S.
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Lagophthalmus–Lähmung.
auch mit einem Obergeschoss versehen. Zur
Bedeckung dient Dachpappe oder Filz, ein
Dachreiter vermittelt die Ventilation, der
Dachreiter vermittelt die Ventilation, der
ausserdem die Fenster mit etwa 0.8 qm Licht-
fläche pro Kopf dienen. Den Fussboden
legt man meist etwas erhöht, so dass die
Luft auch unter der Dielung zirkulieren kann.
Wo letztere nicht anzubringen ist, wird der
Boden gepflastert oder festgestampft, mit
Kies bestreut – immerhin nur ein Notbe-
helf sowohl hinsichtlich der Behaglichkeit
der Insassen, als der erforderlichen Rein-
haltung und daher in den ständigen L-
nn
nicht gebräuchlich. An verschiedenen Orten
werden Baracken aus Wellblech benutzt.
Sie sind dauerhaft, haben aber alle Nach-
teile des guten Wärmeleiters und sind des-
halb im Sommer sehr heiss, im Winter kaum
zu erhitzen. Diese Nachteile werden durch
eine viel benutzte dicke Holzfütterung teil-
weise ausgeglichen. – Die Nivellierung des
ganzen für ein L. bestimmten Terrains sollte
man des Wasserabflusses (bes. in Hinsicht auf
etwa anzulegende einheitliche Kanalisation)
wegen niemals unterlassen und natürlich
stets vor Errichtung des ersten Gebäudes
beendet haben. – Lagerzelte. In Preussen
sind meist konische in Gebrauch für 15 Mann
mit Gepäck. Die Leute liegen radiär gegen
die Zeltstange. Im Zeltmantel ist eine durch
Leinwandklappen verschliessbare Thüröff-
nung. Trockener Boden ist Hauptbedingung,
bei längerem Gebrauch sind Entwässe-
rungsgräben um das Zelt nicht zu entbeh-
ren. Dauernde Benutzung der Zeltlager
ist wegen der ungenügenden Ventilation,
der ungestellten Desinfektion des Bodens,
Schwierigkeit der Reinhaltung des L-s
nicht ratsam. – Schutzzelte, tentes (-)abri
flpl, sind jetzt auch in der deutschen Armee
bei Biwaks allgemein eingeführt. Sie werden
mittels der von den Soldaten getragenen ein-
zelnen Teile zusammengesetzt und gewähren
durch die äusserst zweckmässige Art ihrer
Verbindung die Möglichkeit, für 2 und
mehr Mannschaften eine Notunterkunft mit
sicherem Schutz gegen die Unbilden der
Witterung herzustellen. (Vgl. a. Zelte.) –
Hüttenlager sind in Deutschland nicht
von der preussischen Armee gemachte Erfah-
rungen bei der Verwendung gut eingedeckter
Erdhütten in den rauhen Klimaten ratsam.
Trockener Boden und Möglichkeit der Be-
heizung bei guter Ventilation sind notwendige
Vorbedingungen.Lagophthalmus, der [λαγώς Hase –
ὀφθαλμός Auge], = Hasenauge, s. Lider.
Lähmung, die (frz. paralysie f [motrice];
engl. paralysis, auch palsy; it. paralisi f).
Unter L. (der motorischen Teile) versteht
man die Aufhebung des Vermögens, durch
Willenseinfluss eine Bewegung zu erzeugen.
Ist dieselbe eine absolute oder hochgradige,
so wird sie als Paralyse, sonst als Pa-
rese, motorische Schwäche, bezeichnet. Je
nach dem Orte ihrer Entstehung spricht
man von cerebraler, spinaler und peri-
pherischer L. Wiewohl eine durch genuine
Erkrankung der Muskeln und Gelenke auf-
gehobene Beweglichkeit gleichwertig mit L.
ist, so wird der Ausdruck L. doch sonst nur
mit Bezug auf das Nervensystem gebraucht.
