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    Anmerkungen.

    1)Die in der ersten Abhandlung enthaltenen Angaben sind aus den be-
    kannten Publikationen von v. Krafft‑Ebing, Moll, Moebius, Havelock
    Ellis, Näcke, v. Schrenk‑Notzing, Löwenfeld, Eulenburg, J. Bloch
    und aus den Arbeiten in dem von M. Hirschfeld herausgegebenen „Jahrbuch
    für sexuelle Zwischenstufen“ geschöpft. Da an diesen Stellen auch die übrige
    Literatur des Themas in erschöpfender Weise aufgeführt ist, habe ich mir de-
    taillierte Nachweise ersparen können.

    2)Vergleiche über diese Schwierigkeiten und über Versuche, die Verhält-
    niszahl der Invertierten zu eruieren, die Arbeit von M. Hirschfeld im Jahr-
    buch für sexuelle Zwischenstufen, 1904.

    3)Ein solches Sträuben gegen den Zwang zur Inversion könnte die Be-
    dingung der Heilbarkeit durch Suggestivbehandlung abgeben.

    4)Es ist von mehreren Seiten, insbesondere von Moll, mit Recht betont
    worden, daß die autobiographischen Angaben der Invertierten über das zeitliche
    Auftreten der Inversionsneigung unzuverlässig sind, da dieselben die Beweise für
    ihr heterosexuelles Fühlen aus ihrem Gedächtnis verdrängt haben könnten. Einzig
    und allein die psychoanalytische Untersuchung invertierter Personen könnte hier
    die Entscheidung bringen.

    5)Mit welchen Vorbehalten die Diagnose auf Degeneration zu stellen ist,
    und welch geringe praktische Bedeutung ihr zukommt, kann man aus den Aus-
    führungen von Moebius’s [Über Entartung (Grenzfragen des Nerven- und
    uud Seelenlebens. Nr. III, 1900)] entnehmen. „Überblickt man nun das weite Ge-
    biet der Entartung, auf das hier einige Schlaglichter geworfen worden sind, so
    sieht man ohne weiteres ein, daß es sehr geringen Wert hat, Entartung über-
    haupt zu diagnostizieren.“

    6)Es muß den Wortführern des „Uranismus“ zugestanden werden, daß
    einige der hervorragendsten Männer, von denen wir überhaupt Kunde haben, In-
    vertierte, vielleicht sogar absolut Invertierte waren.

    7)In der Auffassung der Inversion sind die pathologischen Gesichtspunkte
    von anthropologischen abgelöst worden. Diese Wandlung bleibt das Verdienst von
    J. Bloch (Beiträge zur Ätiologie der Psychopathia sexualis. 2 Teile 1902–1903),
    welcher Autor auch die Tatsache der Inversion bei den alten Kulturvölkern nach-
    drücklich zur Geltung gebracht hat.

    8)Vergleiche die letzten ausführlichen Darstellungen des somatischen
    Hermaphroditismus: Taruffi, Hermaphrodismus u. Zeugungsunfähigkeit. Deutsche
    Ausgabe von R. Teuscher, 1903, und die Arbeiten von Neugebauer in
    mehreren Bänden des Jahrb. f. sex. Zwischenstufen.

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    9)J. Halban, Die Entstehung der Geschlechtscharaktere. Archiv für
    Gynäkologie Bd. 70, 1903. Siehe dort auch die Literatur des Gegenstandes.

    10)Der erste der zur Erklärung der Inversion die Bisexualität herange-
    zogen, soll (nach einem Literaturbericht im 6. Bd. d. Jahrb. f. sex. Zwischenstufen)
    E. Gley gewesen sein, der einen Aufsatz (Les aberrations de l’ instinct sexuel)
    schon im Januar 1884 in der Revue philosophique veröffentlichte. – Es ist
    übrigens bemerkenswert, daß die Mehrzahl der Autoren, welche die Inversion
    auf Bisexualität zurückführen, dieses Moment nicht allein für die Invertierten,
    sondern für alle Normalgewordenen zur Geltung bringen und folgerichtig die
    Inversion als den Erfolg einer Entwicklungsstörung auffassen. So bereits Che-
    valier (Inversion sexuelle, 1893). v. Krafft‑Ebing (Zur Erklärung der kon-
    trären Sexualempfindung, Jahrbücher f. Psych. u. Nervenh. XIII) spricht davon,
    daß eine Fülle von Beobachtungen bestehen, „aus denen sich mindestens die vir-
    tuelle Fortexistenz dieses zweiten Zentrums (des unterlegenen Gechlechtes) ergibt.“
    Ein Dr. Arduin (Die Frauenfrage und die sexuellen Zwischenstufen) stellt im
    zweiten Band des Jahrb. f. sex. Zwischenstufen, 1900, die Behauptung auf: „Daß
    in jedem Menschen männliche und weibliche Elemente vorhanden sind“ (vgl. d.
    Jahrb., Bd. I. 1899.) „Die objektive Diagnose der Homosexualität“ v. Dr. M. Hirschfeld
    S. 8–9 u. f.) nur – der Geschlechtszugehörigkeit entspr. – die einen unverhältnis-
    mäßig stärker entwickelt als die anderen, soweit es sich um heterosexuelle Per-
    sonen handelt.“ – Für G. Herman (Genesis, Das Gesetz der Zeugung. 9. Bd.
    Libido und Mania, 1903) steht es fest, „daß in jedem Weibe männliche, in jedem
    Manne weibliche Keime und Eigenschaften enthalten sind“ usw.

