[Vortrag Freuds] Über die Psychologie im Dienste der Rechtspflege 1906-002/1908

Freud, Sigmund (1906-002/1908): [Vortrag Freuds] Über die Psychologie im Dienste der Rechtspflege

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    VII. Die «Wien» in Wien im Jahre 1907.

    Wenn wir darangehen, eine Rückschau über die Tätigkeit
    im abgelaufenen Jahre zu halten, so möge es uns auch diesmal
    wieder gestattet sein, an erster Stelle des überaus herzlichen
    und freundschaftlichen Verhältnisses mit unserer Schwesterver-
    einigung «Eintracht» zu gedenken und unserer Genugtuung
    Ausdruck zu geben sowohl über das gedeihliche Zusammen-
    wirken beider Vereinigungen, als auch über die herzlichen und
    innigen Beziehungen der einzelnen Brüder der «Eintracht» und
    der «Wien» untereinander.

    Unsere Mitgliederzahl beträgt Ende 1907 185. Im
    Laufe des Jahres hatten wir die Freude, sieben neue Brüder bei
    uns eingeführt zu sehen; der unerbittliche Tod hat uns einen
    Bruder, Jakob Jaiteles, der am 11. November verschied, entrissen.
    Wir werden dem Verblichenen, der unserer Vereinigung seit
    dem Jahre 1895 angehörte, stets ein treues Gedenken bewahren.
    Ein Bruder ist aus der Vereinigung ausgetreten.

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    Ordentliche Sitzungen hielt die «Wien» im abgelaufenen
    Jahre 15 ab und einmal tagten wir in gemeinsamer Beratung
    mit der «Eintracht».

    In den ordentlichen Sitzungen sprach:
    Am 19. März Br. Prof. Freud: Über die Psychologie im
    Dienste der Rechtspflege;
    am 9. April Br. Dr. Braun: Über Touristik und Gesundheit;
    am 23. April Br. Expr. Dr. Knöpfmacher: Über jüdische
    Reformbestrebungen im XIX. Jahrhundert (I. Teil);
    am 7. Mai Br. Leopold Spitzer über das Thema: Aus dem
    volkswirtschaftlichen Leben der Vereinigten Staaten von Amerika;
    am 2. Oktober Br. Prof W. Jerusalem: Über Liebe und
    Gerechtigkeit;
    am 19. November Br. Expr. Dr. Knöpfmacher: Über jüdische
    Reformbestrebungen im XIX. Jahrhundert (II. Teil).

    Die übrigen Sitzungsabende füllten Diskussionen über
    das im Vorjahre noch nicht zu Ende beratene Referat «Reform
    des jüdischen Religionsunterrichtes», sowie über geeignete Schritte
    zur Heranziehung der Jugend für die Tendenzen des Bundes,
    ferner Gegenstände administrativer Natur.

    In der gemeinsamen Sitzung sprachen die Brüder Expr.
    Dr. Samuely und kais. Rat Schwarz über «Die Zukunft der aus-
    wandernden Juden».

    Außerdem hatten wir die Freude, Br. Dr. Gustav Karpeles
    und Br. Dr. Max Grunwald vor unseren Damen sprechen zu
    hören, ersteren über «Heine und sein Verhältnis zum Juden-
    tume», letzteren über «Max Liebermann».

    Die unter unserer Patronanz stehenden Vereine haben
    auch im abgelaufenen Jahre ihre segensreiche Tätigkeit fortge-
    setzt, und es möge uns an dieser Stelle gestattet sein, den in
    deren Verwaltungen delegierten Brüdern für ihre hingebungsvolle
    Wirksamkeit herzlichen Dank zu sagen.

    Ebenso inniger Dank gebührt auch, gleichwie im Vorjahre,
    jenen Damen unserer Brüder, die sich auch heuer wieder der
    mühevollen Aufgabe unterzogen haben, den Verkauf der in
    unserem Vereinslokale ausgestellten Spitzen zu leiten und zu
    überwachen.

    Wenn auch das vergangene Jahr uns keine Gelegenheit
    gegeben hat, in unseren Bestrebungen einen bedeutenden Schritt
    nach vorwärts zu tun, und wir uns darauf beschränken mußten,
    in unentwegter Kleinarbeit das Bestehende zu fördern und aus-
    zugestalten, so können wir uns auf ein schönes und wahres
    Wort des Präsidenten des amerikanischen Generalkomitees,
    Br. Adolf Kraus, berufen, der im Berichte über die Konvention
    1906—1907 sagt, daß es nützlicher sei, weniges gründlich durch-
    zuführen, als sich mehreren Dingen zu widmen, ohne ein nennens-
    wertes Resultat zu erzielen.