Eine L., die vom Nervensystem abzuleiten ist,
kann von zwei verschiedenen Arten von Ver-
änderung in demselben herrühren: erstens
von einer Funktionseinstellung gewisser Hirn-
teile, und zweitens von einer durch ana-
tomische Verhältnisse gegebenen Unter-
brechung der motorischen Leitung. Die
Veränderung der ersteren Art wird sich
durch keinerlei Methoden der anatomischen
Untersuchung nachweisen lassen, sie ist eine
rein funktionelle; die andere, sog. organische
Veränderung muss als nachweisbar ange-
nommen werden, ob sie nun bereits in die
Tragweite der von uns zum Nachweis ver-
wendeten Methoden fällt oder nicht.
I. Die rein funktionellen L-en sind
uns erst in sehr geringem Umfange bekannt.
Es ist möglich, dass wir dieselben an ver-
schiedenen Stellen des Nervensystems wer-
den lokalisieren dürfen; gegenwärtig kennen
wir aber genauer bloss die hysterische
L., bei welcher wir die Funktionseinstellung
in die psychischen Funktionen dienenden Teile
des Grosshirns verlegen können. An dieser
Stelle sind nur die allgemeinsten Charaktere
hysterischer L-en zu erwähnen: Die hyste-
rische L. hat gewisse Aehnlichkeiten mit der
später als kortikal zu beschreibenden, zeichnet
sich aber dadurch aus, dass sie kein Abbild
der anatomischen Verhältnisse des Nerven-
systems liefert, sondern sich nach den Be-
grenzungen der Körperteile, wie sie uns
durch die gemeine sinnliche Wahrnehmung
bekannt sind, richtet; dass sie an einem
Körperteil leicht den höchsten Grad erreicht
(Absolutheit), ohne auf einen anderen Teil der
Körperperipherie überzugreifen (Ausschliess-
lichkeit); dass sie nie einzelne Teile be-
fällt, die bloss eine anatomische Selbständig-
keit besitzen, sondern stets ganze Apparate,
insofern sie bestimmten Funktionen dienen.
Die hysterische L. ist in der That keine L.
von Körperteilen, sondern eine Aufhebung
von Funktionen, oder sie besteht in einem
Abhandenkommen eines ganzen Gliedes für
den Willen und die Vorstellung des Kranken.
Von der hysterischen L. ergriffen werden
am häufigsten: einzelne Extremitäten, gleich-
namige Extremitäten oder beide Extremi-
täten einer Seite und der Sprachapparat;
die Gesichtsmuskulatur, welche die feinsten
Anzeichen bei L-en organischer Natur
liefert, leidet fast nie bei der Hysterie. Ueber-
dies ist für die hysterische L. charakteristisch,
dass die Störungen der Sensibilität in der
Regel die Motilitätsstörung an In-
tensität überwiegen, was bei organischen
Läsionen nur ausnahmsweise vorkommt (s. a.
Hysterie IV. 2 und 3).
Es ist der wichtigste Schritt in der Dia-
gnose einer L., die funktionelle von derS.
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organisch bedingten Bewegungsstö-
rung zu scheiden. Hat man erkannt, dass
die L. von einer Ursache letzterer Art, also
von einer anatomischen Unterbrechung im
Nervensystem abhängt, so hat die Diagnose
die drei Fragen zu beantworten, welche zum
Schaden der diagnostischen Klarheit nicht
immer auseinandergehalten werden. Die
erste Frage geht nach dem Sitz der Unter-
brechung (der Lokalität der Erkrankung);
die zweite nach dem Prozess, der die
Unterbrechung verschuldet, und die
dritte nach dem ätiologischen Moment
desselben. Nur die Frage nach der Lokali-
sation der Unterbrechung kann hier ohne
Bezugnahme auf die speziell pathologischen
Artikel behandelt werden. – Unsere Kennt-
nisse über den anatomischen Verlauf der
motorischen Bahn lassen sich kurz dahin zu-
sammenfassen: Es gibt ein verhältnismäßig
grosses Gebiet auf der Hirnrinde, von dem
die Fasern für willkürliche Bewegung aus-
gehen. Dasselbe umfasst die beiden Zentral-
windungen, den Lobus paracentralis an der
medialen Gehirnoberfläche, das über die
Sylvische Grube hängende Speculum und
das anstossende Stück der ersten Stirnwin-
dung (vgl. Gehirn A.). Von diesen Rinden-
gebieten aus zieht die motorische Faserung
immer enger konvergierend durch den Mark-
kern der Hemisphäre in die grosse Faser-
strasse zwischen den Grosshirnganglien,
die innere Kapsel (vgl. Corpus striatum).