    11)Ich kann mir nicht versagen, hiebei an die gläubige Gefügigkeit der
    Hypnotisierten gegen ihren Hypnotiseur zu erinnern, welche mich vermuten läßt,
    daß das Wesen der Hypnose in die unbewußte Fixierung der Libido auf die
    Person des Hypnotiseurs (vermittels der masochistischen Komponente des Sexual-
    triebes) zu verlegen ist.

    12)Weitere Erwägungen führen zum Schlusse, daß J. Bloch das Moment
    des Reizhungers in seiner theoretischen Bedeutung überschätzt hat. Die verschie-
    denen Wege, auf denen die Libido wandelt, verhalten sich zu einander von An-
    fang an wie kommunizierende Röhren, und man muß den Phänomenen der Kolla-
    teralströmung Rechnung tragen.

    13)Anstatt vieler Belege für diese Behauptung zitiere ich nur die eine
    Stelle aus Havelock Ellis (Das Geschlechtsgefühl, 1903): „Alle bekannten Fälle
    von Sadismus und Masochismus, selbst die von Krafft‑Ebing zitierten, zeigen
    beständig (wie schon Colin, Scott und Féré nachgewiesen) Spuren beider
    Gruppen von Erscheinungen an ein und demselben Individuum.“

    14)Die hier niedergeschriebene Behauptung erschien mir selbst nachträg-
    lich als so gewagt, daß ich mir vorsetzte, sie durch nochmalige Durchsicht der
    Literatur zu prüfen. Das Ergebnis dieser Überprüfung war, daß ich sie unver-
    ändert stehen ließ. Die wissenschaftliche Bearbeitung der leiblichen wie der
    seelischen Phänomene der Sexualität im Kindesalter befindet sich in den ersten
    Anfängen. Ein Autor S. Bell (A preliminary study of the Emotion of love bet-
    ween the sexes. American J. of Psychol., XIII, 1902) äußert: I know of no

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    scientist, who has given a careful analysis of the emotion as il it seen in the a-
    dolescent. – Somatische Sexualäußerungen aus der Zeit vor der Pubertät haben
    nur im Zusammenhange mit Entartungserscheinungen und als Zeichen von Ent-
    artung Aufmerksamkeit gewonnen. – Ein Kapitel über das Liebesleben der Kinder
    fehlt in allen Darstellungen der Psychologie dieses Alters, die ich gelesen habe,
    so in den bekannten Werken von Preyer, Baldwin (Die Entwicklung des
    Geistes beim Kinde und bei der Rasse, 1898), Pérez, (L’enfant de 3–7 ans,
    1894), Strümpell (Die pädagogische Pathologie, 1899), Karl Groos (Das Seelen-
    leben des Kindes, 1904), Th. Heller (Grundriß der Heilpädagogik, 1904), Sully
    (Untersuchungen über die Kindheit, 1897) u. a. Den besten Eindruck von dem
    heutigen Stande auf diesem Gebiet holt man sich aus der Zeitschrift „Die Kinder-
    fehler“ (von 1896 an). – Doch gewinnt man die Überzeugung, daß die Existenz
    der Liebe im Kindesalter nicht mehr entdeckt zu werden braucht. Pérez (l. o.)
    tritt für sie ein; bei K. Groos (Die Spiele der Menschen, 1899) findet sich als
    allgemein bekannt erwähnt, „daß manche Kinder schon sehr früh für sexuelle Re-
    gungen zugänglich sind und dem anderen Geschlecht gegenüber einen Drang
    nach Berührungen empfinden“ (S. 326); der früheste Fall von Auftreten ge-
    schlechtlicher Liebesregungen (sex-love) in der Beobachtungsreihe von S. Bell
    betraf ein Kind in der Mitte des dritten Jahres. – Vergleiche hiezu noch Have-
    lock Ellis, Das Geschlechtsgefühl (übersetzt von Kurella), 1903, Appendix, II.

