Rank, Otto (1908-515//1910-771): Bericht über die I. private Psychoanalytische Vereinigung in Salzburg am 27. April 1908
S.
Referate und Kritiken. 125
Befremdend erscheint es mir, dass er das Faktum, dass Träume bei
schwerer körperlicher Ermiidung wohl vorhanden sein können, wir aber beim
Erwachen durchaus darauf vergessen haben und uns bald mit dem Gedanken
trösten „wir hätten nicht geträumt“, entweder vergisst oder nicht kennt.Bezüglich der Faktoren, die als Urheber der erotischen Träume gelten,
ist es auffällig, dass er sämtliche äussere somatische Ursachen (Lage des Körpers,
volle Blase, Hautreize und Druck durch Nachtbekleidung, Decke etc.) läugnet.Meistenteils sind die erotischen Träume Folgeerscheinungen eines un-
regelmässigen sexuellen Verkehrs. Er findet sie häufiger bei Junggesellen
als bei Ehemännern,Wenn an einem Tag normaliter ein Koitus ausgeübt wurde, derselbe
aus irgendeinem Grunde unterblieb, so erfolgt nach seiner Beobachtung,
häufig in der folgenden Nacht ein erotischer Traum mit gleichzeitiger Samen-
entleerung. Das moderne Leben in der Grossstadt, die moderne Literatur,
Ansichtskarten, Frauenbekleidung, die berüchtigten Annoncen in der vierten
Seite der "Tageszeitungen, die Varietés und Café chantants macht Gualino
viel mehr als alle übrigen Faktoren als Reizquellen, im Gegensatz zu den
somatischen, verantwortlich.Bezüglieh der Heilung dieser Erscheinungen erwühnt er schliesslich die
Suggestionstherapie, ohne auf nähere Details einzugehen.Die ,Rivista di psicoterapia“ bringt im IV, Jahrgange eine Besprechung
von Stekels „Ursachen der Nervosität“; Sie entstammt mutmasslich der
Feder Prof. Ferraris (Signatur F.) selbst und zeigt grosses Verständnis
und genaues Studium der Werke Stekels. Einen besonderen Abschnitt
widmet er den ,conflitto psichico“ und der im Buche Stekels vertretenen
Anschauung, dass man nicht bloss Neuropathologe, sondern auch Seelenarzt
sein müsse. Schliesslich erwühnt er die nicht zu unterschützende Bedeutung
der Psychoanalyse bei Neuropathikern; er vergisst nicht Betonung des Um-
standes, dass man sich gerade bei dieser Behandlungsmethode vor Verallge-
meinerungen oder Schablonisieren hüten solle.Dr. Ch. E. von Hartungen (Riva).
Aus Vereinen und Versammlungen.
Bericht über die I. private Psychoanalytische Vereini-
gung in Salzburg am 27. April 1908.Referate von Otto Rank (Wien).
1. Prof. S. Freud (Wien): Kasuistisches.
Der Vortragende macht an Hand eines analysierten Falles von schwerer
Zwangsneurose einzelue Mitteilungen über die Genese und den feineren Mechanismus
der seelischen Zwangsvorgünge. Insbesondere weist er zum ersten Mal auf das
eigenartige Gefühls- und Triebleben der Zwangsneurotiker hin und hebt als den1) „Das punctum saliens des initialen Mechanismus bei erotischen Träumen.“
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126 Aus Vereinen und Versammlungen.
