S.
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Lager – Lähmung
zucker). L. ist eine weissgelbliche, Feuchtigkeit
schnell anziehende und alsdann klebrige, zer
fliessliche, syrupartige Masse, die sich leicht in
Wasser und Alkohol löst, sehr süss schmeckt, links
drehend (bei 15:106°) ist, alkalische Kupferlösung
reduziert und mit Hefe gärt. Sie kristallisiert nicht.
– Kocht man L. längere Zeit mit Schwefelsäure
(10 G L. mit 120 G Wasser und 15 G konzentrierter
Schwefelsäure 8 Tage lang), so entsteht (König)
Laevulinsäure.Lager, das (frz. camp m; engl. camp, eng. Sinn:
encampment; it. campo m). Stehende L. sind in den
Armeen Frankreichs, Russlands, Englands, u. a.
üblich; in Deutschland hat man nur auf Schiess
plätzen L. und zieht gewöhnlich im Bedarfsfalle
Kantonnement und Biwaks vor. Die Wahl
des Platzes für das L. ist die erste hygienische
Forderung. Trockene, etwas hoch gelegene Gelände
mit gutem Trinkwasser und genügendem Gefälle
für den Abfluss des Tages- und Verbrauchswassers
sind in erster Linie zu empfehlen. Die Nähe eines
Gehölzes ist für die Beschaffung von Brenn- und
Hüttenmaterial wesentlich, doch darf das L., ab
gesehen von militärischen Rücksichten, der mangeln
den Luft wegen prinzipiell nicht im Walde errichtet
werden. – Nach Art der Unterkunft unterscheidet
man Baracken-, Zelt-, Hütten-, und Frei-
lager oder Biwaks; Formen, für deren Auswahl
im wesentlichen die Dauer der Benutzung bestim-
mend ist. Bei den auf längere Zeit berechneten
L-n sind Baracken das beste Unterkunftsmittel.
Diese sind aus Holz oder in Backsteinbau hergestellt;
meist aus ca. 30 Mann, mit einem oder zwei Räumen,
hin und wieder auch mit einem Uebergeschoss ver-
sehen. Zur Bedeckung dient Dachpappe oder Filz,
ein Dachreiter vermittelt die Ventilation, der ausser-
dem die Fenster mit etwa 0.8 qm Lichtfläche pro
Kopf dienen. Den Fussboden legt man meist etwas
erhöht, so dass die Luft auch unter der Dielung
zirkulieren kann. Wo letztere nicht anzubringen
ist, wird der Boden gepflastert oder nur gestampft
mit Kies bestreut – immerhin nur ein Notbehelf
sowohl hinsichtlich der Behaglichkeit der Insassen,
als der erforderlichen Reinhaltung. Abhaltung des
Traufwassers von den Wänden wie vom Fussboden
ist natürlich vorzusehen. Für die Winternutzung
sind Oefen mit langem horizontalem Rauchrohr wohl
am empfehlenswertesten. – Die Nivellierung des
ganzen für ein L. bestimmten Terrains sollte man
(bes. in Hinsicht auf etwa an-
zulegende einheitliche Kanalisation) wegen niemals
unterlassen und natürlich stets vor Errichtung des
ersten Gebäudes beendet haben. – Lagerzelte.
In Preussen sind nur konische in Gebrauch für
15 Mann mit Gepäck. Die Leute liegen radiär gegen
die Zeltstange. Im Zeltmantel ist eine durch Lein-
wandklappen verschliessbare Thüröffnung. Trockener
Boden ist Hauptbedingung, bei längerem Gebrauch
sind Entwässerungsgräben um das Zelt nicht zu
entbehren. Dauernde Benutzung der Zeltlager ist
wegen der ungenügenden Ventilation, der mangel-
haften Desinfektion des Bodens, Schwierigkeit der
Reinhaltung des L-s nicht ratsam – Schutz-
zelte, tente-abri, werden mittels der von den
Soldaten getragenen einzelnen Teile zusammen-
gesetzt und sollen für 2–4 Mann im Biwak eine
notdürftige Unterkunft und Schutz, nicht immer
gegen Wind und Wetter, sondern in wärmeren
Klimaten (so in Italien) auch gegen Insektenstiche,
gewähren. In Deutschland hat man bis jetzt die aus
Stroh, Latten und Seilschnürungen schnell errichteten,
sehr zweckmässigen Windschirme vorgezogen, erst
in neuester Zeit hat man wirksamere Schutzdächer mit
Leinentuch probiert. Doch wird die Schwierigkeit desTransports, der seitens der Leute selbst nicht geschehen
kann, der allgemeinen Einführung hinderlich sein.