    15)Eines der mit den frühesten Kindheitserinnerungen verknüpften Pro-
    bleme habe ich in einem Aufsatze „Über Deckerinnerungen“ (Monatsschrift für
    Psychiatrie und Neurologie, VI, 1899) zu lösen versucht.

    16)Eine mögliche anatomische Analogie zu dem von mir behaupteten Ver-
    halten der infantilen Sexualfunktion wäre durch den Fund von Bayer (Deutsch.
    Archiv f. klin. Medizin, Bd. 73) gegeben, daß die inneren Geschlechtsorgane
    (Uterus) Neugeborener in der Regel größer sind als die älterer Kinder. Indes ist
    die Auffassung dieser durch Halban auch für andere Teile des Genitalappa-
    rates festgestellten Involution nach der Geburt nicht sichergestellt. Nach Halban
    (Zeitschr. f. Geburtshilfe und Gynäkologie, LIII, 1904) ist dieser Rückbildungs-
    vorgang nach wenigen Wochen des Extrauterinlebens abgelaufen.

    17)Im Jahrbuch für Kinderheilkunde, N. F., XIV, 1879.

    18)Vergleiche hiezu die sehr reichhaltige, aber meist in den Gesichts-
    punkten unorientierte Literatur über Onanie, z. B. Rohleder, Die Masturba-
    tion, 1899.

    19)Havelock Ellis bringt in einem Anhange zu seiner Studie
    über das „Geschlechtsgefühl“ (1903) eine Anzahl autobiographischer Berichte von
    später vorwiegend normal gebliebenen Personen über ihre ersten geschlechtlichen
    Regungen in der Kindheit und die Anlässe derselben. Diese Berichte leiden
    natürlich an dem Mangel, daß sie die durch infantile Amnesie verdeckte, prä-
    historische Vorzeit des Geschlechtslebens nicht enthalten, welche nur durch
    Psychoanalyse bei einem neurotisch gewordenen Individuum ergänzt werden kann.
    Dieselben sind aber trotzdem in mehr als einer Hinsicht wertvoll, und Erkun-
    digungen der gleichen Art haben mich zu der im Text erwähnten Modifikation
    meiner ätiologischen Annahmen bestimmt.

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    20)Siehe meine 1905 erschienene Studie „Der Witz und seine Be-
    ziehung zum Unbewußten“. Die durch die Witztechnik gewonnene „Vorlust“
    wir dazu verwendet, eine größere Lust durch die Aufhebung innerer Hemmungen
    frei zu machen.

    21)Es ist überaus lehrreich, daß die deutsche Sprache der im Text er-
    wähnten Rolle der vorbereitenden sexuellen Erregungen, welche gleichzeitig einen
    Anteil Befriedigung und einen Beitrag zur Sexualspannung liefern, im Gebrauche
    des Wortes „Lust“ Rechnung trägt. „Lust“ ist doppelsinnig und bezeichnet eben-
    sowohl die Empfindung der Sexualspannung (Ich habe Lust = ich möchte, ich
    verspüre den Drang) als auch die der Befriedigung.

    22)Wem diese Auffassung „frevelhaft“ dünkt, der lese die fast gleich-
    sinnige Behandlung des Verhältnisses zwischen Mutter und Kind bei Havelock
    Ellis nach. (Das Geschlechtsgefühl, S. 16.)

    23)Die Aufklärung über die Herkunft der kindlichen Angst verdanke ich
    einem dreijährigen Knaben, den ich einmal aus seinem dunklen Zimmer bitten
    hörte: Tante, sprich mit mir; ich fürchte mich, weil es so dunkel ist. Die Tante
    rief ihn an: Was hast du denn davon? Du siehst mich ja nicht. Das macht
    nichts, antwortete das Kind; wenn jemand spricht, wird es hell. – Er fürchtete
    sich also nicht vor der Dunkelheit, sondern weil er eine geliebte Person ver-
    mißte, und konnte versprechen sich zu beruhigen, sobald er einen Beweis von
    deren Anwesenheit empfangen hatte.