Wenn Moses ein Ägypter war ... 1939-001/1937.02

Freud, Sigmund (1939-001/1937.02): Wenn Moses ein Ägypter war ...

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    24/5 1937 Wenn Moses ein Aegypter war...
    von
    Sigm. Freud

        In einem früheren Beitrag zu dieser
    Zeitschrift x) habe ich die Vermutung, dass
    der Mann Moses, der Befreier und Gesetz=
    geber des jüdischen Volkes kein Jude sondern
    ein Aegypter war, durch ein neues Argument
    zu bekräftigen versucht. Dass sein Name aus
    dem aegyptischen Sprachschatz stammt, war
    längst bemerkt wenn auch nicht ent=
    sprechend gewürdigt worden; ich habe
    hinzugefügt, dass die Deutung des an
    Moses geknüpften Aussetzungsmythus
    zum Schluss nötige, er sei ein Aegypter
    gewesen, den das Bedürfnis eines Volkes
    zum Juden machen wollte. Am Ende
    meines Aufsatzes habe ich gesagt, dass sich
    wichtige und weittragende Folgerungen
    aus der Annahme ableiten, dass Moses
    ein Aegypter gewesen sei; ich sei aber
    nicht bereit, öffentlich für diese ein=
    zutreten, denn sie ruhen nur auf psycho=
    logischen Wahrscheinlichkeiten und ent=
    behren eines objektiven Beweises. Je
    bedeutsamer die so gewonnenen Einsichten
    sind, desto stärker verspüre man die
    Warnung sie nicht ohne sichere Be=
    gründung dem kritischen Angriff der
    Umwelt gleichsam wie ein ehernes Bild
    auf tönernen Füssen auszusetzen.
    Keine noch so verführerische Wahrscheinlichkeit
    schütze vor Irrtum; selbst wenn alle Teile
    eines Problems sich einzuordnen scheinen
    wie die Stücke eines Zusammenleg=
    spieles müsste man daran denken, dass
    das Wahrscheinliche nicht notwendig das
    Wahre sei und die Wahrheit nicht
    immer wahrscheinlich. Und endlich sei
    es nicht verlockend den Scholastikern
    und Talmudisten angereiht zu werden
    die es befriedigt ihren Scharfsinn spielen
    zu lassen, gleichgültig dagegen, wie
    fremd der Wirklichkeit ihre Behaup=
    tung sein mag.

    x) Imago XXIII, Heft 1.

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    Ungeachtet dieser Bedenken die heute
    so schwer wiegen wie damals, ist aus dem
    Widerstreit meiner Motive der Entschluss
    hervorgegangen auf jene erste Mitteilung
    diese Fortsetzung folgen zu lassen.
    Aber es ist wiederum nicht das Ganze
    und nicht das wichtigste Stück des Ganzen.

    I.

        Wenn also Moses ein Aegypter war –
    so ist der erste Gewinn aus dieser
    Annahme eine neue, schwer zu beant-
    wortende Rätselfrage. Wenn ein Volk
    oder ein Stamm x) sich zu einer grossen
    Unternehmung anschickt so ist nichts anderes
    zu erwarten, als dass einer von den
    Volksgenossen sich zum Führer aufwirft
    Rolle oder zu dieser Stellung durch Wahl
    bestimmt wird. Aber was einen vor=
    nehmen Aegypter – vielleicht Prinz,
    Priester, hohen Beamten – bewegen sollte
    sich an die Spitze eines Haufens von ein=
    gewanderten, kulturell rückständigen
    Fremdlingen zu stellen und mit ihnen
    das Gastland zu verlassen, das ist
    nicht leicht zu erraten. Die bekannte
    Verachtung des Aegypters für ein ihm
    fremdes Volkstum macht einen
    solchen Vorgang besonders unwahr=
    scheinlich. Ja ich möchte glauben gerade
    darum haben selbst Historiker die den Namen
    als aegyptisch selbst erkannten und dem Mann
    alle Weisheit Aegyptens zuschrieben
    die nahe liegende Möglichkeit nicht auf=
    nehmen wollen, dass Moses ein Aegypter
    war.

        Zu dieser ersten Schwierigkeit kommt
    bald eine zweite hinzu. Wir dürfen
    nicht vergessen, dass Moses nicht nur
    der politische Führer der in Aegypten
    ansässigen Juden war, er war auch
    ihr Gesetzgeber, Erzieher, und zwang sie
    in den Dienst einer neuen Religion
    die noch heute nach ihm die mosaische
    genannt wird. Aber kommt ein

    x) Wir haben keine Vorstellung davon um
    welche Zahlen es sich beim Auszug aus
    Aegypten handelt.

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    einzelner Mensch so leicht dazu eine neue Religion
    zu schaffen? Und wenn jemand die Religion
    eines Anderen beeinflussen will, ist es
    nicht das Natürlichste, dass er ihn zu seiner
    eigenen Religion bekehrt? Das Judenvolk
    in Aegypten war sicherlich nicht ohne irgend
    eine Form von Religion, und wenn
    Moses der ihm eine neue gegeben ein
    Aegypter war, so ist die Vermutung nicht
    abweisen, dass diese andere, neue Re=
    ligion die aegyptische war.

        Dieser Möglichkeit steht etwas im Wege: die
    Tatsache des schärfsten Gegensatzes zwischen
    der auf Moses zurückgeführten jüdischen
    Religion und der aegyptischen. Die erstere
    ein grossartig starrer Monotheismus;
    es giebt nur einen Gott und zwar, er
    ist allmächtig, einzig, unnahbar, man
    verträgt seinen Anblick nicht, darf
    sich kein Bild von ihm machen, nicht
    einmal seinen Namen aussprechen.
    In der aegyptischen Religion eine kaum
    übersehbare Schar von Gottheiten ver=
    schiedener Würdigkeit und Herkunft
    einige Personifikationen von grossen
    Naturmächten wie Himmel und Erde,
    Sonne und Mond, auch einmal sogar
    eine Abstraktion wie die Maat
    (Wahrheit, Gerechtigkeit) oder eine
    Fratze wie der zwerghafte Bes, die meisten
    aber Lokalgötter aus der Zeit da das Land in
    zahlreiche Gaue zerfallen war, thierge=
    staltig, als hätten sie die Entwicklung
    aus den alten Totemthieren noch
    nicht überwunden, unscharf von ein=
    ander unterschieden, kaum dass ein=
    zelnen besondere Funktionen zuge=
    wiesen sind. Die Hymnen zu Ehren
    dieser Götter sagen ungefähr von
    jedem das Nämliche aus, identificieren
    sie mit einander ohne Bedenken in
    einer Weise die uns hoffnungslos
    verwirren würde. Götternamen
    werden mit einander kombiniert so
    dass der eine fast zum Beiwort des
    anderen herabsinkt; so heisst in der
    Blüthezeit des „Neuen Reiches“ der
    Hauptgott der Stadt Theben Amon-Ra,

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    in welchen Zusammensetzungen der erste Teil
    den widderköpfigen Stadtgott bedeutet
    während Ra der Name des sperberköpfi=
    gen Sonnengottes von On ist. Magische
    und Zeremonienhandlungen, Zaubersprüche
    und Amulete beherrschten den Dienst
    dieser Götter wie das tägliche Leben
    des Aegypters.

        Manche dieser Verschiedenheiten mögen
    sich leicht aus dem prinzipiellen Gegen=
    satz eines strengen Monotheismus mit
    einem uneingeschränkten Polytheismus
    ableiten. Andere sind offenbar Folgen
    des Unterschieds im geistigen Niveau,
    da die eine Religion primitiven Phasen
    sehr nahe steht, die andere sich zu den
    Höhen sublimer Abstraktion aufge=
    schwungen hat. Auf diese beiden Mo=
    mente mag es zurückgehen, wenn
    man gelegentlich den Eindruck empfängt
    der Gegensatz zwischen der mosaischen
    und der aegyptischen Religion sei
    ein gewollter und absichtlich ver=
    schärfter, z.B. wenn die eine jede
    Art von Magie und Zauberwesen
    aufs Strengste verdammt, die doch in
    der anderen aufs Üppigste wuchern.
    Oder wenn der unersättlichen Lust der
    Aegypter ihre Götter in Thon, Stein
    und Erz zu verkörpern, der heute
    unsere Museen soviel verdanken,
    das rauhe Verbot entgegengesetzt
    wird, irgend ein lebendes oder ge=
    dachtes Wesen in einem Bildnis dar=
    zustellen. Aber es giebt noch einen
    anderen Gegensatz zwischen beiden
    Religionen durch den die von uns
    versuchten Erklärungen nicht getroffen
    werden. Kein anderes Volk des Altertums hat
    soviel gethan, um den Tod zu ver=
    leugnen, hat so peinlich vorgesorgt
    eine Existenz im Jenseits zu
    ermöglichen und dem Entsprechend
    war der Totengott Osiris, der
    Beherrscher dieser anderen Welt,
    der populärste und unbestrittenste
    aller ägyptischen Götter. Die altjüdische Re=
    ligion hingegen hat auf die Un=
    sterblichkeit voll verzichtet,

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    der Möglichkeit einer Fortsetzung der Existenz
    nach dem Tode wird nirgends und
    niemals Erwähnung gethan. Und dies ist
    umso merkwürdiger als ja spätere Er=
    fahrungen gezeigt haben, dass der Glaube
    an ein jenseitiges Dasein mit einer
    monotheistischen Religion sehr gut ver=
    einbart werden kann.

        Wir hatten gehofft, die Annahme Moses sei
    ein Aegypter gewesen, werde sich nach
    verschiedenen Richtungen als fruchtbar
    und aufklärend erweisen. Aber unsere
    erste Folgerung aus dieser Annahme die
    neue Religion die er den Juden gegeben
    sei seine eigene, die aegyptische gewesen,
    ist an der Einsicht in die Verschieden=
    heit, ja Gegensätzlichkeit der beiden
    Religionen gescheitert.

    II.

        Eine merkwürdige Tatsache der aegypti=
    schen Religionsgeschichte die erst spät er=
    kannt und gewürdigt worden ist, eröff=
    net uns doch eine Aussicht. Es bleibt
    möglich, dass die Religion die Moses
    seinem Judenvolk gab, doch seine eigene
    war, eine aegyptische Religion, wenn
    auch nicht die aegyptische.

        In der glorreichen 18ten Dynastie unter
    der Aegypten zuerst ein Weltreich
    wurde, kam um das Jahr 1375 v. Chr. ein
    junger Pharao auf den Thron, der zuerst
    Amenhotep (IV) hiess, wie sein Vater,
    später aber seinen Namen änderte,
    und nicht blos seinen Namen. Dieser
    König unternahm es seinen Aegyptern
    eine neue Religion aufzudrängen
    die ihren jahrtausende alten Traditi=
    onen und all ihren vertrauten
    Lebensgewohnheiten zuwiderlief. Es war
    ein strenger Monotheismus, der erste
    Versuch dieser Art in der Weltgeschichte
    soweit unsere Kenntnis reicht, und
    mit dem Glauben an einen einzigen
    Gott wurde wie unvermeidlich die
    religiöse Intoleranz geboren die dem
    Altertum vorher – und noch lange
    nachher – fremd geblieben. Aber die
    Regierung Amenhoteps dauerte nur
    17 Jahre; sehr bald nach seinem 1358

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    erfolgten Tode war die neue Religion
    hinweggefegt, das Andenken des ketzerischen
    Königs geächtet. Aus dem Trümmerfeld
    der neuen Residenz, die er erbaut und
    seinem Gott geweiht hatte, und aus den
    Inschriften in den zu ihr gehörigen Fels=
    gräbern rührt das Wenige her was wir
    über ihn wissen. Alles was wir über
    diese merkwürdige, ja einzigartige
    Persönlichkeit erfahren können x)
    ist des höchsten Interesses würdig.

        Alles Neue muss seine Vorbereit=
    ungen und Vorbedingungen in
    Früherem haben. Die Ursprünge des
    aegyptischen Monotheismus lassen sich mit
    einiger Sicherheit ein Stück weit zurück=
    verfolgen. x) In der Priesterschule des Sonnen=
    tempels zu On (Heliopolis) waren seit
    längerer Zeit Tendenzen thätig, um die
    Vorstellung eines universellen Gottes
    zu entwickeln und die ethische Seite
    seines Wesens zu betonen. Maat,
    die Göttin der Wahrheit, Ordnung,
    Gerechtigkeit war eine Tochter des
    Sonnengottes Re. Schon unter Amen=
    hotep III, dem Vater und Vorgänger des
    Reformators, nahm die Verehrung des Sonnen=
    gottes einen neuen Aufschwung, wahrscheinlich
    in Gegnerschaft zum übermächtig ge=
    wordenen Amon von Theben. Ein ur=
    alter Name des Sonnengottes Aton
    oder Atum wurde neu hervorgeholt
    und in dieser Atonreligion fand
    der junge König eine Bewegung vor,
    die er nicht erst zu erwecken brauchte
    der er sich anschliessen konnte.
    Die politischen Verhältnisse Aegyp=
    tens hatten um diese Zeit begonnen
    die aegyptische Religion nachhaltig zu
    beeinflussen. Durch die Waffenthaten

    x) "The first individual in human history"
    nennt ihn Breasted.

    x) das Nachfolgende hauptsächlich nach den Dar=
    stellungen von J. Breasted in seiner History of
    Egypt 1906, The Dawn of
    Conscience 1934 und den entsprechenden Ab=
    schnitten in "The Cambridge Ancient History
    Vol. II."

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    des grossen Eroberers Thotmes III war Ae=
    gypten eine Weltmacht geworden, im
    Süden war Nubien, im Norden Pal=
    ästina, Syrien und ein Stück von Meso=
    potamien zum Reich hinzugekommen.
    Dieser Imperialismus spiegelte sich nun
    in der Religion als Universalismus
    und Monotheismus. Da die Fürsorge
    des Pharao jetzt ausser
    Aegypten auch Nubien und Syrien
    umfasste, musste auch die Gottheit ihre
    nationale Beschränkung aufgeben,
    und wie der Pharao der einzige und
    unumschränkte Herrscher der dem Ae=
    gypter bekannten Welt war, so musste
    wohl auch die neue Gottheit die der Aegypter
    werden. Zudem war es natürlich, dass
    mit der Erweiterung der Reichsgrenzen
    Aegypten für ausländische Einflüsse zugäng=
    licher wurde, manche der königlichen Frauen
    waren asiatische Prinzessinnen und mög=
    licherweise waren selbst direkte Anregungen
    zum Monotheismus aus Syrien
    eingedrungen.
    Amenhotep hat seinen Anschluss an den
    Sonnenkult von On niemals verleugnet.
    In den zwei Hymnen an den Aton, die
    uns durch die Inschriften in den Fels=
    gräbern erhalten geblieben sind und
    wahrscheinlich von ihm selbst gedichtet
    wurden, preist er die Sonne als Schöpfer
    und Erhalter alles Lebenden in und
    ausserhalb Aegyptens mit einer Inbrunst,
    wie sie erst viele Jahrhunderte später
    in den Psalmen zu Ehren des jüdischen
    Gottes Jahve wiederkehrt. Er begnügte sich
    aber nicht mit dieser erstaunlichen
    Vorwegnahme der wissenschaftlichen
    Erkenntnis von der Wirkung der
    Sonnenstrahlung. Es ist kein Zweifel, dass er
    einen Schritt weiter gieng, dass er
    die Sonne nicht als materielles Objekt
    verehrte, sondern als Symbol eines göttlichen
    Wesens, dessen Energie sich in ihren Strahlen
    kund gab. x)

    x) Vielleicht selbst Amenhoteps geliebte Gemahlin
    Nofertete.

    x) Breasted, History of Egypt, p 360: "But however evident

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    the Heliopolitan origin of the new state religion
    might be, it was not merely sun-worship; the
    word Aton was employed in the place of the
    old word for "god" (nuter) and the god
    is clearly distinguished from the material
    sun" – "It is evident that what the King was
    deifying, was the force by which the Sun
    made itself felt on earth" (Dawn of Con=
    science, p 279) – ähnlich das Urteil über
    eine Formel zu Ehren des Gottes bei
    A. Erman (Die aegyptische Religion 1905): "es
    sind . . Worte, die möglichst abstrakt aus=
    drücken sollen, dass man nicht das Gestirn
    selbst verehrt, sondern das Wesen, das
    sich in ihm offenbart."

        Wir werden dem König aber nicht
    gerecht, wenn wir ihn nur als den Anhänger
    und Förderer einer schon vor ihm be=
    stehenden Atonreligion betrachten. Seine
    Thätigkeit war weit eingreifender. Er
    brachte etwas Neues hinzu, wodurch die
    Lehre vom universellen Gott erst zum
    Monotheismus wurde, das Moment der
    Ausschliesslichkeit. In einer seiner Hymnen
    wird es direkt ausgesagt: "Oh Du einziger
    Gott, neben dem kein Anderer ist." x) Und wir wollen nicht vergessen, dass
    für die Würdigung der neuen Lehre
    die Kenntnis ihres positiven Inhalts allein
    nicht genügt; beinahe ebenso wichtig ist ihre
    negative Seite, die Kenntnis dessen, was
    sie verwirft. Es wäre auch irrtümlich an=
    zunehmen, dass die neue Religion mit
    einem Schlage fertig und voll gerüstet ins
    Leben gerufen wurde wie Athene
    aus dem Haupt des Zeus. Vielmehr spricht
    alles dafür, dass sie während der Regier=
    ung Amenhotep's allmälich erstarkte zu
    immer grösserer Klarheit, Konsequenz,
    Schroffheit und Unduldsamkeit. Wahr=
    scheinlich vollzog sich diese Entwicklung
    unter dem Einfluss der heftigen
    Gegnerschaft, die sich unter den Priestern
    des Amon gegen die Reform des
    Königs erhob. Im 6ten Jahre seiner
    der Regierung Amenhotep's war die

    x) l.c. History of Egypt, p 374.

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    Verfeindung soweit gediehen, dass der König
    seinen Namen änderte, von dem der nun
    verpönte Gottesname Amon ein Teil war.
    Er nannte sich anstatt Amenhotep jetzt Ikh=
    nation x). Aber nicht nur aus seinem
    Namen tilgte er den des verhassten Gottes
    aus, sondern auch aus allen Inschriften
    und selbst dort, wo er sich im Namen seines
    Vaters Amenhotep III fand. Bald nach der
    Namensänderung verliess Ikhnaton das
    von Amon beherrschte Theben und erbaute
    sich stromabwärts eine neue Residenz,
    die er Akhetaton (Horizont des Aton) nannte. x)
    Ihre Trümmerstätte heisst heute Tell-el-Amarna.
    Die Verfolgung des Königs traf Amon am
    härtesten, aber nicht ihn allein. Überall
    im Reiche wurden die Tempel geschlossen,
    der Gottesdienst untersagt, die Tempelgüter
    beschlagnahmt. Ja der Eifer des Königs
    gieng so weit, dass er die alten Denk=
    mäler untersuchen liess, um das Wort
    „Gott“ in ihnen auszumerzen, wenn
    es in der Mehrzahl gebraucht war. x)
    Es ist nicht zu verwundern, dass diese Mass=
    nahmen Ikhnatons eine Stimmung fanati=
    scher Rachsucht bei der unterdrückten Prie=
    sterschaft und beim unbefriedig
    ten Volk hervorriefen, die sich nach
    des Königs Tode frei bethätigen konnte.
    Die Atonreligion war nicht populär
    geworden, war wahrscheinlich auf einen
    kleinen Kreis um seine Person be=
    schränkt geblieben. Der Ausgang Ikh=
    naton's bleibt für uns in Dunkel
    gehüllt. Wir hören von einigen kurz=
    lebigen schattenhaften Nachfolgern
    aus seiner Familie. Schon sein
    Schwiegersohn Tutankhaton wurde

    x) Ich folge bei diesem Namen der englischen
    Schreibart (sonst Akhenaton). Der
    neue Name des Königs be=
    deutet ungefähr dasselbe wie sein früherer:
    Der Gott ist zufrieden. Vgl. unser Gotthold,
    Gottfried.

    x) Dort wurde 1887 die für die Geschichts=
    kenntnis so wichtige Korrespondenz der
    aegyptischen Könige mit den Freunden
    und Vasallen in Asien gefunden.

    x) l.c. History of Egypt, p 363.

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    genötigt nach Theben zurückzukehren und
    in seinem Namen den Gott Aton durch Amon zu ersetzen.
    Dann folgte eine Zeit der Anarchie bis
    es dem Feldherrn Haremhab (1350) gelang
    die Ordnung wieder herzustellen. Die
    glorreiche 18te Dynastie war erloschen,
    gleichzeitig deren Eroberungen in
    Nubien und Asien verloren gegangen.
    In dieser trüben Zwischenzeit waren die
    alten Religionen Aegyptens wieder
    eingesetzt worden. Die Atonreligion
    war abgethan, die Residenz Ikhnaton's
    zerstört und geplündert, sein Andenken
    als das eines Verbrechers geächtet.

        Es dient einer bestimmten Absicht,
    wenn wir nun einige Punkte aus
    der negativen Charakteristik der
    Atonreligion herausheben. Zunächst
    dass alles Mythische, Magische und Zauberi=
    sche von ihr ausgeschlossen ist. x)
    Sodann die Art der Darstellung des Sonnengottes, nicht
    mehr wie in früherer Zeit durch eine
    kleine Pyramide und einen Falken
    sondern, was beinahe nüchtern zu nennen
    ist, durch eine runde Scheibe von der
    Strahlen ausgehen, die in menschlichen
    Händen endigen. +) Endlich das völlige
    Schweigen über den Totengott Osiris
    und das Totenreich. Weder die Hymnen
    noch die Grabinschriften wissen etwas
    von dem, was dem Herzen des Aegypters vielleicht
    am nächsten lag. Der Gegen=
    satz zur Volksreligion kann nicht
    deutlicher veranschaulicht werden. x)

    +) Trotz aller Kunstfreudigkeit der Amarna=
    periode ist eine andere Darstellung
    des Sonnengottes ein persönliches Bild des
    Aton nicht gefunden worden und
    man darf es zuversichtlich sagen es
    wird nicht gefunden werden.

    x) Erman l.c. p 70: „vom Osiris und seinem Reich
    sollte man nichts mehr hören.“ – Breasted
    D. of C. p 291: „Osiris is completely ignored. He
    is never mentioned in any record of Ikh=
    naton or in any of the tombs at Amarna.“

  • S.

    11

    III.

        Wir möchten jetzt den Schluss wagen: wenn
    Moses ein Aegypter war und wenn er
    den Juden seine eigene Religion übermittelte
    so war es die des Ikhnaton, die Atonreligion.

        Wir haben vorhin die jüdische Religion
    mit der aegyptischen Volksreligion ver=
    glichen und die Gegensätzlichkeit
    zwischen beiden festgestellt. Nun sollen
    wir einen Vergleich der jüdischen mit
    der Atonreligion anstellen in der Er=
    wartung die ursprüngliche Identität der
    beiden zu erweisen. Wir wissen, dass
    uns keine leichte Aufgabe gestellt ist. Von
    der Atonreligion wissen wir dank der
    Rachsucht der Amonpriester vielleicht zu
    wenig. Die mosaische Religion kennen
    wir nur in einer Endgestaltung wie
    sie etwa 800 Jahre später in nachexil=
    ischer Zeit von der jüdischen Priester=
    schaft fixiert wurde. Sollten wir
    trotz dieser Ungunst des Materials
    einzelne Anzeichen finden, die
    unserer Annahme günstig sind, so werden
    wir sie hoch einschätzen dürfen.

