach" und „Monte
Fiore-Loge" in Berlin, der Friedensvereinigung in Ratibor, der
Victoria"-Loge in Görlitz, der „Fraternitas" in Dresden und der
Zion-Loge" in Bukarest, ebenso die Delegierten der öster-
reichischen Vereinigungen "Austria", "Union", "Solidaritas“,
S.
14
,,Karlsbad", „Philanthropia" und "Bohemia", von welcher ins-
besondere letztere durch nahezu 50 Mitglieder vertreten war.
Es gelangt die, die Aufnahme in den Verband X bescheinigende
Aufnahmsurkunde zur Verlesung, in welcher folgende Mitglieder.
als Petenten angeführt sind, und zwar:
Rudolf Kohn, Max Fleischner, Adolf Pick, Alfred
Basch, Dr. Edmund Kohn, Samuel Bermann, Marcus
Fischer, Friedrich Lewith, Moritz Fleischner, Wilhelm
Stiasny, Ludwig Kolliner, Jacob Karpeles (jetzt Köhler),
Karl Klemperer, Dr. Wilhelm Schneeberger, Dr. Ed-
mund Sos, Dr. Richard Goldmann, Dr. Alois Klemperer,
Dr. Albert Kuh, Simon Karpeles, Heinrich Kohn, Josef
Mauthner, Eduard Schwarz.
Sohin erfolgte die Einführung folgender 25 Kandidaten der
B. B.:
Wilhelm Bachrach, Dr. Richard Back, Albert
Baruch, Ludwig Bukowitz, Wilhelm Breitenbach,
Dr. Salomon Ehrmann, Carl Heller, Ludwig Horch, Jacob
Jaiteles, Wilhelm Jeral, Bernhard Jerusalem, Dr. Josef
Gottlieb Kantor, Adolf Klein, Dr. Wilhelm
Jerusalem, ot
Knöpfmacher, Wilhelm Markstein, Dr. Julius Monath,
Gottlieb Lederer,
Sigmund Piesen, Dr. Alfred Pollak, Béla Sekules,
Josef Kraus, Dr. Gustav Langstein,
Emanuel Winkler, Julius Wolf.
Die Mitgliederzahl der neuen Vereinigung betrug somit 47.
I. Beamtenrat.
Die
te 4 (Präs. Dr. Edmund Kohn.).
Die hierauf per Akklamation vorgenommene Wahl der
Beamten hatte folgendes Ergebnis:
Es wurden gewählt:
zum Präs. Br. Dr. Edmund Kohn,
Vizepräs. Br. Dr. Albert Kuh, quaV
Prot.-Sekr. Br. Adolf Pick,
Fin.-Sekr. Br. Max Fleischner,
Lous
Schatzm. Br. Dr. Alois Klemperer.
bads,
Weiters wurden ernannt:
zum ersten Mentor Br. Baurat Stiasny.
Marschall Br. Moritz Fleischner,
Wächter Br. Marcus Fischer.
Aus den Begrüßungsreden des s. w. Großpräsidenten und
sämtlicher Delegierten, welche anläßlich der Installationsfeier
gehalten wurden, ist zu entnehmen, daß an die Gründung dieser
Vereinigung in allen B'nai B'rith-Kreisen die besten Hoffnungen
für das gemeinsame Ganze geknüpft wurden und daß man ins-
besondere die zuversichtliche Erwartung hegte, daß diese Ver-
einigung einst berufen sein solle, die Führung des Verbandes der
B'nai B'rith-Vereinigungen in Österreich zu übernehmen.
S.
15
Als Einführungsgebühr wurde eine Grundtaxe von 240 K
festgesetzt, welche sich für jedes, das 40. Lebensjahr über-
schreitende Jahr um je 10 K erhöhen soll.
Der Mitgliedsbeitrag wurde mit 8 K per Monat bestimmt.
Als Sitzungstage wurden der erste und dritte Montag im Monate
festgesetzt.
Nach der im Vereinslokale abgehaltenen Festsitzung ver-
sammelten sich alle Teilnehmer, weit über 120 an der Zahl,
im Saale des ehemaligen Tiergartens am Schüttel zu einem Fest-
bankett, welches nach einer photographischen Aufnahme der
imposanten Tafelrunde mit einem, vom Präsidenten Dr. Edmund
Kohn ausgebrachten, weihevollen Kaisertoaste eingeleitet wurde
und infolge zahlreicher, der gehobenen Festesstimmung Ausdruck
gebender Trinksprüche den animiertesten Verlauf nahm.
So war nun mit der am 13. Oktober 1895 erfolgten
Installierung der Israelitische Humanitätsverein „Wien" B'nai B'rith
in Wien als Bundesglied offiziell bestätigt und die Bahn für seine
Betätigung eröffnet.
Mit diesem Datum beginnt daher, ohne Rücksicht darauf,
daß der Verein bereits früher zur Existenz gelangt war, seine
eigentliche Bundestätigkeit.
Wir lassen daher die erste Amtsperiode mit dem 13. Ok-
tober 1895 ihren Anfang nehmen und bemerken, daß für die
ersten zwei Jahre ausnahmsweise eine halbjährige Funktionsdauer
der Beamten in Aussicht genommen war.
Die erste Amtsperiode dauerte sohin vom 13. Oktober 1895
bis zum 6. Jänner 1896.
Es ist selbstverständlich, daß die erste Betätigung der neuen
Vereinigung sich auf internem Boden beschränkte, indem der
Beamtenkörper und insbesondere sein zielbewußtes Prä-
sidium vor allem auf die Konsolidierung der neuen Schöpfung
bedacht war und insbesondere die Pflege eines innigen brüderlich-
freundschaftlichen Verhältnisses unter den Mitgliedern und wo-
möglich auch deren Angehörigen anstrebte.
Es wurden zu diesem Behufe regelmäßig allwöchentlich Ver-
sammlungen der Vereinsmitglieder abgehalten, und zwar teils in
offiziellen Vereinssitzungen, teils in Vortragsabenden, zu welchen
auch die Gattinnen der Mitglieder Einladungen erhielten. An alle
diese Versammlungen schlossen sich gemeinsame Brudermahle an,
welche durch ernste und heitere Trinksprüche belebt und gefördert
wurden.
Auch fanden wiederholt gesellige Veranstaltungen mit künst-
lerischen Darbietungen statt, um deren Arrangement sich damals
und noch lange Zeit hindurch insbesondere der bei solchen An-
lässen als ausgezeichneter Künstler persönlich mitwirkende
Br. Wilhelm Jeral in hervorragendem Maße verdient gemacht hat.
In solcher Weise wurden die freundschaftlichen Beziehungen
der Vereinsmitglieder untereinander und ihr Zugehörigkeitsgefühl
zur Vereinigung immer inniger gestaltet. W
S.
16
Die während dieses Termines abgehaltenen 9 offiziellen
Sitzungen wurden durch Beratung der Geschäftsordnung für den
Verband, sowie durch eine anregende Diskussion über die
,,Ethische Bewegung", welche sich an einen von Br. Dr. Josef
Jerusalem über dieses Thema am 13. November 1895
gehaltenen Vortrag anschloß, interessant gestaltet.
Dabei wurde die Heranziehung gleichgesinnter Männer stets
im Auge behalten und wurden schon in dieser kurzen ersten
Amtsperiode 9 neue Mitglieder der Vereinigung zugeführt, so daß
ihre Mitgliederzahl sich bis Ende 1895 auf 56 erhöht hatte.
Es traten nämlich in der Zeit vom 13. Oktober bis Ende 1895
der Vereinigung folgende Mitglieder bei:
Br. Heinrich Teltscher, bisher Mitglied der „Philanthropia"
in Reichenberg; Ignaz Glaser, Fabrikant in Biermos; Ignaz
Scharmann, Kaufmann in Wien; Ignaz Frank, Kaufmann
in Wien; Robert Bukowits, Kaufmann in Wien; Gustav
Stiasny, Bankier in Wien; Robert Kolisch, Bankier in Wien;
Eduard Wiener, Kaufmann in Wien; Emil Askonas, Kaufmann
in Wien.se hod
II. Beamtenrat.
100 ml (Präs. Dr. Edmund Kohn.)
Am 6. Jänner 1896 fand die ordentliche Generalversammlung
statt, in welcher die Neuwahl und Installierung der Beamten
vorgenommen wurde.
Es wurden gewählt:
ob zum Präs. Br. Dr. Edmund Kohn,
Vizepräs. Br. Dr. Albert Kuh,
bbbpl
Prot.-Sekr. Br. Dr. Gustav Langstein,
Fin.-Sekr. Br. Max Fleischner,
"Schatzm. Br. Dr. Alois Klemperer.
Die Installierung erfolgte durch den Großsekretär Br. Adalbert
Skall als Delegierten des Verbandes.
Zum Mentor wurde Br. Adolf Pick, zum Marschall Br. Moritz
Fleischner und zum Wächter Br. Marcus Fischer ernannt.
Hiemit nahm die zweite Amtsperiode ihren Anfang, welche
wieder eine
war und bis Ende Juni 1896 dauerte.
Die Eintrittsgebühren, die Jahresbeiträge, sowie die Sitzungs-
tage blieben
die zweiten Merändert; letztere wurden ab 16. März 1896 aut
nach dem 1. und 15. verlegt.
Als Repräsentanten der Vereinigung Wien im Verbande
gewählt der Expr. Dr. Edmund Kohn und der Br. Expr.
Dr. Theodor Haller von der Vereinigung Philanthropia" in
Reichenberg.
wurden
(Anmerkung. Die Vereinigung Wien" war nach den
Verbandsgesetzen berechtigt, 2 Repräsentanten zu wählen
da aber zu solchen bloß Expräsidenten wählbar sind, die
Vereinigung Wien" jedoch damals nur einen Expräsidenten
S.
17
hatte, so mußte sie ihren zweiten Repräsentanten aus der
Reihe der auswärtigen Expräsidenten wählen.)
Die Betätigung der Vereinigung erfolgte auch in dieser
zweiten Amtsperiode, in welcher 11 offizielle Sitzungen abgehalten
wurden, in gleicher Weise, wie bisher.
Die Geschäftsordnung des Verbandes, deren Vorberatung
durch die einzelnen Vereinigungen erfolgen sollte, bildete auch
jetzt noch einen Hauptgegenstand der Verhandlungen. Weiters
wurde über Anregung des Vizepräsidenten Dr. Albert Kuh eine
interessante Diskussion „Über die Zwecke und Ziele der B. B.-
Vereinigungen und über die Mittel zu deren Verwirklichung" in
mehreren Sitzungen durchgeführt, welche allen Mitgliedern die
erwünschte Gelegenheit bot, ihre Auffassungen und ihre Ansichten
über das Wesen des B. B.-Bundes und seiner Intentionen, sowie
über die an seinen Bestand geknüpften Erwartungen gegenseitig
auszusprechen.
Mitwirkung an der Gründung der „,,Moravia".
Schon im November 1895 war an die Vereinigung Wien"
das Ersuchen gestellt worden, sich an der Gründung einer B. B.-
Vereinigung in Brünn tatkräftig in der Weise zu beteiligen, daß
die ersten Anmeldungen und Einführungen für jene Vereinigung
hier stattzufinden hätten.
Die Vereinigung Wien" hatte daher bereits in der Sitzung
vom 13. November 1895 beschlossen, diesem Ersuchen Folge zu
geben und beteiligte sich seither intensiv an den Vorarbeiten für
die Gründung jenes Zweigvereines, insbesondere wurde die
Akquirierung von Mitgliedern für denselben eifrig und umsichtig
behandelt.
Eine besondere Betätigung nach außen fand auch in dieser
Amtsperiode nicht statt, jedoch wurden vom Unterstützungs-
komitee mehrfache Unterstützungen an Außenstehende gewährt,
außerdem wurde im Wege einer vom Br. Bernhard Jerusalem
eingeleiteten Privatsammlung unter den Brüdern der jüdischen
akademischen Lesehalle ein Betrag von zirka 1000 K zugewendet.
Auch in dieser Amtsperiode fanden mehrere Vorträge statt,
für welche gewöhnlich besondere Versammlungen, zum Teil mit
Zuziehung der Damen, einberufen wurden.
Als Vortragende fungierten ausschließlich Vereinsmitglieder,
so Professor Dr. Ehrmann, Dr. Jerusalem und Dr. Knöpf-
macher; letzterer hielt einen Vortrag über den „Talmud",
welcher später in der ersten Vierteljahrschrift veröffentlicht wurde.
Auch eine Dame, und zwar die geistvolle und gründlich
gebildete Ehegattin des Br. Ignaz Frank, Frau Jenny Frank,
führte sich in jener Zeit zum erstenmale als Vortragende mit dem
Thema „Das jüdische Weib in unserer Vereinigung ein.
2
S.
18
Die Aufnahme neuer Mitglieder bot stets Gelegenheit zur
feierlichen Gestaltung der Sitzungen.
In der Zeit vom 6. Jänner bis Ende Juni 1896 wurden ein-
schließlich der für die in Aussicht stehende Brünner Zweig-
vereinigung in die Vereinigung Wien" eingeführten nicht weniger
als 36 neue Mitglieder dem Bunde zugeführt, so daß die Gesamt-
zahl derselben, nachdem ein Mitglied, namens Josef Krausz,
infolge Übersiedlung nach Ungarn ausgeschieden war, sich auf 91
erhöht hatte.
Die in dieser zweiten Amtsperiode in die Vereinigung „Wien".
eingetretenen Mitglieder sind folgende: (Die mit * bezeichneten
sollten der „Moravia" zugeführt werden.)
Dr. Marcus Spitzer, Advokat in Wien;
Josef Adelberg, Kaufmann in Wien;
Carl Zinner, Prokurist der Firma Rothschild;
Ludwig Samek, Kaufmann in Wien;
Moritz Silberkno
berknopf, Pro
Prokurist in Wien;
in Brünn;
Josef Bauer, Ka
Kaufmann in
Adolf Weiner, Kaufmann in Brünn;
Alexander
Wilhelm Kux, Bankdirektor in Brünn ;
in Wien;
Jerusalem, Fabrikant in Wien;
Sigmund Ch
Chitz, Kaufmann in Wien;
Carl Goldmann, Kaufmann in Wien;
Josef
Emanuel Taussig, Kaufman in Wien;
Philipp Löwy, Kaufmann in Wien;
Dr. Ignaz
Advokat in Wien;
Leopold anger, Advok
Bankier in Wien;
Benno Stroheim, Fabrikant in Wien;
hov glansi
Dr. Karl Maendl, Arzt in Brünn;
*
*Hermann Epler, Station
Stationsvorstand in Brünn; and on
Maen
*Dr. Em. Löwenstein,
Arzt
in Brünn;
Arthur Pollak, Kaufmann in Wien;
Michael Weisz, Kaufmann in Wien;
*Dr. Michael Feith, Stadtsekretär in Brünn;
Ignaz Winter, Fab
Fabrikant in Wien;
*Ignaz Hönig, Kaufmann in Brünn;
Salomon pet. Kaufmann in Brünn;
Kaufmann in Wien;
Friedrich
carich
Dr. Josef Maend1, Arzt in Brünn;
*Dr. Alexander Sonnenfeld, Arzt in Brünn ;
Eduard Sander, Kaufmann in Brünn;
Sigmund Frank 1, Kaufmann in Wien;
Alois Witrofsky, Kaufmann in Brünn;
*Sigmund Schwarz, Kaufmann in Brünn;
Julius Neumann, Kaufmann in Wien;
Armin Behr, Kaufmann in Wien;
Dr. Karl Müller, Advokat in Wien (damals noch Konzipient).
S.
19
III. Beamtenrat.
(Präs. Dr. Albert Kuh.)
Am 9. Juni 1896 fand eine ordentliche Generalversammlung
statt, in welcher folgende neue Beamte gewählt und vom Groß-
Schatzmeister Expr. Dr. Sigmund Stein, als Delegaten des Ver-
bandes installiert wurden:
Als Präs. Dr. Albert Kuh,
Vize-Präs. Br. Heinrich Teltscher,
Prot. Sekr. Br. Dr. Gustav Langstein,
Fin. Sekr. Emanuel Winter,
Schatzm. Br. Gottlieb Lederer.
Der abtretende Präsident Dr. Edmund Kohn nahm die
Stelle des Mentors ein, zum Marschall wurde Br. Dr. Richard
Back, zum Wächter Br. Alfred Basch ernannt. Es nahm so-
mit die dritte Amtsperiode ihren Anfang, welche bis Ende des
Jahres 1896 dauerte.
In diese Amtsperiode fiel die am 29. November 1896 erfolgte
Gründung und Installierung der Zweigvereinigung,,Moravia" B. B.
in Brünn, an welcher unsere Vereinigung sich in hervorragendem
Maße
beteiligte.
Weiters sei hier bemerkt, daß die Einführung des neuen,
seither
in Anwendung stehenden Rituales zum erstenmale in der
Sitzung vom 15. Dezember 1896 erfolgte und ferner, daß das
von Br. Jeral komponierte und der Vereinigung Wien" ge-
widmete Präludium, welches bei der Installierung der Moravia"
zum erstenmal exekutiert wurde, über Ersuchen des s. w. Ver-
bandes allen Vereinigungen Österreichs zur Benützung und Ein-
führung überlassen wurde.
"
In den 9 offiziellen Sitzungen dieser Amtsperiode wurde
einerseits die Beratung über die Geschäftsordnung des Verbandes
fortgesetzt, anderseits wurde eine sehr eingehende und lebhafte
Diskussion über den Zionismus eröffnet, im Anschlusse an einen
diesen Gegenstand behandelnden, hochinteressanten und an-
Vortrag des ausgezeichneten Vereinsmitgliedes Dr.
regungsreichen em; außerdem wurde eine provisorische Ge-
Josef
schäftsordnung für das Unterstützungskomitee festgesetzt.
Es wurden ferner in dieser Amtsperiode noch folgende Vor-
träge im Vereinslokale abgehalten:
Von Br. Dr. Michael Feit aus Brünn Über die Entwick-
lung der Gesellschaft" und von Br. Dr. Gustav Karpeles aus
Berlin Über den Einfluß des Judentums auf die europäische
Kultur". Zu letzterem Vortrage waren auch die Damen zugezogen.
Die Institution der Brudermahle nach den einzelnen Sitzungen
wurde sorgsam gepflegt und aufrecht erhalten.
Leider hatte die Vereinigung Wien" in dieser Amtsperiode
auch schmerzliche Verluste zu beklagen.
Wen
S.
20
Am 12. Juni 1896 wurde unsere Vereinigung durch den ersten
schweren Trauerfall heimgesucht, indem der im selben Jahre für
die Moravia" in die Vereinigung Wien" aufgenommene Bruder
Dr. Josef Mänd 1 in Brünn im kräftigsten Mannesalter plötzlich
starb. Der Präsident, viele Brüder nahmen an dem Leichen-
begängnisse teil und Br. Dr. Ehrmann gab der brüderlichen
Teilnahme der Mitglieder am Grabe nachhaltigen Ausdruck. Aus
gleichem Anlasse fand sohin am 16. Juni 1896 eine Trauersitzung
statt, in welcher ebenfalls Dr. Ehrmann die Trauerrede hielt.
Noch ein herberer Verlust traf die Vereinigung „Wien" am
25. Juli 1896 durch das Hinscheiden des altbewährten und all-
beliebten Mitgliedes Dr. Alfred Pollak, Hof- und Gerichts-
advokaten in Wien, welcher durch seinen makellosen Charakter,
durch seine vielseitige und umfassende Gelehrsamkeit und durch
seine wahrhaft selbstlose und edle
Begeisterung für die großen
Aufgaben des Bundes eine segensvolle Wirksamkeit in der Ver-
Wien", in welc
einigung
in welcher er sich namentlich für die geistige
Fortbildung interessierte, erhoffen ließ. Br. Dr. Josef Jerusalem
gab dem tiefen Schmerze unserer Vereinigung über diesen Ver-
lust am Grabe des Dahingeschiedenen in ergreifender Rede Aus-
druck, während in der am 23. September 1896 aus diesem An-
lasse stattgehabten Trauersitzung Br. Dr. Langstein, der
intime Jugendfreund des Verstorbenen, dessen Lebenslauf und
Bedeutung in umfassender Darstellung schilderte.
Neu aufgenommen wurden in dieser Amtsperiode 13 Brüder,
von welchen der leider allzufrüh dahingeschiedene Br. Sigmund
Rosenfeld, dessen Einführung am 19. Oktober 1896 stattfand,
wegen der hervorragenden Verdienste, die er sich um unseren
Verein später erwarb, schon hier besonders hervorgehoben sei.
sby Infolge der erwähnten Todesfälle, des Austrittes eines Mit-
gliedes und des Übertrittes der für die Brünner Vereinigung bei
uns eingeführt gewesenen 13 Brüder in die nunmehr konstituierte
,,Moravia" reduzierte sich der Mitgliederstand der Vereinigung
"Wien" am Ende dieser Amtsperiode auf 88.
Es muß hier noch erwähnt werden, daß im Jahre 1896 zum
erstenmale die Dauer der Ferien zur Besprechung gelangte und
daß mit Rücksicht auf die lokalen Sommerverhältnisse in Wien
ein Mindestausmaß von 3 Monaten für dieselbe in Aussicht ge-
nommen wurde. Allerdings wurde aber gleichzeitig ernstlich er-
wogen, in welcher Weise auch während dieser Ferialzeit ein
Kontakt zwischen den Brüdern durch regelmäßige, wenn auch
zwanglose Zusammenkünfte herbeigeführt werden könnte, und es
wurde dem Geselligkeitskomitee nahegelegt, diesen Gesichtspunkt
niemals aus den Augen zu lassen.
In der dritten Amtsperiode wurden folgende 13 neue Mit-
glieder der Vereinigung Wien" zugeführt, während ein Mitglied,
namens Wilhelm Breitenbach, austrat.
S.
21
Josef Lazarus, Kaufmann in Wien, später in Fiume.
Isidor Popper jr., Kaufmann in Wien.
Adolf Frankl, Kaufmann in Wien.
Max Epler, Kaufmann in Wien.
Sigmund Rosenfeld, Bankier in Wien.
Med. Dr. Josef Grünfeld, Univ.-Dozent in Wien.
Moritz Schur, Fabrikant in Wien.
Ludwig Herschmann, Fabrikant in Wien.
Zdenko Wertheimer, Kaufmann in Wien.
Isidor Hirsch 1, Kaufmann in Wien.
Aron Traub, Kaufmann in Wien.
Adolf Schlesinger, Prokurist, derzeit Kaufmann in Wien.
Dr. Isidor Schnabl, Arzt in Wien.
IV. Amtsperiode.
(Präs. Dr. Alois Klemperer.)
Am 12. Jänner 1897 begann die IV. Amtsperiode. Als
Beamten wurden vom Br. Expräs. Dr. Edmund Kohn als Dele-
gaten des Verbandes installiert, u. zw.:
Zum Präs. Br. Dr. Alois Klemperer,
Vizepräs. Br. Heinrich Teltscher,
Prot. Sekr. Br. Dr. Wilhelm Knöpfmacher,
Fin. Sekr. Br. Ignaz Frank,
Schatzmeister Br. Jul. Wolf,
Mentor wurde der abtretende Expräs. Dr. Albert Kuh,
zum Marschall wurde ernannt Br. Wilhelm Bachrach,
zum Wächter Br. Moritz Silberknopf.
Als Repräsentanten der Vereinigung Wien" im Verbande
wurden die beiden Expräs. Dr. Edmund Kohn und Dr.
Albert Kuh gewählt.
In dieser Amtsperiode, welche bis Ende 1897 dauerte und
in welcher 10 offizielle Sitzungen stattfanden, wurde die Geschäfts-
ordnung des Verbandes auf Grund eines vom Br. Dr. Lang-
stein namens des hiefür eingesetzten Komitees erstatteten Re-
ferates zu Ende beraten, es wurde ferner in mehreren Sitzungen
die bereits unter dem früheren Präsidium eingeleitete Diskussion
über den Zionismus fortgesetzt und zu Ende geführt. Ein bei
diesem Anlasse gestellter Antrag, daß die Vereinigung Wien"
nach außen hin zum Zionismus Stellung nehmen und hierüber
einen
Beschluß fassen möge
wurde
als statutenwidrig zur
stimmung nicht zugelassen. Ferner hielt Prof. Br. Ehrmann
einen Zyklus von Vorträgen Über Vererbung und Entwicklung
mit Rücksicht auf die Juden", der eine Fülle hochinteressanter
Tatsachen und Ideen zur Kenntnis der Brüder brachte und ihnen
Belehrung und geistigen Genuß bereitete.
ur Ab-
In der Sitzung vom 9. März 1897 wurde beschlossen, daß
die Vereinigung,,Wien" sich an der Gründungsfeierlichkeit der
S.
22
München-Loge durch Entsendung der beiden Expräs. Dr. Kohn
und Dr. Kuh beteilige.
In der Sitzung vom 1. Juni 1897 wurde die Herausgabe
einer Vierteljahrschrift der Vereinigung Wien" beschlossen,
welche auch als Organ des Verbandes dienen, von diesem sub-
ventioniert und von allen Mitgliedern der österr. Vereinigungen
abonniert werden sollte.
Dieser Beschluß wurde nach Zustimmung des Verbandes
noch in demselben Jahre zur Ausführung gebracht, indem Br.
Prof. Ehrmann die Redaktion dieser Vierteljahrschrift über-
nahm, die er seither in äußerst verdienstvoller und erfolgreicher
Weise fortgeführt hat.
Erwähnenswert ist, daß schon in jener Amtsperiode ein An-
trag des Br. Prof. Ehrmann auf Errichtung einer Vereins-
bibliothek angenommen worden ist, ebenso ist zu bemerken, daß
in der Sitzung vom 6. April 1897 die erste Anregung zur Errich-
tung eines eigenen Heims für die Vereinigung Wien" gegeben
wurde und daß ein Komitee zur weiteren Beratung dieser Frage
eingesetzt worden ist.
Ein von Br. Dr. Josef Grünfeld gestellter Antrag auf
Errichtung einer Institution für jüdische Krankenpflegerinnen
wurde nach eingehender Diskutierung und nach Vorberatung
durch ein hiefür bestimmtes Komitee als dermalen undurchführ-
bar, einer späteren Zeit vorbehalten.
Am 25. April 1897 fand der Verbandstag in Wien statt, aus
welchem Anlasse im ehemaligen Tiergartensaale ein Festbankett
mit Zuziehung der Gattinnen der Vereinsmitglieder abgehalten
wurde, welches durch einen feierlichen Kaisertoast eingeleitet,
in sehr animierter Weise verlaufen ist.
Im Mai 1897 wurde die österreichische Großloge in Prag
durch einen Besuch des Bundespräsidenten Br. Julius Bien aus
Amerika erfreut und fand zu Ehren desselben ein Festbankett in
Prag statt, an welchem sich die Vereinigung „Wien" durch Ent-
sendung einer, aus dem Präsidenten und den zwei Expräsidenten
Dr. Kohn und Dr. Kuh bestehenden Deputation beteiligte.
Als nun der ehrwürdige Bundespräsident der ihm durch
diese Deputation übermittelten Einladung der Vereinigung Wien"
Folge leistend, sich in Prag bereit erklärte, auch dieser Vereini-
gung einen Besuch abzustatten, wurde vom Präsidenten tele-
graphisch an den protokollierenden Sekretär Dr. Knöpf-
macher der Auftrag zur Einberufung einer Festsitzung für den
1. Juni 1897 erteilt.
Bei dieser Festsitzung, welche unter Beteiligung fast sämt-
licher Vereinsmitglieder stattfand, wurde der Bundespräsident von
den beiden Expräs. Dr. Kohn und Dr. Kuh unter feierlichen
Harmoniumsklängen, eingeführt und auf den, für die Mitglieder
des Exekutivkomitees bestimmten Platz geleitet.
S.
23
Im Laufe der Sitzung, zu welcher auch ein langjähriger
Freund des Bundespräsidenten, Ex-Großpräs. aus Chicago,
namens Greeneboom, welcher in Karlsbad zur Kur weilte,
als Gast erschienen war, richtete sowohl dieser, als insbeson-
dere Dr. Bien, innige Worte der Begrüßung, Anerkennung und
Aneiferung an die Vereinigung Wien, welche einen tiefen Ein-
druck auf die Versammlung machten und mit lebhaftem Beifalle
aufgenommen wurden.
Das Geselligkeitskomitee veranstaltete in dieser Amtsperiode
unter der bewährten Leitung des Bruders Jeral einen sehr ani-
mierten Gesellschaftsabend nebst einem künstlerisch ausgezeichneten
Konzert.
Auch diese Amtsperiode war bloß für ein halbes Jahr be-
stimmt, jedoch fand die Installierung des neuen Beamtenkörpers
erst am 27. September 1897 statt.
Die Anzahl der neu aufgenommenen Mitglieder betrug 18,
während ein Mitglied (Friedrich Mendel) aus privaten Gründen
aus der Vereinigung austrat, so daß am Ende der Amtsperiode
die Vereinigung, Wien" im Ganzen 105 Mitglieder zählte.
In der IV. Amtsperiode sind folgende 18 Mitglieder der Ver-
einigung beigetreten:
fe81
Emil Goldberg, Kaufmann in Wien,
Moritz Wagner, Kaufmann in Wien,
Alfred Heinrich Messinger, Kaufmann in Wien,
Filipp Dub, Kaufmann in Wien,
Moritz Sonnenschein, Kaufmann in Wien,
Josef Kowanitz, Kaufmann in Wien,
Siegfried Engel, Kaufmann in Wien,"
Josef Neumann, Kaufmann in Wien,
Leopold Kern, Kaufmann in Wien,
Dr. Julius Bermann, k. k. Notar in Wien,
Marcus Rotter, Prokurist der Länderbank in Wien,
Maximilian Kraus, Prokurist der Länderbank in Wien,
Salomon Fischer, Direktor des Bankvereines in Wien,
Eduard Glaser, Brauerei-Direktor in Wien,
Sigmund Weis, Kaufmann in Wien,
pigios
bp
Dr. Nandor (Nathan) Singer, Zahnarzt in Wien,
Moritz Steinberger, Juwelier in Wien,
190
bro
Carl Herm. Berger, Kaufamnn in Wien.
holoz
asb 6sb
satinio a
V. Beamtenrat.now
nics an
(Präsident Prof. S. Ehrmann).
i
you
Am 29. September 1897 erfolgte durch den Expräsidenten
Dr. Edmund Kohn, als Verbandsdelegaten die Installierung der
für die V. Amtsperiode gewählten Beamten, und zwar:
S.
24
des Präsidenten Br. Dr. S. Ehrmann,
Vizpräsidenten Br. Dr. Gustav Langstein,
prot. Sekretärs Br. Dr. W. Knöpfmacher,
Finanz-Sektetärs Br. Robert Kolisch,
Schatzmeisters Br. Julius Wolf.
Mentor wurde der abtretende Präsident Dr. Alois Klemperer,
während
zum Marschall Br. Gottlieb Kantor und
Wächter Br. Dr. Nandor Singer ernannt wurde.
"
Die Amtsperiode des Präsidenten Br. Dr. Ehrmann, welche
bis Ende des Jahres 1897 dauerte, wurde durch die Einsetzung
eines hochwichtigen Komitees eingeleitet.
Über Antrag des verewigten Br. Sigmund Rosenfeld,
wurde nämlich in der Sitzung vom 12. Oktober 1897, ein
Komitee gewählt, welches sich mit der Frage befassen sollte,
welche finanziellen Mittel der Vereinigung für eine allfällige In-
angriffnahme einer Humanitätsaktion nach außen hin zur Verfügung
stehen und eventuell, wie diese Mittel beschafft werden sollen.
Dieses Komitee stellte sohin in der Sitzung vom 26. Oktober
1897 folgende, von der Versammlung einstimmig genehmigten
Anträge:
1. Es sei ein besonderer, zur Verwirklichung allfälliger
Humanitätsaktionen der Vereinigung,,Wien" (nach außenhin) be-
stimmter Fond aus freiwilligen Beiträgen der Mitglieder zu schaffen.
2. Die Beiträge der einzelnen Mitglieder seien strengstens
geheim zu halten.
3. Die Subskriptionen der einzelnen Mitglieder seien durch
ein besonderes Komitee zu erwirken, welches die Vereinsmitglieder
unter sich aufzuteilen und seine Aktion derart einzurichten habe,
daß die im Punkt 2 bestimmte Diskretion vollständig gewahrt
werde.
4. Die Beiträge seien zunächst auf das Jahr 1898 zu be-
schränken.
Die Annahme dieser Anträge führte zur Begründung des so-
genannten Humanitätsfondes, welchem nach dem im Mai 1900
erfolgten Ablebens seines Initiators die Bezeichnung Sigmund
Rosenfeld-Fond beigelegt wurde.
Der Fond erreichte schon auf Grund der im Jahre 1897
sofort eingeleiteten Subskriptionen die Höhe von 12.926 Kronen
und es wurde in der Sitzung vom 27. Dezember beschlossen,
daß derselbe separat zu verwalten und daß ein ständiges Komitee
zu seiner weiteren Förderung zu bestellen sei.
In der Sitzung vom 9. November 1897 wurde beschlossen, daß
die Vereinigung,Wien" als solche der,,Gesellschaft für Sammlung
und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des
Judentums" mit einem Jahresbeitrage von 40 Kronen als Mit-
glied beitrete.
S.
25
In den Sitzungen vom 12. Oktober bis zum 16. November
1897 fand außer den Beratungen über vielfache, die Betätigung
der Vereinigung nach außen betreffende Anträge auch eine interes-
sante Diskussion im Anschlusse an einen, von Br. Sigm. Rosen-
feld gehaltenen lehrreichen Vortrag über „Finanzielles“ statt. In
der Sitzung vom 23. November 1897 hielt Br. Dr. Gustav Lang-
stein einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die neue
Personaleinkommensteuer, deren Inkrafttreten bevorstand.In der Sitzung vom 7. Dezember 1897, in welcher die Ein-
führung von 4 neuen Mitgliedern erfolgte, hielt Br. Dr. Freud,
der rühmlich bekannte Begründer der Psychoanalyse, seinen
ersten Vortrag in unserer Vereinigung, u. zw. unter dem Titel
„Traumdeutung“.Der überaus geistvolle und das allgemeine menschliche In-
teresse lebhaft berührende Inhalt des Vortrages, sowie insbe-
sondere die, trotz der Schwierigkeit des Themas auch dem
Verständnisse des Laien entgegenkommende, meisterhafte Dar-
stellungskunst des Vortragenden, gestaltete diesen Abend zu
einem der genußreichsten und die Versammlung gab ihrer Dankes-
empfindung durch lebhaftesten Beifall Ausdruck.Anläßlich der durch Exzesse gegen die Juden in Prag ver-
ursachten großen Schäden wurden von der Vereinigung „Wien“
sofort 1000 K gespendet und überdies eine Sammlung durch
Mitglieder und unter denselben eingeleitet, welche ein Ergebnis
von 6300 K hatte.In der V. Amtsperiode wurden 9 offizielle Sitzungen abge-
halten und es wurden in dieser Zeit folgende 7 neuen Mitglieder
der Vereinigung „Wien“ zugeführt, während 2 Mitglieder, u. zw.
Br. Albert Baruch aus Gründen privater Natur und Br. Arthur
Pollak mangels persönlicher Beteiligung freiwillig aus-
geschieden sind.Die Gesamtzahl der Vereinsmitglieder am Schlusse dieser
Amtsperiode betrug daher 110.Eingetreten sind:
Med. Dr. Sigm. Freud, Univ.-Prof. in Wien,
Med. Dr. Max Neumann, Arzt in Wien,
Siegfried Karpeles, Kaufmann in Wien,
Emanuel Raumann, Prokurist in Wien,
Alois Weishut, Bankdirektor in Wien,
Ignaz Gewitsch, beeid. Börsensensal in Wien,
Armin Kohn, Bankier in Wien.VI. Beamtenrat.
(Präs. Dr. Gustav Langstein).In der Generalversammlung vom 11. Jänner 1898 erfolgte
die Neuwahl und Installierung der Beamten für die VI. Amts-
periode.S.
26
Es wurden gewählt:
Zum Präs. Br. Dr. Gustav Langstein,
Vize-Präs. Br. Gottlieb Lederer,
Prot.-Sekr. Br. Bernhard Jerusalem,
Fin.-Sekr. Br. Robert Kolisch,
Schatzm. Br. Alfred Heinrich Messinger.
Als Mentor fungierte der abtretende Präsident Br. Prof. Dr.
Ehrmann,
zum Marschall wurde Br. Eduard Glaser,
Wächter Br. Dr. Nandor Singer ernannt.
Während die ersten 5 Amtsperioden ausnahmsweise bloß
ein halbes Jahr dauerten, nahm nunmehr die normalmäßige, ein
ganzes Jahr umfassende Dauer der Amtsperiode ihren Anfang.
Die VI. Amtsperiode dauerte somit vom Jänner 1898 bis zum
Jänner 1899.
Die Vereinssitzungen, deren im Ganzen 17 stattfanden,
wurden in dieser Generalversammlung auf die 2 ersten Dienstage
nach dem 1. und 15. eines Monates verlegt.
Als Repräsentanten der Vereinigung Wien" im Verbande
wurden die rangsältesten Expräsidenten Dr. Edmund Kohn, Dr.
Albert Kuh und Dr. Alois Klemperer gewählt.
Schon in der ersten Sitzung dieses Termines brachte Ex-
präs. Br. Dr. Klemperer einen Antrag auf Gründung eines
Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis ein.
Dem Wunsche des Antragstellers entsprechend, wurde ein
24gliedriges Komitee zur Vorberatung dieses Gegenstandes bestellt.
In derselben Sitzung wurde nach einem, vom Präs. Br. Dr.
Langstein erstatteten Referate eine Änderung der Vereins-
statuten beschlossen.
In den folgenden Sitzungen wurde über einige prinzipielle
Fragen der Vereinstätigkeit und über mehrere innere Angelegen-
heiten beraten und Beschluß gefaßt, so über die Frage der Ver-
einstätigkeit nach außen hin, über einen Antrag des Expräs. Dr.
Kohn auf Gründung einer Zeitschrift für die jüdische Jugend,
über die Verwendung des Humanitätsfondes, über die Ver-
größerung unserer Vereinslokalitäten (Kündigung des in After-
bestand befindlichen Teiles derselben), über die allfällige Be-
günstigung besonders würdiger und zur Aufnahme geeigneter
Kandidaten bezüglich der Aufnahmsgebühren und Mitglieds-
beiträge, über einen an den Verband zu richtenden Antrag auf
Einleitung geeigneter Schritte zur Erforschung des hellenisch-
jüdischen Geisteslebens in den letzten Jahrhunderten vor unserer
Zeitrechnung u. dergl.
In der Sitzung vom 25. April wurde von dem zur Vor-
beratung des Antrages Dr. Klemperer bestellten Komitees
der Antrag gestellt:
ohohoq
S.
27
27
"Der Humanitätsverein B'nai B'nai erklärt sich bereit,
die Bildung eines Vereines für Arbeitsnachweis dadurch zu
fördern, daß er den Präsidenten ermächtigt, einem aus der
Mitte der Brüder behufs Konstituierung dieses Vereines sich
bildenden Komitee aus dem Humanitätsfonde einen Kredit
von 4000 K zur Verfügung zu stellen".
