[Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Referate und kasuistische sowie sonstige kleinere Mitteilungen 1910-432/1910.01

Rank, Otto (1910-432/1910.01): [Diskussionsbemerkungen Freuds zu:] Referate und kasuistische sowie sonstige kleinere Mitteilungen

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    P R O T O K O L L

    der



     

    8. S I T Z U N G

    am 23. November 1910.











     

    Referate und kasuistische sowie sonstige kleinere Mitteilungen.

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          Stekel fordert zu Beginn der Sitzung zu eifrigerer Mitar-
    beiterschaft am Zentralblatt auf und bringt eine Anregung Prof.
    Freuds zur Kenntnis wonach die Teilnehmer an den Referierabenden
    aufgefordert werden, ihre kleinen Mitteilungen dem Zentralblatt
    zur Verfügung zu stellen.

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    Prof. Oppenheim setzt seinen Bericht über volkstümliche Schwänke,
    in denen Träume eine Rolle spielen, mit einigen Beispielen fort, die
    auf das Gebiet der Analerotik zu ziehen wären und wiederholt die
    Frage, ob diese Träume ebenfalls nach den Regeln der freudschen
    Lehre deutbar seien. - Unter anderem werden genannt: Als Symbol der
    infantilen Verunreinigung im Bett eine Spinne, die ihren Faden
    zieht. - Die Verunreinigung der Ehefrau oder des Schlafgenossen in-
    folge der Traumvorstellung, man müsse den Platz bezeichnen, wo ein
    Schatz verborgen liege. - Die ähnliche Verunreinigung eines Grabes
    im Traume, die Redner mit dem Grumus merdae in Beziehung bringt.


     

