Protokoll der (WS 21/ 1.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 12. Oktober 1921. Hans Prinzhorn: Über Zeichnungen Geisteskranker und Primitiver 1921-514/1921

Reik, Theodor (1921-514/1921): Protokoll der (WS 21/ 1.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 12. Oktober 1921. Hans Prinzhorn: Über Zeichnungen Geisteskranker und Primitiver

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    1. Sitzung am 12. Oktober 1921.
          Anwesend: Prof. Freud, Dr Rank, Dr Reik, Dr Sadger
    Dr Prinzhorn, Dr Friedjung, Doz. Schilder, Prof. Pötzl,
    Dr Bernfeld, Dr Hitschmann, med. Bibring, Schmid-
    berg, Kolnai, Dr Polon, Dr Oberndorf, Dr Maier,
    (New York) Strachey, Dr Rickmann, Dr Mank,
    Doz. Pappenheim, Dr Sperber, Dr Kempner, Dr Sarasin,
    Dr Bischofsky, med. Sandor, Doz. Friedjung, MUC
    Reich, MUC Fenichel, Silberer, Anna Freud, Dr Deutsch,
                                      Dr Blumgartner,
    Dr Rank verliest ein Mitglieds Aufnahmegesuch. Assist.
    arzt Dr Pollak aus Prag will Modalitäten der Zweigverei-
    nung in Prag.
    Dr Reik Dr Bernfeld: Einige Bemerkungen über Sublimie-
                                                            rung am 26. X.
    Dr Prinzhorn: Über Zeichnungen Geisteskranker
    und Primitiver: Aus der Bildersammlung der psychiat-
    rischen Klinik in Heidelberg. Spontan entstandene Bil-
    der Ungeübter Geisteskranker, mehr als 75% Schizophre-
    ne. Sind Gestaltungsversuche, frei von Tradition und
    Schulung. Auf dreifache Weise Jena Seelenleben der
    Kranken: sehen Inhalt, dann dynamische Faktoren
    des Seelenablaufes und 3.) durch Vergleich mit Kinder
    & Primitiven Zeichnungen wie Darstellung. Ein Beitrag
    zur Psychopathologie der Gestaltung: Frage: besteht Bezie-
    hung zwischen Geisteskranken und Künstler. Erster
    Bild eines Andarbeiters zeigt – Mischung von Zeichnung
    und Schrift, symmetrische Anordnung: ein Kreis
                          ist abstrakt, besitzt Aurat (=Zeichnung)

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    Hampelmann, Sonne.) Ein zweites Blatt. Große heraldische
    Vögel. Wir erleben einen Widerschein jener seelen Ge-
    standes. Symbolische komplexe Bildwerke von Geistes-
    kranken. Die Hauptquellen der Darstellung ist Erotik
    und d Religion, oft in blasphemischer Ausdrucks-
    weise.
    Stofflich: Vorliebe für symbolische und wahnhafte Bezie-
    hungen, formal Überwuchern der Darstellungsmittel
    Abstraktion v. realen Objekt. Willkür und Selbstsi-
    cherheit im Gesetzgeben. Führt zu Autismus. Sind
    aber auch selbstgehaltene Bildwerke Zustandsbilder
    Das Weltgefühl des Geisteskranken ist charakteristisch
    für Künstler: Freude am Spiel, Hinwendung auf
    das eigene Ich, Willkür und Selbstsicherheit – ein
    Kernvorgang der künstlerischen Gestaltung. Erzeugt
    die Krankheit neue B Begabungen oder erweckt
    sie sie nur. Man rechnet mit jener produkti-
    ven Faktor im Fortschreiten eines psychotischen
    Zustandes. Hinblick auf gegenwärtige Kunst,
    hat besondere Beziehungen. Worin die Unterschiede
    zu produktivem Künstler. Dem Geisteskranken
    Entfremdung von Realwelt als Zwang auferlegt, dem
    Künstler bewußt. Die Künstlerischen soll selbst
    genug, niemandem verpflichtet, haben diese Kunst
    hier geschaffen. Bildnerei der Geisteskranken der Zeit-
    kunst so verwandt, weil sie auf der Sehnsuchts-
    linie liegt. Beweis: Fähigkeit zur bildnerischen Ge-
                                            staltung ist bis zu ge-

