Protokoll der Sitzung vom 4/3 1923. 1923-506/1923

Bernfeld, Siegfried (1923-506/1923): Protokoll der Sitzung vom 4/3 1923.

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  • S.

    PROTOKOLL DER SITZUNG VOM 7/3 4/3 1923.

    7/3/ /////// 4/3
    Anwesend: Prof. Freud, Frl. Freud, Sadger, Rank, Hitschmann, Nunberg, Hug-helmut, Fried
              jung, Reik, Reich, Federn, Winterstein, Nepallek, Fokschaner, Dr. Ash, Dr
              de Grot, Frau Blumgard, Bircher, Storfer, Bibring.

    Dr. Rank teilt mit, dass in dem Journal for Neurology in N.Y. eine Mittheilung
              über die Eröffnung des psychoanalytischen Ambulatoriums publiciert ist.
    Storfer, dass das ne neue Buch von Prof. Freud in der nächsten Sitzung bereits
              vorliegen werde.
    Vorsitzender dankt dem Verlagsleiter für die unermüdliche und ausserordentlich
              schwierige Thätigkeit im Verlage, von dem er nicht weiss, wie lange er
              die jetzigen Schwierigkeiten wird überwinden können.

    Federn bringt zwei casuistische Beiträge:
              1) Geschichte einer Melancholie. Die Krankengeschichte wurde unter
              von einer analytisch unterrichteten xxxxx Angehörigen der in seiner
              Behandlung gestandenen Kranken verfasst. Sie illustriert die Freud'
              sche Auffassung der Melancholie. (erscheint in der Zeitschrift).
              2) Über eine Varietät des Hemmungstraumes.
    Discussion über 2):
    Freud     bemängelt, dass das "Gehirn" als Erklärung einer Traumvarietät herange-
              zogen werde. Auch müsse man entweder auf die Mittheilung eigener Träu-
              me verzichten, oder aber auch die Deutung und das Material des Traumes
              mittheilen; dann würde sich mit Sicherheit ergeben, dass die eigen-
              tümlichen xxxx Eigenschaften des Traumes als Darstellungsmittel be-
              sonderer Traumgedanken und eine vollständige Erklärung finden würden.
    Federn    verteidigt die Methode, dort, wo es nicht auf den Inhalt, sondern auf
              die Bedingungen ankommt, unter denen eine Traumsensation auftritt, die
              Deutung unberücksichtigt zu lassen. Es giebt viele Arten, in denen
              Ambivalente Traumwünsche xxxxx dargestellt werden können; die Ermü-
              dung der Muskel ist die Ursache, dass grade die Form des Hemmungs-
              traumes gewählt wird. Im mitgetheilten Traume ist die Gehirnermü-
              dung die Bedingung, welche die Verlangsamung im Traume zustande
              kommen lässt.
    Nunberg   hält die Erklärung Federn's für unmöglich, weil das Gehirn überhaupt
              nicht empfindungsfähig sei.
    Freud     meint, dass Nunberg's Einwand xxxxxx ein Angriff mit grobem Geschü-
              tze sei, aber giebt ihm aber Recht. Man könnte ebenso das gegentheil
              lige Ansicht behaupten, dass ein besonders schneller Wechsel der Bil-
              der xxx, wie ein manischer Gedankenwechsel ein Zeichen der Ermüdung
              sei, weil das "Gehirn" keinen Gedanken festhalten könne.
    Federn    beschließt bemerkt, dass er sich mit diesen Einwänden schon selbst
              beschäftigt und sie nicht stichhaltig befunden habe. Insbesondere
              die xxxx Empfindlichkeit des Gehirnes bei Verwundungen u s w und
              dgl. sei kein Argument, da sie gar nichts mit Reizen infolge von In-
              anspruchnahme durch die übermässige Denkanstrengung zu thun habe.
              Er verzichtet aber auf weitere Polemik und ersucht, nachzuprüfen bei
              Menschen, die aus Träumen mit dem Gefühl von Hirnermüdung aufwachen,
              nachzuprüfen, ob die Träume die gleiche Eigentümlichkeit, wie der mit-
              getheilte, aufweisen, nämlich: Hemmungssensation, Verlangsamung der ge-
              träumten Bewegungen, Rationalisierung der Verlangsamung, Armuth an
              an Bildern und xxxxxx Unveränderlichkeit derselben, vielleicht auch
              subjectiv lange Zeitdauer des Traumes.

    Anna
    FREUD     3) Ueber ein hysterisches Symptom bei einem kleinen Kinde.
           =  (erscheint in den Mittheilungen in den Zeitschrift.)
      Discussion über 3):
           Hitschmann bestätigt, dass bereits in frühestem Kindesalter Äusserungen
                      von Kastrationsfurcht unverkennbar auftreten.

  • S.

    xxxxx Protokoll der Sitzung vom 4/3 1923.

    Federn macht darauf aufmerksam, dass grade durch das Spiel mit dem Fliegen,
              einem Spiel mit exquisit sexueller Bedeutung, das Symptom zum Schwinde
              gebracht wurde.
    Friedjung findet bei der täglichen Untersuchung, dass sehr häufig Schamäusse-
              rungen der Kinder in ihrer der Form ihrer Äusserung die Kastrati-
              onsangst verrathen.
    FREUD     macht auf die unbewusst angeregte Symbolempfindlichkeit aufmerksam.
              Mac Curdy hat in einem guten Aufsatze über die Veranlassungen psy-
              chischer Störungen das ausgeführt. So ist es auch im mitgetheilten
              Falle nicht gleichgültig, dass sich die angsterweckende Scene grade
              am Brunnen zugetreagen habe, der doch ein exquisit sexuelles Symbol
              als Ort aus dem die Kinder kommen, darstelle,
    Dr. Nunberg
              4) Über einen Traum als Neurose auslösendes Moment.
                 (erscheint als Mittheilung in der Zeitschrift)
         Discussion: Nunberg beantwortet eine Frage Reichs über den zeitlichen
                     Verlauf der mitgetheilten Ereignisse.
         FREUD:
              Dieser Traum ist so zu erklären, dass die Erkrankung des Kindes
              schon vor dem Traume die Befürchtung des Todes erweckt und an den
              Tod des Vaters erinnert. So entsteht die Furcht, mit dem Vater ver-
              einigt zu werden. Daran kocht sich das Unbewusste gleichsam sein
              Süppchen, und stellt die Vereinigung als wirkliche Sexualvereinigung
              dar, die früher, bevor die Todeswünsche auftraten, abgelehnt wurde.

    Hitschmann  bespricht die psychische Bedingung und die Vorgeschichte eines in
            5)  der letzten Woche vorgefallenen Selbstmordes.
            6)  bespricht den letzten Band von STEKel Publicationen : Impulshand-
                lungen. (erscheint als Kritik in der Zeitschrift)

    Thema der nächsten Sitzung: Kleine Mittheilungen.