[Vortrag Freuds] Wir und der Tod 1915-002/1933

Knöpfmacher, Wilhelm (1915-002/1933): [Vortrag Freuds] Wir und der Tod

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    Entstehungsgeschichte und Chronik
    der Vereinigung „Wien“ B’nai B’rith
    in Wien.

    Vom Ehren-Vize-Großpräsidenten des österreichischen Distriktes
    XII. U. O. B. B. Dr. Wilhelm Knöpfmacher.

    (14. Fortsetzung).

    XXIII. Beamtenrat (1915).

    (Präs.: Dr. Max Eisenstädter).

          In der Generalversammlung vom 5. Jänner 1915 wurden vom
    s. w. Großpräsidenten Prof. Ehrmann folgende Beamte
    installiert:

                      Präs. Dr. Max Eisenstädter,
                      Vize-Präs. Dr. Gustav Langstein,
                      Prot. Sekr. Dr. Albert Eisinger,
                      Fin.-Sekr. Franz Türkel,
                      Schatzmeister Josef Neumann,
                      Marschall Anton Stein,
                      Wächter Dr. Julius Grünwald.

          Die Einführungsgebühren, Jahresbeiträge und Sitzungstage
    bleiben unverändert.
          Zu Repräsentanten werden die Expräsidenten Dr. Kohn,
    Dr. Ehrmann, Dr. Kuh und Dr. Langstein, zu Stellvertretern
    Dr. Knöpfmacher und Prof. Dr. Pollak gewählt. Pfleger-
    obmann bleibt Notar Dr. Bermann.

          Die ersten Sitzungen werden — abgesehen von den daselbst
    gehaltenen Vorträgen — mit Berichten über Flüchtlingsfürsorge
    und sonstigen Kriegsfürsorgen erfüllt.

          Ein in der Sitzung vom 13. Jännnr von Br. Rotter gestellter
    Antrag auf Gründung einer Vorschußkasse für die Flüchtlinge aus
    Galizien und der Bukowina wurde nach vorgängiger Komitee-
    beratung in der Sitzung vom 16. März als undurchführbar ab-
    gelehnt, jedoch den Brüdern eine möglichst starke Förderung der
    Bemühungen des Br. Rotter empfohlen.

          Auf Antrag des Abwehr-Komitees wird in der Sitzung vom
    4. Mai beschlossen, dem ins Leben getretenen „Jüdischen Kriegs-
    archiv“, welches sich die Sammlung aller das Judentum und die
    Judenheit betreffenden Vorkommnisse zur Aufgabe gemacht hat,
    mit einer Zuwendung von 150—200 K pro Monat bis zum Be-
    trage von vorläufig 1000 K zu unterstützen und in Fühlungnahme
    mit demselben zu bleiben.

          Der im Rahmen der Vereinigung gebildete Wohlfahrts-
    ausschuß und das Kriegsfürsorge-Komitee sowie der Beamtenrat
    werden für die Sommerferien in Permanenz erklärt.

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          Im Laufe des ganzen Jahres haben an den Sitzungen auch
    zahlreiche, infolge des Krieges nach Wien verschlagene Brüder
    aus Galizien, Bukowina und Triest teilgenommen.

          In der Sitzung vom 13. Oktober hielt der Präsident eine auf
    den 20 jährigen Bestand der „Wien“ und ihre Leistungen bezug-
    nehmende Ansprache und erwähnt mit Bedauern, daß die Zeit-
    umstände eine besondere Feier dieses Ereignisses nicht gestatten.

          In den 17 im Laufe des Jahres abgehaltenen Sitzungen
    wurden folgende Vorträge und Referate gehalten:

                Dr. Schwarz-Hiller: „Bericht über die Flüchtlingsfürsorge
                      in Österreich“.

                Dr. Pappenheim: „Die rote und noch eine Internationale“.

                Prof. Freud: „Wir und der Tod“.

                Dr. Robinsohn: „Die Milderung des Kriegsungleckes durch
                      das ärztliche Röntgenverfahren“.

                Prof. Ehrmann: „Betrachtungen über Kriegsseuchen“.

                Ernst Lemberger: „Der Krieg und die finanzielle Lage“.

                Adolf Schwarz: „Die wirtschaftlichen Ursachen und
                      Folgen des Weltkrieges“.

                Dr. Schneeberger: „Recht im Krieg und im Frieden“.

                Prof. Ehrmann: „Über die Konvention und die Tätigkeit
                      des Bundes in den letzten Jahren“.

                Dr. Schwarz-Hiller: „Wiederaufbau“.

                Prof. Wilh. Jerusalem: „Was heißt Nächstenliebe“.

                Dr. Edmund Kohn: „Bericht über meine Reise nach Galizien“.

