[Vortrag] Aus dem Seelenleben der Kinder 1899-001/1900

N. N. (1899-001/1900): [Vortrag] Aus dem Seelenleben der Kinder

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    Editorische Anmerkung: 
    Aus einem Bericht aus 2. Hand, verfasst von Dr. J. Schnabl, findet ein Vortrag von Sigmund Freud auf Seite 38 Erwähnung finde.

    Freud, Sigmund (1900-411/1901): [Erwägung des Vortrages: Aus dem Seelenleben der Kinder. Ueber „Fécondité“ von Emil Zola]. In: Schnabl, J. (1902): Vierteljahrs-Bericht für die Mitglieder der österr. israel. Humanitätsvereine „B’nai B’rith”, 3, 1901, 4 (Februar):38.

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    […]

    Isr. Humanitätsverein „Wien“ B’nai B’rith.

    In der Sitzung vom 8. Jänner d. J. hat Br. Dr. J. Schnabl
    den nachfolgenden Bericht über die Thätigkeit der „Wien“ im
    abgelaufenen Jahre erstattet.

    Würdiger Präsident, liebe Brüder! Wenn Ihr protocollirender
    Secretär am Schlusse des Jahres Rundschau halten soll auf die
    verflossene Amtsperiode, so ist er in der glücklichen Lage es
    vorerst aussprechen zu können, dass das abgelaufene Jahr gegen
    seine Vorgänger nicht zurückgeblieben ist, sowohl, was Arbeit
    und Leistung anlangt, die darauf hinzielten, zur Hebung des
    materiellen Wohles unserer bedrängten und hilfsbedürftigen
    Glaubensgenossen nach Kräften beizutragen, als in Bezug auf
    die Bethätigung ernsten, geistigen Strebens im Schoosse unserer
    Vereinigung selbst.

    Der aus der Initiative unserer Vereinigung hervorgegangene
    Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, hat Dank der Richtung,
    die ihm seine Gründer gegeben, sowie Dank seiner arbeitsfreudigen
    und zielbewussten Leitung eine überaus segensvolle Thätigkeit
    entfaltet und allgemeine freudige Anerkennung sich erworben.
    Die am 17. November v. J. stattgefundene Generalversammlung
    dieses Vereines hat hiefür den glänzendsten Beweis erbracht.
    Den bedrängten rumänischen Juden sind wir mit namhaften
    Mitteln zu Hilfe gekommen, dem Vereine „Ferienheim“, der die
    Kinder der Aermsten in den Sommermonaten der Wohlthat eines
    kräftigenden Landaufenthaltes theilhaftig werden lässt, haben
    wir einen Gründungs- und Jahresbeitrag bewilligt. Die Ange-
    legenheit der galizischen Hilfsaction hat durch uns eine wesent-
    liche Förderung erfahren. Ein Comité, zum grössten Theile aus
    Mitgliedern unserer Zweigvereine bestehend, berieth das Statut
    und in unserer Sitzung vom 24. April konnte der Schriftführer
    dieses Comités, Br. Expräsident Dr. Langstein, bereits die
    Mittheilung machen, dass dieses Statut die Genehmigung der
    Behörde gefunden habe. Die weiteren Vorarbeiten, die dieses
    Comité durchführt, ermöglichten es, dass die Constituirung im
    Monate Februar d. J. stattfinden wird.

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    Vor dem B’nai B’rith-Tage in Chicago hatten wir das
    Vergnügen, Br. Expr. Bergel aus Berlin, der es übernommen
    hat, auch die Wünsche der österreichischen Vereinigungen in
    Amerika zu vertreten und der auch in bekannter Weise für die
    gute Sache gewirkt und gesprochen hat, in unserer Mitte zu be-
    grüssen. In Chicago wurde die galizische Hilfsaction bekanntlich
    für eine allen Juden gemeinsame Angelegenheit erklärt und in
    der Sitzung unserer Vereinigung vom 27. November v. J. war
    unser Bruder Expr. Dr. Edmund Kohn in der Lage zu erklären,
    dass heute thatsächlich die gesammte Judenschaft der Welt
    vereinigt ist, um das galizische Hilfswerk zu unterstützen.

