[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Außerordentliche Generalversammlung 1911-427/1911.01

Rank, Otto (1911-427/1911.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Außerordentliche Generalversammlung

Zurück zum Werk
  • S.

    28/146
    zu 146





    P R O T O K O L L
    der
    ausserordentlichen Generalversammlung
    vom 11. Oktober 1911.

  • S.

    kopiert



    Ausserordentliche Generalversammlung
    am 11/Oktober 1911.


    T A G E S O R D N U N G .


    I. Kongressbericht:
        A) Allgemeines
        B) Zentralblatt
    II. Vereinsangelegenheiten:
        a) Mitgliedsbeiträge (Zentralblatt) .... Dr. Steiner
        b) Lokal ................................ "    "
        E) Innere Angelegenheiten
        F) Neuwahl von Mitgliedern: (Austritt Baron Hye).
            1. Dr. Van Emden, Leiden
            2. Dr. Aug. Stärcke, Huister Heide
            3. frl. Dr. S. Spielrein
        G) Programm der nächsten Abende

           Bisher angemeldet:
               Dr. Viktor Tausk: Beispiele für Problemstellung in
                             und aus der Psychoanalyse.


    —  Onanie —

  • S.

    -1-

           Prof. Freud begrüsst die Versammlung und konstatiert deren Beschluss-
    fähigkeit. Nach einem kurzen Bericht Bericht über die organisatorischen Beschlüsse
    des Kongresses (Ortsgruppen Amerika, Wiederwahl des Präsidiums) nimmt das
    Wort
           Dr. Stekel um über Vereinigung des Korrespondenzblattes mit dem Zen-
    tralblatt und Erhebung desselben zum offiziellen Vereinsorgan zu referie-
    ren. Er bittet, sich eifrig in der Mitarbeit sowie am Referatenwesen zu
    beteiligen und nach Kräften zur Ausgestaltung des bibliographischen Teils
    beizutragen.
           Dr. Steiner schlägt auf Grund der Erhöhung des Internationalen
    Beitrags auf Mk 15.— vor den Mitgliedsbeitrag durchgängig auf K60.— pro
    Jahr festzusetzen. Jedoch solle eine Reduktion dieses Beitrages auf K40.—
    durch Anmeldung beim Kassier möglich sein.
           Der Antrag Steiner wird angenommen.
           Dr. Steiner berichtet ferner über die Lokalschwierigkeiten, die
    sich durch Verlust des bisherigen Lokals ergeben haben. Das Doktorenkolle-
    gium bezieht sein neues Heim erst Ende November, wo man sich auch erst ent-
    scheiden kann, ob wir es weiterhin benützen können.
           Nach verschiedenen Vorschlägen zu dieser Frage wird ein zweigliedriges
    Komite bestehend aus den Herren Dr. Steiner und Hitschmann eingesetzt,
    um geeignete Vorschläge zur Lösung dieser Frage zu machen.
           Prof. Freud gibt hierauf bekannt, dass seit der letzten Vereins-
    sitzung folgende Mitglieder ausgetreten seien: Dr. Adler, Dr. Bach, Dr. Maday
    und Dr. Baron Hye.
           Von Neuanmeldungen liegen vor: Dr. van Emden, Leiden, Dr. Stärcke, Huis-
    ter Heide, Frl. Dr. Spielrein Wien. Mit Rücksicht darauf, dass die Neuwerber
    einem grossen Teil der Mitglieder bekannt sind, schlägt der Vorsitzende
    die sofortige Vornahme der Wahl vor.
           Dr. Sadger stellt den Antrag, den bisherigen Wahlmodus dahin ab-
    zuändern, dass statt eines Viertels der abgegebenen Stimmen bereits weni-
    ge, etwa 3, negative Stimmen zur Abweisung eines Werbers genügen sollen.
           Der Vorsitzende behält den Antrag Sadger einer besonderen Be-
    sprechung vor und schreitet an die Abstimmung über die neugemeldeten
    nach dem bisherigen Modus. Alle drei Aufnahmswerber erscheinen einstim-
    mig aufgenommen.
           Dr Stekel meldet Herrn cand. phil. Theodor Reik für November

  • S.

