"Ten Points on the origin of hysterical manifestations" ca. 1893 1893-104/1893

Freud, Sigmund (1893-104/1893): "Ten Points on the origin of hysterical manifestations" ca. 1893

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  • S.

    Wir haben in der Behandlung einiger schwerer Fälle von
    Hysterie durch hypnotische Analyse Aufschlüsse über die Herkunft
    hysterischer Erscheinungen erhalten, welche uns einer vorläufigen
    Zusam̄enfassung würdig scheinen.

    1). Der hysterische Anfall entspricht einer Erin̄erung aus dem
    Leben der Kranken; er besteht aus der Wiederkehr der
    erlebten Scene udgl und dem dazugehörigen Ausdruck der
    Gemüthsbewegung.

    2) Die Wiederkehr solcher Erin̄erungen ist ein normaler Vorgang,
    der auch beim nicht nervösen Menschen eintritt, sobald dessen
    Geistesthätigkeit nicht auf ein bestim̄tes Ziel in der Gegenwart ge-
    richtet ist. Dieses unabsichtliche Erin̄ern („Tagträumen) setzt sich
    als traumbildendes Element in den Schlaf fort.

    3). Diese Wiederkehr der Erin̄erung dient der Abschwächung derselben
    sie ist demnach eine Fortsetzung der Reaktion des psychischen  Organismus
    gegen intensive Eindrücke, ein Specialfall des allgemeinen Gesetzes
    daß das Nervensystem bestrebt ist, seine Erregungssum̄e con-
    stant zu erhalten, und zu diesem Zwecke einen sensorischen Reizzu-
    wachs mit einer motirischen Abfuhr zu beantworten. Unter
    diesen Gesichtspunkt fällt bereits die spinale Reflexbewegung.

    4). Eine Erin̄erung wird zum Anlaß eines hysterischen Anfalles 1) wenn
    sie an und für sich so groß ist, daß eine so bedeutende Erregungs-
    sum̄e repraesentirt, 2) wenn ihr daß die Abfuhr letzterer auf
    kurzem Wege schwierig wrid, 2) wen̄ ihr die Abfuhr auf normalem
    Wege unmöglich gemacht wird; 3) wen̄ beide Bedingungen zusam̄en-
    treffen. Die Anfälle kom̄en dan̄ entweder spontan oder werden nach
    dem Gesetze der Association ähnlicher Vorstellungen durch gegenwärtige
    Erlebniße geweckt.

    5). Die oben erwähnte zweite Bedingung ist erfüllt, dh die normale Abfuhr
    eines Eindrucks unmöglich gemacht, wen̄ der Eindruck in einem
    besonderen Zustand des Bewußtseins (Hypnose, Narkose, Affekt)
    erfolgt ist, oder wen̄ der Kranke sich die wirksamsten Arten dieser
    Abfuhr (Sprechen und Handeln) versagt.

    6) Die hysterischen Dauerzustände (Schmerzen, Lähmungen Contracturen
    psychische Zwangsvorstellungen und Unfähigkeiten) sind Innervationsphäno-
    mene, die einer abnormen Abfuhr der ursprünglichen Erregung
    ihren Ursprung verdanken. Der übergroße sensorische Reizzuwachs
    hatte sich entweder in Symptome der körperlichen Innervation
    umgesetzt (gesteigerter Ausdr

  • S.

    6). Die hysterischen Dauerzustände (Zwangsvorstellungen, Unfähigkeiten, Schmerzen,
    Lähmungen und Contracturen) sind Innervatiosnphänomene, die auf den
    Moment der Ankunft des übergroßen Reizzuwachses zurückzuführen
    sind, also unter denselben Bedingungen wie die hysterischen Anfälle
    entstehen. Sie sind entweder 1) gesteigerter Ausdruck der Gemüts-
    bewegung dieses Moments; 2) Erfolg einer in diesem Moment auf
    Grund des Reizzuwachses (psychischen Traumas) entstehenden Auto-
    suggestion (Charcot's Theorie), endlich 3) Versuch zur Abfuhr der
    Erregung auf einem anderen als dem normalen und wirksamem
    Weg.

    7). Diese Dauerzustände bleiben mit ihrem psychischen Anlaß associirt
    und kehren, wen̄ die Zeit ihrer beständigen Andauer vorrüber ist, jedesmal
    wieder, so oft die entsprechende Erin̄erung wiederkehrt. Es kom̄t bei
    Hysterie häufig vor, daß sie die Erin̄erungen symbolisch vertreten
    und anstatt ihrer (also auch anstatt der Anfälle) periodisch wieder-
    kehren.

    8). Der Erweis dieses Zusam̄enhanges zwischern Erin̄erungen, Anfällen
    und Dauersymptomen bei Hysterie wird durch die Thatsache gegeben,
    daß man jedem solchem Dauersymptomen ein Ende bereitet,
    wen̄ man in der Hypnose die Erin̄erung an das psychische Trauma
    hervorruft und die dadurch entstehende Erregung auf dem Wege
    der Mittheilung durch die Sprache abführt. Die Wirkung dieses
    Sprechens in der Hypnose – selbst ohne beigefügte hypnotisch therapeutische
    Suggestion – gehört zu den überraschendsten Wahrnehmungen. Die
    so behandelten Erin̄erungen sind von nun an unfähig Anläße von
    Anfällen und Dauersymptomen zu werden.

    9). Die Wirkung der Hypnose bei solchen Behandlungen der Hysterie
    zeigt sich darin, daß sie das Bewußtsein erweitert und nun
    Erin̄erungen und Associationen bewußt macht, die bis dahin „unbewußt"
    waren. Die Zusände der psychischen Traumen bleiben aber darum
    so gerne im Unbewußten, weil der nervöse Organismus das
    Bestreben hat, nur ähnliche Bewußtseinszustände mit einander zu
    verketten, also Affekte an Affekte, schlaf an Schlaf, Wachen an
    Wachen zu associiren und verschiedenartige solche Zustände von
    einander zu trennen. Dieß zeigt sich normaler Weise an der Art
    wie wir unsere ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ Schlaf- und Wachbewußtseinszu-
    stände behandeln.

    10). Die Hysterie zeichnet sich aus durch die Vielfältigkeit der Be-
    wußtseinszustände und durch Größe der Erregungsmassesum̄e der einzelnen
    Eindrücke. Im Wesen ist auch die erstere Eigenthümlichkeit
    (Man̄igfaltigkeit des Bewußtseins) auf die zweite, Größe der
    Erregungssum̄e zurückzuführen.

  • S.

     

    [Hinweis von fremder Hand]

    [Manuscript für
    die Vorläufige
    Mitteilung
    über die Behandlung
    d. Hysterie
    v. Breuer u. Freud!]