    Der von unserem verstorbenen Bruder Sigmund Rosenfeld
    ins Leben gerufene Humanitätsfond, der zum immerwährenden
    Gedächtnisse an seinen Gründer laut einstimmigen Beschlusses
    vom 9. October den Namen des Verewigten tragen soll, hat
    auch in diesem Jahre eine wesentliche Vermehrung erfahren.
    Bezüglich seiner Verwendung wurde der Beschluss gefasst, dass
    die Gelder desselben einzig und allein für eine grosse Wohl-
    thätigkeitsaction verwendet werden sollen. Soweit dies die be-
    schränkten Mittel unseres Wohlthätigkeitsfondes gestattet haben,
    waren wir bemüht, Armen und Kranken zu Hilfe zu kommen.

    Was unsere interne Thätigkeit anlangt, so haben wir im
    verflossenen Jahre 15 ordentliche, 4 ausserordentliche und 3 Trauer-
    sitzungen abgehalten. Unsere Sitzungen waren gut besucht; zehn
    Versammlungen im ersten Semester wurden von 884 Mitgliedern,
    im Durchschnitte also von 88, 8 Versammlungen im zweiten
    Semester von 772, im Durchschnitt von 96 Mitgliedern frequen-
    tirt, was eine Betheiligung von 60% aller Mitglieder ergibt.

    In der Sitzung vom 13. Februar hat Br. Expräsident Dr. E.
    Kohn die Gründung einer zweiten Vereinigung angeregt und
    deren Nothwendigkeit begründet. Die Frage ist seitdem nicht
    von der Tagesordnung unserer Sitzungen geschwunden, hat zu
    vielen, zum Theile sehr lebhaften Discussionen und Erörterungen
    Veranlassung gegeben und ist in den letzten Tagen bejahend
    erledigt worden. Die Gründung einer zweiten Vereinigung, auch
    vom sehr würdigen Verbande dringlich empfohlen, wurde definitiv
    beschlossen; der Modus, wie dieselbe ins Werk gesetzt werden
    soll, wird gewiss gefunden und zur allseitigen Befriedigung
    durchgeführt werden.

    Einen breiten Raum unserer diesjährigen administrativen
    Verhandlungen hat die Umänderung unseres Vereinslocales, sowohl
    des Sitzungssaales als seiner Annexe eingenommen, das dem
    heutigen Stande unserer Mitgliederzahl nicht mehr genügt. Wir
    haben die Vornahme der nothwendigen Adaptirungen beschlossen,
    wobei uns Br. Architekt Fleischer mit seinem ausgezeichneten,
    fachmännischen Rathe und seiner grossen Erfahrung stets hilfs-
    bereit zur Seite stand und Br. Messinger sich mit dankens-
    werthem Eifer um die zur Ausführung kommende Ventilation

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    bemühte. Einer definitiven Regelung dieser wichtigen Frage,
    mit der unser ganzes Vereinsleben innig verknüpft ist, haben
    wir mit diesem unserem Beschlusse nicht präjudiciren wollen.

    Eine Hilfsaction in grösserem Massstabe, an der sich unsere
    Vereinigung betheiligen soll, hat Br. Director Kux angeregt;
    sie betrifft unsere intensivere Betheiligung an dem Vereine zur
    Verpflegung armer Brustkranker auf dem Lande. Seit einigen
    Jahren ist sowohl in ärztlichen wie in gebildeten Laienkreisen eine
    mächtige Bewegung entstanden, dahin gerichtet, für arme Brust-
    leidende eigene Heil- und Heimstätten zu errichten, wie sie für
    wohlhabende Kreise schon lange bestehen. Wir sind aufgefordert
    worden, an einem solchen Werke wahrer und echter Humanität,
    und dies im Interesse unserer armen kranken Glaubensgenossen
    mitzuwirken; die Verhandlungen sind im Zuge und werden,
    wie wir nach dem gegenwärtigen Stande derselben bestimmt
    erwarten dürfen, zu einem gedeihlichen Resultate führen.

