Das Werk und die Korrespondenz von Sigmund Freud werden getrennt in einem Werkverzeichnis und einem Briefverzeichnis erfasst. Darin werden sowohl publizierte als auch noch nicht veröffentlichte Schriften aufgenommen.
WERK
In das Verzeichnis der Werke werden sowohl die zu Lebzeiten Freud publizierten Werke aufgenommen, als auch die Schriften aus dem Nachlass und Miszellen, die bislang nicht oder erst posthum veröffentlicht wurden.
Werksignatur
Den Signaturen liegt ein spezifischer Werkbegriff zugrunde, wie er in den Functional Requirements for Bibliographic Recording definiert wird, das ein Entitäten-Beziehungsmodell für genaue bibliografische Erfassungen zur Verfügung stellt, welches von den vier Entitäten Werk, Expression, Manifestation und Exemplar (work, expression, manifestation, item) ausgeht.
Für das System der Signaturen sind die Entitäten Werk und Manifestation relevant. Ein Werk wird hier als abstrakte Entität aufgefasst, also als eine einheitliche, intellektuelle (oder künstlerische) Schöpfung, die in seiner physischen Verkörperung in mehreren Manifestationen vorliegen kann.
Jedes Werk ist mit einer Signatur versehen. Leitend dafür ist bei den von Freud zur Publikation gebrachten Werke das Jahr der Erstpublikation und bei den zu Freuds Lebzeiten nicht veröffentlichten Werken das Jahr der Niederschrift.
Um die Werke innerhalb eines Jahres zu ordnen, wurden Werkkategorien eingeführt, die über ein numerischen Zusatz charakterisiert sind. Bei der Reihung der Werke innerhalb einer Werkkategorie wird versucht eine gewisse Chronologie einzuhalten, was aber nur bedingt gelingt.
So bezeichnet 1911-001 Freuds Werk Formulierungen über die zwei Prinzipien des Psychischen Geschehens, erstveröffentlicht 1911. Der Zusatz 001 verweist darauf, dass dieses Werk der Kategorie "wissenschaftliches Werk" zugeordnet ist und (wahrscheinlich) als erstes Werk dieser Kategorie in diesem Jahr erschienen ist.
1922-101 bezeichnet Freuds Werk Das Medusenhaupt, das 1922 vom Autor zu Papier gebracht, aber erst posthum publiziert wurde. Der Zusatz 101 verweist darauf, dass dieses Werk der Kategorie „Manuskript“ (aus den Schriften aus dem Nachlass) zugeordnet ist und (wahrscheinlich) als erstes Werk dieser Kategorie in diesem Jahr erschienen ist.
Signatur der historischen Werk-Manifestationen, Referenzierung
Die Signatur einer Werkmanifestation generiert sich aus der Werksignatur und dem Erscheinungsjahr der entsprechenden Manifestation. Finden sich in diesem Jahr mehrere Werkmanifestationen, sind diese – getrennt durch einen Punkt – nummeriert.
1920-004/1925 bezeichnet das Werk Jenseits des Lustprinzips in der Fassung der Gesammelten Schriften, Band 6, der 1925 erschienen ist.
Referezierung: Der Verweis auf eine bestimmte Textstelle innerhalb einer historischen Manifestation erfolgt über die Signatur der Manifestation, ergänzt um die entsprechende Seitenzahl.
1920-004/1925:192 bezeichnet die Seite 192 von Jenseits des Lustprinzips in der Fassung der Gesammelten Schriften, Band 6, der 1925 erschienen ist.
Signatur des konstituierten Textes eines Werkes der Sigmund Freud Edition (FE)
Die Signaturen der konstituierten Texte setzen sich aus der Werksignatur und einem "F" zusammen. Darin kommt zum Ausdruck, dass diese Edition nicht eine neue Ausgabe ist, sondern in ihr über den Variantenapparat alle Werkmanifestation Berücksichtigung finden.
1920-004F bezeichnet den im Rahmen des Erschließungsprozeses der FE konstituierten Text des Werkes Jenseits des Lustprinzips, der auf der Ausgabe letzter Hand beruht und an den über den Variantenapparat das Ergebnis der Kollationierung aller historischen Überlieferungsträger angegliedert ist.
Referenzierung im konstituierten Text
Im Unterschied zur diplomatischen Umschrift der Ausgabe letzter Hand eines Druckwerkes besteht beim Konstituierten Text der wesentliche Unterschied darin, dass dieser Text in einen Fließtext umgewandelt wird, also die Zeilen- und Seitenumbrüche aufgehoben sind. Die Absatzformatierung bliebt bestehen und dient als Bezugspunkt für die Referenzierung. Will man eine Stelle zitieren, dann wird diese über die Signatur der Werkmanifestation und die Nummer des entsprechenden Absatzes definiert.
1920-004F:24 bezeichnet den Absatz 24 der im Rahmen der FE konstituierten Manifestation von Jenseits des Lustprinzips.
Bei Schriften aus dem Nachlass bleiben die Zeilenumbrüche erhalten, die Seitenumbrüche werden aber ebenfalls aufgelöst und der Text wird in einen Fließtext umgewandelt. Die Absatzformatierung bleibt bestehen und dient auch hier als Bezugspunkt für die Referenzierung.
Die Signatur 1922-101F:5 bezeichnet den Absatz 5 aus Freuds Werk Das Medusenhaupt in der Fassung der FE, ein Manuskript aus dem Nachlass, das erst posthum publiziert wurde.
