• S.

    557


    Dr. Denis Carroll wurde zum außerordentlichen Mitglied der Gesellschaft
    gewählt.

    Miß Sheehan-Dare wurde zum Mitglied gewählt.

    Die Frage von öffentlichen, nichttechnischen Vorlesungen über Psychoanalyse
    kam zur Diskussion, und der Vorstand des Psychoanalytischen Instituts wurde
    ersucht, in dieser Hinsicht das Notwendige zu veranlassen.

    S. M. Payne
    Geschäftlicher Sekretär

    Adressen:

    Mr. Cyril Burt, 4 Eton Road, London NW. 3.
    Dr. Denis Carroll, 22 Queen Anne Street, London W. 1.
    Miß Barbara Low, 3 Bulstrode Street W. 1.
    Dr. Bernard Hart, Harcourt House, Cavendish Square W. 1.
    Dr. Rees Thomas, 26 Queens Gardens, W. 2.
    Dr. E. R. Winton, 1 Drosier Road, Cambridge.

    Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft
    II. Quartal 1932

    12. April 1932. Vortrag Dr. Wulff: Über einen interessanten oralen Sym-
    ptomenkomplex. (Erscheint im Druck.) – Diskussion: Fenichel, Bally Frau Deri
    (a. G.), Sachs, Lampl.

    19. April 1932. Vortrag Dr. Sachs: Die Verspätung des Maschinenzeitalters.
    (Erscheint im Druck.) – Diskussion: Staub, Hoffmann, Reich, Lantos, Bernfeld,
    Fenichel, Bally, Boehm, Simmel.

    30. April 1932. Vortrag Dr. Lampl-de Groot: Ein Beitrag zu den Pro-
    blemen der Libidostrebungen mit aktiver und passiver Zielsetzung. – „Die Lehre
    der Bisexualität.“ Endgültige Entwicklung zur Männlichkeit (Aktivität) und zur
    Weiblichkeit (Passivität) erst in der Pubertätszeit, aber Vorbereitung dazu in der
    frühen Kindheit. Zum aktiven Lieben benötigt ein Individuum ein bestimmtes
    Niveau seines narzißtischen Libidoreservoirs, um Libido auf das Objekt verschieben
    zu können. Bei Beeinträchtigung des Narzißmus muß es sich passiv lieben lassen,
    um denselben wieder zu stärken. Im Mittelpunkt der frühen narzißtischen Krän-
    kungen steht die phallische, beim Knaben eine pathologisch starke Kastrationsangst,
    beim Mädchen die Entdeckung seiner Penislosigkeit. Diese Kränkungen verursachen
    das Aufgeben der Aktivität und die Bevorzugung der Passivität. Letztere wird
    fixiert durch ein Nach-Innen-Wenden des Aggressionstriebes (Masochismus). Dieser
    Vorgang führt bei Knaben zur Fehlentwicklung, beim Mädchen zur normalen Weib-
    lichkeit.

    Unter Anwendung von Freuds Triebtheorie wird untersucht, welche Libidoanteile
    sich aktiver und welche sich passiver Zielsetzungen bedienen. Der narzißtischen
    Libido scheint die Aufgabe zuzukommen, den im Organismus wirksamen Todestrieb
    zu binden. Die Beziehungen zu den Objekten werden durch Aggressionstrieb (nach
    außen gewandter Todestrieb) eingeleitet, der von Libido begleitet wird (Verhalten

  • S.