                Dr. Löwenstein (Leopolis): Korreferat zu dem vom s. w.
                      Großpräsidenten gehaltenen Vortrag „Organisationsfragen
                      und Organisationsziele im österr. Judentum“.

                Dr. Emil Krasny: „Das Ostjudentum und wir“.

          Einführungen fanden in diesem Jahre nicht statt.
          Durch Tod verlor die Loge die Brüder: Bernhard Jeru-
    salem, Expr. Dr. Gustav Langstein, Isidor Bergel, Sig-
    mund Seiler.

          Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug Ende 1915: 263, wo-
    bei zu bemerken wäre, daß allerdings 7 Mitglieder bereits durch
    Ballotage aufgenommen erscheinen.


     

    XXIV. Beamtenrat (1916).

    (Präs.: Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem).

          In der Generalversammlung vom 4. Jänner 1916 wurden vom
    s. w. Großpräsidenten folgende Beamte installiert:

                      Präs. Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem,
                      Vize-Präs. Expr. Dr. Max Eisenstädter,
                      Prot. Sekr. Dr. Albert Eisinger,
                      Fin.-Sekr. Franz Türkel,
                      Schatzmeister Wilhelm Stöckler,
                      Marschall Hugo Weltsch,
                      Wächter Ludwig Herz.

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          Vorher wurden noch vom Präs. Dr. Max Eisenstädter
    folgende 7 Brüder feierlich eingeführt:

                      Dr. Alfred Lanzer,
                      Josef Sommer,
                      Friedrich Oberländer,
                      Dr. Heinrich Löwenstein,
                      Heinrich Feldmann,
                      Dr. Max Hitschmann,
                      Moriz Ballek.

          Zum Mentor wurde vom s. w. Großpräsidenten der Expr.
    Rudolf Kohn bestellt, da der abtretende Präsident für das Jahr
    1916 zum Vizepräsidenten gewählt war, um dem Br. Professor
    Jerusalem die Führung des Präsidialamtes zu erleichtern.

          Sitzungstage, Eintrittsgebühren und Jahresbeiträge bleiben
    unverändert.

          Zum Repräsentanten werden die Expr. Prof. Ehrmann,
    Dr. Edmund Kohn, Dr. Kuh und Gottlieb Lederer, zu Stell-
    vertretern Dr. Knöpfmacher und Prof. Pollak gewählt.

          Die Sitzung vom 18. Jänner 1916 wurde durch das Er-
    scheinen eines k. k. Regierungsvertreters überraschend ausge-
    zeichnet. Es war das erste und einzige Mal, daß die Behörde
    sich um unsere Versammlung, deren Anordnung ihr regelmäßig
    zur Anzeige gebracht wird, kümmerte. Dies war vielleicht ver-
    anlaßt durch das in der Anzeige enthaltene Vortragsthema des
    Br. Arthur Lemberger: „Gesammelte Eindrücke während
    meines Aufenthaltes in Belgien“.

          Der wohltätig wirkenden städtischen Rechtshilfe wird durch
    eine Sammlung unter mehreren Brüdern ein Betrag von ca. 8000 K
    zugeführt.

          Dem berühmten Philosophen Ernst Mach, der kürzlich
    starb, hält der Präsident in der Sitzung vom 7. März einen
    warmherzigen Nachruf.

          In den 18 Sitzungen des Jahres wurden folgende Vorträge
    und Diskussionen abgehalten:

                Arthur Lemberger: „Gesammelte Eindrücke während
                      meiner Reise in Belgien“.

                Heinrich Mendel: „Ernährungsfragen“.

                Prof. Freud: „La revolte des anges“.

                Frau Anitta Müller: „Was ich bei der Flüchtlingsfürsorge
                      gelernt habe“.

                Diskussion über die Anregungen der w. „Praga“ betreffend
                      die Versorgung der Kriegsinvaliden und Kriegswaisen.

                Ludwig Baracs: „Meine Erlebnisse im Kriege“.

                Dir. Alex. Hecht: „Bericht über die letzte Tagung des
                      General-Komitees“.

                Prof. Wilhelm Jerusalem: „Das auserwählte Volk“.

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                Prof. Ehrmann: „Über die Tätigkeit des Vereines zur
                      Rettung verlassener jüdischer Kinder aus Galizien und
                      der Bukowina“.

                Prof. Zappert: „Bericht über die Tätigkeit des Fürsorge-
                      Komitees“.

                Prof. Hermann Cohen: „Die Messias-Idee in ihrer Ent-
                      wicklung“.

                Diskussionen über unsere innere Aufgaben nach dem Kriege.

                Prof. Balaban („Leopolis“): „Mitteilungen über Wahrnehm-
                      ungen in dem von uns okkupierten Teile Polens“.

                Prof. Ehrmann: „Gedenkrede auf Kaiser Franz Josef“.

