Studien über Hysterie1895-005/1925
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    VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE

    Wir haben unsere Erfahrungen über eine neue Methode der Erforschung
    und Behandlung hysterischer Phänomene 1895 in einer , Vorliufigen Mit-
    teilung“? veröffentlicht und daran in måglichster Knappheit die theoreti-
    schen Anschauungen gekniipft, zu denen wir gekommen waren. Diese
    „Vorläufige Mitteilung“ wird hier, als die zu illustrierende und zu erwei-
    sende These, nochmals abgedruckt.

    Wir schlieBen nun hieran eine Reihe von Krankenbeobachtungen, bei
    deren Auswahl wir uns leider nicht bloB von wissenschaftlichen Riicksichten
    bestimmen lassen durften. Unsere Erfahrungen entstammen der Privat-
    praxis in einer gebildeten und lesenden Gesellschaftsklasse und ihr Inhalt
    berührt vielfach das intimste Leben und Geschick unserer Kranken. Es
    wäre ein schwerer VertrauensmiBbrauch, solche Mitteilungen zu verôffent-
    lichen, auf die Gefahr hin, daB die Kranken erkannt und Tatsachen in
    ihrem Kreise verbreitet werden, welche nur dem Arzte anvertraut wurden.
    Wir haben darum auf instruktivste und beweiskräftigste Beobachtungen
    verzichten müssen. Dieses betrifft naturgemäß vor allem jene Fille, in
    denen die sexualen und ehelichen Verhältnisse åtiologische Bedeutung haben.
    Daher kommt es, daß wir nur sehr unvollständig den Beweis für unsere
    Anschauung erbringen können: die Sexualität spiele als Quelle psychischer
    Traumen und als Motiv der „Abwehr“, der Verdrängung von Vorstellungen
    aus dem Bewußtsein, eine Hauptrolle in der Pathogenese der Hysterie.
    Wir mußten eben die stark sexualen Beobachtungen von der Veröffent-
    lichung ausschließen.

    Den Krankengeschichten folgt eine Reihe theoretischer Erörterungen
    und in einem therapeutischen Schlußkapitel wird die Technik der „kathar-

    ı) Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene. Neurologisches
    Zentralblatt 1893, Nr. ı und 2.

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    4 Studien über Hysterie

    tischen Methode“ dargelegt, so wie sie sich in der Hand des Neurologen
    entwickelt hat.

    Wenn an manchen Stellen verschiedene, ja sich widersprechende Mei-
    nungen vertreten werden, so möge das nicht als ein Schwanken der Auf-
    fassung betrachtet werden. Es entspringt den natürlichen und berechtigten
    Meinungsverschiedenheiten zweier Beobachter, die bezüglich der Tatsachen
    und der Grundanschauungen übereinstimmen, deren Deutungen und Ver-
    mutungen aber nicht immer zusammenfallen.

    April 1895
    J. Breuer, S. Freud.