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    des Säuglings zur Mutterbrust). Beim sekundären Nach-
    sions- und Wahnideen‘) sind NICHT line breaks! Output them exactly as printed on the same line. Do NOT wrap them, do NOT add a 
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    des Säuglings zur Mutterbrust). Beim sekundären Nach-
    innen-Wenden des Aggressionstriebes wird auch Libido ins Ich zurückgezogen. Es scheint wahrscheinlich, daß
    die aktiv gerichteten Libidostrebungen diejenigen sind, die den nach außen ge-
    wendeten Aggressionstrieb begleiten, während die Libidoanteile mit passiver Ziel-
    setzung den nach innen gewendeten Aggressionstrieb binden.“

    10. Mai 1932. Kleine Mitteilungen: Dr. Bernfeld: Thomasius, ein Vorläufer
    der Analyse im 17. Jahrhundert. – Dr. Simmel: Der Coitus interruptus und
    sein Gegenstück, der Coitus prolongatus (ein Beitrag zur Psychopathogenese des
    Präventivverkehrs). – „Aus Analysen von Neurotikern, die zeitweilig als sexuelles
    Regime den Coitus interruptus vollzogen, ließ sich vermuten, daß diese Art des
    Sexualverkehrs häufiger in entscheidender Weise vom Unbewußten aus determiniert
    sein dürfte. – Die bewußten Begründungen für die absichtliche Unterbrechung des
    Sexualaktes wie die Verhütung der Schwängerung erscheinen als Rationalisierung
    und nicht genügend zur Erklärung für die Haltung des Mannes, der den eigentlichen
    Sexualgenuß seiner Partnerin vollkommen ignoriert. Es kann angenommen werden,
    daß der Coitus interruptus häufig die Befriedigung eines infantilen Sexualanspruches
    aus der ödipalen und präödipalen Zeit darstellt. Der Coitus interruptus dürfte häufig
    eine echte Perversion darstellen. Der starke Genuß bei diesem Sexualregime dürfte
    auch hier wie sonst bei der Perversion in der Annullierung der Kastrationsgefahr
    liegen; durch die Unterbrechung des Aktes wird der bedrohte Penis immer wieder
    gerettet.

    Im Gegensatz hierzu ist bei zwangsneurotischen Männern nicht selten ein Sexual-
    regime zu beobachten, das den Namen Coitus prolongatus verdient. Bei diesem ist
    der Mann im Gegensatz zum Coitus interruptus übermäßig von dem Gedanken be-
    herrscht, daß er die Verpflichtung habe, die Frau orgastisch zu befriedigen. Des-
    wegen besteht eine Tendenz, durch gedankliche Manipulationen während des Aktes
    die Erektion möglichst zu verlängern, um die Ejakulation hinauszuschieben. Wenn
    dies gelingt, sind die Friktionen oft mehr oder weniger lustlos, und die Ejakulation
    erfolgt dementsprechend ohne psychischen Orgasmus. Dieser neurotische Mechanis-
    mus im Sexualregime stellt eine Abwehr der vorher beschriebenen Perversion des
    Coitus interruptus dar.

    Zwischen beiden Arten des Sexualregimes als Symptomhandlungen steht die
    Ejaculatio praecox als echtes neurotisches (Konversionssymptom), als Kompromiß-
    leistung zwischen Befriedigungs- und Strafbedürfnis. Der Coitus interruptus ist
    gleichsam eine artifizielle Ejaculatio praecox, der Coitus prolongatus ihre Ver-
    meidung.

    Die aktualneurotischen Schädigungen des Coitus prolongatus dürften denen des
    Coitus interruptus gleich sein; denn hier wie dort dürften durch die Diskongruenz
    im psychisch-somatischen Erregungsablauf Störungen im Sexualmechanismus auf-
    auftreten.“ – Diskussion: Lampl, Bally, Hárnik, Lampl-de Groot, Kempner.

    28. Mai 1932. Geschäftssitzung: Die Gesellschaft nimmt Stellung zu dem Rund-
    schreiben von Professor Freud von Ostern 1932 über die Schwierigkeiten des
    Verlages. Die Gesellschaft übernimmt eine monatliche Garantie von 600 Mk. für
    zwei Jahre; d. h. jedes Mitglied wird verpflichtet, monatlich mindestens drei Dollar
    für zwei Jahre zu bezahlen. Die Beiträge sollen an Dr. Lampl gezahlt werden;

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    Schwierigkeiten weniger bemittelter Kollegen soll eine Kommission, bestehend aus
    Dr. Eitingon und Dr. Lampl, regeln. Die Zahlungen an den Stipendienfonds sollen
    bis auf weiteres fortfallen.