        Es gäbe einen kurzen Weg zum
    Erweis unserer These, dass die mosaische
    Religion nichts anderes ist als die des
    Aton, nämlich über ein Geständnis, eine
    Proklamation. Aber ich fürchte, man
    wird uns sagen, dass dieser Weg nicht gangbar ist.
    Das jüdische Glaubensbekenntnis lautet
    bekanntlich: Schema Jisroel Adonai
    Elohenu Adonai Echod. Wenn der
    Name des aegyptischen Aton (oder Atum)
    nicht nur zufällig an das hebräische
    Wort Adonai und den syrischen Gottesnamen
    Adonis anklingt, sondern in Folge
    urzeitlicher Sprach- und Sinngemein=
    schaft, so könnte man jene jüdische
    Formel übersetzen: Höre Israel
    unser Gott Aton (Adonai) ist ein
    einziger Gott. Ich bin leider völlig
    inkompetent um diese Frage zu
    beantworten, konnte auch
    wenig darüber in der
    Literatur finden, x) aber wahrscheinlich
    darf man es sich nicht so leicht machen.

  • S.

    12

    Übrigens werden wir auf die Probleme
    des Gottesnamens noch einmal zurückkommen
    müssen.

        Die Ähnlichkeiten wie die Verschiedenheiten
    der beiden Religionen sind leicht ersichtlich
    ohne uns viel Aufklärung zu bringen.
    Beide sind Formen eines strengen Mono=
    theismus, und man wird von vornherein
    geneigt sein, was an ihnen Überein=
    stimmung ist, auf diesen Grundcharakter
    zurückzuführen. Der jüdische Monotheismus
    benimmt sich in manchen Punkten noch
    schroffer als der aegyptische, z.B. wenn
    er bildliche Darstellungen überhaupt
    verbietet. Der wesentlichste
    Unterschied zeigt sich – vom Gottesnamen
    abgesehen – darin, dass die jüdische Religion
    völlig von der Sonnenverehrung abgeht,
    an die sich die aegyptische noch angelehnt
    hatte. Beim Vergleich mit der aegyptischen
    Volksreligion hatten wir den Eindruck
    empfangen, dass ausser dem prinzipiellen
    Gegensatz ein Moment von absichtlichem
    Widerspruch an der Verschiedenheit
    der beiden Religionen beteiligt wäre.
    Dieser Eindruck erscheint nun als berechtigt
    wenn wir im Vergleich die jüdische
    durch die Atonreligion ersetzen,
    die Ikhnaton, wie wir wissen, in absicht=
    licher Feindseligkeit gegen die Volks=
    religion entwickelt hat. Wir hatten uns
    mit Recht darüber verwundert, dass
    die jüdische Religion vom Jenseits und
    vom Leben nach dem Tode nichts wissen
    will, denn eine solche Lehre wäre mit
    dem strengsten Monotheismus verein=
    bar. Diese Verwunderung schwindet
    wenn wir von der jüdischen auf die
    Atonreligion zurückgehen und annehmen
    dass diese Ablehnung von dorther über=
    nommen worden ist, denn für Ikh=
    naton war sie eine Notwendigkeit
    bei der Bekämpfung der Volksreligion
    in der der Totengott Osiris eine
    vielleicht größere Rolle spielte als
    irgend ein Gott der Oberwelt. Die
    Übereinstimmung der jüdischen mit der
    Atonreligion in diesem wichtigen
    Punkte ist das erste starke Argument
    zu Gunsten unserer These. Wir
    werden hören, dass es nicht das
    einzige ist.

  • S.

    13

        Moses hat den Juden nicht nur eine
    neue Religion gegeben; man kann
    auch mit gleicher Bestimmtheit behaupten
    dass er die Sitte der Beschneidung bei
    ihnen eingeführt hat. Diese Tatsache hat eine
    entscheidende Bedeutung für unser Problem
    und ist kaum je gewürdigt worden. Der
    biblische Bericht widerspricht ihr zwar
    mehrfach, er führt einerseits die Beschneidung in
    die Urväterzeit zurück als Zeichen des
    Bundes zwischen Gott und Abraham, an=
    derseits erzählt er an einer ganz besonders
    dunkeln Stelle dass Gott Moses zürnte
    weil er den geheiligten Gebrauch ver=
    nachlässigt hatte, dass er ihn darum töten
    wollte und dass Moses’ Ehefrau, eine Midian=
    iterin, den bedrohten Mann durch rasche
    Ausführung der Operation vor Gottes
    Zorn rettete. Aber dies sind Entstellungen
    die uns nicht irre machen dürfen; wir
    werden später Einsicht in ihre Motive
    gewinnen. Es bleibt bestehen, dass es auf
    die Frage woher kam die Sitte der Be=
    schneidung zu den Juden nur eine
    Antwort giebt: aus Aegypten. Herodot
    der „Vater der Geschichte“ teilt uns mit,
    dass die Sitte der Beschneidung in Aegyp=
    ten seit Jahrtausenden heimisch war,
    und seine Angaben sind durch die Befunde
    an Mumien ja durch Darstellungen an
    den Wänden von Gräbern bestätigt worden.
    Kein anderes Volk des östlichen Mittelmeeres hat soviel
    wir wissen diese Sitte geübt, von den
    Semiten, Babyloniern Sumerern ist
    es sicher anzunehmen dass sie unbe=
    schnitten waren. Von den Einwohnern
    Kanaans sagt es die biblische Geschichte
    selbst, es ist die Voraussetzung für
    den Ausgang des Abenteuers der Tochter
    Jakobs mit dem Prinzen von Sichem. x)

    x) Wenn wir mit der biblischen Tradition so
    selbstherrlich und willkürlich verfahren,
    sie zur Bestätigung heranziehen wo sie
    uns taugt, und sie unbedenklich verwer=
    fen wo sie uns widerspricht, so wissen
    wir sehr wol, dass wir uns dadurch
    ernster methodischer Kritik aussetzen
    und die Beweiskraft unserer Aus=
    führungen abschwächen. Aber es ist die
    einzige Art wie man ein Material

  • S.

    14

    behandeln kann von dem man mit Bestimmt=
    heit weiss dass seine Zuverlässigkeit durch
    den Einfluss entstellender Tendenzen
    schwer geschädigt worden ist. Eine gewisse
    Rechtfertigung hofft man später zu
    erwerben wenn man jenen geheimen
    Motiven auf die Spur kommt. Sicherheit
    ist ja überhaupt nicht zu erreichen
    und übrigens dürfen wir sagen, dass alle
    anderen Autoren ebenso vorgegangen sind.

        Die Möglichkeit dass die in Aegypten wei=
    lenden Juden die Sitte der Beschneidung
    auf anderem Wege angenommen als
    im Zusammenhang mit der Religions=
    stiftung Moses’ dürfen wir als völlig
    haltlos abweisen. Nun halten wir fest
    dass die Beschneidung als allgemeine
    Volkssitte in Aegypten geübt wurde
    und nehmen für einen Augenblick
    die gebräuchliche Annahme hinzu, dass
    Moses ein Jude war der seine Volks=
    genossen von aegyptischem Frondienst
    befreien sie zur Entwicklung einer
    selbständigen und selbstbewussten
    nationalen Existenz ausser Landes
    führen wollte, wie es ja wirklich
    geschah – welchen Sinn konnte es haben
    dass er ihnen zur gleichen Zeit eine
    beschwerliche Sitte aufdrängte, die sie
    gewissermassen selbst zu Aegyptern
    machte die ihre Erinnerung an Aegypten
    immer wach halten musste, während
    sein Streben doch nur aufs Gegenteil
    gerichtet sein konnte, dass sein Volk
    sich dem Lande der Knechtschaft ent=
    fremden und die Sehnsucht nach den
    „Fleischtöpfen Aegyptens“ überwinden
    sollte? Nein die Thatsache, von der wir
    ausgegangen und die Annahme die wir
    an sie anfügten sind so unvereinbar
    mit einander, dass man den Mut
    zu einer Schlussfolge findet. Wenn
    Moses den Juden nicht nur eine
    neue Religion, sondern auch das Gebot
    der Beschneidung gab, so war er
    kein Jude, sondern ein Aegypter,
    und dann war die mosaische Religion
    wahrscheinlich eine aegyptische und zwar
    wegen des Gegensatzes zur Volksreligion
    die Religion des Aton, mit der die
    spätere jüdische Religion auch in einigen
    bemerkenswerten Punkten überein=
    stimmt.

  • S.

    15

        Wir haben bemerkt, dass unsere An=
    nahme, Moses sei kein Jude sondern
    ein Aegypter ein neues Rätsel schafft.
    Die Handlungsweise die beim Juden leicht
    verständlich schien, wird beim Aegypter
    unbegreiflich. Wenn wir aber Moses in
    die Zeit des Ikhnaton versetzen und in
    Beziehung zu diesem Pharao bringen
    dann schwindet dieses Rätsel und es
    enthüllt sich die Möglichkeit einer
    Motivierung die alle unsere Fragen
    beantwortet. Gehen wir von der Voraus=
    setzung aus, dass Moses ein vornehmer
    und hochstehender Mann war, vielleicht
    wirklich ein Mitglied des königlichen
    Hauses wie die Sage von ihm behauptet.
    Er war gewiss seiner großen Fähigkeiten
    bewusst ehrgeizig und thatkräftig, viel=
    leicht schwebte ihm selbst das Ziel vor
    eines Tages das Volk zu leiten, das Reich
    zu beherrschen. Dem Pharao nahe, war
    er ein überzeugter Anhänger der neuen
    Religion, deren Grundgedanken er sich
    zu eigen gemacht hatte. Mit dem Tod des
    Königs und dem Einsetzen der Reaktion
    sah er all seine Hoffnungen und Aussichten
    zerstört; wenn er seine ihm theuren
    Überzeugungen nicht abschwören wollte
    hatte ihm Aegypten nichts mehr zu bieten,
    er hatte sein Vaterland verloren. In
    dieser Nothlage fand er einen ungewöhn=
    lichen Ausweg. Der Träumer Ikhnaton
    hatte sich seinem Volk entfremdet und
    hatte sein Weltreich zerbröckeln lassen.
    Moses’ energischer Natur entsprach der Plan
    ein neues Reich zu gründen, ein neues
    Volk zu finden, dem er die von
    Aegypten verschmähte Religion zur
    Verehrung schenken wollte. Es war wie
    man erkennt ein heldenhafter Versuch
    das Schicksal zu bestreiten sich nach zwei
    Richtungen zu entschädigen für die
    Verluste die ihm die Katastrophe
    Ikhnaton’s gebracht hatte. Vielleicht war
    er zur Zeit Statthalter jener Grenz=
    provinz (Gosen), in der sich (noch zur Zeit
    der Hyksos?) gewisse semitische Stämme
    niedergelassen hatten. Diese wählte er
    aus, dass sie sein neues Volk sein
    sollten. Eine weltgeschichtliche Ent=
    scheidung! x)

  • S.

    16

    Er setzte sich mit ihnen in's Einvernehmen,
    stellte sich an ihre Spitze, besorgte ihre Ab=
    wanderung "mit starker Hand". In vollem
    Gegensatz zur biblischen Tradition sollte
    man annehmen, dass sich dieser Auszug fried=
    lich und ohne Verfolgung vollzog. Die Autori=
    tät Moses' ermöglichte ihn und eine Central=
    gewalt, die ihn hätte verhindern wollen,
    war damals nicht vorhanden.
        Zufolge dieser unserer Konstruktion
    würde der Auszug aus Aegypten in
    die Zeit zwischen 1358 und 1350 fallen,
    d.h. nach dem Tode Ikhnaton's und vor
    der Herstellung der staatlichen Autorität
    durch Haremhab. x) Das Ziel der Wanderung
    konnte nur das Land Kanaan sein. Dort waren
    nach dem Zusammenbruch der aegyptischen
    Herrschaft Schaaren von kriegerischen
    Aramäern eingebrochen erobernd und
    plündernd und hatten so gezeigt, wo ein
    tüchtiges Volk sich neuen Landbesitz
    holen konnte. Wir kennen diese Krieger
    aus den Briefen die 1887 im Archiv der
    Ruinenstadt Amarna gefunden wurden.
    Sie werden dort Habiru genannt und
    der Name ist man weiss nicht wie, auf
    die später kommenden jüdischen Eindring=
    linge – Hebräer – übergegangen, die
    in den Amarnabriefen nicht gemeint
    sein können. Südlich von Palaestina
    – in Kanaan – wohnten auch jene Stämme
    die die nächsten Verwandten der
    jetzt aus Aegypten ausziehenden Juden
    waren.
        Die Motivierung die wir für das Ganze des
    Auszugs erraten haben, deckt auch die
    Einsetzung der Beschneidung. Man weiss
    in welcher Weise sich die Menschen,
    Völker wie Einzelne, zu diesem
    uralten kaum mehr verstandenen
    Gebrauch verhalten. Denjenigen, die ihn
    nicht üben erscheint er sehr befremd=
    lich und sie grausen sich ein wenig
    davor – die anderen aber die die Beschneid=
    ung angenommen haben, sind stolz darauf.

    Note x) Das wäre etwa ein Jahrhundert früher als
    die meisten Historiker annehmen die ihn
    in die 19te Dynastie unter Merneptah ver=
    legen.

  • S.

    17

    Sie fühlen sich durch sie erhöht wie ge=
    adelt und schauen verächtlich auf die anderen
    herab die ihnen als unrein gelten. Noch
    heute beschimpft der Türke den Christen
    als "unbeschnittenen Hund". Es ist glaublich
    dass Moses der als Aegypter selbst beschnitten
    war diese Einstellung theilte. Die Juden
    mit denen er das Vaterland verliess
    sollten ihm ein besserer Ersatz sein für die
    Aegypter sein die er im Lande zurück=
    liess. Auf keinen Fall durften sie
    hinter diesen zurück stehen. "Ein geheiligtes
    Volk" wollte er aus ihnen machen wie
    noch ausdrücklich im biblischen Text gesagt
    wird und als Zeichen solcher Weihe führte
    er auch bei ihnen die Sitte ein die sie
    den Aegyptern mindestens gleichstellte.
    Auch konnte es ihm nur willkommen sein
    wenn sie durch ein solches Zeichen isoliert
    und von der Vermischung mit den
    Fremdvölkern abgehalten wurden zu
    denen ihre Wanderung sie führen sollte,
    ähnlich wie die Aegypter selbst sich von
    allen Fremden abgesondert hatten. x)
        Aber die jüdische Tradition benahm sich später
    als wäre sie durch die Schlussfolge bedrückt,
    die wir vorhin entwickelt haben. Wenn
    man zugestand, dass die Beschneidung eine
    aegyptische Sitte war die Moses eingeführt
    hatte, so war das beinahe so viel wie eine
    Anerkennung, dass die Religion die Moses
    ihnen überliefert, auch eine aegyptische gewesen
    war. Aber man hatte gute Gründe diese
    Thatsache zu verleugnen; folglich musste
    man auch dem Sachverhalt in Betreff der
    Beschneidung widersprechen.

    Note x) Herodot, der Aegypten um 450 v. Chr. besuchte,
    giebt in seinem Reisebericht eine Char=
    akteristik des aegyptischen Volkes die eine
    erstaunliche Ähnlichkeit mit bekannten
    Zügen des späteren Judentums aufzeigt:
    "Sie sind überhaupt in allen Punkten
    frömmer als die übrigen Menschen, von
    denen sie sich auch schon durch manche
    ihrer Sitten trennen. So durch die Beschneid=
    ung, die sie zuerst und zwar aus Reinlichkeits=
    gründen eingeführt haben; des weiteren
    durch ihren Abscheu vor den Schweinen,
    der gewiss damit zusammenhängt, dass Set
    als ein schwarzes Schwein den Horus
    verwundet hatte, und endlich und am meisten
    durch ihre Ehrfurcht vor den Kühen,

  • S.

    18

    die sie nie opfern oder essen würden weil
    sie damit die kuhhörnige Isis beleidigen
    würden. Deshalb würde kein Aegypter und
    keine Aegypterin je einen Griechen
    küssen oder sein Messer, seinen Brat=
    spiess oder seinen Kessel gebrauchen
    oder von dem Fleisch eines (sonst) reinen
    Ochsen essen, das mit einem griechischen
    Messer geschnitten wäre . . . in hochmütiger Beschränktheit sahen
    sie auf die anderen Völker herab die
    unrein waren und den Göttern nicht
    so nahe standen wie sie." (Nach Erman,
    die aegyptische Religion p 181 u ff).
    Wir wollen natürlich Parallelen hierzu
    aus dem Leben des indischen Volkes
    nicht vergessen. Wer hat es übrigens
    dem jüdischen Dichter H. Heine im 19 Jahrhundert
    n. Chr. eingegeben seine Religion zu be=
    klagen als "die aus dem Niltal mitgeschleppte
    Plage, den altägyptisch ungesunden Glauben"?

    IV.

        An dieser Stelle erwarte ich den Vorwurf,
    dass ich meine Konstruktion, die Moses
    den Aegypter in die Zeit von Ikhnaton
    versetzt seinen Entschluss sich des Juden=
    volkes anzunehmen aus den derzeitigen
    politischen Zuständen im Lande ableitet die
    Religion die er seinen Schützlingen
    schenkt oder auferlegt als die des Aton
    erkennt die eben in Aegypten selbst
    zusammengebrochen war, dass ich diesen
    Aufbau von Mutmassungen also mit
    allzugrosser, im Material nicht begrün=
    deter Bestimmtheit vorgetragen habe.
    Ich meine, der Vorwurf ist unberechtigt.
    Ich habe das Moment des Zweifels bereits
    in der Einleitung betont, es gleichsam
    vor die Klammer gesetzt, und durfte es
    mir dann ersparen, es bei jedem
    Posten innerhalb der Klammer zu wieder=
    holen.
        Einige meiner eigenen kritischen Bemerk=
    ungen dürfen die Erörterung fortsetzen.
    Das Kernstück unserer Aufstellung, die Ab=
    hängigkeit des jüdischen Monotheismus
    von der monotheistischen Episode in der
    Geschichte Aegyptens ist von verschiedenen
    Autoren geahnt und angedeutet
    worden. Ich erspare mir, diese Stimmen
    hier wiederzugeben, da keine von

  • S.

    19

    ihnen anzugeben weiss, auf welchem Weg sich
    diese Beeinflussung vollzogen haben kann.
    Bleibt sie für uns an die Person des Moses
    geknüpft, so sind auch dann andere Mög=
    lichkeiten als die von uns bevorzugte
    zu erwägen. Es ist nicht anzunehmen, dass
    der Sturz der offiziellen Atonreligion die
    monotheistische Strömung in Aegypten völlig zu
    Ende gebracht hat. Die Priesterschule in On,
    von der sie ausgegangen war, überstand
    die Katastrophe und mochte noch Generationen
    nach Ikhnaton in den Bann ihrer Gedanken=
    gänge ziehen. Somit ist die That des Moses
    denkbar auch wenn er nicht zur Zeit Ikhnatons
    lebte und nicht dessen persönlichen Ein=
    fluss erfahren hatte, wenn er nur Anhänger
    oder gar "Mitglied" der Schule von On war.
    Diese Annahme würde den Zeitpunkt des
    Auszugs verschieben und näher an das gewöhn=
    lich angenommene Datum (im 13ten Jahrhundert)
    heranrücken. Sie hat aber sonst nichts, was
    sie empfiehlt. Die Einsicht in die Motive
    Moses gienge verloren und die Erleichter=
    ung durch die (während des Auszugs) im Lande herr=
    schende Anarchie fiele weg. Die nächsten
    Könige der 19ten Dynastie haben ein starkes
    Regiment geführt. Alle für den Auszug
    günstigen Bedingungen treffen
    nur in der Zeit unmittelbar
    nach dem Tode des Ketzerkönigs zusammen.
        Die Juden besitzen eine reichhaltige
    ausserbiblische Literatur, in der man
    die Sagen und Mythen findet, die sich
    im Verlauf der Jahrhunderte um die
    grossartige Figur des ersten Führers
    und Religionsstifters gebildet, sie ver=
    klärt und verdunkelt haben. In diesem
    Material mögen Stücke guter Tradition
    versprengt sein, die in den fünf Büchern
    keinen Raum gefunden haben. Eine solche
    Sage schildert in ansprechender Weise, wie
    sich der Ehrgeiz des Mannes schon in
    seiner Kindheit geäussert. Als ihn der
    Pharao einmal in die Arme nahm und im
    Spiele hoch hob, riss ihm das dreijährige
    Knäblein die Krone vom Haupt und setzte
    sie auf sein eigenes auf. Der König
    erschrak über dies Vorzeichen und ver=
    säumte nicht seine Weisen darüber
    zu befragen. Ein andermal wird

  • S.

    20

    von siegreichen Kriegsthaten erzählt die er
    als aegyptischer Feldherr in Aethiopien
    vollführte und daran geknüpft, dass er aus Aegypten
    floh weil er den Neid einer Partei
    am Hofe oder des Pharao selbst zu fürchten
    hatte. Die biblische Darstellung selbst legt
    Moses einige Züge bei, denen man Glaub=
    würdigkeit zusprechen möchte. Sie beschreibt
    ihn als zornmütig, leicht aufbrausend, wie
    er in der Entrüstung den brutalen
    Aufseher erschlägt, der einen jüdischen Ar=
    beiter misshandelt wie er in der Erbitterung
    über den Abfall des Volkes die Gesetz-
    tafeln zerschmettert die er vom Berge
    Gottes geholt, ja Gott selbst straft ihn am
    Ende wegen einer That der Ungeduld;
    es wird nicht gesagt, was sie war. Da eine
    solche Eigenschaft nicht der Verherrlichung
    dient, könnte sie historischer Wahrheit
    entsprechen. Man kann auch die Möglich=
    keit nicht abweisen, dass manche Char=
    akterzüge, die die Juden in die frühe Vor=
    stellung ihres Gottes eintrugen, in=
    dem sie ihn eifervoll, streng und unerbitt=
    lich hiessen, im Grunde von der Er=
    innerung an Moses hergenommen waren,
    denn in Wirklichkeit hatte nicht ein
    unsichtbarer Gott hatte der Mann Moses
    sie aus Aegypten herausgeführt.
        Ein anderer ihm zugeschriebener Zug hat
    besonderen Anspruch auf unser Interesse.
    Moses soll "schwer von Sprache" gewesen sein,
    also eine Sprachhemmung oder einen
    Sprachfehler besessen haben, so dass er bei
    den angeblichen Unterhandlungen mit
    dem Pharao der Unterstützung des Aaron
    bedurfte, der sein Bruder genannt
    wird. Das mag wiederum historische Wahrheit
    sein und wäre ein erwünschter Beitrag
    zur Belebung der Physiognomie des grossen
    Mannes. Es kann aber auch eine andere und
    wichtigere Bedeutung haben. Der Bericht
    mag in leichter Entstellung der Tatsache
    gedenken, dass Moses ein Anderssprachiger
    war der mit seinen semitischen Neu-
    Aegyptern nicht ohne Dolmetsch verkehren
    konnte, wenigstens zu Anfang nicht ihrer
    Beziehungen. Also eine neue Be=
    stätigung der These: Moses war ein
    Aegypter.

  • S.

    21

    Nun aber, scheint es, ist unsere Arbeit
    zu einem vorläufigen Ende gekommen. Aus
    unserer Annahme, dass Moses ein Aegypter
    war, sei sie erwiesen oder nicht, können
    wir zunächst nichts weiter ableiten. Den
    biblischen Bericht über Moses und den
    Auszug kann kein Historiker für anderes
    halten als für fromme Dichtung, die eine
    entlegene Tradition im Dienste ihrer eigenen
    Tendenzen umgearbeitet hat. Wie die Tradition
    ursprünglich gelautet, ist uns unbekannt
    welches die entstellenden Tendenzen waren
    möchten wir gern erraten, werden aber durch
    die Unkenntnis der historischen Vorgänge
    im Dunkel erhalten. Dass unsere Rekon=
    struktion für so manche Prunkstücke der
    biblischen Erzählung wie die zehn Plagen
    den Durchzug durchs Schilfmeer, die
    feierliche Gesetzgebung am Berge Sinai
    keinen Raum hat, dieser unheilbare Gegen=
    satz kann uns nicht beirren. Aber es
    kann uns nicht gleichgiltig lassen, wenn
    wir finden, dass wir in Widerspruch
    mit den Ergebnissen der Geschichts=
    forschung unserer Tage geraten sind.