      Stekel weist darauf hin, dass sich das Fadenziehen auf
    Sperma bezieht, wie auch die Spinne in den Träumen häufig
    als Penissymbol auftritt. - Der Schatz geht über die Asso-
    ziationen Gold und Kot auf die Frau (lieber Schatz) und
    der Mann, der die Schatzstelle auf so merkwürdige Weise be-
    zeichnet, will sagen, dass er auf die Frau scheisst; er will
    die Frau vergraben und nicht den Schatz.
    Oppenheim weist darauf hin, dass es sich in der vorgetra-
    genen Geschichte vom Spinnenfaden um Kot handle; Dass die-
    ses Symbol häufig auf den Samenfaden geht, ist ihm be-
    kannt (Lebensfaden).
    Adler erinnert an seinen kürzlich vorgebrachten Fall des
    Mädchens, die ihr Bett mit Stuhl verunreinigte; Diese Pat.
    hatte auch einen Gräberschändungstraum, dessen Deutung
    ähnliches wie Oppenheim anführe ergab: Hass gegen die Mut-
    ter bis über das Grab hinaus. Sie beschmutzt das Grab der
    Mutter, die dabei unten ist, während die Pat. oben ist, was
    als treibendes Motiv ihrer ganzen Neurose aufgezeigt wurde.
    Tausk weist darauf hin, dass im Traum von der Spinne auch
    der Blitz als Penissymbol erscheine und dass der Mann sei-
    ne Kinder sehen wolle, was die Beziehung zum Samenfaden
    wahrscheinlicher mache. - Die häufige Verbindung von Sexu-
    alität und Defäkation bei den Türken scheine daher zu stam-
    men, dass der Dreck die Rolle des Hohnes übernommen habe u.
    man nicht immer auf dem letzten analerotischen Zusammenhang
    zurückgehen müsse. - Das Minarett (in einem der Träume) gilt
    allgemein als Symbol des Penis, der oben befindliche Kup-
    ferkessel ist die Eichel.
    Stekel meint, dass der Traum von Adlers Pat. einer Ueber-
    deutung auf den Mutterleib (Grab) fähig sei; einer seiner Pat.
    ein Urin- und Kotesser hatte die Phantasie seines Aufent-
    halts im Mutterleib (inter faeces et urinae nascimur).
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    Federn weist auf die blasphemische Verbindung von Defäka-
    tion und Himmelreich hin, die in diesen Träumen auffalle.
    Freud habe einmal darauf aufmerksam gemacht, dass alle Leu-
    te mit Leichenliebe die Mutter verloren hatten.
    Rank weist auf einen von der Mutter Alexanders des Grossen
    berichteten Traum hin, in welchem der Blitz und das Feuer
    als Symbol des Penis bezw. der Befruchtung erscheine und
    auf eine anekdotische Verwendung des Dochtes als Penis-
    symbol.v
    Reitler meint, die Spinnenphantasie sei überdeterminiert als
    ausgehen des Urinfadens. Im Dienste der Zensur ist die für
    das Kind rein sexuelle Harnentleerung ersetzt durch die
    Stuhlentleerung. Fälle, wo urinieren aufs Grab als infanti-
    ler Sexualakt aufzufassen war.
    Grüner möchte die allgemeine Frage Oppenheims in einem er-
    weiterten Sinne bejahen: Nicht nur in den Träumen sondern
    in den ganzen Schwänken überhaupt, die ja als Träume auf-
    zufassen sind, erscheint die Sexualsymbolik verwendet.
    Das Land des Todes ist gleich dem Lande vor der Geburt, d.
    i. dem Mutterleib, wo sich die noch ungeborenen Kinder als
    Lichter befinden. - So kleine Tiere wie die Spinne u. a. wer-
    den nicht nur als Symbol des Penis sondern auch als Kind
    im Mutterleib verwendet.
    Adler verweist darauf, dass sich bei seiner Pat. die Mutter-
    leibsphantasie zwar nicht in dem Traum aber in einem ande-
    ren Zusammenhang nachweisen liess. Sie benützt gewisse ihr
    aus der Kindheit zugekommne Nachrichten über ihre schwere
    Geburt und die Äusserungen des Vaters darüber, um ihren
    Wunsch nach Selbstmord symbolisch als Mutterleibsphanta-
    sie auszudrücken.
    Federn möchte das Verhältnis umgekehrt auffassen, dass näm
    lich der Selbstmord von dem Wunsch, zur Mutter zurückzukeh-
    ren, abstammt.
    Winterstein meint, dass auch der Ariadnefaden sexualsymbo-
    lische Bedeutung habe: minotaurus der Vater, Theseus, der
    Jüngling, der sie vermittelst seines Fadens (Umkehrung) aus
    dem Labyrinth bringt.
    Grüner ergänzt, dass die vorgeburtlichen Phantasien sich
    auch auf den Vater beziehen, in dessen Leib das Kind eben-
    falls vor der Geburt gewesen zu sein glaubt.
    Sachs weist darauf hin, dass auch die Tendenz dieser Schwän
    ke der Oppenheimschen Auffassung des Spinnenfadens recht
    zu geben scheine. Dem Mann, dem eine Leistung missglückt, von
    dem sagt man ja, er hat sich angeschissen. Uebrigens ver-
    binden einige dieser Schwänke den Analgenuss in charakter-
    istischer Weise mit dem Verzicht aufs Weib.
    Prof. Freud möchte die Anfrage Oppenheims, ob sich die Angst
    in diesen Träumen so deuten lasse wie sonst in den Träumen
    mit ja beantworten. Das sind den Pollutionsträumen analog
    zu nehmende Entladungsträume. Und wie die Pollutionsträu-
    me oft undeutlich beginnen und in dem Masse als der Trieb
    stärker wird, sich deutlicher fortsetzen, so ist auch die
    Angst, die in diesen Träumen verspürt wird, der Widerstand,
    der sich bei der Verdrängung stark äussert, der aber dann
    sowie der Motor (hier der Stuhldrang) stärker wird, überwun-
    den werden kann. J
    Der Haufen, mit dem der Schatz bezeichnet wird, findet sich
    auch bei Besage. - Der Geist, der in einem der Träume mit ei-
    nem Lichte den Weg weist, bezieht sich auf das Suchen des
    Abortes; später wird der Traum bequemer und der Weg ganz
    erspart. - Von den verschiedenen Deutungen des Grumus mer-
    dae erscheine als die wichtigste, dass sie das Gewissen d
    des Verbrechers repräsentieren (Stekel: Ersatz für das Geraub-
    te). Grüners Ausführungen, die nicht den vollen überzeu-
    genden Eindruck machen, lassen sich in einem Punkte bestä-
    tigen: dass Ungeziefer in Träumen häufig Kinder bedeuten
    und Angst vor Ungeziefer auf Angst vor Kindern zurückgehe.
    Stekel hat daneben andere Bedeutungen für das Ungeziefer
    gefunden: z.B. Vorwürfe oder rein sexuelle Bedeutungen. Alle
    stechenden Tiere sind Symbole des Penis (Floh, Kleinpaul).

