Umfang 

Nicht nur seine wissenschaftlichen Werke, sondern auch seine Briefe weisen Freud als Schriftsteller ersten Ranges aus. Poetisch, komplex, konnotationsreich und tiefgründig in Sprache und Denken, zeugen sie – oft noch mehr als seine wissenschaftlichen Essays und Krankengeschichten – von seiner stilistischen Größe, seiner meisterhaften Sprachbeherrschung, seinem Witz und seiner beißenden Schärfe, seiner Beobachtungsgabe, aber auch seinen persönlichen Stärken und Schwächen. 
Die Briefe sind aber nicht nur ein literarisches und zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges, sondern auch eine einzigartige historische Quelle nicht nur für Freuds Biografie und die der hier erwähnten Personen, die Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, die psychoanalytische Ideengeschichte und die Entwicklung der psychoanalytischen Behandlungstechnik und deren Theorie. Zusätzlich waren sie oft auch das Medium, das Freud zur Anleitung, Analyse und Supervision von Kollegen verwendete. 
Die Briefe werden damit gleichsam zu einem parallelen Œuvre und stellen, vor allem was die großen Schülerkorrespondenzen betrifft, eine unverzichtbare Ergänzung und Vervollständigung des wissenschaftlichen Werkes dar.  

Durch die Aufnahme des gesamten überlieferten Briefwerkes in die Edition wird eine enge Verknüpfung des gesamten Korrespondenz Freuds mit seinem wissenschaftlichen Werk möglich, was eine ganz neue Form der Durchdringung der Texte mit sich bringt, da sich diese beiden Œuvres gegenseitig potenzieren. 
Freuds Korrespondenz übertrifft in ihrem Umfang deutlich den seiner wissenschaftlichen Arbeiten: Seriöse Schätzungen aufgrund der erhaltenen Briefe bzw. von Listen, die Freud über seinen Briefverkehr geführt hat, gehen von 20.000 oder mehr Briefen aus, die Freud im Laufe seines Lebens geschrieben hat. Die wichtigsten Korrespondenzen sind inzwischen publiziert.

Im Brief-Œuvre werden nicht nur alle überlieferten Briefe, Postkarten, Ansichtskarten, Telegramme, Briefumschläge und Beilagen, die Sigmund Freud verfasst oder erhalten hat, erfasst, sondern auch Briefentwürfe und Sendungen, von deren Existenz wir nur Kenntnis haben, deren Inhalt wir aber nicht – oder nur in Auszügen oder über Abschriften oder aus Berichten – kennen. Die Schreiben sind nach Autor und Adressat gegliedert und in Korrespondenzen zusammengefasst.

Briefverzeichnis

Die Korrespondenzen liegen alphabetisch geordnet nach den Namen der Personen und Institutionen vor, mit denen Freud korrespondierte. 
Innerhalb einer Korrespondenz sind die Briefe von und an Freud getrennt nach Datum gelistet. 
Derzeit weist das Briefverzeichnis der Edition über 17.000 Briefe und Gegenbriefe auf. Es setzt sich aus dem Verzeichnis der Faksimiles zusammen, die wir in dieser Edition bisher aufnehmen konnten und wird laufend ergänzt von den Einträgen aus dem Briefverzeichnis von Christfried Tögel, das auch Schreiben anführt, von denen wir noch keine Ablichtungen machen konnten oder zu denen keine Überlieferungsträger bekannt sind. 

Von allen Personen dieser Korrespondenz werden Namenkürzel angelegt. Aus diesen Kürzeln und dem Datum des Schreibens generiert sich die Signatur der einzelnen Briefe. 
Über eine Konkordanz werden diese Signaturen mit den Signaturen des Werkverzeichnisses von M-P/F/H in Beziehung gesetzt. 

Christine Diercks, Ernst Falzeder, 2012-2025 [zuletzt 2026-05-26]