Ueber das chemische Verhalten der Harne nach Sulfonal-Intoxication (Schluss.) 1891-003/1891.2

Jolles, Adolf F., Freud, Sigmund (1891-003/1891.2): Ueber das chemische Verhalten der Harne nach Sulfonal-Intoxication (Schluss.)

Zurück zum Werk
  • S.
    V. Jahrgang. Wien, 13. December 1891. Nr. 50.

    INTERNATIONALE

    KLINISCHE RUNDSCHAU.

    Centralblatt für die gesammte praktische Heilkunde, sowie für die Gesammtinteressen des ärztlichen Standes.

    Herausgeber und Chef-Redacteur: Prof. Dr. Joh. Schnitzler.

    INHALT: Originalartikel, Berichte aus Kliniken und Spitälern. Mittheilung aus dem chemisch-mikroskopischen Laboratorium von Dr. M. und Dr. Ad. Jolles in Wien: Ueber das chemische Verhalten der Harne nach Sulfonal-Intoxication. Von Dr. Adolf F. Jolles in Wien. (Schluss.) — Abgekürzte Messung der Körpertemperatur. Von Sanitätsrath Dr. R. Hausmann in Meran (Tirol). — Ueber Anwendung und Wirkung von Schlaf-, Beruhigungs- und Erregungsmitteln, insbesondere bei Neurosen und Psychosen. Von Dr. Julius Krueg in Wien. (Fortsetzung.) — Bilanz der Gesundheitsverhältnisse in Wien in den letzten zwei Decennien 1871 incl. 1880 und 1881 incl. 1890. Von Dr. Emil Kammerer, Stadtphysikus und Sanitätsrath. — Verhandlungen wissenschaftlicher Vereine. K. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien. Prof. Kahler: Ueber Krampfneurosen. Dr. Frank: Operation am Tarsus. Prof. Kundrat: Ueber seltene Formen von Nierenkrebs. — Geburtshilflich- gynäkologische Gesellschaft in Wien. Hofrath Dr. Gustav Braun: Ueber Sekundärnaht nach Laparotomie mit günstigem Ausgange. Ueber Beginn des fünften Lunarmonats mit Diastase der Linea alba. — Berliner medizinische Gesellschaft. Dr. A. Baginsky und Dr. Th. Gluck: Ein Fall von Schläfenlappenabscess. — Kritische Besprechungen und literarische Anzeigen. Pathologie und Therapie des Rachens, der Nasenhöhlen und des Kehlkopfs. Von Dr. F. Massei. Nach der zweiten Auflage in's Deutsche übertragen von Dr. Emanuel Fink. — Die Brandt'sche Massage bei Frauenkrankheiten. Gemeinverständlich dargestellt von Dr. Freudenberg. — Jahrbuch der Budapester hauptstädtischen Spitäler. Herausgegeben von Prof. Müller. — Zeitungsschau. Ueber Wundbehandlung mit Dermatol. Von Dr. v. Rogner. — Arsenik bei perniciöser Anämie. Von Dr. Barton. — Ueber zwei Fälle von Arsen-Zoster. Von Dr. Epstein: — Ueber septische Nabel- erkrankungen. Von Dr. Eröss. — Zur Behandlung der Lungentuberkulose durch subkutane Injektion von Jodoform-Guajacol. Von Prof. Picot. — Beiträge zur Blasenmolenschwangerschaft. Von Dr. Engel. — Haematometra in der rechten Hälfte eines Uterus duplex separatus. Von Dr. Akout. — Ueber das Strychnin bei Herzkrankheiten. Von Dr. Bradford. — Die Extirpation des Karbunkels. Von Prof. Riedel. — Tagesnachrichten und Notizen. Wien. Aerztliches Vereinsleben. Universitäts- und Personalnachrichten. Influenza. Marburg. Berlin. — Anzeigen.

    Originalartikel, Berichte aus Kliniken und Spitälern.

    Mittheilung aus dem chemisch-mikroskopischen Laboratorium von
    Dr. M. und Dr. Ad. Jolles in Wien.

    Ueber das chemische Verhalten der Harne nach Sulfonal-Intoxication.

    Von Dr. Adolf F. Jolles in Wien.

    (Schluss*.)