– Hüttenlager sind in Deutschland nicht in Ge-
brauch. Nach den bei der russischen Armee ge-
machten Erfahrungen ist die Verwendung gut ein-
gedeckter Erdhütten in rauhen Klimaten durchaus
ratsam. Trockener Boden und Möglichkeit der Be-
heizung bei guter Ventilation sind notwendige Vor-
bedingungen.Lagerbier, das (frz. bière de conserve ou de
garde; engl. lagerbier; it. birra conservata, birra
vecchia), s. Bier 4.Lagophthalmus, der [λαγώς Hase, ὀφθαλμός
Auge] = Hasenauge, s. Lider.Lähmung, die (frz. paralysie f motrice; engl.
paralysis, vulg. palsy; it. paralisi f). Unter L. (der
motorischen Teile) versteht man die Aufhebung des
Vermögens, durch Willenseinfluss eine Bewegung
zu erzeugen. Ist dieselbe eine absolute oder hoch-
gradige, so wird sie als Paralyse, sonst als Pa-
rese, motorische Schwäche, bezeichnet. Der ge-
samte Bewegungsapparat gliedert sich in einen zen-
tralen Teil (zentrales Nervensystem), in einen
intermediären (periphere Nerven) und in einen
peripheren Teil (Muskeln und Gelenke). Jeder
dieser Teile kann den Grund für eine L. abgeben.
Ehe man eine L. auf das Nervensystem zurückführt,
für welche Art von L. dieser Name eigentlich zu
gebrauchen ist, muss man feststellen, dass nicht
etwa eine Veränderung der Muskeln und Gelenke
die Aufhebung der Beweglichkeit verschuldet. Die
Ausschliessung ist nicht immer leicht; die passiven
Teile des Bewegungsapparates (Knochen und Mus-
keln) hängen in ihrem Ernährungszustand von dem
Zustand des zugehörigen Nervenapparates ab, die
genuinen Erkrankungen der Muskeln sind oft schwierig
von den sekundären Erkrankungen derselben infolge
von Nervenerkrankung zu trennen. – Eine L., die
vom Nervensystem abzuleiten ist, kann von zwei
verschiedenen Arten von Veränderung in demselben
herrühren. Erstens: von einer Funktionseinstellung
gewisser für die Entstehung der Bewegung wichtiger
Hirnteile, und zweitens von einer durch anatomische
Verhältnisse gegebenen Unterbrechung der motori-
schen Leitung. Die Veränderung der ersteren Art wird
Untersuchung nachweisen lassen, sie ist eine rein
funktionelle; die andere, sogen. organische Verän-
derung muss als nachweisbar angenommen werden,
ob sie nun bereits in die Tragweite der von uns
zum Nachweis verwendeten Methoden fällt oder nicht.
I. Die rein funktionellen L-en sind uns erst
in sehr geringem Umfange bekannt. Es ist mög-
lich, dass wir dieselben an verschiedenen Stellen
des Nervensystems werden lokalisieren dürfen; gegen-
wärtig kennen wir aber genauer bloss die hyste-
rische L., bei welcher wir die Funktionseinstellung
in den physischen Funktionen dienenden Teile des
Grosshirns verlegen dürfen. An dieser Stelle sind
nur die allgemeinsten Charaktere hysterischer L-en
zu erwähnen: Die hysterische L. hat gewisse Aehn-
lichkeiten mit der später als kortikal zu beschreiben-
den, zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie kein Ab-
bild der anatomischen Verhältnisse des Nerven-
systems liefert, sondern sich nach den Begrenzungen
der Körperteile, wie sie uns durch die gemeine sinn-
liche Wahrnehmung bekannt sind, richtet; dass sie
an einem Körperteil leicht den höchsten Grad er-
reicht (Absolutheit), ohne auf einen anderen Teil
der Körperperipherie überzugreifen (Ausschliesslich-
keit), dass sie nie einzelne Teile befällt, sondern
stets ganze Apparate, insofern sie bestimmten Funk-
tionen dienen. Die hysterische L. ist in der ThatS.