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    Hilferding erinnert bei einem Dialektschriftsteller den
    Ausdruck Geziefer für Kinder gelesen zu haben.
    Prof. Freud erinnert an eine kulturhistorische Kuriosität,
    die sich in den Briefen der Pfalzgräfin Charlotte finde.
    Sie war kinderlos und eine Freundin aus Deutschland schrie
    ihr, ob vielleicht bei ihrem Manne der gute Zwirn für
    schlechte Säcke vernäht worden sei.
    Die Menschen haben keine neue Tätigkeit gelernt, ohne sie
    nicht als Sexualsymbol gebraucht zu haben. Für unsere Er-
    kenntnis haben nur die allerersten kulturhistorisch un-
    durchsichtigen Symbole Wert. Symbol ist für das Unbewusste
    identisch mit Sexualsymbol.

    Klemperer meint, dass diese Schwänke hinter aller Lustig-
    keit eine tiefe Tragik verbergen und dass die Angst darin
    als Todesangst, die dem vollen Leben gegenübergestellt sei,
    verständlich werde.
    Nepallek meint dagegen, dass z.B. in dem ersten erzählten
    Schwanktraum, wo der Mann Angst habe, dass sein lebenslicht
    früher als das seiner Frau ausgehen werde und er sich be-
    müht, die Oelfüllung beider Lampen durch Uebertragung mit
    dem Finger aus der Lampe seiner Frau (deren Genitale) in
    die seinige auszugleichen, nicht die Todesangst so sehr
    als die Angst vor Impotenz ausdrücke (Erlöschen der Potenz).
    Die länger brennende Lampe sei ein Symbol der weiblichen
    Potenz, die länger halte als die männliche; das bemüht sich
    der Mann auszugleichen und er kann das mit dem Finger,
    den er dann zum Munde führt.


     

         / Adler: Ein Beitrag zur Organminderwertigkeit. /
    Redner erinnert an seine Aufstellung, dass die Neurosen mit mangelhaf-

    ten Entwicklungen des Sexualorganes (speziell Hypoplasie) zusammen-

    hängen und dass sich bei solchen Individuen auch andere Organmin-

    derwertigkeiten finden. Nun ist Kirle auf pathologisch-anatomischem

    Gebiete zu ähnlichen Befunden gekommen. Es liess sich nämlich bei ju-

    gendlich Verstorbenen fast regelmässig Hypoplasie des Genitalorgans

    (speziell der männlichen Keimdrüsen) nachweisen. Schon früher fand

    Bartel in den Organen von Selbstmördern regelmässig Hypoplasien.
    Für uns handelt es sich darum, ob es eine toxische Veränderung ist,
    die das Individuum leistungsunfähig macht im Sinne der Neurose oder
    ob es das hervorgehobene Verhältnis ist, dass solche Individuen durch
    ihre ursprüngliche Leistungsunfähigkeit zur Neurose gelangen. Für das
    letztere scheint der Umstand zu sprechen, dass man sehr häufig bei
    den Neurotikern Anomalien der primären und sekundären Geschlechts-
    charaktere findet.

    R / Federn hat bei seinen Neurotikern häufig Zeichen von Un-
    terentwicklung der Genitalien gefunden und bereits darauf
    hingewiesen, dass sadistische und masochistische Reizungen
    der Kinderzeit auf die Folgen dieser Unterentwicklung zu-
    rückgehen, die auf diese Weise auf die Psyche des Kindes
    wirken. - Freud hat übrigens schon vor mehreren Jahren von
    einem Fall von Dementia praecox berichtet mit auffallend
    schlecht entwickelten Genitalien. - Die Neurose kommt eben
    bei solchen Menschen zustande, bei denen die sexuelle Ent-
    wicklung der Kinderzeit nicht normal verläuft. Die Haupt-
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    bedingung dazu ist, dass eine abnorme Organentwicklung
    vorausgeht. Adler fügt hinzu, dass sich das Kind dieser
    Minderwertigkeit auch bewusst sei. Diese Unterentwick-
    lung allein genügt aber noch nicht zur Erzeugung der
    Neurose. Die Bedeutung der Organminderwertigkeit wäre
    also in folgendem zu sehen:
        1. dass sie eine psychologische Egalität Männern
        wie Frauen gegenüber hervorruft;
        2. dass sie ungemein starke Sexualtriebe mit schwe-
        rer Befriedigungsmöglichkeit schafft;
        3. dass sie ungewöhnliche Empfindungen und
        4. eine unzeitgemässe Entwicklung mit sich bringt.
    Durch die blosse Minderwertigkeit des Sexualorgans ist
    die Frage der Toxität nicht entschieden, weil andere
    Organminderwertigkeiten hinzutreten. /

    Hitschmann betont, dass alle diese Tatsachen erst durch
    grosse Zahlen bewiesen werden müssen. Aber auch dann
    dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen, das psycholo-
    gische Gebäude, das auf diesen organischen Befunden auf-
    gebaut ist, für ebenso bewiesen zu halten. So hat z.B.
    das Bewusstsein einer Hypoplasie in früher Jugend etwas
    Gezwungenes wie überhaupt der Zusammenhang zwischen
    Organminderwertigkeitslehre und neurose noch sehr un-
    geklärt sei. Auch ist der Widerspruch anzumerken, dass
    das Genitale bei der Organminderwertigkeit so stark
    hervorgehoben wird, während in den psychologischen Aus-
    führungen Adlers das Geschlechtliche auffallend zurück-
    trete.