Dieser Antrag, welchem sich Expräs. Dr. Klemperer
akkomodiert hatte, wurde mit großer Majorität angenommen und
dadurch die erste Grundlage für das Entstehen dieses segens-
reich wirkenden Vereines geschaffen.
Die Sitzung vom 20. September 1898 wurde durch eine
feierlich ernste Trauerkundgebung anläßlich des kurz vorher er-
folgten jähen Ablebens Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth ein-
geleitet; hievon wurde auch an die a. h. Kabinettskanzlei
berichtet.
Über Ansuchen der Vereinigung „,,Solidaritas" B'nai B'rith in
Krakau wurden zur Unterstützung der in Galizien geplünderten
Juden von der Vereinigung Wien" 1000 K zu Handen der
Solidaritas" gespendet.
Zu der am 11. Oktober 1898 anberaumten Installierung der
Vereinigung Silesia B'nai B'rith in Troppau wurde eine drei-
gliedrige Delegation entsendet, bestehend aus dem Präsidenten.
Dr. Gustav Langstein und den Expräsidenten Dr. Edmund
Kohn und Dr. Alois Klemperer.
In den Sitzungen vom 10. Mai, 20, September und 4. Oktober
wurde die Geschäftsordnung der Vereinigung „Wien" nach einem
vom Br. Dr. Knöpfmacher ausgearbeiteten Entwurfe beraten
einigen
des von demselben erstatteten Referates mit
angenommen.
und auf
A
In der Sitzung vom 31. Oktober 1898 hielt Br. Dozent Dr.
Grünfeld einen überaus lehrreichen Vortrag über das Thema
,,Historisches über Antiseptik".
In der Sitzung vom 14. November 1898 wurde beschlossen,
dem Waisenhausvereine in Prag mit einem Jahresbeitrage von
200 K als Mitglied beizutreten. In derselben Sitzung hielt Br. Dr.
Klemperer einen instruktiven Vortrag über „Das neue Patent-
gesetz", an welchen sich eine von Br. Dr. Monat in der
Sitzung vom 29. November eingeleitete und von den Brüdern
Rosenfeld und Popper fortgesetzte Diskussion anschloß.
Die Sitzung vom 29. November wurde durch eine feierliche,
dem auf den 2. Dezember 1898 fallenden 50jährigen Regierungs-
jubiläum Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. gewidmete An-
sprache des Präsidenten eingeleitet.
In der Sitzung vom 13. Dezember 1898 wurde beschlossen,
dem von der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu erbauenden
Siechenhause 2000 K aus dem Humanitätsfonde zuzuwenden;
eine aus gleichem Anlasse unter den Brüdern vorgenommene
Sammlung ergab einen weiteren Betrag von 2000 K, so daß zu-
S.
28
sammen 4000 K im Namen der Vereinigung dem erwähnter
Zwecke zugeführt werden konnten.
In der Sitzung vom 27. Dezember 1898 hielt Br. Marcus
Fischer einen Vortrag über „Brüderlichkeit und Freundschafts
In der Zeit vom November bis Ende 1898 wurden unter
der Leitung des Br. Sigm. Piesen als Obmann des A-
schaffungskomitees die neu hinzugekommenen Vereinsräume zu
Zusammenkünften adaptiert und eingerichtet.
geselligen
Außerdem wurden im Jahre 1898 noch folgende Vorträge
unter Zuziehung der Damen im Vereinslokale abgehalten; von
Br. Dr. Schneeberger über
Rechtsentwicklung", von Frau
Frank über „Ethik im "alten Judentum", von Br. Dr.
Königstein über Sprache der
Schwab aus Karlsbad über Frauenges von Br. Alfred
Jenny
der französischen
Revolution" und vom Rabb. Dr. Max Grunwald, Mitglied der
Henry Jones-Loge in Hamburg über Spinoza in Deutschland".
In der Amtsperiode des Präsidenten Br. Langstein
wurden 24 neue Mitglieder der Vereinigung zugeführt, so daß
die Mitgliederzahl sich am Schlusse derselben auf 134 stellte.
Die Namen der Eingetretenen sind:
Dr. Moritz Karoly,
Alois Schiditzer, Kaufmann in Wien,
Julius Kohn, Kaufmann in Wien,
zialA
Josef Toffler, Kaufmann in Wien,
Josef Reimann, Kaufmann in Wien,
Carl Seligmann, Kaufmann in Wien,
Ignaz Biach, Kaufmann in Wien,
Adolf Friedländer, Kaufmann in Wien,
Sigmund Kohn, Kaufmann in Wien,
Sigmund Seiler, Fabrikant in Wien,
Dr. Salo Löbl, Arzt in Wien.
Ignaz Frank 1, Kaufmann in Wien,
Emil Reich, Direktor in Wien,
Dr. Leopold Königstein, Univ.-Dozent (später Univ.-
Prof. in Wien),
Eduard Woh I, Holzhändler in Wien,
Josef Zucker, Fabrikant in Wien,
Adolf Bär, Privatier in Wien,
Med. Dr. Emil Lŏ wy, Arzt in Wien,
3709
Med. Dr. Marcus Hajek, Univ.-Dozent (jetzt Univ.-Prof.)
in Wien,
Leo Schloss, Kaufmann in Wien,
Gustav Frank 1, Kaufmann in Wien,
jesi asb orb
Emil Geiringer, Kaufmann in Wien, sal ob nov mo
Samuel Bing, Kaufmann in Wien,
mustie bi
Albert Winterberg, Privatier in Wien. Saud
2002 nov glad motion nonis dagis, gulmins
S.
29
VII. Beamtenrat.
(Präs. Gottlieb Lederer).
In der am 10. Jänner 1899 abgehaltenen Generalversammlung
wurden folgende Beamte gewählt und vom Expräs. Dr. Edmund
Kohn als Delegaten des Verbandes installiert: d
Zum Präs. Br. Gottlieb Le derer,
Vize-Präs. Br. Dr. Wilhelm Knöpf macher,
Prot.-Sekr. Br. Eduard Glaser,
10 20941
Fin.-Sekr. Moritz Silberknopf,
and den
Schatzmeister Josef Toffler,
Mentor wurde der abtretende Präsident Dr. Gustav Lang-
stein,
zum Marschall wurde Br. Dr. Nandor Singer,
zum Wächter Br. Sigmund Piesen
ernannt und begann somit die VII. offizielle Amtsperiode, welche
bis zum Ende des Jahres 1899 währte.
Einführungsgebühr, Jahresbeitrag und Sitzungstage blieben
unverändert.
Als Repräsentanten im Verbande wurden gewählt die Ex-
präsidenten Dr. Edmund Kohn, Prof. Dr. Ehrmann und
Dr. Gustav Langstein.
In dieser Amtsperiode wurde die Aktion zur Kanstituierung
des Vereines für Arbeitsnachweis fortgesetzt und erfolgreich zu
Ende geführt, indem die Vereinigung "Wien" in der Sitzung vom
24. Jänner 1899 folgenden Antrag des früher bestellten Komitees
annahm:
„Die Vereinigung Wien" beschließt, ein Büro für un-
entgeltlichen Arbeitsnachweis zu errichten unter der Modalität,
daß ein eigener Verein zu diesem Zwecke gegründet werde,
zu welchem Behufe der Beamtenrat ein ständiges Komitee
bestellt, dem die unbeschränkte Vollmacht erteilt wird, alle
zur Vereinsgründung nötigen Schritte zu tun; das Komitee
hat dem Plenum Bericht zu erstatten und alle Brüder haben
das Komitee tatkräftigst zu unterstützen".
Auf Grund der von diesem Komitee getroffenen Vorarbeiten
ist sohin im April 1899 der genannte Verein tatsächlich unter
dem Präsidium des Expräsidenten der Vereinigung „Wien", Dr.
Alois Klemperer, ins Leben getreten und hat sofort, insbeson-
dere durch die rastlose und zielbewußte Initiative des Br. Sigm.
Rosenfeld eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet.
Dem Vereine Ferienheim" wurde für das Jahr 1899 ein
Beitrag von 50 K zuerkannt.
In der Sitzung vom 14. Februar wurde vom Vizepräsidenten
Dr. Wilhelm Knöpfmacher eine Diskussion „Über Zwecke
und Ziele der B'nai B'rith-Vereinigungen" eingeleitet, welche in
den folgenden 2 Sitzungen fortgesetzt und beendet wurde, da
die Frage nach Besserung der Verhältnisse unserer galizischen
S.
30
Glaubensgenossen auf’s Tapet gebracht wurde, welche mehrere
Sitzungen in Anspruch nahm.
Für ein von Br. Dr. Gustav Karpeles in Aussicht ge-
stelltes literarisches Werk wurden 250 Mark gewidmet, der
Volksküche für jüdische Schulkinder 100 K, für Wohltätigkeits-
übung nach außen 1000 K zu Handen des Unterstützungskomitees.
Eine Aktion wegen Beteiligung unserer Vereinigung an der
Bekämpfung des Ritualmordmärchens durch Widmung eines Be-
trages für diesen Zweck dienende literarische Schriften wurde
nach eingehender Beratung und Behandlung seitens eines beson-
deren Komitees gegen den Vorschlag des letzteren abgelehnt.
Für die Unterbringung des Rabbiners Dr. Goldberg aus
Polna wird eine Aktion eingeleitet und von der Vereinigung
„Wien“ zu diesem Zwecke ein Beitrag von 200 K gespendet.
An der Installierung der Vereinigung „Leopolis“ B’nai B’rith
in Lemberg beteiligte sich die Vereinigung „Wien“ durch Ent-
sendung einer, aus dem Vizepräs. Br. Dr. Wilhelm Knöpf-
macher und dem Expräs. Dr. Alois Klemperer und Dr.
Ehrmann bestehenden Delegation.
Außer den bereits erwähnten Diskussionen wurden im Laufe
des Jahres 1899 folgende Vorträge gehalten, u. zw.:1. am 3. Februar 1899 von Br. Dr. Freud „Über Traum-
deutung“, Fortsetzung und Schluß.
2. am 28. März 1899 von Br. Jos. Jerusalem „Über
kaufmännische Ehre“.
3. am 30. April 1899 von Br. Sigm. Rosenfeld „Vom
Egoismus zum Altruismus“.
4. am 28. April von Br. Prof. Ehrmann „Über die
Geschichte der Juden zur Zeit der Jagellonen“.Verbandstag.
Gegen Ende April 1899 wurde der Verbandstag in Wien
abgehalten, bei welchem Anlasse unser erster Expräs. Br. Dr.
Edmund Kohn in das Generalkomitee gewählt wurde.
Die Sitzung vom 30. April 1899, in welcher die Einführung
von 3 Mitgliedern über Einladung des Präsidenten vom Groß-
präsidenten vorgenommen wurde, war durch die Anwesenheit
mehrerer Verbandsmitglieder ausgezeichnet und fand nach der-
selben ein festliches Brudermahl im Hotel „Weißes Roß“ in der
Taborstraße statt.
Außer 17 offiziellen Sitzungen und einem Vortragsabend
wurde am 28. Dezember 1899 auch ein sehr animierter, musi-
kalisch-deklamatorischer Geselligkeitsabend mit Tanz im Hotel
„Kreuz“ abgehalten.
Eingeführt wurden in der VII. Amtsperiode 17 neue Mit-
glieder, u. zw.:S.
31
Ignatz Wilh. Schütz, Bankier in Wien,
Franz Türke 1, Brauereikassier in Wien,
Heinrich Weiss, Kaufmann in Wien,
Sigmund Löwy, Kaufmann in Wien,
Josef Kraus s, Kaufmann in Wien,
Friedrich Khuner, Kaufmann in Wien,
Hermann Liebermann, Kaufmann in Wien,
Max Fleischer, Architekt in Wien,
Sigmund Schlesinger, Bankier in Wien,
Norbert Khuner, Kaufmann in Wien,
Salomon Hum me 1, Optiker in Wien,
Theodor Meyer, Kaufmann in Wien,"
Emerich Bondi, Kaufmann in Wien,
Heinrich Freund, Kaufmann in Linz,
Adolf Ullmann, Kaufmann in Wien,
Ferdinand Goldstein, Kaufmann in Wien,
Dr. Alfred Winternitz, Arzt in Wien.
Es belief sich daher am Schlusse der VII. Amtsperiode die
Mitgliederzahl auf 151.
VIII. Beamtenrat.
(Präs. Dr. Wilhelm Knöpfmacher).
In der Generalversammlung vom 9. Jänner 1900 wurden
folgende neue Beamte gewählt und vom Expräs. Dr. Edmund
Kohn als Verbandsdelegaten installiert:
Als Präs. Br. Dr. Wilhelm Knöpfmacher,
Vizepräs. Br. Julius Wolf,
"
Prot.-Sekr. Br. Dr. Isidor Schnabl,
Fin.-Sekr. Br. Moritz Silberknopf,
Schatzmeister Br. Sigm. Chitz,
Ton Als Mentor hatte der abtretende
Präsident Gottlieb
Lederer zu fungieren; zum Marschall wurde Br. Dr. Karolyi,
zum Wächter Br. Emanuel Taussig ernannt.
Es begann somit die VIII. Amtsperiode.
Die Sitzungstage, Eintrittsgebühren und Mitgliedsbeiträge
wurden unverändert belassen.
Als Repräsentanten im Verbande wurden die Expräs. Dr.
Edmund Kohn, Dr. Kuh und Dr. Klemperer gewählt.
Diese Amtsperiode war einerseits infolge schwerwiegender
Ereignisse innerhalb der Vereinigung selbst, andererseits infolge
von Vorkommnissen in der Judenschaft, welche auf dieselbe zu-
rückwirkten, eine der bewegtesten seit deren Bestande.
Der von der Vereinigung Wien" ins Leben gerufene und
nun seit mehr als einem Jahre bestehende Verein für Arbeits-
nachweis, welcher seine segensreiche Tätigkeit unter der Mit-
wirkung vieler Mitglieder der Vereinigung, Wien" und insbeson-
dere unter der zielbewußten Führung seines unermüdlichen Or-
13-0
S.
32
ganisators Br. Siegm. Rosenfeld fortsetzte, war noch in vielen
Sitzungen Gegenstand des Interesses, indem die von Br. Rosen
feld gemachten Vorschläge zur Ausgestaltung und Weiterentwick-
lung jenes Vereines hier entgegenkommend zur Kenntnis ge-
nommen wurden.
Die in der vorhergehenden Amtsperiode eingeleitete Vorbe-
reitungsaktion für die Gründung des galizischen Hilfsvereines ge-
langte durch die am 14. Jänner 1900 im Saale der isr. Kultus-
gemeinde abgehaltene Delegiertenversammlung in ein aktuelles
Stadium. Von da ab wurden die vom Prager Komitee vorgelegten
Statuten in fortgesetzten Komiteeberatungen, an welchen ins-
besondere die Mitglieder der Vereinigung Wien" hervorragend
beteiligt waren, durchberaten und festgestellt, sohin der behörd-
lichen Genehmigung zugeführt; außerdem bot die Anwesenheit
des Expräs. Bergel aus Berlin, welcher die galizische Frage
auch namens der österreichischen Logen bei der in demselben
statt
stattfindenden Bundes-Versammlung der B. B. in Amerika
vertreten sollte,
sollte, Gelegenheit, diesen Gegenstand in einigen
Sitzungen noch einmal zu behandeln.
Jahre
Infolge der im Sommer 1900 eingetretenen Auswanderer-
bewegung unter der Judenschaft Rumäniens wurde der von der
"Alliance Israelite" eingeleiteten Hilfsaktion tatkräftiger Beistand
geleistet,
indem die
Wien" als solche 1000 K und
Vereinigung
aus einer, vom Präsidenten unter den Mitgliedern durchgeführten
Sammlung, wel
welche ca. 2000 K ergab, weitere 1000 K zu ge-
und
dachtem Zwecke an die Alliance Israelite" ablieferte, während
her 1000 K
die restlichen 1000 speziell zur
zur Unterstützung solcher, aus Ru-
mänien auswandernder Juden verwendet wurden, welche sich
als Bundesbrüder legitimierten.
So wurde insbesondere einer aus 10 Mitgliedern bestehen-
den Familie eines Bundesbruders die Möglichkeit gegeben, sich
in Amerika eine neue Existenz zu gründen, wofür sie der Ver-
einigung Wien" als ihrer Erlöserin in sinniger Weise durch
Übersendung
ihres Gruppenbildes den Dank abstattete.
In Bezug auf die Wohltätigkeitsübung nach außenhin wurde
in der Sitzung vom 27. März prinzipiell die vollständige Aus-
schließung der kleinen Unterstützungen beschlossen, da unser
Verein nicht in der Lage ist, die einzelnen Unterstützungsgesuche
auf ihre Würdigkeit zu prüfen.
In der Sitzung vom 13. März wurde beschlossen, dem Ver-
eine „Ferienheim" den Betrag von 300 K als einmalige Spende
und außerdem einen Jahresbeitrag von 100 K für das Jahr 1900,
weiters dem Dr. Brecher'schen Siechenhause einen Jahres-
beitrag von 20 K zu widmen.
Behufs Ermöglichung der Herausgabe eines im Manuskript
vorgelegenen Werkes über die Alexandrinische Epoche von Dr.
Weinstein Zur Genesis der Agada II, die alexandrinische
Agada", wurde der Betrag von 300 K durch private Sammlung
unter den Brüdern aufgebracht. duwadisis 9b 13tu
S.
33
An der Einweihungsfeier des neuen Logenhauses in Karls-
bad beteiligte sich unsere Vereinigung mit einer dreigliedrigen
Deputation, bestehend aus dem Expräs. Dr. Gustav Langstein,
Prof. Dr. Ehrmann und Gottlieb Lederer.
Am 8. Mai wurde die vom Präs. Dr. Knöpfmacher aus-
gearbeitete Geschäftsordnung für das Unterstützungs-Komitee"
nach Vorberatung in diesem Komitee auf Grund eines vom
Br. Heinrich Teltscher erstatteten Referates en bloc ange-
nommen.
In derselben Sitzung wurden über die vom Br. Dr. Edmund
Kohn bereits früher angeregte Frage betreffend die Gründung
einer zweiten Zweigvereinigung in Wien, bezw. die Stellung-
nahme unserer Vereinigung zu einer derartigen Gründung nach
eingehender Debatte folgende zwei Beschlüsse gefaßt:
1. Die Vereinigung,Wien' beschließt für den Fall, als sich
in Wien eine zweite Zweigvereinigung unseres Bundes bilden
sollte, dieser ihre Vereinslokalitäten gegen einen später
festzustellenden Beitrag zum Zins und zur Erhaltung zur
Verfügung zu stellen".
2. Daß allen für diese Vereinigung angemeldeten Kandidaten,
falls sie in die Vereinigung,Wien eingeführt werden
sollten, die Eintrittsgebühren nach Konstituierung der
neuen Vereinigung zurückerstattet werden."
Durch diese Beschlüsse sollte die Bahn für eine, die Grün-
dung einer zweiten Bundesvereinigung in Wien abzielende Aktion
geebnet und deren Inangriffnahme im Laufe des Sommers 1900
ermöglicht werden.
Da die Bewegung aber in den Sand zu verlaufen drohte,
mußte die Frage der 2. Logengründung im November 1900
neuerlich erörtert werden, da in der Sitzung vom 11. November
1900 eine Zuschrift des s. w. Verbandes zur Verlesung kam, in
welcher die Inangriffnahme dieser Logengründung dringend
empfohlen wurde.
Es wurde ein Komitee zur eingehenden Beratung dieser
Frage bestellt und nach eingehender Diskussion in der Sitzung
vom 18. Dezember beschlossen, daß die Vereinigung Wien"
im Prinzip mit der Gründung einer zweiten Vereinigung einver-
standen sei und den Modus procedendi einer späteren Beschluß-
fassung vorbehalte.
Infolge des steten Anwachsens der Mitgliederzahl und des
stetig guten Besuches der Sitzungen war das Bedürfnis nach
einer räumlichen Ausdehnung des Sitzungssaales und nach Ein-
richtung einer gut funktionierenden Ventilation in demselben akut
geworden, ebenso hatte sich anläßlich der provisorischen Ein-
führung gemeinsamer Imbisse kalter Speisen in den Vereinsloka-
litäten gezeigt, welch ein erfreuliches Bedürfnis nach längerem
geselligen Zusammensein unter den Mitgliedern bestand.
3
S.
34
Es wurde daher vom Präsidenten ein besonderes Komitee
bestellt, welches in mehrfachen Sitzungen über alle diese Fragen
Beratungen pflog und dank der eifrigen Mitwirkung eines geni-
alen Baukünstlers, des Mitgliedes Architekten Fleischer, eine
überraschend befriedigende Lösung derselben herbeiführte.
In der Sitzung vom 11. November wurden nach dem Refe
rate des Architekten folgende Vorschläge des Komitees ange-
nommen:
1. Die Vergrößerung des Beratungssaales durch Wegnahme
einer Wand (die Ausführung dieses Beschlusses wurde
über nachträglichen Antrag des Beamtenrates auf spätere
Zeit verschoben).
2. Die Einrichtung einer Ventilation im Beratungssaale.
3. Die Herstellung eines großen Speisesaales durch Vereini-
gung mehrerer Nebenräume.
Durch diese Beschlüsse, deren Ausführung nahezu drei Mo-
nate in Anspruch nahm und mit großen materiellen Opfern ver-
bunden war, wurde das Vereinslokal vollkommen zweck-
entsprechend umgestaltet und insbesondere die Möglichkeit ge-
schaffen, die für die Entfaltung der Geselligkeit und Freund-
schaft unter den Vereinsmitgliedern besonders wichtigen Bruder-
mahle in den Vereinsräumen selbst regelmäßig abzuhalten.
Von der Vereinsbetätigung nach außen ist noch hervor-
zuheben der in der Sitzung vom 27. November von Br. Direktor Wil-
helm Kux gestellte Antrag, daß die Vereinigung Wien" den in Wien
bereits bestehenden, aber gewissermaßen stagnierenden Verein
zur unentgeltlichen
unter seine Fittige Verpflegung Brustleidender auf dem Landen
Dieser Antrag wurde im Beamtenrate einer eingehenden Be-
ratung
unterzogen, es w
es wurde hiebei festgestellt, daß der Beteili-
gung unserer Vereinigung an dem genannten Vereine vorerst eine
vollständige Umgestaltung desselben im Wege einer gründlichen
Statutenänderung vorausgehen müßte.
Es wurde hierüber mit dem Vorstande des genannten Ver-
eines unterhandelt und nach prinzipiellem Einverständnisse des-
selben zur Vornahme der erforderlichen Statutenänderung wurden
auf Grund eines vom Br. Dr. Wilh. Knöpfmacher ausgear-
beiteten Statutenentwurfes diese neuen Statuten im Wege fort-
gesetzter längerer Beratungen, an welchen sich außer dem Vor-
stande des genannten Vereines unsere Mitglieder Expräs. Dr.
Kohn, Dr. Kuh, Präs. Dr. Knöpfmacher, Dir. Wilh. Kux,
urat Stiasny, Eduard Glaser und Eduard Schwarz be-
teiligten, festgestellt und der Statthalterei zur Genehmigung
überreicht.
Außer dieser Betätigung der Vereinigung nach außen und
innen wurde in der VIII. Amtsperiode auch auf dem Gebiete der
geistigen Interessen eine eifrige Tätigkeit entfaltet. Es wurden im
Laufe derselben 10 selbständige Vorträge, darunter 4 in beson-
deren Versammlungen abgehalten, und zwar:
S.
35
Editorische Anmerkung:
Dies ist der Auszug von eine Bericht aus 2. Hand, verfasst – schon einmal 1932 – von Dr. Wilhelm Knöpfemacher, in dem zwei Vorträge Freuds auf Seite 35 Erwähnung finden.1. Am 23. Jänner 1900 von Br. Architekt Fleischer „Über
Bruderschaftsbündnisse“.2. Am 9. Februar 1900 von Br. Prof. Freud vor Damen
„Über das Seelenleben des Kindes“.3. Am 27. Februar von Br. Bernhard Jerusalem „Über
die landwirtschaftliche Aktion des zu gründenden Hilfs-
vereines für Galizien“.
4. Am 8. März von Br. Architekten Fleischer vor Damen
„Aus meinen Erinnerungen an den Wiener Rathausbau“.
5. Am 27. März von Prof. Ehrmann über „Jüdische Denker
zu Beginn unserer Zeitrechnung“.6. Am 24. April von Br. Prof. Freud „Über Fecondité von
Zola“.7. Am 11. November von Br. Dr. Josef Jerusalem „Über
Haeckels Welträtsel“.
8. Am 22. November von Br. Dr. Josef Pollak vor Damen
„Über Friedrich Nietzsche“.
9. Am 4. Dezember von Br. Dr. Flax von der Cremieux-
Loge in Borlak (Rumänien) „Über die Aussichten der
Juden in Rumänien“.
10. Am 11. Dezember von Br. Dr. Moritz Friedländer
vor Damen über „Die jüdische Sybille“.Leider hatte die Vereinigung im Jahre 1900 den überaus
schmerzlichen Verlust von drei ausgezeichneten Mitgliedern zu
beklagen, dreimal in kurzer Aufeinanderfolge mußten die Mit-
glieder zu feierlichen Trauersitzungen einberufen werden, ins-
besondere hat das ganz unvermittelte, plötzliche Hinscheiden des
ob seiner seltenen Tugenden allgemein beliebten und verehrten
Br. Sigm. Rosenfeld einen geradezu erschütternden und be-
sonders nachhaltigen Eindruck auf die Vereinigung „Wien“ und
deren Mitglieder hervorgerufen und es wurde zur ewigen Erinne-
rung an dieses ausgezeichnete Mitglied in der Sitzung vom
9. Oktober 1900 beschlossen, daß der Humanitäts-Fond, welcher
der Initiative des Dahingeschiedenen seine Entstehung verdankt,
für alle Zeiten den Namen Sigmund Rosenfeld-Fond zu tragen
habe.Im Laufe des Jahres 1900 wurden 18 ordentliche Vereins-
sitzungen, darunter 3 Trauerversammlungen, und überdies 4 außer-
ordentliche Vortragsabende mit Zuziehung der Damen abgehalten.Der Besuch dieser Versammlungen war sehr erfreulich, in
dem durchschnittlich 96 Mitglieder, d. i. 60% der Brüder, an
jeder Versammlung teilnahmen.In derselben Zeit wurden 22 neue Mitglieder in die Ver-
einigung eingeführt, 1 Mitglied (Sigmund Weiss) trat aus, so
daß sich die Mitgliederzahl der Vereinigung bei Berücksichtigung
der 3 Todesfälle am Ende des Jahres 1900 auf 169 stellte.Folgende Mitglieder sind der Vereinigung „Wien“ während
des Jahres 1900 beigetreten:S.
36
Dr. Gustav Arens, Kaufmann in Wien.
Paul Lemberger, Kaufmann in Wien.
David Rotter, Vertreter der 1. C. A. in Wien.
Ludwig Abeles, Kaufmann in Mistelbach.
Dr. Franz Schmitz, Advokat Mistelbach.
in
Alois Fischl, Kaufmann in Klosterneuburg.
Emil Koch, Kaufmann in Wien.
Carl Hirsch, Kaufmann in Wien.
Isidor Mauthner,
her, Fabrikant in Wien.
Bernhard Tollak, Univ.-Dozent in Wien.
Med. Dr.
Dr Josef
Kaufmann in Linz.
Friedländer,
Dr. Moritz
der, Privatgelehrter in Wien.
Adolf Schwarz, kais.
s. Rat in Wien.
Winternitz, Kaufmann in Wien.
Rudolf
Ferdinand Goldschmidt, Kaufmann in Wien.
Kais. Rat Dr. Theodor Lieben, I. Sekretär der Isr. Kultus-
gemeinde in
in Wien.
Dr. Béla Taussig, Bankier in Wien.
Dr. Wilhelm Pappenheim, Advokat in Wien.
Adolf Fürst, Kaufmann in Linz.
Dr. Benjamin Gomperz, Univ.-Dozent in Wien.
Julius Granichstädten, Kaufmann in Wien.
Med. Dr. Ludwig Braun, Univ.-Dozent in Wien.
ho
IX. Beamtenrat.
(Präsident Heinrich Teltscher).
Am 8. Jänner 1901 fand die Generalversammlung statt, in
welcher folgende neue Beamte gewählt und vom Expr. Dr. Edm.
Kohn als Verbandsdelegaten installiert wurden:s
Als Präsident Br. Heinrich Teltscher,
Vize-Präsident Br. Dr. Isidor Schnabl, sin
prot.
Sekretär Br. Adolf Frankl, d 0021 odon
"
Finanz-Sekretär Wilhelm Bachrach,vitati
Schatzmeister Br. Eduard Schwarz.
"
Scha
Mentor wurde der abtretende Präsident Dr. Wilhelm Knöpf-
wurde
macher,
zum Marschall wurde Br. Siegfried Engl und
Wächter Br. Emil Goldberg ernannt
"
und es begann somit die IX. Amtsperiode, welche bis zum
14. Jänner 1902 dauerte.
Die Sitzungstage, Jahresbeiträge und Eintrittsgebühren
blieben unverändert, auch wurden dieselben 3 Expräsidenten als
Repräsentanten für den Verband gewählt.
In dieser Amtsperiode wurden zunächst die in Ausführung
begriffenen Installierungsarbeiten in den Vereinslokalitäten zu
Ende geführt, so daß der nach den Plänen des Architekten Br.
Fleischer hergestellte Speisesaal am 9. März 1901, anläßlich
eines im Anschlusse an einen Vortrag der Frau Jenny Frank
S.
37
abgehaltenen Festmahles eröffnet werden konnte; die nach den
Vorschlägen des Br. A. H. Messinger von fachkundiger
Seite hergestellte Ventilation wurde gleichzeitig vollendet.
Für die Fortsetzung der Beratungen betreffend die Gründung
einer zweiten Zweigvereinigung in Wien wurde schon in der
Sitzung vom 28. Jänner ein besonderes Komitee eingesetzt, welches
in der Sitzung vom 13. Februar durch seinen Referenten Expräs.
Dr. Klemperer folgenden Antrag zur Annahme empfahl:
Die Vereinigung Wien" beschließt, daß zum Zwecke der
Ermöglichung der Gründung einer zweiten B'B'-Vereinigung
in Wien bis auf weiteres die Aufnahme neuer Mitglieder in
die Vereinigung „Wien" nicht zu erfolgen habe und daß für
die zu gründende zweite Vereinigung nur solche Mitglieder
aufgenommen werden, welche das Gründungskomitee hiefür
in Vorschlag bringt."
Der Antrag wurde angenommen, worauf in der Sitzung vom
26. Februar ein besonderes Komitee für die Gründung der
zweiten Vereinigung ernannt wurde. Dieses konstituierte sich
und wählte den Br. Dr. Josef Jerusalem zu seinem Obmanne
und den Br. Moritz Silberknopf zu seinem Schriftführer.
Dieses Gründungskomitee hatte die Weisung, jeweilig die für die
zweite Vereinigung aufgenommenen Mitglieder zu kooptieren, so
daß diese sämtlich dem Gründungskomitee angehören sollten.
Die Vorbereitungsarbeiten für die Konstituierung des Hilfs-
vereines für Galizien wurden ebenfalls bald nach dem Beginne
der neuen Amtsperiode beendigt, so daß diese Konstituierung
unter überaus zahlreicher Beteiligung der Mitglieder der Vereini-
gung „Wien"
am 24. Februar 1901 im Festsaale des kauf-
männischen Vereines in Wien erfolgen konnte. In der Sitzung
vom 26. März wurden diesem Hilfsvereine vorschußweise 10.000 K
von der Vereinigung „Wien" zur Verfügung gestellt.
Ferner wurden in der Sitzung vom 26. März zur Vorberei-
tung und Konstituierung von Ortsgruppen für den galizischen
Hilfsverein in Wien folgende Mitglieder bestellt, und zwar :
Für den I. Bezirk Br. Isidor Popper jr.,
Br. Dr. Wilhelm Knöpfmacher,
II.
III., IV., V. und X. Bezirk Br. Seligmann,
"19"
"
VI., VII., XIV. und XV. Bezirk Br. Architekt
to Fleischer,
VIII., IX., XVI., XVII., XVIII. und XIX. Bezirk Br.
"
Julius Wolf und Br. Granichstädten,
Linz Br. Heinrich Freund.
"
Nicht minder wurde die auf die Beteiligung der Vereinigung
,,Wien" an dem „Vereine zur unentgeltlichen Verpflegung Brust-
leidender auf dem Lande" abzielende Aktion eifrigst fortgesetzt
und nach erfolgter Genehmigung der neuen Statuten seitens der
Statthalterei in der Weise erledigt, daß mehrere Mitglieder in
S.
Editorische Anmerkung.
In diesem Bricht der B’nai B’rith Mitteilungen für Österreich aus 1935 findet sich Mitteilungen zu einer Diskussionseinleitung und einem Vortrag von Sigmund Freud:[Im Jahr 1901:]
Freud, Sigmund (1902-411/1935): [Einleitung der Diskussion: Über Ziele und Zwecke der B'nai B'rith-]Vereinigungen]. In: Knöpfmacher, Wilhelm: Entstehungsgeschichte und Chronik der Vereinigung »Wien« B’nai B’rith in Wien. Wien: Verlag Verband der israelitischen Humanitätsvereine »B’nai B’rith« für Österreich 1935:41.[Im Jahr 1901:]
Freud, Sigmund (1902-411/1935): [Bericht über einen Vortrag: Über Zufall und Aberglauben]. In: Knöpfmacher, Wilhelm: Entstehungsgeschichte und Chronik der Vereinigung »Wien« B’nai B’rith in Wien. Wien: Verlag Verband der israelitischen Humanitätsvereine »B’nai B’rith« für Österreich 1935:41.38
den Vorstand des genannten Vereines delegiert wurden und dem-
selben ein Jahresbeitrag von 960 K aus den Zinsen des Sigm.
Rosenfeld-Fondes zugewendet wurde.
Der diesbezügliche Beschluß wurde in der Sitzung vom
29. April gefaßt und lautet wörtlich, wie folgt:„Dem Vereine zur unentgeltlichen Verpflegung Brust-
leidender auf dem Lande ist bis auf Weiteres jährlich ein
Betrag von 960 K zu widmen mit der Weisung, daß hiefür all-
jährlich drei als zur Aufnahme würdig Befundene seitens des
genannten Vereines, und zwar für die Dauer einer ganzen
Kurperiode von drei Monaten in Verpflegung genommen
werden; die Mittel für die beantragte Beitragsleistung sind
den Zinsen des Sigmund Rosenfeld-Fondes zu entnehmen.“Auch die Betätigung unserer Vereinigung an dem Verein für
unentgeltlichen Arbeitsnachweis wurde mit regem Eifer, ins-
besondere seitens der Br. Eduard Wiener, Präs. Heinrich
Teltscher, Expräs. Dr. Klemperer, Albert Winterberg,
Carl Goldmann und anderen fortgesetzt.
Gegen Ende April 1901 wurde der Verbandstag in Wien
abgehalten, welcher die erfreuliche Gelegenheit bot, die Mit-
glieder desselben im neuen Speisesaale zu vereinigen.
Die Sitzungen dieser Amtsperiode haben auch den geistigen
Interessen der Vereinigung in sehr hervorragender Weise
Rechnung getragen.So entwickelte sich im Anschlusse an ein vom Br. Josef
Zucker erstattetes Referat über ein Buch von Sombart eine
überaus lebhafte und anregende Diskussion über die „Soziale
Frage“, welche sich über die Sitzungen bis zum 14. Mai 1901
erstreckte, während die Sitzungen der Wintersaison durch eine
von Br. Dr. Freud eingeleitete und von zahlreichen Brüdern
fortgesetzte Diskussion „Über Ziele und Zwecke der B'nai B'rith-
Vereinigungen“ in interessanter Weise ausgefüllt wurden.Außerdem wurden im Laufe des Jahres noch 6 selbständige
Vorträge, darunter 3 vor Damen, abgehalten, u. zw.:1. Am 26. Februar von Br. Dr. Freud „Über Zufall und
Aberglauben“.2. Am 2. März von Frau Jenny Frank, Ehegattin des Br.
Ignaz Frank, „Über die Lebensbedürfnisse der Menschen“,
vor Damen.
3. Am 12. März von Dr. Braun „Über Pettenkofer“.
4. Am 29. April von Dr. Isidor Schnabl „Über Heil-
stätten für Lungenkranke“.
5. Am 19. November von Br. Prof. Ehrmann über „Ent-
wicklung der Lebewesen“, vor Damen und
6. Am 3. Dezember 1901 von Br. Architekten Fleischer
„Über Bibliotheken“, vor Damen.
Im Ganzen wurden während des Jahres 1901 15 ordentliche
Sitzungen und 3 außerordentliche Vortragsabende abgehalten.S.
39
An alle Versammlungen schloß sich ein gemeinsames Bruder-
mahl an, welches seit der am 1. März 1901 erfolgten Eröffnung
des neuen Speisesaales im Vereinslokale stets daselbst ab-
gehalten wurde.
Auch für die Pflege der Geselligkeit war die durchgeführte
Adaptierung der Vereinslokalitäten von fördernstem Einflusse.
Der Besuch der Sitzungen war sehr befriedigend, indem
mehr als 55% der Mitglieder regelmäßig an denselben teil-
nahmen.
Die Sitzung vom 10. Mai 1901 wurde durch den Besuch
des Großpräsidenten des VIII. Distriktes, Rechtsanwalt Timen-
dorfer, ausgezeichnet.
Am 29. Dezember 1901 fand eine vom Geselligkeits-Komitee
veranstaltete Soiree mit musikalisch-deklamatorischen Vorträgen
und daran sich anschließender Tanzunterhaltung statt, welche
allgemein als sehr gelungen bezeichnet worden ist.
Im Laufe des Jahres 1901 erfolgte die Aufnahme von 9 Mit-
gliedern für die Vereinigung Wien", während weitere 10 Mit-
glieder, welche in dem nachfolgenden Verzeichnisse mit einem *
versehen sind, für die in Bildung begriffene zweite Vereinigung
angemeldet und nur provisorisch in die Vereinigung,,Wien" ein-
geführt wurden.
Die Gesamtzahl der Mitglieder der Vereinigung,,Wien" be-
läuft sich am Schlusse des Jahres 1901 auf 188.
Die Namen der Mitglieder sind folgende:
Wilh. Löbl, Kaufmann in Wien,
Oskar Franckel, beeid. Börsensensal in Wien,
Hermann Lemberger, Börsensensal in Wien,
Siegfried Lemberger, Prokurist in Wien,
Simon Frankl, Zucker-Kommissionär in Wien,
Arnold Khuner, Kaufmann in Wien,
Kais. Rat Moritz Hirsch, Kaufmann in Wien,
Sigmund Ratzersdorfer, Kaufmann in Wien,
*Dr. Oskar Rie, Arzt in Wien,
Dr. Alexander Freud, Professor in Wien,
Ignaz Simon, Fabrikant in Wien,
Samuel Steiner, Kaufmann in Wien,
Med. Dr. Julius Zappert, Arzt in Wien,
*Theodor Teichtner, Kaufmann in Wien,
*Benedikt Schwager, Kaufmann in Linz,
*Med. Dr. Isidor Samuely, Sanatorium-Inhaber in Wien,
*Dr. Heinrich Stransky, Advokat in Wien,
Dr. Wilhelm Hersch, em. Advokat in Wien,
Friedrich S. Fischer, Kaufmann in Wien.