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    wissen Maße jedem gegeben. Verwandtschaft – der primi-
    tiven Kunst – mit der Geisteskranker. Auf vielen Bildern
    Geisteskranker Parallelfiguren männlicher Blick wird
    Vater und Sohn, Christus und Christine vom Kranken
    genannt. Die Groteske in Plastik Epos des Mittelalters.
    Bei manchen Bildern, zweifeln ob sie sogar ob von Geistes-
    kranken oder Primitiven: gleiche starre, enge Haltung.
    Völkerkunde hat – Sammlung von Material angelegt –
    Bastian u Unterschied Völkergedanken und allgemei-
    ne Menschengedanken. Später Psychologische Schule will
    Primitiven qualitative andere Denkweise & prälogische
    Denkweise: Fähigkeit individuellen Weltbildes fehlt.
    Neuorientierung der Entwicklungspsychologie gegen intellek-
    tualistische Ausdeutung. Enge Verwandtschaft – zwischen
    primitiver Kunst und die des Geisteskranken spricht
    für „Elementargedanken“:
    Dr Federn: erinnert an Silberers. funktionale Phäno-
    men. Verdichtung und Verschiebung. Man hat Eindruck
    dass diese Art Verdichtung aus Zwang heraus gesche-
    hen. Die Antike hat erkannt, dass in Wahnsinnigen
    ein Künstler steckt. Bei Geisteskranken und Künstler
    bisexuelle Anlage hervorgetreten. Künstler hat richtige
    Scheu der Öffentlichkeit – ist hervorgetreten scharf. Aber
    auch die Motive und die Inhalte sind gleichen.
                                     materiellen
    Dr Nunberg erinnert an die Traumverdichtung. Schizo-
    phrene behandeln Worte wie Dinge. In Zeichnungen der
    Schizophrenen ist Streben des Libido vom Ich zur
                                                    Welt – zurück.

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    Doz. Schilder: Die Darstellungsfähigkeit ist wichtig.
    Ob gewisse formale Techniken nicht gewissen Zu-
    ständen angemessen sind. Gewisse Rhythmisierungs-
    formen treten vor: vielleicht gibt es ein motorisches
    Pendant zu bestimmten Zuständen. Kein Zusam-
    menhang bestimmter Technik mit Gedankeninhalt.
    Es handelt sich um etwas einen biologischen Faktor.
    Prof. Pötzl: wenig Analogies mit anderen Figuren der
    Urzeit. Grobe Kunst. Ob nicht realistische große
    Vorgänger Kunst –
    Dr Rank: Vortragender nähert sich Psychoanalyse.
    Elementargedanken: The Theorie der Elementargedan-
    ken von Psychoanalyse vertreten. Die Künstler stellen
    Motive des Schaffens dar (Komplexe), Geisteskranke geben
    Entwurf eines Künstler werkes, mehr Rohmaterial.
    Fehlen der Sublimierungsfähigkeit.
    Doz. Schilder: Bei Amentiakranken hält sich bestimmte
    Gruppe an Objekt und Wirklichkeit, andere Gruppe
    gibt nur Material.
    Prof. Pötzl: Prähistorische Kunst haben sich beide
    Gruppen in mykenischen Kunst verschmolzen.
    Dr Federn Dr Prinzhorn: Bei Epileptiker und bei
    Paralysen mehr realistische Elemente –

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    Prof. Freud: l'art pour l'art galt nicht für Alten. Eine rea-
    listische Tendenz der Magie hat sich an die Außenwelt zu hal-
    ten, später aber hat es sich um endopsychische Absichten
    gehandelt.
    Dr Prinzhorn: 

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