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S.
Falzeder:
10. 4. 27
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19
Lieber Herr Doktor
Ihr Brief hat mich sehr bestürzt gemacht, da ich gar nicht ahnte, dass Sie materielle Schwierigkeiten haben. Auch wissen Sie ja, wie wenig fremder Rat in der Regel helfen kann. Doch bin ich zufrieden damit, dass Sie überhaupt Ihre Lage mit mir besprechen, u will Ihnen gerne sagen, was ich denke. Es kann für Sie nicht entscheidend sein, aus welcher Stadt sich am meisten Patienten an mich wenden, denn ich bekomme fast keine Anfragen aus Italien, am ehesten noch aus -- Triest, was eine Folge Ihres Einflusses ist. Soweit ich italienische Städte kenne, schiene auch mir Milano als die betriebsamste, ich möchte sagen: europaeischeste,der geeignetste Ort. Durch ungünstige Auskünfte sollte man sich nicht abhalten lassen, denn die bekommt man überall, man muss versuchen und durch seine Anwesenheit die Nachfrage schaffen.
Übersetzungen und analytischer Unterricht mögen warten bis die Zeit reif ist. Ich denke, die analytische Woge, die jetzt in Paris hoch geht, wird doch nach Italien hinüberschlagen. Von Auswanderung kann ich Ihnen nur dringend abraten. Man ist überall unwillkommen u hat es als Fremder besodners schwer. Ich habe mich bei einer Dame, die viel Einfluss hat, über die Verhältnisse in Frankreich (Paris) erkundigt; sie sagte, die Notwendigkeit, alle Prüfungen zu wiederholen, sei ein absolutes Hindernis. Wenn Sie bei Jones anfragen, werden Sie nur Klagen hören, dass die Analytiker seiner Gruppe nicht genug beschäftigt sind. Die unvollkommene Kenntnis der Sprache wird in England am wenigsten verziehen. Ophuijsen im Haag droht seit Jahren mit der Abwanderung, ich habe ihn [sic] immer energisch abgeraten und er ist noch immer zu Hause. Man hat nirgends mehr Aussicht, sich endlich durchzusetzen, als im Heimatland.
Ich weiss, dass es Zeiten giebt, die besonders ungünstig sind und Zeiten, in denen man zur Verzagtheit neigt. Aber ich hoffe, beides wird für Sie vorübergehen und Sie werden sich als der legitime Vertreter der Analyse in Italien noch wol befinden.
Mit besten Grüssen u Wünschen
Ihr Freud
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S.