1. Sitzung am 5. Oktober 1910. Zur Psychologie des einzigen und des Lieblingskindes. Referent: Dr. J. Sadger, Korreferent: Dr. J. K. Friedjung 1910-522//1910-770

Rank, Otto (1910-522//1910-770): 1. Sitzung am 5. Oktober 1910. Zur Psychologie des einzigen und des Lieblingskindes. Referent: Dr. J. Sadger, Korreferent: Dr. J. K. Friedjung

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    No. 3

    Zürich, Dezember 1910


     


     

    KORRESPONDENZBLATT 
    der internationalen psychoanalytischen Vereinigung


    REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT B ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND
    DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR
     


    I. Vereinsberichte.
     


    Ortsgruppe Wien.

    1. Geschäftliches.
     


    In der am 12. Oktober abgehaltenen konstituierenden Generalver-
    sammlung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt:

    Obmann: Dr. Alfred Adler; Obmannstellvertreter: Dr. Wilh. Stekel;
    Kassier: Dr. Maxim. Steiner; Bibliothekar: Dr. Eduard Hitschmann; Schrift-
    führer: Otto Rank.

    Zum wissenschaftlichen Vorsitzenden wurde Professor Dr. S. Freud
    ernannt, der im Vorsitz mit dem Obmann und Obmannstellvertreter alterniert.

    Als Revisor fungiert Herr Dr. Paul Federn.

    Die Sitzungen finden in der Regel allwöchentlich und zwar an jedem
    Mittwoch im Sitzungssaale des Wiener Medizinischen Doktorenkollegiums,
    Wien I, Rotenturmstraße 19, statt. Kurze Sitzungsberichte sollen fort-
    laufend im Zentralblatt für Psychoanalyse erscheinen.
     


    2. Personalica.
     


    In der in der 1. Nummer veröffentlichten Mitgliederliste sind durch
    ein Versehen ausgelassen worden:

    Dr. phil. D. J. Bach, Wien, und Dr. S. Ferenczi, Budapest.

    Als neue Mitglieder wurden aufgenommen:

    Herr Franz Grüner, Wien; Herr Gustav Grüner, Wien; Frau Dr.
    Hilferding, Wien; Dozent Dr. Guido Holzkecht, Wien; Dr. jur. Franz
    Hilferer z. H., Wien; Stud. med. Paul Kempner, Wien; Dr. jur. Stefan
    v. Máday, Innsbruck; Dr. Richard Nellpock, Wien; Generaldirektor
    Leopold Rechnitzer, Wien; Dr. jur. Hans Sachs, Wien; Herr Herbert
    Silberer, Wien; Stud. med. Richard Wagner, Wien; Dr. phil. Alfred
    Freiherr v. Winterstein, Wien.
     

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    Kurz nach Erscheinen der 1. Nummer des Korrespondenzblattes ist
    Herr Dr. Fritz Wittels aus dem Verein ausgetreten.
     

    I. Wissenschaftliche Mitteilungen.


    1. Sitzung am 5. Oktober 1910. Zur Psychologie des einzigen und
    des Lieblingskindes. Referent: Dr. J. Sadger, Korreferent: Dr. J. K.
    Friedjung. — 2. Sitzung am 12. Oktober 1910. Diskussion zur Psycho-
    logie des einzigen und des Lieblingskindes. — 3. Sitzung am 19. Oktober
    1910. Dr. Alfr. Adler: Ein kleiner Beitrag zur hysterischen Lüge. Re-
    ferent zeigt an der Hand eines Falles, daß hinter jeder in der Kur auf-
    tretenden Lüge die Absicht stecke, den Arzt zu demütigen und sich über
    ihn zu erheben eine Form der Aggressionseinstellung gegen den Arzt,
    die aus dem Minderheitsgefühl des Neurotikers und dem inelektiven daraus
    folgenden „männlichen Protest" hervorgeht. — 4. Sitzung am 26. Oktober
    1910. Prof. S. Freud: Über die zwei Prinzipien des psychi-
    schen Geschehens. Die zwei Prinzipien sind das Lust- und das
    Realitätsprinzip. Die Beziehungen der Phantasie, des Bewußtseins, der
    religiösen Askese, der Wissenschaft und der Kunst zu diesen beiden
    Prinzipien werden erörtert und auf eine wahrscheinliche Beziehung der-
    selben zur Neurosenwahl hingewiesen. — 5. Sitzung am 2. November
    1910. Dr. Wilh. Stekel: Berufswahl und Neurose. Es werden fünf
    psychologische Möglichkeiten der Berufswahl beschrieben und an zahl-
    reichen Beispielen erläutert. Zum Verständnis der Berufswahl wird auf
    die Berufsphantasien der Kinder zurückgegriffen, die eine auffällige Ueber-
    einstimmung mit dem Traumleben der Neurotiker zeigen und von dort
    her durchsichtig werden. — Sitzung am 9. November 1910. Diskussion
    über Berufswahl und Neurose. — Sitzung am 16. November 1910.
    Referate und kleinere kasuistische Mitteilungen. — Sitzung
    am 23. November 1910. Fortsetzung des Referatsabends. —
    Sitzung am 30. November 1910. Fortsetzung des Referierabends.

