"Migraine feste Punkte" (Draft I) 1895-104/1895

Freud, Sigmund (1895-104/1895): "Migraine feste Punkte" (Draft I)

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    Migraine feste Punkte.

    1). Eine Sum̄ationssache. Es dauert von einem Anstoß 
    bis zum Ausbruch der Symptome Stunden bis Tage. 
    Man hat gleichsam Empfindung davon, wie ein Hindernis 
    überwunden wird und sich dann ein Vorgang fortsetzt.

    2. Eine Sum̄ationssache. Auch ohne Anstoß gewinnt man 
    den Eindruck, als ob sich ein Reiz anhäufen müßte, 
    der zu Beginn des Intervalls in geringster, gegen 
    Ende in größter Quantität vorhanden ist.

    3. Eine Sum̄ationssache, bei der die Empfindlichkeit gegen 
    Aetiologien in auf der Niveauhöhe des bereits vor-
    handenen Reizes besteht.

    4. Eine Sache mit complizirter Aetiologie, vielleicht 
    nach dem Schema der Kettenätiologie, wo eine nächste 
    Ursache durch viele Momente direkt u indirekt erzeugt 
    werden kan̄ , oder nach dem der Surrogatätiologie, 
    wo nebst einer specifischen Ursache banale quantitativ 
    ersetzend eintreten können.

    5) Eine Sache nach dem Vorbild der Menstrualmigraine 
    u zur sexuellen Gruppe gehörig. Beweise:
    a) Bei gesunden Männern am seltensten.
    b) auf das sexuelle Lebensalter beschränkt, Kindheit 
    u Alter fast ausgenom̄en.
    c) Wen̄ durch Sum̄ation erzeugt, so ist der sex. Reiz etwas 
    auch durch Sum̄ation erzeugtes

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    d). Die Analogie der Periodicität. 
    e). Häufigkeit bei Personen mit gestörter Sexualabfuhr 
    (Neurasth, coit. interrupt

    6). Sichere Erzeugg der Migraine durch chemische Reize 
    Menschengift, Scirocco, Ermüdung, Gerüche. Nun ist auch 
    der sex Reiz ein chemischer.

    7). Aufhören der Migr in der Gravidität, wo die 
    Produktion wahrscheinlich anders gelenkt wird

    Darnach sollte man meinen, daß die Migr eine Giftwirkg 
    darstellt, die durch den sex. Reizstoff erzeugt wird, wen̄ 
    dieser nicht genügende Abfuhr findet, wozu vielleicht 
    noch gehört, daß eine gewisse topisch zu bestim̄ende Bahn 
    sich in besonderer Empfänglichkeit befindet, Die 
    Frage nach dieser ist die Frage nach der Lokalisation
    der Migraine.

    8). Für diese Bahn hat man die Anzeichen, daß organische 
    Erkrankgen des Schädels, Tumoren und Eitergen ( ohne toxische 
    Mittelglieder??) Migr oder Ähnlichstes erzeugen, ferner 
    daß die Migr halbseitig ist, mit der Nase zusam̄en-
    hängt u sich mit lokalisirten Lähmgserscheingen verbindet. 
    – Das erste dieser Zeichen ist nicht eindeutig. Die Halbseitigkeit, 
    Lokalisation über dem Auge, Complication mit herdartigen 
    Lähmgen sind wichtiger.

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    9) Die Schmerzhaftigkeit der Migr läßt nur an die Hirnhäute 
    denken, da Hirnsubstanzaffektionen sicher schmerzlos sind.

    10). Rückt die Migr so in die Neuralgien, so stim̄t dazu 
    die Sum̄ation, die Empfindlichkeit mit ihren Schwankgen, 
    die Entstehg von Neuralgien durch toxische Reize. 
    Sie wird so die toxische Neuralgie als physiolog. Vorbild. Ihr 
    Schmerzgebiet ist die Schädelhaut, ihre Bahn der Trigeminus 
    Da die Neuralg. Veränderg aber eine centrale sein muß, 
    so ist ein Trigem Kern, dessen Fasern die Dura versorgen 
    als topisches Centrum der Migr. anzunehmen . 

    Da der M.-schmerz ähnlich der Supraorbitalneuralgie verlegt 
    wird, muß dieser Durakern dem Kern für den Ramus 
    I benachbart sein. Da die einzelnen Trigemäste u Kerne 
    einander beeinflußen, können auch alle anderen Trigem.
    affektionen zur Aetiologie als concurrirende (nicht banale) 
    Momente beitragen.

    Das Symptombild u die biologische Stellung 
    der Migräne

    Der Schmerz einer Neuralgie findet gewöhnlich seinen 
    Abfluß in tonische Span̄ung (selbst klonische Zuckg) 
    Daher nicht unmöglich, daß zur M spastische Innervation 
    der Gefäßmuskeln als Reflexgebiet des Durabezirkes 
    gehört. Dieser mag man die allgemeine 

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    ja selbst die lokalisirte Funktionsstörung zuschreiben, 
    die sich symptomatisch von einer solchen durch Gefäß-
    verengerg nicht unterscheidet. (Ähnlichkeit der Migr 
    mit Anfällen von Thrombose). Ein Theil der 
    Hem̄g kom̄t dem Schmerz an u für sich zu. Mutmaßlich 
    ist es das Gefäßgebiet des Plexus chorioid. welches 
    zunächst von dem Abfuhrspasmus betroffen wird. 
    Die Beziehg zu Auge u Nase erklärt sich durch 
    die gemeinschaftl Angehörigkeit zum I Ast.