Protokoll der (XIX./ 15.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 15. April 1922. Fortsetzung der Diskussion über sexuelle Aufklärung 1922-508/1922

Reik, Theodor (1922-508/1922): Protokoll der (XIX./ 15.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 15. April 1922. Fortsetzung der Diskussion über sexuelle Aufklärung

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  • S.

    14. Sitzung am 15. April 1922

    Prof. Freud, Doz. Deutsch, Dr Federn, Silberer, Dr Hug, Dr Winter-
    stein, Dr Weiss, Dr Reich, Fenichel, Dr Fokschauer, Hofmann,
    Storfer, Nunberg, Deutsch, Nepallek, Joll, Hitschmann, Rank,
    Reik, Sarasin, Kempner, Rank, Bibering, Sadger, Kaplan, Jekels,
    Schilder, Schmiedeberg, Nunberg, Bychowski, Hartmann,
    Sadger.


     

    Dr Hitschmann: über sexuelle Aufklärung: Aufklä-
    rung kommt gewöhnlich zu spät; oft wollen die Kinder
    nichts wissen. Das kleine Kind kann die Aufklärung
    intellektuell nicht bewältigen. Erste Aufklärung muss
    partiell sein. In frühen Jahren Aufklärung unmöglich.

    Dr Reich: die Frage der sexuellen Aufklärung kann
    nicht isoliert betrachtet werden. Gründe des Nicht-
    annehmens: anale und narzißtische Motive.
    In Zeit, wo Verdrängungen bereits vollzogen, wird Kind
    aufgeklärt. Das Moment des Autoritätsverhältnisses.
    Psychologie des 1-3 jährigen wurde vernachlässigt.
    Notwendig reduziertes Autoritätsverhältnis. Rolle d.
    Entwöhnung von Brust und Defäkation spielt eine
    Rolle.

    Dr Sarasin: kleine Kind 2-5 Lebenszeit. In diesem Alter
    hat das Kind schon sich eine Märchenwelt gebaut.
    2 Fragen: woher kommt das Kind und wie wird das
    Kind gemacht. Die grosse Rolle der Graviditätsphan-
    tasie. Doctorspiele der Kinder.

  • S.

    Dr Nunberg: Wie kommen die Kinder zu sexuellen
    Fragen. Die Frage der Geschlechtsdifferenz ist
    durch den infantilen Narzißmus verhindert. Die
    Sexualforschung nach nicht frühzeitiger Aufklä-
    rung, das normale Kind verschafft sich selbst die
    Aufklärung.

    Prof. Freud: Das kleine Mädchen leugnet die Ge-
    schlechtsdifferenz beim Knaben nicht.

    Dr Rank: Unterscheid zwischen Analyse des Kindes und
    Aufklärung des Kindes muss begrenzt werden.
    Weniger sexuelle Aufklärung betonen als Erziehung
    überhaupt. Die Zeit ist der Aufklärung
    ist wichtiger als das Was. Ablehnung der Aufklä-
    rung kann viele Ursachen haben. Z.B. bei Geburt
    eines Geschwisterchen kann. Aufklärung ist Frage
    ist ...

    Fenichel: Motive der Verdrängung und Ablehng.
    gleich. -

    Dr Reik:

    Dr Fokschauer: Die Frage, woher die Kinder kommen,
    ist oft von der Kastrationskomplex oft verschoben.
    Die Aufklärung ist von analytisch geschulten Eltern
    zu geben.

    Doz. Schilder: die Familienangehörigen sollen

  • S.

    keine Komplexe haben, sonst glaubt das Kind nicht
    den Worten. In einer Schichte kann ein Kind sexuell
    wissen, in anderen nicht. Die Verdrängung ist un-
    entbehrlich.

    Schmiedeberg: Fragen bei Erwachsenen häufig bei Schrecken
    abreagieren durch Fragen. Das Schreckerlebnis ist Grund des
    Fragedrangs.

    Dr Bibring: Konstitution des Kindes ist wichtig.

    Dr Federn: Die Ablehnung der Aufklärung ist nicht
    so intensiv als man glaubt. Das Storchenmärchen ist
    eine den Kindern angepasste Mythe. In SchichtAutoritäts-
    glaube ist nicht unabhängig von dem se-
    xuellen Wissen.

    Dr Sadger: Die Aufklärung würde eine zuerst loci refrac-
    ta gemacht. Die Pubertät wünscht, von der Mutter
    am eigenen Leibe in die Liebe eingeführt zu werden.
    Vater soll aufklärend und einführend im Sexual-
    leben wirken. Die grosse Rolle des Belauschens beim
    Beischlaf und ihrer Folgen.

    Frau Dr Deutsch: Die Kinder sind selten Zeugen
    des elterlichen Koitus, aber die Phantasie ist
    häufig.

    Frau Dr Hug: Schlußwort.

    Prof. Freud: Einsicht, das Problem, soll man Kinder
    aufklären oder nicht, für Psychoanalytiker

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