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keine L. von Körperteilen, sondern eine Aufhebung
von Funktionen, oder sie besteht in einem Abhanden-
kommen eines ganzen Gliedes für den Willen und
die Vorstellung des Kranken. Von der hysterischen
L. ergriffen werden am häufigsten: einzelne Extremi-
täten, gleichnamige Extremitäten, oder beide Ex-
tremitäten einer Seite, und der Sprachapparat; die
Gesichtsmuskulatur, welche die feinsten Anzeichen
bei Len organischer Natur liefert, leidet nie bei
der Hysterie. Ueberdies ist für die hysterische L.
charakteristisch, dass die Störungen der Sensibilität
in der Regel die Motilitätsstörung an In- und Ex-
tensität überwiegen, was bei organischen Läsionen
nur ausnahmsweise vorkommt (s. a. Hysterie III. 5).
Es ist der wichtigste Schritt in der Diagnose einer
L., die funktionelle von der organisch be-
dingten Bewegungsstörung zu scheiden. Hat
man erkannt, dass die L. von einer Ursache letzterer
Art, also von einer anatomischen Unterbrechung im
Nervensystem abhängt, so hat die Diagnose drei
Fragen zu beantworten, welche zum Schaden der
diagnostischen Klarheit nicht immer auseinander-
gehalten werden. Die erste Frage geht nach dem
Sitz der Unterbrechung (der Lokalität der Er-
krankung); die zweite nach dem Prozess, der
die Unterbrechung verschuldet, und die
dritte nach dem ätiologischen Moment des
selben. Nur die Frage nach der Lokalisation der
Unterbrechung kann hier ohne Bezugnahme auf die
speziell pathologischen Artikel behandelt werden. –
Unsere Kenntnisse über den anatomischen Verlauf
der motorischen Bahn lassen sich kurz dahin zu-
sammenfassen: Es gibt ein verhältnismässig grosses
Gebiet auf der Hirnrinde, von dem die Fasern für
willkürliche Bewegung ausgehen. Dasselbe umfasst
den Lobus paracentralis an der medialen Gehirnoberfläche, das über
die Sylv’sche Grube hängende Speculum und das
anstossende Stück der ersten Stirnwindung (vgl. Ge-
hirnwindungen). Von diesen Rindengebieten
aus zieht die motorische Faserung immer enger kon-
vergierend durch den Markkern der Hemisphäre in
die grosse Faserstrasse zwischen den Grosshirn-
ganglien, die innere Kapsel (vgl. Corpus stria-
tum). In der inneren Kapsel nimmt sie die vorderen
zwei Drittel des hinteren Schenkels ein. Die sen-
sible Bahn, welche ebenfalls vom Parietalhirn, ausser-
dem noch vom Hinterhaupt- und Schläfelappen
kommt, nimmt in der inneren Kapsel das hinterste
Drittel des hinteren Schenkels in Anspruch. – Das
kompakte Verlaufsstück der motorischen Bahn setzt
sich nun durch den Hirnschenkel, in dem sie das
mittlere Drittel einnimmt, fort in den Pons und
tritt als Pyramide aus dem letzteren hervor. Auf
dem Wege durch Pons und Oblongata lösen sich
bereits die Fasern zu den motorischen Hirnnerven
von der motorischen Bahn ab. Als Extremitäten-
bahn gelangen die Pyramiden immer noch als kom-
pakte Bündel bis zur oberen Grenze des Rücken-
markes, woselbst sie eine Umlagerung erfahren (Re-
gion der Pyramidenkreuzung). Ein in inkon-
stantem Verhältnis mächtigerer Anteil begibt sich
in den gekreuzten Vorderstrang, ein geringerer An-
teil behält seine Lagerung als inneres Stück der
Vorderstränge bei (Türck’sche Bündel). Im
Rückenmark nehmen beide Teile der Pyramiden-
bahn allmählich nach unten ab, die Vorderstrangs-
bahn erschöpft sich früher als die Seitenstrangsbahn,
beide wehe es scheint durch Faserabgabe zu den
Vorderhörnern des Rückenmarkes, von denen aus
die motorische Bahn sich durch die vorderen Wur-
zeln zur Peripherie fortsetzt. Ausser dieser langen
motorischen Bahn gibt eswiewoch noch andere Wege
für die Innervation der Muskeln; es scheint abernicht, dass dieselben bei der willkürlichen Bewe-
gung des Menschen in Anspruch genommen werden.