In der inneren Kapsel nimmt sie die vor-
deren zwei Drittel des hinteren Schenkels
ein. Die sensible Bahn, welche ebenfalls
vom Parietalhirn, ausserdem noch vom
Hinterhaupt- und Schläfelappen kommt,
nimmt in der inneren Kapsel das hinterste
Drittel des hinteren Schenkels in Anspruch.
– Das kompakte Verlaufsstück der motori-
schen Bahn setzt sich nun durch den Hirn-
schenkel, in dem sie das mittlere Drittel
einnimmt, fort in den Pons und tritt als
Pyramide aus dem letzteren hervor. Auf
dem Wege durch Pons und Oblongata lösen
sich bereits die Fasern zu den motorischen
Hirnnerven von der motorischen Bahn ab.
Als Extremitätenbahn gelangen die Pyra-
miden immer noch als kompakte Bündel bis
zur oberen Grenze des Rückenmarkes, wo-
selbst sie eine Umlagerung erfahren (Re-
gion der Pyramidenkreuzung). Ein
in inkonstantem Verhältnis mächtigerer An-
teil begibt sich in den gekreuzten Vorder-
strang, ein geringerer Anteil behält seine
Lagerung als inneres Stück der Vorder-
stränge bei (Türk’sche Bündel). Im
Rückenmark nehmen beide Teile der Pyra-
midenbahn allmählich nach unten ab, die
Vorderstrangbahn erschöpft sich früher als
die Seitenstrangbahn, beide, wie es scheint,
durch Faserabgabe zu den Vorderhörnern
des Rückenmarkes, von denen aus die moto-
rische Bahn sich durch die vorderen Wurzeln
zur Peripherie fortsetzt. Ausser dieser langen
motorischen Bahn gibt es gewiss noch andere
Wege für die Innervation der Muskels; es
scheint aber nicht, dass dieselben bei der will-
kürlichen Bewegung des Menschen in An-
spruch genommen werden.
II. Die cerebrale Unterbrechung.
Es ist nun klar, dass eine Unterbrechung
der beschriebenen motorischen Bahn auf
ihrem Verlaufe von der Grosshirnrinde bis
zur Pyramidenkreuzung stets dasselbe klini-
sche Bild ergeben muss, nämlich das der
cerebralen Hemiplegie: L. der willkür-
lichen Muskulatur auf der dem Sitz der
Unterbrechung ungleichnamigen Körper-
hälfte. Innerhalb dieses Verlaufsstückes
wird sich eine Unterscheidung zwischen der
Unterbrechung des mehr kompakten Stückes
von der inneren Kapsel abwärts und der
Unterbrechung des diffuser ausgebreiteten
Stückes im Hemisphärenmarke bis zur Rinde
machen lassen. Die Hemiplegie der zweiten
Art – kortikale und subkortikale
Hemiplegie – wird einen unvollständigen
Charakter haben und sich der monoplegischen
L. annähern. Es kann so von der Rinde
aus bloss die Innervation der Gesichtsmuskeln,
der Zunge, einer oberen und einer unteren
Extremität gestört sein. Doch dürfen diese
kortikalen Monoplegieen nicht sehr intensiv
werden, wenn sie nicht wenigstens andentungs-
weise auf die anderen Glieder derselben
Seite übergreifen sollen. Sensibilitätsstörung
kann die kortikale L. begleiten, ist aber
nicht jedesmal vorhanden; wovon dieses Ver-
halten abhängt, ist unbekannt. – Unter-
brechung im Gebiet des kompakten Ver-
laufs der motorischen Bahn erzeugt das
Bild der cerebralen Hemiplegie (vgl. Gehirn-
druck). Klinisch ist hierzu zu bemerken,
dass eine solche cerebrale Seitenlähmung
gesetzmässigerweise nicht alle Muskeln der
gekreuzten Seite befällt, sondern nur die
Muskeln der Extremitäten und die Gesichts-
muskeln um Mund und Nase. Die Muskeln
um die Lidspalte (Augenfascialis), sowie die
Rumpfmuskeln erleiden nur eine geringe
Schwächung; zur L. der von Gehirnnerven
versorgten willkürlichen Muskulatur (Kau-
Schling-, Zungenmuskeln) ist eine besondere
Lokalisation der Unterbrechung erforderlich.
