S.
PROF. DR. FREUD WIEN IX., BERGGASSE 19.
6. XI. 1935
Lieber Herr Doktor
Stanley Hall, der sehr wenig von
Neurosen verstand, veranlaßte mich,
einen Mann seiner Bekanntschaft
zu untersuchen, der durch seine
Agoraphobie erwerbsunfähig geworden
war. Es stellte sich bald heraus, daß er
von seinem strengen Vater er-
halten werden wollte. Als Hall
nachher fragte, was man für den
Mann thun könnte, antwortete
ich mit dem scherzhaften Vorschlag:
Kill his father. Hall erschrak
und ließ mich versichern, daß ich
dem Pat. nichts dergleichen
gesagt hatte.
Sammelforschungen, wie Sie sie für
die Psychopathologie der Träume
möchten, sind meines Wissens
in früheren Jahren wiederholt
angeregt worden, haben nie zu
etwas geführt.
Herzlichen Gruß
Ihr Freud
Berggasse 19
Wien 1090
Austria
Währingerstraße 24
Wien 1090
Austria
C29F61