7. Sitzung am 21. Juni 1920 1920-512/1920.01

Reik, Theodor (1920-512/1920.01): 7. Sitzung am 21. Juni 1920

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         Sitzung am 16. VI. 1920

    Prof. Freud, Dr Demole, Dr v. Wyss, Frl. Grete Lehner, med. Schürmann, Kohn, Herz,
    Dr Schilder, Dr Deutsch, Dr Jokl, Dr Fokschauer, Dr Rank, Dr Reik, Dr Hitschmann, Dr
    Varga, X med. Reich, Dr Federn, Dr Friedjung, Dr Storfer, Dr Schmideberg, Dr Nepallek,
              Dr Hug, Dr Kempner, Dr Fenichel, Dr Sadger, Schmiedel, Dr Kerber

    Dr Foke cand. med. Fenichel als Mitglied gewählt.

    Dr Rank stellt Anfrage wegen Kongresses. Es melden sich: Dr Federn, Dr Hits-
    mann, Dr Rank, Dr Reik, Dr Storfer, Dr Fokschaner, Dr Hug, Dr Friedjung.

    Berliner Gruppe plant Vortragsgruppe.
    Zentralstelle in London urgiert Mitgliedsgruppe.

    Doz. Schilder hält Vortrag über die kausale Wichtigkeit der ψa Resultate.
    Die kausalen Quellen der Motive, die angegeben sind wirklich wirksam sind.
    Das Triebmoment in der Assoziation, die meisten Psychologen glauben in Assozia-
    tionen ein kausales Moment liegt. Über den Einbruch des Somatischen in das
    Psychische. Beispiel: A vergiftet B durch Haschisch. Die Gegner der Psychoanalyse
    sagen, die ψa zeige keine kausalen Zusammenhänge. Der Begriff der Niveau-
    veränderung: Die Ziele des Individuums bleiben auch bei Intoxikation
    erleiden aber eine Niveauveränderung. An Stelle z.B. libidinöse. Libido
    aber würde als Indikator für tiefer liegende somatische Vorgänge. Prinzip
    des doppelten Weges: Niveauverschiebung kann durch körperlichen Einbruch aber auch
    durch psychische Momente geschehen. Tatsachenfrage, ob erster oder zweiter
    Weg vorhanden war. Der psychische Zusammenhang kann deshalb
    kausale ψa Bedeutung beanspruchen, weil sich in späteren Erlebnissen
    ein früheres spiegelt. Auch für Schizophrenie: dort bleibt verständlicher
                                                                               Zusammenhang.

  • S.

    trotz somatischen Einbruch, der auszunehmen. Der Niveausprung der
    Schizophrenie kann nicht durch Libidoverteilung verständlich werden;
    ebensowenig Epilepsie. Ist es zweckmässig wissenschaftlichen Kausal-
    begriff festzuhalten; ist es nicht besser, dafür Funktionsbegriff zu
    setzen.

    Diskussion:

    Prof. Varga: Prinzipielle Frage für die ψa für die Theorie. In der ψa wird
    oft in der Art von Wundt aufgefasst. Das Zeitmoment in der Funktion
    Grund = Folge fehlt. Ursache = Wirkung bestehen in der Zeitfolge
    entsprechen realen Gegenständen. Ursachen im psychischen können
    nur reale, nicht ideelle Gegenstände sein. Der Libidobegriff hat idealen
    Gegenstand real gibt es keine Libido im Allgemeinen, nur einzelne
    psychische Vorgänge, die unter diesem Namen zusam-
    mengefasst werden. Begriffe der Libido, der Libidostauung etc. sind
    Hypothesen, aber sind nicht Kausa, ändert nichts an praktischer
    Arbeit der ψa.

    Dr Winterstein: Bei Kausalität muss von Urerlebnis des Willens ausge-
    hen, von anderen Kausalitäten wissen wir nichts.

    Dr Schilder: Nicht die Kausalität steht zur Diskussion. Varga meint,
    Libidobegriff sei z.B. dasselbe wie in Physik Kraftbegriff. Sachliche
    Übereinstimmung sehr weitgehend.