häufigsten, ausgesprochensten und bedeutsamsten Charakter der Zwangsneurose ein
chronisches Nebeneinander von Liebe und Hass gegen dieselben
Personen hervor. Er gibt die Aufklärung, dass die Bedingung dieser befremdlichen
Konstellation des Liebeslebens eine frühzeitig, in den prähistorischen Kindheitsjahren
erfolgte Scheidung der beiden Gegensätze mit Verdrängung des einen Anteils, ge-
wöhnlich des Hasses, zu sein scheine. In solchen Fällen von unbewusstem Hasse
sei die sadistische Komponente der Liebe konstitutionell besonders stark entwickelt
gewesen, habe darum eine vorzeitige und allzu gründliche Unterdrückung erfahren,
und nun leiten sich die Phänomene der Zwangsneurose einerseits von der durch
Reaktion in die Höhe getriebenen bewussten Zårtlichkeit, anderseits von dem im
Unbewussten als Hass fortwirkenden Sadismus ab. Steht einer intensiven Liebe
ein fast ebenso starker Hass bindend entgegen, so muss die nächste Folge eine
partielle Willenslihmung sein. Damit ist die Herrschaft von Zwang und Zweifel,
wie sie uns im Beelenleben der Zwangskranken entgegentreten, gegeben. Der
Zweifel entspricht der inneren Wahrnehmung der Unenischlossenheit, des Zwang ist
ein Versuch zur Kompensation des Zweifels und zur Korrektur der unertriizlichen
Hemmungszustände, von denen der Zweifel Zeugnis ablegt. Durch eine Art von
Regression treten ferner vorbereitende Akte an die Stelle der endgültigen Ent-
schliessung, das Denken ersetzt das Handeln und irgend eine Gedankenvorstufe der
Tat setzt sich mit Zwangsgewalt durch austatt der Ersatzhandlung. Diese Regression
vom Handeln aufs Denken wird durch das frühzeitige Auftreten und die vorzeitige
Verdrüngung des sexuellen Schau. und Wisstriebes begünstigt. (Eine ausführliche
Publikation findet sich im ,Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische
Forschungen 1909* unter dem Titel: Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose).2. Ernest Jones (London): Rationalisation in every-day life.
Eines der bedeutsamsten Ergebnisse der Freud'schen Untersuchungen ist die
Tatsache, dass eine Reihe von geistigen Prozessen ihren Ursprung Motiven verdankt,
die dem Individuum nicht zu Bewusstsein kommen. Es ist nun begreiflich, dass für
derartige intellektuelle Erscheinungen, soweit sie nicht von vornherein als ursachlos
und auto hthon empfunden werden, nach einer plausibeln, rationellen Erklärung
gesucht wird, die jedoch, wie die Psychoanalyse ergibt, von der wirklichen Verur-
sachung weit entfernt ist. Diese Rationalisierungen durchsetzen unser Alltagsleben,
unsere religiöse Gläubigkeit, die ethischen und sozialen Normen, ja selbst die
wissenschaftliche Forschung und es gehört nicht zu den geringsten zukünftigen
Aufgaben der Psychoanalyse dieselben aufzudecken und auf diese Weise ein tieferes
Verständnis der geistigen Phänomene überhaupt anzubahnen. (Die ausführliche Pub-
likation ist zu finden im Journal of Abnormal Psychology, August - September 1908.)8. Franz Riklin (Zürich): Einige Probleme der Sagendeutung.
Vor etwa 20 Jahren hat Laistner in seinem Werke: „Das Rätsel der
Sphinx“ an Hand eines grossen vergleichenden Sagenmaterials das Prinzip aufge-
stellt, dass die Sagen in ihiem Kerne dem Traum entstammen und zwar dem Alp-
traum, welcher allein den Glauben an die Heimsu hung durch elfische Dimonen
zu erklären imstande sei, von der die Sagen berichten. War es Laistner nur
darum zu tun, für die mythologischen Gebilde eine sichere biologische Basis zu
schaffen (experimentelle Erzeugung des Alptranmes durch Hinderung der Atemtätig-
keit) so wissen wir seit Freud's Traumdeutung, dass auch diese Reistråume
den allgemeinen Gesetzen der Traumpsychologie und des unbewussten Denkens
unterliegen.Alptrüume sind Angsttriume und Angst finden wir im seelischen Geschehen
ausgelóst an jenen Stellen, wo der erotischen Wunscherfüllung ein Hindernis in denS.
Aus Vereinen und Versammlungen. 127
Weg gelegt wird. Dementsprechend trägt die Heimsuchung durch die elbischen
Wesen nicht immer Angstcharakter, sondern auch libidinôse Züge (Buhlgeister). Die
elbischen Wesen sind so gleichsam die Personifikationen unseres Traumdenkens,
des unbewussten Denkens überhaupt und behandeln das erotische Thema nach Art
des Traumes,Der Traum reduziert sich in den letzten untersten Schichten auf Funktionen
von Sexualsymbolen, eine Erkenntnis, die zum tiefsten Verständnis der Sagen not-
wendig ist, wie Ref. an einer reichlichen Menge charakteristischer Beispiele zeigt
und durch gelegentliche Hinweise auf Ergebnisse der Neurosenpsychologie stützt.
