Protokoll der (SS 19-20/ 6.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 2. Juni 1920. Otto Fenichel: Über Sexualfragen in der Jugendbewegung 1920-511/1920.01

Reik, Theodor (1920-511/1920.01): Protokoll der (SS 19-20/ 6.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 2. Juni 1920. Otto Fenichel: Über Sexualfragen in der Jugendbewegung

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  • S.

    Sitzung am 2./VI. 1920.
    Prof. Freud, Dr Federn, Dr. Sadger, Dr Landquist & Frau, Frl. Frida Schiff, Dr. Färbern,
    med. Herz, Dr Friedjung, Dr. Sadger, Dr Deutsch, Dr. Fenichel, Dr Weiss, Fenichel
    Dr. Fokschaner, Dr Schilder, med. Reich, Dr Schmiedeberg, Dr Hug-Hellmuth,
    Dr. Hitschmann, Dr Hitschmann, Dr Rank, Dr Reik.         Sexualfragen
    med. Fenichel Vortrag über die „Jugendbewegung in der Jugendbe-
    wegung“
    Für 16./VI.: Doz. Schilder über das „Kausalitätsproblem“ (Jaspers).
    Der Protest der Jugendbewegung als Protest gegen den Vater. Kameradschafts-
    ideologie. Antifeminismus in der Jugendbewegung. –
    Diskussion
    Dr Hitschmann: Haupttendenz: nur keine Keuschheit, das darf keine
    Ke Tendenz sein. Grobschlächtigkeit der Arbeit. –
    Dr Schilder: entspricht die keusche Fassade auch einer keuschen Praxis.
    Dr Federn: findet die Arbeit sehr interessant Askese; die Jugendbe-
    wegung in Amerika und England. Die Mutterimago wird nicht
    gleich auf junge Mädchen übertragen.
    Dr Friedjung: wundert sich, warum Fenichel nur über über Wander-
    vögel sprach, verweist auf Schulgemeinden. Wie ist es mit Verbrei-
    tung der Geschlechtskrankheiten bestellt ist, ob nicht Infektions-
    angst & mitschuldig an Keuschheit ist.
    Prof. Freud: fühlt sich Problemen dieser Zeit sehr entrückt. Meint
    dass innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung nicht zu helfen:
    Abstinenz, aber unter Protest! Fordert Toleranz! Ist nur Zu-
    rückführen auf Oedipuskomplex ist richtig. Beschränkung der
    Auffassung Blühers. Antike Völker (Römer) Lavicherie röm. Kardi-
    nal erzählt: Kinder der Weißen und Berber die in
                                            der Schule, die Berberkinder früher die geweckteren
                                            in der Schule, nachher intellektuell inferior,
    weil sie Sexualfreiheit hatten. In Rom junge Leute homosexuellen
    Freund, in Griechenland Päderastie. Das Hinausziehen der homo-
    sexuellen Stufe ist vielleicht notwendig. Wirkung der Jugend-
    askese: schafft energische Männer, Wirkung zeigt sich in Cha-
    rakterbildung, nicht in Neurosen z.B. Schweiz. Ist Folge der
    großen Sexualeinschränkung.

  • S.

    Dr. Landquist: entdeckt in der sozialdemokr. Jugendbewegung in Schweden
    ssaninsche Tendenzen. Kehrseite der Geschlechtsfreiheit hier.
    Dr Federn: Kulturgeschichte beruht auf Verdrängung der Sexualtriebe.
    Die Schamgrenze wird bleiben, das Schuldbewusstseinbewußtsein soll wegfallen.
    Dr Rank: Auffassung Landquists. Ssanismus: nach Revolution Au-
    toritäten.
    Dr Federn: Der Ssanismus ist entstanden nach Mißglückung
    der Revolution.
    Fenichel Schlußwort: Bild der Jugendbewegung ist verändert Ten-
    denzen habe er nicht. Tendenz nach Toleranz.