Einstein, Albert, Freud, Sigmund, Wassermann, Jakob (1933-073/1933): Äusserungen von Persönlichkeiten über Spinoza
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Ausserungen von Persönlichkeiten
über Spinoza
Auf meine Einladung zur Mitarbeit an
dieser
Festschrift äusserten sich nachstehende Persönlichkei-
ten über Spinoza. (Der Herausgeber).
ALBERT EINSTEIN
Caputh bei Potsdam, den 8./IX. 1932.
Sehr geehrter Herr!
Leider genügt die Liebe zu Spinoza nicht, um die Abfas-
sung einer Abhandlung über ihn zu rechtfertigen. Dazu gehören
Menschen, die tiefer in die historischen Hintergründe einge-
drungen sind als ich. Meiner Bewunderung für Spinoza kann
ich nur etwa wie folgt Ausdruck geben:
Spinoza ist der Erste gewesen, der den Gedanken der de-
terministischen Gebundenheit allen Geschehens wirklich konse-
quent auf das menschliche Denken, Fühlen und Handeln ange-
wendet hat. Nach meiner Ansicht hat sich sein Standpunkt unter
den um Klarheit und Folgerichtigkeit Kämpfenden nur darum
nicht allgemein durchsetzen können, weil hierzu nicht nur Kon-
sequenz des Denkens, sondern auch eine ungewöhnliche Lauter-
kerit, Seelengrösse und Bescheidenheit gehört.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
A. Einstein.
SIGMUND FREUD
Wien, den 9./VII. 1932.
Sehr geehrter Herr!
Ich habe mein langes Leben hindurch der Person wie der
Denkleistung des grossen Philosophen Spinoza eine ausseror-
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dentliche, etwas scheue Hochachtung entgegengebracht. Aber
ich glaube, diese Einstellung giebt mir nicht das Recht, etwas
über ihn vor aller Welt zu sagen, besonders da ich nichts zu sa-
gen wüsste, was nicht schon von Anderen gesagt worden ist
Entschuldigen Sie durch diese Bemerkungen mein Fernbleiben
von der geplanten Festschrift und seien Sie meiner Sympathie
und Hochachtung versichert.
Ihr Freud.
JAKOB WASSERMANN
Altaussee, den 25./VIII. 1932.
Sehr geehrter Herr!
Leider ist es mir bei meiner ungeheuren Arbeitsbedrängnis
nicht möglich, etwas über Spinoza zu schreiben, was nur eini-
germassen dem repräsentativen Zweck zu entsprechen vermöchte.
Es bedürfte dazu eingehender Vorarbeiten, denn mit beiläufigen
Redensarten wäre der Sache nur wenig gedient und irgendetwas
hinzuschreiben, nur um in einer Reihe grosser Namen nicht zu
fehlen, läuft meinem Gefühl zuwider. Ich bin also in der Ange-
legenheit ziemlich ratlos. Spinoza, das ist ja wie ein Stück des
Geisteshinimel, unter dem man schafft und wandelt. Der Wir-
kung ist man sich kaum bewusst, wie weit die geistigen Ein-
flüsse heute noch reichen, entzieht sich völlig dem Begriff. Viel-
leicht nehmen Sie mit diesen wenigen Andeutungen vorlieb. Im
Grunde habe ich das Gefühl, als müsste ich, um mir selber Klar-
heit zu verschaffen, erst meine Wurzeln aufgraben. Aber man
kann das nicht immer bei jeder Gelegenheit, die von Aussen.
kommt und sich als Forderung stellt.
Mit ergebenem Gruss
Jakob Wassermann.
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