Mit Hilfe der Sexualsymbolik wird erst der Inhalt dieser Alpsagen im einzelnen ver-
ständlich und es ergibt sich, dass die Sagen gleichsam die typische, episch gehaltene
Form sind, in die sich die sexuellen Angstmotive einer Gegend, eines Volkes ge-
gossen haben; das elbische Wesen jener Gegend wird als Verkärperung des Sexual-
problems verständlich,Auch in den Märchenfiguren entdecken wir fast immer Alpwesen mit ihren
Attributen, lediglich neu eingekleidet und überarbeitet. Wiihrend jedoch in den
Sagen der Angstcharakter des Sexualproblems dominiert, ringen sich die Märchen
gewöhnlich zur Wunscherfüllung durch. (Die ausführliche Wiedergabe des Vortrages
folgt in einem der nächsten Hefte.)4. Karl Abraham (Berlin): Die psychosexuellen Differenzen der
Hysterie und der Dementia praecox.Aus der Beobachtung zahlreicher Fälle von Dementia praecox unter dem
Gesichtspunkt der Freud’schen Sexualtheorie und mit Heranziehung der Ergebnisse
von Psychoanalysen Hysterischer ergibt sich, dass die Dementia praecox die Fähig-
keit zur Sexualiibertragung, zur Objektliebe sowie zur Sublimierung sexueller
Energien anf soziale Ziele vernichtet. Da ein solcher Zustand der Sexualität sonst
nur aus der frühen Kindheit bekannt ist, so besteht die psychosexuelle Eigenart
der Dementia praecox in der Rückkehr des kranken Individuums zum infantilen Zu-
stand des , Autoerotismus“, worin vornehmlich ihr Gegensatz zur Hysterie gelegen ist.
Die psychosexuelle Konstitution der Dementia praecox beruht demnach auf einer zum
Autoerotismus tendierenden Entwickelungshemmung. Diese Auffassung wirft auch
ein Licht anf das Verständnis des Verfolgungs- und Grüssenwahns. Ersterer scheint
erogenen Ursprungs, da die Verfolger in vielen Fällen sich als die ursprünglichen
Sexualobjekte entpuppten. Die Quelle des Gróssenwahns bei der Dementia praecox
ist die auf das Ich zuriickgewandte, reflexive oder autoerotische Sexualiiberschiitzung.
Die Demenz bei der Dementia praecox beruht nicht auf einem Versagon der in-
tellektuellen Fähigkeiten, sondern auf ,Gefühlsabsperrung*. (Ausführliche Publi-
Kation: im Zentralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie, zweites Juliheft 1908.)5. J. Sadger (Wien): Zur Ätiologie der kontråren Sexualemp-
findung.Die Psychoanalyse Homosexueller ergibt, dass auch scheinbar reine Fälle von
Inversion der normalgeschlechtlichen Ziige, insbesondere in früher Kindheit, nicht
entbehren. Hinter den Urbildern des homosexuellen Begehrens tauchen im Verlaufe
der Psychoanalyse nicht bloss Minner, sondern ebensosehr Frauen auf, und zwar
besonders häufig die ersten Objekte der Liebeswahl überhaupt, Mutter und Schwester.
Es ist also nicht der Mann, den der Urning liebt und begehrt, sondern Mann und
Weib zusammen in einer Person und nur durch intensive Unterdrückung der späteren
heterosexuellen Triebrichtung entsteht der Anschein reiner Inversion. Zur Ver-
drängung der heterosexuellen Neigung und der Abkehr vom anderen Geschlecht
kommt es in der Regel auf Grund einer schweren Enttäuschung von seiten desS.