        Auch diese neueren Historiker, als
    deren Vertreter wir Ed. Meyer x) an=

    x) Ed. Meyer, Die Israeliten und ihre
    Nachbarstämme 1906

    erkennen mögen, schliessen sich dem
    biblischen Bericht in einem entscheiden=
    dem Punkte an. Auch sie meinen, dass
    die jüdischen Stämme, aus denen später
    das Volk Israel hervorging, zu einem
    gewissen Zeitpunkt eine neue Religion
    angenommen haben. Aber dies Ereignis
    vollzog sich nicht in Aegypten, auch nicht
    am Fusse eines Berges auf der Sinai=
    halbinsel, sondern in einer Örtlichkeit
    die Meribat-Qadeš genannt wird, einer
    durch ihren Reichtum an Quellen und
    Brunnen ausgezeichneten Oase in dem
    Landstrich südlich von Palaestina zwischen
    dem östlichen Ausgang der Sinaihalb=
    insel und dem Westrand von Arabien.
    Sie übernahmen dort die Verehrung
    eines Gottes Jahve, wahrscheinlich von
    dem arabischen Stamm der nahebei wohnen=
    den Midianiter. Vermutlich waren
    auch andere Nachbarstämme Anhänger
    dieses Gottes.

  • S.

    22

        Jahve war sicherlich ein Vulkangott.
    Nun ist Aegypten bekanntlich frei von
    Vulkanen und auch die Berge der Sinaihalbinsel sind nie vulkan=
    isch gewesen; dagegen finden sich
    Vulkane, die noch bis in späte Zeiten
    thätig gewesen sein mögen längs des
    Westrand Arabiens. Einer dieser Berge
    muss also der Sinai-Horeb gewesen sein,
    den man sich als den Wohnsitz Jahve's
    dachte. x) Trotz aller Umarbeitungen, die

    x) an einigen Stellen des biblischen Textes
    ist noch stehen geblieben, dass Jahve vom
    Sinai herab nach Meribat-Qadeš kam.

    der biblische Bericht erlitten hat, lässt
    sich nach Ed. Meyer das ursprüngliche
    Charakterbild des Gottes rekonstruieren:
    Er ist ein unheimlicher, blutgieriger
    Dämon, der bei Nacht umgeht und
    das Tageslicht scheut. x)

    x) l.c. p 38. § 8.

        Der Mittler zwischen Gott und Volk
    bei dieser Religionsstiftung wird Moses
    genannt. Er ist Schwiegersohn des midianitischen
    Priesters Jethro, hütet dessen Herden
    als er die göttliche Berufung erfährt. Er
    empfängt auch in Qadeš den Besuch
    Jethros der ihm Unterweisungen giebt.
    Ed. Meyer sagt zwar, es sei ihm nie
    zweifelhaft gewesen dass die Geschichte
    vom Aufenthalt in Aegypten und
    von der Katastrophe der Aegypter
    irgend einen historischen Kern enthält, x)

    x) l.c. p 49

    aber er weiss offenbar nicht, wie er
    die von ihm anerkannte Tatsache unter=
    bringen und verwerten soll. Nur die
    Sitte der Beschneidung ist er bereit von
    Aegypten abzuleiten. Er bereichert
    unsere frühere Argumentation durch
    zwei wichtige Hinweise. Erstens dass Josua
    das Volk zur Beschneidung auffordert
    "um das Höhnen der Aegypter von
    sich abzuwälzen" sodann durch das
    Zitat aus Herodot, dass die Phöniker (wol
    die Juden) und die Syrer in Palästina

  • S.

    23

    selbst zugeben, die Beschneidung von den
    Aegyptern gelernt zu haben. x) Aber für

    x) l.c. p 449

    einen aegyptischen Moses hat er wenig
    übrig. "Der Moses, den wir kennen, ist der
    Ahnherr der Priester von Qadeš, also eine
    mit dem Kultus in Beziehung stehende
    Gestalt der genealogischen Sage, nicht eine
    geschichtliche Persönlichkeit. Es hat denn
    auch (abgesehen von denen, die die Tra=
    dition in Bausch und Bogen als geschicht=
    liche Wahrheit hinnehmen) noch Niemand
    von denen, die ihn als eine geschichtliche
    Gestalt behandeln, ihn mit irgend einem
    Inhalt zu erfüllen, ihn als concrete
    Individualität darzustellen oder
    etwas anzugeben gewusst, was
    er geschaffen hätte und was sein ge=
    schichtliches Werk wäre." x) Dagegen wird

    x) l.c. p 451

    er nicht müde, die Beziehung Moses' zu Qadeš
    und Midian zu betonen. "Die Gestalt
    des Moses, die mit Midian und den Kultus=
    stätten in der Wüste eng verwachsen ist," x) "Diese

    x) l.c. p 49

    Gestalt des Mose ist nun mit Qadeš (Massa
    und Merîba) untrennbar verwachsen, die
    Verschwägerung mit dem midianit=
    ischen Priester bildet die Ergänzung dazu.
    Die Verbindung mit dem Exodus dagegen
    und vollends die Jugendgeschichte sind
    durchaus secundär und lediglich die Folge
    der Einfügung Mose in eine zusammen=
    hangend fortlaufende Sagengeschichte." x) Er

    x) l.c. p 72

    verweist auch darauf dass die in der Jugend=
    geschichte des Moses enthaltenen Motive
    später sämtlich fallen gelassen werden.
    "Mose in Midian ist nicht mehr ein
    Aegypter und Enkel des Pharao, sondern
    ein Hirt dem Jahwe sich offenbart. In
    den Erzählungen von den Plagen ist
    von seinen alten Beziehungen nicht
    mehr die Rede so leicht sie sich effekt=
    voll hätten verwerten lassen und
    der Befehl die israelitischen Knaben zu
    töten, ist vollkommen vergessen.
    Bei dem Auszug und dem Untergang

  • S.

    24

    der Aegypter spielt Mose überhaupt keine
    Rolle er wird nicht einmal genannt. Der
    Heldencharakter den die Kindheitssage voraus=
    setzt fehlt dem späteren Mose gänzlich, er
    ist nur noch der Gottesmann ein von
    Jahve mit übernatürlichen Kräften aus=
    gestatteter Wundertäter . . . " x)

    x) l.c. p 47

        Wir können den Eindruck nicht bestreiten
    dieser Moses von Qades und Midian
    dem die Tradition selbst die Aufricht=
    ung einer ehernen Schlange als Heilgott
    zuschreiben durfte ist ein ganz anderer
    als der von uns erschlossene grossherr=
    liche Aegypter der dem Volk eine
    Religion eröffnete in der alle Magie
    und Zauberei aufs Strengste verpönt
    war. Unser aegyptischer Moses ist von dem
    midianitischen Moses vielleicht nicht
    weniger verschieden als der universelle
    Gott Aton von dem auf dem Götter=
    berg hausenden Dämon Jahve. Und
    wenn wir den Ermittlungen der neue=
    ren Historiker irgend ein Mass
    von Glauben schenken, müssen wir
    uns eingestehen, dass der Faden den
    wir von der Annahme her spinnen
    wollten Moses sei ein Aegypter
    gewesen nun zum zweiten Mal
    abgerissen ist. Diesmal, wie es scheint,
    ohne Hoffnung auf Wiederanknüpfung.

    V

        Unerwarteter Weise findet sich auch hier
    ein Ausweg. Die Bemühungen, in Moses
    eine Gestalt zu erkennen, die über den
    Priester von Qades hinausreicht, und
    die Grossartigkeit zu bestätigen, welche
    die Tradition an ihm rühmt, sind auch
    nach Ed. Meyer nicht zur Ruhe gekommen.
    (Gressmann u.A.). Im Jahre 1922 hat dann
    Ed. Sellin eine Entdeckung gemacht,
    die unser Problem entscheidend beein=
    flusst. x) Er fand beim Propheten Hosea

    x) Ed. Sellin Mose und seine Bedeutung
    für die israelitisch-jüdische Religions=
    geschichte 1922.

    (zweite Hälfte des 8ten Jahrhunderts)
    die unverkennbaren Anzeichen einer
    Tradition die zum Inhalt hat, dass der

  • S.

    25

    Religionsstifter Moses in einem Aufstand
    seines widerspenstigen und halsstarrigen
    Volkes ein gewaltsames Ende fand. Gleich=
    zeitig wurde die von ihm eingesetzte
    Religion abgeworfen. Diese Tradition
    ist aber nicht auf Hosea beschränkt, sie
    kehrt bei den meisten späteren Pro=
    pheten wieder ja sie ist nach Sellin die
    Grundlage aller späteren messianischen
    Erwartungen geworden. Am Ausgang
    des babylonischen Exils entwickelte sich
    im jüdischen Volke die Hoffnung, der
    so schmählich Gemordete werde von den
    Toten wiederkommen und sein reuiges
    Volk, vielleicht dieses nicht allein, in
    das Reich einer dauernden Seligkeit
    führen. Die nahe liegenden Beziehungen zum
    Schicksal eines späteren Religions=
    stifters liegen nicht auf unserem
    Weg.

        Ich bin natürlich wiederum nicht
    in der Lage zu entscheiden, ob Sellin die propheti=
    schen Stellen richtig gedeutet hat. Aber
    wenn er Recht hat, so darf man der von
    ihm erkannten Tradition historische
    Glaubwürdigkeit zusprechen, denn solche
    Dinge erdichtet man nicht leicht, es fehlt
    an einem greifbaren Motiv dafür; haben
    sie sich aber wirklich ereignet, so ver=
    steht sich leicht, dass man sie vergessen
    will. Wir brauchen nicht alle Einzelheiten
    der Tradition anzunehmen. Sellin meint
    dass Schittim im Ostjordanland als der
    Schauplatz der Gewalttat an Moses be=
    zeichnet wird. Wir werden bald er=
    kennen, dass eine solche Lokalität für
    unsere Überlegungen unannehmbar ist.

        Wir entlehnen von Sellin die
    Annahme, dass der aegyptische Moses
    von den Juden erschlagen die von ihm
    eingeführte Religion aufgegeben wurde.
    Sie gestattet uns unsere Fäden weiter
    zu spinnen ohne glaubwürdigen Er=
    gebnissen der historischen Forschung zu wider=
    sprechen. Aber wir wagen es, uns sonst
    unabhängig von den Autoren zu
    halten, selbständig „einherzutreten auf
    der eigenen Spur“. Der Auszug aus
    Aegypten bleibt unser
    Ausgangspunkt. Es muss eine beträchtliche

  • S.

    26

    Anzahl von Personen gewesen sein, die mit Moses
    das Land verliess; ein kleiner Haufe hätte
    dem ehrgeizigen auf Grosses abzielenden
    Mann nicht der Mühe gelohnt. Wahr=
    scheinlich hatten die Einwanderer lange
    genug im Lande geweilt um sich zu
    einer ansehnlichen Volkszahl zu entwickeln.
    Aber wir werden gewiss nicht irren wenn
    wir mit der Mehrzahl der Autoren an=
    nehmen, dass nur ein Bruchteil des
    späteren Judenvolkes die Schicksale in
    Aegypten erfahren hat. Mit anderen Worten
    der aus Aegypten zurückgekehrte Stamm
    vereinigte sich später im Landstrich
    zwischen Aegypten und Kanaan mit
    anderen verwandten Stämmen die
    dort seit längerer Zeit ansässig gewesen
    waren. Ausdruck dieser Vereinigung
    aus der das Volk Israel hervorging, war
    die Annahme einer neuen, allen Stämmen
    gemeinsamen Religion, der des
    Jahve, welches Ereignis sich nach Ed.
    Meyer unter midianitischem Einfluss
    in Qadeš vollzog. Darauf fühlte sich
    das Volk stark genug seinen Einbruch
    in das Land Kanaan zu unternehmen.
    Mit diesem Hergang verträgt es sich nicht
    dass die Katastrophe des Moses und
    seiner Religion im Ostjordanland
    vorfiel; sie muss lange vor der Ver=
    einigung geschehen sein.

        Es ist gewiss dass recht verschiedene Ele=
    mente zum Aufbau des jüdischen Volkes
    zusammengetreten sind, aber den größten
    Unterschied unter diesen Stämmen muss
    es gemacht haben, ob sie den Aufenthalt
    in Aegypten und was darauf folgte miter=
    lebt hatten oder nicht. Mit Rücksicht
    auf diesen Punkt kann man sagen
    die Nation sei aus der Vereinigung
    von zwei Bestandteilen hervorgegangen
    und dieser Tatsache entsprach es dass sie
    auch nach einer kurzen Periode politischer
    Einheit in zwei Stücke, das Reich Israel
    und das Reich Juda, auseinanderbrach.
    Die Geschichte liebt solche Wiederherstell=
    ungen, in denen spätere Verschmelz=
    ungen rückgängig gemacht werden und
    frühere Trennungen wieder hervor=
    treten. Das eindruckvollste Beispiel
    dieser Art schuf bekanntlich die Reformation

  • S.

    27

    als sie die Grenzlinie zwischen dem einst
    römisch gewesenen und dem unabhängig
    gebliebenen Germanien nach einem
    Intervall von mehr als einem Jahrtausend
    wieder zum Vorschein brachte. Für den
    Fall des jüdischen Volkes könnten wir
    eine so getreue Reproduktion des alten
    Tatbestandes nicht erweisen; unsere
    Kenntnis dieser Zeiten ist zu
    unsicher, um die Behauptung zu
    gestatten im Nordreich hätten sich die
    von jeher Ansässigen, im Südreich die aus
    Aegypten Zurückgekehrten wieder zu=
    sammengefunden, aber der spätere Zerfall
    kann auch hier nicht ohne Zusammen=
    hang mit der früheren Verlötung
    gewesen sein. Die einstigen Aegypter
    waren wahrscheinlich in ihrer Volkszahl
    geringer als die Anderen, aber sie er=
    wiesen sich als die kulturell Stärkeren
    sie übten einen mächtigeren Einfluss auf
    die weitere Entwicklung des Volkes
    weil sie eine Tradition mitbrachten
    die den Anderen fehlte.

        Vielleicht noch etwas Anderes, was greif=
    barer war als eine Tradition. Zu den
    grössten Rätseln der jüdischen Vorzeit ge=
    hört die Herkunft der Leviten. Sie wer=
    den von einem der zwölf Stämme
    Israels abgeleitet, vom Stamme Levi, aber
    keine Tradition hat anzugeben gewagt
    wo dieser Stamm ursprünglich sass, oder
    welches Stück des eroberten Landes
    Kanaan ihm zugewiesen war. Sie besetzen
    die wichtigsten Priesterposten, aber sie
    werden doch von den Priestern unter=
    schieden, ein Levit ist nicht notwendig ein
    Priester; es ist nicht der Name einer
    Kaste. Unsere Voraussetzung über die
    Person des Moses legt uns eine Erklä=
    rung nahe. Es ist nicht glaubhaft, dass ein
    grosser Herr wie der Aegypter Moses
    sich unbegleitet zu dem ihm fremden
    Volk begab. Er brachte gewiss sein Gefolge
    mit, seine nächsten Anhänger, seine
    Schreiber, sein Gesinde. Das waren ur=
    sprünglich die Leviten. Die Behauptung
    der Tradition, Moses war ein Levit,
    scheint eine durchsichtige Entstellung
    des Sachverhalts: Die Leviten waren die
    Leute des Moses. Diese Lösung wird
    durch die bereits in meinem früheren
    Aufsatz erwähnte Tatsache gestützt, dass

  • S.

    28

    einzig unter den Leviten später noch aegyptische
    Namen auftauchen. Es ist anzunehmen
    dass eine gute Anzahl dieser Mosesleute
    der Katastrophe entging, die ihn selbst und
    seine Religionsstiftung traf. Sie vermehrten
    sich in den nächsten Generationen, ver=
    schmolzen mit dem Volk, in dem sie
    lebten, aber sie blieben ihrem Herrn
    treu, bewahrten das Andenken an ihn
    und pflegten die Tradition seiner Lehren.
    Zur Zeit der Vereinigung mit den Jahve=
    gläubigen bildeten sie eine einflussreiche
    den Anderen kulturell überlegene
    Minorität.

        Ich stelle es vorläufig als Annahme hin dass
    zwischen dem Untergang des Moses
    und der Religionsstiftung in Qades zwei
    Generationen, vielleicht selbst ein
    Jahrhundert verlief. Ich sehe keinen Weg
    um zu entscheiden, ob die Neo-Aegypter,
    wie ich sie hier zur Unterscheidung
    nennen möchte die Rückkehrer also mit
    ihren Stammverwandten zusammentrafen
    nachdem diese bereits die Jahvereligion
    angenommen hatten oder schon vorher. Man
    mag das Letztere für wahrscheinlicher
    halten. Für das Endergebnis macht es
    keinen Unterschied. Was in Qades vor=
    gieng, war ein Compromiss an dem
    der Anteil der Mosesstämme unverkennbar
    ist.

        Wir dürfen uns hier wiederum auf das
    Zeugnis der Beschneidung berufen, die
    uns wiederholt, als Leitfossil sozusagen
    die wichtigsten Dienste geleistet hat. Diese
    Sitte wurde auch in der Jahvereligion
    Gebot, und da sie unlöslich mit Aegypten
    verknüpft ist, kann ihre Annahme nur
    eine Konzession an die Moses Leute
    gewesen sein, die – oder die Leviten unter
    ihnen – auf dies Zeichen ihrer Heiligung
    nicht verzichten wollten. Soviel woll=
    ten sie von ihrer alten Religion retten
    und dafür waren sie bereit die neue
    Gottheit anzunehmen und was die
    Midianpriester von ihr erzählten.
    Es ist möglich dass sie noch andere Konzessi=
    onen durchsetzten. Wir haben bereits
    erwähnt dass das jüdische Ritual gewisse
    Einschränkungen im Gebrauch des Gottes=
    namens vorschrieb. Anstatt Jahve musste
    Adonai gesprochen werden. Es liegt nahe
    diese Vorschrift in unseren Zusammen=
    hang zu bringen, aber es ist eine
    Vermutung ohne weiteren Anhalt.

  • S.

    29

    Das Verbot des Gottesnamens ist bekanntlich
    ein uraltes Tabu. Warum es gerade in der
    jüdischen Gesetzgebung aufgefrischt wurde ver=
    steht man nicht, es ist nicht ausgeschlossen
    dass dies unter dem Einfluss eines neuen
    Motivs geschah. Man braucht nicht anzunehmen
    dass das Verbot konsequent durchgeführt
    wurde; für die Bildung theophorer Personen=
    namen, also für Zusammensetzungen, blieb
    der Name des Gottes Jahve frei (Jochanan
    Jehu Josua). Aber es hatte doch mit diesem
    Namen eine besondere Bewandtnis. Es ist
    bekannt dass die kritische Bibelforschung zwei
    Quellenschriften des Hexateuchs annimmt.
    Sie werden als J und als E bezeichnet, weil
    die eine den Gottesnamen Jahve, die
    andere den Elohim gebraucht. Elohim zwar
    nicht Adonai, aber man mag der Bemer=
    kung eines unserer Autoren gedenken:
    "Die verschiedenen Namen sind das
    deutliche Kennzeichen ursprünglich ver=
    schiedener Götter." x)

    x) Gressmann l.c. p 54.

        Wir liessen die Beibehaltung der Be=
    schneidung als Beweis dafür gelten dass
    bei der Religionsstiftung in Qades ein
    Kompromiss stattgefunden hat. Den Inhalt
    desselben ersehen wir aus den überein=
    stimmenden Berichten von J und
    E die also hierin auf eine gemeinsame
    Quelle (Niederschrift oder mündliche
    Tradition) zurückgehen. Die leitende
    Tendenz war Grösse und Macht des neuen
    Gottes Jahve zu erweisen. Da die Moses=
    leute so hohen Wert auf ihr Erlebnis
    des Auszugs aus Aegypten legten,
    musste diese Befreiungsthat Jahve verdankt
    werden, und dies Ereignis wurde mit
    Ausschmückungen versehen, die die schreck=
    hafte Grossartigkeit des Vulkangottes
    bekundeten, wie die Rauchsäule die
    sich nachts in eine Feuersäule wandelte
    der Sturm der das Meer für eine Weile
    trocken legte, so dass die Verfolger von
    den rückkehrenden Wassermassen er=
    tränkt wurden. Dabei wurden der
    Auszug und die Religionsstiftung nahe
    an einander gerückt, das lange Inter=
    vall zwischen beiden verleugnet, auch
    die Gesetzgebung vollzog sich nicht in Qades
    sondern am Fuss des Gottesberges unter
    den Anzeichen eines vulkanischen Aus=

  • S.

    30

    bruches. Aber diese Darstellung begieng ein schweres
    Unrecht gegen das Andenken des Mannes
    Moses; er war es ja, nicht der Vulkangott
    der das Volk aus Aegypten befreit hatte.
    Somit war man ihm eine Entschädigung
    schuldig und fand sie darin, dass man Moses
    hinüber nahm nach Qades oder an den Sinai
    Horeb und ihn an die Stelle der midian=
    itischen Priester setzte. Dass man durch
    diese Lösung eine zweite, unabweisbar
    dringende Tendenz befriedigte, werden
    wir später erörtern. Auf solche Weise
    hatte man gleichsam einen Ausgleich ge=
    schaffen; man liess Jahve nach Aegypten
    übergreifen, der auf einem Berg in
    Midian hauste, und Moses Existenz und
    Thätigkeit dafür nach Qades und bis in's
    Ostjordanland. Er wurde so mit der Person
    des späteren Religionsstifters, dem Schwieger=
    sohn des Midianiters Jethro verschmolzen
    dem er seinen Namen Moses lieh. Aber
    von diesem anderen Moses wissen wir
    nichts (auszusagen, Persönliches), er wird
    durch den anderen, den aegyptischen
    Moses so völlig verdunkelt. Es sei denn
    dass man die Widersprüche in der Cha=
    rakteristik Moses’ aufgreift, die sich
    im biblischen Bericht finden. Er wird
    uns oft genug als herrisch, jähzornig, ja gewalt=
    thätig geschildert, und doch wird auch
    von ihm gesagt, er sei der sanftmüthigste
    und geduldigste aller Menschen gewesen.
    Es ist klar, diese letzteren Eigenschaften
    hätten dem aegyptischen Moses, der mit seinem
    Volk so Grosses und Schweres vorhatte
    wenig getaugt; vielleicht gehörten sie
    dem Anderen, dem Midianiter, an. Ich
    glaube, man ist berechtigt die beiden
    Personen wieder von einander
    zu scheiden und anzunehmen
    dass der aegyptische Moses nie in
    Qades war und den Namen
    Jahve nie gehört hatte und dass der
    midianitische Moses Aegypten nie
    betreten hatte und von Aton nichts
    wusste. Zum Zwecke der Verlötung
    der beiden Personen fiel der Tradi=
    tion oder der Sagenbildung die
    Aufgabe zu, den aegyptischen Moses
    nach Midian zu bringen und wir
    haben gehört, dass mehr als eine
    Erklärung hiefür im Umlauf war.

  • S.

    31

    VI                    einschieben!