Endlich ist von Augenmuskellähmung infolge
cerebraler Unterbrechung nichts bekannt,
wenn man von der noch nicht sicher be-
wiesenen cerebralen Ptosis absieht. Der
Grund für dieses Verhalten wird zumeist
in der doppelseitigen Innervation der bei
der cerebralen Hemiplegie verschonten Mus-
keln gesucht, könnte aber auch in der Natur
der Beziehung des Grosshirns zu den ge-
nannten Muskeln überhaupt gelegen sein.
Andererseits ist hervorzuheben, dass auch
die Muskeln der gleichnamigen Seite bei
der cerebralen Hemiplegie eine Kraftab-
schwächung davontragen. – Für die cere-
brale L. (mit Einschluss der kortikalen) ist
ferner charakteristisch: 1. dass die Endglieder
der Extremitäten stärker beeinträchtigt sind
als die Rumpfglieder, 2. dass der Arm in
S.
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der Regel mehr leidet als das Bein, 3. dass
die gelähmten Muskeln nur in geringem
Masse – infolge der Unthätigkeit – atro-
phieren, und 4. dass die elektrische Erreg-
barkeit der Muskeln und Nerven unverändert
bleibt. Ist die cerebrale L. eine beständige,
so gesellt sich nach einiger Zeit zu ihr der
Symptomenkomplex hinzu, den man als den
Ausdruck einer absteigenden Degeneration
in der motorischen Bahn auffasst: Reflex-
steigerung, spastische Kontraktur, mitunter
auch echte Muskelatrophie. Sensibilitäts-
störung gehört nicht zum Bilde der cere-
bralen Hemiplegie, dagegen tritt bei Mit-
verletzung des hinteren Drittels der inneren
Kapsel ein – auch selbständig beobachteter
– Symptomenkomplex zur einseitigen Läh-
mung hinzu, der als cerebrale Hemian-
ästhesie bezeichnet wird. – In manchen
Fällen von cerebraler L. ist man überdies
imstande, den Ort der Unterbrechung inner-
halb der Strecke von der inneren Kapsel bis
zur Pyramidenkreuzung zu erkennen. Die
zu dieser Bestimmung dienenden Lokalitäts-
zeichen sind teils von der Beteiligung be-
nachbarter Gebilde, teils von dem Verlauf
der motorischen Hirnnervenbahn hergenom-
men. So wird eine Unterbrechung in der
Hirnschenkelregion den dort austretenden
N. oculomotorius leicht affizieren können
und der Hemiplegie eine gekreuzte Augen-
muskellähmung hinzufügen, ähnlich wird
bei einer Läsion im Bereich des hinteren
Randes der Brücke durch Affektion des N.
abducens (s. d.) eine mit der Hemiplegie
gekreuzte L. des M. rectus externus auftreten.