Anm. In der Zeit von der Gründung der Vereinigung,,Wien"
bis zum Ende des Jahres 1901 sind in derselben an Spenden
für die verschiedenen Fonde 36.346 Kronen eingegangen.
S.
40
X. Beamtenrat.
(Präs. Dr. Isidor Schnabel.)
In der Sitzung vom 14. Jänner 1902 wurde nachfolgender
Beamtenrat vom Expräs. Dr. Edmund Kohn installiert:
Präs. Dr. Isidor Schnabel,
Vize-Präs. Prof. Dr. Leopold Königstein,
Prot.-Sekr. Dr. Gustav Landstein,
Fin.-Sekr. Hermann Lemberger,
Schatzm. Ludwig Samek,
-Marschall Franz Türkel,
Wächter Adolf Friedländer.
Zu Repräsentanten wurden die Br. Expr. Dr. Kohn, Dr.
Klemperer und Prof. Dr. Ehrmann gewählt.
Eintrittsgebühren, Jahresbeiträge blieben unverändert, da-
gegen wurden als Sitzungstage der 1. und 3. Dienstag im Monat
bestimmt.
Nach vorgängigem Berichte des Finanz-Komitees und des
Komitees für geistige Interessen wurde in der Sitzung vom.
4. März 1902 beschlossen, der Gesellschaft zur Sammlung und
Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des
Judentums als Stifter mit einer einmaligen Zuwendung von 500 K
beizutreten.
Für das Jahr 1902 wurde der Gesellschaft noch ein Beitrag
von 40 K votiert. Die Entsendung eines Logenmitgliedes in das
Kuratorium soll nur über besonderen Wunsch der Gesellschaft
erfolgen.
Auf Antrag des Br. Dr. Ehrmann wurde beschlossen, an
den s. w. Verband das Ersuchen zu richten, daß er die Initiative
für das Inslebenrufen eines Organs für die freie Wissenschaft
des Judentums ergreifen möge.
Auf Antrag des Br. Dr. Knöpfmacher wurden 1000
Exemplare des offenen Schreibens des Rabbiners Dr. Münz,
betreffend die Blutlüge, angeschafft und an den Reichsratsabgeord-
neten Liebermann v. Sonnenberg gesendet.
Zur Installierungsfeier der w.,,Praga" in Prag wurden die
Br. Prof. Königstein, Kuh, Klemperer und Prof. Ehr-
mann als Delegierte entsendet.
In der Sitzung vom 21. Oktober 1902 stellte Br. Dr. Zappert
namens des Gründungs-Komitees folgende Anträge:
1. Die Installierung der neuen Loge soll erst bei 40 Mit-
gliedern erfolgen.
2. Bis zur Zahl 32 sollen in die,,Wien", die restlichen 8
bei der Installierung eingeführt werden.
3. Die finanziellen Modalitäten zwischen den beiden Logen
sollen festgestellt werden.
S.
Editorische Anmerkung.
In diesem Bricht der B’nai B’rith Mitteilungen für Österreich aus 1935 findet sich eine Mitteilungen zu einem Vortrag on Sigmund Freud:[Im Jahr 1902:]
Freud, Sigmund (1902-411/1935): [Vortrag und Einleitung der Diskussion zu: Über die Stellung der Frau zu unserer Vereinigung]. in: Knöpfmacher, Wilhelm: Entstehungsgeschichte und Chronik der Vereinigung »Wien« B’nai B’rith in Wien. Wien: Verlag Verband der israelitischen Humanitätsvereine »B’nai B’rith« für Österreich 1935:41.41
4. Die Sistierung von Neuaufnahmen in die „Wien“ soll
auch nach der Installierung der neuen Loge aufrecht ge-
halten werden.
Diese Anträge wurden nach Diskussion teils einstimmig,
teils per majora angenommen.
In Ausführung des vorerwähnten Beschlusses wurde in der
Sitzung vom 4. November 1902 beschlossen, daß die Vereinigung
„Wien“ nach Konstituierung der neuen Loge folgendes beschließen
werde:
Es werden als gemeinsame Lasten und Ausgaben beider
Logen zu behandeln sein:a) der Mietzins für die Vereinslokalitäten,
b) die Beleuchtung und Beheizung,
c) Entlohnung des Vereinsdieners,
d) Telephon und
e) die Kosten der Instandhaltung der Lokalitäten und der
Einrichtung.Zu diesen Lasten trägt jede Vereinigung im Verhältnis ihrer
Mitgliederzahl bei.Sobald die Mitgliederzahl der zweiten Vereinigung auf 100
angewachsen sein wird, sollen obige Lasten zu gleichen Teilen
getragen werden.Auf Antrag des Expräs. Teltscher wird beschlossen, an
das General-Komitee das Ersuchen zu richten, daß alle öster-
reichischen Logen aufgefordert werden, sich nach Maßgabe ihrer
Mittel an dem galizischen Hilfswerke zu beteiligen.Die Loge „Wien“ beschließt zugleich, dem galizischen Hilfs-
verein mit einem Jahresbeitrag von 1000 K beizutreten.Auf Anregung des Br. Dr. Kuh wird die Ausarbeitung einer
Instruktion für den ersten Recherchenten beschlossen und Br.
Expräs. Dr. Knöpfmacher mit der Ausarbeitung betraut.Im Laufe des Jahres 1902 wurden 17 Sitzungen abgehalten
und in denselben folgende Vorträge gehalten:„Über Haeckels Welträtsel“ von Dr. Josef Jerusalem,
„Über Lazarus’ Ethik des Judentums“ von Dr. Wilhelm
Knöpfmacher,„Über die Stellung der Frau im Rahmen unseres Vereins-
lebens“ von Dr. Freud, mit anschließender Diskussion,„Über Handelspolitische Revue“ von Ad. Schwarz,
„Über Berufswahl der Juden“ von Prof. Dr. Ehrmann,
„Über den Verbandstag“ von Dr. Klemperer,
„Über Religion und Medizin“ von Prof. Dr. Königstein,
„Über Bibel und Babel“ von Dr. Ehrmann,
über „Einiges über die Kunst im Mittelalter“ von Architekt
Fleischer.S.
42
Eingeführt wurden im Laufe des Jahres 1902 folgende Brüder:
Dr. Adolf Grüner,
Carl Hirsch,
Dr. Richard Karplus,
Edmund Melcher,
Dr. Julius Neumann,
Ernst Simon, de
Sandor Wolf,
Max Frank,
Theodor Wantuch,
Isidor Glass,
Siegmund Singer,
Josef Quittner,
Hugo Tugendhat,
Moritz Geiringer.
Die Gesamtzahl der Mitglieder belief sich daher Ende 1902
auf 202.
XI. Beamtenrat (1903).
(Präs. Prof. Dr. Leopold Königstein).
In der Generalversammlung vom 5. Jänner 1903 wurden fol-
gende Beamte gewählt und vom Expräs. Dr. Edm. Kohn in-
stalliert:
Präs. Prof. Dr. Leopold Königstein,
Vize-Präs. Dr. Gustav Langstein,
Prot.-Sekr. Dr. Julius Monath,
Fin.-Sekr. Hermann Lemberger,
Schatzm. Carl Goldmann,
Marschall Josef Mautner,
Wächter Adolf Friedländer.
Zu Repräsentanten wurden die Expräs. Dr. Edm. Kohn,
Dr. Kuh und Dr. Ehrmann gewählt.
Jahresbeiträge und Sitzungstage blieben unverändert.
Die Debatte über die Anregung einer Logengründung in
Ungarn wird fortgesetzt und mit der Resolution geschlossen,
daß von einer Logengründung in Ungarn derzeit abzusehen sei;
dagegen soll darauf Bedacht genommen werden, würdige, in
Ungarn domizilierende Personen von Fall zu Fall in Wien auf-
zunehmen und beim s. w. Verbande zu erwirken, daß solche
Aufnahmen auf Wien beschränkt werden.
Tod des Br. Jakob Köhler und Trauersitzung für ihn.
Nachruf des Expräs. Dr. Klemperer.
Im Laufe dieses Jahres fanden 14 Sitzungen und eine Trauer-
versammlung statt und wurden in denselben folgende Vorträge
gehalten, an welche sich durch mehrere Sitzungen Diskussionen
anschlossen:
S.
43
1. Die Bibel als Förderer der Assimilation" von Br. Dr.
M. Friedländer.
2. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in beiden Reichshälften"
von Br. Alexander Freud.
3. Das deutsche Volkstum und die deutsche Wirtschaft"
von Br. Dr. Ahrens.
4. Der Br. Perutz aus Prag hielt einen Vortrag über die
Altneuschule in Prag, zu welchem auch die Damen zu-
gezogen wurden.
Über ein seitens der seinerzeit von den Zionisten durch
Dr. Leo Kellner begründeten Toynbee-Halle an die Loge ge-
richtetes Gesuch um Unterstützung und Förderung entwickelte
sich eine lebhafte Debatte, welche schließlich damit endigte, daß
die Beschlußfassung der in Gründung begriffenen Loge „Eintracht"
vorbehalten wurde.
Die Vorbereitungsarbeiten für die Gründung der zweiten
Vereinigung in Wien wurden im Laufe des ganzen Jahres bis
zur Installierung der neuen Loge eifrig fortgesetzt und wurden
insbesondere die nachfolgenden Br. für diese Loge in der Wien"
eingeführt:
Adolf Moser,
David Kohn,
Heinrich Pam,
Dr. Felix Schiff,
Ehrenteil,
Ernst Götzl,
nail
nedel
Theod. Lehner,
Phil. Popper,
-305 30
Isidor Kaufmann,
saasinA
Alfred Waizner.
Ferner wurde die Ballotage über folgende angemeldete Kan-
didaten für die „Eintracht" durchgeführt:
biw
Dr. Löffler,
Dr. Phil. Schwarz,
Julius Klein
75/88219 col Arthur Gestettner,
Dr. Arthur Mahler,
ab A
Carl Groak,
Arthur Flaschner.
Am 18. Oktober 1903 fand die feierliche Installierung der
Loge „Eintracht als XII. des österr. Distriktes und 562. des
Ordens statt, bei welchem Anlasse 34 in die Wien" eingeführte
Brüder in die neue Loge übertraten.
sib An dem in diesem Jahre gefeierten 10jährigen Gründungs-
feste der Bohemia" beteiligte sich die Loge durch Entsendung
der Br. Expr. Kohn, Kuh und Klemperer.
S.
44
Im Laufe des Jahres hatte die Loge noch den Verlust der
Br. Jakob Köhler, Leopold Kern und Carl Goldmann zu
An die „Alliance Israelite" wurde ein Betrag von 2000 K
beklagen.
für die Kischenewer Juden überwiesen.
Die Mitgliederzahl verminderte sich infolge Übertrittes zur
Eintracht" um 34 und infolge Todesfälle um 3, sie belief sich
daher Ende 1903 auf 175.
XII. Beamtenrat (1904).
(Präs. Dr. Gustav Langstein).
In der Generalversammlung vom 7. Jänner 1904 wurde fol-
gender Beamtenrat gewählt und vom Expräs. Dr. Edmund Kohn
installiert:
Präs. Dr. Gustav Langstein,
Vize-Präs. Dr. Ludwig Braun,
Prot. Sekr.: Dr. Wilh. Pappenheim
Fin.-Sekr. Friedrich Löwith,
Schatzm.: Moritz Sonnenschein
Marschall: Siegfried Lemberger,
Wächter: Béla Sekules.
Der Jahresbeitrag blieb in gleicher Höhe. Als Sitzungstage
wurden der 1. und 3. Dienstag im Monat festgesetzt.
Zu Repräsentanten wurden die Br. Expräs. Dr. Edmund
Kohn, Klemperer und Ehrmann gewählt.
Das Jahr wurde mit einer für den Orden bedeutungsvollen
Todesnachricht, nämlch dem unerwartet eingetretenen Ableben
des Bundespräs. Leo N. Levi in New York und mit einer ent-
sprechenden Trauerkundgebung eröffnet. Aus diesem Anlasse
wurden dem galizischen Hilfsverelne 1000 K zugewendet.
Die w.,,Silesia" hatte in einer Resolution die Tätigkeit des
galizischen Hilfsvereines bemängelt. Diese Bemängelung wurde
in eingehendster Weise in einer umfassenden Gegen-Resolution
widerlegt.
Ein schwerer Verlust traf die Loge,,Wien" in diesem Jahre
durch das plötzliche Ableben des überaus verdienstvollen Expräs.
Heinrich Teltscher, für welchen Br. Dr. Josef Jerusalem
in einer feierlichen Trauersitzung einen ergreifenden Nachruf hielt.
An der Trauersitzung nahmen als Delegierte der,,Bohemia"
und der,,Philantropia" die Expräs. Dr. Siegmund Stein, Adalbert
Skall und Heinrich Pollak, als Delegierter der „,Eintracht"
Expräs. Dr.
Dr. Samuely teil.
Es wird ein,,Teltscher-Fond" kreiert mit der Bestimmung
zur Förderung kunstgewerblicher Studierender etc.
Das Ableben des Begründers des Zionismus, Dr. Theodor
Herzl, wurde von Dr. Kuh zum Anlasse genommen, um die
hohe Bedeutung dieses Mannes für das Judentum in einer Trauer-
kundgebung der Versammlung zu kennzeichnen. 1319
S.
45
Der Toynbeehalle wurde auf Antrag des Br. Dr. Josef Je-
rusalem 1000 K unter der Voraussetzung zugewendet, daß
diese Institution in die Leitung der w. „Eintracht“ über-
tragen wird.
Die auch in diesem Jahre bestehende Sperre von Neuauf-
nahmen in die „Wien“ wurde als wesentlicher Grund einer ge-
wissen Stagnation von mehreren Brüdern beanständet und die
Öffnung der Loge angeregt. Hierüber erfolgten eingehende Er-
örterungen unter Zuziehung maßgebender Brüder der w. „Ein-
tracht“. Der Beschluß wurde erst in einem späteren Zeitpunkte
gefaßt.
Zu dem im Oktober 1904 stattgehabten 10jährigen Stiftungs-
feste der „Philantropia“ in Reichenberg wurden die Expräs. Dr.
Edmund Kohn und der w. Präs. Dr. Langstein als Dele-
gierte entsendet.
Im Laufe des Jahres 1904 wurden in 16 Sitzungen nachfol-
gende Vorträge gehalten:
Von Prof. Dr. Ehrmann: „Stand der B'B'-Vereinigungen
in Amerika“,
„ Dr. Freud: „Hammurabi“,
„ Mor. Friedländer: „Hiob“,
„ Prof. Dr. Ehrmann: „Die kulturhistorische Bedeutung
der Universitäten“,
„ Dr. Josef Jerusalem: „Staat und Gesellschaft“,
„ Prof. Dr. Ehrmann: „Der Aufenthalt Israels in
Ägypten nach Wilh. Spiegelberg“,
„ Ad. Schwarz: „Amerikana“,
„ Monath: „Neue Staatslehre nach Anton Menger“,
„ Prof. Herm. Cohen: „Innere Beziehungen Kants zum
Judentum“,
„ Dr. Al. Klemperer: „Bericht über den Verbandstag“.
Eingeführt, bezw. vorgestellt, wurde der Br. Philipp Broch.
Eine Trauersitzung fand statt. Die Anzahl der Mitglieder erhöhte
sich um 1 und verminderte sich infolge Todesfalles um 1, sie
blieb sich also Ende 1904 gleich 1903 auf 175.
S.
46
Jahresbeiträge und Sitzungstage bleiben unverändert.
Zu Repräsentanten werden die Expräs. Dr. Kohn, Dr. Ehr
mann und Dr. Klemperer gewählt.
In der zweiten Sitzung wurde die seit 3 Jahren geübte
Sperre der Aufnahme von Brüdern in die,,Wien" mit gewissen
Vorbehalten im Interesse der „Eintracht zunächst aufgehoben.
Ein Bibliotheks-Komitee wurde vom Präsidenten ernannt, zu
dessen Obmann Expräs. Dr. Knöpfmacher gewählt wurde:
derselbe berichtet über die erste erfolgreiche private Sammlung
unter den Brüdern und über die Einrichtung der Bibliothek.
Über die Verwendung und Verteilung des Heinrich
Teltscher-Fonds" werden folgende Punkte beschlossen:
1. Der Fond bleibt in Verwahrung und Verwaltung der
,Wien".
2. Aus den Zinsen desselben werden alljährlich bis auf
weiteres 500 K zur Unterstützung eines jüdischen Schülers
einer höheren Staatsgewerbeschule oder Kunstgewerbe-
schule mit guten Fortgangsnoten in Wien verwendet.
3. Bei der Verleihung sollen in erster Linie arme Verwandte.
eines verstorbenen Bruders berücksichtigt werden.
4. Die Verleihung erfolgt durch das Unterstützungs-Komitee
und ist 4 Wochen vorher in offener Sitzung zur Kennt-
nis zu bringen.
Das Verhältnis, in welchem der österreichische Verband
und die zu ihm gehörigen B' B'-Vereinigungen zur Konstitutions,
Großloge in Amerika steht, wurde anläßlich einer an den Be-
schluß des Generalkomitees gefaßten Entschließung, zur Kon-
stitutions-Großloge nach Amerika keinen Delegaten zu entsenden-
geübten Kritik in folgendem Sinne festgestellt:
Die Statuten des s. w. Verbandes, welche seinerzeit nach
mehrjähriger Überlegung und nach Erwägung aller einschlägigen
Fragen und Eventualitäten seitens der einzelnen Zweigvereini-
gungen und seitens des Generalkomitees im Einvernehmen mit
dem Exekutivkomitee des Ordens und der Konvention be-
schlossen wurden und in dieser Fassung die Genehmigung der
österreichischen Regierung erhalten haben, enthalten keine or-
ganische Verbindung mit Amerika. Unser Distrikt nimmt demnach
gegenüber Amerika eine Sonderstellnng ein, indem er wohl
äußerlich von Amerika getrennt bleibt, jedoch moralisch und
ideell als vollwertiges Glied des ganzen Bundes anerkannt ist."
Für die notleidenden Glaubensgenossen in Rußland wurden
der Allianz" 2500 K überwiesen.
Die Sitzung vom 31. Oktober 1905 wurde als Festsitzung
anläßlich des 10jährigen Bestandes der w.,,Wien" abgehalten.
Anwesend war Expräs. Sonnenschein als Delegat des Ver-
bandes. Die Festrede hielt der Präs. Dr. Edmund Kohn. Ihm
wurde aus diesem Anlasse eine von sämtlichen Brüdern Wiens
S.
47
unterfertigte Adresse und als Geschenk ein von Br. Isidor Kauf-
mann gemaltes Bild überreicht. Die Feier wurde nur intern ab-
gehalten.
Infolge der katastrophalen Greueltaten in Rußland wurde
eine neuerliche Sammlung eingeleitet, welche zunächst 16.000 K
ergab.
Eine Resolution der w.,,Praga", welche grundlegende Be-
schlüsse über die interne und externe Betätigung der Logen an-
regte, bildete den Gegenstand einer sehr lebhaften Diskussion,
welche sich durch mehrere Sitzungen hinzog und an welcher sich
sehr viele Brüder beteiligten.
Vorgeschlagen wurden folgende Punkte:
1. Der geschäftliche Teil der Sitzungen soll möglichst kurz
sein, Briefe sollen in der Regel nicht wörtlich verlesen,
sondern nur ihr Inhalt mitgeteilt werden.
2. Die Sitzungen der Komitees, insbesondere des geistigen
Komitees, sollen allen Brüdern zugänglich sein.
3. Jedes Mitglied soll einem Komitee angehören, eventuell
sind hiezu neue Komitees zu schaffen.
4. Die Mitglieder des Geselligkeits-Komitees sollen nicht
bloß mit den Vorbereitungen geselliger Abende, sondern
auch mit dem gegenseitigen Bekanntmachen der Brüder
sich zu beschäftigen haben.
5. Die Frauen sollen zur Mitarbeit herangezogen werden, es
soll ihnen die Überzeugung beigebracht werden, daß die
Loge auch ihr Heim ist; es sollen Damen-Komitees kreiert
werden.
6. Die Beamten sind zu wechseln, zur Wahrung der Kon-
tinuität sind die gewesenen Präsidenten und prot. Sekre-
täre den Beamtenräten zuzuziehen.
7. Alle Titulaturen sollen im Rahmen der Loge abgeschafft
werden.
In dem Schlußworte zu dieser Diskussion faßt Br. Dr. Josef
Jerusalem die Betätigung unserer Vereinigung nach außen in
folgender Weise zusammen:
Diese soll sich nach 3 Richtungen bewähren, sie habe Wohl-
tätigkeit im Großen zu üben, dem Judenhasse entgegenzutreten,
Bildung und Sitte zu propagieren durch Unterstützung von
Toynbeehallen,
Volksbildungs- und ähnlichen Vereinen und sie
habe endlich dahin zu wirken, daß geeignete Brüder in allen
derartigen Vereinen sowie auch in offiziellen Vertretungskörpern
gewählt werden und über ihre Tätigkeit bei uns referieren.
Unsere Vereinigungen sollen sein ein Hort der Bedrängten, eine
Stätte des Anstandes und der Bildung, ein Bollwerk gegen jede
Finsternis.
Im Laufe des Jahres 1905 wurden in 18 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate gehalten:
S.
Prof. Dr. Königstein, in einer gemeinsamen Sitzung der
Wien" und,,Eintracht", über:,,Disharmonien der mensch-
48
Direktor Löwy:,,Über den galizischen Hilfsverein",
lichen Natur",
Dr. Ehrmann:,,Religiöse und kulturelle Fragen","
Prof. Dr. Pollak:,,Statischer Sinn",
Dr. Ehrmann: Referat über die Sitzung des General-
Dr. Monath:,,Ges. und Gesellschaft m. b. H."
Komitees.
Dr. Braun:,,Über Rassentheorie und Rassenromantik",
Diskussion über die Resolution der w.,,Praga".
Außerdem fand eine Trauersitzung statt.
Eingeführt wurden im Jahre 1905 folgende Brüder:
Emil Horner,
Eduard Doktor,
Arnold v. Goldberger,
Arnold Rosenthal,
Ludwig Nettel,
Ernst Lemberger,
Jacques Feitler,
Siegmund Taussig.
Durch den Tod wurden abberufen:
obod
Expräs. Dr. Isidor Schnabel,
Baurat Max Fleischer,
Norbert Khuner.
Die Anzahl der Mitglieder vermehrte sich demnach um 8 und
verminderte sich um 3, sie betrug daher Ende 1905 180.
XIV. Beamtenrat (1906).
(Präs. Br. Prof. Josef Pollak).
In der Generalversammlung vom 3. Jänner 1906 wurden
durch Br. Dr. Ehrmann als Delegaten folgende Beamte in-
stalliert:
Präs. Prof. Dr. Josef Pollak,
Vize-Präs. Robert Kolisch,
Prot. Sekr.: Hermann Lemberger,
Fin.-Sekr.: Franz Türkel,
Schatzmeister: Gottlieb Kantor,
Marschall: Josef Neumann,
Wächter: Ferdinand Goldstein.
nobis d
Jahresbeiträge und Sitzungstage blieben unverändert.
Zu Repräsentanten wurden die Expr. Dr. Kohn, Dr. Ehr
mann und Dr. Alois Klemperer gewählt.
In der Sitzung vom 20. März 1906 wurden grundsätzliche
Bestimmungen für die Neugestaltung des ehrenrätlichen Ver
S.
49
fahrens, worüber in mehreren vorhergegangenen Sitzungen dis-
kutiert worden war, in 9 Punkten angenommen.Zu der am 27. Mai stattgehabten Installierung der Loge
„Alliance“ in Budweis wurde ein Delegat entsendet.Auf Antrag des Br. Prof. Freud wurde folgendes beschlossen:
1. Alle Angelegenheiten formalen, administrativen und ge-
schäftlichen Charakters sind in besonderen Sitzungen des
Beamtenrates, zu denen alle Mitglieder Zutritt haben,
gründlich zu beraten und nur zur formalen, endgültigen
Beschlußfassung in die Vollversammlung zu bringen.2. Die Entscheidung, welche Angelegenheiten im Sinne
dieses Antrages zu behandeln sind, trifft im einzelnen
Falle der Präsident.Eine Diskussion über eine anzustrebende Reform des
jüdischen Religionsunterrichtes an Volks- und Mittelschulen wurde
unter lebhafter Beteiligung mehrerer Brüder in einigen Sitzungen
abgehalten.In Laufe des Jahres 1906 wurden in 18 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate erstattet, und zwar von den Brüdern:Karl Klemperer: Referat über die amerikanische Kon-
ventions-Großloge.
Prof. Königstein: „Über Menger’s Neue Sittenlehre“.
Prof. Ehrmann: „Marannen und Marannenärzte in der
Inquisition“.
Dr. Grunwald: „Zum 100 Geburtstag Gabriel Riessers“.
Dr. Pappenheim: „St. Simonismus und Judentum“.
Dr. Sos: „Dr. Fromers Wesen des Judentums“.
Prof. Ehrmann: „Die römische Posse in der jüdischen
Tragödie“.
Ernst Lemberger: „Sport und Judentum“.
David Rotter: „Die Tätigkeit der großen humanitären
Organisationen“.
Dr. Grunwald: „Rembrandt und seine Beziehungen zum
Judentum“.
Ferner vor Damen, Leopold Spitzer: „Ibsen“.
Eingeführt wurden im Jahre 1906 die Brüder:
Leopold Spitzer,
Simon Rendi (Graz),
Dr. Gustav Gerstl (Linz).Gestorben sind im Jahre 1906 die Brüder:
Rudolf Kohn,
Sigmund Schlesinger,
Samuel Bing.3 Trauerversammlungen wurden abgehalten.
Die Gesamtzahl der Mitglieder blieb daher zu Ende 1906
unverändert gleich 180.4
S.
50
XV. Beamtenrat (1907).
(Präs. Prof. Dr. Josef Pollak).
In der Generalversammlung vom 8. Jänner 1907 wurde
I vom Expr. Dr. Edmund Kohn als Verbands-Delegaten folgend
Beamte installiert:
Präs. Prof. Dr. Josef Pollak,
Vize-Präs.: Robert Kolisch,
Prot. Sekr.: Hermann Lemberger,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm.: Karl Hirsch,
Marschall: Ernst Lemberger,
Wächter: Wilhelm Löbl.
Der Jahresbeitrag (120) und die Sitzungstage (1. und 3
Dienstag) bleiben unverändert.
Repräsentanten werden die Expr. Dr. Kohn, Dr. Ehr
mann und Dr. Klemperer gewählt.
Zu
Auf Antrag des Br. Gottlieb Lederer wurde nach leb-
hafter Diskussion beschlossen, daß die dem,,Rosenfeld-Fonds"
entnommenen Jahresbeiträge für den galizischen Hilfsverein und den
Verein für Brustleidende am Ende des Jahres aus eventuellen
Ueberschüssen des Dispositions-Fondes zurückzuerstatten seien.
Der Isr. Alliance werden für die rumänischen Juden 2000 K
überwiesen.
Zur 25
25 jährigen Jubiläumsfeier der Deutschen Reichsloge in
wurden die Br. Dr. Kohn und Dr. Knöpf-
macher delegiert.
Berlin
Ein Ansuchen des Vereines,,Elisabeth-Lehrmädchenheim"
um Übernahme der Patronanz und Sanierung wurde einem
Komitee
zur Vorberatung übertragen, sohin nach eingehender
Erörterung aller in Betracht kommenden Momente nach Majo-
ritäts-(Wiener) und Minoritäts- (Dr. J. Jerusalem) Bericht-
erstattung und eingehender Debatte in der Sitzung vom 5. No-
vember 1907 derzeit abgelehnt, dagegen pro 1908 eine Sub-
vention von 500 K votiert.
Im Jahre 1907 wurden in 16 Sitzungen folgende Vorträge
und Referate gehalten:
Die Diskussion über die Reform des Religionsunterrichtes.
Prof. Freud:,,Die Psychologie im Dienste der Rechtspflege".
Dr. Samuely: Die Zukunft der auswandernden Juden".
Ad. Schwarz: Correferat über dasselbe Thema.
Dr. Braun:,,Touristik und Gesundheit".
Dr. Knöpfmacher: 2 Vorträge über jüdische Reform-
bestrebungen im 19. Jahrhundert.
Leopold Spitzer: „Aus dem volkswirtschaftlichen Leben
Amerikas".
Quer
Prof. Dr. Wilh. Jerusalem: „Liebe und Gerechtigkeit".
S.
51
Eingeführt wurden im Jahre 1907 folgende Brüder:
David Horowitz,
Bernhard Glaser (Poysdorf),
Bernhard Biller (Graz),
Wilhelm Hiller,
Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem,
Theodor Schnabel,
Wilhelm Stöckler.
16 Sitzungen wurden abgehalten. Durch den Tod des Br.
Jacob Jaiteles wurde 1 Mitglied verloren, 1 Mitglied trat aus.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug daher Ende 1907: 185.
XVI. Beamtenrat (1908).
(Präs. Dr. Alois Klemperer).
Der Beamtenrat bestehend aus den Brüdern:
Präs. Dr. Alois Klemperer,
Vize-Präs. Dr. Bela Taussig,
Prot. Sekr. Ernst Lemberger,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Moritz Wagner,
Marschall: Jacques Feitler,
Wächter: Max Fleischner,
wird in der Generalversammlung vom 7. Jänner 1908 vom
Expr. Prof. Dr. Ehrmann als Delegaten installiert.
Eintrittsgebühr, Jahresbeitrag und Sitzungstage bleiben un-
verändert.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Dr. Kohn, Dr. Ehr-
mann und Dr. Alois Klemperer gewählt.
Eine Diskussion über die Heranziehung der Jugend zu
des Bundes nimmt mehrere Sitzungen in Anspruch.
Zwecken
In der Sitzung vom 18. Februar 1908 wird eine Botschaft
des Bundes-Präsidenten Ad. Kraus verlesen, welche die Lage
des Judentums und die Wichtigkeit des Bundes betont und die
Einrichtung von Informationsstellen anregt.
An dem zehnjährigen Stiftungsfest der w. „Silesia" wird
teilgenommen.
Eine lebhafte, mehrere Sitzungen durchziehende Debatte
wurde über eine Anregung des Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem
zur Gründung eines jüdischen Studentenheimes abgeführt und
endigte mit der Ablehnung des Antrages.
Nach lebhafter Debatte wurde in der Sitzung vom 17. De-
zember 1908 folgende Resolution angenommen :
Der Rosenfeld-Fonds" ist für Errichtung, Unterstützung
und Förderung gemeinnütziger, humanitärer, jüdischer In-
stitutionen jederzeit zur freien Verfügung der Loge. b
4°
S.
52
Im Laufe des Jahres 1908 wurden in 15 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate gehalten:
Prof. Königstein (vor Damen): „Über Wetten".
Dr. Pappenheim: „Berufswahl und Schulreform vo
Standpunkt der jüdischen Interessen" (mit anschließen
der lebhafter Diskussion).
Br. Belkind (aus Jerusalem): „Über die Ackerbauschulen in
Fischer: Der Beruf des Kaufmannes vo
Standpunkt der B'nai B'rith".
Palästina".
Markus
Dr. Béla Taussig: „Über den Berliner Verein f
Arbeitsnachweis"
Baurat Stiassny: „Über die Notablen-Versammlung in
Berlin".
Karl Klemperer:,,Über jüdische Sprichwörter".
Prof. Freud:,,Kindertaufen".
Aufgenommen und eingeführt wurden folgende Brüder:
Vorgestellt: Br. Richard Petschek (Übertritt a. d. „Bohemia")
Eingeführt: Leopold Lourie,
ale
Rudolf Kohn,
sthoma
Max Quittner,
Hermann Pisk,
Dr. Max Eisenstädter,
Rudolf Adler,
Dr. Rudolf Fürth. d3
Ausgetreten ist Benno Stroheim. Die Gesamtzahl der
Mitglieder betrug Ende 1908: 192. ochotntino
XVII. Beamtenrat (1909).
(Präs. Dr. Béla Taussig).
In der Generalversammlung vom 7. Jänner 1909 wurden
folgende Beamte vom Expr. Dr. Edmund Kohn als Delegaten
installiert:
Präs. Dr. Béla Taussig,
Vize-Präs.: Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem,
Prot. Sekr.: Prof. Dr. Markus Hajek,
Fin.-Sekr.: Franz Türkel,
A b
Schatzm.: Josef Zucker,
Marschall: Josef Mautner,
Wächter: David Horowitz.
Eintrittsgebühren, Jahresbeiträge und Sitzungstage bleiben
unverändert.
S.
53
Zu Repräsentanten werden die Expr. Dr. Kohn, Dr. Ehr-
mann und Dr. Klemperer gewählt.
Die Sitzung vom 18. März 1909 wurde als gemeinsame
Festsitzung der beiden Wiener Logen anläßlich des Besuches
des Bundes-Präsidenten Adolf Kraus unter dem Vorsitze der
Wien" und Eintracht" abgehalten. Der vom
Vize-Großpräsidenten Dr. Edmund Kohn feierlich eingeführte
hohe Gast wurde herzlichst begrüßt und hielt im Laufe der
Sitzung einen Vortrag über „Die Auswanderung der Juden in den
letzten 7 Jahren nach den Vereinigten Staaten". Hieran schloß
sich ein
von 250 Brüdern besuchtes Festbankett im Riedhof"
Präsidenten der
mit Damen.
In einem zweiten, in der Sitzung vom 30. März abgehaltenen
Vortrag gab der h. w. Bundespräsident die Anregung, daß künf-
tighin die B'nai B'rith-Logen sich auch mit allgemeinen, das
ganze Judentum betreffenden Fragen beschäftigen mögen, wobei
durch geistiges Zusammenwirken aller vorhandenen Logen bei
Aufrechthaltung der Fühlung untereinander in Zukunft noch viel
Ersprießliches geleistet werden
werden könnte.
An diese hochbedeutsame Enunziation knüpft sich eine Dis-
kussion, in deren Verlauf Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem eine
sehr eindrucksvolle Rede hält.
Für den „Rosenfeld-Fonds" wird ein besonderes Statut be-
raten und in der Sitzung vom 9. Oktober beschlossen.
Das zehnjährige Gründungsfest der Leopolis" in Lemberg
wurde durch Delegierung dreier Mitglieder gefeiert.
Im Laufe des Jahres 1909 wurden in 16 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate gehalten:
Dr. Braun:,,Zum 100. Geburtstag von Darwin".
Ad. Schwarz:,,Wirtschaftliche Betrachtungen".
Dr. M. Grunwald: Jüdische Erfinder und Entdecker".
Prof. Ehrmann:,,Rassenfrage als Machtfaktor".
Dr. M.
1. Hajek:,,Philosophische Plauderei".
Prof. Königstein:,,Die Juden Österreichs".
Prof. Jerusalem: Religion und Philosophie".
Dr. Grunwald:
Hugo Salus (d. nfänge des Chassidismus“.
vor Damen: Gedichte.
Dr. Knöpfmacher:,,Lazarus, Erneuerung des Judentums".
Dr. Klemperer über seine Amerikareise.
Dr. Leo Kellner:,,Jessika".
Im Laufe des Jahres wurden eingeführt die Brüder Emanuel
Wozasek und Ottokar Hecht, dagegen verlor die Loge
durch den Tod die Brüder Carl Seligmann und Dr. Wilhelm
Hersch, durch Austritt Oskar Frankl.
Die Gesamtzahl der Mitglieder verminderte sich demnach
um 1 und betrug Ende 1909: 191.
S.
54
de XVIII. Beamtenrat (1910).
(Präs.: Dr. Wilhelm Knöpfmacher.)
In der Generalversammlung vom 4. Jänner 1910 wurden vom
Delegaten Expr. Dr. Edmund Kohn folgende Beamte installiert
Präs. Dr. Wilhelm Knöpfmacher,
Vize-Präs. Dr. Markus Hajek,
Prot. Sekr. Richard Petschek,
Fin. Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Rudolf Kohn,
Marschall Dr. Rudolf Fürth,
Wächter Dr. Max Eisenstädter.
Diese Generalversammlung mußte mit einer solennen Trauer-
kundgebung eröffnet werden, denn am 21. Dezember 1909 war
der zum Bundeskanzler erhobene, ehemalige Bundespräsident
Julius Bien mit Tod abgegangen.
Die Eintrittsgebühren, Jahresbeiträge und Sitzungstage blei
ben unverändert.
Zu Repräsentanten werden die Expräsidenten Dr. Kohn,
Dr. Ehrmann und Dr. Klemperer gewählt.
Auf Beschluß des Beamtenrates wird die ständige Ein-
richtung eines Repräsentations-Komitees zur Vertretung der Loge
bei traurigen und freudigen Familienereignissen der Brüder
beschlossen.
Infolge des Ablebens des Expr. Dr. Klemperer, für
welchen eine feierliche Trauersitzung am 14. April abgehalten
wurde, wird in der Sitzung vom 19. April Dr. Kuh zum Reprä-
sentanten und Dr. Langstein zum Stellvertreter gewählt.
Über Anregung des Br. Dr. Ehrmann wird ein Komiteel
zur Beratung über das Jüdische Museum bestellt.
Über Anregung des Br. Prof. Hajek wird ein Komitee zur
Beratung der Frage der Umgestaltung des jüdischen Religions-
unterrichtes bestellt.
In der Sitzung vom 20. Oktober 1910 wird nach eingehendem
Referat des Br. Dr. Taussig beschlossen, das Jüdische Museum
in die Patronanz der Loge,Wien" zu übernehmen und einzelne
Brüder in dessen Kuratorium zu entsenden.
Ein von der Moravia" in Brünn veranstalteter Brudertag
wurde von 5 Brüdern der Wien" besucht; über dessen Verlauf
referiert Prof. Hajek.
Im Laufe des Jahres 1910 wurden in 19 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate gehalten:
Prof. Jerusalem: „Ist eine Reform des Judentums wün-
schenswert und durchführbar"? (Mit anschließender
Diskussion, die mehrere Sitzungen beschäftigt.)
Adolf Schwarz: „Die soziale Stellung des Kaufmannes"
(Vor Damen.)
S.
55
Prof. Kellner: IX. Zionisten-Kongreß".
Prof. Jerusalem: Epitaphien im Friedhofe in der See-
gasse".
Dr. Braun: "Zollschan als Erzieher."
Prof. Jerusalem:,,Was ist allgemeine Bildung?" (Vor Damen).
Dr. Sonderling (Hamburg): „Deutsches Logenleben."
Dir. Hecht („Eintracht"): "Wissenschaft und Bibelwort in
pädagogischer Beleuchtung".
Dr. Taussig: „Das Jüdische Museum".
Gestorben sind im Jahre 1910 folgende Brüder:
Emil Horner,
19 Expr. Dr. Alois Klemperer,
Armin Kohn,
Robow
Dr. Josef Grünfeld,
Wilhelm Hiller,
Wilhelm Stiassny,
Adolf Nussbaum,
Ferdinand Goldschmidt,
mov usb Arnold Kuhner,
Karl Hirsch,
Hermann Liebermann,
Siegmund Taussig.