        Wir sind darauf vorbereitet, den Tadel zu hören
    dass wir unsere Rekonstruktion der Ur=
    geschichte des Volkes Israel mit allzugrosser
    mit unberechtigter Sicherheit vorgetragen
    haben. Diese Kritik wird uns nicht schwer
    treffen da sie in unserem eigenen
    Urteil einen Widerhall findet. Wir
    wissen selbst, unser Aufbau hat seine
    schwachen Stellen, aber er hat auch seine
    starken Seiten. Im Ganzen überwiegt
    der Eindruck, dass es der Mühe lohnt das
    Werk in der eingeschlagenen Richtung
    fortzusetzen. Der uns vorliegende biblische
    Bericht enthält wertvolle, ja unschätz=
    bare historische Angaben, die aber
    durch den Einfluss mächtiger Tendenzen
    entstellt und mit den Produktionen
    dichterischer Erfindung ausgeschmückt worden
    sind. Während unserer bisherigen Bemüh=
    ungen haben wir eine dieser entstel=
    lenden Tendenzen erraten können. Dieser
    Fund zeigt uns den weiteren Weg. Wir
    sollen andere solcher Tendenzen auf=
    decken. Haben wir Anhaltspunkte, um
    die durch sie erzeugten Entstellungen
    zu erkennen, so werden wir hinter
    ihnen neue Stücke des wahren Sachverhalts
    blosslegen, zum Vorschein bringen.
    Lassen wir uns zunächst von der kritischen
    Bibelforschung erzählen was sie über die
    Entstehungsgeschichte des Hexateuchs (der fünf
    Bücher Moses’ und des Buches Josua, die
    uns hier allein interessieren) zu sagen
    weiss. x) Als älteste Quellenschrift gilt J, der

    x) Encyclopedia Britannica, XI. Auflage 1910.
    Artikel: Bible.

    Jahvist, den man in der neuesten Zeit
    als den Priester Ebjatar, einen Zeitge=
    nossen des Königs David, erkennen will x)

    x) Siehe Auerbach, Wüste und Gelobtes Land, 1932.

    Etwas später, man weiss man nicht um
    wieviel, setzt man den sogenannten Elohisten
    an, der dem Nordreich angehört x). Nach dem

    x) Jahvist und Elohist wurden erst 1753 von
    Astruc unterschieden.

    Untergang des Nordreiches 722 hat ein
    jüdischer Priester Stücke von J und E mit
    einander vereinigt und eigene Beiträge

  • S.

    32

    dazugegeben. Seine Compilation wird als
    JE bezeichnet. Im 7ten Jahrhundert kommt
    das Deuteronomium, das fünfte Buch hinzu
    angeblich im Tempel als Ganzes neu gefun=
    den. In die Zeit nach der Zerstörung des
    Tempels (586) während des Exils und nach der
    Rückkehr wird die Umarbeitung versetzt
    die man den "Priestercodex" nennt; im
    5ten Jahrhundert erfährt das Werk seine
    endgiltige Redaktion und ist seither nicht
    wesentlich verändert worden. +)
        Die Geschichte des Königs David und seiner
    Zeit ist höchst wahrscheinlich das Werk
    eines Zeitgenossen. Es ist richtige Geschichts=
    schreibung fünfhundert Jahre vor
    Herodot, dem "Vater der Geschichte". Man
    nähert sich dem Verständnis dieser
    Leistung wenn man im Sinne unserer
    Annahme an aegyptischen Einfluss denkt.
    Es ist selbst die Vermutung aufgetaucht, dass
    die Israeliten jener Urzeit – also die Schreiber
    des Moses – nicht unbeteiligt an der Er=
    findung des ersten Alphabets gewesen
    sind. x) xx)

    x) Wenn sie unter dem Druck des Bilderver=
    bots standen, hatten sie sogar ein Motiv,
    die hieroglyphische Bilderschrift zu verlassen
    während sie ihre Schriftzeichen für den
    Ausdruck einer neuen Sprache zurichteten.

    xx) J. Auerbach, l.c. p 142.

        Inwieweit die Berichte über
    frühere Zeiten auf frühe Aufzeichnungen
    oder auf mündliche Traditionen zurück=
    gehen und welche Zeitintervalle in den
    einzelnen Fällen zwischen Ereignis
    und Fixirung liegen entzieht sich natür=
    lich unserer Kenntnis. Der Text aber, wie
    er uns heute vorliegt, erzählt uns genug
    auch über seine eigenen Schicksale. Zwei
    einander entgegengesetzte Behandlungen
    haben ihre Spuren an ihm zurückgelassen.
    Einerseits haben sich Bearbeitungen seiner
    bemächtigt, die ihn im Sinne ihrer geheimen
    Absichten verfälscht, verstümmelt und er=
    weitert, bis in sein Gegenteil verkehrt
    haben, anderseits hat eine schonungs=
    volle Pietät über ihm gewaltet, die alles
    erhalten wollte, wie sie es vorfand, gleich=
    giltig, ob es zusammenstimmte oder sich selbst
    aufhob. So sind fast in allen Teilen
    auffällige Lücken, störende Wiederholungen,

  • S.

    33

    greifbare Widersprüche zu Stande gekommen,
    Anzeichen die uns Dinge verrathen deren
    Mitteilung nicht beabsichtigt war. Es ist bei der
    Entstellung eines Textes ähnlich wie bei einem
    Mord, die Schwierigkeit liegt nicht in der
    Ausführung der That sondern in der Beseitig=
    ung ihrer Spuren. Man möchte dem Worte
    "Entstellung" den Doppelsinn verleihen auf
    den es Anspruch hat, obwol es heute keinen Gebrauch
    davon macht. Es sollte nicht nur
    bedeuten: in seiner Erscheinung verändern,
    sondern auch: an eine andere Stelle bringen,
    anderswohin verschieben. Somit dürfen wir
    in vielen Fällen von Textentstellung
    darauf rechnen das Unterdrückte und Ver=
    läugnete doch irgendwo versteckt zu finden
    wenn auch abgeändert und aus dem Zusammen=
    hang gerissen. Es wird nur nicht immer
    leicht sein es zu erkennen.
        Die entstellenden Tendenzen, deren wir
    habhaft werden wollen, müssen bereits
    auf die Traditionen vor allen Nieder=
    schriften eingewirkt haben. Die eine
    derselben, vielleicht die stärkste von allen,
    haben wir bereits entdeckt. Wir sagten,
    mit der Einsetzung des neuen Gottes Jahve
    in Qades ergab sich die Nötigung, etwas für
    seine Verherrlichung zu thun. Es ist richtiger
    zu sagen: man musste ihn installieren,
    Raum für ihn schaffen, die Spuren früherer
    Religionen verwischen. Das scheint für
    die Religion der ansässigen Stämme restlos gelungen
    zu sein, wir hören nichts mehr von ihr.
    Mit den Rückkehrern hatte man es nicht
    so leicht, sie liessen sich den Auszug aus Ae=
    gypten, den Mann Moses und die Beschneidung
    nicht rauben. Sie waren also in Aegypten
    gewesen, aber sie hatten es wieder ver=
    lassen und von nun an sollte jede Spur
    des aegyptischen Einflusses verleugnet
    werden. Den Mann Moses erledigte
    man indem man ihn nach Midian und Qades
    versetzte und ihn mit dem Jahvepriester
    der Religionsstiftung verschmelzen liess. Die
    Beschneidung, das gravierendste Anzeichen der
    Abhängigkeit von Aegypten musste man bei=
    behalten, aber man versäumte die Versuche
    nicht, diese Sitte aller Evidenz zum Trotz
    von Aegypten abzulösen. Nur als absicht=
    lichen Widerspruch gegen den verräther=
    ischen Sachverhalt kann man die räthselhafte
    unverständlich stilisierte Stelle in Exodus
    auffassen, dass Jahve einst dem Moses

  • S.

    34

    gezürnt, weil er die Beschneidung vernachlässigt
    hatte, und dass sein midianitisches Weib durch
    schleunige Ausführung der Operation sein Leben
    gerettet! Wir werden alsbald von einer
    anderen Erfindung hören um das unbequeme
    Beweisstück unschädlich zu machen.
        Man kann es kaum als das Auftreten
    einer neuen Tendenz bezeichnen, es ist
    vielmehr nur die Fortführung der früheren,
    wenn sich Bemühungen zeigen, die direct
    in Abrede stellen, dass Jahve ein neuer, für
    die Juden fremder Gott gewesen sei.
    In dieser Absicht werden die Sagen von
    den Urvätern des Volkes Abraham, Isaac
    und Jakob herangezogen. Jahve versichert
    dass er schon der Gott dieser Väter
    gewesen sei; freilich, muss er selbst zuge=
    stehen, hätten sie ihn nicht unter diesem
    seinen Namen verehrt. +) Er fügt nicht
    hinzu unter welchem Anderen. Und hier
    findet sich der Anlass zu einem ent=
    scheidenden Streich gegen die aegyptische
    Herkunft der Beschneidungssitte. Jahve
    hat sie bereits von Abraham verlangt,
    hat sie als Zeichen des Bundes zwischen
    sich und Abrahams Nachkommen eingesetzt.
    Aber das war eine besonders ungeschickte Er=
    findung. Als Abzeichen, das einen von Anderen
    absondern und vor anderen bevorzugen
    soll wählt man etwas, was bei den Anderen
    nicht vorzufinden ist und nicht etwas was
    Millionen Anderer in gleicher Weise auf=
    zeigen können. Ein Israelit, nach Aegypten
    versetzt hätte ja alle Aegypter als Bundes=
    brüder als Brüder in Jahve, anerkennen
    müssen. Die Thatsache, dass die Beschneidung
    in Aegypten heimisch war, konnte den Israeliten
    die den Text der Bibel schufen unmöglich
    unbekannt sein. Die bei Ed. Meyer erwähnte
    Stelle aus Josua giebt es selbst unbedenklich
    zu, aber sie sollte eben um jeden Preis
    verleugnet werden.
        An religiöse Mythenbildungen wird man
    nicht den Anspruch stellen dürfen, dass
    sie auf logischen Zusammenhang grosse
    Rücksicht nehmen. Sonst hätte das
    Volksempfinden berechtigten Anstoss
    an dem Verhalten einer Gottheit
    finden können, die mit den Ahn=
    herrn einen Vertrag mit gegenseitigen
    Verpflichtungen schließt, sich dann

  • S.

    35

    Jahrhunderte lang um die menschlichen Partner
    nicht kümmert bis es ihr plötzlich einfällt sich
    den Nachkommen von Neuem zu offenbaren.
    Noch mehr befremdend wirkt die Vorstellung
    dass ein Gott sich mit einem Male ein Volk
    „auswählt“, es zu seinem Volk und sich zu
    seinem Gott erklärt. Ich glaube, es ist der
    einzige solche Fall in der Geschichte der
    menschlichen Religionen. Sonst gehören
    Gott und Volk untrennbar zusammen, sie
    sind von allem Anfang an Eins; man
    hört wol manchmal davon, dass ein Volk
    einen anderen Gott annimmt, aber nie, dass
    ein Gott sich ein anderes Volk aussucht.
    Vielleicht nähern wir uns dem Verständnis
    dieses einmaligen Vorgangs, wenn wir
    der Beziehungen zwischen Moses und dem
    Judenvolk gedenken. Moses hatte sich zu
    den Juden herabgelassen, sie zu seinem
    Volk gemacht, sie waren sein auser=
    wähltes Volk.“ x)
        Die Einbeziehung der Urväter diente auch
    noch einer anderen Absicht. Sie hatten
    in Kanaan gelebt, ihr Andenken war an
    bestimmte Örtlichkeiten des Landes ge=
    knüpft. Möglicherweise waren sie selbst
    ursprünglich kanaanäische Heroen oder Götter=
    gestalten die dann von den eingewanderten
    Israeliten für ihre Vorgeschichte mit Be=
    schlag belegt wurden. Wenn man
    sich auf sie berief, behauptete man
    gleichsam seine Bodenständigkeit und
    verwahrte sich gegen das Odium, das an
    dem landfremden Eroberer haftete.
    Es war eine geschickte Wendung, dass der
    Gott Jahve ihnen nur wiedergab was
    ihre Vorfahren einmal besessen hatten.

    x) Jahve war unzweifelhaft ein Vulkangott. Für
    Einwohner Aegyptens bestand kein Anlass,
    ihn zu verehren. Ich bin gewiss nicht der
    Erste, der von dem Gleichklang des Namens
    Jahve mit der Wurzel des anderen Götter=
    namens Ju-piter (Jovis) betroffen wird. Der
    mit der Abkürzung des hebräischen Jahve
    zusammengesetzte Name Jo-chanan (etwa: Gott=
    hold punisches Aequivalent: Hannibal) ist
    in den Formen Johann John Jean Juan
    der beliebteste Vorname der europäischen
    Christenheit geworden. Wenn die Italiener
    ihn als Giovanni wiedergeben und dann
    einen Tag der Woche Giovedi heissen, so

  • S.

    36

    bringen sie eine Aehnlichkeit wieder ans Licht
    die vielleicht nichts, vielleicht sehr
    viel bedeutet. Es eröffnen sich hier weit=
    reichende aber auch sehr unsichere Per=
    spektiven. Es scheint, dass die Länder um
    das östliche Becken des Mittelmeers in
    jenen dunkeln der Geschichtsforschung kaum
    eröffneten Jahrhunderten der Schauplatz
    häufiger und heftiger vulkanischer Aus=
    brüche waren die den Umwohnern den
    stärksten Eindruck machen mussten. Evans
    nimmt an, dass auch die endgiltige Zerstörung
    des Minospalastes in Knossos die Folge
    eines Erdbebens war. Auf Creta wurde
    damals, wie wahrscheinlich allgemein
    in der aegaeischen Welt, die grosse
    Muttergottheit verehrt. Die Wahrnehmung,
    dass sie nicht im Stande war, ihr Haus
    gegen die Angriffe einer stärkeren
    Macht zu schützen mag dazu beigetragen
    haben, dass sie einer männlichen Gottheit
    den Platz räumen musste und dann hatte
    der Vulkangott das erste Anrecht darauf
    sie zu ersetzen. Zeus ist ja immer noch
    der „Erderschütterer“. Es ist wenig zweifel=
    haft, dass sich in jenen dunklen Zeiten
    die Ablösung der Muttergottheiten
    durch männliche Götter (die vielleicht
    ursprünglich Söhne waren?) vollzog.
    Besonders eindrucksvoll ist das Schicksal
    der Pallas Athene, die gewiss die lokale
    Form der Muttergottheit war, durch den
    religiösen Umsturz zur Tochter herabge=
    setzt, ihrer eigenen Mutter beraubt
    und durch die ihr auferlegte Jung=
    fräulichkeit dauernd von der Mutter=
    schaft ausgeschlossen wurde.
        In den späteren Beiträgen zum biblischen
    Text setzte sich die Absicht durch, die Er=
    wähnung von Qades zu vermeiden. Die
    Stätte der Religionsstiftung wurde end=
    giltig der Gottesberg Sinai-Horeb. Das
    Motiv hiefür ist nicht klar ersichtlich, viel=
    leicht wollte man nicht an den Einfluss
    von Midian gemahnt werden. Aber alle
    späteren Entstellungen, insbesondere der
    Zeit des sogenannten Priesterkodex
    dienen einer anderen Absicht. Man brauchte
    nicht mehr Berichte über Begebenheiten
    in dem gewünschten Sinne abzuändern, denn
    das war längst geschehen. Sondern man
    bemühte sich, Gebote und Institutionen der

  • S.

    37

    Gegenwart in frühe Zeiten zurück zu versetzen,
    in der Regel sie auf mosaische Gesetzgebung
    zu begründen um daher ihren Anspruch auf
    Heiligkeit und Verbindlichkeit abzuleiten.
    So sehr man auf solche Weise das Bild der Ver=
    gangenheit verfälschen mochte, dies Verfahren
    entbehrt nicht einer bestimmten psychologi=
    schen Berechtigung. Es spiegelte die Thatsache
    wieder, dass im Laufe der langen Zeiten
    – vom Auszug aus Aegypten bis zur Fixierung
    des Bibeltextes unter Ezra und Nehemia
    verflossen etwa 800 Jahre – die Jahvereligion
    sich zurückgebildet hatte zur Überein=
    stimmung, vielleicht bis zur Identität mit
    der ursprünglichen Religion des Moses.
    Und dies ist das wesentliche Ergebnis,
    der schicksalsschwere Inhalt der jüdischen
    Religionsgeschichte.

    VII

        Unter all den Begebenheiten der Vorzeit
    die die späteren Dichter, Priester und Geschichts=
    schreiber zu bearbeiten unternahmen,
    hob sich eine heraus, deren Unterdrückung
    durch die nächstliegenden und besten mensch=
    lichen Motive geboten war. Es war diese
    Ermordung des grossen Führers und Befrei=
    ers Moses die Sellin aus Andeutungen
    bei den Propheten erraten hat. Man
    kann die Aufstellung Sellin’s nicht phan=
    tastisch heissen, sie ist wahrscheinlich genug.
    Moses aus der Schule Ikhnaton’s stammend, be=
    diente sich auch keiner anderen Methoden
    als der König, er befahl, drängte dem
    Volke seinen Glauben auf. x) Vielleicht
    war die Lehre des Moses noch schroffer
    als die seines Meisters, er brauchte die
    Anlehnung an den Sonnengott nicht festzu=
    halten die Schule von On hatte für sein
    Fremdvolk keine Bedeutung. x) In jenen
    Zeiten war eine andere Art der Beein=
    flussung auch kaum möglich. Moses wie
    Ikhnaton fanden dasselbe Schicksal das
    aller aufgeklärten Despoten wartet. Das
    Judenvolk des Moses war ebensowenig
    im Stande eine so hoch vergeistigte Reli=
    gion zu ertragen in ihren Darbietungen
    eine Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu
    finden, wie die Aegypter der 18ten
    Dynastie. In beiden Fällen geschah dasselbe,
    die Bevormundeten und Verkürzten
    erhoben sich und warfen die Last der ihnen
    auferlegten Religion ab. Aber während

  • S.

    38

    die zahmen Aegypter damit warteten bis das
    Schicksal die geheiligte Person des Pharao
    beseitigt hatte, nahmen die wilden Se=
    miten das Schicksal in ihre Hand und räum=
    ten den Tyrannen aus dem Wege. x) Auch

    x) Es ist wirklich bemerkenswert wie wenig
    man in der Jahrtausende langen aegyp=
    tischen Geschichte von gewaltsamer Beseitigung
    oder Ermordung eines Pharao hört.
    Ein Vergleich zB mit der assyrischen Ge=
    schichte muss diese Verwunderung steigern.
    Natürlich kann dies daher kommen, dass die
    Geschichtsschreibung bei den Aegyptern
    ausschliesslich offiziellen Absichten diente.

    kann man nicht behaupten dass der
    erhaltene Bibeltext uns nicht auf einen
    solchen Ausgang Moses’ vorbereitet.
    Der Bericht über die "Wüstenwanderung" –
    die für die Zeit der Herrschaft Moses'
    stehen mag – schildert eine Kette von ernsthaften
    Empörungen gegen seine Autorität, die
    auch – nach Jahve's Gebot – durch blutige
    Züchtigung unterdrückt werden. Man
    kann sich leicht vorstellen dass einmal
    ein solcher Aufstand ein anderes Ende
    nahm, als der Text es haben will. Auch der
    Abfall des Volkes von der neuen Reli=
    gion wird im Text erzählt, als Episode
    freilich. Es ist die Geschichte vom goldenen
    Kalb in der mit geschickter Wendung das
    symbolisch zu verstehende Zerbrechen
    der Gesetzestafeln ("er hat das Gesetz ge=
    brochen") Moses selbst zugeschoben und
    durch seine zornige Entrüstung moti=
    virt wird.

        Es kam eine Zeit da man den Mord an
    Moses bedauerte und zu vergessen suchte.
    Sicherlich war es so zur Zeit des Zusammen=
    tretens in Qades. Aber wenn man den Auszug
    näher heranrückte an die Religionsstiftung
    in der Oase und Moses an Stelle des
    Anderen an ihr mitwirken liess, so hatte
    man nicht nur den Anspruch der Moses=
    leute befriedigt sondern auch die
    peinliche Thatsache seiner gewaltsamen
    Beseitigung erfolgreich verläugnet.
    In Wirklichkeit ist es sehr unwahrschein=
    lich, dass Moses an den Vorgängen in
    Qades hätte theilnehmen können, auch
    wenn sein Leben nicht verkürzt
    worden wäre.

  • S.

    39

    Wir müssen hier den Versuch machen die
    zeitlichen Verhältnisse dieser Begebenheiten
    aufzuklären. Wir haben den Auszug aus
    Aegypten in die Zeit nach dem Verlöschen
    der 18ten Dynastie versetzt (1350). Er mag
    damals oder eine Weile später erfolgt
    sein denn die aegyptischen Chronisten
    haben die darauffolgenden Jahre der
    Anarchie in die Regierungszeit Haremhab's
    der ihr ein Ende machte und bis 1315 herrschte
    eingerechnet. Der nächste, aber auch der einzige
    Anhalt für die Chronologie ist durch
    die Stele Merneptah's gegeben (1225-1215)
    die sich des Sieges über Isiraal (Israel) und
    der Verwüstung ihrer Saaten (?) rühmt.
    Die Verwertung dieser Inschrift ist leider
    zweifelhaft, man lässt sie als Beweis dafür
    gelten, dass israelitische Stämme damals schon
    in Kanaan ansässig waren. x) Ed. Meyer

    x) Ed. Meyer l.c. p 222.

    schliesst aus dieser Stele mit Recht, dass Mer=
    neptah nicht der Pharao des Auszugs ge=
    wesen sein kann, wie man vorher
    gern angenommen hat. Der Auszug muss
    einer früheren Zeit angehören. Die
    Frage nach dem Pharao des Auszugs er=
    scheint uns überhaupt müssig. Es gab keinen
    Pharao des Auszugs da dieser in ein
    Interregnum fiel. Aber auf das mögliche
    Datum der Vereinigung und Religions=
    annahme in Qades fällt auch durch die
    Entdeckung der Merneptahstele kein
    Licht. Irgendwann zwischen 1350 und 1215 ist
    alles, was wir mit Sicherheit sagen können.
    Innerhalb dieses Jahrhunderts vermuten
    wir, kommt der Auszug dem Eingangsdatum
    sehr nahe ist der Vorgang in Qades vom
    Enddatum nicht zu weit entfernt. Den
    grösseren Teil des Zeitraumes
    möchten wir für das Intervall zwischen
    beiden Ereignissen in Anspruch nehmen.
    Wir brauchen nämlich eine längere Zeit
    bis sich nach der Ermordung Moses' die
    Leidenschaften bei den Rückkehrern
    (beruhigt haben) und der Einfluss der Mosesleute,
    der Leviten, so gross geworden ist wie
    das Kompromiss in Qades es voraussetzt. Zwei
    Generationen 60 Jahre würden hiefür
    etwa ausreichen aber es geht nur knapp
    zusammen. Die Folgerung aus der Mer=
    neptah-Stele kommt uns zu früh und
    da wir erkennen, dass in unserem Aufbau
    hier eine Annahme nur auf einer Anderen

  • S.

    40

    begründet ist gestehen wir zu, dass diese
    Diskussion eine schwache Seite unserer
    Konstruktion aufdeckt. Leider ist alles
    was mit der Niederlassung des jüdischen
    Volkes (in Kanaan) zusammenhängt so ungeklärt und
    verworren. Es bleibt uns etwa die
    Auskunft dass der Name auf der Israelstele
    sich nicht auf die Stämme bezieht, deren Schick=
    sale wir zu verfolgen bemüht sind und die
    zum späteren Volk Israel zusammen=
    getreten sind. Ist doch auch der Name der
    Habiru = Hebräer aus der Amarnazeit auf
    dies Volk übergegangen.
     