    Alle Harnproben waren klar und erschienen bei auffallen-
    dem Lichte undurchsichtig, in mit Wasser verdünnten Lösungen
    gelb- bis braunroth. Beim Kochen trat keine Veränderung in
    der Farbe ein, jedoch konnte in allen Fällen eine von Eiweiss-
    spuren herrührende Färbung wahrgenommen worden.

    Das spektroskopische Verhalten der ersten drei Harn-
    proben, deren Untersuchung fast zur selben Zeit erfolgte, ergab
    zunächst dass die Färbung weder vom Oxyhämoglobin,
    noch von Methämoglobin herrührt. Bei direkter Beobach-
    tung der drei Harnproben durch das Spektroskop konnte bei
    II und III, deren Farbe weit dunkler war, als die bei I, irgend
    eine Farbe des Spektrums überhaupt nicht wahrgenommen
    werden. Harnprobe I absorbirte das Spektrum vollständig bis
    auf einen Theil des Roth und Orange. Wurden die drei Proben
    auf das Vierfache verdünnt, so konnten drei Streifen beobachtet
    werden (Fig. 1), und zwar ein Streifen im gelben, sowie zwei
    Streifen im grünen Theile des Spektrums, von denen der zweite
    einen Theil des blauen Feldes verdeckte. Der Streifen im
    gelben Theile des Spektrums erschien schärfer ausgeprägt, schärfer
    begrenzt und breiter.

    Wurden nun die drei Proben mit verdünnter Salzsäure
    angesäuert, so beobachtete man zwei Absorptionsstreifen im
    gelben Felde, von denen der zweite nicht gleichmässig nuancirt
    erschien, sondern nach dem Grün hinliegenden dunkler erschien,
    es war jedoch nicht möglich, diese Nuance als von einem
    begrenzten Absorptionsbande herrührend zu bezeichnen (Fig. 2).
    Jedenfalls stimmten diese zwei Absorptionsstreifen mit denen des
    salzsauren Hämatoporphyrins überein, wie sie auch von
    NENCKI und SIEBER⁵), welchen die Darstellung des Hämatoporphyrins
    in Form krystallischer Verbindungen gelang, angegeben sind. 

     

    *) Siehe »Internationale Klinische Rundschau« Nr. 49, 1891.
    ⁵) Monatshefte für Chemie, 115–32, Februar 1888.

     

    violett

    indigo

    blau

    grün

    gelb

    orange

    roth

    Fig. 1.

    Fig. 2.

     

  • S.
    1955 Internationale Klinische Rundschau 1891. 1956

      In ammoniakalischer Lösung beobachtete man in allen
    drei Proben vier Absorptionsstreifen, einen Streifen im Orange,
    zwei im gelben und einen breiten im grünen Theile des Spek-
    trums, welcher einen Theil des blauen Feldes verdeckte (Fig. 3).

     

    violett

    indigo

    blau

    grün

    gelb

    orange

    roth

    Fig. 4.

    Fig. 3.

    Dieses Spektrum ist identisch mit dem des Hämatopor-
    phyrins in ammoniakalischer Lösung⁴). Das Spektralbild war
    allerdings in keinem Falle ein sehr reines und die Absorptions-
    streifen daher auch nicht scharf begrenzt, was aber erklärlich
    ist, wenn man erwägt, dass das Hämatoporphyrin ein sehr
    veränderlicher Körper ist, und dass ferner im Harne kleine
    Mengen von Zersetzungsprodukten enthalten sind, welche die
    Lage der Absorptionsstreifen ungünstig beeinflussen.

      Nach dem geschilderten spektroskopischen Verhalten der
    drei Harnproben darf man mit grosser Wahrscheinlichkeit an-
    nehmen, dass in denselben Hämatoporphyrin enthalten ist.
    Der Sicherheit und Genauigkeit wegen wäre es von Vortheil
    gewesen, die Identität des Harnfarbstoffes der pathologischen
    Harne durch eine Vergleichung mit normalen Harnen, denen
    reines Hämatoporphyrin hinzugefügt wird, festzustellen. Leider
    war die Beschaffung von krystallisirtem salzsaurem Hämato-
    porphyrins für uns zu jener Zeit mit Schwierigkeiten verbunden.