128 Aus Vereinen und Versammlungen,
einst geliebten normalen Sexualobjekts. Der Homosexuelle leidet also an den Folgen
der Verdrängung nach zu starken und vorzeitigen libidinäsen Regungen zum Weibe,
gewöhnlich der eigenen Mutter,Die Piderastie stellt nichts anderes dar, als die Fortdauer eines infantilen
Organtriebes; es kommt in ihr die Analerotik des Betreffenden zum Durchbruch,
(Ausführliche Publikation in: Medizinische Klinik. 1909. Nr. 2).6. Wilh. Stekel (Wien): Uber Angsthysterie.
Von der Schwierigkeit der Differentialdiagnose zwischen organisch bedingter
und neurotischer Angst ausgehend, hebt Referent hervor, dass nach seiner Erfahrung
die Fälle der reinen (somatischen) Angstneurose (nach Freud) sehr selten seien.
Meist stecke hinter der somatischen Ursache noch ein schwerer psychischer Konflikt,
so dass im Einverständnis mit Freud neben der Konversionshysterie als zweiter
Typus die Angsthysterie unterschieden werden müsse, welche dieselben Mecha-
nismen wie die erstere zeige, jedoch als einziges Symptom die Angst aufweise. Die
Fruchtbarkeit dieser Unterscheidung, die der Vortragende an einer Reihe von Fällen
erweist und erläutert, zeigt sich vor allem darin, dass sie gestattet, die bisher rätsel-
haften Phobien als Angsthysterien zu entschleiern.Die geeignete Therapie für all diese neurotischen Angstzustände — Ref. weist
noch auf die Genese der Eisenbahn-, Prüfungs-, Platz-Angst etc. etc. hin — ist die
psychoanalytisehe. (Vgl. „Nervūse Angstzustände und ihre Behandlung“, Wien und
Berlin 1908.)7. Doz, С. G. Jung (Zürich): Uber Dementia praecox.
Vortragender schildert zunächst die durch die Verwendung der Psychoanalyse
auf die Psychosen sich ergebenden grossen Analogien zwischen deutlich psychogenen
Erkrankungen und Dementia praecox, um überzugehen zur Besprechung aller der-
jenigen Eigentümlichkeiten der Dementia praecox, die (damals noch!) der psycho-
logischen Analyse trotzten. Die Depotenzierung des Assoziationsverlaufes oder
abaissement du niveau mental, das eine durchaus traumartige Assoziationsweise im
Gefolge hat, schien dafür zu sprechen, dass bei der Dementia praecox eine Noxe
mitwirkt, die z. B. bei Hysterie fehlt. Die Erscheinungen des Abaissements wurden
auf die Noxe bezogen, als wesentlich organisch bedingt aufgefasst und zu Ver-
giftungssymptomen in Parallele gesetzt (z. B. paranoide Zustände bei chronischen
Vergiftungen). (Autorreferat).8 Alf. Adler (Wien): Der Aggressionstrieb im Leben und in der
Neurose.Der Vortragende erblickt im Sadismus und seinem Gegenstück (dem Maso-
chismus) den unmittelbarsten, zur nervösen Erkrankung führenden Faktor. Ging
jedoch bisher die Betrachtung dieser Triebregung von sexuellen Erscheinungen
aus, denen Züge von Grausamkeit beigemengt waren, so entspreche sie vielmehr
zweien, ursprünglich gesonderten Trieben, die spåterhin eine Verschrinkung
erfahren haben, der zufolge das sadistisch-masochistische Ergebnis zwei Trieben zu-
gleich entspricht, dem Sexualtrieb und dem Aggressionstrieb. Dieser „Trieb
zur Erkämpfung einer Befriedigung“ von der feindlichen Aussenwelt haftet nicht
wie die anderen Triebe unmittelbar dem Organ und seiner Tendenz zur Lustge-
winnung an, sondern gehört als ein iibergeordnetes, die Triebe verbindendes psychi-
sches Feld dem Gesamtiiberbau an. In ihn strömt — der einfachste und häufigste
Fall von Affektverschiebung — die unerledigte Erregung ein, sobald einem der
Primiir- (Organ-) Triebe die Befriedigung versagt ist. Der Vortragende bespricht
nun neben den reinen Ausserungen des Aggressionstriebes die, insbesondere durch
die ,Triebhemmung“, bedingten Umwandlungen, Verfeineruvgen und SpezialisierungenS.