    Wann immer die Vereinigung der
    Stämme zur Nation durch die Annahme
    einer gemeinsamen Religion, vor sich
    gieng es hätte leicht ein für die Welt=
    geschichte recht gleichgiltiger Akt werden
    können Die neue Religion wäre vom
    Strome der Ereignisse weggeschwemmt worden
    Jahve hätte seinen Platz einnehmen dürfen
    in der Procession gewesener Götter, die
    der Dichter Flaubert gesehen hat und
    von seinem Volk wären alle zwölf
    Stämme „verloren“ gegangen nicht nur
    die zehn die von den Angelsachsen so
    lange gesucht worden sind. Der Gott Jahve
    dem der midianitische Moses damals ein
    neues Volk zuführte war wahrscheinlich
    in keiner Hinsicht ein hervorragendes
    Wesen. Ein roher, engherziger Lokalgott
    gewaltthätig und blutdürstig; er hatte seinen
    Anhängern versprochen, ihnen das Land
    zu geben, in dem „Milch und Honig fliesst“,
    und forderte sie auf, dessen gegenwärtige
    Einwohner auszurotten „mit der Schärfe
    des Schwertes“. Man darf sich verwundern
    dass trotz aller Umarbeitungen in den
    biblischen Berichten so viel stehen gelassen
    wurde, um sein ursprüngliches Wesen
    zu erkennen. Es ist nicht einmal
    sicher dass seine Religion ein wirklicher
    Monotheismus war, dass sie den Gottheiten
    anderer Völker die Gottesnatur be=
    stritt. Es reichte wahrscheinlich hin, dass der
    eigene Gott mächtiger war, als alle
    alle andern fremden Götter. Wenn
    dann in der Folge alles anders ver=
    lief, als solche Ansätze erwarten liessen,
    so können wir die Ursache hiefür nur
    in einer einzigen Tatsache finden. Einem Theil
    des Volkes hatte der aegyptische Moses

  • S.

    41

    eine andere, höher vergeistigte Gottesvorstellung
    gegeben, die Idee einer einzigen, die ganze
    Welt umfassenden Gottheit, die nicht minder
    allliebend war als allmächtig, die allem
    Ceremoniell und Zauber abhold den Menschen
    ein Leben in Wahrheit und Gerechtigkeit
    zum höchsten Ziel setzte. Denn so unvoll=
    kommen unsere Berichte über die ethische
    Seite der Atonreligion sein mögen, es
    kann nicht bedeutungslos sein, dass Ikhnaton
    sich in seinen Inschriften regelmässig
    bezeichnete als „lebend in Maat“ (Wahrheit,
    Gerechtigkeit)x). Auf die Dauer machte es
        x) Seine Hymnen betonen nicht nur die Univer=
    salität und Einzigkeit Gottes sondern auch
    dessen liebevolle Fürsorge für alle Geschöpfe
    fordern zur Freude an der Natur und
    zum Genuss ihrer Schönheit auf. Vgl. Breasted,
    Dawn of Conscience.
    nichts aus, dass das Volk wahrscheinlich nach
    kurzer Zeit, die Lehre des Moses ver=
    warf und ihn selbst beseitigte. Es blieb die
    Tradition davon, und ihr Einfluss erreichte
    allerdings allmählich im Laufe der Jahrhun=
    derte, was Moses selbst versagt geblieben
    war. Gott Jahve war zu unverdienten
    Ehren gekommen, als man von Qadeš an
    die Befreiungsthat des Moses auf seine Rech=
    nung schrieb, aber er hatte für diese Usur=
    pation schwer zu büssen. Der Schatten des
    Gottes, dessen Stelle er eingenommen, wurde
    stärker als er; am Ende der Entwicklung
    war hinter seinem Wesen das des ver=
    gessenen mosaischen Gottes zum Vorschein
    gekommen. Niemand zweifelt daran, dass
    nur die Idee dieses anderen Gottes, das
    Volk Israel alle Schicksalsschläge überstehen
    liess und es bis in unsere Zeiten am Leben
    erhielt.
     

        Beim Endsieg des mosaischen Gottes über Jahve
    kann man den Antheil der Leviten
    nicht mehr feststellen. Diese hatten sich seiner=
    zeit für Moses eingesetzt
    als das Compromiss in Qadeš geschlossen
    wurde, in noch lebendiger Erinnerung
    an den Herrn dessen Gefolge und Lands=
    genossen sie waren. In den Jahrhunderten
    seither waren sie mit dem Volk ver=
    schmolzen oder mit der Priesterschaft
    und es war die Hauptleistung der Priester
    geworden, das Ritual zu entwickeln und
     

  • S.

    42

    zu überwachen überdies die heiligen Nieder=
    schriften zu behüten und nach ihren Absichten
    zu bearbeiten Aber war nicht alles Opfer=
    dienst und alles Zeremoniell im Grunde
    nur Magie und Zauberwesen wie es
    die alte Lehre Moses’ bedingungslos ver=
    worfen hatte? Da erhoben sich aus der
    Mitte des Volkes in einer nicht mehr
    abreissenden Reihe Männer nicht mehr
    durch ihre Herkunft mit Moses verbunden
    aber von der grossen und mächtigen (und)
    Tradition erfasst, die allmählich
    im Dunkeln angewachsen war, und diese
    Männer, die Propheten, waren es die
    unermüdlich die alte mosaische Lehre ver=
    kündeten, die Gottheit verschmähe Opfer
    und Zeremoniell, sie fordere nur Glauben
    und ein Leben in Wahrheit und Gerechtig=
    keit („Maat“). Die Bemühungen der Propheten
    hatten dauernden Erfolg, die Lehren mit
    denen sie den alten Glauben wiederher=
    stellten wurden zum bleibenden Inhalt
    der jüdischen Religion. Es ist Ehre genug
    für das jüdische Volk, dass es eine solche
    Tradition erhalten und Männer her=
    vorbringen konnte, die ihr eine Stimme
    liehen, auch wenn die Anregung dazu
    von Aussen, von einem grossen, fremden
    Manne gekommen war.
     

        Ich würde mich mit dieser Darstellung
    nicht sicher fühlen, wenn ich mich nicht
    auf das Urtheil anderer sachkundiger
    Forscher berufen könnte, die die
    Bedeutung Moses’ für die jüdische
    Religionsgeschichte im nämlichen Lichte
    sehen, auch wenn sie seine ägyptische
    Herkunft nicht anerkennen. So sagt
    z.B. Sellinx). „Mithin haben wir uns die ei=
        x) l. c. p 52.
    gentliche Religion des Mose, den Glauben
    an den einen sittlichen Gott, den er
    verkündet, seitdem von vornherein
    als das Besitztum eines kleinen Kreises
    im Volke vorzustellen. Von vornherein
    dürfen wir nicht erwarten jenen in
    dem officiellen Kulte, in der Religion
    der Priester in dem Glauben des Volkes
    anzutreffen. Wir können von vornherein
    nur damit rechnen, dass bald hie bald da
    einmal ein Funke wieder auftaucht
    von dem Geistesbrand, den er einst
    entzündet hat, dass seine Ideen nicht
    ausgestorben sind, sondern hie
    und da in aller Stille auf Glaube und
     

  • S.

    43

    hätte eingewirkt haben bis sie etwa früher oder
    später unter der Einwirkung besonderer Er=
    lebnisse oder von seinem Geist besonders
    erfasster Persönlichkeiten einmal wieder
    stärker hervorbrachen und Einfluss gewannen
    auf breitere Volksmassen. Unter diesem
    Gesichtswinkel ist von vornherein die
    altisraelitische Religionsgeschichte zu betrachten.
    Wer nach der Religion, wie sie uns nach
    den Geschichtsurkunden im Volksleben
    der ersten 5 Jahrhunderte in Kanaan ent=
    gegentritt etwa die mosaische Religion
    konstruiren wollte, der würde den
    schwersten methodischen Fehler begehen.“
    Und deutlicher noch Volz x). Er meint, „dass Moses’
        x) Paul Volz, Mose. Tübingen 1907. (p. 64)
    himmelhohes Werk zunächst nur ganz schwach
    und spärlich verstanden und durchgeführt
    wurde bis es im Lauf der Jahrhunderte
    mehr und mehr eindrang und endlich in
    den grossen Propheten gleichgeartete
    Geister fand, die das Werk des Einsamen
    fortsetzten.“
     

        Hiemit wäre ich zum Abschluss meiner
    Arbeit die ja nur der einzigen Absicht
    dienen sollte die Gestalt eines ägyp=
    tischen Moses in den Zusammenhang der
    jüdischen Geschichte einzufügen. Um
    unser Ergebnis in der kürzesten Formel
    auszudrücken: Zu den bekannten Zweiheiten
    dieser Geschichte – zwei Volksmassen die
    zur Bildung der Nation zusammentreten
    zwei Reiche in die diese Nation zerfällt,
    zwei Gottesnamen in den Quellenschriften
    der Bibel – fügen wir zwei neue hinzu:
    Zwei Religionsstiftungen, die erste
    durch die andere verdrängt und
    später doch siegreich hinter ihr zum Vor=
    schein gekommen; zwei Religionsstifter
    die beide mit dem gleichen Namen
    Moses benannt werden und deren
    Persönlichkeiten wir von einander
    zu sondern haben. Und alle diese
    Zweiheiten sind nothwendige Folgen
    der Ersten, der Thatsache dass der eine
    Bestandtheil des Volkes ein traumatisch
    zu wertendes Erlebnis gehabt hatte, das
    dem Anderen fern geblieben war.
     

  • S.

    44

    Darüber hinaus gäbe es noch sehr viel zu erör=
    tern, zu erklären und zu behaupten.
    Erst dann liesse sich eigentlich das Interesse
    an unserer rein historischen Studie recht=
    fertigen. Worin die eigentliche Natur
    einer Tradition besteht und worauf ihre
    besondere Macht beruht wie unmöglich es
    ist, den persönlichen Einfluss einzelner
    grosser Männer auf die Weltgeschichte
    zu leugnen welchen Frevel an der
    grossartigen Mannigfaltigkeit des Menschen=
    lebens man begeht, wenn man nur
    Motive aus materiellen Bedürfnissen
    anerkennen will aus welchen Quellen
    manche, besonders die religiösen, Ideen
    die (unwiderstehliche) Kraft schöpfen mit der sie
    Menschen wie Völker unterjochen –
    all dies am Spezialfall der jüdischen
    Geschichte zu studiren wäre eine ver=
    lockende Aufgabe. Allein ich weiss
    dass „meine“ Kräfte nicht mehr ausreichen
    um sie in dieser mir und Andern einzig be=
    kannten Weise zu bewältigen (um sie zu leisten. Nur eine einzige)
    Bemerkung will ich aus ihr hieherholen, was
    eine Fortsetzung meiner Arbeit bringen
    sollte: Es ist das jüdische Volk dem der grosse
    Mann Moses vor ihm die Lehre von
    einem einzigen Gott aufdrängte, holte sich eine
    Rache d[af]ür theils vor seiner frei=
    willigen Thätigkeit Religionsübung über= ausnahms=
    weise wendete sich im Bann dieser
    Eingebung ein für allemal dem von ihm
    ab das was wir den Monotheismus nen[nen]
    hauptsächlich ihren Einfluss zu machen. Wer
    sich an das Erscheinen der Menschenwelt
    will, was ich vor 25 Jahren in „Totem
    und Tabu“ niedergelegt habe wird diese
    Aufstellung nicht bedauern (befremden)
    können.
    Eine solche Fortsetzung meiner Arbeit
    würde den Anschluss finden an
    Ausführungen die ich vor 25 Jahren
    in „Totem und Tabu“ niedergelegt
    habe. Aber ich traue mir nicht
    mehr die Kraft zu, dies zu leisten.
     

  • S.

    45

    Anmerkungen.

    p10. 1) A. Weigall, The life and times of Ikhnaton, 1923.
    „Akhnaton did not permit any graven image
    to be made of the Aton. The true God had
    no form; and he held to this
    opinion throughout his life.“ (p 103)

    p 11. 2) Nach einigen Stellen bei Weigall (l.c.): „der
    Gott Atum... der ja als der untergehende
    Sonne bezeichnet war vielleicht gleichen
    Ursprungs wie der in Nordsyrien allge=
    mein verehrte Aton und ein ausländischer
    Königin gehörte die Gefahr mag sich dar[in]
    dort zu Heliopolis hingezogen gefühlt
    haben als zu Theben“. (p. 12 und p. 19)

    p10. 3) Weigall (l.c p121) sagt „Akhnaton w[eihte]
    nichts von einer Tolleranz gegen daran
    schritten man sich durch ungezählte Jahr[hun]=
    derte flüchten wollte. Akhnaton flung
    all these formulae into the fire. Djins bogies
    spirits, monsters, demigods and Osiris himself
    with all his court, were swept into the blaze
    and reduced to ashes.“

    p 14, 4 Und übrigens dürfen wir sagen,
    dass alle anderen Autoren ebenso
    verfahren sind.

    p 15, 5 Wenn Moses ein hoher Beamter war, so
    erleichtert dies unsere Verständniss für die
    Führerrolle, die er bei den Juden übernahm,
    offenbar sogleich von dem Tag an in dem
    als Religionsstifter aufgetreten. In diesem
    Falle war er in die Entbehrung seines
    bisherigen Berufs gezwungen. Ein Prinz
    des königlichen Hauses konnte leicht
    in die seine Statthalter an der Front von
    Judea ein Syrien ist Flavius Josephus (J.
    Antiq. Jud) der die Auffassung pflegen
    wollte oder anders traditionell als
    die biblische zu kennen scheint, hat Moses
    als ägyptischen Feldherrn einen sieg=
    reichen Feldzug in Aethiopien durch=
    geführt.

    p 19 6 Dieselbe Anekdote in leichter Abänderung
    bei Josephus.

    to 32. 7 Es ist historisch gesichert, dass die endgültige
    Fixierung des jüdischen Typus der Erfolg
    der Reform von Esra und Nehemia in
    5ten Jahrhundert vor Christi Geburt war,
     

  • S.

    46

    also nachexilisch, unter der den Juden wohlwollenden
    Perserherrschaft. Nach unserer Rechnung waren
    damals etwas 900 Jahre seit dem Auftreten
    Moses’ vergangen. In dieser Reform wurde
    mit den Bestimmungen Ernst gemacht, welche
    die Heiligung des gesammten Volkes be=
    zweckten, wurde die Absonderung von den
    Umlebenden durch das Verbot der Mischehen
    durchgesetzt, der Pentateuch, das eigentliche
    Gesetzbuch, in seine definitive Form gebracht,
    jene Umarbeitung abgeschlossen, die als
    Priesterkodex bekannt ist. Es scheint aber
    gesichert, dass die Reform keine neuen
    Tendenzen einführte, sondern frühere
    Anregungen aufnahm und befestigte.
     

    p 34 8 Die Einschränkungen im Gebrauch
    dieses neuen Namens werden dadurch
    nicht verständlicher, wohl aber suspekter.
     

  • S.

    Noten 1.

        4) X p 10. u Möglicherweise war sie ein Theil landfremd.
    Die letzten Pharaonen der XVIII Dynastie hatten
    asiatische Prinzessinnen unter ihre Frauen
    aufgenommen und die Mutter Amenhoteps III.
    scheint selbst eine Ausländerin gewesen zu
    sein. Mit diesen Frauen kam gewiss viel
    fremder Einfluss nach Aegypten.
     

        X p 13 Wir können ein literarisches Zeugnis dafür
    beibringen dass unsere Auffassung, wie
    Moses zu den Juden gekommen ist nichts
    Unerhörtes behauptet. In der Geschichte von
    Sinuhe, einem Roman des mittleren Reiches
    der in Aegypten ungemein populär war,
    wird erzählt dass der Held nach dem Tode des
    (um 2000) Königs Amenemhat I politische Motive hatte
    aus dem Lande zu flüchten. Er begab sich
    über den Wall zu einem semitischen Stamme
    wo er so lange Jahre verweilte.
    Dieser Roman, der in Palaestina
    spielt, bekundet vor Hyksos, überdies
    interessante Parallelen zu den Schicksalen
    Moses in Midian und zum Goliathkampf.
     

        p 19 Text Hingegen würden wir den Bund mit
    8) Gott überhaupt, worauf ein Zeichen die Be=
    schneidung, in die Wüstenzeit zurück=
    verlegt, für besonders ungeschickte Ausflüchte
    erklären, sollte man meinen, denn die Be=
    schneidung gehört nicht zu den Sitten, die
    von einem Volk aufgegeben werden
    wenn sie einmal eingeführt worden sind
    und es giebt kein anderes Beispiel für
    einen solchen Vorgang.
     

        10) p 21 Text Man könnte gerade sagen, das Namens=
    verbot entspringe denselben Anforderungen
    des stricten Monotheismus, der einem einzigen
    und einzigartigen Gott beizulegen Grund hat.
    Ein solches Merkmal, dessen Bestimmung
    doch nur wäre ihn von anderen gleich=
    artigen Wesen zu unterscheiden. Ein
    Argument ist diess, ein Umstand dagegen
    dass er vom Volk bewusst doch nicht gebraucht
    werden durfte, erklärt sich dadurch von selbst
    dass auf die Zeit verwiesen, in welcher
    er (nicht mehr) als der einzige anerkannt
    war. So ist es richtig, dass in anderen
    monotheistischen Religionen ein solches
     

  • S.

    2

        Hier zitiere ich auf eine Bemerkung von Gressmann
    (l. c. p. 54) „Die verschiedenen Namen sind das deutliche
    Kennzeichen ursprünglich verschiedener Götter.“
     

        Zu einem ähnlichen Schlusse wie Sellin
    gelangt auch Volz (l.c. p 64) „Er meint dass
    Moses himmelhohes Werk zunächst nur ganz
    schwach und spärlich verstanden und durchge=
    führt wurde bis es im Laufe der Jahrhunderte
    mehr und mehr eindrang und endlich in
    den grossen Propheten gleichgeartete
    Geister fand, die das Werk des Einsamen
    fortsetzten.“
     

        Es hat es übrigens beliebt den Mann Moses als
    den „sanftmüthigsten“ aller Menschen hinzustellen.
    Ein solcher Charakter hätte ihm in seiner
    Wirksamkeit wenig getaugt.
     

  • S.

    Namenmasse vermischt wird. Auf der andren
    Seite darf daran erinnert werden, dass Gott
    Jahve seinen Namen wieder verlor als
    er durch die paulinische Reform des Juden=
    tums von soviel anderen Völkern an=
    erkannt wurde. Immerhin bleibt es dieses
    Hinaus und giebt auch Raum für den Ver=
    dacht, l 210
     

    11) p 21 In diesen Zusammenhang und wir zur
    Verstärkung unseres Verdachts sei er=
    wähnt, dass die Bibelkritik heute den
    Pentateuch auf zwei verschiedene Quellen=
    schriften zurückführt die sich von allem
    dadurch von einander unterscheiden dass
    sie gebräuchig in der einen Jahve den
    Schöpfer werfen als der Jahvist und der
    Elohist angerufen werden In das
    10 te und 9te Jahrhundert verlegt. Wenn
    es einen älteren Gottesnamen als Jahve
    gab, so war er um diese Zeit bereits ver=
    gessen. Doch mag dem Aussetzen im Ge=
    brauch des Gottesnamens noch die Bedeutung
    eines Syndroms zukommen.
     

    1) p 4X) Nach meines Deutung der Mosesstatue von
    Michelangelo hat der Künstler grade diesen
    Zug des grossen Mannes in genialer
    Einsicht corrigirt. Er zeigt uns wie über
    den Zorndruck des Moses Erzügnten
    wie der sich durch die Rücksicht auf die Ge=
    setzestafeln die in Gefahr gerathen
    mussten das bindende Gesetzschliesslich versehen er seine
    Leidenschaft bändigen anstrenge und
    davor Überwinnt Michelangelo
    hat sich dabei in Gegensatz zur Tradition
    nicht geschämt Seine statua Auffassung
    Wenn es ein solcher Fremder war so resultirt
    p 11X) dies unsere Verständnis für die Führer=
    rolle, die er bei den Juden übernahm,
    wozu ihn der Priester dem lag es ihm nahe
    als Religionsstifter aufzutreten obwär im
    keine Entbehrung der Fortsetzung seines
    bisherigen Berufs gewesen. Ein Prinz
    des königlichen Hauses konnte leicht
    beides sein, Statthalter und Priester in
    der Vorstellung des Flavius Josephus (Antiq.
    Jud) der die jüdische Ausdehnungssage nimmt,
    oder andere Traditionen zu kennen scheint,
    hat Moses als aegyptischer Feldherr einen sieg=
    reichen Kriegszug nach Aethiopien durchge=
    führt.
     

  • S.

    Noten 3

    p 12 X) Dieselbe Anekdote vom Benehmen des
    Kindes Moses gegen den Pharao und seine
    Krone in leichter Abänderung bei Flavius
    Josephus.
     

    15) p 27 x Text Ich kann nicht umhin, unsere Ergebnisse
    so darzustellen als ob wir ihrer Richtigkeit
    sicher wären. Dabei wird sich leicht übersehen
    lassen, worin sie von der ja der hligeren
    Schrift fixirten Tradition abweichen. Wir
    meinen also: Mose war ein Aegypter.
    Er brachte dem jüdischen Stamm, den er in die
    Freiheit führte mit einer Erneuerung seiner
    alten Religion, diese ist unbekannt, auch nicht
    die Verehrung des Gottes Jahve. Jahve war eine
    lokale Gottheit, die irgendwo in dem Land
    zwischen Aegypten Arabien und Palaestina zu
    Hause war, wahrscheinlich in Midian genannten Land=
    strich. Die Religion des Moses war die von
    Ikhnaton eingesetzte hochvergeistigte Verehrung
    des Aton. Das Volk war nicht im Stande diese
    Religion zu ertragen, es schüttelte sie in
    einem Aufruhr ab, bei dem Moses wahrschein=
    lich seinen Tod fand. Auf seiner fortgesetzten
    Wanderung kam der jüdische Stamm in eine
    Gegend, wo er sich anderen verwandten
    Stämmen anschliessen und mit ihnen die dort
    heimische Jahvereligion annehmen konnte. Von
    verlassenen der Mosesreligion her hielt sich eine Tradition a[n]
    ein stark genug war im Laufe der Jahrhun=
    derte die Jahvereligion im Sinne der frühern
    von Moses eingesetzten zu verwandeln.
    genug eine Nothzeit Ausgang, das Intervall
    zwischen dem Auftreten Mosis und der Be=
    sitznahme von Kanaan das in der Bibel durch
    eine 40 jährige Wüstenwanderung gegeben wird, muss
    auf mehrere Jahrhunderte erstreckt werden
    Es ist die Zeit aus der am wenigsten Nachrichten
    vorliegen die von der Tradition am unbrauch=
    barsten erfunden war. Man nimmt allgemein
    an, dass die Niederlassung des jüdischen Volkes
    in Palaestina sich viel langsamer und
    in ganz anderer Weise vollzogen hat, als
    in der Bibel, erzählt wird.
    V (In der Geschichte Bileams haben wir wenigstens eine
    Tradition von einem Anbeter Jahves der nicht Jude
    sondern den Juden feindlich war).
     

  • S.

    5

        p 39 x) Dies darf man wol an die höhere Geistigkeit
    der jüdischen erinnern und an die Neigung
    der Sage, Dichter und Seher blindheit anzu=
    dichten.
     

        2) p 8 X) In diesen Zusammenhang gehört wahrscheinlich
    die von der jüdischen Tradition behauptete
    Untergang des Pharao bei der Verfolgung
    der Flüchtigen.
     