    31. Mai 1932. Vortrag Dr. Landmark: Über Erogenität und Objektlibido.
    — „Um zur Diskussion des Verhältnisses von der Erogenität zur Objektliebe zu
    kommen, wird zunächst eine Klarstellung der Art und Wirkungsweise der erogenen
    Zonen auf anatomisch-physiologischer Grundlage versucht: Die Erogenität sei an
    die zentripetale Tätigkeit der Rezeptoren geknüpft. — Als charakteristisch für die
    Objektliebe zur Unterscheidung von anderen sexuellen Objektbeziehungen wird die
    selbstlose, beglückende, ‚zentrifugale‘ Tendenz hervorgehoben. — Der Einklang mit
    dem Lustprinzip wird indessen bewahrt durch Einfühlen des Subjektes in das Objekt,
    welches als eine Identifizierung angesehen wird. — Diese Identifizierung wäre ein
    Ausdruck des Strebens, nach Aufrichtung eines umfassenderen Ichs, dessen Grenzen
    notgedrungen anerkannt werden müßten. In dieser Richtung wäre eine psychologisch
    faßbare Wurzel der Objektliebe zu suchen.“ — Diskussion: Hárnik, Fenichel, Lampl
    de Groot, Horney, Reich, Graber, Gerö (a. G.).

    7. Juni 1932. Vortrag Dr. Kluge (a. G.): Beobachtungen und Gedanken zur
    religiösen Sublimierung. — „Die psychoanalytische Methode hat auf dem Gebiete
    der Religionspsychologie bereits weittragende Entdeckungen zu verzeichnen, indem
    sie allenthalben in den religiösen Gebilden die Auswirkungen des Ödipuskomplexes
    nachwies; allerdings eingedenk des ihr eigenen Prinzips der Überdeterminierung, was
    in diesem Zusammenhange bedeutet, daß bei der Gesamtwürdigung des Religiösen
    auch andere Forschungsmethoden zu Worte kommen müssen. Wissenschaft bedient
    sich ausschließlich des kritischen Intellekts zur Verarbeitung von Beobachtungen in
    der realen Welt. Hier steht, vom Erlebnis distanziert, das diskursiv-erkennende Sub-
    jekt einer von ihm getrennten Objekt-Außenwelt gegenüber. Diesem Real-Ich bleibt
    das Religiöse eine Illusion. Dagegen würde einer anderen Ich-Struktur auch eine
    andere Welt und Wirklichkeit entsprechen (Perspektivismus). Entwicklungsmäßig
    geht der Mensch durch verschiedene Ich-Strukturen hindurch, die aber nicht spurlos
    untergehen, sondern in tieferen psychischen Schichten existent bleiben. Der aller-
    frühesten Schicht gehört nach Freud das ozeanische Gefühl zu. In ihr ist die
    Subjekt-Objekt-Scheidung noch nicht vollzogen, so daß ‚unser heutiges Ich-Gefühl
    nur ein eingeschrumpfter Rest eines weitumfassenderen Gefühls ist, welches einer
    innigeren Verbundenheit des Ichs mit der Umwelt‘ entspricht. Solche im Gegensatz
    zur Subjekt-Objekt-Relation anzunehmende ‚Partizipation‘ würde in der post-
    embryonalen Mutter-Kind-Beziehung gründen. Der psychoanalytischen Forschung
    erwachse somit, über den Nachweis der Beziehungen der religiösen Vatersehnsucht
    zum Ödipuskomplex hinaus, die weitere Aufgabe, in die präödipale Schicht früh-
    kindlichen Erlebens mit seiner religiösen Muttersehnsucht hinabzudringen.“ — Dis-
    kussion: Müller-Braunschweig, Bernfeld, Schulz-Hencke, Simmel, Horney, Fenichel.

