[Vortrag Freuds] Über den Witz 1905-003/1908

Glaser, Adolf (1905-003/1908): [Vortrag Freuds] Über den Witz

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    XI. Die «Praga» in Prag im Jahre 1907.

    (Erstattet vom Präsidenten Br. Adolf Glaser.)

          So lange eine ernste und zielbewußte Arbeit innerhalb
    einer Vereinigung das ausschlaggebende Moment für die Beur-
    teilung ihrer Tätigkeit bilden wird, insolange wird das Berichts-
    jahr 1907 auch einer strengen Prüfung standhalten können.

          Die «Praga» hat im Jahre 1907 auf allen zu ihrem Wirkungs-
    kreis gehörigen Gebieten eine intensive Tätigkeit entfaltet. Die
    Zahl der in diesem Jahre gehaltenen Vorträge und der er-
    statteten Referate ist eine beträchtliche.

          Vorträge hielten die Brüder:

          Adolf Bichitzky: Über den Freidenkerkongreß in Prag
    und den freien Gedanken; über Nerven- und Seelentätigkeit
    (nach der offiziellen Sitzung in Anwesenheit der hiezu geladenen
    Damen unserer Brüder);

          Prof. Sigmund Freud der «Wien»: Über den Witz (in
    Anwesenheit der Damen der Brüder beider Prager Vereinigungen
    und einer Anzahl geladener junger Männer);

          Expr. Gustav Korner: Über die Entwicklung der «Praga»
    in den ersten 5 Jahren ihres Bestandes vom Standpunkte der

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    Devise (Festrede am 6. April 1907 anläßlich des vollendeten
    ersten Quinquenniums der «Praga»);
          Arnold Pollak: Gedankenfreiheit im Judentum;
          Josef Porges: Reformbestrebungen im Judentum.

          Von den Referaten seien die umfangreicheren erwähnt
    und zwar:
          Adolf Bischitzky: Reform des jüdischen Religionsunter-
    richtes; die vom isr. Gemeindebunde geplante Errichtung einer
    Lehranstalt für isr. Kultusbeamte und eines Proseminars;

          Expr. Rudolf Bloch: Rechtsschutz der Juden in Österreich;
    über die Ansprache des Mentors an die Kandidaten vor deren
    Einführung (infolge einer Anregung des s. w. Verbandes);

          Expr. Josef Bondy: Einsetzung eines ständigen Delegierten-
    komitees sämtlicher B. B.-Vereinigungen Böhmens;

          M. Hönig: Abhaltung von der Jugend zugänglichen
    Vorträgen; Bildung von Jugendvereinigungen zu literarischen
    und gesellschaftlichen Zwecken; Heranziehung der Jugend, speziell
    der Mädchen, zur Teilnahme an den sozialen Arbeiten der Ver-
    einigungen;

          Arnold Pollak: Errichtung einer Bibliothek für die «Praga»;
    Änderung der Statuten mit Rücksicht auf die erfolgte Abände-
    rung des ehrenrätlichen Verfahrens;

          Gottlieb Pollak: Zweckmäßigkeit der Veranstaltung von
    Vorträgen unter Zuziehung weiterer Kreise; Resolution der
    «Austria», betreffend die Unterstützung von Witwen nach ver-
    storbenen Brüdern;

          Josef Popper: Über Lehrbücher für den isr. Religions-
    unterricht an den Mittelschulen (veranlaßt durch eine Eingabe
    des Verbandes der isr. Religionslehrer an Mittelschulen in Prag);
    die geplante Errichtung eines jüdischen Museums in Prag;

          M. Weden: Brüderlichkeit und Wohlwollen; über die
    Feier des 60 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers durch
    sämtliche österreichische Vereinigungen.

          Schon diese Zusammenstellung zeigt deutlich, welch reges
    geistiges Leben in der «Praga» herrschte; an die meisten Refe-
    rate schloß sich eine lebhafte Diskussion und es war nichts
    Seltenes, daß eine Debatte wegen vorgerückter Stunde unter-
    brochen werden mußte, um in der nächsten Sitzung mit unver-
    mindertem Eifer fortgesetzt zu werden.

          Das in unserer Vereinigung wiederholt erörterte Bestreben,
    gewisse Vorträge vor einem weiteren Publikum abzu-
    halten, wurde innerhalb des Berichtsjahres zweimal in die Tat
    umgesetzt; es geschah dies durch die vorzitierten Vorträge des
    Br. Prof. Sigmund Freud der «Wien», des hervorragenden Psy-
    chiaters der Wiener Universität (Über den Witz), und des
    Br. Adolf Bischitzky (Über Nerven- und Seelentätigkeit), welche
    mit großem Beifalle aufgenommen wurden.

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          Das Komitee für geistige Interessen besorgte in
    mustergiltiger Weise die Vorbereitung und Vorberatung sämt-
    licher Vorträge und Referate.

