29. Sitzung, am 3. Mai 1911. Dr. J. Sadger: Über Haut-, Schleimhaut- und Muskel- Erotik. 1911-517//1911-772

Rank, Otto (1911-517//1911-772): 29. Sitzung, am 3. Mai 1911. Dr. J. Sadger: Über Haut-, Schleimhaut- und Muskel- Erotik.

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    Aus Vereinen und Versammlungen.


    Akts, wo ihm Lionors heimlich und in aller Eile und Hast doch endlich angetraut
    wird, liegen für den Psychoanalytiker die Hauptaugenpunkte des Dramas.
    Stucken's **Lanval** ist die dichterische Fassung der allgemein menschlichen
    Tragödie des psychisch-impotenten Schulterneurotikers, der an seiner eigenen
    Potenz zweifelt und an seinen hartnäckigsten Festhalten am **Ödipuskomplex** zugrunde
    geht. Lanvals Gegenspieler ist **Agravain**, die Darstellung des Potenten, des Männ-
    lichen, des Mannes mit den grossen moralischen Schranken und dem Uebergefühls,
    vor Lanval wegen seiner Impotenz verachtet und seine Schwester eifersüchtig
    vor Lanval hütet (Motiv des feindlichen Brüder, Kampf um die Schwester vgl.
    Schiller's Braut von Messina). Überall sieht man bei Stucken Verdrängung
    und Zensur direkt am Werk, alles Unsexuose und Anstossige ist wohl getarnt
    und verschleiert. Dargestellt wird Lanval eigentlich durch den Gegensatz, nämlich
    als der grosse Fraueneroberer; allein **Masturbation** und ausschweifende, jederzeit
    disponible Libido schliessen sich nicht aus, gehören vielmehr eng zusammen;
    andererseits lassen sich wiederum für Lanvals Darstellung des impotenten Mastur-
    basten zahlreiche Beziehungen aus dem Drama beibringen (z. Bsp. die Beschreibung
    durch Agravain, I. Akt, 1. Szene). Die übrigen Personen des Dramas passen sich
    durchwegs in den obigen Zusammenhang ein, besonders das vanspyrische Wesen
    Freidas. Der Bischof Baldwin bedeutet wohl nichts anderes als eine Abspaltung
    vom Ueberkomplex und zwar stellt er jenen Vater dar, gegen den sich die intel-
    lektuelle Kritik des Sohnes wendet und über den sich der Sohn lustig macht.
    König Artus ist bei Stucken der gütige, allzeit befreiende und verzeihende
    Vater. Das Drama schliesst im Gegensatz zur Sage mit Lanvals Läuterung, ist also
    einseitiger als diese, wie überhaupt das ganze Stück nicht befriedigt.

    Diese **Deutung des Stückes** ist sicher nicht erschöpfend, sondern sie ist
    bloss ein Versuch, sie herzustellen einigen aus zahlreichen **Deutungsmöglichkeiten**.
    mit dem Absicht, das Stück nur auf einen besonders in die Augen springenden
    **Hauptkomplex** zu beschränken und zu reduzieren und gerade an der Uebertragung
    der alten Sage durch den modernen Dichter zu zeigen, wie dieser Hauptkomplex
    von ihm gehandhabt wurde. (Autorreferat.)
     


    28. Sitzung, am 26. April 1911.

    Diskussion über das Buch von W. Stekel: Die Sprache des
    Traumes. (Wiesbaden 1911.)
     


    29. Sitzung, am 3. Mai 1911.

    Dr. J. Sadger: Über Haut-, Schleimhaut- und Muskel-
    Erotik.
     


    Von den **erogenen Zonen** Freud's unterzieht der Vortragende zwei einer
    besonderen Besprechung: die **Haut** mit ihrer Differenzierung in **Schleimhaut** und
    **Sinnesorgane** und die **Muskulatur**. Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik kommen
    gewöhnlich zusammen vor, doch lebt es auch Fälle reiner Hauterotik, bei denen
    allerdings mitunter auch die Infantilsexualität stark mitspielt. Eine typische Äusserung
    der **Hautsexualität** ist das **Kitzelgefühl**, das sich in eminenter Weise bei Menschen
    findet, die noch keinen regelmässigen Sexualverkehr haben. Auch verschiedene
    **Dermatozen** (Pruritus, manche Formen von Urticaria und Ekzem) haben nahen
    Beziehungen zur Hauterotik. Eine **Neurose der letzteren** ist die **Akrodynie** bei
    Friedrich Schultze. Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik erklären zum Teil
    auch die **Stigmen** der Hysterie und **traumatischen Neurose** (Rückkehr zur infantilen
    Hauterotik). Es werden dann einige für die Erotik der Sinnesorgane charakte-
    ristische Erscheinungen besprochen (Nasenbohren, nervöse Seh- und Hörstörungen).
     

