N. N. (/1902): "Moravia"
S.
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„Moravia“.
Die Arbeit des ersten Halbjahres 1902 war vornehmlich der
Aktivierung der Ortsgruppe des galiz. Hilfsvereins und den Be-
ratungen über die nötigen Vorarbeiten zur Organisierung gewisser
öffentlicher Wohlfahrts-Einrichtungen, sowie endlich einer neuen
Geschäftsordnung gewidmet. Die Konstituierung der genannten
Ortsgruppe fand am 9. März mit einer Mitgliedschaft von über
200 statt.
Die Installierung der Beamten erfolgte am 11. Jänner durch
den Delegierten des Verb. Br. Sigm. Spitzer der „Silesia“, der
in Begleitung der Brüder Dr. Eisler und Gold erschienen war.
Im Anschlusse an seine Funktion machte Expr. Br. Spitzer „Die
Ziele und Zwecke unseres Bundes“ zum Gegenstande anregender
und dankenswerter Ausführungen, die ihn als begeisterten Anhänger
und Verfechter unserer Sache erkennen ließen.
Dem in derselben Sitzung entwickelten Programme getreu,
hat es unser Pr. Br. Dr. Feith verstanden, die Vereinstätigkeit
in dieser Periode anregender und intensiver zu gestalten. Die
Sitzungen waren in der Regel zahlreich besucht und die Wichtig-
keit der in Beratung gezogenen Gegenstände ließ den WunschS.
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rege werden, eine Einrichtung zu schaffen, welche es allen Brüdern
des Distriktes ermöglichen würde, in gewissen Zeiträumen zu
einer gemeinsamen Beratung zusammenzutreten. Ohne einen
offiziellen Charakter zu haben, sollten diese Versammlungen neben
dem Vorteile der persönlichen Berührung die gegenseitige Infor-
mation und die raschere Propagierung wertvoller Anregungen
zum Zwecke haben.Außer den zehn ordentlichen Sitzungen fanden zwei Familien-
abende statt. Am 15. Februar veranstalteten die in Proßnitz
domizilierenden Brüder ein glanzvolles Fest, welches den Brüdern
der „Moravia“ und „Austria“, die mit ihren Damen daran teil-
nahmen, in angenehmster Erinnerung bleiben wird. Daß sich ein
Akt der Wohltätigkeit daran knüpfte, bedarf keiner Erwähnung.An Vortragenden hatten wir das Vergnügen zu hören:
Am 25. Jänner, Br. Prof. Brecher: „Die gegenwärtigen
Verhältnisse und Reformbestrebungen der amerikanischen B. B.
Logen“.
8. März, Br. Dr. Feith: „H. St. Chamberlain und seine
Grundlagen“.
15. März, Br. Prof. Dr. Ehrmann, Wien: „Pariser Eindrücke“.
12. April, Br. Prof. Dr. Königstein, Wien: „Fragmente zur
Anthropologie und Physiologie der Juden“.
30. April, Br. Prof. Dr. Freud, Wien: „Ueber Träume“.
10. Mai, Br. Otto Popper: „Die Zuckerindustrie und die
Zuckerfrage“.
24. Mai, Br. Prof. Brecher: „Die Opern des Juden“.
Eingeführt wurden die Brüder Julius Drucker, Brünn, und
Jaques Mayer und Gideon Fassel, beide in Proßnitz, so daß
die Zahl der Mitglieder am Schlusse des Halbjahres 54 betrug.Mußten wir während dieser Periode der Anwesenheit und
Mitwirkung unseres allbeliebten Alterspräsidenten entraten, so
erlitt die „Moravia“ einen schwersten Verlust durch das am
3. Juli erfolgte Ableben dieses unseres hochverehrten Bruders,
des kaiserl. RatesHermann Epler
Oberinspektors der Nordbahn. Er erlag einer tückischen Krankheit
nach einem langen und schweren Leiden, das er mit frommer
Ergebung ertrug. Für ihn war der Tod eine Erlösung, uns raubte
er einen Führer, dem wir mit aufrichtigster Verehrung anhingen,
der die Ziele unseres Bundes mit seltenem Idealismus ins Auge
faßte, dessen Innigkeit und Herzensgüte auftauchende Gegensätze
zu überbrücken verstand und dessen von Natur aus zugleich
vornehmes und bescheidenes Wesen ihm in weitesten Kreisen
Freunde und Verehrer erwarb.S.
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Am 4. Juli haben wir seine irdische Hülle unter allgemeiner
Teilnahme zur letzten Ruhe gebettet. Die Schwester-Vereinigungen
„Wien“, „Austria“, „Silesia“ und „Philanthropia“ hatten Vertreter
entsandt, um ihm diese letzte Ehre zu erweisen, und Br. Dr.
Schneeberger sprach am Grabe tiefempfundene Abschiedsworte.
Von einer Kranzspende wurde abgesehen, dafür aber den beiden
Freitischvereinen und dem mähr. Waisenhilfsvereine Spenden im
Betrage von 200 K übermittelt.
Am Abende vorher war in einer außerordentlichen Sitzung
der Beschluss gefaßt worden, das Angedenken des Heimgegangenen
durch die Errichtung einer Epler-Stiftung zu verewigen; die näheren
Details wurden einer späteren Beschlussfassung vorbehalten.
Die Trauersitzung fand in Anwesenheit der dazu geladenen
Leidtragenden am 6. Juli statt. In einer aus dem Herzen quellenden
Gedenkrede entwarf Br. Dr. Feith in großen Zügen ein Bild
des Verewigten, seines Lebensganges, seiner Tugenden und seines
Wirkens in der Oeffentlichkeit im Allgemeinen, wie auch besonders
für die isr. Kultusgemeinde, an deren Spitze er seit einer Reihe
von Jahren gestanden war.
Möge der Tag weit entfernt sein, an dem der Tod wieder
eine Lücke in unsere Reihen reißt!