Die Nausikaaepisode in der Odysee 1919-510/1919

Winterstein, Alfred (1919-510/1919): Die Nausikaaepisode in der Odysee

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          Die Nausikaaepisode in der Odyssee.      

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                      Einem Fingerzeig von C. Fries ("Das Zagmukfest auf
    Scheria und der Ursprung des Dramas", Mitt. der Vorderasiat. Ge-
    sellschaft, 1910) folgend, der in Nausikaa die Mutter des Hel-
    den (Odysseus) zu entdecken glaubt, versucht der Vortragende,
    eine wesentliche Uebereinstimmung der einzelnen Stücke der
    Nausikaaepisode mit dem von Rank in den zwei Abhandlungen über
    den "Mythos von der Geburt des Helden" und "die Lohengrinsage"
    aufgestellten Schema der uralten, weitverbreiteten mythischen
    Erzählung von der wunderbaren Geburt und dem ruhmvollen Leben
    des Helden nachzuweisen; als ein Ast dieses Sagenstammes ist
    auch die bekannte Schwanrittersage zu betrachten. Die drei
    Hauptbestandteile des Mythus: geheimnisvolle Ankunft, Heirat
    und Abfahrt des Helden, finden ihre Entsprechungen - teils
    symbolisch ausgedrückt, teils in einer scheinbar nicht zur
                                          episode
    Haupthandlung gehörigen Nebenperiode behandelt - im Schiffbruch
    des Odysseus, der ihn ans Ufer der Phäakeninsel wirft, im Her-
    austreten aus dem Gebüsch (Wiederholung des Motivs der Geburt),
    in der Demodokoseinlage, die des Ares und der Aphrodite ver-
    botene Lust besingt, und in der Abreise des Odysseus zu Schiff
    als Schlafender, bevor er nach Ithaka gelangt. Dieser dem Tode
    verglichene Schlaf versetzt den Helden wieder in den Zustand vor
    der Geburt, er kehrt in den Mutterleib zurück, um in Ithaka,
    seiner heimatlichen Insel, neugeboren zu werden. Verschiedene
    bei Homer überlieferte Züge werden als Beleg für die inzestuöse
    Natur der Beziehung zwischen Sohn und Mutter verwertet, das
    mit dem Schau- und Zeigetrieb verknüpfte Motiv der Nacktheit
    wird in Anlehnung an O. Rank ausführlich erörtert, die Euryalos-
    episode als Sieg über den Vater gedeutet, wenn auch Euryalos
    in der späteren Sage als Sohn des Odysseus erscheint. Auch hier
    kehrt die zyklische Form des Mythus wieder, wie sie in der

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    Lohengrinsage beobachtet wurde. Die Frage nach der inneren Ge-
    schlossenheit der Phäakenepisode wird vom Vortr. bejahend be-
    antwortet, im Anschluss daran die Ansicht von Fries, daß dem
    Mythos von Odysseus ein nicht mehr verstandener Ritus der Ein-
    holung des Frühlingsgottes zugrundeliege, wiedergegeben, fer-
                                                            u
    ner als eine Bestätigung für die Richtigkeit der Deutung der
    Mythus von Gilgamesch herangezogen, für den P. Jensen in der
    israelitischen Sage bis zur Jesussage und in der griechischen
    Mythologie zahlreiche Parallelen aufzeigt.- Im Anhang wird die
    Produktionshemmung, der Goethe bei seinem Nausikaafragment un-
    terlag, mit dem inzestuösen Charakter der Neigung des Ulysses
    (mit dem sich Goethe identifiziert) zu Nausikaa (die eine Mutter-
    figur darstellt) in Zusammenhang gebracht.-

         W.