      Inzwischen ist im dritten Hefte der »Zeitschrift für phy-
    siologische Chemie« von diesem Jahre eine werthvolle Arbeit
    von Prof. SALKOWSKI⁵) über das Vorkommen und den Nachweis
    von Hämatoporphyrin im Harn erschienen, aus der zunächst
    hervorgeht, dass auch SALKOWSKI Gelegenheit hatte, in drei von
    weiblichen Individuen stammenden Harnproben, welche aus-

     

    ⁴) HOPPE-SEYLER, l. c. Medic.-chem. Untersuchungen, S. 44.
    NENCKI und SIEBER, Monatshefte für Chemie, 1888.
    ⁵) Zeitschrift für physiologische Chemie, 1891, Seite 286—310.

     

    schliesslich Sulfonal in den gewöhnlich üblichen Dosen gebraucht
    hatten, mit Sicherheit Hämatoporphyrin nachzuweisen. SALKOWSKI
    empfiehlt nun zum Nachweise des Hämatoporphyrins im Harn
    für klinische Zwecke eine neue Methode, welche wir bei der
    vierten, im August d. J. uns überreichten Harnprobe auszu-
    führen Gelegenheit hatten. Diese Methode beruht darauf, dass
    der rothe Farbstoff des Harns fällbar ist durch alkalische
    Chlorbaryumlösung...

      Somit kann wohl mit Sicherheit behauptet werden, dass
    in dem Harne Hämatoporphyrin enthalten ist, welchem auch
    die eigenthümliche dunkle Farbe der Harne zuzuschreiben ist.

      Nach obigen Untersuchungen dürfen wir wohl auch an-
    nehmen, dass die Hämatoporphyrinurie in einem
    ursächlichen Zusammenhange mit dem Sulfonal-
    gebrauche steht. Ob aber das im Blut zirkulirende Hä-
    matoporphyrin selbst deletär wirkt, ist noch eine offene Frage.
    Nach den bisher vorliegenden Thierversuchen soll das
    Hämatoporphyrin, wenn überhaupt, nur in sehr grossen Dosen
    giftige Erscheinungen zur Folge haben. Wir müssen aber
    vollkommen der Ansicht des Herrn Prof. SALKOWSKI'S bei-
    stimmen, welcher diesbezüglich sagt⁸): »Es kann keinem Zweifel
    unterliegen, dass die an einer Thierspezies gewonnenen Er-
    fahrungen nicht ohne Weiteres auf eine andere Spezies, also
    auch nicht auf den Menschen, übertragen werden dürfen. Für
    die Möglichkeit, dass eine Substanz auf den Menschen viel
    stärker wirken kann als auf Versuchsthiere, giebt es wohl
    kein schlagenderes Beispiel, als die Koch'sche Flüssigkeit gegen
    Tuberkulose, von welcher nach KOCH'S Angaben Meerschweinchen
    2 ccm subkutan ohne moralische Beeinträchtigung vertragen,
    während 0·25 ccm beim Menschen schon bedrohliche Er-
    scheinungen hervorrufen. Wir sind also für die weitere
    Klärung der Frage ganz vorwiegend auf weitere zufällige Beo-
    bachtungen von Menschen angewiesen.«

     

    ⁶) HOPPE-SEYLER, »Berichte der Deutschen chem. Gesellschaft«,
    7, 1066, 1874.
    ⁷) C. le Nobel, Archiv für die gesammte Physiologie, 40, 501, 1887.
    ⁸) Zeitschrift für physiologische Chemie, Seite 308, 1891.

  • S.
    1957 Internationale Klinische Rundschau 1891. 1958

      In jedem Falle sollte der Arzt auf die Farbe
    des Harne sorgfältig achten, und sobald eine
    dunkle Färbung eintritt, von weiteren Sulfonal-
    gaben Abstand nehmen.

      Was das sonstige chemische Verhalten der vier Harn-
    proben betrifft, so konnte nach dem chemischen Befunde bei
    allen eine Vermehrung des Indicangehaltes und der reducirenden
    Substanzen, sowie das Vorhandensein deutlicher Spuren von
    Eiweiss und Pepton konstatirt werden. Es sei ausdrücklich
    darauf hingewiesen, dass vor dem Auftreten des rothbraunen
    Harnes in dem Harne der vier Individuen Albumen nach An-
    gabe der behandelnden Herren Aerzte trotz wiederholter Unter-
    suchung nicht nachgewiesen werden konnte. Der mikroskopische
    Befund ergab die Anwesenheit hyaliner, granulirter und Epithelial-
    cylinder.