Aus Vereinen und ‚Versammlungen, 129
desselben bis zur Verkehrung in sein Gegenteil, welchen Verwandlungsformen im
sozialen Leben, beim kiinstlerischen Schaffen, sowie in der Neurose grosse Bedeutung
zukomme. Schliesslich wird noch die Angst als eine der Phasen des gegen die eigene
Person gerichteten Aggressionstriebes hervorgehoben; ihre verschiedenen Formen er-
klären sich daraus, dass der der Angst zugrunde liegende Aggressionstrieb sich ver-
schiedener Systeme bemächtigen könne. (Ausführliche Publikation in: Fortschritte
der Medizin, 10. Juli 1908.)9. S. Ferenczi (Budapest): Psychoanalyse und Pädagogik.
Referent hebt aus den bei der Psychoanalyse gewonnenen Erfahrungen hervor,
dass in der Pathogenese der Neurosen und Psychosen krankmachende Erziehungs-
einflisse die grösste Rolle spielen. Aber auch den später gesund Bleibenden wird
durch das unzweckmissige Verhalten der Eltern und Lehrer viel iiberfliissiges Leiden
aufgebürdet. Die erzieherischen Einflüsse müssten das in der Kindheit allein herr-
schende Unlustprinzip allmählich unter die Herrschaft der Einsicht stellen; statt
dessen schaffen sie durch hochgespannte Verdrängungen die Quellen späteren sozialen
Ungliicks (Todesfurcht, Hypochondrie, Aberglaube etc.).Zur Verhütung all dieses Leidens müsste zunächst die Kindheitsamnesie der
Eltern und Lehrer selbst korrigiert werden. Dann wären die rationellen Erziehungs-
massregeln besonders fiir die allerersten Lebensjahre festzustellen, da in den ersten
5 Jahren der menschliche Charakter fiirs ganze Leben entscheidend (auch psychisch)
beeinflusst und bestimmt werde. Die bisher vernachlässigte Kindheitserotik wäre
genau zu überwachen und zweckmiissig zu regeln. Ferner müssten die Prinzipien
einer der kindlichen Intelligenz angemessenen sukzessiven sexuellen Aufklirung
festgelegt werden. Damit wire ein gutes Stück von der erdriickenden Autorität
der Eltern aufzugeben, andererseits aber nicht in den ebenso schådigenden Gegen-
satz übertriebener Verzürtelung zu verfallen. Endlich sei der Neigung des kind-
lichen Trieblebens zur Sublimierung natürlich stets Vorschub zu leisten, aber doch
im Auge zu behalten, dass nicht alles sublimiert werden dürfe.Bericht über die IL. private Psychoanalytische Ver-
einigung in Nürnberg am 30. und 31. Mürz 1910.
Referate von Otto Rank (Wien).1. Prof. Dr. S. Freud: Die zukünftigen Chancen der psychoana-
lytischen Therapie. (Vollstündig in Heft II erschienen.)2. Dr. K. Abraham (Berlin): Psychoanalyse eines Falles von
Schuh- und Korsett-Fetischismus.Der Fetischist begnügt sich mit der Betütigung des Schautriebes, der je-
doch in eigentümlicher Weise spezialisiert ist auf eine bestimmte Kürpergegend,
verschoben vom nackten Körper auf dessen Bekleidung und idealisiert. Diese
Umwandlung kommt durch einen eigenartigen Verdrüngungsmechanismus
zustande, von dem besonders die sadistische Komponente des Sexualtriebes, die
Schaulust und die koprophile Riechlust betroffen werden. (Eine ausführliche
Mitteilung folgt im ,Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische For-
schungen“.)3. Dr. Marcinowsky (Haus Sielbeck in Holstein); Sejunktive Prozesse
als Grundlage der Psychoneurosen.Ohne die Tatsache des Bestehens ausgesprochen infantiler Sexualität bei den
Psychoneurosen in Zweifel zu ziehen, kann Referent im sexuellen Trauma wederZentralblatt fir Psychoanalyse. 1% 9