Eine Unterbrechung der motorischen Bahn
in unterem Drittel der Brücke wird die Ge-
sichtslähmung aus dem Bilde der Hemiplegie
ausfallen lassen, da sich hier bereits die
Fasern zum Facialiskern von der motorischen
Bahn abgelöst haben, dagegen wird die
Zungenablenkung an dieser Stelle noch vor-
handen sein. Unmittelbar oberhalb der
Pyramidenkreuzung kann die Hemiplegie
überhaupt nur noch die Extremitäten be-
treffen. Wegen der Annäherung der motori-
schen Bahn an die Mittellinie in der Brücken-
und Oblongatagegend sind von Unter-
brechungen in dieser Region eher doppel-
seitige Lähmungen als von höher oben ge-
legenen Krankheitsherden zu erwarten. L.
nach Apoplexie s. a. Massage.III. Spinale, akute, aufsteigende, L. an-
drysche L., s. Spinallähmung; in betreff
spinaler L. vgl. auch noch spastische Spinal-
paralyse; vgl. a. Myelitis. Seitenläsion des
Rückenmarks, s. Brown-Séquardsche L.IV. Als peripherische L. bezeichnet
man im Gegensatz zu der cerebralen und
spinalen die neuropathische Bewe-
gungslähmung der willkürlichen Mus-
keln, welche durch Affektionen der Hirn-
und Rückenmarksnerven nach ihrem Aus-
tritt aus den nervösen Zentralorganen be-
dingt ist. Nach den veranlassenden Ursachen
und nach deren örtlichem Angriffspunktezeigt sie einen variablen Umfangsbezirk.
Am häufigsten tritt die peripherische L.
als sog. partielle, auf bestimmte Ab-
schnitte eines Körperteils beschränkte, auf.
Dies ist immer dann der Fall, wenn ein
einzelner Nervenstamm oder nur ein Teil
seiner Faserbündel von der lähmenden Ur-
sache getroffen ist. Seltener werden räum-
lich weit getrennte Nervenbahnen durch
denselben peripherischen Prozess leitungs-
unfähig. Doch beobachtet man derartige
L.-
en, z. B. bei multiplen Neuromen, der
Polyneuritis, dem chronischen Alkoholismus.
Für gewöhnlich sind dann aber, abgesehen
von den zeitlichen Unterschieden in dem
Erscheinen der L., die Grade der Bewegungs-
störung in den verschiedenen Innervations-
gebieten voneinander abweichend; hier
herrscht etwa vollkommene Paralyse, dort
nur leichte Parese vor. Noch seltener wer-
den durch peripherische Prozesse Mono-
Hemi-- und Paraplegieen von dem Charakter
der cerebralen und spinalen bewirkt. Als
ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal
von diesen gilt das übliche, jedoch nicht als
pathognostisch zu betrachtende Freibleiben
des einen oder anderen Nervenstamms mit
samt seinen Aesten, da, selbst wenn der Krank-
heitsherd das Plexusgebiet einnimmt, nicht
alle die Extremität versorgenden Nerven in
Mitleidenschaft gezogen zu werden pflegen,
noch weniger zu gleicher Zeit und in gleich
grossem Masse. Am ehesten geben noch
Wurzelerkrankungen und Komplikationen
mit L.-en anderer Herkunft zu Irrthümern
Veranlassung. In der Aetiologie der
peripherischen L. sind mechanische In-
sulte, primäre und sekundäre Neuritis, Er-
kältungen, Veränderungen der Zirkulation
und Blutmischung, Gifte, akute und chro-
nische Infektionskrankheiten anzuführen.
