-
S.
Wien 22.XI. 86
Liebe Mama
Ich danke Dir sehr für Deine liebens-
würdigen Zeieln zum letzten Pottag
nehme ernstesten Antheil an allen
Neuigkeiten, die mir Martha von Euch
zuträgt. Unsere Sendung ist wol sehr
bescheiden ausgefallen – aus allen
bekannten Gründen, oder vielmehr
weil ich merkwürdigerweise sehr geizig
geworden bin, bis sich die Zeiten
ändern. Die abgelaufene Woche war
recht stille, sie hing noch an dem
großen Erfolg der Reise dran, es
ist bis jetzt nichts Neues aufgetaucht.
Wissenschaftlich regt sich etwas mehr. -
S.
– Von meiner Intervention bei der
Gedankenleserin werdet Ihr aus
einer demnächst ankom̄enden Zeitung
erfahren. – Wochen zählen für nichts
in unserem Leben hier, vergehen
auch sehr rasch; wir merken sie erst,
wen̄ wir uns erin̄ern, daß wir die
fliegenden Blätter aus voriger Woche
nicht gelesen haben. In der Familie
hier regt sich allerlei. Moritz u Mitzi
sind aufgeboten u haben Wohnung
genom̄en, sollen im Februar oder
früher heiraten. Die …ßigkeit
erfordert es, einmal ausdrücklich zu
erwähnen, wie reizend meine kleine
Frau gegen meine Familie ist.Ich wünsche Dir u Minna ungetrübte
Fortdauer de gegenwärtigen
Behaglichkeit u grüße Euch herzlich Euer
Sigmund