          Das Reformkomitee hat sich mit den ihm zugewie-
    senen wichtigen Fragen, betreffend die Reform des gesamten
    jüdischen Rituales, beschäftigt, die in dem Komitee erörterten
    Grundideen durch drei der vorgenannten Vorträge (Freier Gedanke,
    Gedankenfreiheit, Reformbestrebungen) zum Ausdruck gebracht
    und ein Rundschreiben an sämtliche dem Rabbinerstande ange-
    hörigen Brüder der böhmischen Vereinigungen wegen Erstattung
    eines Gutachtens über diese Frage erlassen.

          Die meisten der angegangenen Brüder haben dem Ersuchen
    in liebenswürdiger Weise entsprochen und mit Aufwand von
    Mühe und Zeit überaus interessante Gutachten geliefert.

          Das Vorprüfungskomitee hat, wie die Aufnahme
    von 11 neuen Brüdern beweist, emsig und erfolgreich gearbeitet.

          Das Geselligkeitskomitee veranstaltete anschließend
    an den Vortrag des Br. Prof. Freud am 2. November 1907 ein
    gemeinsames Souper im Hotel Central. Die von diesem Komitee
    eingeführten Kegelabende haben sich bestens bewährt und
    werden auch weiterhin beibehalten. An den Veranstaltungen der
    «Bohemia» hat sich die «Praga» auch in diesem Jahre stets
    beteiligt.

          Das Unterstützungskomitee hat in seiner Eigen-
    schaft als solches glücklicherweise keine Veranlassung gefunden,
    helfend einzugreifen. Aus dem Wohltätigkeitsfonds wurden fol-
    gende Subventionen geleistet:

    Knabenwaisenhaus Prag . . . . . . . . . . . K 400.—
    Toynbeehalle Prag . . . . . . . . . . . . . „ 400.—
    Verein zur Errichtung eines Hospitales für israeliti-    
       sche skrophulose Kinder . . . . . . . . . . . „ 300.—
    Für die rumänischen Juden . . . . . . . . . . „ 200.—
    Galizischer Hilfsverein . . . . . . . . . . . . „ 100.—
    Arbeitsnachweis Prag . . . . . . . . . . . . „ 100.—
    An andere Vereine . . . . . . . . . . . . . . „ 118.76
    An Privatpersonen . . . . . . . . . . . . . . „ 589.—
    Zusammen   K 2207.76


     

          Außerdem haben wir zum Gelingen der Spitzenausstellung,
    welche zugunsten des Galizischen Hilfsvereines veranstaltet wurde
    und einen Erlös von K 19.100.— lieferte, sowie der später zu-
    gunsten des Seehospizes für skrophulöse Kinder veranstalteten
    Handarbeitsausstellung — beidemal unter tätiger Mitwirkung der
    Damen — wesentlich beigetragen.

          Der Mitgliederstand betrug am 1. Jänner 1907
    59 Mitglieder und erhöhte sich, da glücklicherweise ein Abgang
    nicht erfolgte, durch Beitritt von 11 Mitgliedern Ende 1907 auf 70.

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          Im Jahre 1907 wurden 16 ordentliche Sitzungen abgehalten,
    der durchschnittliche Besuch betrug 53%. Außerdem haben mehrere
    Brüder der «Bohemia» unsere Sitzungen regelmäßig besucht.

          Das Vermögen der «Praga» betrug am 1. Jänner 1907
    K 27.373·59 und erhöhte sich im Berichtsjahre um K 7997·30,
    woraus sich am 31. Dezember 1907 ein Vermögensstand von
    K 35.370·89 ergibt.

          Unsere Beziehungen zur «Bohemia» waren, wie wir mit
    Freude hervorheben, auch im Berichtsjahre die besten. —

          Nicht auf die rasche Vermehrung der Zahl unserer Mit-
    glieder war unser Augenmerk gerichtet, auch nicht auf eine
    rasche Vermehrung unseres Vermögens, unser Bestreben ging
    vielmehr in erster Reihe dahin, eine fruchtbare und segenbrin-
    gende Arbeit auf ethischem und humanitärem Gebiete zu leisten.
    Ob dieses unser Streben wenigstens teilweise von Erfolg be-
    gleitet war, möge von unparteiischer Seite beurteilt werden. In
    jedem Falle bedeutet jedoch das, was wir bisher geleistet und
    erreicht, nur einen kleinen Teil dessen, was wir zu leisten ver-
    pflichtet sind.

          Je gewissenhafter wir in der Erfüllung unserer Pflichten,
    je strenger wir in der Beurteilung unserer Leistungen sein werden,
    desto eher wird es uns gelingen, jenes Ziel zu erreichen, welches
    uns die drei Worte unserer Devise in unverrückbarer Weise für
    alle Zeiten vorgeschrieben haben.