Diagnostisch muss mit manchen Ein-
schränkungen vor allem der Mangel krank-
hafter Erscheinungen von seiten der nervösen
Zentralorgane, die Abgrenzung der L. auf
einzelne Teile einer Extremität, die Beteili-
gung der Sensibilität, der gleichzeitige Ver-
lust der Reflexe und Mitbewegungen, sowie
die Nichtbeteiligung an allen zentral be-
dingten krankhaften Bewegungsvorgängen
neben der Einbusse der willkürlichen Mus-
kelthätigkeit, der schnelle Eintritt von tro-
phischen und vasomotorischen Störungen, das
eigenartige Verhalten der elektrischen Er-
regbarkeit und der Nachweis der Entstehung
für den peripherischen Sitz entscheiden. Die
elektrische Untersuchung bietet auch
in manchen Fällen ein Mittel, die Läsions-
stelle am Nerven genauer zu ermitteln, näm-
lich dann, wenn auf Reizung des zentraler
gelegenen Nervenstückes eine Reaktion aus-
bleibt, während die Applikation des Reizes
auf das peripherische Ende Zuckung her-
vorruft. Die Prognose richtet sich in
erster Linie nach der Natur der L.-ursache.
Grössere durch ein Trauma vernichtete
Nervenstrecken regenerieren sich meist nicht,S.
186
kleinere wachsen zusammen oder können
wiedervereinigt werden, peripherische L–en
nach Diphtherie (s. diphtherische L.), Typhus,
Ruhr, Pocken u. s. w. heilen oft, Druckläh-
mungen, rheumatische und toxische L–en
geben gleichfalls häufig eine günstige Vor-
hersage. Therapeutisch kommen opera-
tive Eingriffe (Entfernung von Tumoren und
Fremdkörpern, Exzision von Narben, Nerven-
naht), Antiphlogose, Derivantien, Nervina,
Tonica, Beseitigung des Grundleidens, anti-
toxische Mittel, hypodermatische Kuren,
allgemeine und lokale Bäder, Massage
(s. d.), Heilgymnastik (s. d.), Elektrizi-
tät in Frage.Auch die myopathische L. ist im eigent-
lichen Wortsinn eine peripherische. Von
der neuropathischen unterscheidet sie sich
wesentlich dadurch, dass sie als kausales
Moment primäre Veränderungen in der
elementaren Zusammensetzung des Muskels
voraussetzt. Diese Veränderungen können
durch mechanische Schädigungen, durch
akute und chronische, stationäre und fort-
schreitende Entzündungen, durch Ueber-
greifen krankhafter Vorgänge aus dem inter-
stitiellen Bindegewebe auf die fibrilläre Mus-
kelsubstanz, durch einfache Atrophie der
Fasern, durch Infektionskrankheiten, durch
Vergiftungen herbeigeführt werden. Auch
ein Teil der sog. ischämischen Lähmungen
muss nach dem Vorgang von Volkmann
notwendig zu den myopathischen gerechnet
werden. Immer kann von einer myopathischen
L. aber nur dann die Rede sein, wenn der
Funktionsverlust oder die Funktionseinbusse
vor dem kontraktilen Muskelgewebe aus
geht, die nervösen Endapparate aber zu-
nächst intakt sind. Als hauptsächlichste Er-
kennungs- und Unterscheidungsmerkmale für
die myopathische L. gelten: der Nachweis
der Entstehungsursache, der Beginn des
Leidens nur an einem oder wenigen Muskeln,
das langsame Fortschreiten auf die Um-
gebung, der bestimmt lokalisierte Schmerz
und die Druckempfindlichkeit des erkrankten
Muskels, das Vorausgehen der Atrophie vor
der Paralyse, die dem gradweisen Faser-
schwinde konforme Abnahme der elektri-
schen Erregbarkeit, die fibrillären und fas-
zikulären Zuckungen, der Befund der leicht
und gefahrlos zu bewerkstelligenden mikro-
skopischen Untersuchung.Lakenbad, das (frz. procédé m du drap
mouillé, bisw. a. affusion f froide; engl.