    -2-

    zu einem Probevortrag über die Beziehungen des tragischen zum Unbewuss-
    ten an, der vom Plenum zugelassen wird.
           Der Vorsitzende ergreift hierauf das Wort zu dem Punkt: innere
    Angelegenheiten und legt jenen Herren, die dem Kreise Dr. Adlers, dessen Un-
    ternehmungen den Charakter einer feindseligen Konkurrenz zeigen, angehören
    im Namen des Ausschusses die Entscheidung vor, zwischen ihrer Zugehörig-
    keit hier oder dort zu wählen, da der Vorstand den jetzigen Zustand für
    inkompatibel halte. Der Vorsitzende motiviert diese Auffassung des Vor-
    standes und bittet jene Herren, die ihm nicht bekannt sind, ihre Entschei-
    dung bis zum nächsten Mittwoch vorzulegen.
           Dr Furtmüller nimmt das Wort zu einer längeren Auseinanderset-
    zung in der er mit Rücksicht auf die gewechselten Schriftstücke, die er
    zur Verlesung bringt, seiner Verwunderung über die Meinungsänderung des
    Ausschusses Ausdruck gibt und fordert schliesslich das Votum des Plenums
    über die Frage der Inkompatibilität.
           Dr. Sachs widerlegt zunächst die formalen Bemängelungen des Vor-
    redners, begrün klärt die scheinbare Meinungsänderung des Vorstandes auf
    und begründet ausführlich die Inkompatibilität. Er resumiert, dass es dem
    Vorstande fern liege, jemand herauszudrängen; es genüge die einfache Opt-
    tion, aber reinliche Scheidung müsse herrschen.
           Heller begründet in längerer Rede die Inkompatibilität und die
    Forderung der Option.
           Dr. Federn ist ebenfalls für Scheidung.
           Dr. Furtmüller versucht einzelne der vorgebrachten Argumente,
    insbesondere von Dr. Sachs zu entkräften und die ganze Frage zu einer
    Entscheidung über freie oder vorurteilsvolle psychoanalytische Forschung
    zuzuspitzen.
           Prof. Freud macht ein paar faktische Bemerkungen zur Unter-
    stützung des Standpunkts des Vorstands.
           Dr. Stekel macht den Vermittlungsvorschlag es eine Zeitlang noch
    zusammen zu versuchen.
           Rosenstein ist ebenfalls für den Vermittlungsvorschlag.
           Dr. Tausk plädiert für die Abstimmung über die Option.
           Dr. Hitschmann ist ebenfalls für Trennung.
           Grüner Gustav spricht über seine persönliche Stellungnahme.
           Dr. Sadger beantragt Schluss der Debatte und Abstimmung.

  • S.

    -3-

    Generalredner pro Dr. Steiner beantragt die Herren vor das aut-aut zu stel-
    len.
    Generalredner contra Dr Furtmüller hält den Vermittlungsvorschlag Vermittlungsvorschlag Dr. Ste-
    kels für unannehmbar  und erklärt dass er alles getan habe, um die Situa-
    tion nicht zu verschärfen. Er beantragt namentliche Abstimmung.
           Zur Abstimmung gelangt folgende Resolution: Die Versammlung
    erklärt, dass sie nach der Sachlage die Zugehörigkeit zum Verein für freie 
    psychoanalytische Forschung als inkompatibel mit der Zugehörigkeit zur 
    psa. Vereinigung empfindet.
           Für diese Fassung sind 11 Stimmen, dagegen 5 Stimmen, die Resolu-
    tion also angenommen
           Dr Furtmüller erklärt hierauf in seinem Namen und im Namen 
    von weiteren 5 Mitgliedern (DR. Oppenheim, Frau Dr. Hilferding, Franz und Gu-
    tav Grüner, Paul Klemperer) den Austritt aus der Vereinigung.
           Der Vorsitzende entwickelt hierauf das Arbeitsprogramm  für 
    die nächste Zeit und lädt schliesslich jene Herren, die irgendwelche Aufklä-
    rungen in der Angelegenheit Adler wünschen für Montag 9 Uhr in seine 
    Wohnung.