    Die Wiener psychoanalytische Vereinigung hat beschlossen, schon in
    diesem Semester Lehrkurse für Psychoanalyse zu veranstalten. Bis jetzt
    sind folgende Kurse in Aussicht genommen, zu denen Anmeldungen bei
    den betreffenden Vortragenden entgegengenommen werden:

    1. Dr. Adler: Einführung in die Psychoanalyse (ab 15. Dezember).

    2. Dr. Sadger: Technik der Psychoanalyse (Monat Januar).

    3. Dr. Stekel: Praxis der Psychoanalyse und Traumdeutung (Febr.).

    Dr. S. Ferenczi in Budapest hat über Aufforderung der dortigen
    „freien Schule" am 27. Oktober 1910 einen Vortrag über „die psychoana-
    lytische Betrachtung des Witzes und des Komischen" gehalten. — In-
     

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    unter seiner Leitung stehenden psychoanalytischen Seminar in Budapest
    wurden folgende Vorträge gehalten: Dr. S. Hevesi, Oberregisseur des
    Nationaltheaters in Budapest: Psychoanalytische Beobachtungen im Theater
    (14. X.). Dr. S. Ferenczi: Kasuistische Mitteilungen (20. X. 1910). Dr. S.
    Koves, Professor an der Musikwissenschaft: Ueber die Rolle der Pro-
    jektion und Introjektion beim musikalischen Produzieren und Geniessen.
     


    4. Mitglieder-Liste.
     

    1. Dr. Alfred Adler, Wien II, Czerningsgasse 7.
    2. „ phil. D. J. Bach, Wien VII, Wimbergergasse 7.
    3. „ Guido Brecher, Meran, Pension Erlenau.
    4. „ Paul Federn, Wien I, Riemergasse 1.
    5. „ S. Ferenczi, Budapest VII, Elisabethring 54.
    6. Prof. Dr. S. Freud, Wien IX, Bergasse 19.
    7. Dr. Josef K. Friedjung, Wien I, Ebendorferstraße 6.
    8. „ Carl Furtmüller, Wien V, Zentagasse 6.
    9. „ jur. Max Graf, Wien III/2, Unt. Viaduktgasse 35.
    10. Franz Grüner, Wien VIII, Schloßgasse 11.
    11. Gustav Grüner, Wien VIII, Schloßgasse 11.
    12. Hugo Heller, Wien I, Bauernmarkt 3.
    13. Frau Dr. Hilferding, Wien X/4, Favoritenstr 112.
    14. Dr. Eduard Hitschmann, Wien I, Rotenturmstraße 29.
    15. „ Edwin Holleng, Graz, Schillerstraße 24.
    16. Dozent Dr. Holzknecht, Wien I, Liebiggasse 4.
    17. Dr. Franz Freiherr v. Hye, Wien I, Seilerstätte 7.
    18. „ Ludwig Jekels, Sanatorium Bistrai, b. Bielitz (Schlesien).
    19. „ Albert Joachim, Sanatorium Rekawinkel (Niederösterreich).
    20. Stud. med. Paul Klemperer, Wien I, Tuchlauben 7.
    21. Dr. jur. Stefan v. Máday, Innsbruck, Mandelsbergerstraße 19, I.
    22. „ Richard Nellpock, Wien IX, Lazarethgasse 16.
    23. „ phil. D. E. Oppenheim, Wien II, Zwerggasse 4.
    24. Otto Rank, Wien IX, Simondengasse 8.
    25. Generaldirektor Leopold Rechnitzer, Wien I, Kärntnerstraße 51.
    26. Dr. Rudolf Reitler, Wien I, Dorotheergasse 6.
    27. „ Oskar Rie, Wien I, Stubengring 22.
    28. „ jur. Hans Sachs, Wien XIX 1, Peter Jordanstraße 76.
    29. „ J. Sadger, Wien IX, Liechtensteinßstraße 15.
    30. „ Maxim. Steiner, Wien I, Rotenturmstraße 19.
    31. „ Wilhelm Stekel, Wien I, Gonzagagasse 21.
    32. Herbert Silberer, Wien I, Annagasse.
     