        7 p 12 X) Die Briefe der Amarnazeit gestatten uns einen
    Einblick in die damaligen Palaestina-Syrien
    herrschenden Unruhe, als Vorgängerische
    Orte (Prophet den) Horden Araber und
    die „Habiru“ (Hebraeer?) in’s Land einfielen.
    Diese Vorgänge können die Richtung
    der Züge bestimmt haben, die Moses mit
    seinen Juden einschlug.
     

        p 62 x) Wenn E. Sellin Recht hat mit der Ver=
    muthung dass die Juden ihren grossen Führer
    im Aufruhr getödtet hatten und dann
    vom Schuldgefühl diess von der Tradition
    wiederhölten Verbrechens verfolgt wurden
    so läge hier eine Fortsetzung der Phäno=
    menlehre vor, das an der Entstehung des
    jüdischen Schuldbewusstseins aus der Vater=
    ambivalenz starken Antheil hatte.
     

        16) p 31 Es ist sein Ehrgeiz, der sich in dem Hochmuth
    dieses Volkes spiegelt.
     

        p 62 xx) Hier mag ein Vergleich mit der Religions=
    stiftung Mohammed’s am Platze sein der in
    vieler Hinsichten eine Neuauflage der That
    des Moses ist. Auch Mohammed brachte seinem
    Volk die Einsicht eines einzigen Gottes, und
    einen Fortschritt in der Geistigkeit, die Folge
    war wiederum ein Rausch von Selbstverdräng=
    ung und ein Aufschwung des nationalen
    Selbstgefühls. Aber der historische Verlauf
    war anders. Gott Allah erwies sich dank=
    bar an seinen Anerkennern durch
    stete Eroberungen hienieden. Seinem Volke
    ... Somit konnte die Entwicklung des
    Schuldgefühls ausbleiben die Religion
    erstarrte in der Befriedigung über
    das Erreichte.
     

  • S.

    p 31 O (forts) Note)
    Es ist historisch gesichert dass die endgiltige 4.
    Fixierung des jüdischen Typus der Erfolg der
    Reform von Esra und Nehemia im 5. Jahrhundert
    v. Chr war, also nachexilisch, unter der den Juden
    wohlwollenden Perserherrschaft. Nach unserer
    Rechnung waren damals seit dem Auftreten
    Mosis etwa 900 Jahre vergangen. Damals wurd[e]
    mit den Bestimmungen Ernst gemacht, welche
    die Heiligung des gesammten Volkes bezweck=
    ten, die Absonderung von den Umlebenden
    durch das Verbot der Mischehen durchgesetzt
    der Pentateuch, das eigentliche Gesetzbuch, in
    seiner definitiven Form gebracht, und jene
    Umarbeitung der priesterlichen Tradition vor=
    genommen, die als Priesterredaktion be=
    kannt ist. Es scheint ebenso gewiss, dass diese
    Reform keine neuen Tendenzen einführte
    sondern alte Anregungen aufnahm und
    befestigte.
     

    11) p 21 vorher Im Bibeltext (Exodus 6) eröffnet
    Gott dem Mosis er sei wol der Gott der Ur=
    väter, aber unter seinem Namen Jahve
    hätten sie ihn nicht gekannt. Es wird dann um
    so unberechtigter dass der neu geoffen=
    barte Name nicht gebraucht werden
    dürfte.
     

    12) Jethro der Schwiegervater Mosis
    im Lande Midian wird direkt als Priester
    Jahve’s bezeichnet.
     

    17 XX E. Sellin 1922, der von anderen Gesichtspunkten
    als wir ausgeht und sich auf ein verschiedenes
    artiges Material stützt, gelangt doch auf seinem
    Weg zu einem Urtheil über den Einfluss
    der Mosesreligion, das dem unserigen
    recht nahe kommt. „Mithin haben wir uns
    die eigentliche Religion des Mose, den Glauben
    an den einen sittlichen Gott, den er ver=
    kündet, seitdem von vornherein als das
    Besitztum eines kleinen Kreises im
    Volke vorzustellen. Von vornherein
    dürfen wir nicht erwarten, jenen in
    dem officiellen Kulte, in der
    Religion der Priester in dem Glauben
    des Volkes anzutreffen. Wir können
    von vornherein nur damit rechnen
    dass bald hie bald da einmal ein Funke
    wieder auftaucht von dem Geistesbrand,
     

  • S.

    die er einst entzündet hat, dass seine Ideen
    nicht ganz ausgestorben sind sondern hie und
    da in aller Stille auf Glaube und Sitte
    eingewirkt haben, bis sie etwa früher oder
    später unter der Einwirkung besonderer
    Erlebnisse oder von seinem Geist besonders
    erfasster Persönlichkeiten einmal wieder
    stärker hervorbrachen und Einfluss gewannen
    auf breitere Volksmassen. Unter diesem
    Gesichtswinkel ist von vornherein die
    altisraelitische Religionsgeschichte zu betrachten
    (p 52).

        Sellin zieht die aegyptische Herkunft Moses
    und seines Lehre nicht in Betracht. Er ver=
    setzt ihn in’s 13te Jahrhundert nicht wie
    wir in’s 14te. Er nimmt an, dass der Priester
    über die Empörung in Schittim (Num. 25)
    die Gelegenheit andeutet bei welcher
    Moses getödtet und seine Religion von
    den Abtrünnigen abgeworfen wurde. Die
    40 Jahre, welche die Tradition für die
    Wüstenwanderung ansetzt, könnten dann
    ungefähr den Zeitraum seines Wirk=
    samkeit und der Herrschaft seiner
    Religion umfassen.

    (mehr)
    163 x) Nach der Annahme Sellin’s rückte der Tod
    Mosis bei Hinzutreten der
    Auffassung eines Sühnopfers für Versündigung
    des Volkes. Ein solches Schuldgefühl ob jenes
    Hervorrufens bemächtigte sich der Sekte und
    schuf die Erwartung dass der als Wundertä=
    teter Gemordete dereinst wiederkommen
    werde um das sein Volk seinem
    jeder aber nicht jenen allein das endgültige
    Heil zu bringen. Diese Massenhoffnung bezog
    sich nun auf einen Grossen aus dem
    Hause Davids aber Wenn das so ist, so entfiel
    der Moses tradition auch den Vorläufer und
    das Vorbild der Erlösungsidee des Paulus.
    Es ist keine gleichgiltige Bestätigung unserer
    Ableitung des Schuldgefühls von der grossen
    Vatertödtung, wenn es im diesen Falle auch
    auf die Tödtung des grossen, gottähnlichen
    Führers bezog.
     

        3) p 10 X) Es ist sehr wahrscheinlich dass die Idee der
    Wahrheit (aegypt: Maat) und der Gerechtigkeit
    in der Atonreligion eine hervorragende
    Rolle gespielt haben. Ikhnaton nannte

  • S.

    3a

        6) X p 12) Wenn Moses den Juden wirklich seinen Gott
    den Namen Aton aufdrängte so wurde das
    jüdische Gebot leichter verständlich, jedesmal Adonai zu
    sprechen, wenn sie in der Vorlesung den
    Gottesnamen Jahve fanden. Von welchem Gebrauch
    rührt ja bekanntlich die irrige Vokalisation
    des Gottesnamens als Jehovah.
     

        3) p 10 X) fort sich in seinen Inschriften „lebend in
    Maat (Wahrheit, Gerechtigkeit)“ zu nennen.
    Seine Religion betonte nicht nur die Univer=
    salität und Einzigkeit Gottes sondern auch
    dessen liebevolle Fürsorge für alle Ge=
    schöpfe, sie forderte auf zur Freude an
    der Natur und zum Genuss ihrer Schönhei[t].
    Während der Regierungszeit Ikhnatons ver=
    lor Aegypten wie die Amarnabriefe zeigen
    alle seine Besitzungen in Syrien und
    Palaestina; der König schickte seinen von
    Feinden bedrängten Statthaltern in Asien
    keine Hilfe trotz wiederholter flehent=
    licher Bitten. Die Historiker urtheilen
    ihm Kriegführen und Blutvergiessen
    seinen pazifistischen Grundsätzen wider=
    strebte. Es ist unzweifelhaft geblieben, wie weit
    Ikhnaton in der Vergeistigung des Aton ge=
    gangen ist, ob seine Verehrung der sichtbaren
    Sonnenscheibe galt oder vielmehr der in ihr
    geistigen Macht hinter ihr, die sich durch
    die Sonne äussert.
     

  • S.

    Noten 5

    4) p10 Text Andrerseits betonen die Historiker
    dass in On (Heliopolis), von welcher Stätte die Ver=
    ehrung des Sonnengottes Rê ausgegangen war,
    schon zur Zeit des Grossvaters und Vaters
    Ikhnatons (Thothmes IV und Amenhotep III) eine
    monotheistische Strömung aufkommen
    war, die sich in Gegensatz zum Ammon von
    Theben gestellt und den alten Namen des
    Sonnengottes Atum oder Aton in den Vor=
    dergrund gedrängt hätte. In diese Richtung
    reihte sich der Kurfürst Ikhnaton unter dem
    Einfluss seines M[..]

       9) X) Der Name Atum wird (Weigall l.c. p 12 u 19)
    vielleicht mit dem Adon der Syrer und
    Aphrodite, des Adonis der Griechen in Beziehung
    gebracht. „der Gott Atum, der Rê als
    die untergehende Sonne bezeichnete war
    vielleicht gleichen Ursprungs wie der in
    Nordsyrien allgemein verehrte Aton und
    eine ausländische Königin (Tij, Gemahlin
    Amenhotep III) mag sich darum eher zu Heliopolis hin=“
    gezogen gefühlt haben als zu Theben.

       13) p 24 X) „Akhnaton did not permit any graven
    image to be made of the Aton. The true God
    said the King had no form; and he held
    to this opinion throughout his life.“ (Weigall
    l.c. p. 103).

       14) p 26 X) Nach Breasted bestand eine alte Gegen=
    satz zwischen dem Sonnengott von On
    und Osiris. Weigall (l.c. p121) sagt Ikhnaton
    wollte nichts von einer Tolleranz wissen
    gegen daran schritten man sich durch un=
    gezählte Jahrhunderte flüchten wollte.
    „Akhnaton flung all these formulae into
    the fire. Djins bogies spirits monsters
    demigods demons and Osiris himself with
    all his court were swept into the blaze
    and reduced to ashes.“ In den Grabinschriften
    von Amarna findet sich keine Erwähnung
    des Osiris. Der Glaube an ein Jenseits nach
    dem Tode für die Tugendhaften und
    die Sorge für die Erhaltung des Leibes
    wurde zwar aufrecht erhalten aber es
    ist nicht unwahrscheinlich dass die Lehre
    Ikhnatons später noch Radikaler wurde.

  • S.

    1

    III Die Analogie

    Einzige Analogie zu merkwürd. Vorgang, den
    wir in jüd Religionsgesch. konstatirt, findet
    sich auf einem scheinbar weit abgelegenen
    Gebiet, aber sie ist so vollständig, sie kommt
    Identität nah. Dort finden wir das Phänomen
    der Latenz wieder ausnahmslos das
    Auftauchen unverständlicher, Erklärungs heischender
    Phänomene u die Bedingung d. frühzeitig[en]
    Vergessen[en]. Und ebenso der Charakter
    des Zwanges der sich mit Überwältigung des logischen
    Denkens der Psyche aufdrängt, ein Zug der
    z.B. bei Genese des Epos nicht in
    Betracht kam.
     

        Diese Analogie trifft sich in Psychopathologie
    bei Genese der Neurosen des Menschen, also
    auf einem Gebiet das der Einzelpsychologie angehört,
    während die Religion zur Massenpsychologie
    zu rechnen ist. [?] Massenpsychologen
    wird es nicht überraschen,
    dass Analogie sich hier findet, so dass als in
    [?] Postulat bleibt. [?] ob d.
    Aetiologie der Neurosen überhaupt als eine
    traumatische angesehen werden darf. Einwand
    liegt nahe, dass ein solches Trauma nicht in allen
    Fällen evident ist. Oft muss man begnügen
    zu sagen, es liege nichts anderes vor als
    ungewöhnliche, abnorme Reaktionen auf Erleb--
    nisse u Anforderungen, die alle Indivi[duen] treffen
    u von ihnen in anderer normal genannter
    Weise erledigt u verarbeitet werden.
    Wo zur [Erklärung?] [?] nichts zur Verfügung
    steht als hereditäre u constit. [Disposition?] so ist
    ja dass man sagen versuchs[?] Neurose sei eher
    nicht erworben sondern entwickelt. Aber
    zwei Punkte heben sich hervor. Erstens dass
    Genese d. Neurose überall u jedesmal auf
    sehr frühe Kindheit zurückgeht. So dass
    es unsinnig ist Psychoanalyse zu betreiben
    wenn man diese Urzeiten von Erforschg.
    u Berücksichtigg ausschliesst wie es von
    manchen Seiten geschieht. Zweitens, es ist
    richtig, dass es evidente Fälle giebt, die man
    als traumatische auszeichnet weil die
    Wirkungen unverkennbar auf einen
    oder mehrere starke Eindrücke dieser
    Frühzeit zurückgehen, die sich normaler
    Erledigg entzogen haben so dass man
    urtheilen dass Wirkungen Traumen
    ja dass man sagen könne die Neurose
    nicht vorgekommen wäre [?] [?]
    sich [?] [?] So reichte nun
    für unsere Absichten hin wenn wir
    die gesuchte Analogie nur auf diese
    traumatischen Fälle beschränkten
    müssten. Aber Kluft zwischen beiden
     

  • S.

    2

    Gruppen scheint nicht absolut. sehr gut möglich beides.
    Bedingungen in einer Auffassg zu vereinigen
    Es kommt darauf an, was man als Trauma definirt.
    Wenn dieses Erlebnis den traumat. Charakter
    nur infolge eines quantitativen Faktors
    erwirbt dass also in allen Fällen die Schuld
    an einem Zuviel an Anspruch liegt wenn das
    ungewöhnliche pathol. Reaktionen hervor-
    ruft so kann man leicht sagen dass einer
    Konstitut. wird etwas als Trauma wirken
    was bei Anderer nicht solche Wirkg hätte
    ja [?] ergiebt sich die Vorstellung einer
    gleitenden sog. Ergänzungsreihe wo zwei
    Momente zur ätiol. Erfüllg zusammentreten,
    ein Minder des einen durch ein Mehr des an-
    deren ausgeglichen wird im Allgemeinen
    ein Zusammenwirken stattfindet u nur an
    beiden Enden d. Reihe praktish[?] rein einseitige
    Motivirg der Rede sein kann. Nach diesen
    Erwägg kann man Unterscheid zwischen
    traumat u nicht traumat. Aetiologie
    als unwesentlich für gesuchte Analogie
    verwerfen[?].
     

        Welche Tatsachen enthalten diese Analogie?
    Sie sind wohl bedeutungsvoll für [?] Folgends
    Es hat sich herausgestellt dass, was wir die Symptome
    Phänomene der Neurose (Traumen) heissen
    die wir von gewissen Ereignissen sind,
    die wir deren aetiolog. Faktoren heissen.
    Wir zwei Aufgaben: Gemeinsamkeiten dieser
    Ereignisse sind aufzu[suchen] u 2) [?] neurot. Phänom.
    aufzusuchen (Gewisse Verallgemeinerg
    Schematisierung nicht zu vermeiden der Nothw[endigkeit])
    Ad 1) a) Traumen der frühen
    Kindheit bis etwa 5 Jahre. Wichtigkeit der ersten
    Jahre auf d. Zeit beginnend Sprachfähigkeit
    oder kurz vor 2-4 Jahre als höchste
    als Geburt lässt sich natürlich nicht feststellen
    Zeit 2-4 wichtigste b) sie sind alle vergessen
    Erinnerg nicht zugänglich fallen in Zeit
    Periode der infantilen Amnesie die
    durch einzelne Reste, sog. Deckerinnergn.
    unterbrochen ist. c) sie beziehen sich auf
    Eindrücke sexuell u agress. (gewaltsamer)
    Natur. vll. auch Schädigung d. Ichs
    wegen des [?] dazu bemerken dass
    Kinder zwischen sexuellen u rein gewalts.
    nicht [?] unterscheiden wie später
    (sadist Missverständnis d. Coitus)-
     

  • S.

    3

    In welchem Ausmaass Schädigungen des grossen Ichs
    muss [?] zu sagen. Abnormitäten der Constell
    natürl. sehr auffällig u. verlangt nach theor.
    Würdigung.
     

        Diese drei Punkte gesondert zusammen: Frühzeit
    bis 5j, Vergessenheit, sexuell. aggress. Inhalt.
    die Traumen theils Erfahrungen an Körper
    am eigenen Leib oder Sinneswahrnehmg.
    meist Gesehenes u Gehörtes. also Erlebnisse
    oder Eindrücke. Zusammenhang der drei
    Punkte hergestellt durch eine Theorie
    ein Ergebnis der analyt. Arbeit die
    allein die Kenntnis vermittelt greller
    gesagt obwohl inkorrekter sie in Erinnerung
    zurückbringen kann. Theorie lautet dass im
    Gegensatz zur populären Meinung das Ge-
    schlechtsleben d. Menschen oder was ihm später
    entspricht, Frühblüthe hat die
    mit 5 j. zu Ende ist worauf sog. Latenz-
    zeit folgt in der keine weitere Ent-
    wicklg stattfindet, u das Erreichte theils rück-
    gängig gemacht wird. Solche
    Lehre wird durch anatom. Untersuchung
    des Wachsthums d. inneren Genitalien bestätigt.
    Sie führt zur Vermuthung dass d. Mensch
    von einer Thierart abstammt die mit 5 j.
    geschlechtsreif wurde u. dass Aufschub u zwei-
    zeitige Ansatz des Sexuallebens innigst mit der Menschwerdg.
    zusammenhängt. Mensch scheint einzige
    Thierwesen mit solcher Latenz u. Verspätg.
    [?] [?] an Primaten fehlen u wäre für
    Beweis unentbehrlich. Psycholog kann nicht
    gleichgiltig sein, dass Periode der infant.
    Amnesie mit dieser Frühzeit zusam-
    fällt. Vielleicht [?] dieser Sachverhalt
    die wirkliche Bedingung für Möglichkeit der
    Neurose, die Vorrecht des Thieres[?],
    sodass Neurose als Überbleibsel d. Vorgeschichte
    wäre zum Vergl. mit Rudim. in Anatomie
    uns Körpers. Das sind [?] gesichert
    aber Beides davon unzweifelhaft
    [?] f Anthropologie sehr wichtig.
     

  • S.

    4

    Ad II). Eigenschaft d. neurot. Phänomene.
    2 Punkte. a) es sind entweder positive oder negat.
    Wirkungen des Traumas d.h. Bemühungen das
    alte vergessene Erlebnis wieder real zu machen
    so dass Realität anstatt Erinnerung dabei spricht
    man von Fixierung u Wiederholungszwang der
    Abwehrreaktionen. damit nicht erinnert noch
    wiederholt werden soll. Symptome im engsten
    Sinne sind Kompromissbildungen von
    beiden Strebungen. Man sieht so dass durch
    diesen Gegensatz d. Reaktionen ein Konflikt
    hergestellt wird der kein Ende finden
    kann. b) Alle diese Phänomene, die Symptome
    wie die stabilen Charakterveränderungen
    haben Zwangscharakter, d.h. bei grosser psych.
    Intensität zeigen sie eine weitgehende
    Unabhängigkeit von den logischen Gesetzen der
    anderen s. Vorgänge die der realen Aussenwelt
    Forderungen d real Aussenwelt angepasst
    sind werden durch sie nicht beeinflusst u
    kümmern sich auch nicht um sie so dass sie
    in aktiv. Widerspruch mit ihr gerathen
    sind gleichsam, ein Staat im Staat einer
    unzugänglichen Partei, der es aber gelingen
    kann das Andere, das Normale, zu über-
    wältigen in ihren Dienst zu zwingen
    damit ist Herrschaft einer psychischen Realität über
    die reale Aussenwelt hergestellt, der Weg zur
    Psychose eröffnet. Auch wo es nicht soweit kommt
    Lebenshemmung (Lebensunfähigkeit) der von
    Neurosen behafteten Personen ein in der
    menschlichen Gesellschaft sehr grosser Vorgang[?]
    in dem man direkt Fixierung an
    Stück früher Vergangenh.
    erkennen muss.
     

        Wie steht es mit Latenz? Auf Trauma
    kann unmittelbar eine neurot.
    Erkrankg folgen. Kinderneurose erfüllt
    von Konflikt um Bemächtigung d. Triebes
    unter Bildg von Symptomen. Diese Neurose
    kann als latente Neurose Zeit lang anhalten
    oder auch latent verlaufen, übersehen
    werden. Meist behält Abwehr die Ober-
    hand auf jeden Fall bleiben Veränd-
    erungen im Ich wie Narbenbildg zurück.
    In Regel folgt [?] Zeit
    anscheinend ungestörter Entwick-
    lung. [?] unterbricht oder ermöglicht
    durch Eintritt d. Latenzzeit, bis durch
    Eintritt der Pubertät der pubertäre
    oder nachher wichtige endgültige
    Neurose als Wirkung manifest
    das Trauma sich enthüllt. Im erstere[n]
     

  • S.

    5

    Fall wenn theils in Latenzzeit die ent-
    wickelten Theile sich weigern dem
    Kampf eines unbewussten Triebes im
    zweiten Fall weil die bei der ersten Abwehr
    hergestellten Ichveränderungen erweisen
    sich nun als hinderlich gegen
    die Realität nöthigen Lebensaufgaben
    Das Phänomen
    einer Latenz der Neurose bis z. späteren
    Ausbruch ist typisch zu nennen. diese
    Erkrankung als eine Art Heilungsversuch der
    Abspaltung des Ichs [?] Antrieb aufzuheben
    will diese Abspaltung [?] [?] der
    [?] Ichs [?] ist ein Versuch
    der [?] endet meist unglücklich
    [?] es oft genug mit völliger
    Vernichtung des Ichs oder Überwältigg
    durch den abgespaltenen Theil endet.
    Um die Richtigkeit d. Überzeugung des
    Lesers davon ist unmöglich ohne die
    Weitläufigkeit u Erörterung der Evidenz
    die Charakter dieser Abhandlg völlig
    aufheben u wieder den Arzt in Neurosen-
    lehre umwandeln. Vorbehaltl. weigere[?] zu
    gewährleisten wird darum den Leser bitten
    dass er Vorstehenden abgekürzt
    zusammengefassten Behauptungen Glauben
    schenkt womit das Zugeständnis verbunden
    ist dass er die Folgerungen zur Annahme
    braucht unter Bedingung dass diese Lehren
    als Voraussetzungen richtig sind. Hierzu
    Versuch gemacht einiges an einzelnem
    Beispiel zu beweisen.
     

        Ein Knäblein das Schlafzimmer d. Eltern
    theilt, hat wiederholt ja regelmässig
    Gelegenheit im Alter von kaum
    erreichter Sprachfähigkeit die sexuellen Vor-
    gänge zwischen Eltern zu beobachten
    zu sehen u noch mehr zu hören.
    In seiner späteren Neurose die sofort nach ersten
    Pollution i Pubertät ausbricht ist Schlaflosigkeit
    frühzeitig u auffälligstes Symptom. Er ist ausser-
    ordentl empfindlich gegen
    nächtl Geräusche u. kann Schlaf nicht
    wieder finden, was ich als ein richtiges
    Kompromisssymptom werth[?] einerseits Ausdruck seiner
    Abwehr gegen Wiederholung [?] an-
    dererseits Wachhalten um diese
    Situation Wachen wiederherzustellen
    in der er sie beobachten musste.
     

  • S.

