Rank, Otto (1913-507//1913-766): 18. Sitzung am 19. Februar 1913. Dr. Karl Weiß: Zur Psychogenese von Refrain und Reim
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Korrespondenzblatt der Intern. Psychoanalyt. Vereinigung.
16. Sitzung am 5. Februar 1913.
Dr. Sadger: Sexualität und Erotik im Kindesalter.
Hält man sich an die etymologische Ableitung, so ist der Gebrauch der
beiden Termini einfach: „Sexualität“ für das grob Sinnliche, an die Betätigung
der Genitalien gebundene; Erotik für die geistige Seite des Geschlechtstriebes.
Diese Grenzen haben sich aber allmählich im Sprachgebrauch verwischt.Der Vortragende kritisiert nun die Mollsche Zerlegung des Geschlechts-triebes sowie dessen Einwendungen gegen die Sexualität des Kindes und führt
aus, was wir an ungefedertem Beweisen dafür besitzen, so die Beobachtungen
über frühzeitige Erektion und Masturbation mit allen Zeichen des sexuellen
Orgasmus, die von Kassowitz und Friedjung gemacht wurden. Schwerer
nachweisbar ist die extragenitale Sexualität des Kindes; doch sprechen deut-lich die Beobachtungen von Lindner (Nadeln) und Bini (Analyse) dafür.Der Vortragende geht nun speziell auf die Muskelerotik ein, die auch
in psychoanalytischen Kreisen Widerstand gefunden habe. Er führt die bereits
in Freud's Sexualtheorie hervorgehobenen Exkretions-, beim Erbrechen Magen-
an, ferner die Begünstigungen von Traumerotik bei Muskelreichen Frauen über Or-
gasmus infolge Muskelkontraktion. Otto Adler sage direkt, der Orgasmus beim
Koitus werde durch die Kontraktion der Muskeln hervorgerufen. Auch Tanz
und Sport wirken nach H. Ellis sexuell erregend infolge der Muskelerotik.Man ist berechtigt, von Sexualität beim Kinde zu sprechen, wo sich
Erscheinungen einstellen, die man vom sexuellen Orgasmus her kennt oder wo
Neigungen bestehen, die sich trotz aller Hindernisse und Drohungen immer
wieder durchsetzen.Sexualität im engeren Sinne ist also nicht nur an die Genitalien ge-bunden, sondern schließt auch die extragenitale Seite ein, während man die
psychische besser als Erotik bezeichnet.In der Diskussion hebt Prof. Freud hervor, daß wir Erotik bisher in
einem engeren Sinne (als Erogenität) gebraucht hätten. Sadgers Beispiele haben
mit den Muskeln als Quellen der Erotik nichts zu tun. Die Muskeln sind Exe-
kutivorgane, die Bahnen, auf denen sich die sexuellen Erreger entlädt. Der
Orgasmus hat zur Folge die Kontraktion der Muskeln, aber daß die Kon-traktion der Muskeln selbst den Orgasmus ausmache, sei unrichtig. Inten-
sive Muskelbetätigung könne gewiß auch Quelle der Erogenität sein, aber dafür
wären ganz andere Beweise aufzubieten. Das sieht man erst, wenn man vom Neu-rotiker ausgeht, bei Patienten mit Gehstörungen, Abasien, ist die Muskel-betätigung deutlich sexueller Art.17. Sitzung am 12. Februar 1913.
Kasuistische Mitteilungen und Referate.
1. Tausk: Besprechung der Arbeiten von Ferenczi und Putnam über
Philosophie und Psychoanalyse.
2. Rank: Ref. d. Zentralblattes f. Psa., H. 4/5.
3. Sachs: Der Stern als Genitalsymbol.
4. Hitschmann: Paranoia und Analerotik.
5. Hitschmann: Fehlleistungen.18. Sitzung am 19. Februar 1913.
Dr. Karl Weiß: Zur Psychogenese von Refrain und Reim.Der Vortragende versucht es, Refrain und Reim vom Unbewußten zu
erklären, und zwar die psychischen Bedingungen ihrer Entstehung und Ver-20*
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wendung. Als Ausgangspunkt wird das für beide Phänomene charakteristische
Element des Gleichklangs und Rhythmus gewählt. Der Gleichklang hat ein infan-tiles Vorbild in der Kindersprache, der Rhythmus im Lallen. Die durch das
Wiedererkennen gewonnene Lust, das aus psychischer Ersparung stammt, ist
das Motiv für den Gleichklang. Der Rhythmus ist selbständige Lustquelle;
er gewinnt die Fähigkeit, Lust zu gewähren, daraus, daß er die Lust an einer elementaren Triebbefriedigung repräsentiert.Es wird dann das Verhältnis des Refrains zum Affekt besprochen und
zwei Arten des Refrains unterschieden: der sinnlose, unartikulierte und der
aus dem Chorgesang stammende. Eine Funktion des Refrains ist die Ver-änderung des Affekts, die Form überwindet den Widerstand, den wir gegen
die Äußerung dieses Affekts haben. Anders Male dient der Refrain den
Affekt und hemmt seine Abfuhr, was an Beispielen erläutert wird.Aus der Analyse eines Kinderreimes wird der Reim als Kompromiß-leistung zweier, der Zensur gegenüber konfliktloser Tendenzen aufgedeckt.
Reim und Rhythmus sind autoerotisch (der Lyriker spricht nur von sich).
Schließlich streift der Vortragende noch die Frage, warum der Antike der
Reim gefehlt habe und glaubt, daß auch die Sexualverdrängung des Christen-tums daran teilhabe.19. Sitzung am 26. Februar 1913:
Dr. Paul Federn: Berufs- und Arbeitsstörung durch
Neurose. (Disk. „Gesellschaft und Neurose“, I. Wird publiziert.)20. Sitzung am 5. März 1913:
Dr. Theodor Reik: Die „Allmacht der Gedanken“ bei
Arthur Schnitzler (erscheint in „Imago“, Juniheft. 1913).21. Sitzung am 12. März 1913:
Dr. V. Tausk: Der Vaterkomplex. („Gesellschaft und Neurose“, II.)22. Sitzung am 19. März 1913:
Kasuistische Mitteilungen und Referate.
1. Prof. Freud: Eine Traumdarstellung.
2. Friedjung: Onanie als Quelle von Schamgefühl.
3. Rank: Beitrag zur Psychologie des Attentäters.
4. Dr. Reik: Psychoanalytische Forschung.
5. Dr. Sachs: Ein religionsgeschichtlicher Beitrag.
6. Dr. Weiß: Experimentelle Träume.23. Sitzung am 2. April 1913:
Dr. Hanns Sachs: Zweifel (wird publiziert).24. Sitzung am 9. April 1913:
Dr. J. Sadger: Ein Autoerotiker.25. Sitzung am 16. April 1913:
Dr. Ed. Hitschmann: Neurose und Ehelosigkeit. (Disk. „Ge-sellschaft und Neurose“, III.)26. Sitzung am 23. April 1913:
Dr. J. Sadger: Autoerotik und Narzißmus.27. Sitzung am 30. April 1913:
Kasuistische Mitteilungen und Referate.