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des Traumes, dass zwei Personen drei Karten für’s Theater nehmen
sollen!Nun die Traumgedanken: Ein Unsinn war es doch, so früh
zu heirathen; ich hätte es nicht nöthig gehabt, mich so zu
beeilen. An dem Beispiel der Elise L. sehe ich, dass ich immer
noch einen Mann bekommen hätte, und zwar einen hundertmal
besseren (Mann, Schatz), wenn ich nur gewartet hätte. Drei solche
Männer hätte ich mir für das Geld (die Mitgift) kaufen können!VIII.
Nachdem wir in den vorstehenden Darlegungen die Traumarbeit
kennen gelernt haben, werden wir wohl geneigt sein, sie für einen ganz
besonderen psychischen Vorgang zu erklären, dessen Gleichen es nach
unserer Kenntniss sonst nicht giebt. Es ist gleichsam auf die Traum-
arbeit das Befremden übergegangen, welches sonst ihr Produkt, der
Traum, bei uns zu erwecken pflegte. In Wirklichkeit ist die Traumarbeit
nur der zuerst erkannte unter einer ganzen Reihe von psychischen
Prozessen, auf welche die Entstehung der hysterischen Symptome, der
Angst-, Zwangs- und Wahnideen zurückzuführen ist. Verdichtung und
vor allem Verschiebung sind niemals fehlende Charaktere auch dieser
anderen Prozesse. Die Umarbeitung auf’s Anschauliche bleibt hingegen
der Traumarbeit eigenthümlich. Wenn diese Aufklärung den Traum
in eine Reihe mit den Bildungen psychischer Erkrankung bringt, so
wird es uns um so wichtiger werden, die wesentlichen Bedingungen
solcher Vorgänge wie der Traumbildung zu erfahren. Wir werden
wahrscheinlich verwundert sein zu hören, dass weder Schlafzustand noch
Krankheit zu diesen unentbehrlichen Bedingungen gehören. Eine ganze
Anzahl von Phänomenen des Alltagslebens Gesunder, das Vergessen,
Versprechen, Vergreifen, und eine gewisse Klasse von Irrthümern danken
einem analogen psychischen Mechanismus wie der Traum und die
anderen Glieder der Reihe ihre Entstehung.Der Kern des Problems liegt in der Verschiebung, der weitaus
auffälligsten unter den Einzelleistungen der Traumarbeit. Die wesent-
liche Bedingung der Verschiebung lernt man bei eingehender Vertiefung
in den Gegenstand als eine rein psychologische kennen; sie ist von der Art
einer Motivirung. Man geräth auf ihre Spur, wenn man Erfahrungen
würdigt, denen man bei der Analyse von Träumen nicht entgehen kann.
Ich habe bei der Analyse des Traumbeispiels auf Seite 4 in der Mit-
theilung der Traumgedanken abbrechen müssen, weil sich unter ihnen,
wie ich eingestand, solche fanden, die ich gerne vor Fremden geheim
halte und ohne schwere Verletzung wichtiger Rücksichten nicht mit-
theilen kann. Ich fügte hinzu, es brächte gar keinen Nutzen, wenn ichS.
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anstatt dieses Traumes einen andern zur Mittheilung seiner Analyse
auswählte; bei jedem Traum, dessen Inhalt dunkel oder verworren ist,
würde ich auf Traumgedanken stossen, die Geheimhaltung erfordern.
Wenn ich aber für mich selbst die Analyse fortsetze, ohne Rücksicht
auf die Anderen, für die ja ein so persönliches Erlebniss wie mein
Traum gar nicht bestimmt sein kann, so lange ich endlich bei Ge-
danken an, die mich überraschen, die ich in mir nicht gekannt habe,
die mir aber nicht nur fremdartig, sondern auch unangenehm sind,
und die ich darum energisch bestreiten möchte, während die durch die
Analyse laufende Gedankenverkettung sie mir unerbittlich aufdrängt.
Ich kann diesem ganz allgemeinen Sachverhalt gar nicht anders Rechnung
tragen als durch die Annahme, diese Gedanken seien wirklich in meinem
Seelenleben vorhanden und im Besitze einer gewissen psychischen Inten-
sität oder Energie gewesen, hätten sich aber in einer eigenthümlichen
psychologischen Situation befunden, der zufolge sie mir nicht bewusst
werden konnten. Ich heisse diesen besonderen Zustand den der Ver-
drängung. Ich kann dann nicht umhin, zwischen der Dunkelheit des
Trauminhaltes und dem Verdrängungszustand, der Bewusstseins-
unfähigkeit, einiger der Traumgedanken eine kausale Beziehung
gelten zu lassen und zu schliessen, dass der Traum dunkel sein müsse,
damit er die verpönten Traumgedanken nicht verrathe.