Ausgetreten sind:
Isidor Popper und
Emanuel Winkler.
Es haben im Laufe des Jahres außer den 18 normalen
Vereinsversammlungen noch 7 Trauersitzungen stattgefunden.
Eingeführt wurden im Jahre 1910 folgende Brüder:
Carl Toch,
Viktor Schwadron,
Philipp Kohn,
Sigmund Blau,
Adolf NuB baum,
Julius Schwarz,"
Julius Gerstmann,
Ed. Jonas Schachtitz,
Arthur Baron,
Ludwig Herz,
Dr. Moritz Sternberg,
Dr. Rudolf Schwarz-Hiller,
nab
Dr. Jacob Fischer,
Josef Fischer jun.,
Hofrat Adam Pollitzer,
-Mb Dr. S. Szekely,
Ignatz Wagner,
S.
56
Dir. Edmund Bloch (Linz),
Adolf Haag,
Dr. Rudolf Brichta,
J. Trenschiner, to
Dir. Samuel Brill,
Arthur Lemberger.
Die Gesamtzahl der Brüder verminderte sich durch Todes-
fälle um 12, durch Austritt um 2, dagegen erhöhte sie sich durch
Neueinführungen um 23, sie betrug daher Ende 1910 200.
Dazu wäre allenfalls noch zu bemerken, daß dazu noch
10 Brüder zu zählen sind, welche bereits im Jahre 1910 durch
Ballotage aufgenommen waren, während ihre feierliche Einführung
durch den abtretenden Präsidenten Dr. Wilhelm Knöpfmacher
erst in der Sitzung vom 3. Jänner 1911 vorgenommen werden.
konnte.
XIX. Beamtenrat.
(Präs.: Dr. Edmund Kohn.).
In der Generalversammlung vom 3. Jänner 1911 wurden vom
Expr. Dr. Ehrmann als Delegaten nachfolgende Beamte
installiert:
Präs. Dr. Edmund Kohn,
Vize-Präs. Richard Petschek, rit
Prot. Sekr. Dr. Rudolf Fürth,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Rudolf Kohn,
Marschall Dr. Max Eisenstädter,
Wächter Markus Fischer.
Vor der Installierung der neuen Beamten erfolgte zunächs
die Einführung folgender Brüder:
Dr. Josef Alt,
Dr. Hans Berger,
Hermann Denes,
Dr. Albert Eisinger, di
Camill Kuranda,
Sigmund Popper,
Eduard Schweinburg, R
Dr. Ludwig Baracs,
Emil Popper,
Leopold Rona.
Die Jahresbeiträge und Sitzungstage bleiben unverändert
Zu Repräsentanten werden zum ersten Mal 4 Expräsidenten
gewählt und zwar die Expr. Dr. Kohn, Dr. Kuh, Dr. Ehr
mann, und Dr. Langstein. Das 4. Mandat des Br. Dr. Lang-
stein wurde jedoch vom s. w. Verbande annulliert, da die Mit-
gliederzahl am 31. Dezember 1910 nicht die 200 überstieg.
S.
57
Es wurde ein Bau-Komitee zur Beratung über einen even-
Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Josef I.
wird im Seehospiz zu Grado eine in 10 Jahresraten zahlbare
Bettstiftung von 10.000 K gewidmet.
tuellen Logenbau ernannt.
Infolge einer vom s. w. Verbande abverlangten Äußerung
wird nach einem Referate des Prof. Jerusalem und nach ab-
geführter Diskussion folgende Resolution gefaßt:
1. Über sämtliche Angelegenheiten, die unsere Gesamtheit.
betreffen und von den Verbänden (Großlogen) in den
Bereich ihrer Tätigkeit gezogen werden, soll ein kon-
stanter schriftlicher Gedankenaustausch zwischen den
der Distrikte
Leitungen
und 10 stattfinden.
-15
2. Es ist wünschenswert, daß der s. w. Verband und die
einzelnen Vereinigungen unter sorgfältiger Einhaltung der
statutenmäßigen Schranken mehr als bisher am öffent-
odlichen Leben in der Weise teilnehmen, daß sie allen
Wohlfahrts- und allgemein sozialethischen Bestrebungen,
mögen sie die Judenheit unmittelbar berühren oder nicht,
ihre Aufmerksamkeit zuwenden und eventuell tatkräftig
für dieselben wirken.
wis
3. Mindestens einmal im Jahre sollten die Mitglieder des
Generalkomitees des 8. und 10. Distriktes zu gemein-
samen Beratungen über Fragen, die das materielle und
adale geistige Wohl der Gesamtheit betreffen, zusammen-
abtreten, und über das Ergebnis ihren Logen Bericht
nsbloa
erstatten.
Prof. Wilhelm Jerusalem gibt in der Sitzung vom
8. Februar 1911 die Anregung, daß die Bestrebungen einiger
Männer, welche die Gründung einer Jugendvereinigung im
Geiste unseres Bundes anstreben und welche sich diesbezüglich
an ihn gewendet haben, von unserer Vereinigung unterstützt
werden mögen. Er beantragt die Ernennung eines Komitees hie-
für. Dasselbe wird im Einvernehmen mit der w. „Eintracht er-
nannt und besteht aus den Brüdern: Prof. Jerusalem, Dr.
Knöpfmacher der w.,,Wien" und Expr. Dir. Hecht und
Dr. As cher der w.,,Eintracht". Diese erledigten die Statuten-
beratung und alle Formalitäten, so daß am 6. April 1911 die
Konstituierung
des Jüdischen Jugendbundes" erfolgen konnte.
junger
Prof. Jerusalem beantragt die Ausgestaltung der Zwei-
Monatsberichte nach Bericht des geistigen Komitees.
Br. Schwarz-Hiller regt die Einrichtung eines Infor-
mationsdienstes über alle Vorgänge in der Welt, die Judenheit
betreffend, an. Es wird ein Komitee hiefür eingesetzt.
Zur Gründung der Loge Orient" in Czernowitz wurden Dr.
Langstein und Dr. Kohn als Delegaten entsendet.
Am 30. April findet anläßlich der Übertragung des Sitzes.
der Großloge nach Wien und der Wahl des Expr. Prof. Dr.
S.
58
Ehrmann zum Großpräsidenten des österreichischen Distriktes
ein Festbankett im Saale der Börse statt.
Auf Antrag des Vize-Präsidenten Br. Richard Petschek
wird das Pflegschaftswesen einer neuen Regelung unterzogen
und unter die Aufsicht eines Pflegerobmannes gestellt. Als
Pflegerobmann wird Br. Notar Dr. Bermann in der Sitzung vom
2. Mai ernannt und beeidigt.
In der Sitzung vom 17. Oktober hält Prof. Jerusalem einen
Vortrag über Wesen und Bedeutung der Brüderlichkeit in un-
serer Devise, welcher von so grundlegendem Werte ist, daß er
hier auszugsweise Platz finden möge:
Bedeutungsvoll ist für uns das durch den mittleren Buch-
staben unserer Devise repräsentierte Wort und es ist wich-
tig, sich darüber klar zu werden, was man unter Bruder-
liebe, bezw. Brüderlichkeit zu verstehen habe und was wir
diesfalls von einander erwarten dürfen.
Dies könne nur durch eine soziologische und psycho-
logische Zergliederung erreicht werden.
Gegenstand der Soziologie ist eine Menschengruppe,
die ein ganzes bildet. Eine solche soziologische Gruppe ist
auch unsere Vereinigung, welche als solche mehr und etwas
enderes ist als die Summe der sie bildenden Individuen.
Durch das Zusammenwirken der in einer solchen
Gruppe vereinigten Individuen wird etwas seelisch ge-
meinsames geschaffen, das den einzelnen in zweifacher
Richtung beeinflußt, und zwar einerseits fördernd, ander-
seits hemmend.
Aus dieser Tatsache können wir über das, was wir
unter Brüderlichkeit" verstehen sollen, Klarheit gewinnen.
Die Soziologie hat auch die Aufgabe, das Verhältnis des
Einzelnen zum Einzelnen zu untersuchen, hier ist sie jedoch
nicht mehr ganz in ihrem Element, weil hier mehr die indi-
viduelle Eigenart der zueinander in ein Verhältnis tretenden
Menschen eine Rolle
spielt.
Das Gefühl unserer Zugehörigkeit zu einem Bunde soll
uns Anlaß geben, die Seite unseres Innenlebens zu entfalten,
welche in unserem Berufe
rute nicht
zur Geltung kommt.
Dadurch erfahren wir eine Bereicherung unserer Per-
sönlichkeit.,,Brüderlichkeit" ist eben zunächst nichts anderes,
als das tiefe, intensive Gefühl der Zusammengehörigkeit,
welches dadurch in uns geweckt wird, daß möglichst viele
an den gemeinsamen Aufgaben des Bundes mitarbeiten. Der
Genosse der gemeinsamen Arbeit wird sich dadurch dem
einzelnen Bruder von jedem andern, dem Bunde nicht An-
gehörigen unterscheiden.
Außer dem Gefühle der Zusammengehörigkeit gehört
aber noch etwas zur Brüderlichkeit.
Hierbei erinnert Br. Jerusalem an einen von ihm früher
gehaltenen Vortrag über Gerechtigkeit und Liebe".
S.
59
Die Vereinigung müsse die Stätte sein, wo mehr als
Gerechtigkeit gegen den Einzelnen geübt wird, wie dies
innerhalb der Familie der Fall ist. Aus dem Gefühle der
Zusammengehörigkeit, welches die Grundlage und Quelle
der Brüderlichkeit bildet, lasse sich dann eine Reihe von
Verleisten hableiten, welche die Brüder einander zu
haben. Dazu sei allerdings notwendig, daß wir
uns gegenseitig näher kennen lernen, wozu innerhalb der
Vereinigung durch entsprechende Maßnahmen Gelegenheit
geboten werden müsse. Das Wesentlichste sei, daß das
Gefühl der Zusammengehörigkeit sozusagen den Brüdern in
Fleisch und Blut eindringen müsse.
Sei
Prof. Braun regt eine Institution für Tuberkulosenfürsorge
in einem Vortrage an.
Im Laufe des Jahres 1911 wurden in 17 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate gehalten:
Rabb. Dr. Levy (Brünn): Die jüdische Ehe".
Prof. Sigm. Freud: „Das Hamlet-Problem".
Br. Jonas-Schachtitz: „Das jüdische Element in Heine's
Werken".
Dr.Schwarz-Hiller: „Die Organisation von Abwehraktionen“.
Richard Petschek: "Über das Pflegschaftswesen". Dis-
kussion über Brüderlichkeit", eingeleitet von Prof.
kussion
Jerusalem.
Prof. Dr. L. Braun: „Über Tuberkulosenfürsorge".
Ed. Wigstein: „Die Konvention in Amerika i. J. 1911".
Wiener Über den Verein für unentgeltlichen Arbeits-
nachweis"
Prof.
Prof. Jerusalem: „Der Kulturwert des Judentums". An-
sprache bei Gründung des Jüdischen Jugendbundes".
1 Trauerversammlung fand statt.
Im Laufe des Jahres wurden ferner noch folgende Brüder
eingeführt:
Edmund Fanta,
Julius Figdor,
Dr. Hugo Flesch,
Markus Frankl,
Otto Nussbaum,
Felix Pollack v. Parnegg,
shnan Anton Stein,
Moriz Winterstein,
Moriz
nov
ani bu Isidor Bergel,
asih
Hermann Freistadtl,
Dr. Arnold Karplus,
Ferdinand Maahs,
Julius Maa hs.
Gestorben ist Br. Adolf Baer; ausgetreten sind: Maximilian
Kraus und Markus Rotter. Die Mitgliederzahl betrug daher
Ende 1911: 237.
S.
60
XX. Beamtenrat (1912).
(Präs.: Richard Petschek.)
In der Generalversammlung vom 2. Jänner 1912 wurden
vom Großpräsidenten Prof. Ehrmann folgende Beamte installiert:
Präs. Richard Petschek,
0918
Vize-Präs. Dr. Rudolf Fürth,
Prot. Sekr. Dr. Max Eisenstädter,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Marschall Dr. Ottokar Hecht,
Wächter Emil Goldberg.
Eintrittsgebühr, Jahresbeitrag und Sitzungstage bleiben un
verändert.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Dr. Kohn, Dr. Kuh
Prof. Ehrmann und Dr. Langstein, zu Ersatzmännern Dr.
Knöpfmacher und Dr. Pollak gewählt.
Prof. Wilh. Jerusalem hält infolge initiativer Einladung des
Präsidenten einen Zyklus von Vorträgen über „Einführung in die
Ethik", wozu auch die Schwestern geladen werden.
Es erfolgt die Übernahme des „Vereines zur Unterstützung
jüdischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" in die Patro
nanz der Vereinigung.
Die von Br. Dr. Ignaz Ziegler herausgegebenen Volks-
schriften über Jüdische Religions-Geschichte werden in größerer
Anzahl angeschafft.
Zum Zwecke der Gründung einer Tuberkulosen-Fürsorge-
Stelle werden 4000 K aus dem Rosenfeld-Fond gewidmet.
Die Anregung der w.,,Praga" auf Zuziehung einzelner Außen-
stehender zu offenen Sitzungen wird ablehnend beantwortet.
Im Jahre 1912 hat zum erstenmale eine Tagung des Exekutiv-
Komitees des Bundes in Europa, und zwar in Berlin statt-
gefunden; hierüber referiert in der Sitzung vom 16. April Prof.
Ehrmann.
Im Laufe des Jahres (April) fand ein Besuch des hochw.
Bundespräsidenten in Wien statt, aus welchem Anlasse ver-
schiedene Festlichkeiten arrangiert wurden.
Antrag und Beschluß auf Einleitung einer Aktion zur Be-
freiung des unschuldig verurteilten Leop. Hilsner.
Das gemeinsame Komitee hat den beiden Vereinigungen den
Beschluß zur Annahme empfohlen, daß die Anmeldungen von
Kandidaten gegenseitig zur Kenntnis gebracht werden und ins-
besondere auch Nichtbefürwortung einzelner Kandidaten; dies
wird in der Sitzung vom 17. Dezember 1912 beschlossen.
Im Jahre 1912 wurden folgende Vorträge und Referate ge-
halten:
Dr. Schwarz-Hiller: Londoner Reise-Eindrücke".
Karl Klemperer: Zur Geschichte und Entwicklung des
Ordens B'nai B'rith".
S.
61
Prof. Ehrmann: „Warum ist eine zentrale Organisation des
Judentums in Österreich notwendig".
Dr. Ehrlich: „Die Sprache der Juden.
Prof. Ehrmann: „Über die Volksschriften des Dr. Ign.
Ziegler.
Leop. Lourie: „Von den Juden in Rußland".
Prof. Jerusalem: „Theodor Gomperz".
Dr. Alb. Eisinger: „Der Mittelschullehrer wie er ist und
wie er sein soll".
Dr. Jenner: „Über die Renegatenseuche".
Dr. Schwarz-Hiller: Über die Hexenprozesse".
Dr. Alb. Kuh:
„Bemerkungen zur Geschichte des Bundes"
Prof. Jerusalem: „Einführung in die Ethik". (Ein Zyklus
10 Vorträgen.)
von 10
Eingeführt wurden im Jahre 1912 folgende Brüder:
Wilhelm Heller,
boo
Dr. Siegmund Stiassny,
Hitschmann,
Carl
Dr. Siegm. Weiss
Dr. Erwin Kohn.
Camillo Hitschmann,
and Dr. Theodor J. Jenner,
Dr.
Siegm. Defris.
mov
Gestorben sind die Brüder:
Adolf Schlesinger,
Karl Zinner,
sib
Friedrich Khuner.
Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt somit Ende 1912: 242.
is 16 Sitzungen und 1 Trauerversammlung fanden statt.
adalaw da
XXI. Beamtenrat (1913).
(Präs. Dr. Rudolf Fürth.).
In der Generalversammlung vom 7. Jänner 1913 wurden vom
Großpräsidenten Prof. Dr. Ehrmann folgende Beamte installiert:
Präs. Dr. Rudolf Fürth,
Vize-Präs. Rudolf Kohn,
Prot. Sekr. Dr. Max Eisenstädter,
nab nov
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Sigmund Frankl,
Marschall Dr. Albert Eisinger,
Wächter Theodor Mayer.
Einleitend wurde vom Präs. Petschek mitgeteilt, daß der
Präsident mit dem Beamtenrat den Expr. Dr. Edmund Kohn
zur Vollendung des 50. Lebensjahres namens der Vereinigung
beglückwünscht hat.
Die Sitzungstage, Einführungsgebühren und Jahresbeiträge
bleiben unverändert.
S.
62
Zu Repräsentanten werden die Expr. Prof. Ehrmann, Dr.
Edmund Kohn, Dr. Kuh und Dr. Langstein, zu Ersatz-
männern Dr. Knöpfmacher und Dr. Pollak gewählt.
einer zweiten Bettstiftung für Meran mit einem sukzessive in
In der Sitzung vom 21. Jänner 1913 wird die Errichtung
Jahresraten von 500 K abzustattenden Beitrag von 5000 K be-
schlossen, gegen Gewährung der Verfügung über diesen Stift-
platz nach Abzahlung von 2000 K.
Am 18. Jänner fand ein Ausflug von Wiener Brüdern nach
Linz statt, wo Dr. Bloch einen Vortrag hielt.
Die Sitzung vom 4, Februar wurde mit einer Trauerkund-
gebung für den verstorbenen Erzherzog Rainer eröffnet, einen
Förderer alles Schönen und Guten, der Kunst und Wissenschaft.
Eine Spende von 1000 K eines Anonymus, überreicht durch
Dr. Edmund Kohn, wird auf dessen Antrag dem Nationalfond
zum Bau eines Jemenitenhauses abgeliefert, welches den Namen
Wien" B'nai B'rith-Haus tragen soll.
"
In der Sitzung vom 18. Februar wird referiert über die Rede
des Präs. Taft anläßlich der an ihn erfolgten Überreichung der
B'nai B'rith-Plakette.
Br. Philipp Kohn machte eine Spende von 5000 K für eine
Bettstiftung im Meraner Asyl, wofür ihm in der Sitzung vom
18. März der Dank ausgesprochen wird.
In derselben Sitzung regt Expr. Dr. Knöpfmacher im
Anschlusse an seinen Vortrag über Religiöse Strömungen, die
Bildung eines Vereines für liberales Judentum und eine lebhaftere.
Beteiligung der B'nai B'rith an religiösen Veranstaltungen an.
Am 17. April wurde im Festsaale des Hotel Continental ein
literarischer Abend mit glänzendem Verlaufe abgehalten.
Anläßlich einer Brandkatastrophe in Preßburg, durch welcher
viele Glaubensgenossen betroffen wurden, erbrachte eine in der
Wien" eingeleitete Sammlung 4000 K, welche an den s. w.
Verband abgeführt wurden.
Zur Einweihungfeier des neuen Logenhauses in Prag und zum
20 jährigen Jubiläum der „Bohemia" begaben sich mehr als
40 Brüder der Vereinigungen Wien" und "Eintracht" nach Prag.
Dem s. w. Großpräsidenten Prof. E hrmann wurde anläß-
lich der Feier seiner silbernen Hochzeit gemeinsam von den
beiden Wiener Vereinigungen ein vom Maler Isidor Kaufmann
gemaltes Bild überreicht."
Prof. Braun geleiteten Tuberkulosen-Fürsorgestelle
wurde eine zweite Zuwendung von 4000 K aus dem Rosenfeld-
Fonde votiert.
von
Der
Die Beteiligung der Vereinigung Wien" an dem zehnjährigen
Stiftungsfeste der w. „Eintracht", welches in glänzender Weise
verlief, war eine sehr rege.
Das Informations-Komitee entfaltet unter der Obmannschaft
des Br. Dr. Schwarz-Hiller eine sehr lebhafte Tätigkeit.
S.
63
In der Sitzung vom 9. Oktober wird ex praesidio verkündet,
daß anläßlich der Besetzung des Rabbinats in der Leopoldstadt
seitens der Vereinigung keinerlei Agitation oder Einwirkung er-
folgt sei.
In den 18 Sitzungen des Jahres 1913 wurden folgende Vor-
träge und Referate gehalten:
Dr. Brichta: Über einen neuen Versuch zur Lösung der
sozialen Frage".
Dr. Jenner: „Die jemenitischen Juden".
Prof. Königstein: „Der Semi-Gotha".
Ernst Lemberger: "Die wirtschaftlichen Verhältnisse Gali-
ziens in der Gegenwart".
Wilh. Knöpfmacher:
Religiöse Strömungen in der
Dr.
Judenheit der Gegenwart".
Dr. Wilhelm Schneeberger: Freie Rechtsfindung".
Prof. Braun: Die Leistungen der 1. jüdischen Fürsorge-
stelle im
im Jahre
1912"
Dr. Max Jerusalem: „Die Arbeitsteilung im ärztl. Beruf".
Dr. Jakob Ehrlich: Der XI. Zionistenkongreẞ".
Klemperer: „Über Ziegler's Volksschriften".
Karl
Prof. Wilh. Jerusalem: „Ein christl. Apologet des Judentum".
Schw
Dr. Schwarz-Hiller: „Die Reform des jüdischen Ehe-
eine Kulturfrage". Mit daran anschließender
rechtes
nis
anregender Diskussion.
Frau Annita Müller: "Altes und Neues aus Aegypten". (Mit
Lichtbildern.)
Außerdem fanden 5 Trauersitzungen statt.
Eingeführt wurden im Jahre 1913 folgende Brüder:
Dr. Jakob Deutsch,
acb
Ludwig Fränkel,
Dr. Julius Grünwald,
Karl Klein,
Rudolf Kafka,
Maximilian Grünberger,
onis Otto Kellner,
Adolf Rendi,
Julius Pollak,
Dr. Isak Robinsohn,
Dr.
David Stern,
doaiw
Wilhelm Schoen,
Hugo Weltsch,
Albert Tandler,
Ernst Bock,
2018 y
Heinrich Aninger,
Heinrich Bachrich,
Max Eisler,
Leop. Fuchs,
Ludwig Fischer,
ban
Salomon Guttenberg,
ibu Paul Glaser,
Dr. Josef Löwner.
aussib Dr. Hans Königstein,
Paul Mandler,
Ausgetreten ist: Dr. Moritz Sternberg.
Durch Tod verlor die Vereinigung im Jahre 1913 folgende
Brüder:
Emanuel Taussig,
Salomon Fischer,
Leopold Spitzer,
Eduard Glaser,
Heinrich Messinger.
Adolf Pick,
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug demnach Ende 1913:260.
S.
64
XXII. Beamtenrat (1914).
(Präs.: Rudolf Kohn.)
In der Generalversammlung am 8. Jänner 1914 wurden vom
Expr. Dr. Edm. Kohn als Delegaten folgende Beamte installiert:
Präs. Rudolf Kohn,
Vize-Präs. Dr. Max Eisenstädter,
Prot. Sekr. Dr. Albert Eisinger,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzmeister Emmerich Bondi,
Marschall Dr. Sigm. Stiassny,
Wächter Adolf Friedländer.
Eintrittsgebühren, Jahresbeiträge und Sitzungstage bleiben
unverändert.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Dr. Kohn, Dr. Ehr-
mann, Dr. Kuh und Dr. Langstein, als Stellvertreter Dr.
Knöpfmacher und Prof. Pollak gewählt; zum Pfleger-
obmann Br. Notar Bermann.
In der Sitzung vom 20. Jänner wird folgender, vom Vor-
prüfungs-Komitee beantragter Beschluß gefaßt:
,,Bei jeder offiziellen Kandidatur muß der Kandidat ein
von ihm selbst gefertigtes Curriculum vitae dem Anmelde-
schein anschließen".
Über Antrag des Expr. Dr. Knöpfmacher wird be-
schlossen, eine vom Univ.-Dozenten Dr. Stanislaus Pineles
unter Mitwirkung des Jugendbundes in Angriff genommene Be-
arbeitung des Talmudischen Zivilrechtes im Rahmen eines, das
gesamte bürgerliche Recht umfassenden Werkes tatkräftig zu
unterstützen.
Auf Antrag des Großpräs. Prof. Ehrmann wird eine
Aktion zur Hilfeleistung für die Juden in Aetiopien, die unter der
Bezeichnung Fallaschahs aus dem Werke des Dr. Feitlowitsch
bekannt wurden, eingeleitet.
Der Chewra Kadischa wird anläßlich ihres Stiftungsfestes
eine Spende von 2000 K votiert.
In der Sitzung vom 17. Dezember 1914, der ersten nach
Kriegsbeginn, erstattet Br. Schwarz-Hiller Bericht über die
von ihm inaugurierte und geleitete Fürsorgeaktion für die aus
Galizien in Wien einlangenden Flüchtlinge.
In derselben Sitzung wird Bericht erstattet über die zu
Kriegsdiensten einberufenen Brüder und Mitglieder des Jüdischen
Jugendbundes, von welch letzteren eines, namens Nußbaum be-
reits gefallen ist.
In der Sitzung vom 8. Oktober wird beschlossen, einen
Betrag von 25.000 K aus dem Rosenfeld-Fonds für Kriegs-
fürsorge zu widmen; diese Spende wird durch Beiträge von
Brüdern auf 37.000 K erhöht.
S.
65
Die segensreiche Wirksamkeit der Schwestern Annita Müller,
Lourié und Kadisch wird in derselben Sitzung dankend von
Dr. Kuh gewürdigt. Die zur Förderung dieser Aktionen unter
den Brüdern vorgenommene Sammlung ergab einen Betrag von
mehr als 13.000 K.
Auch die folgenden Sitzungen wurden durch Berichte über
Fürsorgeaktionen für durch den Krieg betroffene Juden in An-
spruch genommen.
An der Einweihung des der w. „Eintracht von ihrem Br.
Mend für Zwecke der Toynbeehalle und der Kinderhorte
übergegebenen Stiftungshauses nahm unsere Vereinigung leb-
haften Anteil.
In den 16 ordentlichen Sitzungen des Jahres 1914 wurden
folgende Vorträge und Referate gehalten:
Fortsetzung der Diskussion über den Vortrag Dr. Schwarz-
Hiller über Reform des jüdischen Eherechtes".
Hans Berger: Die Stellung des Architekten".
Dr. Julius Grünwald:
technische Beruf und dessen
Aussichten für die Judener Weg zur inneren Freiheit".
Prof. Wilh. Jerusalem:
ma Hofrat Ad. Pollitzer:
Vater und Sohn".
Dr. Edmund Kohn vortrag in gemeinsamer
Sitzung ,Wien" und „Eintracht".
Jadi Dr. Alb. Kuh: "Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in
sgroet Wien". (Nach dem Werke Wachstein's.)
Dr. Jenner: „Die Staatsgrundgesetze und die Juden".
Prof. Ehrmann: „Über die Fallaschahs".
Dr. Schwarz-Hiller: „Kriegsfürsorge für die galizischen
Juden".
-921102
Dr. Béla Taussig: „Kriegsfürsorge-Aktion mit besonderer
Rücksicht auf den Arbeitsnachweis".
Prof.
Königstein: Kriegsfürsorge-Aktion und Verwun-
detenfürsorge".
mov
Dr. Edmund Kohn:,,Kriegsfürsorgetätigkeit aller Vereini-
bugungen des Distriktes".
sib
and Prof. Jerusalem:,,Die Soziologie des Distriktes". abs
-Prof. Braun:,,Ärztliche Fürsorge im Kriege".
Außerdem fanden 2 Trauersitzungen statt.
Eingeführt wurden folgende Brüder: us modisamb tim
-andall
Dr. Emil Krassny,
Hugo Kadisch,
Sam. Schlesinger,
Dr. Rob. Lichtenstern,
Ludwig Spira,
Ernst Schönfeld,
dous nag Bernhard Weber,
Dr. Julius Richter.
wildas
Dr. Hermann Schneeweiss,
lus Vorgestellt: Br. Emil Baruch (d.,,Union"). Ausgetreten
ist Arnold v. Goldberger. Gestorben sind die Br. Leopold
Róna und Wilhelm Bachrach.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug Ende 1914: 267.
5
S.
66
XXIII. Beamtenrat (1915).
(Präs. Dr. Max Eisenstädter).
In der Generalversammlung vom 5. Jänner 1915 wurden vom
s. w. Großpräsidenten Prof. Ehrmann folgende Beamte
installiert:
Präs. Dr. Max Eisenstädter,
Vize-Präs. Dr. Gustav Langstein,
Prot. Sekr. Dr. Albert Eisinger,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzmeister Josef Neumann,
Marschall Anton Stein,
Wächter Dr. Julius Grünwald.
Die Einführungsgebühren, Jahresbeiträge und Sitzungstage
bleiben unverändert.
Zu Repräsentanten werden die Expräsidenten Dr. Kohn,
Dr. Ehrmann, Dr. Kuh und Dr. Langstein, zu Stellvertretern
Dr. Knöpfmacher und Prof. Dr. Pollak gewählt. Pfleger-
obmann bleibt Notar Dr. Bermann.
Die ersten Sitzungen werden abgesehen von den daselbst
gehaltenen Vorträgen mit Berichten über Flüchtlingsfürsorge
und sonstigen Kriegsfürsorgen erfüllt.
Ein in der Sitzung vom 13. Jännnr von Br. Rotter gestellter
Antrag auf
auf Gründung einer Vorschußkasse für die Flüchtlinge aus
Galizien und der Bukowina wurde nach vorgängiger Komitee-
beratung in der Sitzung vom 16. März als undurchführbar ab-
gelehnt, jedoch den Brüdern eine möglichst starke Förderung der
Bemühungen des Br. Rotter empfohlen.
Auf Antrag des Abwehr-Komitees wird in der Sitzung vom
4. Mai beschlossen, dem ins Leben getretenen,,Jüdischen Kriegs-
archiv", welches sich die Sammlung aller das Judentum und die
Judenheit betreffenden Vorkommnisse zur Aufgabe gemacht hat,
mit einer Zuwendung von 150-200 K pro Monat bis zum Be-
trage von vorläufig 1000 K zu unterstützen und in Fühlungnahme
mit demselben zu bleiben.
Der im Rahmen der Vereinigung gebildete Wohlfahrts-
ausschuß und das Kriegsfürsorge-Komitee sowie der Beamtenrat
werden für die Sommerferien in Permanenz erklärt.
Im Laufe des ganzen Jahres haben an den Sitzungen auch
zahlreiche, infolge des Krieges nach Wien verschlagene Brüder
aus Galizien, Bukowina und Triest teilgenommen.
In der Sitzung vom 13. Oktober hielt der Präsident eine auf
den 20 jährigen Bestand der „Wien" und ihre Leistungen bezug-
nehmende Ansprache und erwähnt mit Bedauern, daß die Zeit-
umstände eine besondere Feier dieses Ereignisses nicht gestatten.
S.
67
wurden folgende Vorträge und Referate gehalten:
In den 17 im Laufe des Jahres abgehaltenen Sitzungen
Dr. Schwarz-Hiller: „Bericht über die Flüchtlingsfürsorge
in Österreich".
Dr. Pappenheim: „Die rote und noch eine Internationale".
Prof. Freud:,,Wir und der Tod".
Dr. Robinsohn: „Die Milderung des Kriegsunglückes durch
das ärztliche Röntgenverfahren".
Prof. Ehrmann:,,Betrachtungen über Kriegsseuchen".
Ernst Lemberger: „Der Krieg und die finanzielle Lage".
...Adolf Schwarz: ,,Die wirtschaftlichen Ursachen und
108 Dr. Schneeberger:,,Recht im Krieg und im Frieden".
Prof. Ehrmann: „Über die Konvention und die Tätigkeit
des Bundes in den letzten Jahren".
Folgen des Weltkrieges".
wist
nadia
Dr. Schwarz-Hiller:,,Wiederaufbau".
Prof. Wilh. Jerusalem:,,Was heißt Nächstenliebe".
Dr. Edmund Kohn:,,Bericht über meine Reise nach Galizien".
Dr. Löwenstein (Leopolis): Korreferat zu dem vom s. w.
Großpräsidenten gehaltenen Vortrag Organisationsfragen
und Organisationsziele im österr. Judentum".
Dr. Emil Krasny: „Das Ostjudentum und wir".
Einführungen fanden in diesem Jahre nicht statt.
Durch Tod verlor die Loge die Brüder: Bernhard Jeru-
salem, Expr. Dr. Gustav Langstein, Isidor Bergel, Sig-
mund Seiler.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug Ende 1915: 263, wo-
bei zu bemerken wäre, daß allerdings 7 Mitglieder bereits durch
Ballotage aufgenommen erscheinen.
XXIV. Beamtenrat (1916).
binow
(Präs. Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem).
In der Generalversammlung vom 4. Jänner 1916 wurden vom
s. w. Großpräsidenten folgende Beamte installiert:
Präs. Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem,
based Vize-Präs. Expr. Dr. Max Eisenstädter,
Prot. Sekr. Dr. Albert Eisinger,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzmeister Wilhelm Stöckler,
Marschall Hugo Weltsch,
alloWächter Ludwig Herz. 219
5°
S.
68
Vorher wurden noch vom Präs. Dr. Max Eisenstädter
folgende 7 Brüder feierlich eingeführt:no
Dr. Alfred Lanzer,
Josef Sommer,
Friedrich Oberländer,
Dr. Heinrich Löwenstein,
Heinrich Feldmann,
Dr. Max Hitschmann,
Moriz Ballek.
Zum Mentor wurde vom s. w. Großpräsidenten der Expr.
Rudolf Kohn bestellt, da der abtretende Präsident für das Jahr
1916 zum Vizepräsidenten gewählt war, um dem Br. Professor
Jerusalem die Führung des Präsidialamtes zu erleichtern.
Sitzungstage, Eintrittsgebühren und Jahresbeiträge bleiben
unverändert.
Zum Repräsentanten werden die Expr. Prof. Ehrmann,
Dr. Edmund Kohn, Dr. Kuh und Gottlieb Lederer, zu Stell-
vertretern Dr. Knöpfmacher und Prof. Pollak gewählt.
Die Sitzung vom 18. Jänner 1916 wurde durch das Er-
scheinen eines k. k. Regierungsvertreters überraschend ausge-
zeichnet. Es war das erste und einzige Mal, daß die Behörde
sich um unsere Versammlung, deren Anordnung ihr regelmäßig
zur Anzeige gebracht wird, kümmerte. Dies war vielleicht ver-
anlaßt durch das in der Anzeige enthaltene Vortragsthema des
Br. Arthur Lemberger:
Gesammelte Eindrücke während
meines Aufenthaltes in Belgien".
Der wohltätig wirkenden städtischen Rechtshilfe wird durch
eine Sammlung unter mehreren Brüdern ein Betrag von ca. 8000 K
zugeführt,
Dem berühmten Philosophen Ernst Mach, der kürzlich
starb, hält der Präsident in der Sitzung vom 7. März einen
warmherzigen Nachruf.
In den 18 Sitzungen des Jahres wurden folgende Vorträge
und Diskussionen abgehalten: 8 VIXX
Arthur Lemberger: "Gesammelte Eindrücke während
meiner Reise in Belgien".
Heinrich Mendel: Ernährungsfragen".
Prof. Freud: La revolte des anges".
Frau Anitta Müller: Was ich bei der Flüchtlingsfürsorge
gelernt habe".
Diskussion über die Anregungen der w. „Praga" betreffend
die Versorgung der Kriegsinvaliden und Kriegswaisen.
Ludwig Baracs: „Meine Erlebnisse im Kriege".
Dir. Alex. Hecht: „Bericht über die letzte Tagung des
General-Komitees".
Prof. Wilhelm Jerusalem: „Das auserwählte Volk".
S.
69
Prof. Ehrmann: „Über die Tätigkeit des Vereines zur
Rettung verlassener jüdischer Kinder aus Galizien und
der Bukowina".
Prof. Zappert: „Bericht über die Tätigkeit des Fürsorge-
Komitees".
Prof. Hermann Cohen: „Die Messias-Idee in ihrer Ent-
hobwicklung".
Diskussionen über unsere innere Aufgaben nach dem Kriege.
Prof. Balaban („Leopolis“): „Mitteilungen über Wahrnehm-
gungen in dem von uns okkupierten Teile Polens".
Prof. Ehrmann: „Gedenkrede auf Kaiser Franz Josef".
Prof. Isid. Pollak (,,Bohemia“): „Das Judentum im Lichte
einer neuen wissenschaftlichen Disziplin"..
Weitere Einführungen im Jahre 1916:
-05
Die Brüder Karl Plowitz,
Adolf Sommer,
Dr. Bernh. Wachstein.
Durch Tod verlor die Loge folgende Brüder:
Philipp Loewy, Adolf Klein, Ignaz Glaser, Hermann
Liebermann, Max Eisler, Leo Schloss, Expr. Prof.
Josef Pollak.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug Ende 1916: 266, wo-
bei angemerkt sei, das weitere 7 Mitglieder bereits durch Ballo-
tage aufgenommen erscheinen,
nobisd
XXV. Beamtenrat (1917).
(Präs.: Prof. Dr. Markus Hajek).
In der Generalversammlung vom 2. Jänner 1917 wurden
vom Expr. Dr. Edmund Kohn als Delegaten des s. w. Ver-
bandes folgende Beamte installiert:
-de
000
Präs. Prof. Dr. Markus Hajek,
Vize-Präs. Dr. Albert Eisinger,
Prot. Sekr. Dr. Julius Grünwald,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Hugo Weltsch,
nellaut nev
Marschall Otto Katz,
mob 206
Wächter Ignaz Wagner.
Vorher wurden noch vom Präs. Prof. Jerusalem nach-
folgende 5 Brüder feierlich eingeführt und 2 Brüder vorgestellt.
Vorgestellt: Expr. Dr. G. Halpern (,,Henry Jones"-Loge),
Max Glück (,Solidaritas").s
S.
70
Eingeführt: Dr. Max Berliner,
Dr. Hermann Glaser,
Gustav Oesterreicher,
Dr. Desider Friedmann,
Edmund Immergut.
Die Sitzungstage und Jahresbeiträge bleiben unverändert.
Zu Repräsentanten werden gewählt die Expr. Dr. Ehrmann,
Dr. Kohn, Dr. Kuh, Gottlieb Lederer, zu Stellvertretern
Dr. Knöpfmacher und Dr. Béla Taussig, zum Pfleger-
Obmann Notar Dr. Bermann.
In der Sitzung vom 16. Jänner 1917 wird auf Antrag des
Br. Petschek beschlossen:
Die w. Wien" beschließt die Fürsorge-Aktion (Kriegs-
notfond) im Einvernehmen mit der w. „Eintracht" fortzu-
führen und allen Brüdern auf schriftlichem Wege die Unter-
stützung dieser Aktion nahezulegen.
Die so eingeleitete Sammlung ergab schon bis zur nächsten
Sitzung ca. 8000 K.
Dem von Dr. Beham geleiteten Pasteur-Institute in Palä-
stina werden 1000 K. zugewendet.
In einer am 21. Juni 1917 abgehaltenen gemeinsamen Sitzung
Wien" und Eintracht", welche von 135 Brüdern besucht
wurde nach einem von Br. Dir. Glücksthal erstatteten
eingehenden Referate und nach daran sich anschließenden Aus-
führungen der Br. Architekt Fuchs, Dr. Schnabel, Gottlieb
Lederer, über gegenteilige Äußerungen des Br. Laub und
Expr. Tugendhat zunächst eine Vertagung des Abschlusses,
sohin aber in einer fortgesetzten gemeinsamen Sitzung der beiden
Logen beschlossen:
der
war,
Das Haus Türkenstraße 15 um den Preis von ca.