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    33. Dr. Viktor Tausk, Wien III, Ungargasse 56.
    34. " Rudolf Urbantschitsch, Wiener Cottage Sanatorium, Wien XVIII,
    Steineckgasse 74.
    35. Stud. med. Richard Wagner, Wien IX, Porzellangasse 4.
    36. Dr. phil. Alfred Freiherr v. Winterstein, Wien IV, Gußhausstraße 14.
     


    Ortsgruppe Berlin.
     


    3. Sitzung am 31. August 1910. 1. Dr. Hirschfeld: Ueber die Sym-
    bolik im Fetischismus. 2. Dr. Abraham: Ueber sadistische Phantasien
    im Kindesalter (kasuistische Beiträge). — Auf dem Intern. Kongreß für
    Irrenpflege in Berlin sprach Dr. Juliusburger über das psychoanalytische
    Verfahren. Am 5. Oktober wurde in Berlin die dritte Versammlung der
    Gesellschaft deutscher Nervenärzte eröffnet. Das Hauptreferat über Angt-
    zustände hielten Oppenheim (Berlin) und Hoche (Freiburg i. B.). Die Re-
    ferenten brachten in keiner Beziehung Neues. Dagegen wurden heftigere
    Angriffe als je gegen Freud und die Psychoanalyse gerichtet. Die Argu-
    mente waren dieselben wie immer. Neu ist nur in einigen Beziehungen
    die Kampfesart: Sanatorien, in denen Psychoanalyse getrieben wird, soll
    man keine Patienten zuweisen. Die Diskussion, die wissenschaftlich
    völlig ergebnislos verlief, bestand wesentlich darin, daß eine Anzahl von
    Sanatoriumsbesitzern die Erfahrung abgab, der Psychoanalyse fern zu
    stehen. **Korrespondenz** (Wien) schlägt vor, da Freud sich nicht zur Diskussion
    stelle, „den Feind im eigenen Lager aufzusuchen"; man solle jeden Fall
    der Oeffentlichkeit bekannt geben, in dem durch die Psychoanalyse dem
    Patienten Schaden zugefügt sei.
     


    Sitzung am 12. November 1910. 1. Dr. Abraham. Referat: Inzest
    und Inzestphantasien in neurotischen Familien. Kasuistische Mitteilungen
    über wirkliche Sexualbeziehungen innerhalb neurotischer Familien und
    über Krankheitssymptome auf der Basis der Inzestphantasien. 2. Dr.
    Koerber. Korreferat: Mitteilung der Psychoanalyse einer Patientin, die
    mit ihrem Bruder im Inzest lebte. Der Fall ist ungewöhnlich dadurch,
    daß ein zweites Geschwisterpaar durch das erste ebenfalls zum Inzest
    verleitet wurde.
     

    Adressänderung:

    Dr. Simon, früher Bayreuth, jetzt: Psychiatrische
    Universitätsklinik in Greifswald.
     

    Ortsgruppe Zürich.
     


    Sitzung vom 28. Oktober 1910. Pfr. Dr. Pfister: Hysterie und Mystik
    der Margarete Ebner (1291-1351). — Der Vortrag erscheint im Zentralblatt.