    Dr Federn: Der Begriff der „Rationalisation“ und der Kausalbegriff.
    Der Name „Einbruch“ des Somatischen passt nicht. Die ψa passt nicht
    kümmert sich nicht um das Physische. Die Affektivität hängt von
    toxischen Einwirkungen ab. Gegenseitige Beeinflussung des Psychi-
    schen und Physischen.

    Dr Schilder: Es gibt eine psychische Beeinflussung des Kleinhirnappa-
    rates. Psychische Einflüsse auf subkortikale Apparate. Ist mit Federn
    einverstanden, verweist auf doppelten Weg. Funktionsbegriff soll
    nicht Kausalitätsprinzip ersetzen.

    Prof. Freud: Otto Gross „Drei Abhandlungen über den inneren Konflikt“.

    Dr Hitschmann: will popularisieren, was Dr Schilder gesagt hat.
    Alkohol ist ein besseres Beispiel als Haschisch, weil besser gekannt.
    Eine Kausalreihe neben anderer.

    Dr Federn: Physiker auslösende und bewirkende Ursache unter-
    scheiden. Als ein sicheres Beispiel für Sicherheit der libidinösen
                                                                           gibt es nicht.

  • S.

    Prof. Varga: glaubt nicht, dass Libidostauung als solche unmit-
    telbar beobachtet wird. Eine psychische Tatsache der Libido kann
    er sich nicht vorstellen. Eine Stauung der Libido ist nicht zu
    beobachten.

    Dr Friedjung: Erkenntniskritische Erwägungen führen abseits von
    der Erfahrung. Psychische Geschehen kann nicht getrennt vom Physi-
    schen.

    Dr Hitschmann: Hunger und Libido. Hunger und Libido sind Tat-sachen.

    Dr Fokschaner: Rausch beseitigt Hemmungen, Symptome.
    Somatisches Entgegenkommen.

    Prof. Freud: Jaspers unterscheidet Verursachung (im Physischen)
    durch Phy Psychische und Verursachung durch Somatisches.
    F. Jaspers Polemik gegen Psychoanalyse: Tatsachen der ψa sind
    nicht richtig dargestellt, glaubt dass die ψa alles auf Sexuali-
    tät zurückführt, sagt halbe Wahrheit. Aber Abwehr geht von
    Ichtrieben ab als Reaktion gegen Sexualtriebe. Nicht jeder Vorgang
    ist determiniert, wie Jaspers der ψa zuschreibt, sondern die ψa
    hat nur erweiterte Geltung des Psychischen. Jaspers Vorwurf, dass
    die ψa verwechsle verstehende und kausale Psychologie.

  • S.

    Unrichtig, weil z.B. hysterische Symptome. Die grössere Hälfte
    der Erklärungen der ψa sind physische, also „nicht verständ-
    liche“ im Jaspers Sinne. Was die ψa an Erklärungen gibt, sind
    die Hypothesen, aber das ist allgemeiner Charakter der Wissenschaft.
    Ebenso wie die „exakten“ Wissenschaften. Hypothese ist aber nicht
    Verächtliches. Innere Sicherheiten sind Wahrnehmung und Willen.
    Aber Das kommt von Überschätzung der Tatsache des Bewusst-
    werdens, das aber liegt der ganzen Erkenntnistheorie zugrun-
    de. Wir haben gelernt, dass diese Sicherheiten falsch sind z.B.
    bei Träumen, Halluzinationen, Illusionen und die Tatsachen
    des Hypnotismus und der Neurosensymptomatologie. Die Grund-
    lage des Seelischen ist das Unbewusste. Wir stehen zu Beginn
    einer Forschung, nicht zum Zeitpunkt der Bilanz. Das Un-
    bewusste: der menschl. Körper ist Maschine mit verschie-
    denen Bestandteilen. Wir wissen zu wenig, um die ganze
    Kausalverkettung zu erkennen. Unbestimmtheit der Be-
    griffe ist wertvoll.

    Schlusswort Dr Schilder: