Sitzung vom 23. Februar 1919 1919-504/1919

Reik, Theodor (1919-504/1919): Sitzung vom 23. Februar 1919

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  • S.

    Sitzung der Wiener Ψα Vereinigung am 23. Februar 1919.

                                  psychoanalytischen

    Anwesend:                                                                      p s a

    Prof. Freud, Dr Rank. ——————————

    Dr Tausk, Dr Schilder, Dr Fogschaner, Dr Sadger, Dr Reik, Dr Friedjung,
    Dr Winterstein, Doz. Dr Pötzl, Frau Dr Pötzl, Dr Federn, Dr Weiss, med. Feni-
    michel, Dr Mittelmann, Dr Nepallek, Dr Deutsch, Dr Jekels.

    Dr Federn fragt, ob man sich an Diskussion des Stekelschen
    Vortrags in der Ärztekammer Gesellschaft der Ärzte beteili-
    gen soll.

    Dr Tausk meint, es müsse jemand bei von der Ψα Vereinigung
    anwesend sein.

    Prof Freud: Jemand könnte im Namen der Ψα Vereinigung sagen,
                                                      psychoanalyt
    dass Dr Stekel nichts mit Ψα persönlich zu tun hat und nicht der
    Schule angehört etc. Dies ist rein ein formeller Akt.

    Dr Jekels hält es für notwendig, dass, was der Mandatar sagt, genau
    formuliert werde. Schlägt vor, der Mandatar soll erklären, dass
    Dr Stekel nicht der Ψα Vereinigung angehört.  Prof. Freud: man
                                   psychoanalytischen
    soll nicht über Ψα diskutieren, ist er ist sein Rat. Möchte
    bitten, dass man nicht Partei nehme.

    Dr Rank fragt, wer abonniert auf "Imago".

    Dr Reik berichtet über Bibliothekseinlauf.

    Dr Fogschaner hält seinen Vortrag "Zur Psychoanalyse eines
    Falles von Paranoia".

          [Vortrag nach Autoreferat]                                    /

    Diskussion:

    Dr Tausk: Auseinanderlegung der Projektionsstadien ist schon bei
    Freud und Tausk vorbereitet. ** Bei Dementia praecox ist der ganze
    Weg mit allen Zwischenstücken zu den Symptomen im Bewusstsein

    Fall aus Praxis: Ein Junge, bei dem Sturz ins Wasser auch eine
    Veränderung seiner seelischen Tendenzen zur Folge hatte.
    Dabei das Herausziehen bei Haaren als ein Griff an den Penis
    gedeutet.

    Dr Nunberg: Selbstbeobachtung der Paranoiker typisch, ebenso

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    grosse Erinnerungsfähigkeit, bis im Anfang merkwürdig
          gross. Für diese Patienten gibt es keine Symbole.

    Dr Jekels scheint der von Dr Fogschaner angeführte Fall als
    ein Stadium isolierten Narzissmus, dem es fehlt Projek-
    tionsmechanismus und Verfolgungswahn.

    Doz. Pötzl: Mangel einer Zensur erscheint wichtig. In Para-
    noia mangelt Zensur nicht von vornherein, verringert
    sich nur, Traumleben durchwächst Wachleben. Ein solches
    Durchdringen ist im Auftreten der Hörhalluzinationen,
    ein zweites in den Rationalisierungen bemerkbar. Eigenratio-
    nalisierung des Paranoikers (Grössenwahn, weil der so sehr
    Verfolgte gross sein muss.) In Fällen von Schizophrenie zuerst
    in katatonen Zuständen, dabei ähnliche Bewegungen wie in tote-
    mistischen Tiertänzen, dann Stadium, in welchem sie Ma-
    terial gegeben wurde, hat Material zu katatonen Zuständen
    illustriert; dort war es freilich im Keim, hier im paranoiden
    Stadium ausgeführt. Nachher Verarmung. Kranken machen
    Eindruck von fast Genesenden oder Dissimulierenden, un-
    vollkommene Katarsis könnte man dieses Stadium
    nennen.

    Dr Schilder: Eine Leistung, die man beachtet, wird minder-
    wertig oder eine minderwertige Leistung wird beach-
    tet. Dies wird experimentell psychologisch bestätigt.
    Eine typische Trias: Hypochondrie am eigenen Körper,
    Selbstbeobachtung und minderwertige Leistung.

