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-lung des Totemismus, der die Anfänge von
Religion, Sittlichkeit und sozialer Glieder-
ung in sich faßt und der gewaltsamen
Tötung des Oberhaupts und der Umwand-
lung der Vaterhorde in eine Brüder-
gemeinde zusam̄enhängt.x) Es ist dies zwar
nur eine Hypothese wie so viele andere,
mit denen die Praehistoriker das
Dunkel der Urzeit aufzuhellen ver-
suchen – eine just so story nannte sie
witzig ein nicht unliebenswürdiger engl-
ischer Kritiker (Kroeger) – aber ich
meine, es ist ehrenvoll für eine solche
Hypothese, wenn sie sich geeignet zeigt
Zusam̄enhang und Verständnis auf
immer neuen Gebieten zu schaffen.Die menschlichen Massen zeigen uns
wiederum das vertraute Bild des über-
[starken] Einzelnen inmitten einer
[Schar von gleichen] Genossen, das auch in
[der folgende Teil der Seite fehlt]x) Totem und Tabu, 2 Aufl 1920.
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so kann sich aus einem beliebigen
Menschenhaufen die Urhorde wieder
herstellen;sobaldsoweit die Massen-
bildung die Menschen habituell beherrscht,
erkennen wir den Fortbestand der
Urhorde in ihr. Wir müßen schließen,
die Psychologie der Masse sei die
älteste Menschenpsychologie; was
wir unter Vernachlässigung aller
Massenreste als Individualpsychologie
isolirt haben, hat sich erst später, all-
mälich und sozusagen immer noch
nurerstpartiell aus der alten Massenpsychologie
herausgehoben. Wir werden noch
den Versuch wagen, den Ausgangspunkt
dieser Entwicklung anzugeben.Eine nächste Überlegung zeigt uns,
in welchem Punkt diese Behauptung
einer Berichtigung bedarf. Die Individual-S.
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Zu Eingang der Menschheitsgeschichte war
er der Übermensch, den Nietzsche erst
von der Zukunft erwartete. Noch heute
bedürfen die Massenindividuen der
Vorspiegelung, daß sie in gleicher und
gerechter Weise vom Führer geliebt
werden, aber der Führer selbst braucht
niemand anderen zu lieben, er darf
von Herrennatur sein, absolut narzißtisch,
aber selbstsicher und selbständig. Wir
wissen, daß die Liebe den Narzißmus
eindämmt und könnten nachweisen, wie
sie durch diese Wirkung Kultur-
faktor geworden ist.Der Urvater der
¿¿Horde war noch
nicht unsterblich, wie er es später durch
Vergottung wurde. Wenn er starb, mußte
er ersetzt werden; an seine Stelle
trat wahrscheinlich ein jüngster Sohn
[der] bis dahin Massenindividuum ge-
[wesen war wie ein] anderer. Es mußS.
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in die Massenpsychologie. Seine sexuelle
Eifersucht und Intoleranz sind in letzter
Linie die Ursache der Massenpsycho-
logie geworden. x) Es läßt sich etwa annehmen, daß die
vertriebenen Söhne, vom Vater getrennt,
den Fortschritt von der Identifizirung
mit einander zur homoseullen Obejkt-
liebe machten und so die Freiheit gewanen,
den Vater zu tödten. Für den, der sein
Nachfolger wurde, war auch die Möglich-
keit der sexuellen Befriedigung
gegeben und damit der Austritt aus
den Bedingungen der Massenpsychologie
eröffnet. Die Fixirung der¿¿ ¿¿
Libido an das Weib, die Möglichkeit
der Befriedigung ohne Aufschub
und Aufspeicherung machte der Be-
deutung zielgehemmter Sexualstreb-
ungen ein Ende und ließ den Nar-
zißmus immer zur gleichen Höhe an-
steigen. Auf diese Beziehung der Liebe
zur Charakterbildung werden wir
in einem Nachtrag zurückkommen.Geben wir noch als besonders lehrreich
[hervor, in welcher] Beziehung […]S.
CD (DU) und Anmerkung)
Zu diesem Fragment der Reinschrift:
Dieses Fragment, versehen mit der Seitenzahl 73, sowie folgende Teile der Seite 74, 75 und 76) sind in der Sigmund Freud Edition als Fragment des Entwurfes dem zugehörigen Werk ›Massenpsychologie und Ich‑Analyse‹ (1971-001)
Freud, Sigmund (1921-001 /1921.01: Massenpsychologie und Ich-Analyse, Fragment der Reinschrift.
Es ist dem Werk ›Massenpsychologie und Ich-Analyse‹ zuzuordnen, und hier dem Beginn von Kapitel X, Die Masse und die Urhorde:
"Im Jahre 1912 habe ich die Vermutung von Ch. Darwin aufgenommen, daß die Urform der menschlichen Gesellschaft die von einem starken Männchen unumschränkt beherrschte Horde war. Ich habe darzulegen versucht, daß die Schicksale dieser Horde unzerstörbare Spuren in der menschlichen Erbgeschichte hinterlassen haben, speziell, daß die Entwicklung des Totemismus, der die Anfänge von Religion, Sittlichkeit und sozialer Gliederung in sich faßt, mit der gewaltsamen Tötung des Oberhauptes und der Umwandlung der Vaterhorde in eine Brüdergemeinde zusammenhängt."
Das Original dieses Fragments findet sich in der Library of Congress in einer Mappe mit anderen Fragmenten und zahlreichen Transkriptionen und Anmerkungen, verfasst von Marion Palmedo (ca 1985).
Digitalisiert und veröffentlicht wurde dieses Konvolut 2017:
Sigmund Freud Papers: Oversize, -1985; Writings; Undated; Unidentified fragments, holograph manuscript and typed transcripts. - 1985, 1859. Manuscript/Mixed Material. https://www.loc.gov/item/mss3999002121/.