      Die Phenylhydrazinprobe, bei deren Ausführung
    wir den Vorschlag von HIRSCHL ⁹) die Eprouvette eine Stunde
    im kochenden Wasser verbleiben zu lassen, befolgt haben,
    ergab bei den Proben 2, 3 und 4 ein positives Resultat, trotzdem
    sowohl durch Titriren, als mittelst der Gährungsprobe die Ab-
    wesenheit von Zucker nachgewiesen war...

      Es lag nunmehr die Frage nahe, ob Resorption und Aus-
    scheidung von Sulfonal stattgefunden hat, respektive in Form
    welcher Verbindungen das Sulfonal zur Ausscheidung gelangt ist.

      Was zunächst die chemische Zusammensetzung des Sul-
    fonals betrifft, so gehört dasselbe bekanntlich zu den Disulfonen,
    d. h. organischen schwefelhaltigen Verbindungen, welche zwei-
    mal die einwerthige Atomgruppe $SO_2 R$ an ein und demselben
    Kohlenstoff gebunden haben...

     

    $\begin{matrix} CH_3 \\ H \end{matrix} > C = O + \begin{matrix} HS.C_2H_5 \\ HS.C_2H_5 \end{matrix} = \begin{matrix} CH_3 \\ H \end{matrix} > C < \begin{matrix} S.C_2H_5 \\ S.C_2H_5 \end{matrix} + H_2O$

    Aethylidendiäthylmercaptol.

    $\begin{matrix} CH_3 \\ CH_3 \end{matrix} > C = O + \begin{matrix} HS.C_2H_5 \\ HS.C_2H_5 \end{matrix} = \begin{matrix} CH_3 \\ CH_3 \end{matrix} > C < \begin{matrix} S.C_2H_5 \\ S.C_2H_5 \end{matrix} + H_2O$

    Dimethylketon   Aethylmercapton   Dithioäthyl Dimethyl-Methan

    $\begin{matrix} CH_3 \\ CH_3 \end{matrix} > C < \begin{matrix} S.C_2H_5 \\ S.C_2H_5 \end{matrix} + 4O = \begin{matrix} CH_3 \\ CH_3 \end{matrix} > C < \begin{matrix} SO_2.C_2H_5 \\ SO_2.C_2H_5 \end{matrix}$

    Sulfonal.

    ⁹) Zeitschrift für physiologische Chemie, 377, 1890.
    ¹⁰) Siehe »Zeitschrift für physiologische Chemie«, Bd. 9, S. 323, 1885.
    ¹¹) Berliner Klinische Wochenschrift, 25, 309—314.

     

    tritt das Sulfonal zum grössten Theile nicht unverändert, son-
    dern in Form einer anderen organischen Sulfonalverbindung
    (Sulfosäure) im Harne aus dem Körper aus. Nach BAUMANN ¹²) 
    geht das Sulfonal als solches in den Harn nicht über, sondern
    wird in lösliche und ziemlich beständige Schwefelverbindungen
    übergeführt. Wir haben nun, um die etwaige Anwesenheit von
    Sulfonal festzustellen, von jeder der vier Harnproben je 100 ccm
    nach Entfernung des Eiweissgehaltes zur Trockne eingedampft...

      Es resultirten für je 100 ccm Harn folgende Sulfonal-
    Werthe:
     

    I II III IV
    0.018 gr 0.008 gr 0.011 gr 0.003 gr

      Mit den Rückständen haben wir die Sulfonal-Iden-
    titätsreaktion nach VULPIUS ¹³) ausgeführt, indem wir die-
    selben mit Cyankalium geschmolzen haben, wobei stets der
    charakteristische Mercaptangeruch wahrgenommen werden
    konnte...

      Diese Mengen sind allerdings sehr gering, wenn man erwägt,
    dass die tägliche Dosis 2 gr betrug und die 24 stündige Harn-
    menge — die allerdings nicht genau bestimmt wurde — nach
    Angaben der Herren Aerzte bei I circa 700 ccm, bei II und
    III circa 1000 ccm und bei IV circa 800 ccm betragen haben
    soll. Der grösste Theil des Sulfonals musste also jedenfalls in
    Form anderer Sulfonal-Verbindungen aus dem Körper aus-
    treten.