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    Aus Vereinen und Versammlungen.


    und schließlich die Erscheinungen der Muskel-Erotik (Strampeln, Springen, Raufen
    der Buben; Bedürfnisse nach Küssen, Tanzen, Umarmungen etc. bei Mädchen). Als
    eine Neurose der Muskelerotik wird der Tic aufgefasst.

    Die Bedeutung der Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik für den Kultur-
    fortschritt wird geltend gemacht und auf ihre Beziehung zum rapiden Anwachsen
    der Sportbewegung in unseren Jahrhunderten hingewiesen. Diese extragenitale Erotik
    wird dadurch wertvoll, dass sie die gefahrlose Aufspeicherung einer enormen
    Menge von Sexualität gestattet, zugleich aber in ganz ausserordentlichem Masse
    sublimierbar ist.
     

    30. Sitzung, am 10. Mai 1911.


    Dr. Viktor Tausk: Ein Beitrag zur Psychologie des Maso-
    chismus.

    In den seit dem 6. Lebensjahre bestehenden masochistischen Phantasien
    des auch leicht zwangsneurotischen Patienten spielt die Mutter eine tragende Rolle:
    mit der Patient bis zu seinem 9. Lebensjahr in inniger Liebe lebte, die sich aber
    von da an feindselig gegen das Kind einstellte, das auf diese Weise enttäuscht,
    sich nach einem schweren Konflikt von der Mutter abwendet, die er heute direkt
    hasst. Es hat aber nicht diese eigentümliche Einstellung der Mutter zum Maso-
    chismus geführt, der ja schon zur Zeit der liebevollen Behandlung der Mutter
    bestand.

    Zum Verständnis der masochistischen Lustempfindung gelangt man beim
    Patienten auf zweierlei Weise: 1. beisst er sich nach Wutanfällen selbst, eine
    Form der Abreagierens abnormal sadistischer Anwendungen, die möglicherweise
    vorzutäuschen vermag, dass der Schmerz selbst es ist, der wohltut; 2. vom
    Komplex der Analerotik aus, die beim Patienten ganz besonders betont und durch
    Reizungen aller Art gesteigert erscheint. Patient vermag nur passiv, von der
    Altersperson, sexuelle Lust zu geniessen und da ihm die päderastische Be-
    friedigungsmöglichkeit unbewusst bleibt, so muss er sich vermittels der Kastrations-
    phantasie zum Weibe machen. Die Kastrationsphantasie ist aber ausserdem eine
    vom Vater ausgehende Strafe für die auf die Mutter gerichteten aggressiven
    Wünsche.
     

    31. Sitzung, am 17. Mai 1911.


    Referate und kleinere kasuistische, sowie sonstige Mit-
    teilungen.

    1. Dr. Sachs: Beiträge zu steteel'schen Symbolen.

    2. Dr. Graf: Eine kleine aktuelle Mitteilung.

    3. Dr. Tausk: Eine funktionelle Fehlleistung;
    Analyse eines Wortwitzes;
    Eine intentonale Determinierung.

    4. Dr. Hitschmann: Goethe über Kleist,
    Belege aus der Literatur;
    Freud: einer beweiskaftigen Symbolik.

    5. Prof. Freud: Traumdarstellungen im Witzblatt.

    6. Hugo Heller: Ein Beitrag zum Inzestthema.

    7. O. Rank: Buchreferat:
    Zur Sagenbedeutung;
    Aus Schopenhauer.
     


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    Onanie. — 7. Prof. Freud: Über Traumdarstellung. 10. Sitzung am 7. Dez.
    1910. 8. Baron Winterstein: Aus Lichtenberg. — 9. Dr. Sachs: Referat
    über Spitzer, Wortbildung als stilist. Mittel. — 10. Franz Grüner: Über
    Chamoissierspiessspitzen. — 11. Rank: Referat über Hirschfeld: Die
    Transvestiten, über die Rettungsphantasie, zur Traumdeutung. 11. Sitzung
    am 14. Dez. 1910. 12. Frau Dr. Hilferding: Ein Traum Rosseggers. —
    13. Dr. R. Reitler: Sexualphantasie und ihre Beziehung zur Selbstmord-
    symbolik. — 14. Dr. E. Hitschmann: Über einen Fall von Melancholie