packing in wet blankets; it. idroterapia f
del panno bagnato, frottamento m col panno
reiteratamente raffreddato), stellt eine von
Priessnitz zuerst eingeführte Modifikation
der kalten Abreibung dar in der Weise,
dass das Abreibetuch, sobald es warm ge-
worden, aufs neue ein- oder mehreremal
mit kaltem Wasser begossen wird. Die Wir-
kung ist eine stärkere als die der einfachen
Abreibung, insbesondere ist die Wärmeent-
ziehung eine bedeutendere. Daher findet das
L. besonders als temperaturherabsetzendesMittel Anwendung zumal in der Privat-
praxis bei Mangel einer ordentlichen Bade-
vorrichtung.Laktation, die [lat. lac Milch]; (frz.
allaitement m; frz. lactation f; engl. lacta-
tion; it. allattamento m, lattazione f). Ano-
malieen der Milchsekretion sind
nicht selten. Ein vollständiger Mangel der
Milchsekretion im Wochenbett, Agalaktie
[ἀ priv. – τὸ γάλα, γάλακτος Milch],
ist sehr selten, ebenfalls selten, aber doch
relativ häufiger zu beobachten ist die Poly-
galaktie [πολύς, viel – τὸ γάλα Milch], eine
zureichliche Milchsekretion, dass darunter das
Allgemeinbefinden leidet. Die Polygalak-
tie wird zur Galaktorrhoe (s. d.), wenn
auch nach dem Absetzen des Kindes ein ge-
setztes Ausfliessen der Milch stattfindet.
– Von praktischer Bedeutung ist allein die
Galaktorrhoe, da durch den mit ihr verbun-
denen Säfteverlust schwere Störungen des
Allgemeinbefindens bedingt werden können.
In gleicher Weise wirkt das zu lange Fort-
setzen des Stillungsgeschäftes. Eine eigen-
tümliche, öfters dabei auftretende Erschei-
nung ist eine Hyperinvolution des Uterus,
welche zu langdauernder Amenorrhoe führt.
Gegen die Polygalaktie ist das Herbeiführen
reichlicher wässeriger Stühle durch den Ge-
brauch von Bittersalz, sowie die Einschrän-
kung flüssiger Nahrung von Vorteil. Ist
Galaktorrhoe vorhanden, so ist durch An-
legung eines Druckverbandes, Darreichung
von Jodkalium oder Antipyrin innerlich, die
Sekretion zu vermindern. Das Wiederein-
treten der Menses, das durch heisse Douchen
beschleunigt werden kann, vermindert die
Sekretion zumeist. – Vorzeitiges Ver-
siegen der Milchsekretion kommt häufig
vor bei Eintreten der Menstruation, bei wie-
der eingetretener Schwangerschaft, starken
Säfteverlusten, Blutungen, Diarrhöen, sowie
nach Gemütserregungen und bei Auftreten
akuter Erkrankungen.Die Kongestion der Milch in den
Brüsten in den ersten Tagen des Wochen-
bettes führt lediglich zur Hyperämie der
Brüste ohne Fieber und schwindet in den
nächsten Tagen. Ein sog. Milchfieber
gibt es nicht. Kommt es zu fieberhaften
Zuständen während der Kongestion der Milch
in den Brüsten, so handelt es sich wohl
ausnahmslos um lokale Entzündungsprozesse
an den Brüsten oder den Genitalien. Vgl. a.
Brustdrüse C.Laktodensi-
meter, der [lat. lac Milch
– densus dicht (densare dicht machen)
– τὸ μέτρον Mass], Laktokrit, der [lat. lac
Milch – κριτής der Beurteiler], s. Milch V.Laktose, die [lat. lac Milch]; (frz. lac
tose f, lactine f; engl. lactose; it. lattosi f, lattina f), oder Milch-
zucker, C12H22O11 + H2O, findet sich zu
3–6% in der Milch der Frauen, zu 4.8%
in der Kuhmilch. Die L. ist ein spezifisches
Sekret der Milchdrüse und kann nur aus Milch
dargestellt werden. Sie wird als Nebenprodukt
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Lähmung
1890-023/1900