II. Die zerebrale Unterbrechung. Es ist
nun klar, dass eine Unterbrechung der beschriebenen
motorischen Bahn auf ihrem Verlaufe von der Gross-
hirnrinde bis zur Pyramidenkreuzung stets dasselbe
klinische Bild ergeben muss, nämlich das der zere-
bralen Hemiplegie: L. der willkürlichen Mus-
kulatur auf der dem Sitz der Unterbrechung un-
gleichnamigen Körperhälfte. Innerhalb dieses Ver-
laufsstückes wird sich eine Unterscheidung zwischen
der Unterbrechung im Gebiet des kompakten Verlaufs
von der inneren Kapsel abwärts, und der Unter-
brechung des diffuser ausgebreiteten Stückes im
Hemisphärenmarke bis zur Rinde machen lassen.
Die Hemiplegie der zweiten Art – kortikale und
subkortikale Hemiplegie – wird einen un-
vollständigen Charakter haben und sich der mono-
plegischen L. annähern. Es kann so von der Rinde
aus bloss die Innervation der Gesichtsmuskeln
der Zunge, einer oberen und in seltenen Fällen
einer unteren Extremität gestört sein. Doch dürfen
diese kortikalen Monoplegieen nicht sehr intensiv
werden, wenn sie nicht wenigstens andeutungsweise
auf die anderen Glieder derselben Seite übergreifen
sollen. Sensibilitätsstörung kann die kortikale L.
begleiten, ist aber nicht jedesmal vorhanden; wo
von dieses Verhalten abhängt, ist unbekannt. –
Unterbrechung im Gebiet des kompakten Verlaufs
der motorischen Bahn erzeugt das Bild der
zerebralen Hemiplegie (vgl. Gehirnblutung).
Klinisch ist hierzu zu bemerken, dass eine solche
zerebrale Seitenlähmung gesetzmässigerweise nicht
alle Muskeln der gekreuzten Seite befüllt, son-
dern nur die Muskeln der Extremitäten und die
Gesichtsmuskeln im Mund und Nase. Die Muskeln
um die Lidspalte (Augenfacialis), sowie die Rumpf-
muskeln erleiden nur eine geringe Schwächung;
zur L. der von Gehirnnerven versorgten willkür-
lichen Muskulatur (Kau-, Schling-, Zungenmuskeln)
ist eine besondere Lokalisation der Unterbrechung
erforderlich. Endlich ist von Augenmuskellähmung
infolge zerebraler Unterbrechung nichts bekannt,
wenn man von der noch nicht sicher bewiesenen
zerebralen Ptosis absieht. Der Grund für dieses
Verhalten wird zumeist in der doppelseitigen Inner-
vation der bei der zerebralen Hemiplegie verschonten
Muskeln gesucht, könnte aber auch in der Natur
der Beziehung des Grosshirns zu den genannten
Muskeln überhaupt gelegen sein. Andererseits ist
hervorzuheben, dass auch die Muskeln der gleich-
namigen Seite bei der zerebralen Hemiplegie eine
Kraftabschwächung davontragen. – Für die zere-
brale L. (mit Einschluss der kortikalen) ist ferner
charakteristisch: 1. dass die Endglieder der Extre-
mitäten stärker beeinträchtigt sind als die Rumpf-
glieder, 2. dass der Arm in der Regel mehr leidet
als das Bein, 3. dass die gelähmten Muskeln nur
in geringem Masse – infolge der Unthätigkeit –
atrophieren, und 4. dass die elektrische Erregbar-
keit der Muskeln und Nerven unverändert bleibt.
Ist die zerebrale L. eine beständige, so gesellt sich
nach einiger Zeit zu ihr der Symptomenkomplex hinzu,
den man als den Ausdruck einer absteigenden De-
generation in der motorischen Bahn auffasst: Reflex-
steigerung, spastische Kontraktur, mitunter auch
echte Muskelatrophie (vgl. Gehirnblutung).
Sensibilitätsstörung gehört nicht zum Bilde der zere-
bralen Hemiplegie, dagegen tritt bei Mitverletzung
des hinteren Drittels der inneren Kapsel ein – auch
selbständig beobachteter – Symptomenkomplex zur
zerebralen Hemianästhesie bezeichnet wird. – In man-
chen Fällen von zerebraler L. ist man überdies imS.