425.000 K anzukaufen und das hiezu erforderliche Geld
durch Zeichnungen der Brüder aufzubringen, welchen für die
gezeichneten Beträge unter Haftung der beiden Logen eine
3%ige Verzinsung und Rückzahlung in 20 Jahren zuzu-
sichern sei.
Der Kauf wurde tatsächlich zum Preise von 422.500 K ab-
geschlossen und zwar zu einem Drittel für die Eintracht und zu
zwei Drittel für die Wien". Über die Modalitäten der eventuellen
Rückzahlung in Ablebensfällen werden detaillierte Bestimmungen
festgesetzt. Ein Haus-Komitee wird eingesetzt.
Der von Prof. Braun geleiteten Tuberkulosen-Fürsorge-
stelle wird auch für dieses Jahr ein Beitrag von 4000 K aus dem
Rosenfeld-Fond voliert.
Eine vom Vorprüfungs-Komitee beschlossene Geschäftsord-
nung wird in der Sitzung vom 20. November bis zum Para-
graph 9 beraten und nach einigen Abänderungen angenommen.
Dem Vereine für Jüdisch-Pädagogische Kurse" werden auf
Antrag Prof. Jerusalem 1500 K votiert.
S.
71
Aus einem vom Expr. Petschek in der Sitzung vom
Komitees erstatteten Berichte geht hervor, daß in den beiden
18. Dezember über die Tätigkeit des gemeinsamen Fürsorge-
Jahren 1916 und 1917 zusammen 54.000 K aufgebracht und
segensreich verwendet worden sind.
Im Laufe des Jahres 1917 wurden in 17 Sitzungen folgende
Vorträge und Referate gehalten:
Prof. Balaban (,,Leopolis"): Von Ghetto zu Ghetto".
Dr. Albert Eisinger: Über Eugenik".
Prof. Sigm. Freud: Phantasie und Kunst".
Dr. Löwenstein: "Sozialhygienische Probleme nach dem
Kriege".
Alois Schwarz (Silesia): „Verhältnisse der jüdischen Be-
völkerung in Osterreichisch Polen".
Prof. Ehrmann: „Vererbungsfragen"
Leopold Jerusalem (,,Bohemia"): „Über Agrarwirtschaft".
Ernst Lemberger:,,Uber Volksvermögen".
Prof. Wilh. Jerusalem: „Moralische Richtlinien nach dem
Kriege
Dr. Julius Grünwald: Gedankensplitter über die wirt-
schaftliche Organisation in den wichtigsten kriegführen-
tadong den Staaten".
Dr. Wilh. Pappenheim:,,Berufswahl und Berufsberatung“.
Eingeführt wurden folgende Brüder:
Alfred Winter,
Isidor Rosenberg,
vedo Emanuel Braun,
Ignaz Adler (Graz),
Gustav Jacob,
Simon Laufer,
Jacques Modern,
Viktor Taussig,
new Vorgestellt wurde: Br.
Durch Tod verlor die
Otto Simon.
mule
Taussig (,,Allianz").
Wien" folgende Brüder:
Jacques Feitler,
Samuel Rosenthal,
musa
Dr. Theodor Lieben.
Philipp Kohn,
19291b
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug daher Ende 1917: 279.
bows
XXVI. Beamtenrat (1918).
(Präs. Prof. Dr. Ludwig Braun).
In der Generalversammlung vom 8. Jänner 1918 wurden vom
s. w. Großpräs. Prof. Ehrmann folgende Beamte installiert:
Präs. Prof. Dr. Ludwig Braun,
Vizepräs. Expr. Richard Petschek,
Prot. Sekr. Hugo Weltsch,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzmeister Anton Stein,
O Marschall Dr. Emil Krasny,
Wächter Markus Fischer.
S.
72
Die Jahresbeiträge und Sitzungstage bleiben unverändert.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Prof. Ehrmann, Dr.
Kohn, Dr. Kuh nnd Gottlieb Lederer, zu Stellvertretern Dr.
Knöpfmacher und Dr. Béla Taussig gewählt.
In der Sitzung vom 22. Jänner findet eine Trauerkundgebung
um den um den deutschen und auch österreichischen Distrikt
hochverdienten Ex-Großpräsidenten des VIII. Distriktes Dr.
Maretzki statt.
Die vier ersten Sitzungen wurden durch eine lebhafte und
anregungsreiche Diskussion über das von Br. Dr. Pappen-
heim in der Sitzung vom 4. Dezember 1917 erstattete Referat
über: Berufswahl und Berufsberatung" erfüllt, welche schließ
lich ohne eine konkrete Beschlußfassung mit Überweisung an
den s. w. Verband endigte, trotzdem sie sehr wertvolle Gesichts-
punkte und Meinungsäußerungen der Br. Prof. Jerusalem,
Hofrat Löwner, Max Fleischner, Dr. Fürth, Dr. Béla
Taussig, Prof. Hajek und Richard Petschek zu Tage
brachte.
In der Sitzung vom 9. April fand eine Trauerkundgebung
für den hingeschiedenen Br. Geheimrat Prof. Hermann Cohen
statt und in der darauf folgenden Sitzung vom 13. April wurde
ein die Bedeutung des Dahingeschiedenen für die Wissenschaft,
für das Judentum und für unseren Orden würdigender Nachruf
von Prof. Jerusalem gehalten.
In der Sitzung vom 1. Oktober erfolgte eine Trauerkund-
gebung für den in den Ferialmonaten dahingeschiedenen Ober-
rabbiner Dr. Moriz Güdemann.
Am 16., 19., 23. und 26. November fanden gemeinsame
Sitzungen der beiden Logen Wien" und Eintracht" statt, in
welchen eine vom Großpräsidenten durch das Thema „Judentum
und gegenwärtige Lage" eingeleitete Diskussion abgehalten
wurde; bei diesem Anlasse wurde auch die Gründung einer
dritten Vereinigung in Wien angeregt. Die Stellungnahme zum
jüdischen Nationalismus bildete einen wesentlichen Inhalt dieser
Diskussion.
Die Tätigkeit des Kriegsfürsorge-Komitees wurde unter der
bewährten Führung des Expr. Richard Petschek in zweck-
entsprechender Weise fortgesetzt und die nicht unbeträchtlichen
hiezu erforderlichen Mittel von der Vereinigung beigestellt.
Im Laufe des Jahres 1918 wurden folgende Diskussionen
und Vorträge gehalten:
Diskussion über das Thema,,Berufswahl und Berufsberatung"
(in 4 Sitzungen).
Philipp Broch;,,Bulgarien und wir".2
Dr. Alb. Kuh: „Die Inschriften des alten Judenfriedhofes"
(II. Teil).
Prof. Wilh. Jerusalem; Nachruf auf Hermann Cohen.
Artur Lemberger:,,Meine Reise nach Serbien".
S.
73
Dr. Robinsohn;,,Die Tuberkulose und wir".
Prof. Ehrmann;,,Über die gegenwärtige Lage des Juden-
tums", mit daran sich anschließender Diskussion.
Prof. Wilh. Jerusalem:,,Ethische Aufgaben".
Dr. Georg Halpern: „,Bemerkungen zum Problem des
bat Zionismus und Nationalismus".
deal silses
Jan Eingeführt wurden in diesem Jahre folgende Brüder:
-19 Dr. Hugo Arnstein, Emil Bruder (Linz),
Jisait
-elus Emil Dub,
Richard Kafka (Linz),
Julius Lindenberg, Leo Neuschüler,
Julius Urbach,
San Stefan Quittner,
Bernhard Steinhart.
els Durch Tod verlor die Vereinigung die Brüder:
Paul Mantler,
ni
Ignaz Frankl,
Alfred Basch,"
-8010
Theoder Fleischner.
int
baside Expr. Dr. Béla Taussig,
299 Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug sohin Ende 1918: 283.
W nabiad XXVII. Beamtenrat (1919).
ado a aq
luchy (Präs.; Dr. Albert Eisinger).
In der am 6. Jänner 1919 abgehaltenen Generalversammlung
wurden vom Expr. Dir. Alexander Hecht als Delegierten des
General-Komitees folgende Beamte installiert.
Präs. Dr. Albert Eisinger,
Vize-Präs. Max Fleischner,
ganabage Prot.-Sekr. Dr. Emil Krasny,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
abantes Schatzm. Anton Stein,
sm Marschall Dr. Josef Alt,
Wächter Julius Gerstmann.
Die Sitzungstage und Jahresbeiträge bleiben unverändert.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Prof. Ehrmann,
Dr. Kohn, Dr. Kuh und Gottlieb Lederer, zu Stellvertretern
Dr. Knöpfmacher und Prof. Dr. Königstein gewählt.
In der Sitzung vom 17. April wird auf Antrag des Komitees
für geistige Interessen beschlossen, daß in jeder Sitzung obli-
gatorisch eine Berichterstattung von wissenswerten, die Juden-
schaft betreffenden Tages- und sonstigen Ereignissen stattzu-
finden habe. nagmusti
In der Sitzung vom 20. Mai wurden als Werbebrüder für
Fürth, Josef Neumann, Otto Katz und Karl Klemperer.
die III. Vereinigung bestellt die Brüder: Dr. Edm. Kohn, Dr.
S.
74
In der Sitzung vom 8. Juli wird über Antrag des Beamten-
Monarchie eingetretenen Änderungen folgende Beschlüsse zur
rates im Hinblicke auf die durch den Zerfall der österreichischen
Unterbreitung bei dem bevorstehenden Karlsbader Verbandstage
gefaßt:
Die Wiener Vereinigungen halten die Autonomie der deutsch-
österreichischen Vereinigungen und ihre formelle Unab-
hängigkeit von den Vereinigungen in den neuen National-
staaten für ein Gebot der Klugheit und Notwendigkeit.
2. Zu diesem Zwecke schlagen sie vor, den Sitz des Ver-
1.
X in Wien zu belassen, als Verband für Deutsch-
Österreich.
bandes
Für die Vereinigungen in den Nationalstaaten mögen neue
Verbände errichtet werden.
3. Sollte dies gegen alles Erwarten nicht möglich sein, so
erklären sich die Vereinigungen von Deutsch-Osterreich, als
außerhalb jeder Großloge nur dem Exekutiv-Komitee in
Amerika direkt unterstehend, treten aber mit der Groß-
loge in Prag in ein ähnliches Freundschaftsverhältnis,
wie die Schweizer Logen zur Großloge in Deutschland,
durch Bildung eines gemeinsamen Collaborations-Komitees
oder einer ähnlichen Einrichtung.
In der darauffolgenden gemeinsamen Sitzung der beiden Wiener
Vereinigungen vom 23. September wurde vom Expr. Dr. Kohn
ein Bericht über die Karlsbader Tagung und deren Verlauf ge-
halten, nach welchem tatsächlich die 3. Eventualität des vorbe-
zeichneten Beschlusses eingetreten war, daher der Antrag an
beide Vereinigungen gerichtet wurde, die bisherigen Funktionäre
des General-Komitees als Vertreter der österreichischen Vereini-
gen nach außenhin zu bestellen, mit dem Rechte der Kooptierung
anderer Mitglieder.
Dieser Antrag wird angenommen und somit die Absonderung
vollzogen.
An den Festlichkeiten anläßlich des 25 jährigen Bestandes
der Loge,Karlsbad" wird durch Delegation teilgenommen.
Im I Laufe des Sommers war der Groß-Sekretär des Bundes
Br. Seelenfreund im Auftrage des hochw. Bundes-Präsidenten
in Wien erschienen und überbrachte Grüße und Spenden aus
Amerika.
In der Sitzung vom 18. November wird über die rege Teil-
nahm der Wien an der Sonntags vorher stattgehabten In-
stallierung der Vereinigung Wahrheit" berichtet.
In der Sitzung vom 2. Dezember stellt Expr. Dr. Knöpf-
macher einen Antrag auf Gründung eines Humanitäts-Fondes.
Im Laufe des Jahres wurden in 20 Sitzungen folgende Vor-
träge und Referate abgehalten:
Simon Frankl; Ziele und Zwecke des Bundes".
Dr. Ehrlich:,,Die Ostjuden" (Kriegserinnerungen).
S.
S.
76
Präs. Expr. Dr. Edmund Kohn,
Vize-Präs. Expr. Dr. Albert Kuh,u
Prot. Sekr. Dr. Sigmund Stiassny,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Max Fleischner, al
Marschall Dr. Julius Bermann,
Wächter Dr. Richard Back.
Vorher erfolgte noch durch Präs. Dr. Albert Eisinger
die feierliche Einführung folgender Brüder:
Dr. Jakob Thaler, Otto Richard Hermann, Dr. Béla
Rosenthal, Adolf Wiener und Heinrich Bottwin.
Die Sitzungstage und Jahresgebühren bleiben unverändert.
Die Wahl von Repräsentanten unterbleibt, da ein Verband
noch nicht konstituiert ist.
Schon in der ersten Sitzung wird die Herausgabe einer
Festschrift anläßlich des 25 jährigen Jubiläums der Vereinigung be-
schlossen und deren Redaktion dem Expr. Prof. Dr. Jerusalem
übertragen.
In der Sitzung vom 20. Jänner wird der vom Expr. Dr.
Knöpfmacher in einer Sitzung des Vorjahres gestellter Antrag
auf Gründung eines Humanitäts-Fondes prinzipiell angenommen,
die Detailbestimmungen vorbehalten.
Am 2. Feber fand eine gemeinsame offene Sitzung aller drei
Wiener Vereinigungen statt, in welcher Expr. Dir. Hecht einen
Vortrag,,Sprache ohne Worte" hält.
In der Sitzung vom 3. Feber teilte der Vorsitzende Vize-Präs.
Dr. Kuh mit, daß aus Anlaß des 70. Geburtstages des Bundes-
Präsidenten Adolf Kraus am 26. Feber die Gründung der
4. Wiener Vereinigung erfolge.
In der Sitzung vom 3. Feber wurden folgende Detail-
bestimmungen über den Humanitäts-Fond angenommen:
1. Der Humanitäts-Fond hat die Bestimmung, daß aus ihm
alle im Laufe des Jahres von der Vereins-Versammlung
beschlossenen Subventionen und sonstigen Zuwendungen
bestritten werden.
2. Derselbe wird gebildet:
a) aus den Spenden der Mitglieder, welche ohne aus-
drückliche anderweitige Zweckbestimmung der Ver-
einigung oder deren Präsidenten zur Verfügung ge-
stellt werden;
b) aus freiwilligen Jahresbeiträgen der Vereinsmitglieder,
welche vom Fin.-Sekr. anläßlich des Inkassos der
1. Quartalsrate der Jahresbeiträge eingehoben werden.
Generalversammlung wurde die Erhöhung der Eintrittsgebühr au
am 17. Feber stattgehabten außerordentlichen
250 K und die Verdoppelung der Jahres- und sonstigen Beiträge
In einer
beschlossen.
hollisteni
S.
77
In derselben Sitzung wird von Br. Prof. Jerusalem eine
Aktion der B'nai B'rith gegen die antisemitische Bewegung an-
Sitzungen bis zum 18. Mai 1920 fortgesetzt wird und in deren Ver-
geregt. Hieran knüpft sich eine Diskussion, welche in mehreren
lauf mehrere längere Reden und insbesondere eine großangelegte
gehalten wurden; es wurde eine Reaktivierung des Informations-
Rede des Br. Dr. Josef Jerusalem über den Antisemitismus
und Abwehr-Komitees beschlossen.
In der Sitzung vom 4. Mai wurde die Feier des 70. Geburts-
tages des Expr. Prof. Dr. Königstein mitgeteilt.
In der Sitzung vom 18. Mai erstattet Expr. Dr. Knöpf-
macher Bericht über die Betätigung des Abwehr-Komitees und
die dafür aufgewendeten Geldbeträge.
In der Sitzung vom 15. September referiert Expr. der Ein-
tracht" Dr. Ascher über die am 5. August 1920 in Karlsbad
stattgehabte Welthilfekonferenz.
In der Sitzung vom 6. Oktober wird vom Präs. Dr. Edmund
Kohn, die Kreierung eines Jungbrüder-Komitees in Aussicht gestellt.
In der Sitzung vom 19. Oktober wird vom Vorsitzenden des
General-Komitees Prof. Ehrmann zur Feier des Ordensgrün-
dungstages (13. Oktober) ein ausführlicher Bericht über die
Konventions-Großlogen-Tagung in Cleveland erstattet und bei
diesem Anlasse die Intervention des Ordens in Washington durch.
Br. Wolf für die Friedensverhandlungen gewürdigt.
In der Sitzung vom 2. November findet eine feierliche
Trauerkundgebung für den dahingeschiedenen Groß-Präsidenten
des X. Distriktes Dr. M. Hammerschlag statt.
Am 14. November findet die Festsitzung anläßlich
des 25jährigen Bestandes der „Wien" im mittleren Konzerthaus-
saale statt. 1918
An dieser Sitzung nahmen außer den Brüdern der Wien",
auch die der „Eintracht", "Wahrheit" und Massadah" nebst den
Damen teil. Es waren außerdem Delegierte der Großloge des
X. Distriktes, der Schweizer, Konstantinopler, Bohemia" und
Praga" sowie Vertreter der Isr. Kultusgemeinde, des Rabbinats,
der Allianz" und der Baron Hirsch-Stiftung erschienen.
Festrede hielt Prof. Dr. Wilh. Jerusalem. Daran reihten sich
die Gratulationsreden des General-Komitees durch Prof. Ehrmann,
des X. Distriktes durch den Delegaten Dr. Sonnenschein,
der Isr. Kultusgemeinde durch Baurat Kempler, der drei Wiener
Vereinigungen durch Präs. Dr. Ernst Weiss der „Eintracht".
des Jüdischen Jugendbundes durch Ing. Sonnenschein, der
Augustin Keller-Loge durch Dr. Pollak.
Die
Mit dem Vortrage der „Allmacht" von Schubert_durch Frl.
Leonie Peigl, begleitet von Br. Jeral wird die Festsitzung
geschlossen.
In der Sitzung vom 7. Dezember wird die Einführung der
gemeinsamen,,Mitteilungen" der Wiener Vereinigungen an Stelle
der separaten Sitzungs-Einladungen bekanntgegeben.
S.
S.
79
Anlaßlich der Gründung der Vereinigung,,Wahrheit" sind
folgende Brüder der,,Wien" in diese neubegründete Loge über-
Dr. Hugo Arnstein, Dr. Max Berliner,
getreten u. zw.: (core
Dr. Hugo Flesch,
Dr. Theodor Jenner.
Klemperer,
Karl
und anläßlich der Gründung der ,,Massadah" sind zwei Brüder
der Wien" in diese Loge übergetreten:
Ignaz Wagner und Hugo Weltsch.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug daher Ende 1920: 310.
Bei der festlichen 25 jährigen Jubiläumsfeier gelangte auch
eine von Prof. Dr. Wilh. Jerusalem redigierte Festschrift zur
Ausgabe. Dieselbe wurde eingeleitet durch eine geistvolle Ab-
handlung über den Logen-Gedanken „Du sollst zum Segen
in welcher der als Philosoph rühmlichst bekannte
Verfasser den tiefen haltsvollen Sinn dieses Logengedankens
und seine mannigfachen Deutungs- und Anwendungsmöglichkeiten
in eindrucksvoller Darlegung beleuchtete und diesen Grund-
gedanken unseres Ordens als die treffendste und kürzeste und
zugleich als die wirksamste und für das Leben brauchbarste
Formulierung der allgemeinen menschlichen Ethik bezeichnete;
eine Formulierung, welche dem vom Philosophen Kant vorge-
schriebenen Kategorischen Imperativ und den ethischen Lebens-
regeln anderer Philosophen kühn an die Seite gestellt werden könne.
Die Festschrift enthält sohin weiters eine zusammenfassende
geschichtliche Darlegung der Gründung, Entwicklung und Betäti-
gung der Vereinigung Wien" während ihres 25 jährigen Bestandes
und eine Würdigung des hohen Ansehens und der vollwichtigen
Bedeutung, welche sie im Rahmen der Wiener, ja der österrei-
chischen Judenheit sich erworben hat.
werden",
Diese überaus klare und inhaltsreiche Darlegung zerfällt in
mehrere Abteilungen, welche folgende, ihren Inhalt andeutende
Überschriften tragen:
I. Die Gründung der Vereinigung „Wien".
II. Entwicklungsperioden der Vereinigung,Wien", welche
der Verfasser in folgende drei Perioden teilte.
a) Die erste Periode (1895-1903)
welche von der Installierung bis zur Gründung der Ver-
einigung
Eintracht" reichte und welche der Verfasser
sehr richtig als die Phase der inneren Konsolidierung
und zugleich des kraftvoll-schöpferischen Wachstums
charakterisiert.
b) Die zweite Periode (1903-1911),
welche von der Gründung der Vereinigung „Eintracht bis
zur Übertragung des Sitzes der österr, Großloge nach Wien
und Wahl des Prof. Dr. Ehrmann zum Groß-
wpräsidenten derselben reichte, kennzeichnet sich durch
das Wirksam werden des von den nunmehr bestehenden
S.
80
2 Wiener Vereinigungen vertretenen Logengedankens
nach außen.
c) Die dritte Periode (1911-1920),
nisse die Logen der Tschechoslovakei sich zu einem von
dauert bis zu der Zeit, wo infolge geschichtlicher Ereig-
Ein weiteres Kapitel enthält einen Überblick über die
Österreich abgesonderten Verbande zusammenschließen.
Bestandes und daran schließen sich Detailberichte der Br.
Schöpfungen und Leistungen der Wien" während ihres 25 jährigen
Eduard Wiener, Dr. Wilh. Löwy, Dr. Ed. Kohn und
Richard Petschek an.
Das Schluß-Kapitel mit der Überschrift Rückblick und
Ausblick" enthält zunächst die ohne Überhebung berechtigte
daß die Vereinigung Wien" während ihres
25 jährigen Bestandes ihren Mitgliedern, dem Bunde, dem Judentum
Feststellung,
und der Menschheit zum Segen geworden sei.
Daran knüpft aber der Verfasser eine sehr eingehende
Auseinandersetzung über die großen und schwierigen Aufgaben,
die unsere Vereinigung nach innen und außen noch zu erfüllen hätte,
er skizziert in überaus eindrucksvollen Schlagworten die wichtige
Bedeutung dieser Aufgaben und schließt mit einem sehr beher-
zigenswerten Appell an alle Brüder, ihre Kräfte diesen Aufgaben
zuzuwenden.
Es soll an dieser Stelle nicht verabsäumt werden, allen
Brüdern die aufmerksame Lektüre dieser Festschrift und ins-
besondere deren erstes und letztes Kapitel, welche das Gepräge
des hohen Geistes des Verfassers ganz besonders aufzeigen,
aufs angelegentlichste zu empfehlen.
W sb nathiles
XXIX. Beamtenrat (1921).
(Präs.: Max Fleischner).
In der Generalversammlung vom 4. Jänner 1921 wurden.
folgende Beamte vom s. w. Großpräs. Dr. Ehrmann installiert:
sqagnub
Präs.: Max Fleischner,
Vize-Präs.: Leopold Lourié,
Prot. Sekr.: Dr. Arnold Karplus, ov
Schatzm.: Otto Nußbaum,
199
Fin. Sekr.: Franz Türkel,
Marschall: Dr. Moritz Karolyi,
Wächter: Ludwig Abeles.
ialgus
Vorher wurden noch vom abtretenden Präs. Dr. Edmund
Kohn folgende Brüder eingeführt:
Rudolf Hecht, Moriz Alkalay, Dr. Herm. Oppenheim,
Die Einführungsgebühren, Jahresbeiträge und Sitzungstage werden
unverändert beibehalten, jedoch wird eine freiwillige Erhöhung
von den besser situierten Brüdern erwartet. W
S.
81
Paula Kolisch-Fond durch Zuwendung von 25.000 K, welche
In der Sitzung vom 18. Jänner wird der bereits bestehende
von Ernst Lemberger und anderen Freunden gesammelt wurden,
in einen Paula und Robert Kolisch-Fond" erweitert.
In der Sitzung vom 1. März beantragt Expr. Dr. Edm.
Kohn die Einsetzung eines Palästina-Komitees, welches die Auf-
haben soll, die Brüder über den jeweiligen Stand der
Palästina-Frage zu informieren.
gebe
In der Sitzung vom 15. März wird nach eingehendem Berichte
des Expr. Dr. Fürth die Auflösung des von der Vereinigung
Wien" gegründeten Vereines für Arbeitsnachweis" beschlossen;
derselbe wird der Gewerbe-Sektion des jüdischen Nationalrates
übertragen, worüber sowie über die finanzielle Regelung von
Petschek in der Sitzung vom 17. Mai referiert wird.
In der Sitzung vom 5. April wird die im Interesse der
Brüder und ihrer Angehörigen erfolgreich wirkende Fürsorge des
bestehenden Wirtschafts-Komitees hervorgehoben.
Expr.
einer außorordentlichen Generalversammlung
vom
5. Oktober wurden zur Deckung des sich ergebenden Defizits
von ca. 200.000 K folgende Beschlüsse gefaßt:
1. Die Brüder leisten pro 1921 einen Zuschuß von je 1000 K.
(Für Fixangestellte, Pensionisten und Privatiers werden
diskrete Ausnahmen vorgesehen.)
-b 2. Neueintretende Mitglieder haben ohne Unterschied des
Alters eine Einführungsgebühr von 5000 K zu entrichten.
(Auch hier sind Ausnahmen für besonders wertvolle
Kandidaten vorgesehen, deren materielle Lage dies nötig
macht.)
grubla
bensl
- In der Sitzung vom 5. Oktober wird zur zahlreichen Teil-
nahme an der Feier des 25 jährigen Jubiläums der „,,Moravia"
aufgefordert.
In der Sitzung vom 2. November wurde von Prof. Wilh.
Jerusalem die Zuwendung einer Ehrengabe für Popper-
Lynkeus mit Erfolg angeregt, welche zunächst mit 50.000 K
bestimmt wurde.
Für den langjährigen Sekretär des aufgelösten Vereines für
Arbeitsnachweis, Josef Weiss, wurde eine Pension von 8000 K
pro Monat und im Falle seines Ablebens 5000 K monatlich für
seine Frau beschlossen.
Dem Baurat Wilh. Stiassny-Fond werden zum Zwecke
einer Reorganisation 30.000 K zugewiesen.
In derselben Sitzung vom 16. November wird der in Gründung
begriffenen Linzer Vereinigung ein Gründungs-Beitrag von
100.000 K, im Bedarfsfalle erhöhbar auf 120.000 K votiert.
Expr.
Dr. Knöpfmacher gestellten und von Notar Dr. Julius
Bermann unterstützten Antrag folgender Beschluß gefaßt:
6
S.
82
„Der Präsident ernennt aus der Mitte der Versammlung
w sechs Beiräte, die mit beratender Stimme in den Beamten-
rat entsendet werden".
In der Sitzung vom 20. Dezember wird der offizielle Titel
der Großloge in Prag mit,,Großloge für den tschechoslowakischen
Staat X. J. O. B. B." bekanntgegeben.
Im Laufe des Jahres wurden folgende Vorträge und Referate
gehalten:
Ing. Max Schanzer:,,Neinsager".
Prof. Wilh. Jerusalem: „Das Judentum im Lichte der
Völkerkunde".
Wilh. Kempler: Betätigung der Juden auf dem Gebiete
der bild: Das Logenleben in Amerika".
Kunst".
Dr. Fürth: Referat über die Lage des Vereines für Arbeits-
nachweis und Antrag auf Auflösung".
Dr. Grunwa
Jerusalem: „Nachträge und Wünsche zur Festschrift".
Prof.
Dr. Lowenstein:,,Die Auslandaktion und deren soziale
Bedeutung".
Dr. Robinsohn:,,Naturwissenschaftliche Gedanken zur
Frage des jüdischen Rassengeistes".
Responsenliteratur der Juden".
Dr.
,,Keren Hajessod".
Dr.
Königstein: Die wissenschaftlichen Grund-
Hans
lagen der Verjüngungsversuche".
18./X. Festrede zum Ordenstag,, Entstehung und Entwicklung
des Ordens" von Prof. Ehrmann.
Prof. Jerusalem: Josef Popper-Lynkeus, Der Mensch
und sein Werk".
Dr. Desider Friedmann:,,Bericht über den XII. Zionisten-
kongreß"du
Eingeführt wurden außer den in der ersten Sitzung bereits
eingeführten Brüdern noch folgende:
Joab Friedmann,
plsw Gustav Schnitzer,
Dr. Max Bloch,
Arthur Herschmann,
Heinrich Neurath,
Dr. Ludwig Werner,
Benno Kahane,
Dr. Sigmund Strach,
am 19. IV.: l bnu
Eugen Lenhoff,
Louis Salter,basd
Arthur Glass,
Carl Stumm, iss
Ign. Geiringer,
Dr. Oskar Silberknopf,
Dr. Paul Klemperer,
Otto Schickler,
Dr. Eugen Kalmus,
Oskar Rosner,
Oswald Lowy,
Otto Lowy,
Rudolf Löwy,
Jacob Pollak,
Rudolf Pollak.
Vorgestellt: Josef Nass (,,Silesia"), Dr. Korner (,,Moravia"),
S.
83
ardasiyam 16. XI.:
Heinr. Weissmann,
Hermann Rubin,
Dr. Adolf Jos. Strisower,
Dr. Berthold Spiegler,
Anton Schönfeld,
Gustav Löbl.
Dr. Sigmund Fuchs,
Ausgetreten ist: Max Epler und Hermann Glaser (letzterer
übergetreten zur „Freundschaft").
Gestorben sind die Brüder:
Franzesco Breitmann,
Ignaz Frank,
Adolf Schwarz,
Josef Krausz,
Alex. Simon, h
Ludwig Spira,
Rudolf Winternitz.
Dr. Ign. Stiedry, W
Eduard Wohl,
Es betrug somit die Gesamtzahl der Mitglieder Ende 1921: 334.
basdia 25b guns
19x3 lb dwXXX. Beamtenrat (1922).
o
dbars (Präs.: Prof. Dr. Leopold Königstein).
In der Generalversammlung vom 3. Jänner 1922 wurden
vom s. w. Großpräsidenten Prof. Ehrmann folgende Beamte
installiert:
Präs. Prof. Dr. Leopold Königstein,
Vize-Präs. Dr. Arnold Karplus,
Prot. Sekr. Dr. Josef Alt,
Fin.-Sekr. Franz Türkel,
Schatzm. Karl Mautner,
Marschall Dr Felix Kohn,
Wächter Karl Plowitz..
Vorher wurden noch vom abtretenden Präs. Max Fleischner.
folgende Brüder eingeführt:
Will. Karpeles, balw s
Bruno Buchwald,
Dr. Josef Glaser,
Robert Horecki,
Otto Krasny,ib, us
Julius Robitschek,
Rudolf Möstel,
Julius Weiss.
Die Sitzungstage, Eintrittsgebühren und Jahresbeiträge bleiben
unverändert. Pflegerobmann bleibt Notar Dr. Julius Bermann;
zu Beiräten des Beamtenrates werden folgende Brüder ernannt:
Dr. Löwner, Dr. Lieben, Dubsky, Grünwald und
Dr. Bermann.
Zur Ehrung des verstorbenen jüdisch-ungarischen Dichters
Josef Kiss wird ein Gedicht desselben vorgetragen.
In den Sitzungen vom 7. und 21. Februar, sowie 7. und
21. März, welche drei letzteren als gemeinsame der Wiener vier
Logen einberufen waren, wurden im Anschlusse an einem Vor-
trag des Br. Kempler die Lage der Wiener Kultusgemeinde
und die Mittel und Wege zu deren Sanierung in lebhafter Dis-
kussion behandelt.do
6°
S.
aufgefordert, welche für den 25. März in Aussicht genommen ist.
der Brüder an der Gründung der Vereinigung „Ehrmann" in Linz
In der Sitzung vom 7. März wird zur zahlreichen Beteiligung
Robinsohn eingeleitete Thema: "Wie erhalten wir unsere
durch eine anregungsreiche Diskussion über das von Br. Dr.
Die Sitzungen vom 4. und 24. April, 2. und 16. Mai werden
Kinder dem Judentum" vollauf in Anspruch genommen.
In der Sitzung vom 19. September wird auf Antrag des
gemeinsamen Komitees folgender Beschluß gefaßt:
1. Für das laufende Jahr einen weiteren Regiebeitrag von
2. Auf Antrag des Beamtenrates der Beschluß auf Zusammen-
legung der kleineren Fonde unter Wahrung der Namen
84
20.000 K einzuheben.
der Gründer.
In derselben Sitzung werden infolge der für den 25. Novem-
Deutschösterreich wieder zu Repräsentanten gewählt die Expr.
ber in Aussicht stehenden Konstituierung des Verbandes für
Dr. Edmund Kohn, Dr. Kuh, Gottlieb Lederer, Prof. Ehr-
mann und Dr. Wilh. Knöpfmacher, sowie Richard Petschek
und Dr. Fürth als deren Stellvertreter.
Die segensvolle Tätigkeit des Fürsorge-Komitees wird unter
der zielbewußten Leitung des Expr. Petschek, fortgesetzt und
auf seine Anregung in der Sitzung vom 3. Oktober folgender
Beschluß gefaßt:
Dem Komitee für allgemeine Fürsorge wird die Verwaltung
der hiefür gewidmeten Fonde übertragen; dieses hat im
eigenen Wirkungskreise unter Zustimmung des jeweiligen
Präsidenten den Fond zu verwenden; der Vereinigung selbst
wird das Recht gewahrt, im Bedürfnisfalle Spenden aus diesem
Fond anzuweisen; dem Komitee steht es frei, Kooptierungen
vorzunehmen; es ist verpflichtet, von Zeit zu Zeit über
seine Tätigkeit Bericht zu erstatten."
In der Sitzung vom 21. November wird bekannt gemacht,
daß die Installierung des Verbandes für Deutschösterreich am
25. November und am 26. November aus diesem Anlasse eine.
Festsitzung stattfindet.
In der Sitzung vom 5. Dezember wird die von Br. Dario-
Rappaport angeregte Gründung eines Künstler-Unterstützungs-
Fondes bekanntgegeben.
Im Laufe des Jahres wurden folgende Vorträge und Dis
kussionen durchgeführt:
Prof. Jerusalem: „Mein Bruder Josef und der Logen-
gedanke".
Wilh. Kempler: „Die Lage der jüdischen Kultusgemeinde"
mit anschließender Diskussion in mehreren gemeinsamen
Sitzungen.
Prof. Simon:,,Esperanto und die Juden“.
Dr. Robinsohn:,,Wie erhalten wir unsere Kinder dem
Judentum", mit anschließender lebhafter Diskussion.
S.
85
Dr. Krasny:,,Über das Palästinamandat", mit anschließen-
Dr. Hugo Knöpfmacher (,,Massadah"): Vom russischem
Judentum", Historisches und Aktuelles.
der Diskussion.
Dr. Sonderling (,,Hamburg"):,,Alte Ziele, neue Wege".
Dr. B. Wachstein: „Die antisemitischen Strömungen
unserer Tage", in 2 Sitzungen.
Dr. Felix Kohn:,,Wilhelm von Humboldt und die Juden".
Eingeführt wurden im Jahre 1922 folgende Brüder:
am 24. April;
Dr. Adolf Adler,
Max Brodheim,
Ignaz Blum,
Dr. Walther Eckstein,
Dr. Wilh. Herzka,
Karl Fröhlich,
Hinko Kaufmann,
Dr. Julius Kraus,
Ing. Georg Spielmann,
Dr. Ernst Moser,
I am 21. November:
ni Sib zo
Sigm. Eckstein,
Dr. Ed. Deutsch,
Dr. Hans Bermann,
Dr. Ferd. Arnstein,
Dr. Gustav Dienold,
Rudolf Fantl,
Dr. Felix Kardegg,
Paul und Wilhelm Halporn,
Oskar Katz,
Arthur Katz,
Richard Kronstein,
Dr. Josef Nebenzahl,
Dario Rappaport,
Oskar Pfeiffer,
Egon Bondy,
Erwin Winter,
Adalbert Forbath,
Josef Fischer,
Dr. Franz Oehler,
Dr. Theodor Ruhig,
Gabriel Grünwald,
Ignaz Maier,
A. Spritzer, hous
Wilh. Adler,
Vorgestellt: Dr. Lamberg.
Ausgetreten ist: Gustav Frankel.
Übergetreten in die Loge „Ehrmann" sind folgende Brüder:
Heinr. Anninger,
Robert Abeles,
Dr. Ed. Bloch,
Emil Bruder,
Ludwig Fischer,
Heinr. Freund,
Josef Harband,l/
Egon Kafka,
Richard Kafka,
Rudolf Kafka,
Oswald Löwy,
abodab
Otto Kapper,
Otto Lowy,
Rudolf Löwy,
Dr. Gusta Morgenstern,
Emil Müller,
Dr. Hermann Schneeweiss, Alb. Tandler,
Bernh. Taussig,
Viktor Taussig.
Gestorben sind die Brüder:
Carl Herm. Berger,
Adolf Fürst,
Dr. Josef Jerusalem,
Theodor Meyer,
Hermann Pisk.
Dr. Julius Richter,
Simon Wachtel,
Julius Wolf.
Emanuel Wozasek,
ston
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug demnach Ende 1922: 348-
S.
86
XXXI. Beamtenrat (1923).
(Präs.: Baurat Dr. Arnold Karplus).
In der Generalversammlung vom 2. Jänner 1923 wurden
vom Groß-Vize-Präs. Dr. Edmund Kohn als Delegaten des
Verbandes folgende Beamte installiert:
Präs. Dr. Arnold Karplus,
Vize-Präs. Dr. Julius Grünwald,
Prot. Sekr. Dr. Josef Alt,
Fin.-Sekr. Franz Türkel, ab Oktober Ludwig Abeles,
Schatzm. Heinrich Weiss,
Marschall Arthur Dubsky,
Wächter Prof. Otto Simon.
Als Sitzungstage werden der 1. und 3. Dienstag im Monat
unverändert belassen, ebenso bis auf Weiteres die Einführungs-
gebühren und Jahresbeiträge.
Zu Repräsentanten werden gewählt die Expr. Prof. Ehrmann,
Dr. Edmund Kohn, Dr. Alb. Kuh, Gottlieb Lederer und Dr.
Wilh. Knöpfmacher, zu Stellvertretern Richard Petschek
und Dr. Rudolf Fürth.
Zum Pflegerobmann wird der bisherige, Notar Dr. Julius
Bermann ernannt.
In der Sitzung vom 16. Jänner wird dem Br. Dr. Wach-
stein
zur Herausgabe seiner Bibliographie der Trauervorträge
eine Subvention von 200.000 K votiert.
In der Sitzung vom 6. Februar wird für den dahingeschie-
Dr. Max Nordau eine feierliche Trauerkundgebung ver-
denen
anstaltet.
In derselben Sitzung wird mitgeteilt, daß der Fürsorge-Fond
auf 70,430.000 K angewachsen sei.