      Die Harne enthielten in Perzenten Schwefelsäure ($SO_3$):
     

    a) präformirte: b) gebundene:
    Harn Nr. I   0.344 Prozent Harn Nr. I   0.014 Prozent
      »   II   0.281   »   »   II   0.010   »
      »   III   0.286   »   »   III   0.011   »
      »   IV   0.211   »   »   IV   0.012   »


     

    ¹²) Therapeutische Monatshefte, 1888, Nov.
    ¹³) Pharmaceutische Zeitung 33, 312.
    ¹⁴) Pharmaceutische Zeitung 1888, 405.

  • S.
    1959    1960

    Bromsalzsäure oxydirt und nach Vertreibung des überschüssigen
    Broms mit Chlorbaryum gefällt.

      Die Harne enthielten in Perzenten $SO_3$:
     

    I IV
    0.361 Perzent 0.227 Perzent.


      Das Resultat war also ein negatives, d. h. es sind
    in den Harnen keine neutrale Schwefelverbin-
    dungen vorhanden, da die geringe Differenz von Versuchs-
    fehlern herrührt. In nachstehender Tabelle sind die gesammten
    Resultate unter gleichzeitiger Anführung der von G. HOPPE-
    SEYLER¹⁵) gefundenen Werthe für den Gehalt normaler Harne
    an gebundenen und präformirter Schwefelsäure verzeichnet:

     

      Tägliche Aus-
    scheidung in ccm
    Spezifisches
    Gewicht
    Schwefelsäure in toto Schwefelsäure in Perzent Verhältniss
    $\frac{a}{b}$
    a präfor-
    mirte
    b gebun-
    dene
    b gebun-
    dene
    a präfor-
    mirte
    Normal-Harn 1750 1.020 2.957 0.157 0.169 0.015 11.4
    Harn Nr. I 700 1.022 2.414 0.098 0.344 0.014 24
      » Nr. II 1000 1.012 2.821 0.102 0.281 0.010 28
      » Nr. III 1000 1.027 2.866 0.113 0.286 0.011 26
      » Nr. IV 800 1.019 2.115 0.102 0.211 0.010 21


      Aus obigen Resultaten geht hervor, dass in
    allen vier Harnproben sowohl die präformirten,
    als die gebundenen Schwefelsäuren vermehrt
    sind und dass namentlich der Gehalt der gebun-
    denen Schwefelsäure gegenüber der präfor-
    mirten eine starke Vermehrung zeigt.

      Fassen wir die bisherigen Ergebnisse zusam-
    men, so resultirt:
      1. Die eigenthümliche rothbraune Farbe der Harne nach
    Sulfonal-Intoxikation rührt von dem Gehalte an Hämatopor-
    phyrin her.
      2. Zum Nachweise des Hämatoporphyrins im Harne eignet
    sich sehr wohl das spektroskopische Verhalten salz-
    saurer und ammoniakalischer Lösung.
      3. Eine brauchbare klinische Probe ist auch das SAL-
    KOWSKI'sche Verfahren, welches auf der Fällbarkeit des Farb-
    stoffes durch alkalische Chlorbaryumlösung beruht, wobei die
    durch Behandeln der Niederschläge mit salzsäurehaltigem Al-
    kohol erhaltenen Lösungen ausgezeichnet sind durch die
    Prägnanz der Absorptionserscheinungen.
      4. Nach Sulfonal-Intoxikation sind im Harne
    deutliche Spuren von Albumen, sowie renale Ele-
    mente nachzuweisen.
      5. Ob der vermehrte Gehalt an reduzirenden Substanzen,
    resp. der Gehalt an Glycuronsäure mit der Sulfonal-Intoxikation
    in einem Zusammenhange steht, ist noch eine offene Frage.
      6. Nach Sulfonal-Intoxikation sind im Harne auch geringe
    Mengen unveränderten Sulfonals zu konstatiren.
      7. Der grösste Theil des Sulfonals verlässt den
    Organismus in Form von löslichen ungepaarten Schwefel-
    säuren.
      8. Neutrale Schwefel-Verbindungen konnten im
    Harne nicht nachgewiesen werden.
      Hieraus geht hervor, dass man mit Sulfonal-
    gaben sofort aussetzen muss, sobald eine auf Hä-
    matoporphyrin deutende Färbung im Harne wahr-
    genommen wird.