2. Vortragsabend, am 25. Oktober 1911. Dr. Ludwig Klages (aus München) als Gast: Zur Psychologie der Handschrift 1911-526//1912-763

Rank, Otto (1911-526//1912-763): 2. Vortragsabend, am 25. Oktober 1911. Dr. Ludwig Klages (aus München) als Gast: Zur Psychologie der Handschrift

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    Korrespondenzblatt.

    9. Zentraleitung.

    Die Zentraleitung wird durch Akklamation neu bestätigt mit Dr. C. G.
    Jung als Präsidenten und Dr. F. Riklin als Sekretär, beide in Küsnacht-Zürich.
    Im Namen der Vereinigung dankt Dr. Ferenczi Dr. Abraham für die
    treffliche Organisation des Kongresses. Prof. Freud wünscht allen Teilnehmern
    glückliche Wiederkehr am nächsten Kongress und Dr. Jung den Ortsgruppen besten
    Erfolg in ihrer Arbeit.


    III. Berichte der Ortsgruppen.

    Ortsgruppe Wien.

    Geschäftliches. Seit dem letzten Vereinsbericht sind folgende Mitglieder
    ausgeschieden: Dr. Alfred Adler, Dr. D. J. Bach, Dr. Carl Fürthmüller,
    Franz Grünner, Gustav Grädner, Frau Dr. Hillel-Jörding, Paul Klampferer,
    Dr. Stefan von Madday, Dr. Ernst Oppenheim, Dr. Franz Frhr. v. Hye.

    Als neue Mitglieder wurden aufgenommen:
    Dr. Jan van Emden, Leiden (Holland), Rapenburg.
    Dr. August Stärcke, Huinter Heide (Holland), Doldersche Weg 30.
    Frl. Dr. S. Spielrein, Wien IX, Alserstrasse 23, Pension Cosmopolite.
    Die Wiener Psychoanalytische Vereinigung zählt nunmehr 34 Mitglieder.
    Die wissenschaftlichen Vortragsabende begannen Mittwoch, am 18. Okt. 1911
    und finden vorläufig im Café Korbi, I. Brandstätte 7, Mezzanin statt.
    Am 18. Oktober fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt mit der
    Tagesordnung: Kongressbericht und innere Vereinsangelegenheiten.


    1. Sitzung, am 18. Oktober 1911:

    Dr. Viktor Tausk: Beispiele für Problemstellung in und aus
    der Psychoanalyse.

    Der Vortragende erläutert an einem einfachen Traum, dass der Sinn des
    Traumes, wie ihn Freud aufgestellt hat, auch ohne Voraussetzungen aus der Psycho-
    analyse selbst ganz mit exogenen Mitteln der Wissenschaft aufgedeckt werden
    können. Er zeigt dabei alle Probleme, die sich dem Unternehmen in den Weg
    stellen und unterweg gelöst werden müssen. Insbesondere betont er das Verhält-
    nis von Affekt und Trieb, den Anteil des Zeitbewusstseins im Triebleben im allge-
    meinen und im Traum im besonderen und schliesslich die biologische Funktion des
    Traumes als Triebbefriediger vermöge dieser Ausschaltung des Zeitbewusstseins und
    vermöge der haltmechanischen Plazierung der Traumvorstellungen, die er mit
    der von Freud aufgestellten Theorie der Regression erklärt. (Ausreferat.)

    Aus der Diskussion, in der vielfach eine pädagogische Darstellung des
    Psychoanalyse als Aufgabe hervorgeht, wird heit schliesslich als selbstän-
    digen Thema das Problem von der angeblichen Zeitlosigkeit des Unbewussten (Freud)
    heraus, dem ein eigener Diskussionsabend gewidmet werden soll (Dr. Stekel und
    Dr. Reinhold übernehmen Referat und Korreferat).


    2. Vortragsabend, am 25. Oktober 1911.

    Dr. Ludwig Klages (aus München) als Gast: Zur Psychologie der
    Handschrift.

    Die Psychologie der Handschrift wird als ein Teil der Physiognomik der
    Funktion der Organe behandelt und ihr als solcher das allgemeine Schema zugrunde

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    Korrespondenzblatt.

    gelegt, dass jede Bewegung aus einem Willensakt und somit aus der Persönlichkeit
    stamme. Die Handschrift bilde darum den unzweifelhaftesten Angriffspunkt aller
    Bewegungsdiagnostik, weil sie die flüchlige Bewegung aufbewahre. Die Graphologie
    vermag die Handschrift deskriptiv genau zu erfassen und auch das Erworbene
    (Willkürliche) von dem Ursprünglichen zu unterscheiden. Es werden dann die Ge-
    setze der Beziehungen zwischen der Persönlichkeit und der Handschrift aufgeführt,
    an Beispielen erläutert und daraus für bestimmte Charaktertypen gewisse Eigen-
    tümlichkeiten der Schrift abgeleitet.

    In der Diskussion werden hauptsächlich die Beziehungen des Themas zur
    Psychoanalyse erörtert und namentlich auf das Problem der Schriftveränderung zur
    Zeit der Pubertät hingewiesen.


    3. Vortragsabend, am 8. November 1911.

    Über die angeblich Zeitlosigkeit des Unbewussten. Referenten
    Dr. Stekel und Dr. Reinhold.


    4. Vortragsabend, am 15. November 1911.

    Theodor Reik als Gast: Tod und Sexualität.
    In Vorbereitung: Diskussion über die Orgie.
    Referate über diese Sitzungen sollen fortlaufend folgen. Rank.


    Ortsgruppe Berlin.

    Veränderungen seit 1. Oktober 1911.

    Ausgetreten: Dr. M. Hirschfeld, Berlin.
    Prof. Strollmayer, Jena.
    Dr. W. v. d. Blankenburg.

    Zur Ortsgruppe Zürich übergegangen: Frl. Dr. Ginsburg, jetzt Anstalt
    Breitenau, Schaffhausen.

    Eingetreten: Dr. A. W. Reuterheim, Amsterdam, van Breestraat 1.
    Dr. Wanke, Friedrichroda (Thüringen) Gartenstr. 14–16.
    Med.-Prakt. U. Vollrath, Jena, Psychiatr. Klinik.


    Sitzungen:

    14. Okt. 1911. Geschäftliche Sitzung.

    Der bisherige Vorsitzende wurde wiedergewählt. Der Mitgliederbeitrag zur
    Ortsgruppe wurde für das Vereinsjahr auf 5 Mark festgesetzt. Beschlossen wurde
    folgendes Aufnahmeatatut:

    „Mitglieder der Ortsgruppe Berlin können Ärzte werden, welche sich praktisch
    oder wissenschaftlich mit Psychoanalyse beschäftigen. Die Aufnahme unterliegt
    einem Beschluss der Mitglieder. Andere Personen können als Gäste zu wissen-
    schaftlichen Sitzungen durch Mitglieder eingeführt werden.“

    30. Okt. 1911. Wissenschaftliche Sitzung.

    Referat von Dr. Abraham: Über die Beziehungen zwischen Perversion und
    Neurose (Referat über die erste von Freud's „Drei Abhandlungen über die Sexual-
    theorie").

    Auch in den folgenden Sitzungen sollen die „Drei Abhandlungen" zum Gegen-
    stand der Referate und Diskussionen gemacht werden.

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