    Friedjung möchte auch die psychischen Einflüsse gegen-
    über den von Adler hervorgehobenen somatischen betonen,
    was sich gerade bei den somatisch gewiss nicht besonders
    benachteiligten einzigen Kindern zeige, die ihre Neurose
    offenbar aus der Familienkonstellation erwerben.

    Stekel stellt Hitschmann gegenüber den wissenschaftlichen
    Wert jeder Statistik in Abrede und erklärt, das Psychologi-
    sche der Adlerschen Funde voll und ganz bestätigen zu
    können und finde darin auch keinen Gegensatz zu dem bisher
    von Freud gefundenen. Jedes Kind fühlt sich seiner besse-
    ren Umgebung gegenüber minderwertig; dass es zur Fixie-
    rung dieses Gefühls kommt mag mit der Organminderwertigkei
    zusammenhängen. Dazu kommt aber, dass sich das Kind als
    schlecht empfindet (kriminell) und die anderen für gut hält.
    Es wäre vielleicht die Minderwertigkeit aus den kriminel-
    len und sexuellen Instinkten zu erklären.

    Brecher möchte methodologisch davor warnen, das bewusste
    Gefühl der Minderwertigkeit zu verwechseln mit der Organ-
    minderwertigkeit, die gänzlich in das Bereich des Unbewuss-
    ten oder eigentlich schon in das der Biologie fällt. Diese
    Minderwertigkeit sei zu verstehen als eine Art Reizzustand
    der von bestimmten Organen ins unbewusste ausstrahlt und
    dann einen Teil dessen bildet, was von Freud als somatische
    Entgegenkommen festgelegt wurde.

    Freud möchte die Diskussion hierüber aufsparen und Stekel
    zur Vorsicht mahnen. Diese Dinge existieren gewiss alle, es
    handelt sich nur darum, ihre Relativität zu bestimmen. So
    sei z.B. zuzugeben, dass man unter den Neurotischen oft
    deutlich psychische hermaphroditen finde; aber ebenso häu-
    fig findet man unter ihnen die anmutigsten und reizend-
    sten weiblichen Mädchen und Frauen. /

    Stekel: Ein Beitrag zum psychischen Hermaphroditismus, geht von
    der tiefen Religiosität der Neurotiker aus, bei denen jede abergläu-
    bische Vorstellung sich auf ihren echten Glauben zurückführen lasse

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    In diesem Falle handelt es sich um den Traum eines Nerotikers, der
    einen Christus sieht und ihm etwas herausnimmt. Im Pat. liegen zwei
    Vorstellungen im Kampfe miteinander: dass er Christus oder der Satan
    ist. Es handelt sich um um einen Angsttraum des Inhalts, er habe sich gegen seine
    Gottheit etwas herausgenommen. Nun hat Adler behauptet, dass jeder
    Traum den psychischen Hermaphroditismus zeige und tatsächlich stellt
    sich heraus, dass Pat. dem Christus das Genitale herausgenommen hat,
    ihn also zum Weib gemacht hat. Pat. selbst zeigt weibliche Züge und
    Eigenschaften, sieht im Penis das Prinzip des Bösen und wünscht des-
    halb ein Weib zu sein. Alle Männer sind für ihn Sünder weil sie aktiv
    sind, während die Frauen infolge ihrer Passivität eher zur Heiligkeit
    neigen. Lust zu geniessen ohne Schuld, ist der Sinn aller Vergewalti-
    gungsphantasien. Die weiblichen Tendenzenv dienen dem Pat. dazu, um über         d
    dem Vater zu triumphieren. Er will durch Askese erreichen, dass er
    im Himmel einen viel höheren Platz einnimmt als der Vater, der un-
    ten bei den Sündern stehen wird; seine Impotenz ermöglicht ihm den
    schliesslichen Triumph über seinen Vater. Derselbe Pat. hat Wettrenn-
    träume wo er den Vater überholen will.