                Prof. Isid. Pollak („Bohemia“): „Das Judentum im Lichte
                      einer neuen wissenschaftlichen Disziplin“.


     

          Weitere Einführungen im Jahre 1916:

                Die Brüder Karl Plowitz,
                                  Adolf Sommer,
                                  Dr. Bernh. Wachstein.


     

          Durch Tod verlor die Loge folgende Brüder:

          Philipp Loewy, Adolf Klein, Ignaz Glaser, Hermann
    Liebermann, Max Eisler, Leo Schloss, Expr. Prof.
    Josef Pollak.

          Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug Ende 1916: 266, wo-
    bei angemerkt sei, das weitere 7 Mitglieder bereits durch Ballo-
    tage aufgenommen erscheinen.


     

    XXV. Beamtenrat (1917).

    (Präs.: Prof. Dr. Markus Hajek).

          In der Generalversammlung vom 2. Jänner 1917 wurden
    vom Expr. Dr. Edmund Kohn als Delegaten des s. w. Ver-
    bandes folgende Beamte installiert:

                      Präs. Prof. Dr. Markus Hajek,
                      Vize-Präs. Dr. Albert Eisinger,
                      Prot. Sekr. Dr. Julius Grünwald,
                      Fin.-Sekr. Franz Türkel,
                      Schatzm. Hugo Weltsch,
                      Marschall Otto Katz,
                      Wächter Ignaz Wagner.

          Vorher wurden noch vom Präs. Prof. Jerusalem nach-
    folgende 5 Brüder feierlich eingeführt und 2 Brüder vorgestellt.

          Vorgestellt: Expr. Dr. G. Halpern („Henry Jones“-Loge),
                                Max Glück („Solidaritas“).

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          Eingeführt: Dr. Max Berliner,
                      Dr. Hermann Glaser,
                      Gustav Oesterreicher,
                      Dr. Desider Friedmann,
                      Edmund Immergut.

          Die Sitzungstage und Jahresbeiträge bleiben unverändert.

          Zu Repräsentanten werden gewählt die Expr. Dr. Ehrmann,
    Dr. Kohn, Dr. Kuh, Gottlieb Lederer, zu Stellvertretern
    Dr. Knöpfmacher und Dr. Béla Taussig, zum Pfleger-
    Obmann Notar Dr. Bermann.

          In der Sitzung vom 16. Jänner 1917 wird auf Antrag des
    Br. Petschek beschlossen:

          Die w. „Wien“ beschließt die Fürsorge-Aktion (Kriegs-
    notfond) im Einvernehmen mit der w. „Eintracht“ fortzu-
    führen und allen Brüdern auf schriftlichem Wege die Unter-
    stützung dieser Aktion nahezulegen.

          Die so eingeleitete Sammlung ergab schon bis zur nächsten
    Sitzung ca. 8000 K.

          Dem von Dr. Beham geleiteten Pasteur-Institute in Palä-
    stina werden 1000 K. zugewendet.

          In einer am 21. Juni 1917 abgehaltenen gemeinsamen Sitzung
    der „Wien“ und „Eintracht“, welche von 135 Brüdern besucht
    war, wurde nach einem von Br. Dir. Glücksthal erstatteten
    eingehenden Referate und nach daran sich anschließenden Aus-
    führungen der Br. Architekt Fuchs, Dr. Schnabel, Gottlieb
    Lederer, über gegenteilige Äußerungen des Br. Laub und
    Expr. Tugendhat zunächst eine Vertagung des Abschlusses,
    sohin aber in einer fortgesetzten gemeinsamen Sitzung der beiden
    Logen beschlossen:

          Das Haus Türkenstraße 15 um den Preis von ca.
    425.000 K anzukaufen und das hiezu erforderliche Geld
    durch Zeichnungen der Brüder aufzubringen, welchen für die
    gezeichneten Beträge unter Haftung der beiden Logen eine
    3%ige Verzinsung und Rückzahlung in 20 Jahren zuzu-
    sichern sei.

          Der Kauf wurde tatsächlich zum Preise von 422.500 K ab-
    geschlossen und zwar zu einem Drittel für die „Eintracht“ und zu
    zwei Drittel für die „Wien“. Über die Modalitäten der eventuellen
    Rückzahlung in Ablebensfällen werden detaillierte Bestimmungen
    festgesetzt. — Ein Haus-Komitee wird eingesetzt.

          Der von Prof. Braun geleiteten Tuberkulosen-Fürsorge-
    stelle wird auch für dieses Jahr ein Beitrag von 4000 K aus dem
    Rosenfeld-Fond votiert.

          Eine vom Vorprüfungs-Komitee beschlossene Geschäftsord-
    nung wird in der Sitzung vom 20. November bis zum Para-
    graph 9 beraten und nach einigen Abänderungen angenommen.

    (Fortsetzung folgt.)

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