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stande, den Ort der Unterbrechung innerhalb der
Strecke von der inneren Kapsel bis zur Pyramiden-
kreuzung zu erkennen. Die zu dieser Bestimmung
dienenden Lokalitätszeichen sind teils von der Be-
teiligung benachbarter Gebilde, teils von dem Ver-
lauf der motorischen Hirnnervenbahn hergenommen.
So wird eine Unterbrechung in der Hirnschenkel-
region den dort austretenden N. oculomotorius leicht
affizieren können und die Hemiplegie eine gekreuzte
Augenmuskellähmung hinzufügen, ähnlich wird bei
einer Läsion im Bereich des hinteren Randes der
Brücke durch Affektion des N. abducens (s. d.)
eine mit der Hemiplegie gekreuzte L. des M. rectus ex-
ternus auftreten. Eine Unterbrechung der motorischen
Bahn im unteren Drittel der Brücke wird die Ge-
sichtslähmung aus dem Bilde der Hemiplegie aus-
fallen lassen, da sich hier bereits die Fasern zum
Facialiskern von der motorischen Bahn abgelöst
haben, dagegen wird die Zungenablenkung an dieser
Stelle noch vorhanden sein. Unmittelbar oberhalb der
Pyramidenkreuzung kann die Hemiplegie überhaupt
nur noch die Extremitäten betreffen. Wegen der An-
näherung der motorischen Bahn an die Mittellinie
wie der Brücken- und Oblongatengegend sind von
Unterbrechungen in dieser Region eher doppelseitige
Lähmungen als von höher oben gelegenen Krank-
heitsherden zu erwarten. L. nach Apoplexie s. a.
Massage.
III. Spinale, akute, aufsteigende, Landry’sche
L. s. Spinallähmung; in betreff spinaler L.
vgl. auch noch spastische Spinal-Paralyse;
L. a. Myelitis. Seitenläsion des Rückenmarks,
Brown–Séquard’sche L.
IV. Als peripherische L. bezeichnet man im
Gegensatz zu der zerebralen und spinalen l. die-
jenigen neuropathische Bewegungslähmung der
willkürlichen Muskeln, welche durch Affektionen
der Hirn- und Rückenmarksnerven nach ihrem Aus-
tritt aus den nervösen Zentralorganen bedingt ist.
Nach den veranlassenden Ursachen und nach deren
örtlichem Angriffspunkte zeigt sie einen variablen
Umfangsbezirk. Am häufigsten tritt die periphe-
rische L. als sog. partielle auf und ist dann auf
bestimmte Abschnitte eines Körperteils beschränkt.
Dies ist immer dann der Fall, wenn ein einzelner
Nerven-
stamm oder nur ein Teil seiner Faserbündel
von der lähmenden Ursache betroffen ist. Seltener
werden räumlich weit getrennte Nervenbahnen durch
denselben peripherischen Prozess leitungsunfähig.
Doch beobachtet man derartige L-en, z. B. bei
multiplen Neuromen, der Polyneuritis, dem chro-
nischen Alkoholismus. Für gewöhnlich sind dann
aber, abgesehen von den zeitlichen Unterschieden
in dem Erscheinen der L., die Grade der Bewegungs-
störung in den verschiedenen Innervationsgebieten
voneinander abweichend, hier herrscht etwa voll-
kommene Paralyse, dort nur leichte Parese vor.