             Adler verweist darauf, dass in diesem Falle von männlichem
             Protest mit weiblichen Mitteln das Religiöse gestützt wird
             als Sicherungstendenz (was Freud als Reaktionsbildung hin-
             gestellt hat). Die kindliche Situation scheint auf eine
             Phantasie zurückzugehen wo er den Vater entmannt und sich
             selbst als Mann über ihn erhebt, d/h, um eine eine homosexu-
             elle Phantasie, die in seinem männlichen Protest deutlich
             zum Ausdruck kommt. Durch seine weibliche Einstellung sucht
             er sich vor Homosexualität zu sichern.
             Hitschmann möchte für die Beweisfähigkeit dieser Dinge
             nicht gerade auf eine Statistik rekurrieren, man dürfe aber
             eine gewisse Gesetzmässigkeit fordern, die jede Beobachtung
             erst stützen muss. Der Fall von Adler, wo sich die Tochter
             gegen die Mutter auflehnt, sowie der Fall von Stekel, wo
             der Sohn gegen den Vater steht, lassen sich nach den bishe-
             rigen Aufklärungen Freuds vollkommen verstehen, und es ist
             kein Grund für die Einführung des Wortes männlicher Protest
             zu ersehen. Ueber einen so kurz berichteten Fall wie den
             von Stekel könne man nicht diskutieren. Wie kann man denn
             annehmen, dass der Pat. beschliesst, weiblich zu werden, wenn
             man nicht gehört hat, wie er früher war; warum müssen wir
             von vornherein ein fortwährendes Wechseln der Geschlechts-
             vorzeichen annehmen?

             Stekel möchte einige von den Adlerschen Erklärungen sei-
             nes Falles berichtigen. Das Primäre war bei dem Pat. eine
             starke Liebe zu seiner englischen Erzieherin; seine weib-
             lichen Tendenzen sind sekundär. Als er 5 Jahre alt war, er-
             fuhr er, dass sein Vater diese geliebte Person koitiere.
             Auch erinnert er eine vom Vater erhaltene heftige Prügel-
             strafe. Dieser intensive Hass gegen den Vater verwandelte
             sich später in eine pathologische Liebe, die dem Pat. al-
             lein zu Beginn der Kur bewusst war. Eine Kindheitsphasasie
             die im Verlaufe der Behandlung zutage kam, ging dahin, den
             Vater zu kastrieren, um ihn impotent zu machen.
             Die Angstanfälle, die Pat. auf der Strasse bekam, gingen da-

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    rauf zurück, dass ihm der Vater erzählt hatte, wie er mit
    18 Jahren eine Strassenbekanntschaft, die zum ersten Koi-
    tus führte, gemacht hatte. Pat. hatte die Empfindung, auf die-
    sem Gebiete werde er den Vater nicht übertreffen können.
    Nicht verständlich sei, wieso die Weiblichkeit eine Si-
    cherungstendenz gegen Homosexualität sei. Pat. wünscht doch
    in seiner weiblichen Rolle von einem Manne überfallen zu
    werden. - Auf der anderen Seite ist die Askese natürlich
    auch eine Busse für seine Rachegelüste.

    Tausk wendet sich gegen die journalistische Arbeitsmetho-
    de Stekels, der wieder einmal Angst mit Religiosität ver-
    wechselt habe. Ein tief religiöser Mensch muss vor nichts
    auf der Welt Angst haben; die neurotiker sind Blasphemen,
    die gegen Gott trotzen und keineswegs religiös sind.

    Stekel weist den Angriff zurück und bemerkt, dass eben die
    Blasphemen im Grunde Fromme seien.

    Adler: Stekels Nachträge zu dem Fall beweisen nichts gegen
    das Vorgebrachte. Die Vergewaltigungsphantasie lasse sich
    nicht eindeutig als Wunscherfüllung auffassen, sie diene
    auch dazu, um sich hinterdrein davor zu sichern.

    Freud hebt hervor, dass es zu unserem Besitz gehöre, dass d
    die Einstellung des Knaben gegen seinen vater eine zwei-
    fache (hermaphroditische) sei: Einerseits eine feindselige
    aus dem eifersuchtsverhältnis zur Mutter, anderseits eine
    zärtliche, homosexuelle. Und so wird es wohl bei Stekels
    Pat. gewesen sein.

    Eine Vereinfachung des ganzen Gedankenganges würde sich
    ergeben, wenn man das Bestreben des Individuums nach Selbs
    behauptung nicht männlichen Protest heissen, sondern zu den
    Ichtrieben rechnen würde.



     

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