Sonderfälle
Doppelsignaturen: Die (Teil-)Manifestation eines Werkes oder Briefes kann zugleich auch die (Teil-)Manifestation eines zweiten Werkes sein, etwas wenn in einem Brief oder einem Protokoll eine erste Manifestation (Zusammenfassung des Inhaltes) eines Werkes zum Ausdruck kommt oder zumindest Erwähnung findet.
Nun hat der Brief eine Signatur, die sich von der zugehörigen Korrespondenz ableitet und das Briefdatum enthält.
Eine Werkmanifestation wiederum würde von der Signatur des Werkes ausgehen und als Zusatz das Jahr der Niederschrift/Publikation dieser Manifestation erhalten.
Um das anzuzeigen führen wir in diesen Fällen Signaturen, wobei die beiden Signaturen durch einen doppelten Schrägstrich voneinander getrennt werden.
Die Signatur 1911-001/1910.01//F-JCG/1910-06-19 bezeichnet hier den ersten Entwurf zum Werk Formulierungen über die zwei Prinzipien des Psychischen Geschehens mit der Signatur 1911-001, der in diesem Dokument, einem Brief von Freud an C. G. Jung mit der Signatur F-JCG/1910-06-19 mit dem Titel Die beiden Prinzipien der psychischen Aktion und die Erziehung aus 1910 erwähnt wird.
Verweise (Konkordanz mit M-P/FH)
In jenen Fällen, in denen nach dem Werkverständnis ein Eintrag bei M-P/F/H nicht auf ein Werk im Sinne des Werkverständnisses der FE verweist sonder auf eine Werkmanifestation, wird dies im Werkverzeichnis jeweils am Ende eines Jahrganges dadurch angezeigt, dass in der Spalte der Signatur bei M-P/F/H diese angeführt wird, in der Spalte der FE-Signatur mittels eines Pfeiles auf die Signatur des Werkes verwiesen wird, in dessen Rahmen sich die entsprechende Manifestation findet.
Der Verweis >1900-001/1910 | 1910l am Ende der Einträge im Werkverzeichnis im Jahr 1910 zum Werk Typisches Beispiel eines verkappten Ödipustraumes wird in der FE als Teilpublikation unter dem Dach des Werkes Die Traumdeutung geführt, weil der Text ein Jahr später als Zusatz in die dritte Auflage von Die Traumdeutung mit der Signatur 1900-001/1911 Eingang gefunden hat. Bei Meyer-Palmedo/Fichtner wird diese Schrift als eigenes Werk geführt, weil sie erstmals 1910 im Zentralblatt der Psychoanalyse als eigener Text erschienen war.
KORRESPONDENZ
Signaturen der Korrespondenzen
Die Signaturen der Korrespondenzen generieren sich aus den Namen (Namenskürzel) von Sigmund Freud und den Namen derjenigen, mit denen er korrespondiert hat, nach einem Schrägstrich folgt der Zeitraum, ausgedrückt in Jahren, in dem diese Korrespondenz stattfand.
Die Signatur F-EE/1895-1910 bezeichnet die Korrespondenz von Sigmund Freud mit Emma Eckstein.
Signaturen der einzelnen Briefe
Geordnet nach Korrespondenzen generieren sich die Signaturen für die einzelnen Briefe darin aus den Namen (Namenskürzel) der Person, die den Breif geschreiben hat und der PErson, die ihn empfangen hat, nach einem Schrägstrich folgt das Datum des Briefes.
Die Signatur F-EE/1902-01-16 bezeichnet den Brief von Freud an Emma Eckstein vom 16. Jänner 1902.
Referenzierung: Die Signatur F-EE/1902-01-16:3 verweist auf den 3. Absatz 5 in Freuds Brief an Emma Eckstein vom 16. Jänner 1902.
Konkordanz zu den Signaturen von FE, Grinstein, M-P/F/H, SFG)
Im Werkverzeichnis sind neben den Signaturen Sigmund Freud Edition auch jene Signaturen zu finden, die im Gefolge von Angela Richards in der Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz (M-P/F/H) von Ingeborg Meyer-Palmedo, Gerhard Fichtner (1999, Fischer Verlag) und Albrecht Hirschmüller (2014, Addenda und Corrigenda in elektronischer Version) vergeben wurden.
Im Verzeichnis der Werkmanifestationen der FE, das sich bei jedem Werk findet, sind zusätzlich noch die betreffenden Signaturen der Sigmund Freud Gesamtausgabe von Christfried Tögel (SFG) und Grinsteins "identifying numbers" aus seinem Index of Psychoanalytic Writings angeführt.
Zu jeder Korrespondenz findet sich eine Auswahl-Bibliografie zu den bisherigen Veröffentlichungen, in der die Signaturen, wie sie in der Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz (M-P/F/H) vergeben wurden, angeführt sind.
Diese Verzeichnisse waren für die Arbeit an der Sigmund Freud Edition eine unverzichtbare Hilfe. Leider konnten wir keines der bisher vorliegenden Signatursysteme übernehmen, da diese Bibliografien nur die publizierten Schriften enthalten, wir in der FE von einem spezifischen Werk-Verständnis ausgehen, auch die bislang nicht publizierten Textzeugen und alle publizierten und noch nicht publizierten Briefe aufnehmen und zudem jeder einzelnen Werkmanifestation und jedem Brief eine eigene Signatur zuordnen.
Wir sind aber der Systematik von Christfried Tögel insofern gefolgt, als wir seine numerische Form des Zusatzes zum Erscheinungsjahr übernommen haben, aber statt seiner zweistelligen Zusätze haben wir dreistellige gewählt, bei denen zusätzlich eine kategoriale Ordnung zum Ausdruck kommt.
Christine Diercks 2014-2026, zuletzt [2026-07-05]