    21. Juni 1932. Geschäftssitzung: Dr. Gustav Hans Graber und Dr. Johannes
    Landmark werden als außerordentliche Mitglieder aufgenommen.

    Es folgt eine Aussprache über politische Gesichtspunkte in der psychoanalytischen
    Diskussion.

    28. Juni 1932. Vortrag Dr. Reich: Massenpsychologische Probleme innerhalb

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    der Wirtschaftskrise. — „An der Hand der nationalsozialistischen Bewegung wird
    gezeigt, daß die familiäre Situation des Kleinbürgertums seine Radikalisierung im
    Sinne der politischen Reaktion statt in dem der Revolution abbiegt. Der National-
    sozialismus erfüllt die Rebellion der Mittelschichten mit reaktionären Inhalten, zu
    deren Annahme die frühere soziale und familiäre Lage besonders disponierte. Die
    Analyse des effektiven Gehaltes der Rassen-theorie ergibt, daß ‚nordisch-rassisch‘
    gleich rein, d. h. asexuell setzt ‚fremdrassig‘ dagegen das Sinnliche, niedrige Tierische
    meint.“ — Diskussion: Staub, Schultz-Hencke, Fenichel, Simmel, Bernfeld.

    Dr. Felix Boehm
    Schriftführer

    Magyarorszagi Pszichoanalitikai Egyesület

    II. Quartal 1932

    1. April 1932. Generalversammlung. Die neuen, von den Behörden genehmigten
    Statuten wurden vorgelegt. Der Vorstand wurde neugewählt und außerdem
    Dr. I. Hollós zum Stellvertreter des Präsidenten gewählt.

    8. April 1932. Dr. M. J. Eisler: Versuch einer Seelenrettung bei Goethe.

    22. April 1932. Frau Dr. L. K. Rotter: Eine Phase der weiblichen Libido-
    entwicklung.

    6. Mai 1932. Frau A. Bálint: Referat über die psychoanalytischen Arbeiten
    von Frau Dr. Horney.

    20. Mai 1932. Frau Dr. F. K. Hann: Daten zur Entwicklungslehre der weib-
    lichen Sexualität.

    10. Juni 1932. Dr. I. Hollós: Psychopathologie kleiner telepathischer Er-
    scheinungen.

    24. Juni 1932. Dr. M. Bálint: Charakteranalyse und Neubeginn.

    Adressenänderung: Dr. Zs. Pfeifer, Budapest, I., Attila u. 69.

    Dr. Imre Hermann
    Sekretär

    Nederlandsche Vereeniging voor Psychoanalyse

    I. und II. Quartal 1932

    16. Januar 1932 (Haag). Jahresversammlung. In den Vorstand werden wieder-
    gewählt: J. H. W. van Ophuijsen (Präsident), A. Endtz (Sekretär) und Dr. F. P.
    Muller (Kassier). Prof. Dr. K. H. Bouman wird wiedergewählt als Bibliothekar.
    M. Katan. Ein Fall von seniler Melancholie.

    5. März 1932 (Amsterdam). J. H. van der Hoop: Bedeutung der Cha-
    raktertypen von Jung.

    30. April 1932 (Haag). Die Zusammenarbeit mit der Nederlandsche Vereeniging
    voor Psychiatrie en Neurologie wird besprochen auf Grund eines Schreibens
    dieser Vereeniging. Angenommen wird, daß ein Mitglied des Vorstandes der Neder-
    landsche Vereeniging voor Psychiatrie en Neurologie den Sitzungen der Neder-
    landsche Vereeniging voor Psychoanalyse regelmäßig beiwohnen wird. Weiters wird
    ein Entwurf neuer Statuten behandelt. Versammlung spricht sich mit 10 gegen