    6

    durch diese Beobachtung frühzeitig zu aggressiver
    Männlichkeit geweckt, begann er frühzeitig
    seinen kleinen Penis mit Hand zu erregen
    u verschiedene Angriffe auf Mutter zu
    machen bis er sich von ihr dieses Verbot, das
    Glied zu berühren u Castrationsdrohung
    von Seiten des Vaters holt. diese Drohung
    wirkt als gewaltiges Trauma u. ändert
    auf alle früheren späteren Zeiten Charak-
    ter, trauriges, da sie das Aufgeben
    in der Folge der infantilen Thätigkeit wird
    sind theils weil die sexuelle Thätigkeit
    Symptome [?] 
    die Identificierung d. Abbild des Vaters. P[?] 
    erwachen in [Sextrieben?] in [?][?] [?]
    ungewissenhaft. die Latenzzeit erstreckte sich nach
    Pubertät, die Unbeeinflussbarkeit d[urch] äussere
    [?] der Vater drohenden Kastrat. [Krankheit?] Symptom
    sogar sexuall. d.h. Glied als der Thätigkeit wider-
    setzt [?] ungetraut. [?] hat sich das unser Vater
    als da[?] die Identificierung psychische Onanie. die
    Affekte der Drohung tritt ihn in patholog[?] 
    [?] dem der passiven Aktivität in
    Liebe der Mutter ein. Da der
    [?] sich an Mutter damit
    [?] er Liebe z. Schutz gegen Vater[?] [?] 
    die [?] Modifik. d. Oedipuskomplex. Nach Entbehr[?] 
    äusserte sich die sexuelle Thätigkeit in path[?] 
    [?] als er später doch eine Frau fand
    in Identif mit Vater dessen grausamen
    Wütherich [Eigenschaften?] wachrufen er kopierte
    In Analyse pflegte er Hass an Vater halten.
    [?] [?] Identif mit in voller Mütter-
    mord[?] die im Gefühle von Vater-
    verehrung unterdrückt worden war. Symptome
    zeigen sie sind auch theilw in Wiederholg.
    Dies unzweifelhaft [?] [?] .
    Es mag dieser Fall theilweise hierhin dienen als
    Theil der gesuchten Analogie Heranziehung möchte
    hier noch hinzufügen dass die späte
    Krankheit des unerfreulichen Charakters aus dem
    aggressiven Vater identificiert wobei
    Züge des Überichs v. Aggression
    überwiegten Im Ganzen mag sich dieser
    Krankheitsfall mit seinen besonderen
    Aetiologie von der Analogie zur
    Religionsgesch. die wir suchen weit entfern[en].
     

  • S.

    7

    IV Anwendung u Schwierigkeiten

    Frühes Trauma - Abwehr - Latenz - Ausbruch
    d. Neurose - theilweise Wiederkehr d. Verdrängten.
    Dies war die Formel die wir für Entwicklg. einer
    Neurose aufgestellt haben. Der Leser
    wird nun eingeladen den Schritt zu
    machen u anzunehmen dass im Leben des
    Menschengeschlechts ähnliches vorgefallen ist wie
    in dem des Individ. also dass es auch
    hier Vorgänge grosser sex. aggress. Inhalte
    [?] gegeben die Folgen hinterliessen
    aber zumeist abgewehrt, vergessen wurden
    nach langer Latenzzeit Wirkung bekom-
    men u ähnliches wie die Symptome in Aufbau
    u Tendenz geschaffen haben. Wir glauben
    diese Vorgänge errathen zu können u dass
    Folgen derselben die Symptome der Religionen
    sind. Da sich seit dem Auftauchen [der]
    Evolutionsidee nicht mehr bezweifeln
    lässt dass das Menschengeschlecht eine
    Vorgeschichte hat und da diese unbekannt, das
    heisst vergessen ist, hat ein solcher Schluss
    beinahe das Gewicht eines Postulats.
    Wenn wir erfahren dass die wirksamen u.
    vergessenen Traumen sich hier wie dort
    auf das Leben in der menschlichen Familie
    beziehen, werden wir diess als
    hocherwünschte [,] nicht vorhergesehene,
    von bisherig. Erörterungen nicht
    geforderte Zugabe begrüssen.
    Habe ich vor 25 J. in Totem u Tabu aus-
    geführt u habe dies hier zu wiederholen.
    Die Konstruktion geht von einer Vermuthung
    Darwin aus u bezieht eine Vermuthung von
    Atkinson in sich. besagt dass in Urzeiten
    der Urmensch in kleinen Horden lebte unter
    der Herrschaft eines starken
    Männchens. Zeit ist nicht angebbar Anschluss
    an geolog. Epochen nicht zu errathen ebens
    wesentlich aber die Annahme, dass die zu beschreibenden
    Schicksale alle Menschen, alle unsere Ahnen betroffen.
    wird in grossartiger Verdichtung erzählt als ob
    sich einmalig zugetragen, was sich in Wirklichkeit
    über Jahrtausende wiederholt worden
    ist. das starke Männchen war Herr u Vater der ganz
    Horde unbeschränkt alle [Frauen] u [Töchter] waren
    sein Eigentum die Frauen der eignen [?]
    [?] die von anderen Horden geraubten
    Schicksal der Söhne war hart, wenn sie die Eifersucht
    d. Vaters erregten, wurden sie erschlagen
    oder vertrieben. Darauf angewiesen sich
    in Gemeinschaften zusammen zu leben und sich dann
    [?] [?] [?] [?] [?]
    Position wie Vater emporzuarbeiten.
    Eine gewisse Ausnahmestellg ergab sich für die
    jüngsten Söhne, die durch Mütter geschützt
     

  • S.

    8

    von Altern des Vaters profitirt. von der Bevor-
    zugung der älteren Söhne als Bevor-
    zugung der jüngsten glaubt man Nachklänge in
    Märchen der Sagen zu [erkennen].
     

        Nächster entscheidender Schritt d. Änderg. dieser erst.
    socialen Einrichtg soll gewesen sein dass die
    vertriebenen in Gemeinschaft lebenden
    Brüder sich zusammenthaten, den Vater
    überwältigten u ihn nach Sitte jener Zeiten
    roh verzehrten. An dem Kannibalismus braucht
    man keinen Anstoss nehmen, er ragt weit
    in spätere Zeiten hinein. Wesentlich dass
    wir den Urmenschen diese Gefühls einstellg
    zuschreiben die sie zeigen wie
    sie bei Primitiven u Kindern der Gegen-
    wart herrschen, nicht nur gehasst u gefürchtet
    sondern auch geliebt u. als Vorbild
    verehrt u. dass jeder in Wirklichkeit
    an seine Stelle treten wollte. der
    kannib. Akt wird verständl. als Versuch
    sich durch Einverleibg. eines Stückes von
    ihm der Identificirung zu versichern.
    Es ist anzunehmen dass nach der Vatertödtung
    eine längere Zeit folgte in der die
    Brüder mit einander um das Erbe stritten
    da jeder für sich allein d[ie] Herrschaft haben wollte.
    Nach Einsicht in die Gefahren u.
    die Erfolglosigkeit dieser Kämpfe, d[ie]
    Erinnerg. an d. gemeinsam vollbrachte Be-
    freiungsthat u die Gefühlsbindungen an-
    einander die in Zeiten der
    Vertreibung entstanden waren (führten)
    zu Einigung unter ihnen, Form
    von Gesellschaftsvertrag. Also
    erste soziale Organisation mit Triebverzicht
    Anerkennung von Verpflichtungen. Einsetzg.
    als bindend anerk. Moral u Recht. Jeder
    verzichtete auf Erwerb der Vaterstellung
    auf Besitz Mutter u Schwestern. Also
    Gebot der Exogamie. [Ein] Theil der Macht
    ging auf Frauen über Matriarchat
    Periode von [?] d. Erinnerung an
    Vater [lebte] [?] Vatermord
    durch die Reue in der Totem=Mahl-
    zeit als theilweise Triumph und [Opfer]
    Gedenkfest der verbündeten Brüder.
    [?] des Vaters aber wurde
    ein starkes u. gefürchtetes Thier eingesetzt
    [als] Ersatz der Vaterreligion [?]?
     

  • S.

    9

    als erste Religionsform Totemism. Totem=Vaterer-
    satz in Verehrung dess. u Totemmahlzeit die
    dessen Ambivalenz erhalten, beständig
    wiederholt. Dann Fortschritt (ver)menschlichte
    Götter (Muttergottheiten. deren Söhne)
    schon als Vater nach Mittelperiode
    d. Matriarchats u. Mutterrechts, Väter, während
    männliche Götter theils als Söhne neben
    Mutter, theils als Vatergestalten
    Endlich Einziger über (unbeschränkte) Götter (durch irgend was beschränkte)
    die Eigenschaften der Urzeit. und
    dann Erhebung vor dem wir stehen Wieder-
    kehr des Urvaters, des einen, einzigen unbe-
    schränkten Vatergottes.
     

        Ganze mag phantastisch scheinen gemäss Lücken-
    haft und viel blinde Vermuthung. Aber doch
    haltbar. ist natürlich in erster Rich-
    tung aufgebaut worden von Thümmern[Trümmern]
    von Vorgänger. theils davon haben noch
    in Gegenwart einen Niederschlag
    Totemismus Männerbünde von anderen
    sind die Repliken so Totemmahlzeit
    in Christlichem Ritus andere in Märchen
    Mythen d. Märchen, fast unübersehbar. So die
    Thierphobien der Knaben von Vater gefor[mt]
    die Gefahr der Kastration. Mord u. dgl.
    auch diese Reminiszenzen aus alter
    Zeit [?] Mythen. Und was
    Ganze also dass religiöse Lehren
    Riten theils Überbleibsel (Fixierung)
    an alte Familiengeschichte theils
    als Wiederherstellungen des Vergangenen
    nach langen Intervallen. Letzteres ist der
    Antheil der am längsten übersehen
    wurde, was verkannt wird am wenigstens
    einzelnen Beispiel erweisen
    werden dann
    hervorgetreten dass Stücke aus Vergangenheit
    wiederkehrend d[ie] Eigenschaft einer
    Macht durchsetzen, den unwiderstehlichen
    Einfluss auf die Massen ausüben, aller
    logischen Kritik unzugänglich den
    Anspruch auf Wahrheit erhebt,
     

  • S.

    10

    gegen den logischen Einspruch machtlos ist
    wie das credo quia absurdum. Dieser merk-
    würdige Charakter l. Zeugen[?] sich erklärt sich
    nur nach Muster des Irrwahns der
    Psychotiker. Längst verstanden dass in der
    Wahnidee ein Stück von [?] Wahrheit ein
    Stück vergessener Wahrheit steckt das sich bei seiner
    Wiederkehr Entstellungen u Missverständnissen
    gefallen lassen muss, u dass die zwanghafte
    Überzeugung die sich für den Wahn her-
    stellt, von diesem Wahrheitskern aus-
    geht und sich auf die umhüllenden
    Irrthümer ausbreitet. Einen solchen Ge-
    halt an historisch zu nennender Wahr-
    heit müssen wir auch den Glaubens-
    sätzen der Religionen zugestehen, die
    zwar den Charakter psychotischer Symptome
    an sich tragen, aber als Massen-
    phänomen dem Fluch der Isolierung
    entzogen sind.
     

        Kein anderes Stück Religionsgeschichte ist
    uns so durchsichtig geworden wie die
    Einsetzung des Monotheismus im
    Judentum u dessen Fortsetzung durch
    die christl. Religion. Beinahe so durchsichtig
    wie die Entwicklg vom thierischen zum
    Menschgott in den Stadien wo der Gott
    das Thier als Begleitthier dann als Begleittier und
    Lieblingsthier mit sich führt (Noch der
    christliche Evangelist!) Lassen wir
    vorläufig die pharaonische Weltherrschaft
    als Anlass zum Auftauchen der Monoth
    Idee gelten, so sehen wir dass diese
    Idee von ihrem Boden losgelöst
    auf ein anderes Volk übertragen
    von diesem nach langer Latenz Besitz
    ergreift, als kostbarster Besitz gehütet
    wird u ihrerseits dieses Volk am
    Leben erhält, ihm den Stolz d. Auserwähl-
    heit schenkt. Es ist die Religion des
    Urvaters an die sich Hoffnung auf Be-
    lohnung, Auszeichnung, Weltherrschaft
    knüpft. Letztere noch in Phantasie
    von Feinden (Weisen von
    Zion) festgehalten. Charakter u-
     

  • S.

    11

    Geschichte d. jüd. Volkes. Besitz d. Wahrheit Hochachtung
    Intellekt ethische Sublimierung Übertonung des
    intellektuellen Überwindung Magie u Mystik
    Fortschritt in Geistigkeit. Hochschätzung der Ethik
    Ethische Religion Lebenswandel in Wahrheit
    u Gerechtigkeit.
    Wiedereinsetzung des Urvaters ein grosser
    Gewinn. Aber konnte dabei nicht bleiben. Aus
    Urzeit drängten andere Theile, vordringlich[?]
    Schuldgef. der Mörder zur Befriedigung[?]
    Bemächtigt es sich d. Volkes als Vorläufer zur
    Wiederkehr des Aton- Urvaters. Bis Einer aus
    diesem Volk in der Justifizierung eines politisch-
    religiösen Agitators den Anlass fand, mit
    dem eine neue, die christl. Religion sich vom Juden-
    thum ablöste. Paulus, ein röm Jude
    aus Tarsus, fasste das Schuldgefühl des
    Menschen auf u fasste das Verbrechen als Wahr--
    heit auf, nannte es Erbsünde. Sünde an Gott
    der ein Menschenmord durch Blut des Erlö--
    sers gesühnt. Also Erbsünde in das
    Christus der [?] Mörder des Urvaters Sühne
    der Vater muss Mörder des Vaters gethan
    Phantasie. Mancherlei Sühnung hat
    Mysterien d. Religion d. Griechen d. Messias
    wol Paulus eigener Gedanke. Moses
    direkt von Volk oder Christ
    D zeigt sich darin, dass Sohn Gott
    Christus unschuldig tödten liess u die Schuld
    der Mörder auf sich nahm. Ein Sohn musste
    es sein, denn es war ja ein Mord an
    Vater gewesen. Ein Mensch erlöste aus Tod der Vaters
    einmal an das Kreuz, an das das
    ward [?] durch ihn Erlöser [?] Sohn
    hob Religion auf. Judenthum, Mutter
    Religion der Väter. Vielgötterei,
    Gottes Sohn, der wieder vorhersagte, Polytheism
    wiederaufleben von Magie u Mystik.
    Darum allgemein Abneigung gegen Christenthum
    des Jüdischen. Rache des Paulus. Rache
    Dabei haben wir wichtig Zusatz
    Begründung des Antisemit. a) Vorwurf
    dass sie Gott getödtet b) Glaube der Rache
    c) Neid auf Erwähltsein d. Juden
    d) Rache für Aufdrängen d Christentums.
    als zeitlich letztes Motiv.
    Christentum entspricht einem Rückschritt
    in der Vergeistigung. (Aberglaube)
     

  • S.

    12

    So möglich sein wird Entstehg der monoth
    Idee im Judenvolk aufzuklären
    Vielleicht ein bischen. Kann unvergleichlich 
    sein, dass die Juden, die in Kadesch die
    Katastr. d. Vatertödtung an d Moses
    wiederholt haben, diese That in Erwarten
    eines Sühne opfers [?] haben. die
    in Ausleg. der [?] als Verleugnung des Opfers
    und so Anhaltspkte für Christenthum
    geben. Soll nicht eine [?] [?] [?] 
    [?] der Welt Phantasie den Menschen
    Erlöser den Messias als Erlöser bringen
    sollte [?] im Sinne des Moses [?] [?] [?] 
    Vorgänger von Christus ist der gewiss jener
    grossen Thats. als der er hingewies
    Sühne aufgesprochen hat. Paulus brauchte
    dann nicht allein erlassene Juden auf--
    zufassen u ihre künftigen den Mord an
    Moses schon Thatsache, daran fand er
    die Reue stützte das Schuldbew. u die Erlösung.
    Diese neue That ist Wahrheit am Christentg.
    wie nicht Volk d. Messias ist
    wirklich gekommen, Er ist ja getödtet worden
    [?] wie sie selbst gesprochen und
    nämlich darauf baute Paulus seine jüd--
    Tradition auch das erwies sich der theilweis.
    Erlöser wichtig religös Trieb der die
    verdrängt Ehrfurcht d. Moses waren
    bei ihm Antheil zu irgend Ort von Be--
    [?] ausgedrungen. Es ist eigentliche
    indem Menschg Judenthums durch die Prophet.
    vorwiegend Judenthum die jüd Religions[stiftung]
    auf die des ägypt. Moses Bezug hat
    der jüd Vergeistigkeit aus d eigentl
    Aegypten Judenthum von d. Kaste
    war von Sellin entdeckte Mord an Moses
    wichtigste Stück der Beweisung. Paulus
    hat Weg gefund., indem er diesen
    Mord als Realität ansetzte u. Sühne
    [?] Anerkenng Christi an die Stelle
    ihrer des theilw. Moses. Hinter ihm
    wiederverstandene Moses Hinter dem
    der wiedergegebene Urvater
    er stand verkleidet, u gleichzeitig als
    Sohn an seiner Stelle.
     

  • S.

    13

    So wäre es vielleicht geglückt die Analogie
    zwischen neurot. Vorgängen u den religiösen
    Geschehnissen durchzuführen u damit auf
    den unvermutheten Ursprung d. letzteren hin--
    zuweisen. Bei solcher Übertragg auf psychol
    [d] Massenpsych. stellen sich hauptsächlich
    zwei Schwierigk. heraus. denen wir uns
    jetzt zuwenden. Erste, dass wir eigentlich
    nur einen Fall aus Phänomenologie
    d. Religionen behandelt u sehr wenig
    kein Licht geworfen auf die anderen. Mit
    Bedauern eingestehen dass der Autor nur
    mehr als diese eine Probe geben kann
    nicht über Fachwissen erlaubt reicht des Autors
    lässt ihn bescheiden zurücktreten. Er kann noch
    ferner, Mahomed. Religion es scheint
    wie abgekürzte Wiederholg d. jüdischen
    Religionsstiftung wie Nachahmung d.
    Wiedergewinnung des einen grossen Urvaters
    worauf ausserord. Hebung d. Selbstbew.
    erfolgte, die sich in weltlichen Erfolgen
    erschöpfte. während innere Entwicklung der
    neuen R[eligion] theils an der Vertiefg die bei
    Juden durch den Mord an Religionsstifter
    u. Moses der un- Vater verursacht wurde.
    Die anscheinend rationalist. Religionen
    des Ostens sind im Wirklichen Ahnen--
    kult machen also auch Halt [?] einem [?] 
    der Reconstruction d. Vergangenen
    Halt. Wenn es richtig ist dass bei pri--
    mitiven Religions[völkern] der Glaube an einen
    einzigen, höchst. Wesens gefunden wird
    wird so kann man das nicht als Vorüber--
    gehenden in Religionsentwicklung ansehen
    wie der Analogie in den ungezählten
    Fällen der rudimentären Religionen auf
    jenem anderen Gebiet. Warum es
    hier u. dort nicht weiter gegangen ist
    Dafür fehlt uns das Verständnis. Müssen
    wir auf Begabung der Indiv. zurück
    oder der Völker für diese religiöse Begabg.
    Richtung ihrer Thätigkeit.
     

  • S.

    14

    Zweite Schwierigkeit, die sich bei dieser Über--
    trag[ung] auf Massenpsych. ergiebt ist weit schwer-
    wiegender von prinzipieller Natur u. wirft die
    Frage: wie Tradition wird in welcher Form
    vorhanden ist. Gehn wir auf unser erstes Beisp.
    zurück. Wir haben das Compromiss in Qadeš
    auf Fortbestand Tradition der Rückkehrer zurück--
    geführt. Dies ist Fall der kein Problem
    aufwirft. Nach unser Annahme handelt es sich
    um Tradition (bew. Erinnerg) an Mittheilungen
    von Seiten d. Augenzeugen, nur 2 Generation.
    von ihnen entfernt. Aber in folgenden Jahrhun--
    dert wie dasselbe glauben, dass Tradition
    immer ein auf normale Weise mitgetheiltes
    Wissen zur Grundlage hatte, vom Ahn auf
    Enkel übergeht. Welches die Personen
    sind die dies Wissen bewahren u mündlich
    fortpflanzen lässt sich kaum mehr wie im
    früheren Fall aufzeigen. So ist zwar nach
    Sellin Tradit. vom Mord an Moses in
    Priesterkreis. vorh. u. findet auch
    endlich schriftl. Ausdruck durch den er Sellin
    sie nicht errathen könne. Aber sie
    kann nur Wenigen bekannt gewesen
    sein, war kein Volksgut. Dieser Einwurf
    in d Tradit an diesen Ausspruch Sellin’s
    anknüpfend, so giebt es dann kein Problem
    aber. Reicht das aus? Und kann man nun
    solche Wissen Weniger Einflüsse der
    Masse zuschreiben die Massen ergreift, wenn
    es zu ihrer Kenntnis kommt? Es sieht doch auch
    als müsste auch in der unwissenden Masse etwas
    vorhanden sein was dem Wissen der
    Wenigen irgendwie verwandt ist u. ihm
    entgegenkommt wenn sie geäussert wird.
    Noch schwieriger wird Beurtheilg wenn
    wir zum analog Vorgang Situation in d
    Urzeit wenden von dem Uebergang einen
    Urvater in Land der Gewohnheit gewiss
    [?] vergessen worden. Keine mündl Tradit.
    wie im Falle Moses kann angenomm.
    werden. In welchem Form ist sie
    geblieben, war sie besonders psych.
    Zustand eigentlich den man ohne[?] [?] 
    Glaube das Individuum hat er immer gewusst wie man
    eben um Verdrängtes weiss. Wir
    haben uns ja gebildet durch die endlos
    ja aus Analysen vervollständigten Vorstellg.
     

  • S.

    15

    gebildet wie etwas vergessen u wie es nach
    Weile wieder z. Vorschein kommen kann.
    Das Vergessene ist nicht ausgelöscht und ver--
    drängt. Erinnerungen sind vorhanden durch Gegen--
    besetzg isolirt. Können nicht in Verkehr mit
    anderen intellekt. Vorgängen treten sind
    ubw dem Bw nicht zugänglich. Aber es
    sind gewisse Antheile des Verdrängten doch
    erhalten bleiben u wenn auch isolirt bw
    Erinnerg zugänglich. ob es das so sein aber
    es braucht nicht. Verdräng. kann auch vollständig
    sein. Das Verdrängte behält Auftrieb
    Streben bis zum bw vorzudringen, kann
    es erreichen unter drei Bedingungen
    1) wenn die Stärke der Gegenbesetzung herabgesetzt
    wird. 2) wenn die am Verdrängten haftenden
    Triebantheile eine besondere Verstärkung
    erfahren 3) wenn im rezenten Erleben
    Eindrücke, Erlebnisse auftreten, die dem Ver-
    drängten so ähnlich sind, dass sie es zu er-
    wecken vermögen.
    In beiden Fällen
    kommt es nicht glatt z. Bw: immer Verdräng
    mit Entstellung die Einfluss der Wider--
    stände der Gegenbesetzg zeigen oder den
    des modifizierenden rezenten Eindrucks in
    [?] beider. Man kann behaupten, Vorgang
    des ubw in bw gemacht werden. mit Hilfe
    der Vorstellgn die dem bw gehören. Wir
    haben als Kennzeichen u Orientierg
    Tatsache das Vdrgt ubw u nun
    wäre es so einfach wenn wir überzeugt
    hätten Differenz bw. u ubw decken
    sich mit ich [?] u was das ubw.
    Tatsache dass es in Seele solches Isolirt Ubw
    giebt wäre wichtig genug. Leider
    ist es complizirter. richtig, dass alles Verdrg.
    ubw ist aber nicht dass alles vom Ich bw.
    ist. Bw ist flüchtige Qualität vorüber--
    gehend, muss „bw“ ersetzen durch
    bw-fähig „vbw“. Ich ist auch vbw nicht
    ubw.
    Müssen andere Unterscheidung ein--
    führen, die nicht mehr qual. sondern
    topisch u. was Vorzüge theilt genetisch
    Nennen unser eigentliches bw sein davon trennen
    wir das Verdrängte hat sich in einem
    gewissen Zustand befunden u Es
    da wird aber genetisch in d. R.
    geworden haben, zweites heisst die virtell[e]
    Bw thut gen.[?] d.[?] also theil[?] [?]
    müssen wir [?] u theils davon
    gesondert Es. Hierüber was l[ange] ist dann
     

  • S.

