[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Kasuistische Mitteilungen und Referate 1912-427/1912.01

Rank, Otto (1912-427/1912.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Kasuistische Mitteilungen und Referate

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S.

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11. S i t z u n g
am 18. Dezember 1912

Kasuistische Mitteilungen und Referate.

1. Dr. L. Jekels: Ein Fall von Versprechen (wird publiziert).
2. Dr. Sadger: Kinderverleumdungen (wird publiziert).
3. Dr. Sadger: Kleine Beitr. z. Anal- und Urethral-Erotik (wird publ.)
4. Dr. Hitschmann: Ein Fall von Erröten.
5. Dr. Rank: Ref. über Sanitzin: Lösung eines Geheimnisses der Volksseele.
6. Dr. Rank: Beiträge zur Symbolik in der Dichtung (werden beide publ.)
7. Dr. Tausk: Beobachtung einer Form von zwangsneurotischen Phantasien.

D I S K U S S I O N

ad 1) Rosenstein weist auf Wut gegen die Tochter am Zustandekommen der
      Fehlleistung hin.
      Sachs darauf, dass nach Artemidor Nägelschneiden = Zinsennehmen.
      Prof. Freud auf den möglichen Zusammenhang einer Rückwendung des
            Todeswunsches von den Angehörigen auf die eigene Per-
            son, was besagen würde, sie lasse sich von der Tochter
            nicht zum Sterben drängen.
      Tausk hebt den Unterschied hervor, der darin liegt, ob solche Ver-
            dichtungen mit oder ohne Schädigung des Wortes erfolgt.
      Silberer meint, die 12 Finger heissen, wir sind zwei zu viel.
      Fris djung : "um ein Rad zu viel haben."

ad 2) Hitschmann findet die Aufklärung ungenügend.
      Federn vermisst: das Problem der Notlüge, die Berücksichtigung der
            Begriffe Lust- und Realitätsprinzip, das Moment des
            Trotzes, ferner entsprechende Schlüsse auf die Mitleids-
            losigkeit und den Mangel an Wahrheitssinn bei Kindern.
            Die sadistische Anlage dieser Kinder müsste nicht ab-
            norm sein.

ad 4) Prof. Freud habe nicht erklärt, dass der Ehrgeiz bei der Errötungs-
            angst eine bes. Rolle spiele (dagegen bei der Agoraphobie).
            Es tritt auf bei Personen mit bes. Disposition zum Er-
            röten und dieses fixiert sich nach der Pubertät meist
            als Angst. Das zerlegt sich dann in Scham und Wut, ein
            Gegensatzpaar, das sich durch Erröten ausdrückt. Regel-
            mässig ein Schämen wegen sexueller Eindrücke.
      Federn wirft die Frage auf, ob die bes. Anlage zum Schamgefühl die
            Bedingung zum Erröten ist oder umgekehrt. Die Scham be-
            wirke übrigens Erröten an den Wangen, die Wut an der
            Stirne.

ad 5) Prof. Freud meint, die Deutung des Autors, dass der gesetzlichev
            Vatermord in dem jus primae noctis des Vaters an der
            Frau des Sohnes begründet sei, wäre zu eng (weiteres
            darüber in seiner bevorstehenden Arbeit über Totemis-
            mus).

ad 7) Hitschmann bemerkt, dass die Bedeutung aller spontan aufsteigen-
            Vorstellungen als Selbstvorwürfe (Tausk) nur einem be-
            stimmten Typus entspreche (Tausk: dem Zwangstypus).

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