Noch seltener werden durch peripherische Prozesse
Mono-, Hemi- und Paraplegieen von dem Charakter
der zerebralen und spinalen bewirkt. Als ein wesent-
liches Unterscheidungsmerkmal von diesen gilt das
übliche jedoch nicht als pathognostisch zu be-
trachtende Freibleiben des einen oder anderen
Nervenstamms mitsamt seiner Aeste, da, selbst wenn
nicht alle die Extremität versorgenden Nerven in
Mitleidenschaft gezogen zu werden pflegen, noch
weniger zu gleicher Zeit und in gleich grossem
Masse. Am ehesten geben noch Wurzelkran-
kungen und Komplikationen mit L-en anderer
Herkunft zu irrtümern Veranlassung. In der
Aetiologie der peripherischen L. sind mecha-
nische Insulte, primäre und sekundäre Neuritis, Er-
kältungen, Veränderungen der Zirkulation und Blut-
mischung, Gifte, akute und chronische Infektions-
krankheiten anzuführen. Diagnostisch muss mit
manchen Einschränkungen vor allem der Mangel
krankhafter Erscheinungen von seiten der nervösen
Zentralorgane, die Abgrenzung der L. auf einzelne
Teile einer Extremität, die Beteiligung der Sensi-
bilität, der gleichzeitige Verlust der Reflexe und
Mitbewegungen, sowie die Nichtbeteiligung an allen
zentral bedingten krankhaften Bewegungsvorgängen
neben der Einbusse der willkürlichen Muskelthätigkeit,
der schnelle Eintritt von trophischen und vasomoto-
rischen Störungen, das eigene Verhalten der elektri-
schen Erregbarkeit und der Nachweis der Entstehung
für den peripherischen Sitz entscheiden. Die elek-
trische Untersuchung bietet auch in manchen
Fällen ein Mittel, die Läsionsstelle am Nerven ge-
nauer zu ermitteln, nämlich dann, wenn auf Reizung
des zentral gelegenen Nervenstückes eine Reaktion
ausbleibt, während die Applikation des Reizes auf
das peripherische Ende Zuckung hervorruft. Die
Prognose richtet sich in erster Linie nach der
Natur der L-ursache. Grössere durch ein Trauma
vernichtete Nervenstrecken regenerieren sich meist
nicht, kleinere wachsen zusammen oder können wieder-
vereinigt werden, peripherische L-en nach Diph-
therie (s. diphtherische L.), Typhus, Ruhr,
Pocken u. s. w. heilen oft, Drucklähmungen,
rheumatische und toxische L-en geben gleichfalls
häufig eine günstige Vorhersage. Therapeutisch
kommen operative Eingriffe (Entfernung von Tu-
moren und Fremdkörpern, Excision von Narben,
Nerven-
naht), Antiphlogose, Derivantien, Nervina,
Tonica, Beseitigung des Grundleidens, Antitoxische
lokale Bäder, Massage (s. d.), Heilgymnastik
(s. d.), Elektrizität in Frage.
2. Auch die myopathische L. ist im eigent-
lichen Wortsinne eine peripherische. Von der neuro-
pathischen L. unterscheidet sie sich wesentlich da-
durch, dass sie als kausales Moment primäre Ver-
änderungen in der elementaren Zusammensetzung
des Muskels voraussetzt. Diese Veränderungen
können durch mechanische Schädigungen, durch akute
und chronische, stationäre und fortschreitende Ent-
zündungen, durch Uebergreifen krankhafter Vor-
gänge aus dem interstitiellen Bindegewebe auf die
fibrilläre Muskelsubstanz, durch einfache Atrophie
der Fasern, durch Infektionskrankheiten, durch Ver-
giftungen herbeigeführt werden. Auch ein Teil
der sog. ischämischen Lähmungen muss nach
dem Vorgang von v. Volkmann notwendig zu den
myopathischen gerechnet werden. Immer kann von
einer myopathischen L. aber nur dann die Rede
sein, wenn der Funktionsverlust oder die Funktions-
einbusse von dem kontraktilen Muskelgewebe aus-
geht, die nervösen Endapparate aber zunächst intakt
sind. Als hauptsächliche Erkennungs- und Unter-
scheidungsmerkmale für die myopathische L. gelten:
der Nachweis der Entstehungsursache, der Beginn
des Leidens nur an einem oder wenigen Muskeln,
das langsame Fortschreiten auf die Umgebung, der
bestimmt lokalisierte Schmerz und die Druckempfind-
lichkeit des erkrankten Muskels, das Voraufgehen
der Atrophie vor der Paralyse, die dem gradweisen
Faserschwinden konforme Abnahme der elektrischen
Erregbarkeit, die fibrillären und faszikulären
Zuckungen, der Befund der leicht und gefahrlos zu
bewerkstelligenden mikroskopischen Untersuchung.
Lakenbad, das (frz. procédé du drap mouillé,
engl. packing in wet blankets;
it. idroterapia del panno bagnato, frottamento col
panno reiteratamente raffreddato), stellt eine von Priess-
nitz zuerst eingeführte Modifikation der kalten Ab-
reibung (s. d.) dar in der Weise, dass das Ab-
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Lähmung
1890-023/1891