    Dr Schwierigkeiten der Analyse: die Gebilde liegen ausser-
    halb der Sprache, Stufen des Denkens, die der Sprache
    vorhergehen. Dr Fernbewusstsein: viele Phänomene

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    der Dementia, des Traumes erinnern an solche, wortentzogene
    Stufen und Gebilde. Bestätigt die Resultate von Fogschaner.

    Dr Nunberg glaubt, dass nichtsprachliche Denken zusammen-
    hänge mit Regressionen. Zu Pötzl: Stimmen bei Praecox
    Verfolgungsstimmen. Narzistischer Rausch durch Wunscherfül-
    lung.

    Frau Dr Deutsch: ein Fall, in welchem eine Patientin behauptet sie
    werde homosexualisiert. In Halluzinationen sieht sie ihren
    sexuellen Partner homosexualisiert.

    Dr Reik weist auf Wortneubildungen und - zerlegungen hin.

    Dr Fenichel bestätigt dies.

    Dr Tausk: Was Doz. Pötzl und Dr Schilder gesagt haben, wurde schon
    in der Psychoanalyse gesagt. Bei Dementia praecox Sensationen, die
    sonst im Unbewussten bleiben, ausgeführt erscheinen.

    Doz. Pötzl: Wortneubildungen bei Paranoider Rationalisierung
    seiner Neologismen geben. Wäre vorteilhaft, zu konstatieren,
    welche Ausdrücke fixiert und welche flottierend. Unterschiede
    in der Regression im Traumleben und in der Paranoia be-
    achtenswert: bei Paranoia nach P. mehr um Gehörshalluzi-
    nationen, bei Träume optische Gebilde. Bei Paranoia Regression des
    Gefühls ist da, damit eine Mittelstufe ausgebreitet. Forma-
    ler und klinischer Wert dieser Unterschiede.

    Prof. Freud: Vortrags-Vorhaltungen: Darstellung macht Schwierig-
    keiten, weil Darstellung akzentlos war. Deutungen im Einzel-
    nen nicht immer zwingend. Wichtige Dinge des Vortrages:

    1. Punkt: das Bewusste und das Ubw. dieses Patienten etwas ander-
    es als beim Normalen und Gesunden, das Unterscheidende ist der
    Inhalt. Führt zu wichtigen Illustrationen theoretischen Folgerungen.
    Die Umkehrung des Ubw. und des Bw. wäre zu einfach genom-
    men, aber der Gesichtspunkt wichtig. 2. Punkt: Aufhören der Traum-
    zensur nicht da, nur allmählicher Abbau der Zensur in Pa-
    ranoia. 3. Punkt: Licht auf Herkunft der Verfolgungsvorst i-
    deen entsprechen der Beurteilung der Widerstände, da das
    ehemalige Bewusste selbst wahrgenommen wird.

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    Ein psychiatrischer Fall nur auf eine Störung aufge-
    baut darf misstrauisch betrachtet werden. Die Ge-
    genströmungen müssen berücksichtigt werden.
    In der Psyche gibt es nie einen kompletten Sieg und
    komplette Niederlage. Stellung des Wahnes: er ent-
    spricht der sekundären Bearbeitung, da das Bewusst-
    te bemächtigt sich rationalisierend etc. des Unbe-
    wussten. Würdigung der Sprachäusserustörung:
    mehr als Regression, andere Mechanismen müssen gesetzt
    werden. Es handelt sich um Heilungsversuch, in Ob
    der Libido, zu Objekten zu kommen, gelangt aber zu Wort-
    vorstellungen: keine Regression, sondern im Besten von
    im Dienste der Heilungstendenz. Überbesetzung der Wort-
    vorstellungen. Wenn Klinische Psychiatrie auf Inhalt
    eines Falles Wert legt, sich der Ψα Terminologie bedient:
    so wäre ein Fortschritt. Die Fortsetzung würde die Ψα geben.

    Dr Hitschmann: fruchtbare Diskussionen über Psychosen,
    Bewunderung für Arbeit der Ψα, die so wenig Gelegenheit
    hat.

    Doz. Dr Pötzl: zu Freuds Bemerkung: eine Richtung der Schul-
    psychologie die auf Regression Wert legt, zeigt Fehler,
    weil Ähnlichkeiten nicht Identität entspricht. Es handelt
    sich auch in Biologie um Verschiebungen im Zeitausmass.

    [Schwarze Ausstreichung]  Dr Fogschaner Schlusswort weist auf Unvoll-
                                                            einige
    ständigkeit seines Vortrages.

    In 14 Tagen Dr Friedjung zu "Willensproblem Gedanken zum".