Zugleich wurde in dieser Sitzung vom 6. Februar nach ein-
gehenden Referaten der Br. Petschek und Anton Stein und
nach lebhafter Diskussion folgender von Br. Petschek gestellte
Antrag beschlossen:
Unter der Bedingung, daß die Majorität der Vorstands-
mitglieder des Vereines für hilfsbedürftige Waisen der
israelitischen Kultusgemeinde in Wien" aus dem Kreise der
Brüder besetzt wird, übernimmt die Vereinigung Wien" die
Patronanz über diesen Verein und beauftragt das Komitee für
allgemeine Fürsorge je nach Bedarf den Betrag von K 60,000.000
aus seinem Fonde zur Auszahlung zu bringen.
In der Sitzung vom 20. Februar erstattet Br. Expr. Petschek
Bericht über die erfolgte Neuwahl des Vorstandes im Waisen-
vereine und über die in Durchführung begriffene Aktion. - Zum
Präsidenten sei er selbst, zum 1. Vize-Präsidenten Herr Hans
Gutmann, zum 2. Vize-Präsidenten Notar Dr. Bermann, zu
Schriftführern G. Fuchsgelb und Dr. Strach, zum Kassier
S.
Anton Stein gewählt worden. Dieser Bericht wird mit gro-
Bem Beifall zur Kenntnis genommen.
Kohn über die von ihm zusammen mit Expr. Dr. Ascher vor-
genommenen Schritte zur Gründung der Loge Hollandia" in
In der Sitzung vom 3. April berichtet Expr. Dr. Edmund
Amsterdam, wobei die Br. Rud. Hecht und Rappaport als
In der Sitzung vom 15. Mai werden auf Antrag des Beamten-
rates folgende Beschlüsse gefaßt:
87
Charter-Brüder fungierten.
Zu der vom Verbande für die Deutsche Großloge gewid-
meten Spende von K 10,000.000 werden von der Vereinigung
Wien" K 3,500.000 beigetragen.
Der Gesellschaft vom Roten Kreuz, Zweigstelle Leopold-
stadt, wird eine Spende von K 2,000.000 gewidmet.
Der Regiebeitrag für das 2. Halbjahr wird mit K 50.000
festgesetzt.
In der Sitzung vom 18. September wird eine Trauerkund-
gebung für die im Laufe des Sommers verstorbenen hervor-
ragenden amerikanischen Ordensbrüder Expr. Simon Wolf
(Washington) und Groß-Sekr. Seelenfreund veranstaltet.
In derselben Sitzung wird berichtet, daß anläßlich des am
20. Juni stattgehabten 70. Geburtstages des Expr. Dr. Wilh.
Knopfmacher am 19. Juni abends ein intimes, von allen
Expräsidenten besuchtes Brudermahl in unserem Bibliotheks-Saal
stattfand und es wurde aus gleichem Anlaß von einigen Brüdern
ein Fond begründet, der den Namen „Dr. Wilhelm Knöpf-
macher-Fond" führen sollte. Als dann im Laufe des Jahres
Expr. Prof. Dr. Wilh. Jerusalem mit Tod abging, wurde
diesem Fonde, welcher zur Förderung jüdisch-literarischer Be-
strebungen dienen sollte, auch der Name des Prof. Dr. Wilh.
Jerusalem zugefügt, so daß er jetzt diese beiden Namen trägt.
Am 18. Oktober 1923 starb der langjährige, überaus verdienst-
volle Br. Fin.-Sekr. Franz Türkel und es wurde für den Rest
des Jahres Br. Ludwig Abeles zum Finanz-Sekretär gewählt,
der dieses Amt auch in den folgenden Jahren bekleidet.
In der Sitzung vom 20. November wurde berichtet, daß eine
größere Zahl reichsdeutscher Kinder angekommen ist und in
Familien der Brüder untergebracht wurden.
In der Sitzung vom 18. Dezember wurde mitgeteilt, daß die
Bohemia" ihr 30 jähriges Stiftungsfest gefeiert hat.
Aus dem Künstler-Hilfsfonde wurden 4 Preise verteilt, wozu
die Vereinigung noch einen Zuschuß von K 2,000.000 votierte.
Im Laufe des Jal:res wurden folgende Vorträge und Referate
gehalten:
Prof. Simon:,,Über Josef Bloch's Erinnerungen aus meinem
Leben".
Dr. Pappenheim:,,Andere Gründe des Antisemitismus".
S.
Prof. Dr. Wilh. Jerusalem;,,Einige Gedanken über Moral
Dr. Wilh. Knöpfmacher: „Referat über die Großlogen-
Prof. Ober-Rabb. Dr. Chajes: „Die jüdische Welthilfe-
88
und Politik
Tagung
konferenz".
Dr. Robinsohn:,,Hatewa Verein zur Verbreitung natur-
wissenschaftlicher Kenntnisse unter den Juden".
Dr. Ed. Deutsch: (Fritz Kahn's Werk),,Die Juden als
Rasse- und Kulturvolk." (In 2 Sitzungen).
Dr. Jos. Bloch:,,Reise-Erinnerungen aus Amerika".
Ed. Jonas-Schachtitz: „Osterreichische Marannen des
XIX. Jahrhunderts".
Prof. Ehrmann:,,Mitteilungen aus dem Bunde"
Dr. Max Jerusalem:,,Christliche Philosemiten".
Eingeführt wurden im Jahre 1923 folgende Brüder; in der
Sitzung vom 20. Februar:
Dr. Julius Bunzl,
Dr. Alfons Adler,
Adolf Fürst,
Dr. Otto Freund,
Dr. Bernh. Hahn,
Jakob Holzer,
Siegfr. Graubart, almo
Dir. Jos. Hofmann,
Jedans Fritz Lang,
Erwin Kohn,
Julius Morawetz,
Gustav Pollak,
Abraham Metzger,
abasd
Dir. Ign. Neumann,
Siegfried Sekules,
Dr. Benno Schallinger,
Dr. Emil Strauss.
Erich Ernst Simon,
Stefan Weiner,
In der Sitzung vom 20. November:
Louis Rosen,
Dr. Julius Spieler,
Ernst Goldschmidt,
Otto Reimann,
Dr. Emil Eisler,
Richard Beer,
Dr. Deszö Koloman,
Eduard Ehrenwald,
Samuel Diamant,
Dr. Ignaz Hübsch,
Dr. Ferdinand Rosenthal,
Edgar Wiener,
Dr. Jacob Ornstein,
Ignaz Glück,
Dr. Leo Münzer,
Johann Lichtenstein.
Ausgetreten ist: Otto Kellner.barber
Gestorben sind die Brüder:
Ignaz Blum,
obwodm Friedrich Fischer,
Maximilian Glück,
slay Expr. Prof. Dr. Wilh. Jerusalem,
Siegfr. Karpeles,
Josef Kowanitz,
Friedrich Lewith,
Wilh. Löbl,
Julius Neumann,
Emanuel Raumann,
Josef Reimann,
Aron Taub,
Alois Schnitzer,
Franz Türkel,
Eduard Wiener.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug demnach Ende 1923: 367.
S.
89
i mandel atlas XXXII. Beamtenrat (1924).
(Präs.: Dr. Julius Grünwald bis 11. März,
Dr. Josef Alt ab 15. April).
-In der Generalversammlung vom 8. Jänner 1924 wurden vom
s. w. Großpräs. Prof. Ehrmann folgende Beamte installiert:
Präs. Dr. Julius Grünwald,
Vize-Präs. Dr. Josef Alt, ab 15. IV. Ludwig Herz,
Prot. Sekr. Dr. Sigmund Strach,
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzm, Julius Schwarz,
Marschall Dr. Max Jerusalem,
Wächter Bruno Färber.
In dieser Sitzung wird die Trauerkunde vom Hinscheiden
des Expr. Dr. Leopold Königstein bekannt gemacht.
Als Sitzungstage werden die bisherigen festgesetzt.
Als Jahresbeitrag wird im Rahmen von 150.000-1,000.000 K
nach Selbsteinschätzung der Brüder festgesetzt.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Prof. Ehrmann,
Dr. Edmund Kohn, Dr. Alb. Kuh, Gottlieb Lederer, Dr.
Knöpfmacher, zu Stellvertretern Richard Petschek und Dr.
Fürth gewählt.
Zum Pflegerobmann wird Notar Dr. Bermann ernannt.
und leistet die Angelobung.
Zu Beiräten im Beamtenrat werden folgende Brüder ernannt:
Heinrich Weiß,
Arthur Dubsky,
Dr. Lieben, al
Porges Philipp.
Hofr. Werner,
Siegfried Adler,
Dr. Hans Königstein,
Dr. Berthold Kardegg.
Am 12' Februar fand eine gemeinsame Sitzung der vier Wiener
Vereinigungen statt, um über die Erwerbung eines neuen Heims
für unsere Vereinigungen zu beraten.
Nach eingehendem Referate des Br. Baurat Dr. Karplus
und des Expr. Dr. Schnabel und nach lebhafter, hieran sich
knüpfender Diskussion wurde folgender Beschluß gefaßt:
mabl Die Wiener B'nai B'rith-Vereinigungen anerkennen
die Schaffung eines eigenen Heims für eine zwingende Not-
wendigkeit, sie begrüßen das Projekt Karplus als zweck-
entsprechend, sie ermächtigen das gemeinsame Komitee nach
Rücksprache mit den Bausachverständigen der Vereinigungen
das Haus IX., Währingerstraße 20 anzukaufen und das Eigen-
sib tum der vier Vereinigungen im Verhältnis zu den von den ein-
inzelnen Vereinigungen aufgebrachten Mitteln einverleiben zu
lassen. Die Vereinigungen haben das erforderliche Geld durch
Aufnahme von unverzinslichen Darlehen bei ihren Mitgliedern
zu beschaffen. Die Rückzahlung hat nach Ablauf von fünf
S.
90
Jahren zu beginnen und ist binnen weiteren zehn Jahren im
Wege der Verlosung oder Amortisierung zu beenden.
Betrag an seine Witwe oder seine Kinder sofort, an entfernte
Verwandte innerhalb Jahresfrist rückzuzahlen. Die Rück-
Im Falle des Todes eines Bruders ist der gezeichnete
hat im gegenwärtigen Wertverhältnis der Krone zum
zahlung
Dollar zu erfolgen.
Übertragungen unter Lebenden sind nur zwischen Logen-
Die Subskription ist sofort einzuleiten, die Einzahlung
brüdern zulässig.
hat möglichst bald zu erfolgen."
Trotzdem dieses Projekt nicht realisiert wurde, möge der
seinerzeit gefaßte Beschluß zum ewigen Gedächtnisse fest-
gehalten werden.
In der Sitzung vom 4. März wird mitgeteilt, daß am 16. März
in Haag eine neue Loge unseres Bundes, d. i. die Hillel-Loge"
und in Saaz eine neue Loge des X. Distriktes, die Veritas"
installiert werden.
Die Sitzung vom 18. März steht unter dem düsteren Ein-
drucke des am 11. März plötzlich erfolgten Ablebens des Präsi-
denten Dr. Julius Grünwald, für dessen Andenken eine
besondere Trauersitzung auf den 1. April anberaumt wurde, in
welcher Prof. Hajek die Trauerrede hält und Prof. Ehrmann
namens des Verbandes das Beileid ausspricht.
In der Sitzung vom 15. April wird an Stelle des verstorbenen
Präsidenten Br. Dr. Josef Alt zum Präsidenten und Br. Ludwig
Herz zum Vize-Präsidenten gewählt. Beide neugewählten
Beamten werden von Dr. Edmund Kohn als Delegaten des
Verbandes installiert.
In der Sitzung vom 4. Mai erfolgt eine solenne Trauerkund-
gebung für den dahingeschiedenen Expr. Dr. Isidor Samuely.
der w.,,Eintracht".
In der Sitzung vom 20. Mai erschienen zum letztenmal die
Brüder aus Bratislava, deren Uebertritt aus der Wien" in eine
eigene, demnächst zu begründende Loge Fides" bevorstand. -
Gegenseitige Versicherung bleibender Anhänglichkeit.
Am 3. Juni findet eine solenne Trauerversammlung für den
am 26. Mai dahingeschiedenen Expr. Dr. Albert Kuh statt, dem
Dr. Felix Kohn eine sehr gehaltvolle Gedenkrede hält, die im
Sitzungsprotokolle niedergelegt erscheint.
In derselben Sitzung wird auf Antrag des Beamtenrates
beschlossen: bus
1. Die Vereinigung spricht sich grundsätzlich für die
Schaffung einer Zentralstelle für alle einlangenden Unter-
stützungsgesuche aus, die Geschäftsordnung dieser Stelle und
die quotenmäßige Aufteilung der Beiträge der einzelnen Ver-
einigungen bleibt späterer Beschlußfassung vorbehalten.
S.
91
2. Die Vereinigung,Wien" spricht sich grundsätzlich für
den Ankauf von Grund und Boden in Palästina im Einver-
nehmen mit der Groß-Loge aus, sie ermächtigt den Präsi-
Betrag bis zur Höhe von K 20,000.000 der Groß-Loge zur
denten, einen der Bedeutung der Vereinigung entsprechenden
Verfügung zu stellen.
In der Sitzung vom 16. September lädt der Präsident die
Brüder ein, sich zahlreich an den für den 1. November in Aus-
sicht genommenen Gründungsfeierlichkeiten der Loge Fides" in
Bratislava zu beteiligen und teilt ferner mit, daß die Vereinigung
Wien" der neu zu begründenden Loge zwei Armleuchter für den
Präsidententisch im Werte von 2000 Kč zum Geschenk gemacht
die Installierung fand tatsächlich am 16. November statt.
habers teilt der Präsident mit, daß der Beamtenrat für den
Abhaltung einer Vereinssitzung in Graz
woran sich soviel Brüder als möglich
Dozent Dr. Hans Königstein wird daselbst
Dem Schriftsteller Dr. Hebroni wird zur Ermöglichung der
Herausgabe eines wissenschaftlichen Werkes durch sechs Monate
eine Unterstützung von je 500.000 K gewährt.
7. Dezember die
habe,
mögen;
beschlossen
beteiligen
einen Vortrag halten.
Dem
Für die Opfer des Bergwerksunglückes in Hart wird eine
Spende von K 1,000.000 bewilligt und der Mittelstandsfürsorge
zur Unterbringung von 60 Kindern in Neuwaldegg K 2,000,000.
In der Sitzung vom 6. Oktober erfolgt eine Trauerkund-
gebung für den hochverdienten Juden Dr. Julius Ofner.
Der Mensa academica wird zur Eröffnung eine Subvention
von K 4,000.000 bewilligt und die Br. Prof. Hajek und Dr. Emil
Eisler in den Vorstand delegiert.
Am 7. Dezember erfolgte die Installierung der Loge „Ostravia"
in Mährisch-Ostrau, was in der Sitzung vom 18. November
berichtet wird.
In der Sitzung vom 2. Dezember wird bekannt gemacht, daß die
Jury der Künstlerstiftung K 4,000.000 zur Verteilung gebracht hat.
Der von der Vereinigung „Wahrheit für den Verbandstag
auf Verlegung des Geschäftsjahres auf das
vorbereitete
jüdische Kalenderjahr wird in der Vereinigung „Wien" am 2. De-
zember abgelehnt.
In der Sitzung vom 16. Dezember hatte die Vereinigung die
Freude, den Ex-Groß-Präsidenten des VIII. Distriktes, Dr. Time n-
dorfer als Gast zu begrüßen.
Laufe des Jahres wurden folgende Vorträge und Referate
Im
gehalten:
Dr. Hans Berger, „Die Juden in der Karrikatur."
19. Februar, Prof. Dr. Ehrmann, Böhmische Dorfjuden."
1. März, Jonas-Schachtitz, „Die Juden in der mittel-
alterlichen österreichischen Vergangenheit."
Dr. Edmund Kohn, Bericht über den am 24. März statt-
gefundenen Verbandstag.
S.
92
15. April, Dr. Thieberger, "Erziehung in unserem Knaben-
cher,
Ueber den Logengedanken nach der
waisenhause
4. Mai, Dr. Nebenzahl, Referat über wissenswerte Vor-
gänge in der Judenheit.
Dr. Wilhelm Herzka,,,Steuerschöffen."
20, Mai, Dr. Feuchtwang,,,Über Religion im Allgemeinen
und über das gleichnamige Buch von Popper-Lynkeus,"
16. September, Prof. Simon,,,Unser Interesse an der
6. Oktober, Prof. Ehrmann,,,Eindrücke aus der jüdischen
Schulreform."
Welthilfe-Konferenz in Karlsbad."
oktober. Dr. Walther Eckstein, Wilhelm Jerusalem."
21.
Dr.
4. November, Prof. Urbach, „Der tschechische Dichter
Machar und die Juden."
18. November und 6. Dezember, Dr. Wachstein, „Spinoza."
16. Dezember, Dr. Hugo Knöpfmacher „Massadah",
Tschernichowsky und seine Werke."
Eingeführt wurden im Jahre 1924 folgende Brüden, u. zw.
am 15. April;
Manfred Adler,, Graz,
Isidor Deutsch, Graz,
Arthur Bader,
Dr. Leopold Gerstmann,
Heinrich Riegler,
Dr. Eugen Pollak, Graz,
Dr. Robert Sonnenwald,
Richard Schick, Graz,
Armin Spitz, Graz,
Siegfried Kubie,
Leo Fürst,
Dr. Paul Raumann,
Dr. Leopold Stein,
or
Ernst Löbl,
Dr. Hugo Redlich,
Stulz,
anital Heinrich Tauss,
Adolf
und am 21. Oktober:
Dr. Ernst Felber,
Philipp Bettelheim,
Moriz Fischer,lod briw 1 Gustav Gelb,
000 Dr. Leopold Landau,
Arthur Herzl,
Dr. Rudolf Scharmann,
Paul Wolf.
Dr. Heinrich Redisch,
Hugo Soudek,
Ausgetreten ohne Abgangskarte ist: Dr. Ignaz Abeles,
ferner infolge Übertrittes zur Loge „Fides" in Bratislava die
Dr. Ludwig Baracs, Egon Bondy,
Dr. Koloman Dezső,
Samuel Diamant,
Eduard Ehrenwald, broylot
Dr. Ernst Fischer,
Josef Fischer jun.,
Josef Fischer sen.,
Adalbert Forbath,
ni as Markus Frankl,
Julius Fuchs,
Albert Gstettner.
Alexander Neurath,
Oskar Pfeffer,
na
Dr. Ignaz Hübsch,
Dr. Franz Oehler,
Emil Popper,
Dr. Theodor Ruhig.
Vingoweb
uboda
Dionys Trebitsch,
S.
93
Durch den Tod verlor die Vereinigung im Jahre 1924
Arthur Katz, notsobnogado Prof. Dr. Leopold Königstein,
Siegmund Meyer, Gustav Schnitzer,
folgende 19 Brüder:
Dr. Julius Monath,d
Siegmund Piesen,
Dr. Julius Grünwald,
Ignaz Scharmann,
Theodor Schnabel,
Expr. Dr. Albert Kuh,
Wertheimer,y
Paul Lemberger, An
Josef Zucker, mov nodise
S. Hummel,
Zdenko
Moritz Wertheimer,
Wilhelm Markstein,
Alexander Zirner.
Simon Karpeles,
Bernhard Werber, T
Die verbleibende Gesamtzahl der Brüder betrug demnach
Ende 1924: 355.xM
-Istant 19boaib ride h
XXXIII. Beamtenrat (1925).
(Präs.: Dr. Josef Alt).
b
In der Generalversammlung vom 6. Jänner 1925 wurden
vom s. w. Großpräsidenten Prof. Ehrmann folgende Beamte
installiert:
Präs. Dr. Josef Alt,
Vize-Präs. Anton Stein,
ds
Prot. Sekr. Dr. Felix Kohn,
silde
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzm. Julius Schwarz,
fim
Marschall Dozent Dr. Hans Königstein,
-10V
almeng Wächter Bruno Färber.
Als Sitzungstage werden der 1. und 3. Dienstag im Monat
beibehalten.
Der Jahresbeitrag wird mit K 500.000 bis 1,000.000 mit Be-
rücksichtigung der Vermögensverhältnisse der Brüder beschlossen.
Zu Repräsentanten werden folgende Expräsidenten gewählt:
Prof. Dr. Ehrmann, Dr. Edmund Kohn, Dr. Knöpfmacher,
Gottlieb Lederer, und Richard Petschek, zu Stellvertretern:
Dr. Fürth und Rudolf Kohn.
Zu Beiräten des Beamtenrates werden ernannt:
Siegfried Adler,
Dr. Jakob Deutsch,
Markus Fischer,
Dr. Max Jerusalem,
Ludwig Herz,
Dr. Berthold Kardegg,
Dr. Siegmund Strach,
Hofrat Dr. Werner.
Zum Pflegerobmann wird wie bisher Notar Dr. Julius Ber-
mann ernannt.
In der Sitzung vom 3. Februar wird ein Beschluß des
gemeinsamen Komitees mitgeteilt, daß jede Wiener Vereinigung
S.
94
Delegierte zum Zwecke des Besuches der Sitzungen der
Schwestervereinigungen bestellen möge.
B'rith Mitteilungen für Oesterreich" bestellt, ferner wurde von
In derselben Sitzuug wurden Korrespondenten für die B'nai
der Feier des 30jährigen Jubiläums der Reichenberger Loge
,Philanthropia" berichtet.
In der Sitzung vom 17. Februar wird die Feier des 75. Ge-
burtstages des Ex-Bundes-Präsidenten Adolf Kraus hervor-
gehoben und ein Charakterbild desselben vom w. Präsidenten
gezeichnet.
In der Sitzung vom 17. Februar wird von Prof. Dr. Braun
Wien-Meran angeregt; in dieses Komitee wurden in der folgenden
die Bildung eines Zentralkomitees für Tuberkulosen-Fürsorge
Sitzung vom 3. März die Brüder Dr. Max Jerusalem, Ing.
Soudek und Tauss entsendet.
In der Sitzung vom 7. April wird über die Feier der Instal-
lation der Loge,Humanitas" in Prag berichtet.
In der Sitzung vom 21. April wird für den bevorstehenden
Zionisten-Kongreß (August) ein Komitee eingesetzt, welches die
aus diesem Anlasse nach Wien kommenden Brüder begrüßen
und beraten sollte.
Für die Institution in Seebenstein wird auf Antrag Dr.
Knöpfmacher ein Betrag von K 1000 gewidmet und ein
Br. Jakob Pollak spendet zu gleichem Zwecke K 500.
Am 9. Mai wird eine Sitzung der Wien" in Graz abge-
halten, bei welcher 58 Mitglieder anwesend sind; daran schließt
sich eine offene Versammlung unter Zuziehung der Damen, mit
einem Gesangsvortrage der Frau Hofr. Bunzl und einem Vor-
trage des Dr. Hans Königstein: „Die jüdische Physiognomie."
Am 26. August wurde zu Ehren der zum Zionisten-Kongreẞ
nach Wien gekommenen B. B. Brüder ein Begrüßungsabend ab-
gehalten.
Am 13. Oktober findet eine Festsitzung als Gedenktag der
Bundes-Gründung statt, bei welcher Präsident Dr. Alt die Fest-
rede hält und auch der Groß-Präsident Dr. Ehrmann und
einzelne Vertreter anderer Logen das Wort ergreifen.
In der Sitzung vom 20. Oktober wird ein aus acht Mit-
gliedern bestehendes Komitee ernannt, welches für Meran und
den Verein zur Verpflegung Brustleidender Mitglieder werben solle.
In der Sitzung vom 3. November wird die Gründung einer
Jugend-Wandergruppe von Prof. Simon angeregt.
In der Sitzung vom 17. November wird auf Antrag des
Prof. Hajek für einen vor Vollendung seiner Studien stehenden
Mediziner sofort eine Sammlung eingeleitet, welche 940 S ergibt.
In der Sitzung vom 1. Dezember wird die Gründung eines
Kunst-Komitees beschlossen, welchem die Beratung und Behand
lung aller auf Kunst und Künstler bezüglichen Fragen zugewiesen
wird. In das erste Komitee werden berufen die Br. Baurat Dr.
S.
95
Karplus, Glückselig, Dr. Felix Kohn, Stefan Quittner
und Rapaport.
In der Sitzung vom 1. Dezember wird der Beschluß des
Beamtenrates verlautbart, wonach für die am 13. Oktober ein-
geführten Brüder und sohin für alle in der Folgezeit neuein-
tretenden sog. einführende Brüder bestellt werden, welchen die
Aufgabe zufällt, die jungen Brüder mit den Mitgliedern der Ver-
einigung bekannt zu machen, ihren Logenbesuch zu kontrollieren
und ihre Neigungen zu erforschen, damit sie entsprechend zur
Mitarbeit herangezogen werden können.
Im Laufe des Jahres wurden folgende Vorträge und Referate
gehalten:
20. Jänner, Jonas-Schachtitz, „Die Juden Österreichs
im Zeitalter der Ferdinande."
3. Februar, Dr. Jakob Ornstein, „Zieglers sittliche Grund-
lagen des Judentums."
17. Februar, Dr. Siegm. Fuchs, „Die Geschichte der Liturgie."
3. März, Fuchs gelb, „Geschichte und Entwicklung des
Logentums."
17. März, Jonas-Schachtitz, „Die Juden Österreichs
unter Leopold I. bis zu ihrer letzten Vertreibung."
7. April, Dr. K'n öpfmacher, Bericht über die Großlogen-
Tagung.
Dr. Nebenzahl, "Aktuelles aus der Judenheit."
21. April, Dr. Redisch,,,Sachgemäße und falsche Apologetik."
5. Mai, Dr. Leopold Stein, „Vom Werden der Sprache.
9. Mai, Dr. Hans Königstein, "Die jüdische Physiog-
nomie. (In der Sitzung in Graz.)
19. Mai, Dr. Rudolf Schramm, Das Problem dest
deutschen Juden."
2. Juli, Diskussionen hierüber.
15. September, Dr. Em. Krasny,,,Der 14. Zionisten-Kongreẞ."
29. September, Jonas-Schachtitz, „Die Juden ster-
reichs im Zeitalter der Hoffaktoren."
stak
13. Oktober, Präs. Dr. Alt, Festrede anläßlich des Ordenstages.
20. Oktober, Dr. Bunzl, „Die soziale Umschichtung der
Juden."
3. November, Dr. Redisch, „Gedankengänge des Juden-
tums in den einzelnen Epochen seiner Geschichte."
17. November, Dr. Rud. Brichta, Wandlungen der Handels-
moral im Kriege und nach dem Kriege."
1. Dezember, Dr. Viktor Kellner, Vom lebendigen
Hebräisch."
15. Dezember, Dr. Walther Eckstein, „Vom Wesen der
Philosophie."
in
S.
96
Eingeführt wurden im Jahre 1925 folgende Brüder:
Albin Engelsmann,
Alois Donnebaum,
Ing. Max Fischer,
Dr. Paul Eichenwald,
Ernst Herlinger,"
Bernhard Goldberg,
Dr. Friedrich Kornfeld,
Dr. Viktor Kellner,
Dr. Viktor Lichtenstein,
Geza Krausz,
Dr. Paul Neurath,
Dr. Max Meissner,
Otto Taussig.
David Stern,
Alfred Wiener,
Dr. Rudolf Hecht ist in die Hollandia" übergetreten,
Dr. Anton Stein trat infolge Ubersiedlung nach Palästina aus.
Durch Tod verlor die Vereinigung Wien" im Jahre 1925
folgende Brüder:
Bernhard Glaser,
Dr. Leo Landau,
Eduard Schwarz,
Markus Fischer,
Wilh. Dannhauser,
Moriz Silberknopf,
Philipp Porges,
Emil Lederer,
Karl Hitschmann.
Camillo Hitschmann,
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug demnach Ende 1925: 358.
XXXIV. Beamtenrat (1926).
(Präs. Dr. Felix Kohn.)
-ngo
In der Generalversammlung vom 5. Jänner 1926 wurden
vom s. w. Vize-Großpräsidenten Dr. Edmund Kohn als Dele-
gaten folgende Beamte installiert:
blogos.l
Präs. Dr. Felix Kohn, no ens
Vize-Präs. Dr. Siegmund Strach,
Prot. Sekr. Dr. Hans Königstein,
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,bul, nod
Schatzm. Rafael Halporn, noizzux
Marschall Bruno Färber,
Wächter Heinrich Bottwin.
10.19
Als Sitzungstage werden der 1. und 3. Dienstag im Monate
festgesetzt.
Der Jahresbeitrag wird mit 100 S bemessen.
Zu Beiräten des Beamtenrates werden ernannt die Brüder:
Dr. Löwner,
Anton Stein,
Jul. Schwarz,
Hofr. Fuchs,
Guttenberg,
Kadisch,
bu
Ludwig Herz,
Dr. E. Deutsch,
Dr. B. Kardegg.
Dr. H. Bermann,
Als Repräsentanten werden gewählt die Expräsidenten:
Hofr. Prof. Ehrmann, Dr. Edm. Kohn, Gottlieb Lederer.
Dr. Knöpfmacher, und Richard Pet's chek, als Ersatz-
männer: Dr. Fürth und Rudolf Kohn.
S.
97
Beamtenrates Vize-Präs., Prot. Sekr. und Marschall zu Bericht-
19b In der Sitzung vom 19. Jänner werden die Mitglieder des
mit der Aufgabe ernannt, allmonatlich der Redaktion dieser
erstattern für die von Dr. Ascher redigierten „Mitteilungen"
Mitteilungen" über die Logenvorgänge zu berichten.
In der Sitzung vom 2. März wird mitgeteilt, daß Expr. Prof.
Dr. Josef Pollak die Vereinigung Wien" zu seiner Universal-
erbin eingesetzt hat.
In der Sitzung vom 22. März werden nachstehende Vor-
schläge zur Ubermittlung an den s. w. Verband vom Beamten-
satia Der s. w. Verband werde ersucht,
rate vorgelegt:
1. Die in Beratung stehende Abänderung der Statuten und
Geschäftsordnung der einzelnen Vereinigungen unseres
Distriktes mit tunlichster Beschleunigung durchzuführen.
Die durch den Krieg unterbrochene Herausgabe der Volks-
schriften über die jüdische Religion wieder aufzunehmen.
3. Eine Propagandaschrift für Aufnahme suchende Kandi-
daten zu verfassen und drucken zu lassen..
19b
4. Ein Preisausschreiben für ein zeitgemäßes jüdisches Thema
zu veranstalten.
5. In Erwägung zu ziehen, ob und wie unsere Schwestern
zu Logenarbeiten herangezogen werden sollen.
Den Vereinigungen des Distriktes zu empfehlen, bei allen
freudigen und traurigen Anlässen auf eine Stärkung des
Witwen- und Waisen-Dispositionsfondes bed acht zu sein,
derart, daß beim Ableben eines Bruders seinen Angehörigen
ein entsprechender Geldbetrag aus diesem Fonde zuge-
6.
ondewiesen werden könnte.
7. Im Einvernehmen mit den anderen Großlogen Ferial-
zusammenkünfte der Brüder in österreichischen, tschecho-
slovakischen und deutschen Kurorten im Wege der Ver-
bandszeitschrift zu ermöglichen.
ains 8. Das Exekutivkomitee zu ersuchen, der Ordens-Zeitschrift
,B. B. Magazin" eine deutsche Beilage anzuschließen."
Am 8. Mai fand im Festsaale des Industriehauses eine Fest-
sitzung anläßlich des 70. Geburtstages des Prof. Dr. Sigmund
Freud statt, an welcher die Brüder und ihre Angehörigen sich
beteiligten. Festreden hielten aus diesem Anlasse der s. w.
Großpräsident und die Br. Dr. Hitschmann und Prof.
Dr. Ludwig
Braun.
In der Sitzung vom 17. Mai wird berichtet, daß am 16. Mai
das Bild unseres Br. Expr. Petschek im Knaben-Waisenhause
in der Probusgasse angebracht worden sei; ferner daß der ver-
storbene Expr. Max Fleischner einen Teil seiner Bücherei
unserer Bibliothek vermacht habe. - Der verstorbene Br. Friedrich
Oberländer widmete unserer Vereinigung ein Legat von
20.000 čK.88 ra
7
S.
98
In der Sitzung vom 21. September wird berichtet, daß der
Beamtenrat anläßlich der hohen jüdischen Feiertage eine „Pro
memoria"-Sammlung zur Stärkung des Witwen- und Waisen-
Dispositionsfondes eingeleitet habe. Ergebnis ca. S 5000.
Am 3. Oktober hat unter Führung des Br. Dr. Wachstein
des Friedhofes in der Seegasse stattgefunden.
eine Besichtigung
Am 9. Oktober findet eine Sitzung der Wien" in Graz
statt, in welcher Br. S. Rendi über die in Vorbereitung
befind-
liche Bildung der Grazer Vereinigung eingehenden Bericht erstattet.
Am 2. November findet im Saale des Industriehauses die
Trauersitzung nach dem am 14. Oktober dahingeschiedenen Groß-
präsidenten Prof. Dr. Salomon Ehrmann unter dem Vorsitze
des Vize-Großpräsidenten Dr. Edmund Kohr
statt, in welcher
nach einem ergreifenden Gesangsvortrage des Br. Heim der
Braun die Gedenkrede hält.
Br. Prof. Dr. Ludwig
In der Sitzung vom 30. November richtet Br. Dr. Eichen-
wald die Aufmerksamkeit der r Vereinigung auf die judenfeindlichen
Plakate in den Universitätsräumen, worauf der Beamtenrat die
Angelegenheit in Beratung zieht und in der Sitzung vom 21. De-
zember mitteilt, daß die erforderlichen Maßnahmen durch Mit-
wirkung der Union" getroffen worden seien und eventuell die
Mithilfe der dem Universitätslehrkörper angehörigen Brüder in
Anspruch genommen werden soll.
Im Laufe des Jahres 1926 wurden folgende Vorträge und
Referate gehalten:
19. Jänner, Dr. Viktor Kellner, Jüdische Erziehung."
2. Februar, Dr. Hugo Redlich, Jüdische Ärzte im
Mittelalter."
17. Februar, Dr. Ismar Freund (Berlin), „Zur Geschichte
und Psychologie des Judenhasses."
März, Jonas-Schachtitz,,Hoffaktoren in Deutschland."
2.
22. März, Dr. Robinsohn, „Der Jude als Beobachter
und Deuter."
euter.
nun
6. April, Dr. Redisch, „Die Gedanken des Judentums
in den einzelnen Epochen seiner Geschichte."
20. April, Dr. Pappenheim, Wesen und Technik dest
Salomonischen Urteils."
Mai
1. Mai, Dr. Knöpfmacher,,Bericht über den Verbandstag."
Dr. chmann, S. Freud und seine Lehre."
Mai,
8.
Dr
Oeud als Persönlichkeit."
8. Mai, Prof.
'un
Mai,
Einleitung einer Diskussion
17. Mai, Dr. Edm.
über interne Vereinsangelegenheiten.
1. Juni, Dr. M. Jerusalem, „Paneuropa."
7. September, Jonas-Schachtitz, Jüdische Ver-
gangenheit im Burgenland.
21. September, Dr. Fuchs, „Zur Geschichte der synago-
galen Poesie."
5. Oktober, Dr. Viktor Kellner, Jüdisches Wesen."
9. Oktober, Dr. Bader (Graz), Heine und Börne."
S.
99
19. Oktober, Dr. H. Redisch, Fortsetzung der Gedanken-
16. November, Dr. Robinsohn, Diskussions-Einleitung
gänge.
über Jüdisches Wesen."
30. November, Dr. Walther Eckstein, „Zur Erinnerung
an Wilhelm Jerusalem."
4. Dezember, Dr. Eichenwald, „Über das Problem
oder Unsterblichkeit in Glaube und Wissenschaft." (In
einer gemeinsamen Sitzung.)
7. Dezember, Dr. Erich Saxi („Massadah“), „Recht und
Gerechtigkeit auf Grund des Buches von Br. Walther
Eckstein „Das antike Naturrecht"."
21. Dezember, Diskussions-Fortsetzung über Jüdisches
Wesen."
-find
Eingeführt wurden im Jahre 1926 folgende Brüder:
Dr. Hans Bauer,
Am 2. März:
Dr. Heinrich Haase,
Dr. Friedrich Klinger,
Dr. Alfred Kestenbaum,
Dr. Arthur Kolban,
Dr. Jacob Schmelz.
Karl Kohn,
Dr. Hugo Löwy,
Bernhard Wolkenberg,
Am 30. November:
Dr. Adolf Feldschuh,
Ignaz Lascher.
Theodor Ehrenstein,
Oskar Littmann,
Dr. Hermann Thaler,
Durch den Tod verlor die Loge folgende Brüder:
Gottlieb Kantor,
Dr. Max Diamant,
Josef Porges,
David Rotter,
Expr. Max Fleischner,
Mor. Herm. Reich,
Dr. Emil Weißkopf,
Emil Dub,
Heinrich Kohn,
Dr. Max Neumann,
Eduard Doktor,
Theodor Leitner,
Friedr. Oberländer,
Emil Askonas,
Großpr. Prof. Dr. S. Ehrmann, Prof. Dr. Fritz Hitschmann.
euil Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug sohin Ende 1926: 356.
bnu b
asb mob XXXV. Beamtenrat (1927).
(Präs. Dr. Felix Kohn.)
In der Generalversammlung vom 4. Jänner 1927 wurden
vom Vize-Großpräsidenten Dr. Moriz Schnabel folgende
Beamte installiert:
Präs. Dr. Felix Kohn,
Vize-Präs. Dr. Hans Königstein,
Prot. Sekr. Dr. Sigmund Fuchs,
od
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzm. Adolf Wiener,
Marschall Georg Spielmann,
Wächter Johann Lichtenstein.
7"
S.
100
Die Sitzungstage bleiben unverändert; als Jahresbeitrag wird
Zu Repräsentanten werden folgende Expräsidenten gewählt:
Dr. Edmund Kohn, Gottlieb Lederer, Dr.W. Knöpfmacher,
S 100 festgesetzt.
Richard Petschek, Dr. Rudolf Fürth, zu Ersatzmännern:
Rudolf Kohn und Prof. Dr. Markusz Hajek.
Zu Beiräten des Beamtenrates werden ernannt:
Moriz Fleischner, Wilh. Herzka,
Richard Back,
Josef Löwner, Jacob Ornstein,
Sigmund Strach,
Hugo Kadisch,
Anton Stein,
Julius Schwarz,
Ludwig Werner.
Zum Pflegerobmann wird Notar Dr. Julius Bermann
der Sitzung vom 18. Jänner wird dem verewigten Schrift-
steller Achad Ha am ein ehrenvoller Nachruf vom Präsidenten
gehalten.
bestellt.
In der Sitzung vom 1. Februar wird mitgeteilt, daß zu Ehren
unseres verewigten Br. Prof. Wilh. Jerusalem eine Straße im
XIX. Bezirk seinen Namen erhalten habe; ferner wird mitgeteilt,
daß die w. „Ostravia" in Mährisch-Ostrau ein neues Logenheim
eröffnet habe, bei welcher Feier unsere Vereinigung durch Expr.
Dr. Karplus und Br. Krasny vertreten war.
w
Bei der Begräbnisfeier nach dem I. Expräsidenten der „Ehr-
mann"-Loge, Bernh. T Taussig, ließ sich die Vereinigung durch
mehrere Brüder vertreten.