    Um das Unterstützungswesen auf eine gesunde Grundlage
    zu stellen, hat unser Unterstützungs-Comité eine Geschäfts-
    ordnung ausgearbeitet, die im Plenum einstimmig angenommen
    wurde.

    Am Verbandstage, sowie an der feierlichen Eröffnung des
    Vereinshauses in Carlsbad haben wir uns durch unsere Reprä-
    sentanten und Delegirten betheiligt.

    An 7 ordentlichen und 3 ausserordentlichen Sitzungen
    wurden 10 Vorträge gehalten. Es sprachen: 
    Architect Fleischer: Ueber Bruderschaftsbündnisse in alten
        Zeiten.
        Aus meinen Erinnerungen an den Wiener Rathhausbau.

    Br. Doc. Dr. Freund: Aus dem Seelenleben der Kinder.
        Ueber „Fécondité“ von Emil Zola.

    Br. Bernhard Jerusalem: Ueber die landwirthschaftliche Action
        des zu gründenden Hilfsvereines für die nothleidenden
        Juden Galiziens.
    Br. Prof. Dr. Ehrmann: Jüdische Denker zu Beginn unserer
        Zeitrechnung.
    Br. Dr. Josef Jerusalem: Ueber Haeckel’s Welträthsel.
    Br. Doc. Dr. Jos. Pollak: Ueber Friedrich Nietzsche.
    Br. Dr. M. Friedländer: Ueber die jüdische Sibylle (Oracula
        sibyllina).
    Br. Dr. Flachs, Mitglied der Cremieux-Vereinigung in Berlad
        in Rumänien: Ueber die Aussichten der Juden in Rumänien.

    Ueber Vorschlag Br. Prof. Dr. Ehrmann wurde die
    Herausgabe eines wichtigen Quellenwerkes: „Zur Genesis der
    Agada. II. Theil, die Alexandrinische Agada“ von dem Gelehrten
    Dr. N. Weinstein durch die Unterstützung seitens zahlreicher
    Mitglieder unserer Vereinigung wesentlich gefördert.

    Im Laufe des Jahres wurden uns drei liebe Brüder durch
    den Tod entrissen: Ignaz Winter, Sigmund Rosenfeld und

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    Dr. Nándor Singer. Sie hielten mit edler Begeisterung fest und
    treu zu unserer guten Sache und waren ausgezeichnet durch die
    Festigkeit ihres Characters, durch die Vornehmheit ihres Wesens,
    durch ihre unendliche Herzensgüte. Wir werden den dahinge-
    schiedenen Brüdern für alle Zeiten eine liebevolle und dankbare
    Erinnerung bewahren.
    Der ersteren zwei Brüder wurde in dem Vierteljahrsbericht
    bereits gedacht.

    […]

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    In der Trauersitzung hielt der w. Präsident eine warme
    Ansprache an die anwesenden Familienmitglieder und Br. Pro-
    fessor Königstein eine Gedenkrede, würdig der edlen Gestalt des
    Dahingegangenen.

    *

    Der Stand unserer Mitglieder betrug am 31. December 1899
    151; im Jahre 1900 wurden neu aufgenommen 22, 3 starben,
    1 Mitglied ist freiwillig ausgetreten, so dass unsere Mitglieder-
    zahl zum Schlusse des Jahres 169 betragen hat.

    Ich bin am Ende meiner Berichterstattung. Manches ist in
    diesem Jahre erreicht, Grösseres angeregt worden und ernste
    Aufgaben harren unser für die nächste Zeit. Die hohen Ziele
    und Zwecke, die sich unsere Vereinigung gesetzt, wir können
    sie nur fördern und zu ihrer Verwirklichung beitragen, wenn
    wir alle im edlen Wettstreite streben und schaffen und in steter
    Einigkeit und Brüderlichkeit treu zusammenhalten.