Ich komme so zum Begriffe der Traumentstellung, welche das Werk der
Traumarbeit ist, und der Verstellung, der Absicht zu verbergen, dient.Ich will an dem zur Analyse ausgesuchten Traumbeispiel die Probe
machen und mich fragen, welches denn der Gedanke ist, der sich in
diesem Traum entstellt zur Geltung bringt, während er unentstellt
meinen schärfsten Widerspruch herausfordern würde. Ich erinnere
mich, dass die kostenlose Wagenfahrt mich an die letzten kostspieligen
Wagenfahrten mit einer Person meiner Familie gemahnt hat, dass sich
als die Deutung des Traumes ergab: Ich möchte einmal Liebe kennen
lernen, die mich nichts kostet, und dass ich kurze Zeit vor dem
Traum eine grössere Geldausgabe für eben diese Person zu leisten hatte.
In diesem Zusammenhang kann ich mich des Gedankens nicht erwehren,
dass es mir um diese Ausgabe leid thut. Erst wenn ich diese
Regung anerkenne, bekommt es einen Sinn, dass ich mir im Traum Liebe
wünsche, die mir keine Ausgabe nöthig macht. Und doch kann ich mir
ehrlich sagen, dass ich bei der Entschliessung, jene Summe aufzuwenden,
nicht einen Augenblick geschwankt habe. Das Bedauern darüber, die
Gegenströmung, ist mir nicht bewusst worden. Aus welchen Gründen
nicht, dies ist allerdings eine andere, weitab führende Frage, deren
mir bekannte Beantwortung in einen anderen Zusammenhang gehört.Wenn ich nicht einen eigenen Traum, sondern den einer fremden
Person der Analyse unterziehe, so ist das Ergebnis das nämliche; dieS.
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Motive zur Ueberzeugung werden aber geändert. Ist es der Traum
eines Gesunden, so bleibt mir kein anderes Mittel, ihn zur Anerkennung
der gefundenen verdrängten Ideen zu nöthigen, als der Zusammenhang
der Traumgedanken, und er mag sich immerhin gegen diese Anerkennung
sträuben. Handelt es sich aber um einen neurotisch Leidenden, etwa
um einen Hysteriker, so wird die Annahme des verdrängten Gedankens
für ihn zwingend durch den Zusammenhang dieses letzteren mit seinen
Krankheitssymptomen und durch die Besserung, die er bei dem Eintausch
von Symptomen gegen verdrängte Ideen erfährt. Bei der Patientin z. B.,
von welcher der letzte Traum mit den drei Karten für 1 fl. 50 kr. herrührt,
muss die Analyse annehmen, dass sie ihren Mann geringschätzt, dass
sie bedauert, ihn geheirathet zu haben, dass sie ihn gerne gegen einen
anderen vertauschen möchte. Sie behauptet freilich, dass sie ihren
Mann liebt, dass ihr Empfindungsleben von dieser Geringschätzung (einen
100mal besseren!) nichts weiss, aber all ihre Symptome führen zu der-
selben Auflösung wie dieser Traum, und nachdem die von ihr verdrängten
Erinnerungen an die Zeit wieder geweckt worden sind, in welcher sie
ihren Mann auch bewusst nicht geliebt hat, sind diese Symptome
gelöst, und ihr Widerstand gegen die Deutung des Traumes ist ge-
schwunden.IX.
Nachdem wir uns den Begriff der Verdrängung fixirt und die
Traumentstellung in Beziehung zu verdrängtem psychischem Material
gesetzt haben, können wir das Hanptergebniss, welches die Analyse der
Träume liefert, ganz allgemein aussprechen. Von den verständlichen
und sinnvollen Träumen haben wir erfahren, dass sie unverhüllte
Wunscherfüllungen sind, d. h. dass die Traumsituation in ihnen einen
dem Bewusstsein bekannten, vom Tagesleben erübrigten, des Interesses
wohl würdigen Wunsch als erfüllt darstellt. Ueber die dunkeln und
verworrenen Träume lehrt nun die Analyse etwas ganz Analoges: die
Traumsituation stellt wiederum einen Wunsch als erfüllt dar, der sich
regelmässig aus den Traumgedanken erhebt, aber die Darstellung ist
eine unkenntliche, erst durch Zurückführung in der Analyse aufzuklärende,
und der Wunsch ist entweder selbst ein verdrängter, dem Bewusstsein
fremder, oder er hängt doch innigst mit verdrängten Gedanken zu-
sammen, wird von solchen getragen. Die Formel für diese Träume
lautet also: Sie sind verhüllte Erfüllungen von verdrängten
Wünschen. Es ist dabei interessant zu bemerken, dass die Volks-
meinung recht behält, welche den Traum durchaus die Zukunft ver-
künden lässt. In Wahrheit ist die Zukunft, die uns der Traum zeigt,
nicht die, die eintreffen wird, sondern von der wir möchten, dass sie
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Über den Traum1901-001/1901