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PROTOKOLL DER SITZUNG VOM
7/34/3 1923.7/3/ /////// 4/3
Anwesend: Prof. Freud, Frl. Freud, Sadger, Rank, Hitschmann, Nunberg, Hug-helmut, Fried
jung, Reik, Reich, Federn, Winterstein, Nepallek, Fokschaner, Dr. Ash, Dr
de Grot, Frau Blumgard, Bircher, Storfer, Bibring.Dr. Rank teilt mit, dass in dem Journal for Neurology in N.Y. eine Mittheilung
über die Eröffnung des psychoanalytischen Ambulatoriums publiciert ist.
Storfer, dass dasneneue Buch von Prof. Freud in der nächsten Sitzung bereits
vorliegen werde.
Vorsitzender dankt dem Verlagsleiter für die unermüdliche und ausserordentlich
schwierige Thätigkeit im Verlage, von dem er nicht weiss, wie lange er
die jetzigen Schwierigkeiten wird überwinden können.Federn bringt zwei casuistische Beiträge:
1) Geschichte einer Melancholie. Die Krankengeschichte wurdeunter
von einer analytisch unterrichtetenxxxxxAngehörigen der in seiner
Behandlung gestandenen Kranken verfasst. Sie illustriert die Freud'
sche Auffassung der Melancholie. (erscheint in der Zeitschrift).
2) Über eine Varietät des Hemmungstraumes.
Discussion über 2):
Freud bemängelt, dass das "Gehirn" als Erklärung einer Traumvarietät herange-
zogen werde. Auch müsse man entweder auf die Mittheilung eigener Träu-
me verzichten, oder aber auch die Deutung und das Materialdes Traumes
mittheilen; dann würde sich mit Sicherheit ergeben, dass die eigen-
tümlichenxxxxEigenschaften des Traumes als Darstellungsmittel be-
sonderer Traumgedankenundeine vollständige Erklärung finden würden.
Federn verteidigt die Methode, dort, wo es nicht auf den Inhalt, sondern auf
die Bedingungen ankommt, unter denen eine Traumsensation auftritt, die
Deutung unberücksichtigt zu lassen. Es giebt viele Arten, in denen
Ambivalente Traumwünschexxxxxdargestellt werden können; die Ermü-
dung der Muskel ist die Ursache, dass grade die Form des Hemmungs-
traumes gewählt wird. Im mitgetheilten Traume ist die Gehirnermü-
dung die Bedingung, welche die Verlangsamung im Traume zustande
kommen lässt.
Nunberg hält die Erklärung Federn's für unmöglich, weil das Gehirn überhaupt
nicht empfindungsfähig sei.
Freud meint, dass Nunberg's Einwandxxxxxxein Angriff mit grobem Geschü-
tze sei,abergiebt ihm aber Recht. Man könnte ebenso das gegentheil
lige Ansicht behaupten, dass ein besonders schneller Wechsel der Bil-
derxxx, wie ein manischer Gedankenwechsel ein Zeichen der Ermüdung
sei, weil das "Gehirn" keinen Gedanken festhalten könne.
Federnbeschließtbemerkt, dass er sich mit diesen Einwänden schon selbst
beschäftigt und sie nicht stichhaltig befunden habe. Insbesondere
diexxxxEmpfindlichkeit des Gehirnes bei Verwundungenu s wund
dgl. sei kein Argument, da sie gar nichts mit Reizen infolge von In-
anspruchnahme durch die übermässige Denkanstrengung zu thun habe.
Er verzichtet aber auf weitere Polemik und ersucht,nachzuprüfenbei
Menschen, die aus Träumen mit dem Gefühl von Hirnermüdung aufwachen,
nachzuprüfen, ob die Träume die gleiche Eigentümlichkeit, wie der mit-
getheilte, aufweisen, nämlich: Hemmungssensation, Verlangsamung der ge-
träumten Bewegungen, Rationalisierung der Verlangsamung, Armuthan
an Bildern undxxxxxxUnveränderlichkeit derselben, vielleicht auch
subjectiv lange Zeitdauer des Traumes.Anna
FREUD 3) Ueber ein hysterisches Symptom bei einem kleinen Kinde.
= (erscheint in den Mittheilungen in den Zeitschrift.)
Discussion über 3):
Hitschmann bestätigt, dass bereits in frühestem Kindesalter Äusserungen
von Kastrationsfurcht unverkennbar auftreten.S.
xxxxxProtokoll der Sitzung vom 4/3 1923.Federn macht darauf aufmerksam, dass grade durch das Spiel mit dem Fliegen,
einem Spiel mit exquisit sexueller Bedeutung, das Symptom zum Schwinde
gebracht wurde.
Friedjung findet bei der täglichen Untersuchung, dass sehr häufig Schamäusse-
rungen der Kinder inihrerder Form ihrer Äusserung die Kastrati-
onsangst verrathen.
FREUD macht auf die unbewusst angeregte Symbolempfindlichkeit aufmerksam.
Mac Curdy hat in einem guten Aufsatze über die Veranlassungen psy-
chischer Störungen das ausgeführt. So ist es auch im mitgetheilten
Falle nicht gleichgültig, dass sich die angsterweckende Scene grade
am Brunnen zugetreagen habe, der doch ein exquisit sexuelles Symbol
als Ort aus dem die Kinder kommen, darstelle,
Dr. Nunberg
4) Über einen Traum als Neurose auslösendes Moment.
(erscheint als Mittheilung in der Zeitschrift)
Discussion: Nunberg beantwortet eine Frage Reichs über den zeitlichen
Verlauf der mitgetheilten Ereignisse.
FREUD:
Dieser Traum ist so zu erklären, dass die Erkrankung des Kindes
schon vor dem Traume die Befürchtung des Todes erweckt und an den
Tod des Vaters erinnert. So entsteht die Furcht, mit dem Vater ver-
einigt zu werden. Daran kocht sich das Unbewusste gleichsam sein
Süppchen, und stellt die Vereinigung als wirkliche Sexualvereinigung
dar, die früher, bevor die Todeswünsche auftraten, abgelehnt wurde.Hitschmann bespricht die psychische Bedingung und die Vorgeschichte eines in
5) der letzten Woche vorgefallenen Selbstmordes.
6) bespricht den letzten Band von STEKel Publicationen : Impulshand-
lungen. (erscheint als Kritik in der Zeitschrift)Thema der nächsten Sitzung: Kleine Mittheilungen.
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Protokoll der Sitzung vom 4/3 1923.
1923-506/1923
1923-506/1923