    16

    dem Bewusstsein aber doch erfahrene unter--
    scheidet als das historisch dunkle Erinnerg
    D Entweder Antheil des unbewussten Es von
    eigentlich. Ich ein Theil des Ubw sich des
    (I Ichs ubw [?]) Pro[zess?] [?] sich wie Es darum
    zwei Geschichtspunkte unterscheiden sie von einander
    der Qualit. (bw oder ubw) den genetischen (Ich oder
    Es) dem sicher. (oder oft oder nicht. Complizir[t]
    mich unsere Auffass. Alles leichter zu
    verstehen, wenn wir die beiden psychisch
    Antheile trennen, das das vbw (Ich) und das
    Es (mit Vdg) unterscheiden. Müssen diese Form
    Ich Organisation von die über= 
    heb. sich dem um[?] in werden ge= 
    hörig. [?] r Ich [?] u. [?]
    werden. Unbew. V[?] d.[?] den[?] [?]
    Vorgänge der psych d[er] Th[eile] im ubw (Ich)
    die auf das Ersch. in Gestaltig[en] halten
    sich Vorgänge sich v hd. unbewusste G
    Dynamik Organisation theils durch
    Vergleich zu erlaütern?
    Unbewusste Charakter von dem wir ausge= 
    gangen wird allmälig unwichtig ob Qualit.
    bw oder ubw. Nothwendiges dass vbw
    in alleng[?] G[ebieten?] ein Wahrnehmung hängt
    durch die den Geruchs- Gehörs- Gesichtsempfindg
    [?] Alle Denkvorgänge u was ihnen
    im Es analog ist, bleiben insich ubw. verlang.
    zur dem des Bewusstwerd nur Einzig
    sind theils durch die aus Verbundg
    mit Gehörseindrücken Gehör- Gesicht- [?] 
    zu bw geschafft. Wenn die
    Schwierigen Uebergänge aber, wegen
    Sprache vereinfacht schwer in 
    Kindheitserinnerg Errinnerung drängen nicht
    in Vbw vor oder bald in Es Zustand
    zurückversetzt (verdrängt) Ihr Reste
    wird dann unbew Es u. handelt sich
    immer um Selbsterlebtes. Von da an
    Plas[?] [?] [?] [?] an
    dass wir glauben haben 
    schon in Individ. nicht erlebte
    sondern mitgebracht Dinge vorhanden
    Stücke archaischer Erbschaft. Neue Frage,
    worin besteht u. was enthält sie
    was sind ihre Beweise?
     

  • S.

    17

    erste nächste sicherste Antwort: in bestimm[ten]
    Dispositionen, wie bei allen Organismen
    besteht, Fähigkt Neigung, bestimte Ent--
    wicklgrichtung einzuschlagen u auf gewisse
    Erregungen Reize, Eindrücke, in bestimmter
    Weise zu reagiren. Da Erfahrung zeigt
    dass sich hier von Anfang Differenz[en] er--
    geben, erfasst arch Erbschaft in diese
    Differenz, schliesst diese ein. Da aber
    Mensch[?] wenig z Zeit dasselbe erleben
    reagiren sich in gleichem Theil, als ob diese
    Reakt auf diese Erlebnisse mit ihren
    Variationen zur arch Erbschaft gehören.
    Nun ein Eindruck bis auf Differenzen
    keine Auskunft über Inhalt arch. Erbschaft.
    Nun Analyse einige Ergebnisse geliefert
    die zu denken geben: Erstens etwas wie
    Allgemeinheit der Sprachsymbolik allen
    Kindern geläufig. Erlernen un= und
    weitbar oder selbst möglich. arch Erbschaft
    auch Sprachausdrücken zu Beweis d.
    Ausfall d[?] sich im [?] weisen
    Jedes Kinder[?] den[?] Überreste
    kann nicht mehr sich[?] der un[?]
    Individuell überlebt [?] auch nun
    Anschluss ausgedehnt Disponiren
    [?] bei d. Einfl. u. Positivirung
    aber was was darüber hinausgeht. Wir
    wie diese Reaktionen auf jene frühen Traumen
    studiren d[ie] oft aus[?] den für sich
    ganz Erlebt entfernt
    darüber hinaus in phyl[o]g[enet.] Weise hinausgeh[en]
    sind was[?] wie sehr wirkl. aber
    unbegr. so dass es darum, das lieb[t]
    als was sie nicht reelles Leben
    bedingt, sondern folg. Vorbild d. das
    nur dies phylogenet früherer Geschlechter
    gewesen war. kann als ph[?] = 
    gn phylogenet. begreifen. Ganz Die Diomen[?]
    das Verhältnis zu Eltern, im Oedip[us]
    u Kastrations[komplex] voll von solchen
    indiv. ungerechtfertig[ten] Reaktionen.
    [?] wie [?] bei all[en]
    Zweifeln beweis dass Reste an arch.
    blos Erlebtes vorhanden sind, thate [that sächliche]
    das Erleben aus d. Generationen
     

  • S.

    18

    damit Umfang d. archaisch. Erbschaft in ent--
    scheidend[er] Weise erweitert u nun ist
    nicht abzusehen was sie alles umfassen
    kann.
    Bei näherer Besinnung müssen wir sagen, wir
    haben uns immer so benommen als ob Ein--
    wirkung von Erfahrungen abgesehen von Er--
    ziehung Mittheilg. u Beispiel also Tradi--
    tion unbedenklich existirt, in der Erbschaft
    wir annehmen dass von einer Tradition
    in einem Volke Volkscharakter u dgl.
    gesprochen haben wir diese vererbte
    Tradit gemeint, nicht die durch Mittheilg fort--
    gepflanzte. Wirklich ohne uns klar machen
    was für inkompatible theor. Schwierigkeiten
    diese in biolog. Wissenschaft die von Ver--
    erbg erworbener Eigenschaften auf Nach--
    kommen nichts wissen will. Gestehen
    wir uns dass wir trotzdem diese
    biolog Entwicklung auf keinen Anwegen
    Faktor in biolog. Entwicklg nicht entbehren
    können. Es ist nicht ganz dasselbe
    handelt sich nicht um erworbene Eigenschaften
    sondern eine Erwerb an Form die wir
    aussern[?] etwas im Grund muss man sich
    kaum das eine ohne andere nicht vorstellen
    können. Eigenschaften sind schwer zu fassen
    Erinnerungen sind etwas Bestimmt Greifbares
    Wenn wir die das Vorhandensein
    von solchen Erinnerung in arch Erbschaft an--
    nehmen haben wir Kluft zwischen Einzel--
    u Massenpsychol überbrückt. Können vom
    Volk handeln wie vom Neurotiker
    handeln laut der analyt. Einsichten u.
    wo phylogen Erbschaft wies, zur Klärung
    fehlt. ein [?] giebt es Nichts.
    Sachverhalt muss sich Form abweisen aber
    scheint dass wir ohne sie in Massen
    Psychologie nicht erklären können. Wir
    müssen die bisher in arch. Erbschaft Instinkte
    der Thiere in unvermeidliche Kühnheit
    einbeziehen u Totem u Tabu ist darauf auf--
    gebaut. War die Formel in jener wir
    einfach Form dass [gewisse?] M[?] haben
    jene Einzelnen dass dieser Vater den gr
    Menschh. dass sie Urvater besessen
    und ihn erschlagen haben
     

  • S.

    19

    So handelt es sich jetzt um zwei Punkte 1)
    unter welchen Bedingg. eine solch Er- in die
    arch. Erbschaft eintritt 2) unter welchen sie
    aktiv werden u aus ubw zu bw wer--
    den kann darf man wol fordern dass das
    Ereigniss bedeutsam u eindrucksvoll
    genug war u sich oft genug wiederholt
    hat. Beide sind im Fall d. Vatertödtg
    erfüllt. Zu 2) Eine[?] zur[?] [?] von
    Einflüssen die nicht alle bekannt sein
    brauchen. Vielleicht spontaner Ablauf
    möglich, wie manchmal bei Neurose d[a]s
    scheint gewiss, Erweckung durch reale
    Wiederholung entscheidend. aus alten
    Analogie weil Mord an Moses u. somit
    stärker d. dieser in Vordergrund der
    Ursache des jüd Monoth (als ob ohne
    ihn der ganze Vorgang sich nicht hätte
    abspielen können. Unterschied vom
    Mahomet's Fall. Zusatz: Eine Tradition
    Noch ein wichtiger Au[s]dr[uck] wär,
    es war der a[u]ch Zwangschara[k]ter eigen
    den man an religiösen Phänomenen
    findet. Wurde angehört beurtheilt
    eventuell verworfen worden wie
    jede andere Nachricht von aussen. Sie
    muss erst verdrängt worden ge[wesen]
    sein, einh[e] sie so wieder[ke]hre, darum
    ist dies abweichend in B Wege
    ist das abschliess. Urtheil Beglaubigung
    wichtiger Beweis für den Vorgang.
    Ueber dieses psycholog. [?] mit
    dazu unsere Th[eori]e von Natur der relig.
    P[hänomene] u[nd] n[u]r Werthhaftigk[ei]t verdankt
    Er[k]enntn[is] des Monoth. Speciell das
    Judenthum auf[?] Plant.
    „Was unsterblich im Gesang soll leben
    Muss im Leben untergehen“
     

    Nachträge d[er] grosse M[ann] - Bedeutung des
    [A]rchaismus u d[as] Garantiemässigen--
    problem d. U[n]wirklich[e] der Religiosität
    [E]t[h]ik d. Rolle d. Trieb[re]n[u]g d.[?]
    Einfluss der culturell Sublimation
    als Aufforderung z. Regression.
     

  • S.

    20.

    Charakter d. Heiligkeit. Sociale Nothwendigk.
    Ursprung der M[oralitä]t I. Zwangcharakter
    Bedürfnis nach Illusion I. Willensfreiheit
     

    Nachträge

    In all u jedem [?] [?] [?] um
    zu Glauben, dass d[as] Problem d. Religion
    voll gelöst sei. Wahr[?] dass hiemit anders
    dieser psycholog. Beitrag Nur Erkenntnis
    also ist dass Religionswiss aus [?] des
    Un[bewussten] Familie [?] [?] [?] 
    Erklären in die klärende [?] 
    was wir von uns haben, ist ein Stück Phar--
    macologie Die Geschichte Ja ist prominent sich
    gewiss vielfache aetiolog Momente, der
    zu sondern interessantes Detail. Nächste Auf--
    gabe wäre sondern von Nothwendigk u Zu--
    fälligem. Die psychologische Thatsache Ange--
    borene Constitution psycholog. Besitze sind
    Nothwendigk dass die Bilder[?] frü[h] K[in]d--
    heit mit psych. so[?] fassen. Von Traumen
    einige ubw [?] [?] meist von aussen
    Schicksale die Person, Familie früh[er] Traum
    Masse der Menschh, das einzelne Leben
    erfahrt Bedeutendes. Ganz ähnlich muss
    die Erbschaft der Menschheit sein. Psych.
    Erbschaft müssen deshalb sein [u] Nothwe--
    [ndigkeit] hat sich Nothwendigkeit, theil[s] des
    Antriebs werden. Einer Periode [g]egeben
    Menschengesch. Völkern[?] die g[en]eration So dass
    Alte gehalten die Betrachtung, sei[n] wir pha--
    ntast. Bemühung sich Bilder[?] [?] 
    äusserem Erlebnis im prominirenden
    Bedingg ausgeordnet u an der Ver[?]--
    neinung[?] ausser Einflüssen sind. bedeu--
    tend die Ueberwältigung der Phantasie
    haben in grosser [Periode] die Menschheit
    Das aller Psychoanalyt. Sexual Motiv
    x Aetiologie aus dem der Rolle d[er] Bedingung
    die Bereitsch. d Libido alles ganz Unbe--
    kannt. Einsicht langsam wie bei von
    die da Theorie d. Monotheismus abweichen
    Die Mitperson die Urvaters fängt gehorch[?] 
    Nur sie Durch neue Mannes Offenbar--
    ung das Nothwendigk an gewisse
    Offenbarungsreligion [?] 
    [W]ert festlegte. Ob diese psychologische
    sicher lehrt ob es am Ende religiös d[arauf]
    Ich bestehe d[en] l[e]tzten M[in]uten psych.
     

  • S.

    21

    von denen jeder Vater übereinstimmen aber
    sich auf die Concurrenz d Brüder be--
    schränken will. ist nicht zu sagen, wahrscheinl.
    nur Haltung der Verdrängung
    gegen dies[?] d. d. Gemeinschaft dies bei
    Überwältigung d Vaters nothwendig erweist.
    vor der That was Menschheit noch in
    tragischen Fall behalt. Individ.[?] Grund
    giebt mehr als Ausrede daran Theil haben
    Mord an Moses die einzig Thatsache wäre
    die Beweiskraft dieses E[inzel]falls. der grosse
    Mann an den sich diese E[rin]ner[ung]
    wird zu Führer[s]chaft u Vorbild copirt
    wie Moses d[er] Erwähnte s[i]e
    bereit waren oder auch fremde
    Personen (Mohammed[?]) d[er] grosse Mann wird
    nicht als Herrscher u [?] 
    Rollen d Vaters auf dem die Motive des
    Einzellebens u auf den Er [sich] vereinigt
    u[nd] in d[er] a[ufw]eist. die That sind er--
    weckt sich nach d[er] That Tyrannen auf
    [B]eschreibung d[ie] Phantasie Rolle des
    [M]it[b]ringers oder Führers Moses, Moh--
    ammed vom Vater von Christus
    oder [Pau]lus von Zweiten
    auch dass dies Reich auch Thatsache bei ganz
    ungläub.[?] Leuten ist als B[eispie]l angeführt
    möglich. Volks[?] [?] [?] 
    [?] Anlass b[e]w[e]gt so durchau[s]
    gegen mächtigen Wahrnehmungen müsste
    Moments und das im Sinne ihrer Bedeut[un]g
    zu erstreiten. dem Treiben verwand--
    test[?] unbefriedigt Wirklichkeit Platz erhaltend
    unser haben Erinnerung an den Vater
    der Aufstand über dessen Recht Entscheidun[g]
    auf psych. Verhältniss wendet wirkt [?]
    erscheint um den Perzent in bereit
    Reich d. Natur. durch Vision Erlebnis [?]
    das [einzige] Individuum. in Process
    In d[en] r[e]i[nen?] allen Religion den Trieb--
    Trieb[e] v[e]rt[r]ä[g]t un[?] T[hema?] Trieb
    Rebellion lässt durch Philosoph auf Charakter
    Natur u[n]d Religion wird hi[e]r
    Vielleicht z[u]r Ergänzung d[e]s Restes d[er] Sonne
    [verlobene] Eros: Tod=Destruktion
    [g]leichsam Physiolog. Gruppirung: Erhaltung--
    [f]ortpflanzung Identificirung in Gesell--
    schaft
     

  • S.

    22

    mosaisch - sexuelle sociale Triebe Vergleich mit Bünde[n]
    die furchterregende[n] Alexander[?] -
    den Trieb [?] un[s] [?]
    unser Rechtfertig. Religionen.
    Verneinung die es nicht Notwendig thut Gottes[?]
    Wiederkehrung des Vaters aller That
    wieher[um][?] d. wä[h]r[e]nd Versehen Nachlass
    Relig der E[i]n des That[sa]che des
    Thotschlages verdrängt[?] macht d[a]ss G[ott]
    die Erfolgt werde i[h]m Namen des geboten
    von diesen das Gewissen das Erb das--
    selbe Verdrängen hat
    Anlass d ersten [B]eschneid. Moral = Entscheidg[?] 
    was man thun, u. was man nicht
    thun darf. – Ursprünglich Wille, Willkür des
    Urvaters Vater [Klang] d[e]s Er [?][?] d. Nach--
    seiner besiegten Übermensch v[on] der Be--
    schneidungen die ihren Willen Exogamie
    u Totemismus im d. Anfang der Moral
    schliesst sie den Vater oder Process Alle
    solche [Regulirgn?] gleichsam in [Ehren]
    des Vaters in Gottheiten seines Willens
    ein Einbleibt in [Leben] Exogamie [?] 
    u alle Nützlich Noth d[e]s auf Sinne
    Mitleid [?] [?] s[i]nd s[?] [?]?
    Rechtfertigkeit anders Theil s[i]nd der Allen[?]?
    Vorschriften auch Cultur Nothwendigkeit
    hatte der Natur beschuldigt mit
    Gesellschaft konnte nicht bestehen in der
    Trieben Rivalität [aufg]eht [?] [Wille]
    des Vaters Wille war eine Rache
    Motive dies Volkes d[er] Sozial Not--
    w[e]ndigkeit das es scheint ein gewisser
    Sinn d. seine[?] z[u] verlegen weil
    diese Triebe die versch[ie]d[e]nen Reste d Vaters
    die sonst weil ein E[r]geb[n]i[ss]
    der Ueberschneid[un]g bei seinem Unwillen
    der Moralischen Einigkeit aus Grund
    das s[einer] des D[es]p[o]t[e]n im w[ü]sth[?] 
    Hintergrund die Ethik Ethik Recht
    sich als Analogie zu unserer Maassregel
    Macht [?] wegen seinen Trieben
    das Charakter zu verdrängen
     

  • S.

    23

    Rolle Analogie wie Epikur oder s[i]ch [?] 
    womöglich eine Culturschöpfung [?]?
    zu entringen. Religiös[er] Wahns[inn] dafür
    Vielleicht bringt sie auf diese unrichtigen
    Wege was angelangt. Rolle d. [Inkubation]--
    scheints Wahrheit [?] der Vergeistigung d[er] Erbschaft
    Moralität. Fortschritt der [Intellekt.] Ver[?] 
    bedinge d. Einrückung d. Über=Ich[s]
    [?] Entw[icklung] d[er] Sexualität auf dies. Wege
    [?] der [?] Trieb[?] d. d
    M[?] Übergang[?] in den Formen d.
    Sexualleben d. der theil[?] ungleichmässig ist
    möglich [?] dass es gelingen sollte
    alle d. Culturwelt[?] uns[er]er Weite G[?] 
    die es sieh[t] d[e]r d.[?] thut fürs [Halbe] weis[?]
    social [?] wie d. d. Gewissen[?] 
    [?] dasselbe u d. thun sie sich im
    Ganzen d. theils ind[ividual?] t beio--
    logisch. [?] sich die dies. Natur[?]
    [?] Volkes wie das hat nach Bestande[?]
    Lebens [?] g[eht] Möglichkt der
    u Aufrecht[erhaltg.] der Verwandlung d[?]
    Menschengeschlechtes den [Weg] [?] 
    zur Einschränk[g.] der Cultur gefährdt [?]
    hadernden Juden falls man versprochen ht[?] 
    Gelegenheit d[ie]s [?] greifbar ists die [?] 
    der des festen Also Cultur[?] in Rela=
    tive [d] Religion!! Nicht d[en] P[s]ycho--
    Analytikern[?] verbleibt u so wird Motiv
    der Religiös[ität] Cultur [?] d.[?] 
    die so[g.] Forderungen des Ueber=Ichs werden
    das thut[?] andere. In Geschichte Ab=
    sicht[?] [die] Realität. In d[er] [?] 
    Erinn[er]ung d. Oscillet g[r][öss]t[en][?] s[o]lch[er] [?] zu
    weit. d un[ser]e
    M nicht an
    beobachten. Die Möglichkeit solcher
    Erwartung dieser Pha[n] k[a]nn z[u]r d[er]
    E[r]w[eiterung?] Erörterungen [w]erden[?] 
     

  • S.

    24

    Verwunderung wie solche Unsinnigkeiten
    zwischen d. Trieben herrschen Realität ext.
    stehen können da Verstand sich infolge äusserer
    Realität entwickelt erworben ist. äussere
    Realität ist voraussichtlich heute wie dies
    schon das auch d. Instinkte geschaffen hat.
    Triebe sind wie alles organisch Körper
    weder [?] auf der äusseren Realität
    eingestellt. die Triebe sind also Ausdruck
    dieses unerschlossenen Inneren [?]
    durchaus Vergangenhteit besser als Wandel
    Psych[e] erlebte das Ein tiefes in ein aus
    Schichten der Seele geordnetes Aggregat
    vererbt wird. Wiederherstellung daselbst
    Kraft hier seinen Aberkennung Theil an
    seiner Vergangenheit wie Form[?] g[e]blieben[?]
    Konflikt mit historischen Th[eil] d[e]r Tradition
    Kompromisse über Triebwünsche. beginn
    nicht derart [z. B. also?] [?] 
    Jener wird als ein aetiolog. Moment.
    Konflikt Ein vergesse[nes] ihm innewo[hnendes]
    Theil mit Unverständnis der Art.
     

  • S.

     

    Noten 4

    Verzeichniss der Werke aus denen ich haupt=
    sächlich geschöpft habe:
    Encyclopedia Britannica 11th edition
    The Cambridge Ancient History vol I-III. 1924-5.
    Jüdisches Lexikon von Herlitz und Kirschner
        Bd I-V. 1930.
    Eduard Meyer Die Israeliten und ihre Nachbar=
        stämme. 1906.
    Paul Volz, Mose, Tübingen 1907
    Hugo Gressmann Mose und seine Zeit 1913.
    Ernst Sellin Mose und seine Bedeutung für
        die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte 1922
    Flavius Josephus Jüdische Alterthümer, übersetzt
        von H. Clementz. 1923
    W. Robertson Smith The old testament in the Jewish
        Church 1881.
    Baentsch altorientalischer und israelitischer
        Monotheismus, 1906
    In der Schreibweise aegyptischer Namen
    bin ich der Cambridge Ancient History
    gefolgt.
    Stade Geschichte des Volkes Israel 1887
    Die Werke Philos von Alexandria übersetzt von
        Leopold Cohn 1909 I. Teil, über das Leben
        Mosis (übersetzt von Badt)
    J. H. Breasted. The Dawn of Conscience 1934
    Artur Weigall The life and times of Akhnaton 1923
    James Baikie The Amarna Age 1926.
     

  • S.

     

    Schlüssel zu den Noten

    1) auf Seite 4. – Noten 2 Mitte
    2) nach S. 8 – Noten 3a
    3) auf S 10 oben – Noten 4a u forts a
    4) auf S 10 unten – Noten 1 u Noten 5 forts.
    5) auf S 12 oben. – Noten 3/4
    6) " S 12 Mitte. – Noten 5a
    7) " S 12 unten – Noten 3a
    8) S 19 – Text forts – Noten 1
    9) S 21 – oben – Noten 5
    10) S 21 – Mitte. Text. Noten 1
    11) S 21 Mitte " Noten 2
    12) S 21 unten – Noten 4
    13) S 24 – Noten 5
    14) S 26 – Text – Noten 6
    15) S 27 – Noten 3
    16) Seite 31 – Noten 4 fortsetzg
    usw.