In der Sitzung vom 1. März wird von der Prämiierung
mehrerer jüdischer Künstler durch das Kunstkomitee Mitteilung
gemacht (Gesamtbetrag S 900).
In der Sitzung vom 5. April wird mitgeteilt, daß an dem am
19. März abgehaltenen Verbandstage Dr. Edmund Kohn zum
Großpräsidenten, Dr. Moriz Schnabel (,,Eintracht“) und
Dr. Wilhelm Knöpfmacher zu Vize-Großpräsidenten, Dir.
Hecht (Eintracht) zum Groß-Sekretär, Ernst Simon (Ein-
tracht) zum Groß-Schatzmeister und die Br. Expr. Karl Klem-
perer (, Wahrheit"), Richard Petschek (Wien), Prof. Julius
Zappert (Eintracht"), Hans Karg (,,Massadah") und
Dr. Hermann Schneeweiß (Ehrmanzu Mitgliedern des
Generalkomitees gewählt worden sind.
In der Sitzung vom 19. April wird der Beschlus des geistigen
Komitees zur Kenntnis gebracht, in diesem Komitee aktuelle
Fragen des Judentums zu behandeln und allen Brüdern den Zu-
zu ihren Sitzungen zu gestatten.
tritt zu
In der Sitzung vom 3. Mai wird mitgeteilt, daß unser Groß-
präsident Dr. Edmund Kohn mit dem Offizierskreuz des Ordens
Polonia restituta" dekoriert worden sei und Expr. Dr. Ascher
der w.,,Eintracht" mit dem Ritterkreuz desselben Ordens, wegen
ihrer großen Verdienste um die Baron Hirsch-Stiftung.
Die Vereinigung beteiligt sich an der Sammlung zur Errich-
tung eines Dr. Julius Ofner-Denkmals.
S.
101
In der Sitzung vom 4. Oktober wird der Beschluß des Be-
amtenrates verkündet, daß in geschäftlichen Ankündigungen
(Zirkularen) jede Bezugnahme auf die Zugehörigkeit zu den B. B.
zu unterbleiben habe.
In den Sitzungen vom 1. und 15. November wird berichtet,
daß der Beamtenrat über Anregung des Repräsentations-Komitees
eine energische Aktion gegen jene Brüder in Aussicht nehme,
welche seit längerer Zeit ohne jede Entschuldigung von unseren
Sitzungen fernbleiben und auch sonst keinerlei Interesse für
unsere Tätigkeit bekunden; ferner sollen alle durch Alter am
Sitzungsbesuche verhinderten Brüder von Zeit zu Zeit auf-
gesucht werden.
Am 8. Dezember nahm die Vertretung der Wien" an dem
feierlichen Akte der Grabsteinenthüllung nach dem Groß-Präsi-
denten Prof. Dr. S. Ehrmann teil.
Am 3. Dezember nahm sie teil an der Einweihung des
neuen Logenheims der w. „Ehrmann" in Linz durch Expr.
Petschek und Dr. Schell.
In der Sitzung vom 20. Dezember erfolgte eine tiefergreifende
Trauerkundgebung für den plötzlich dahingeschiedenen Ober-
rabbiner Br. Dr. Perez Zwi Chajes.
Im Laufe des Jahres 1927 wurden folgende Vorträge und
Referate gehalten:
18. Jänner, Adolf Böhm, „Der gegenwärtige Stand des
palästinensischen Aufbauwerkes.
1. Februar, Dr. Viktor Kellner, „Achad Haam."
15. Februar, Walther Eckstein, Spinoza."
Dr. Friedr. Kornfeld, Referat über die Tätigkeit
anderer Distrikte.
biw
1. März, Dr. Heinrich Haase, Judentum und Christentum."
15. März, Dr. Max Jerusalem,,,Ein Blick ins heilige Land."
5. April, Dr. W. Knöpfmacher, Referat über den Ver-
bandstag.
19. April, Prof. Otto Simon, Moses Hess."
Ludwig Werner, Referat über aktuelle Palästinafragen.
3. Mai, Prof. Urbach, „Masaryk und Juden."
17. Mai, Dr. Nebenzahl, „Aktuelles aus der Judenheit."
20. September, Emil Krasny, „Der XV. Zionistenkongreß."
ba
4. Oktober, Dr. Viktor Kellner, Religiöses Welterleben."
10
20. Oktober, Dr. Max Eisler, "Rembrandts Judenbilder."
1. November, Prof. Braun, "Vom Herzen zur Seele."
15. November, Felix Weltsch,,,Eitelkeit."
WIEN
6. Dezember, Dr. Oswald Schwarz, „Die männliche
Persönlichkeit."
BLIOTHE
20. Dezember, Präs. Dr. Felix Kohn, Gedenkrede auf Ober-
rabbiner Perez Zwi Chajes.
S.
102
Eingeführt wurden im Jahre 1927 folgende Brüder:
Louis Adler (Graz),
Fritz Blaskopf (Graz),
Dr. Karl Eisinger,
Otto David,
Martin Fleischmann (Graz), Max Jaritsch,
Felix Klaber,
Dr. Alfred Kent,
Heinrich Neumann (Graz),
Albert Leicht,
Bernh. Schwarz (Graz),
Dr. Josef Schell,
Salomon Schwarz (Graz),
Adolf Wasservogel,
Straßmann (Graz), Othmar Weiß (Graz),
Eduard Trautmann (Graz).
Dr. Siegm.
Ausgetreten sind: Ludwig Herz ohne Abgangskarte und
Richard Bass.
Durch den Tod wurden der Vereinigung Wien" folgende
Brüder entrissen: Dr. Hans Bauer, Edmund Immergut,
Ferdinand Goldstein, Max Quittner, Julius Maahs."
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug daher Ende 1927: 366,
XXXVI. Beamtenrat (1928).
Präs. Prof. Dr. Hans Königstein.)
In der Generalversammlung vom 10. Jänner 1928 wurden
vom Groß-Vizepräsidenten Dr. Wilhelm Knöpfmacher als
Delegaten des s. w. Verbandes folgende Beamte installiert:
Präs. Prof. Dr. Hans Königstein,
Vize-Präs. Hofrat Dr. Sigmund Fuchs,
Prot. Sekr. Ing. Georg Spielmann,
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzm. Johann Lichtenstein,
Marschall Dr. Paul Eichenwald,
Wächter Ing. Max Fischer.
Die Sitzungstage bleiben unverändert, der Jahresbeitrag wird
mit 100 S festgesetzt.
Zu Repräsentanten werden die Expr. Dr. Edm. Kohn, Gott-
lieb Lederer, Dr. Wilh. Knöpfmacher, Richard Pet-
schek und Dr. Rudolf Fürth, zu Ersatzmännern Rudolf Kohn
Prof.
Hajek gewählt.
und
Zu Beiräten des Beamtenrates werden ernannt die Brüder:
Dr. Hans Bermann, Dr. Jacob Deutsch, Dr. Max Jeru-
salem, Dr. Josef L'owner, Dr. Moriz Maritschek, Dr.
Jos. Nebenzahl, Julius Schwarz, Anton Stein und
Ludwig Werner
Pfleger-Obmann wird Br. Notar Dr.
Julius Zum
Dr.
ernannt und leistet die Angelobung.
Sohin
die Ernennung, bezw. Wahl der Komitees.
In den Sitzungen vom 7. und 21. Februar wird auf eine zu
Gunsten des Vereines für Brustleidende veranstaltete Kino-
vorstellung aufmerksam gemacht und zu deren Besuch aufgefordert.
Das Kunst-Komitee hat Preise im Gesamtbetrage von 630 S
zur Verteilung gebracht.
S.
103
Der Verein zur Unterstützung mittelloser israel. Studierender
ist unter der Leitung des Notar Dr. Julius Bermann wieder
reaktiviert worden und hielt am 27. Februar seine General-
versammlung in unserem Heime ab.
Am 5. April fand in unseren Räumen ein von der w.
Massadah" veranstalteter Seder-Abend unter der Leitung des
Vize-Großpräsidenten Dr. Wilhelm Knöpfmacher statt.
Im Laufe der Jahre 1927 und 1928 wurden mehrfache Pro-
gebracht und eingehend behandelt; die Verwirklichung derselben
Scheiterte stets an dem Mangel der verfügbaren Mittel.
jekte
Am 6. Mai fand die Feier der Installierung unserer Tochter-
vereinigung "Graz" in Graz unter zahlreicher Beteiligung der
Brüder statt. Expr. Dr. Felix Kohn wurde zum Repräsentanten
dieser Vereinigung gewählt.
Am 14. Mai fand ein sogenannter Jungbrüder-Abend statt,
zu dem alle in den letzten 3 Jahren aufgenommenen Brüder zu
erscheinen hatten.
Am 16. Oktober fand anläßlich des 25 jährigen Jubiläums
der w.,,Eintracht" eine Festsitzung statt, an welcher sich die
,,Wien" lebhaft beteiligte.
Im Laufe des Jahres 1928 wurden folgende Vorträge und
Referate gehalten:
24. Jänner, Dr. Walther Eckstein:,,Die Idee der Wieder-
vergeltung des Gleichen mit Gleichem".
7. Februar, Dr. Hugo Hermann:,,Engländer und Juden".
21. Februar, Dr. Isak Robinsohn:,,Erez Jisroël und der
Amerikanismus".
6. März, Dr. Wilh. Pappenheim:,,Lebendes jüdisches
Recht".
20. März, Dr. Bernh. Wachstein: „Über die Haskala
(Aufklärung)".
3. April: Dr. Viktor Kellner: „Über die Lage in Palästina".
Jonas-Schachtitz: Judenordnungen von Kaiser
Josef II. bis Kaiser Ferdinand".
17. April, Adolf Kapralik: "Prinzipien und Ausstrahlungen".
3. Mai, Dr. Knöpfmacher: „Über den Verbandstag".
15. Mai: Prof. Dr. Frankfurter: "Wechselwirkungen
zwischen Judentum und Umwelt", nach dem Werke
von Gutman.
12. Juni: Großpräs. Jellin von Palästina: „Die Verhält-
nisse in Palästina".
2. Oktober, Dr. Viktor Kellner:,,Vom Wohltun".
23. Oktober, Dr. Josef Schell:,,Gerechtigkeit".
6. November, Prof. Dr. Braun:,,Letzte Hilfe".
20. November, Dr. Walther Eckstein:,,Lebenshilfe".
Dr. Rudolf Fürth: Korreferat über,,Letzte Hilfe".
S.
104
4. Dezember: Dr. Sigm. Fuchs: „Der Aberglaube bei
den Juden".
18. Dezember, Felix Salten: Vorlesung aus seinen Werken.
Eingeführt wurden im Jahre 1928 folgende Brüder:
Arthur Feldmann,
Dr. Fritz Deutsch,
Otto Hoffmann I Arch.,
Siegfried Herzog,
Otto Hoffmann II.
Josef Schur
Oskar Stössl,
Vorgestellt: Dir. Simon Thieberger.
Ausgetreten sind: Dr. Isidor Schwarzman und Max
Grünberger.
In die Vereinigung,,Graz" übergetreten sind folgende Brüder:
Ignaz Adler,
Dr. Alphons Adler,
Louis Adler,
Manfred Adler,
Bernhard Biller,
Dr. Arthur Bader,
Isidor Deutsch,
Fritz Blaskopf,
Martin Fleischmann,
Albin Engelsmann,
Dr. Leopold Gutmann,
Adolf Fürst,
Géza Kraus,
Ernst Herlinger,
Heinrich
Neumann,
Fritz Langer,
Eugen Pollak.
Dr. Paul Neurath,
Dr.
Adolf Rendi,
Gustav Pollak,
Heinrich Riegler,
Simon Rendi,
Richard Schick,
Bernhard Schwarz,
Salomon Schwarz,
Dr. Robert Sonnenwald,
Armin Spitz,
Dr. Julius Spieler,
David Stern,
Dr. Sigm. Strassmann,
Dr. Emil Strauss,
Edm. Trautmann,
Dr. Alfred Weiss,
Othmar Weiss.
Paul Wolf,
Durch den Tod wurden der Vereinigung Wien" folgende
Brüder entrissen:
Sigmund Blau,
Sigmund Frankl,
Josef Mautner,
Ludwig Nettel,
Sigmund Ratzersdorfer,
Carl Stumm,
Josef Sommer,
Stefan Weiner.
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug daher Ende 1928: 329.
ST
XXXVII. Beamtenrat (1929).
(Präs.: Hofrat Dr. Siegmund Fuchs.)
In der Generalversammlung vom 15. Jänner 1929 wurden
vom Groß-Schatzmeister Ernst Simon als Delegaten des s. w.
Verbandes folgende Beamte installiert: Heb
S.
105
movs Präs. Hofrat Siegmund Fuchs,
iMm Prot. Sekr. Johann Lichtenstein,
MFin. Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzmeister Gustav Oesterreicher,
Marschall Stefan Quittner,
Wächter Richard Weiss.
Der Vizepräs. Dr. Siegmund Stiassny konnte wegen Orts-
abwesenheit erst in der Sitzung vom 29. Jänner 1929 vom Groß-
präs. Dr. Edmund Kohn installiert werden.
Die Sitzungstage bleiben unverändert. Der Jahresbeitrag
S 120 festgesetzt.
wurde mit
Zu Repräsentanten für das Jahr 1929 wurden einhellig ge-
wählt die Expräsidenten: Dr. Edmund Kohn, Dr. Wilhelm
Knöpfmacher, Richard Petschek, Rudolf Fürth, Rudolf
Kohn und als Ers.-Stellvertreter Dr. Markus Hajek und Dr.
Arnold Karplus. Zum Pflegerobmann wird wieder Br. Dr.
Julius Bermann ernannt und leistet die Angelobung.
Zu Beiräten des Beamtenrates werden folgende Brüder be-
stellt: Dr. Hans Bermann, Arthur Dubsky, Dr. Max Jeru-
salem, Dr. Benno Schallinger, Kom.-Rat Julius Schwarz,
Ing. Georg Spielmann, Dir. Anton Stein, Hofrat Dr.
Ludwig Werner, Hofrat Dr. Josef Löwner, Dr. Isak
Robinsohn.
Sohin erfolgt die Ernennung, bezw. Wahl sämticher Komitees.
In der Sitzung vom 19. Februar wurde beschlossen, zur
Herbeiführung eines näheren Kontaktes zwischen den Wiener
Vereinigungen zwei Brüder zu den Sitzungen der w.,Ein-
Yacht Wahrheit und Massadah zu delegieren.
Das Kunst-Komitee bringt einen Betrag von S 850 zur Ver-
an 9 Künstlerschüler.
teilung
Am 23. März fand ein vom Geselligkeits-Komitee unter Zu-
ziehung eines Damen-Komitees veranstalteter Geselligkeitsabend
mit ziemlich guter Beteiligung statt.
Am 10. April fand ein Jungbrüder-Abend unter Zuziehung
aller in den Jahren 1924-1928 eingeführten Brüder statt.
In der Sitzung vom 2. April stellt Br. Hofrat Dr. Löwner
einen Antrag auf intensivere Behandlung von aktuellen Prob-
lemen der Judenheit wie Zionismus und Abwehr des Antisemi-
und nach dessen wird dem geistigen Komitee zur Beratung
Beschlußfassung an den s. w. Verband
tismus. Der
geleitet.
Ver-
Am 12. Mai wurde in dem unter der Patronanz der
einigung Wien" stehendem Waisenhause eine sehr würdige
Gedächtnisfeier für die Stifter Wilhelm und David Gutmann
unter Vorsitz des Präsidenten Richard Petschek und zahl-
reicher Beteilung der Brüder abgehalten. Die Gedächtnisrede
hielt Br. Notar Dr. Julius Bermann.
Am 11. Mai starb nach mehrmonatlicher schwerer Krankheit
der allverehrte Begründer der Vereinigung,,Wien" und nunmehrige
Großpräsident des s. w. Verbandes, Expr. Dr. Edmund Kohn.
S.
106
Die Trauersitzung zur Ehrung seines Andenkens wurde vom
s. w. Verbande im großen Saale des Industriehauses am 21. Mai
unter dem Vorsitze des Vize-Großpräsidenten Dr. Moriz
Schnabel mit zahlreicher Beteiligung sämtlicher Vereinigungen
des österr. Distriktes und der Distrikte VIII, X und XI abgehalten.
Prof. Dr. Ludwig Braun hielt hierbei eine überaus eindrucks-
volle Trauerrede, in welcher er die hohen Verdienste des Ver-
blichenen um die Verpflanzung des Ordens nach Wien und um
dessen Erstarkung in beredter Weise würdigte.
gene dieser
Beschluß wird in der Sitzung vom 4. Juni
In der Sitzung vom 4. Juni wurde Br. Expr. Richard
Petschek zum Pfleger für die Witwe nach dem verewigten
Großpräs. Dr. Edmund Kohn bestellt und vereidigt.
Am 23. Mai wurde im Beamtenrat beschlossen, an sieben
Gewerbeschüler Stipendien von je S 60, zusammen S 420-
zu
werden folgende Subventionen in derselben Sitzung
beschlossen:
S 1000-
Verein für hilfsbedürftige Waisen
Handwerkerverein
200°
Brustleidende auf dem Lande
500-
Verein mittelloser Studierender
300
Asyl für mittellose Kranke in Meran
500
Seehospitz
150
Mittelstandsfürsorge
500
Jüdisches Museum
300
Verein zur Rettung verl. jüdischer Kinder
500
Seebenstein
500
Blinde in der Darwingasse
100-
Hiezu kommt noch der 39 Prozent Anteil der „Wien" an den
von allen vier Wiener Vereinigungen gemeinsam bewilligten Sub-
ventionen an diverse jüdische Institutionen und Vereine in der
Höhe von S 6150-.
Von den Kranzablösungsspenden (ca. S 3000-) zur Ehrung
des verewigten Expr. Dr. Edmund Kohn wurde ein Teilbetrag
(S 400-) für die Anlegung eines auf seinen Namen lautenden
Gartens im Chajeswalde in Palästina bestimmt, 30 Prozent der
Chewra Kadischah, 30 Prozent der Mittelstandsfürsorge.
Die Sitzung vom 17. September wird mit einer eindrucks-
vollen Trauerkundgebung für die Opfer der Araber-Revolte in
Palästina, weiters für den um das Zustandekommen der Jewish
Agency hochverdienten Louis Marshall, ferner für den dahin-
geschiedenen Gr. Bundessekretär Boris Bogen in Amerika und
für die im Laufe des Sommers verstorbenen Br. Emil Gold-
berg und Expr. Gottlieb Lederer eröffnet.
In der Sitzung vom 15. Oktober wurde die Beteiligung an
der 70. Geburtstagsfeier des Prof. Dr. Alois Pick, derzeitigen
Präsidenten der Kultusgemeinde, bekanntgegeben.
S.
107
Am 29. Oktober hält der Großpräsident Dr. Leo Baeck aus
Berlin im Festsaale des Industriehauses unter dem Vorsitz des
Vize-Großpräsidenten Dr. Schnabel einen Vortrag über das
Thema Der Orden B'nai B'rith, wie ich ihn sehe." Die Beteili-
gung der Brüder aller vier Wiener Vereinigungen war sehr zahl-
reich. Der Vortrag bildete die Grundlage einer lebhaften Diskus-
sion in der w.,,Eintracht."
Am 16. November beteiligte sich die Vereinigung an der
Festlichkeit, welche die w. "Wahrheit" anläßlich ihres zehn-
jährigen Bestandes veranstaltete.
Am 26. November hielt Expr. Dr. Ignaz Ziegler über
Einladung des Verbandes im Saale des Niederösterreichischen
Gewerbevereines einen Vortrag über das Thema: „Judentum und
Menschheit."
Am 3. Dezember wurde eine außerordentliche Generalver-
sammlung zu dem Zwecke abgehalten, um eine zweckentsprechende
Statutenänderung zu beschließen. Das hohe Verdienst, welches
sich der w. Präsident bei der Vorbereitung und Stilisierung der
neuen Statuten um die Vereinigung erworben hat, soll ganz
besonders hervorgehoben werden.
In der Sitzung vom 3. Dezember wurde zur Kenntnis gebracht,
daß an dem am 23. November stattgehabten Verbandstage
folgende Expräsidenten in das Generalkomitee gewählt worden.
seien:
Zum Groß-Präs. Dr. Moriz Schnabel,
Vize-Großpräs. Prof. Dr. Ludwig Braun und Kom.-Rat
Karl Klemperer,
TODAY
Groß-Sekr. Dir. Alexander Hecht,
"
Groß-Schatzm. Ernst Simon,
Zu Mitgliedern Richard Petschek,
Dr. Felix Kohn,
Prof. Dr. Julius Zappert,
Ob.-Med.-Rat Dr. Moriz Laub,
Hofrat Prof. Dr. Salomon Frankfurter,
Dr. Erich Saxl,
Dr. Hermann Schneeweiß,
Kom.-Rat S. Rendi.
Der bisherige Vize-Großpräs. Dr. Wilhelm Knöpfmacher,
welcher wegen seines vorgeschrittenen Alters eine Wieder-
wahl abgelehnt hatte, wurde seiner Verdienste wegen zum Ehren-
komitee ernannt. Der w. Präsident begrüßt die neugewählten
Vizegroßpräsidenten mit ständigem Sitz und Stimme im General-
Funktionäre und gibt der Genugtuung der Vereinigung über die
dem Br. Dr. Knöpfmacher zuteil gewordene Auszeichnung
Ausdruck.
des Br. Ehren-Vizegroßpräsidenten Dr. Wilhelm Knöpfmacher
In der Sitzung vom 17. Dezember wurde nach einem Referate
S.
108
eine neue Geschäftsordnung für die Vereinigung und gleichzeitig
eine Geschäftsordnung für das Vorprüfungskomitee beschlossen.
Nicht unerwähnt bleibe die wie alljährlich auch in diesem
Jahre im Waisenhause am 26. Dezember abgehaltene schöne
Chanukah-Feier, deren eindrucksvolle heitere und sinnvolle Dar-
bietungen den zahlreich erschienenen Besuchern die besten Ein-
drücke vermittelten und die daran sich anschließende Beteilung
der Kinder zu einem schönen Feste gestalteten.
Im Laufe des Jahres wurden folgende Vorträge und Diskus-
sionen abgehalten:
Am 29. Jänner, Dr. Josef Nebenzahl, „Die weltpolitische
Lage der Juden im Jahre 1928".
5. Februar, Dr. Ludwig Werner, Referat des Komitees
für geist. Int. über Ziele und Zwecke des Bundes.
19. Februar, Dr. Berthold Kardegg, Über York
Steiner's Buch „Die Kunst als Jude zu leben".
"
5. März, Dr. Heinrich Haase, „Lessing".
19. März, Dr. Max Meissner, Körper und Geist".
"
April, Dr. Jakob Ehrlich, „Die Minderheitsrechte
2.
in den Friedensverträgen".
16. April, Dr. Viktor Kellner, „Über H. B. Gordon".
7. Mai, Theodor Ehrenstein, „Über die Hagadah
von Sarajewo".
4. Juni, Dr. Georg Weiner,,,Die Wiener Juden im
Jahre 1848-1849"
17. September, Ernst Simon, „Über die Züricher
"
Tagung
der Arbeitsgemeinschaft und Dr. Viktor
Kellner,,,Züricher Eindrücke".
1. Oktober, Dr. Isak Robinsohn,,,Über einen
jüdisch-sozialen Selbstschutz".
"
13. Oktober, Dr. Wilhelm Pappenheim,,,Israel und
Ismael"
5. und 19. November, Diskussion über vorstehenden
Vortrag.
"
5. Dezember, Dr. Josef Schell,,,Stammesgemein-
schaft".
17. Dezember, Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Ge-
schäftsordnungen der Vereinigung und des Vor-
prüfungskomitees.
"
Außerdem fanden im Komitee für geistige Interessen am
21. März und 14. Mai Diskussionen über die von den Br.
Dr. Werner und Hofrat Dr. Löwner angeregten Themen
statt und am 11. November ein Vortrag des Br. Dr. Hermann
Strieser der w.,,Silesia" über,,Die Nationalität, deren Wesen
und Beziehung zum Judentum".
Im Jahre 1929 wurde keine Einführung neuer Brüder vor-
genommen.
S.
109
Ausgetreten sind; ge
Expr. Georg Halpern mit Abgangskarte,
Friedrich Klinger,
Oskar Pfeifer.
Durch den Tod verlor die Vereinigung Wien" im Jahre
1929 folgende Brüder:
Bernhard Goldberg,
Emil Baruch,
Armin Behr,lly disEmil Goldberg,
Michael Weiß, Expr. Gottlieb Lederer,
Robert Rosenfeld,
Bernhard Wolkenstein.
Benno Kahane,
Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug Ende 1929: 316.
hadan
XXXVIII. Beamtenrat (1930).
In der Generalversammlung vom 7. Jänner 1930 wurden
vom Br. Expr. Prof. Dr. Julius Zappert als Delegaten des
s. w. Verbandes folgende Beamte installiert:
timo Als Präs, Hofrat Dr. Siegmund Fuchs,
Vize-Präs. Dr. Siegmund Stiassny,
mov Hode
Prot. Sekr. Dr. Richard Weiss,
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzmeister Alfred Tausig,
Marschall Dr. Josef Nebenzahl.
bead
Der Br. Wächter, Med.-Rat Dr. Heinrich Haase wurde in
der Sitzung vom 21. Jänner 1930 ernannt.
Die Sitzungstage bleiben unverändert 1. und 3. Dienstag
im Monat.
Der Jahresbeitrag wurde mit S 120 festgesetzt.
Zu Repräsentanten wurden gewählt die Expräsidenten
Richard Petschek, Dr. Rudolf Fürth, Rudolf Kohn, Prof.
Dr. Markus Hajek, Prof. Dr. Ludwig Braun, Dr. Albert
Eisinger, Baurat Dr. Arnold Karplus, Dr. Josef Alt, Prof.
Dr. Hans Königstein und Hofrat Dr. Sigm. Fuchs. Zum
Pflegerobmann wird wieder Br. Notar Dr. Julius Bermann
zu seinem Stellvertreter Br. Dir. Ernst Goldschmidt
und
bestellt; beide leisten die Angelobung.
Zu Beiräten im Beamtenrate wurden vom Präsidenten fol-
gende Brüder ernannt:
Hans Bermann, Dr. Walter Eckstein, Johann Lichten-
Zunächst die Obmänner sämtlicher Komitees, ferner Dr.
stein, Hofrat Dr. Josef Löwner, Dr. Wilhelm Pappen-
heim, Dr. Benno Schallinger, Kom.-Rat Julius Schwarz,
Ing. Georg Spielmann, Dr. Siegmund Strach und Hofrat
Dr. Ludwig Werner.
S.
110
Die Wahl, bezw. Ernennung sämtlicher Komitees wird wegen
vorgerückter Zeit auf die nächste Sitzung verschoben.
In der Sitzung vom 21. Jänner stellt Br. Dr. Wilhelm
Knöpfmacher den Antrag, daß dem Kranken-Komitee auch
die Agenden einer inneren Propaganda übertragen werden mögen.
Dieser Antrag sollte dem Kranken-Komitee zur Durchführung
überwiesen werden.
Dem Br. Prof. Dr. Alois Pick wurde das große Ehren-
zeichen für Verdienste um die Republik verliehen, wozu ihm in
der Sitzung vom 4. Februar die Glückwünsche der Vereinigung
ausgesprochen wurden.
Die Statutenänderung wurde vom Magistrat der Stadt Wien
genehmigt.
Am 27. Februar fand eine Festsitzung der Massadah" an-
läßlich ihres 10jährigen Bestandes statt, an welcher sich neben
auswärtigen Gästen und Brüdern aller österreichischen Vereini
gungen auch unsere Vereinigung mit Beglückwünschung beteiligte.
Veranstaltung regelmäßiger geselliger Zusammenkünfte im
Café Colonnaden an jedem Mittwoch-Abend.
Über Antrag des Kunst-Komitees werden an mehrere Kunst-
anwärter Subventionen im Gesamtbetrage von S 1160 zuerkannt.
Änderung der Geschäftsordnung des Vorprüfungs-Komitees
nach Antrag des Br. Dr. Knöpfmacher laut Protokoll vom
18. März 1930.
In der Sitzung vom 1. April findet eine Trauerkundgebung
für Lord Balfour und für den Präsidenten Taft statt.
Am 22. März Geselligkeitsveranstaltung in den Vereinsräumen.
Am 12. April wurde im Vereins-Speisesaal ein Seder-Abend
unter Leitung des Br. Dr. Knöpfmacher abgehalten, welcher
von 87 Teilnehmern besucht war und einen sehr würdigen Ver-
lauf nahm.
In einer vom s. w. Großpräsidenten im April einberufenen
Sitzung sämtlicher Expräsidenten wurde die Lokalfrage einer ein-
gehenden Erörterung unterzogen und hieran anknüpfend wurde
in der Sitzung vom 15. April eine von Br. Dr. Knöpfmacher
eingeleitete Diskussion über Lokalfragen abgehalten.
In der Sitzung vom 6. Mai wurden folgende Brüder in die
Vereinigung eingeführt: Alfred Feuerstein, Dr. Walter
Hausmann, Wilhelm Modley, Ignaz Pollach, Dr. Arthur
Zacharias Schwarz und Wilhelm Weinberger.
Am 9. Mai fand auf dem Zentralfriedhofe die Enthüllung des
Grabsteines für weiland Großpräsident Dr. Edmund Kohn statt.
Die Sitzung vom 20. Mai wurde als außerordentliche Gene-
ralversammlung abgehalten, weil in derselben eine Erhöhung von
S 80 auf den Jahresbeitrag beschlossen wurde.
In dieser Sitzung wird berichtet, daß anläßlich der Ein-
weihung des Grazer Logenheims vom s. w. Verbande im Vereine
mit den Wiener Vereinigungen ein vom Br. Stössel gemaltes Bild
S.
111
des Br. Expräs. Simon Rendi, des Begründers dieses Logenheims,
der w. Vereinigung „Graz" zum Geschenke gemacht wurde.
Weiters wäre eine in derselben Sitzung stattgehabte leb-
hafte Erörterung über Information- und Abwehrbetätigung der
Vereinigung (eingeleitet von Br. Dr. Jakob Ornstein) her-
vorzuheben.
In Laufe der Sommerferien 1930 wurde eine gründliche
Renovierung der Vereinslokalitäten, namentlich des Sitzungs- und
Speisesaales unter der Leitung des Br. Architekt Josef Hahn
der w. Wahrheit" durchgeführt; hierüber wurde in der Sitzung
vom 25. September 1930 berichtet.
In der Sitzung vom 8. Oktober wurde auf Antrag des Br.
Expr. Dr. Felix Kohn beschlossen, zur Ehrung des Andenkens
unseres verewigten Br. Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem einen
Wettbewerb auszuschreiben über das Thema, das ungefähr zu
lauten hätte „Die Entwicklung der Soziologie des Erkennens
und des Wissens seit Wilhelm Jerusalem", und diesen Wett-
bewerb mit einem Preise von S 1000 zu dotieren, welcher
eventuell durch die Vereinigung,,Wien" zu leisten sein sollte.
In der Sitzung von 21. Oktober fand eine vom Br. Expr. Dr.
Wilhelm Knöpfmacher zur Feier des 35. Jahrestages der
Gründung der Vereinigung Wien" gehaltene Ansprache mit
irzem Überblick über diese Gründungsepoche statt."
In der letzten Sitzung vom 16. Dezember wurde in loben-
den Worten die im Waisenvereine stattgehabte Chanuka-Feier
hervorgehoben. (ree
Im Laufe des Jahres 1930 wurden folgende Vorträge und
Diskussionen abgehalten:
Am 21. Jänner, Br. Dr. Isak Robinsohn:,,Die Reform-
bedürftigkeit unseres Aufnahmeverfahrens".
Dr. Walther Eckstein: Jüdisches im
Chm".
4.
4. März, Dr. Jakob Ornstein: Die Tätigkeit der
"
Israel. Kultusgemeinde, erläutert durch ihr Budget."
18. März, Dr. Viktor Kellner:,,Die religiöse Lyrik
Gabirols".
"
1. April, Dr. Josef Nebenzahl: Die derzeitige
"
weltpolitische Lage der Juden"
April, Expr. Dr. Wilhelm Knöpfmacher: „Über
15.
"
interne Logenfragen".
6. Mai, Vize-Großpräs. Dr. Ludwig Braun:,,Volks-
und Wunderglaube".
medizin und
25. September, Arch. Otto Hoffmann: „Die mo-
derne Synagoge".
8. Oktober, Dr. Heinrich Haase:,,Das vatikanische
Konzil vom Jahre 1870 und die Juden".
21. Oktober, Dr. Julius Bunzel:,,Zur Soziologie der Loge".
S.
112
Am 4. November, Dr. Leo Deutschländer: „Die
religiöse Krise im Judentum".
18. November, Dr. Arthur Zacharias Schwarz: „Jü-
dische Parallelen im Dante".
16. Dezember, Ob.-Ing. Otto Krasny:,,Das Weiß-
buch der englischen Regierung".
Im Laufe des Jahres sind folgende 10 Brüder gestorben :
Ludwig Fränkel (2. März), Isidor Mautner (13. April).
Ludwig Samek (20. April), Anton Schönfeld (21. Mai).
Dr. Julius Bermann (28. Mai), Julius Lindenberg
(9. August), Emanuel Braun (10. August), Arnold Rosen-
thal (14. September), Dr. Siegmund Strach (30. Oktober),
Heinrich Pollak (26. November).
Ausgetreten sind folgende 9 Brüder:
Dozent Paul Biach,
Wilhelm Adler,
Arthur Lemberger,
Dr. Paul Klemperer,
Rudolf Pollak,
Eugen Lenhoff,
Dr. Berthold Winter,
Richard Schwarz,
Isidor Weil.
Die Zahl unserer Brüder betrug Anfangs 1930: 316; ge-
storben sind 10, ausgetreten sind 9, eingeführt wurden 6, so daß
wir am Ende des Jahres 1930 einen Mitgliederstand von 303
ausweisen.
XXXIX. Beamtenrat (1931).
In der Generalversammlung vom 6. Jänner 1931 wurden
vom Br. Expr. Primarius Dr. Josef Bondi als Delegaten des
s. w. Verbandes folgende Beamte installiert:
Als Präs. Dr. Siegmund Stiassny,
Vize-Präs. Kom.-Rat Julius Schwarz,
"
Prot. Sekr. Johann Lichtenstein,
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzm. Dr. Paul Raumann,
Marschall Ob.-Med.-Rat Dr. Heinrich Haase,
Wächter Max Jaritsch.
Als Sitzungstage wurden wie bisher der 1. und 3. Dienstag
im Monat bestimmt. Der Jahresbeitrag wird mit S 200 festgesetzt.
Als Repräsentanten für den Verbandstag wurden gewählt die
Expräsidenten: Alt, Braun, Eisinger, Fuchs, Fürth,
Hajek, Karplus, Kohn, Königstein und Petschen
Zu Beiräten im Beamtenrat wurden vom w. Präsidenten
außer den Obmännern sämtlicher Komitees folgende Brüder ek
nannt: Dr. Hans Bermann, Arthur Dubsky, Walther Eck-
stein, Theodor Ehrenstein, Dr. Josef Nebenzahl, Dr.
Wilhelm Pappenheim, Dr. Benno Schallinger, Georg
S.
113
Zum Pfleger-Obmann wurde Dir. Ernst Goldschmidt bestellt.
Spielman n, Dr. Richard Weiss und Dr. Ludwig Werner.
Sohin erfolgt die Wahl und die Ernennung sämtl. Komitees.
In der Sitzung vom 3. März stellt Br. Dr. Knöpfmacher
den Antrag, daß die Vereinigung,,Wien" an dem bevorstehenden
Verbandstag eine Abänderung der Verbandsstatuten dahingehend
Zuge-
hörigkeit zum Bunde besondere Verdienste um ihre Vereinigung
haben, ohne das Amt des Präsidenten bekleidet zu haben,
erworber die Rechte eines Expräsidenten und somit die Zu-
gehörigkeit zur Grologe verliehen werden könnte. (Dieser in
der Sitzung vom 17. März angenommene und sohin namens der
Vereinigung,Wien" am Verbandstage des Jahres 1931 gestellte
Antrag wurde abgelehnt).
In der Sitzung vom 21. April wurde beschlossen, für die
Preisausschreibung zum Gedächtnisse unseres verewigten Br.
Prof, Wilhelm Jerusalem über das Thema: Soziologie des
Erkennens und Wissens" einen Betrag von S 1000 aus den
Mitteln des Dr. Wilhelm Knöpfmacher- und Dr. Wilhelm
Jerusalem-Fondes" zur Verfügung zu stellen.
Auf Anregung des Br. Prof. Eisler von der w.,Wahr-
heit" würde einvernehmlich mit den anderen Vereinigungen eine
Hilfsaktion zur Versendung von Lebensmittelpaketen an unsere
Glaubensbrüder nach Rußland eingeleitet.
Am 1. April wurde im Logenraume unter dem Vorsitze des
Br. Expr. Dr. Knöpfmacher ein Seder-Abend abgehalten,
an welchem sich zahlreiche Brüder mit ihren Angehörigen be-
teiligten.
Am 11. April fand im Kursalon der Stadt Wien ein von
den Geselligkeits-Komitees aller vier Vereinigungen veranstalteter
heiterer Abend statt, der einen sehr gelungenen Verlauf nahm.
Am 6. Dezember fand wie alljährlich in den unter der Patro-
nanz der Vereinigung,,Wien" stehenden Waisenhäusern, in welchen
111 Waisenkinder verpflegt und erzogen wurden, eine schöne
Chanuka-Feier statt, welche den zahlreichen Besuchern neuerlich
Gelegenheit bot, die musterhafte Leitung dieses unter dem Prä-
sidium des Br. Expr. Richard Petschek stehenden Vereines
kennen und schätzen zu lernen.
Im Laufe des Jahres 1931 wurden von den Brüdern für
wohltätige und kulturelle Zwecke insgesamt S 36.495-77 ge-
spendet, welche diversen Fonden und Institutionen zugute kamen.
S 81.745-98 von der Vereinigung,,Wien" verausgabt, hievon
Insgesamt wurden im Jahre 1931 für Wohltätigkeitszwecke
entfielen ca. S 40.000- auf Unterstützungen nach innen.
unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande hat
Der unter der Patronanz der Wien" stehende Verein zur
dank der segensreichen Betätigung seines Obmannes Prof. Dr.
S.
114
Ludwig Braun und seines besonders rührigen und pflicht-
eifrigen Schriftführers, des Br. Johann Lichtenstein, gute
Erfolge erzielt.
Insbesondere ist zu erwähnen, daß es den Bemühungen des
Obmannes gelungen ist, den Dichter Jacob Wassermann zur
Abhaltung einer Vorlesung zu gewinnen. Diese Vorlesung fand
am 7. Mai im Mittleren Konzerthaussaale statt und gestaltete den
Abend zu einem gesellschaftlichen Ereignisse mit einem schönen
finanziellen Ergebnisse für den vorbezeichneten Verein,
Im Laufe des Jahres 1931 wurden folgende Vorträge und
Diskussionen abgehalten:
Am 21. Jänner, Br. Dr. Wilhelm Pappenheim: „Revo-
lution in der Wüste".
1. Februar, Br. Rabb. Dr. Erich Bienheim aus Darm-
11
stadt:,,Die Bibel und das moderne Lebensgefühl".
17. Februar, Br. Prof. Dr. Viktor Kellner: „Die
prophetische Sendung"
3. März, Br. Dr. Walther Eckstein: „Egoismus
und Altruismus"
17. März, Br. Expr. Dr. Adolf Altmann, Rabbiner in
Triest: ,,Das früheste Vorkommen der Juden in Deutsch-
land, Juden in Trier"
21. April, Br. Adolf Böhm:,,Zur Palästinafrage".
" 5.
Br. Univ.-Prof. Dr. Walter Hausmann:
lichtwirkungen auf den Menschen".
nailed
19. Mai, Br. Prof. Julius Urbach:,,Die Lüge im
Lichte der modernen Psychologie und Pädagogik".
-sd >>
2. Juni, Br. Dr. Eduard Hitschmann:,,Zu Br. Sig-
mund Freud's 75. Geburtstag" und Referat des Ehren-
Vizegroẞpräsidenten Dr. Wilhelm Knöpfmacher
über den Verbandstag.
hey "
mil
15. September: Diskussion über eine Anregung des Br.
Dr. Siegmund Weiss betreffs Ausbildung jüdischer
Pflegerinnen.
6. Oktober, Br. Dr. Viktor Kellner:,,Zionismus
nach dem Kongreẞ".
20019
19. Oktober, Schriftsteller Dr. Hans Kohn:,,Bolsche-
wismus und Religion".
3. November, Br. Univ.-Prof. Dr. Ludwig Braun:
,,Eine Plauderei über den Shylock von Shakespeare".
17. November, Br. Johann Lichtenstein: „Rußland
und die Weltwirtschaft".
1. Dezember, Br. Dr. Josef Schell: „Über die an-
gebliche Justizkrise"
15. Dezember, Br. Präs. Dr. Siegmund Stiassny:
,,Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit".
S.
115
Außerdem fand am 6. Mai für die Mitglieder aller 4 Wiener
Vereinigungen ein Vortrag des Herrn Heinrich York Steiner
statt: Neue Wege der Orientwirtschaft".
Weiters wurde am 25. November von Br. Dr. Wilhelm
Knöpfmacher ein Jungbrüder-Abend abgehalten, mit dem
Thema: Ziele und Zwecke des Ordens B'nai B'rith und
Chronik der Vereinigung,,Wien".
Im Laufe des Jahres wurden folgende 3 Brüder in die Vereini-
gung eingeführt, und zwar: Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schur, Dr.
Stefan Bondi, Dir. Wilhelm Roth.
Im Laufe des Jahres 1931 hat die Vereinigung Wien" folgende
13 Brüder durch den Tod verloren: Ignaz Gewitsch, Alois
Fischl, Ernst Lemberger, Moriz Steinberger, Karl
Heller, Moritz Fischer, Gustav Stiassny, Dr. Franz
Schmitz, Dr. Edmund Sos, Moritz Winterstein, Wilhelm
Heller, Wilhelm Karpeles, Edmund Fanta.
Ausgetreten sind folgende 8 Brüder: Karl Fantl, Ignaz
Glück, Siegfried Sekules, Dr. Viktor Bloch, Dr. Hans
Berger, Adolf Sommer, Julius Kraus, Ignaz Neumann.
Die Anzahl unserer Brüder betrug Anfangs 1931: 303; ein-
geführt wurden 3, gestorben sind 13, ausgetreten sind 8, so daß
die Loge am Ende des Jahres 1931 einen Mitgliederstand von
285 ausweist.
XL. Beamtenrat (1932).
(Präsident Kom.-Rat Julius Schwarz.)
In der Generalversammlung vom 5. Jänner wurden durch
den Vize-Großpräsidenten Karl Klemperer als Delegaten des
s. w. Verbandes folgende Beamte für das Jahr 1932 installiert:
Als Präsident Kom.-Rat Julius Schwarz,
mis
Vize-Präsident Dir. Johann Lichtenstein,
Prot. Sekr. Dr. Josef Nebenzahl,
Fin.-Sekr. Ludwig Abeles,
Schatzm. Dr. Paul Raumann,
115851
Marschall Leo Neuschüler,
Wächter Dr. Jakob Schmelz.
Als Sitzungstage wurden wie bisher der 1. und 3. Dienstag
im Monat bestimmt und der Jahresbeitrag wurde mit S 200-
festgesetzt.
Zu Repräsentanten für den s. w. Verband wurden gewählt
die Expräsidenten Dr. Josef Alt, Prof. Dr. Ludwig Braun,
Dr. Albert Eisinger, Dr. Rudolf Fürth, Prof. Dr. Markus
Hajek, Dr. Arnold Karplus, Rudolf Kohn, Prof. Dr. Hans
Hofrat Dr. Sigmund Fuchs, Dr. Sigmund Stiassny.
Königstein und Richard Petschek; zu Ersatzmännern:
Zu Beiräten für den Beamtenrat ernannte der w. Präsident
folgende Brüder: Dr. Hans Bermann, Bernhard Bottwin,
S.
116
Ing. Arthur Dubsky, Dr. Walther Eckstein, Theodor
Ehrenstein, Dr. Heinrich Haase, Dir. Max Jaritsch,
Hofrat Löwner, Stefan Quittner, Dr. Wilhelm Pappen-
heim, Dr. Benno Schallinger, Dr. Josef Schell, Ing.
Georg Spielmann, Kom.-Rat Josef Toffler, Dr. Richard
Weiß und Hofrat Dr. Ludwig Werner.
Pflegerobmann verblieb Dir. Ernst Goldschmidt.
Sohin erfolgte die Wahl und Ernennung sämtlicher Komitees.
Im Laufe des Jahres 1932 wurden 20 Vollversammlungen
abgehalten, welche durchschnittlich von 80 Brüdern besucht waren.
Am 31. Mai fand eine Trauersitzung zum ehrenden Gedenken
unseres verewigten Br. Hofrat Dr. Josef Löwner statt, in
welcher Br. Expr. Dr. Felix Kohn die Trauerrede hielt.
In den Sitzungen würden folgende Vorträge und Referate
gehalten:
Am 19. Jänner, Br. Adolf Böhm (d. w.,,Wahrheit"), „Die
Volkswirtschaftskrise".
2. Februar, Br. Dozent Dr. Oswald Schwarz (d. w.
Eintracht"), „Schuld und Krankheit".
16. Februar, Frau Dr. Ida Kestenbaum-Berger
und Frau Dr. Heny Rapaport-Lichtenstern,
Ziele und Leistungen der jüdischen Frau".
1. März, Br. Prof. Dr. Heinrich Schur,,,Wandlungen
"
in der Medizin in den letzten Jahrzehnten".
März, Br. Rabbiner Dr. David Feuchtwang
Eintracht Kulturhistorische Bedeutung der
15.
"
klassischen Übersetzungen der Bibel".
5. April, Br, Johann Lichtenstein,,,Die Bezie-
hungen Goethes zum Judentum".
19. April, Br. Dr. Alfred Kestenbaum,,,Goethe als
"
Naturforscher" und Br. Dr. Wilhelm Pappenheim,
Goethe und kein Ende".
3. Mai, Br. Dr. Rudolf Brichta,,,Mitteleuropa, Pläne
und Tatsachen".
"
31. Mai, Br. Expr. Dr. Wilhelm Knöpfmacher:
"
1. Bericht über den Verbandstag. 2. Diskussion über
das Thema „Mittel und Wege zur Abwehr".
7. Juni, Fortsetzung der Diskussion über ,,Mittel und
Wege zur Abwehr".
20. September, Br. Prof. Dr. Viktor Kellner,,,Juden-
tumsnot"
4. Október, Br. Prof. Dr. Edm. Jerusalem (,,Wahr-
heit"), Zur Erinnerung an meinen Vater, Prof.
Wilhelm Jerusalem".
aint
20. Oktober, Br. Rabbiner Dr. Arthur Z. Schwarz,
Das Judentum als Gegenstand der Wissenschaft"
:039
1. November, Br. Prof. Dr. Max Eisler (,,Wahrheit"),
absplo!
wo,,Der Maler Josef Israel"
S.
117
Am 16. November, Br. Dr. Walther Eckstein,,,Spinoza,
der Mensch und Denker".
A SICT
6. Dezember, Br. Dr. Paul Eichenwald,,,Das
Weltbild im Spiegel des Mythos".
20. Dezember, Br. Expr. Dr. Wilh. Knöpfmacher,
Die Anträge der w.,,Massadah" vom Standpunkte
mab 02-188 des Logengedankens"
- Außerdem sprach am 27. Jänner 1932 auf Einladung des
s. w. Verbandes der rühmlich bekannte hebräische Dichter
Chajim N. Bialik in unserem Logensaal über die von ihm
propagierte Idee eines Verlages hebräischer Werke.
Eine im Anschlusse an diesen Vortrag veranstaltete Sammlung
in unserer Vereinigung ergab ca. S 300-, welche zur Anschaffung
hebräischer Bücher verwendet wurden.
In offenen, auch den Frauen zugänglichen Versammlungen
sprach überdies noch der ausgezeichnete Publizist Dr. Hans
Kohn am 10. Jänner über „Modernes Leben im Orient" und
am 5. November über,,Das Judenproblem in Deutschland".
stol
Außerhalb unserer Vereinsräume hielten zwei Brüder unserer
Vereinigung Vorträge und zwar der Br. Dr. Jakob Ornstein am
9. Jänner im Niederösterreichischen Gewerbeverein über,,Das
Toleranzpatent Josefs Il." und Br. Ob.-Med.-Rat Dr. Heinrich
Haase am 28. Februar im Wissenschaftlichen Klub über
,,Roma israelitica".
Nach allen in unseren Vereinsräumen abgehaltenen Sitzungen
fanden die üblichen Brudermahle statt, welche zur Hebung der
Geselligkeit unter den Brüdern beitrugen.
Außerdem wurden auf Initiative des w. Präsidenten sogenannte
Heimabende bei einzelnen Brüdern veranstaltet, um gegenseitigen
freundschaftlichen Anschluß und Gedankenaustausch zu fördern.
Am 21. März wurde von allen Wiener Vereinigungen
gemeinsam ein geselliger Abend im Café,,Freyung" veranstaltet,
welcher sehr gut besucht war und sehr angenehm verlief.
Dem Zwecke einer innigeren Gestaltung der Beziehungen
unter den Brüdern diente auch die Veranstaltung eines Zusammen-
treffens der Wiener, Salzburger und Linzer Brüder in Salzburg.
Die unter der Patronanz der Vereinigung,,Wien" stehenden
humanitären Vereine und Institutionen wurden auch in diesem
Jahre von Brüdern geleitet und gefördert; hierbei sei insbesondere
das segensreiche Wirken des Bruders Richard Petschek als
Präsident des,,Waisenvereines", und der Brüder Prof. Dr. Ludwig
Braun und Johann Lichtenstein als Leiter des ,,Vereines
zur Verpflegung Brustleidender" besonders hervorgehoben.
Ein Sederabend im Logenraume wurde unter großer Beteili-
gung der Brüder und ihrer Angehörigen abgehalten.
Ebenso erfreute sich die in diesem Jahre im Mädchenwaisen-
hause abgehaltene Chanukafeier einer überaus lebhaften Beteili-
gung der Vereinsmitglieder.
S.
118
Für wohltätige und kulturelle Zwecke sind von der Vereini-
gung insgesamt S 67.739-31 aufgewendet worden.
Die Auf-
wendungen der Vereinigung für interne Fürsorge beliefen sich
auf S 36.674-61; für Wohltätigkeit nach außen wurden S 31.064-70
verausgabt.
Außerdem wurde für ein Werk zum Andenken an unseren
Br. Prof. Wilhelm Jerusalem ein Betrag von S 831-50 dem
Dr. Wilhelm Knöpfmacher- und Dr. Wilhelm Jerusalem-
Fonde entnommen.
Von der Mitgliederbewegung ist zu berichten:
Es wurden im Jahre 1932 folgende vier Brüder eingeführt:
Dr. Erich Singer, Dozent Dr. Erich Urbach, lisidor Eisen-
bruch, Fritz Reisner.
Dagegen wurden uns 16 Mitglieder durch den Tod entrissen,
nämlich: Jakob Holzer, Dr. Richard Goldmann, Hofrat
Dr. Wilhelm Herzka, Hofrat Dr. Josef Löwner, Alois
Liebermann, Primarius Dr. Isak Robinsohn, Adolf
Wiener, Dr. Rudolf Schwarz-Hiller, Otto Reimann,
Felix Pollak-Parnegg, Dir. Otto Schickler, Dir. Anton
Stein, Ing. Max Fischer, Dr. Sal. Lö bl, Adolf Frankl
und Landesrabbiner Dr. Josef Link.
Ausgetreten sind folgende fünf Mitglieder: Ing. Arnold
Spritzer, Erich Ernst Simon, Dr. Felix Kardegg, Bruno
Buchwald und Samuel Glückselig.
Die Anzahl unserer Brüder betrug Anfang 1932 285, einge-
führt wurden 4, gestorben sind 16, ausgetreten 5, so daß die
Loge am Ende des Jahres 1932 einen Mitgliederstand von 268
ausweist.
bol us d
apninginios
binw
10gill mis manis
- el nuen oib nous ainsib arab b
dzież a bill boundslanib enllest
moesib al dous
bonoitua ben soins
bresden ist deidad bm totily mobing nove
als dedalo bi aband
gwbl for
billab bouesnisnavnesWeb usbla
nododagon
3
brozed "bebis gallus
dou blow menggol mi bosdabe2
inledande magidan adi ham sobib yog
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-alune antierlagds out
bailytimenians 15 20
S.
16
119
mladliW terus cab satantan
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XLI. Beamtenrat (1933).
sm
In der Generalversammlung vom Jänner 1933 wurden durch
den Expräsidenten Hofrat Dr. S. Frankfurter als Delegaten
des S. w. Verbandes folgende Beamte für den Termin 1933
installiert:
Als Präsident: Johann Lichtenstein,
Vizepräsident: Hofrat Dr. Ludwig Werner,
prot. Sekretär: Gustav Gelb,
Finanzsekretär: Ludwig Abeles,
Schatzmeister: Joab Friedmann,
Marschall: Dr. Friedrich Kornfeld,
"
Wächter: Arch. Otto Hoffmann.
"
Als Sitzungstage wurden wie bisher der 1. und 3. Dienstag
im Monat bestimmt, der Jahresbeitrag wurde mit S 200.
festgesetzt.
Zu Repräsentanten für den s. w. Verband wurden folgende.
Expräsidenten gewählt: Dr. Josef Alt, Prof. Dr. Ludwig Braun,
Dr. Albert Eisinger, Dr. Rudolf Fürth, Prof. Dr. Markusz
Hajek, Dr. Arnold Karplus, Rudolf Kohn, Prof. Dr. Hans.
Königstein, Richard Petschek; zu Ersatzmännern: Expr.
Hofrat Dr. Sigmund Fuchs, Dr. Sigmund Stiassny und
Julius Schwarz.
Zu Beiräten in den Beamtenrat folgende Brüder: Dr. Hans
Bermann, Alois Donne baum, Artur Dubsky, Theodor
Ehrenstein, Dr. Emil Eisler, Dr. Heinrich Haase, Otto
Hoffmann, Max Jaritsch, Dr. Josef Nebenzahl, Stefan
Quittner, Dr. Wilhelm Pappenheim, Dr. Paul Raumann,
Dr. Benno Schallinger, Georg Spielmann, Josef
Toffler, Dr. Josef Schell, Dr. Richard Weiss.
Am 26. Jänner fand in unseren Räumen auf Initiative des
Präsidenten Johann Lichtenstein eine Besprechung von
25 Frauen statt, welche die Gründung einer Schwestern-
vereinigung ins Auge faßten. Diese Vereinigung wurde dann im
März 1933 ins Leben gerufen und Frau Dozent Sofie Grün-
feld zur Präsidentin gewählt. Ihr Zweck sollte sein, die Zu-
sammengehörigkeit zwischen den Familien der Brüder zu stärken
und die Vereinigung in ihrem humanitären Wirken zu unterstützen.
Am 31. Jänner fand ein geselliger Abend im Kaffee Landt-
mann statt, welcher einen sehr schönen Verlauf nahm und auch
von Mitgliedern der anderen Wiener Vereinigungen besucht war.
S.
120
Am 16. Februar fand die Neukonstituierung des Baurat Wilhelm
Stiassny-Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker
und Kleingewerbetreibender unter dem Vorsitze des Expr. Dr.
Sigmund Stiassny statt. Es wurden gewählt zum :
Obmann: Dr. Sigmund Stiassny,
Obmann-Stellvertreter: Arch. Georg Spielmann,
1. Schriftführer: Adolf Wasservogel,
2. Schriftführer: Arch. Otto Hoffmann,
1. Kassier: Alfred Feuerstein,
2. Kassier: Dr. Richard Weiss,
zu Mitgliedern des Vorstandes: Richard Petschek, Karl
Klemperer, Heinrich Glücksthal und Frau Malvine Stein.
Am 10. April wurde in unserem Speisesaale unter der
Leitung des s. w. Ehren-Vizegroßpräsidenten Dr. Wilhelm
Knöpfmacher ein Sederabend abgehalten, an welchem
60 Brüder mit ihren Angehörigen teilnahmen.
Im April 1933 wurde die Vereinigung durch das Hinscheiden
ihres langjährigen, hochgeschätzten Finanzsekretärs Ludwig
Abeles in tiefe Trauer versetzt. Die Trauersitzung, in der
Präsident Johann Lichtenstein die Trauerrede hielt, fand
am 2. Mai in Gegenwart der Angehörigen des Verewigten statt.
In der Sitzung vom 3. Oktober wurde in einer Zuschrift des
s. w. Verbandes mitgeteilt, daß der Großpräsident Dr. Schnabl
sich aus Gesundheitsrücksichten genötigt sah, auf
auf sein
Ehrenamt
welche
als Großpräsident des XII. Distriktes zu verzichten,
Kunde mit lebhaftem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde.
Mit der Führung der Geschäfte des s, w. Verbandes wurde pro-
visorisch Vizegroßpräsident Karl Klemperer betraut.
Am 20. Juni wurden dem Ehren-Vizegroßpräsidenten Dr.
Wilhelm Knopfmacher anläßlich der Feier seines 80. Ge-
burtstages in seinem Sommerheime in Ober-St. Veit die Glück-
wünsche der Vereinigung Wien" übermittelt; an dieser
Gratulationsfeier nahmen alle Vereinigungen des XII. Distriktes
unter Führung des s. w. Verbandes lebhaften Anteil, da sich der
Jubilar nicht nur um die Vereinigung, sondern um den ganzen
Distrikt in höchstem Maße verdient gemacht hat. Dem Jubilar
wurden bei diesem Anlasse auch schöne Ehrengaben
Am 1. Oktober wurde im Waisenhause in der gewidme
zur Ehrung des Expr. Richard Petschek,
ek, welcher
Oktober seinen 70. Geburtstag begehen sollte, eine schöne
Feier abgehalten, in welcher die hohen Verdienste des Jubilars
um die Erhaltung und das Gedeihen der beiden israelitischen
Waisenhäuser in
in gehaltvollen Reden der Brüder Dr. Paul
Raumann, Dir. Ernst Goldschmidt, Hofrat Werner,
Dr. Jakob Ornstein sowie des Präsidenten der Israelitischen
Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann in eindrucksvoller
Weise gerühmt wurden. Tiefgerührt und ergriffen dankte Br.
Richard Petschek allen Rednern und der Versammlung für
am
alli
4.
Paul
S.
121
letzte Lebensäußerung dieses unseres unersetzlichen Bruders, da
die ihm erwiesene Ehrung. Leider war diese Dankesrede die
er unmittelbar darauf in eine schwere Krankheit verfiel, welche
in wenigen Tagen seinen Tod herbeiführte.
Br. Regierungsrat Dr. Wachstein feierte sein 30 jähriges
Dienstjubiläum, aus welchem Anlasse ihn der Vorstand der
Israelitischen Kultusgemeinde durch Herausgabe einer Festschrift,
enthaltend ein Verzeichnis sämtlicher literarischen Arbeiten des
Jubilars ehrte.
Zu erwähnen ist, daß im Jahre 1933 die Br. Dr. Feucht-
wang der w. „Eintracht“ und Br. Dr. Taglicht der w.
"Wahrheit" zu Oberrabbinern und der Br. Dr. Arthur Zacharias
Schwarz der
„Wien" zum Kultusrabbiner
worden sind.
W.
ernannt
Am 31. Oktober wurde zur Ehrung des verewigten Br. Expr.
Richard Petschek, im Beisein seiner Familienmitglieder, eine
feierliche Trauersitzung abgehalten, in welcher der Präsident die
hohen Verdienste des Verblichenen würdigte und Expr. Dr.
Rudolf Fürth das Lebensbild des Br. Petschek in ein-
drucksvoller, von tiefster Wehmut erfüllter Rede entwickelte.
In der Sitzung von 24. November wurde berichtet, daß in
der am 18. November stattgehabten außerordentlichen Tagung
des s. w. Verbandes unser Br. Prof. Dr. Ludwig Braun zum
Großpräsidenten und die Brüder Hofrat Fuchs und Komm.-Rat
Simon Rendi zu Vizegroßpräsidenten gewählt worden seien,
wozu der Präsident die genannten Brüder namens der Ver-
einigung herzlichst beglückwünschte.
Im Laufe des Jahres fanden 15 ordentliche Sitzungen, 3 mit
Zuziehung der Frauen statt, in welchen folgende Vorträge ge-
halten wurden:
Am 17. Jänner von Dr. Hugo Knöpfmacher: Zum
60. Geburtstage Bialiks", und Dr. Josef Schell:
,,Demokratie und Judentum".
7. Februar von Hofrat Dr. Ludwig Werner: „Unsere
Tätigkeit in der Vereinigung“.
"
21. Februar von Dr. Max Jerusalem: „Utopien
"
von heute".
7. März von Dr. Leo Deutschländer: „Jüdische
”
Probleme in der Literatur der Gegenwart".
21. März von Dr. James Herbert: „Ernstes und
Heiteres aus der Steuer- und Gebührenpraxis".
"
4. April von Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter:
"
Lion Feuchtwanger und Flavius Josephus".
18. April von Arch. Otto Hoffmann: „Über jüdische
Siedlungsprobleme".
2. Mai von Komm.-Rat Theodor Ehrenstein:
"
,,Wirtschaftsgeschichtliches".
16. Mai von Prof. Dr. Ludwig Braun: „Jacob
Bernays, Siegmund Freud und der Zufall".
S.
122
Am 29. Mai von Dir. Dr. Viktor Kellner: „Palästinen-
sische Eindrücke".
Dr. Oskar Grünbaum: „Der
3. Oktober von
18. Zionistenkongreß und die jüdische Weltkonferenz".
17. Oktober von Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter:
„Die Worte unseres Bundes" (anläßlich des 90 jährigen
Ordensjubiläums).
7. November von Dr. Walther Eckstein:,,Wilhelm
Jerusalem"
"
21. November von Dr. Arthur Zacharias Schwarz:
,,Zentren jüdischer Kultur".
"
Außerdem wurden im Komitee für geistige Interessen in-
teressante und belehrende Referate gehalten, u. zw.:
von Prof. Dr. Heinrich Redisch über: Ägyptische und
israelitische Altertümer" und von Br. Dr. Arthur Zacharias
Schwarz über:,,Hebräische Dichtungen".
Nicht unerwähnt bleibe auch ein am 16. November unter
der bewährten Leitung des Ehren-Vizegroßpräsidenten Dr. Wilhelm
Knöpfmacher abgehaltener Instruktionsabend für die in den
letzten Jahren eingeführten Brüder, welcher sich einer starken
Beteiligung erfreute.
Im Berichtsjahre hat die Vereinigung folgende 12 Brüder
durch den Tod verloren: Dr. Karl Müller, Moritz Schur,
Bela Sekules, Oskar Rosner, Dr. Jakob Thaler, Moritz
Wagner, Jakob Trenschiner, Ludwig Abeles, Samuel
Bermann, Adolf Friedländer, Richard Petschek und
Heinrich Weiss.
Ausgetreten sind 9 Brüder, u. zw.: Sigmund Lö wy, Adolf
Stulz, Oskar Engel, Rudolf Fant1, Dario Rappaport,
Louis Rosen, Heinrich Tauss, Alfred Winter, Leo Winter.
Eingeführt wurden 10 Brüder, u. zw. am 7. Februar die
Brüder: Dr. J. Borak, Dr. Dorian Eisenklamm, Karl
Grossbard, Dr. Fritz Pordes und am 17. Oktober die
Brüder Dr. Robert Brand, Hugo Friedmann, Dr. Max
Reich, Dr. Felix Roth, Dr. Wilhelm Schloss und Eduard
Widrich.
Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt demnach am Ende
des Jahres 1933 249.
XLII. Beamtenrat (1934).
In der, durch die politischen Verhältnisse verzögert, erst
am 23. Jänner 1934 abgehaltenen Generalversammlung wurden
durch den Vizegroßpräsidenten Simon Rendi als Delegaten des
s. w. Verbandes folgende Beamte installiert:
S.
123
Als Präsident: Direktor Ernst Goldschmidt,
Vizepräsident: Dr. Josef Schell,
prot. Sekretär: Architekt Otto Hoffmann,
Finanz-Sekretär: Dr. Paul Raumann,
Schatzmeister: Adolf Wasservogel,
Marschall: Dr. Stephan Bondy,
"
"
"Wächter: Dr. Alfred Feuerstein.
Als Sitzungstage wurden wie bisher der 1. und 3. Dienstag
Monat bestimmt; der Jahresbeitrag wurde mit S 200.-
festgesetzt:
im
Zu Repräsentanten wurden gewählt die Expräsidenten: Dr.
Alt, Prof. Dr. Braun, Dr. Albert Eisinger, Dr. Fuchs, Dr.
Fürth, Prof. Dr. Hayek, Dr. Karplus, Rudolf Kohn und
Prof. Dr. Königstein; zu Ersatzmännern: Dr. Stiassny,
Schwarz und Lichtenstein.
Zu Beiräten des Beamtenrates ernannte der Präsident die
Brüder: Donnebaum, Komm.-Rat Otto Hoffmann, Dr.
Nebenzahl, Dr. Wilhelm Pappenheim, Quittner,
Roth, Schallinger, Spielmann, Toffler, Dr. Richard
Weiss, Dr. Werner.
Als Präsident wie bisher zu fungieren, behielt
sich der w.
vor.
In der Sitzung vom 6. März wurde der zahlreichen Opfer
der Februar-Revolte trauernd gedacht und ein warmer Appell
an die Brüder gerichtet, die unglücklichen Hinterbliebenen dieser
Opfer nach Kräften zu unterstützen und die von der Regierung
hiefür eingeleitete Hilfsaktion zu fördern. In dieser Sitzung wird
berichtet, daß sich die Vereinigung an einer, am 3. März in der
Vereinigung Graz in Graz abgehaltenen Festsitzung anläßlich
der siebzigjährigen Geburtstagsfeier ihres mehrjährigen Präsi
denten und Gründers Br. Simon Rendi durch den w. Präsi-
denten Goldschmidt und Finanzsekretär Dr. Raumann
als Delegaten beteiligt habe.
Am 30. März wurde im Speisesaale ein feierlicher Seder-
abend unter dem Vorsitze des Br. Ehren-Vizegroẞpräsidenten
Dr. Wilhelm Knöpfmacher abgehalten, an welchem sich
viele Brüder mit ihren Angehörigen (96) beteiligten.
Am 28. März hielt die Präsidentin der Schwesternvereinigung
der w.,,Wien", Frau Sofie Grünfeld, in unseren Räumen
einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag unter dem Titel:
,,Aus meiner Werkstatt".
Das Werk des Br. Dr. Zollschan der w.,,Eintracht"
über Kulturmorphologie wird in einer Sitzung besprochen und
dringend zur Anschaffung empfohlen.
In der Sitzung vom 17. April berichtet Br. Dr. Raumann,
der gegenwärtige Präsident des unter dem Protektorate der w.
Wien" stehenden Waisenvereinss über die Initiierung einer Ver-
waltungsgemeinschaft zwischen dem Mädchen-Waisenhause in
der Ruthgasse und dem Mädchen-Waisenhause der Charlotte
S.
124
Merores-Itzeles-Stiftung, durch welche Maßnahme eine bedeutende
Erparnis erzielt und das Haus in der Ruthgasse, welches dem
Waisenhausverein gehört, eventuell für andere jüdische Zwecke ver-
fügbar wäre.
Der Bericht wird mit Befriedigung zur Kenntnis
genommen und dem Br. Dr. Raumann der lebhafteste Dank
abgestattet.
In der Sitzung vom 15. Mai wird berichtet, daß an dem am
12. und 13. Mai abgehaltenen Verbandstage folgende Verbands-
beamte einhellig gewählt worden sind:
Zum Großpräsidenten: Prof. Dr. Ludwig Braun,
zu Großvizepräsidenten: Hofrat Dr. Sigmund Fuchs, Hof-
rat Prof. Dr. Salomon Frankfurter, Komm.-Rat
Simon Rendi,
zum Großsekretär, an Stelle des wegen seines hohen Alters
zurückgetretenen Br. Alexander Hecht, der Br. Karl
Klemperer,
Großschatzmeister: Br. Ernst Simon.
"
Dem Br. Alexander Hecht wurde der lebhafteste Dank
für sein vieljähriges, erfolgreiches Wirken abgestattet und der
Titel eines Ehren-Großsekretärs mit ständigem Sitze im Beamten-
rate des s. w. Verbandes verliehen.
In der Sitzung vom 29. Mai wird bekanntgegeben und mit
Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß unsere Brüder Leopold
Langer und Dr. Jakob Ehrlich vom Bürgermeister zu Räten
der Stadt Wien ernannt worden sind.
In der Sitzung vom 2. Oktober wurde nach eingehendem
Berichte und Vorschlage des Beamtenrates beschlossen, das der
W.,, Wien" gemeinschaftlich mit der w.,,Eintracht" gehörige Haus
in der Türkenstraße unter den bekanntgegebenen Bedingungen
zu verkaufen.
In der Sitzung vom 16. Oktober wurde mitgeteilt, daß der
Kaufvertrag abgeschlossen worden sei. Als Kaufpreis wurden
S 95.000.- erzielt, welche der w.,,Wien" zu zwei Drittel zu-
kommen und als Hausfond verwaltet werden sollen.
In der Sitzung vom 6. November wird mitgeteilt, daß der
Präsident der Kultusgemeinde, unser Br. Dr. Desider Fried-
mann in den Staatsrat und Br. Vizegroßpräsident Hofrat Dr.
S. Frankfurter in den Bundeskulturrat berufen worden seien.
Es sind demnach sämtliche mit der neuen Verfassung ver-
knüpften Ehrenstellen Mitgliedern der Wiener B. B. Vereinigungen
zugeteilt.
Am 1. Dezember fand, wie üblich, im Waisenhause eine
stark besuchte Chanukafeier statt.
In der Zeit vom 8. bis 12. Dezember fand in unseren Ver-
einsräumen eine Ausstellung kunstgewerblicher Arbeiten der
Frauen statt.
In der Sitzung vom 4. Dezember berichtet Br. Prof. Dr.
Kellner, daß das Direktorat des Chajes-Gymnasiums in den
S.
125
Bundeslehrdienst übernommen worden sei, was jedenfalls als
Anerkennung zu buchen wäre.
In der letzten Sitzung wurde gemäß der Bestimmung der
Geschäftsordnung die interne Wahl der Beamten für das
Jubiläumsjahr 1935 vorgenommen. Es wurden nach Vorschlag
des Br. Dr. Fuchs als Obmann des Wahlkomitees einhellig
gewählt:
Zum Präsidenten: Hofrat Dr. Ludwig Werner,
Vizepräsidenten: Dr. Richard Weiss,
prot. Sekretär: Direktor Robert Horecki,
Finanzsekretär: Dr. Paul Raumann,
Schatzmeister: Komm.-Rat Adolf Wasservogel,
Marschall; Dr. Moritz Maritschek,
Wächter: Dir. Fritz Reisner.
In der Sitzung vom 18. Dezember erstattet der Ehren-Vize-
großpräsident Dr. Wilhelm Knöpfmacher einen längeren
Bericht über die in den Vereinsräumen befindliche, von den
vier Wiener B. B. Vereinigungen gemeinsam benützte Bibliothek.
Aus diesem Berichte mögen in dieser Chronik folgende
Reminiszenzen festgehalten werden: Die Bibliothek wurde im
Jahre 1902 auf Initiative des Br. Dr. Wilhelm Knöpfmacher
durch eine unter den Brüdern vorgenommene Spendensammlung
begründet und zunächst mehrere Jahre durch freiwillige Zu-
wendungen der Brüder an Geld- und Bücherspenden geführt.
In den folgenden Jahren wurden von der Vereinigung,,Wien"
alljährlich größere Beträge für die Anschaffung der Bücher-
schränke und für die sonstigen Erfordernisse der Bibliothek ge-
widmet und das Privatkomitee, welches unter Leitung des Br.
Dr. Knöpfmacher die Bibliothek verwaltete, in den offi-
ziellen Dienst der Vereinigung übernommen.
Wien"
So befand sich die Bibliothek im alleinigen Besitze der
Vereinigung,,Wien", als nacheinander die anderen drei Wiener
B. B. Vereinigungen ins Leben traten.
Die Benützung der Bibliothek wurde selbstverständlich allen
Brüdern der Wiener Vereinigungen, sowie auch dem von diesen
begründeten jüdischen Jugendbunde überlassen und es wurde an
die Präsidenten der Vereinigungen das Ersuchen gerichtet, aus
ihrer Mitte Brüder in das Bibliotheks-Komitee zu delegieren,
welche daselbst mitzuarbeiten und insbesondere bei den Bücher-
entlehnungen und deren Einmahnungen behilflich sein sollten.
In Anerkennung der Leistungen der Bibliothek hat die w.
"Eintracht seit dem Jahre 1910 und die w. "Wahrheit" seit
ihrem Inslebentreten der Bibliothek jährlich eine namhafte Spende
gewidmet und haben beide Vereinigungen auch bei Anschaffung
neuer Schränke mitgeholfen. Auch die w. Massadah hat, nach
Maßgabe ihrer beschränkten Mittel, den Bibliotheksfond bedacht.
Die Gesamtheit der Wiener Brüder hat sich aber an einer Samm-
lung beteiligt, welche anläßlich des 80. Geburtstages des Br. Dr.
S.
126
Knöpfmacher am 20. Juni 1933 zur Förderung der Biblio-
thek veranstaltet wurde.
So war es möglich, die Bibliothek, deren gegenwärtiger
Bücherstand ungefähr 4000 Bände beträgt, in acht schönen
Schränken unterzubringen und zu einer wertvollen, das geistige
und gesellige Leben der Wiener Vereinigungen fördernden In-
stitution zu
zu gestalten.
Im Jahre 1927 wurde unter dem Präsidium des Br. Dr.
Felix Kohn in aller Stille der 25 jährige Bestand der Bibliothek
damit gefeiert, das ein Exlibris mit dem Bildnis des Begründers
der Bibliothek (ausgeführt von dem Maler Jacques Sternfeld)
deren Einrichtung zugefügt wurde.
An den mannigfachen Arbeiten im Bibliotheksbetriebe be-
teiligen sich Brüder aller Wiener Vereinigungen und halten
wöchentlich an Samstag-Abenden Bibliothekstunden ab.
Voll und ganz widmet sich aber dieser Institution unser
Br. Expr. Johann Lichtenstein, welcher sich insbesondere
durch Fertigstellung eines neuen Kataloges und durch die An-
lage zweckentsprechender Drucksorten für den Entlehnungs-
vorgang große Verdienste erworben hat.
Im Laufe des Jahres 1934 wurden folgende Vorträge gehalten:
Am 6. Februar von Br. Dr. Zimmels der w.,,Frankl"-
Loge: „Aus dem Leben der Marannen" (in offener
Sitzung).
6. März von Br. Dr. Max Eisler der w.,,Wahrheit":
„Das jüdische Jahr und die Kunst".
20.
März von Br. Dr. Schell: Ordnung und Freiheit".
3. April von Br. Dr. Viktor Kellner: Worte des
Talmud".
17.
April von Br. Reg.-Rat Ludwig Singer der
w. „Eintracht": "Judaisierende Sekten in Böhmen".
3. Mai von Br. Doz. Erich Urbach: „Dienst am
"
jüdischen Volke, neue Ziele und Wege des Ordens-
gedankens".
15. Mai von Br. Dr. Heinrich Haase: Hygiene der
Juden und ihre Bedeutung".
29. Mai von Br. Prof. Dr. Ludwig Braun: Biologie
des Alltags"; ferner von Br. Johann Lichtenstein:
Bericht über den Verbandstag.
5. Juni von Br. Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter
der w.,,Wahrheit": "Die 5 biblischen Rollen".
20. September: Trauerfeier für den verewigten Bundes-
"
kanzler Dr. Engelbert Dollfuss. Vortrag des Br.
Prof. Dr. Viktor Kellner über Bialik.
16, Oktober von Br. Dr. Eichenwald:,,Gesinnung
und Tradition".
"
6. November von Br. Dr. Wilhelm Stein der w.
,Wahrheit": "Die Juden und das neue Weltbild".
S.
127
Br. Dr. Max Jerusalem:
Am 20. November
von
Was ist ?"
von Br. Dr. Walther Eckstein:
4. Dezember
,,Idealismus und Wirklichkeit".
Für wohltätige, soziale und kulturelle Zwecke wurden
ca. S 60.000.- ausgegeben. Dem unter der Patronanz der
Wien" stehenden Waisenvereine, welcher 65 Knaben und
45 Mädchen betreut und mehr als S 100.000.-an Kosten er-
fordert, wurde unter der Obmannschaft des Br. Dr. Paul Rau-
mann die größte Fürsorge zugewendet.
Von der Mitgliederbewegung ist zu berichten:
Eingeführt wurden im Jahre 1934 7 Brüder, und zwar:
Emil Kraus, Dr. Max Ticho, Erwin Simonowits und
die Br. Dr. Bernhard Bergglas, Dr. Hugo Bojko, Leopold
Gottlieb und Dr. Robert Grossbard.
Gestorben sind 7 Brüder, und zwar: Dr. Ludwig
Körner, Salomon Guttenberg, Julius Gerstmann,
Josef Neumann, Emil Koch, Dr. Emil Löwy und
Wilhelm Stöckler.
Ausgetreten sind 9 Brüder, und zwar: Dr. Julius
Bunzl, Josef Schur, Dr. Adolf Feldschuh, Moritz
Alkalay, Arthur Feldmann, Dr. Ernst Felber, Dr.
Rudolf Scharmann, Dr. Adolf Strisower und Karl Kohn.
Die Anzahl unserer Brüder betrug Anfang 1934 249, ein-
geführt wurden 7, gestorben sind 7, ausgetreten sind 9,
o daß
die Vereinigung Ende des Jahres 1934 einen Mitgliederstand von
240 aufweist, mit welchem sie in das Jahr 1935 eintritt.
Im Hinblick auf das mit diesem Jahre verbundene 40 jährige
Jubiläum wird diese Chronik, deren Fortsetzung vorbehalten
bleibt, vorläufig abgeschlossen.
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