Protokoll der (WS 21/ 2.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 26.Oktober 1921. Siegfried Bernfeld: Einige Bemerkungen über die Sublimierung 1921-515/1921

Reik, Theodor (1921-515/1921): Protokoll der (WS 21/ 2.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 26.Oktober 1921. Siegfried Bernfeld: Einige Bemerkungen über die Sublimierung

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    2- Sitzung am 26. Oktober 1921

    Anwesend: Prof. Freud, Dr Sadger, Silberer, Dr Winterstein, Dr Reich,
    Dr Schmideberg, Dr Fokschaner, Fenichel, Nunberg, Federn,
    Bernfeld, Hug, Reik, Rank, Storfer, Jekels, Kaplan, Deutsch,
    Nepallek, Federn, Strachey, Jokl, Kolnai, Hitschmann,
    Generalversammlung    Dr Sperber,    Dr Lorenz,    Doz. Schilder.
                                                      Dr Sarasin,    Dr Kempner.

    Dr Nepallek gibt Rechenschaftsbericht.
    Dr Sadger beantragt Neuwahl des alten Vorstands. Dasselbe
    wird. Die alten Vorstandsmitglieder werden wiederge-
    wählt.

    Dr Federn berichtet über Saalmiete.
    Dr Schilder lädt die Mitglieder zu psa. Demonstrationen in
    der Klinik
    Dr Federn schlägt vor, die Protokolle in Maschinschrift vorzu-
    legen.

    Dr Bernfeld: „Einige Bemerkungen über die Sublimierung“
    Faßt zusammen, was die psa. Literatur über Sublimie-
    rung enthält. Zwischen Reaktionsbildung und Sublimierung
    gibt es eine Differenz. Begriff der Sublimierung enthält als
                                          einziger in der Pa. ein Werturteil.

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    Ichgerechtheit ist mit Sublimierung verbunden. Eine Subli-
    mierung ist ein ichgerechter Vorgang. Sublimierung ist eine
    Zielablenkung, die nicht verdrängte Triebe trifft. Die Berufs-
    tätigkeit wird durch eine Quantität der Libido besetzt.
    Dies ist der Fall der „passageren Sublimierung“. Die Se-
    xualtriebe fügen sich der Notwendigkeit, die vom Ich
    ausgeht unter bestimmten Voraussetzungen. Der Prozeß
    der Sublimierung spielt sich größtenteils im Bw. ab, ist
    zum mindesten als passagere Sublimierung geräuschvol-
    ler als die Verdrängung. Die passagere Sublimierung
    entsteht aus Zusammenwirken von Ich- und Sexualtrie-
    ben. Spricht von Sublimierungen die in Pubertät auftreten;
    es gibt eine infantile und juvenile Sublimierung. Die er-
    steren gehen in Bestand des Charakters ein, ein Teil der spä-
    ter zweiten werden rückgebildet. Die Sublimierung der
    Pubertät betrifft oft die Dichtung oder die Gemeinschaft.
    Berichtet über einen Fall, der dichtet. Die Tagträumereien ge-
    ben Material für seine Dichtungen; später tritt eine Ver-
    stärkung der ichlibidinösen Regungen an Stelle der
    objektlibidinösen. Es zeigt sich, daß Sublimierungen recht
    verschiedene Vorgänge enthalten. Wunsch, ein Dichter zu wer-
    den, gehört früher dem Ichlibido an als die Bemühun-
    gen, dieses Ziel zu erreichen. Sublimierung ist jener
    Vo Sublimierung gehört zu Zielen des Ich-triebes.
    Ein zweites Beispiel aus jugendlichen Gruppen: ein

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    Schülerverein von Gymnasiasten, wobei Tagträumereien, später,
    reale Handlungen, Exhibition und Masturbation aufeinander folgen.
    Eine Mechanik der Sublimierung. Was entscheidet darüber,
    was verdrängt oder sublimiert wird. Absperrung einer Regung
    vom motorischen System ist eine Aufgabe der Kinderspiele.
    Das Kind lernt im Spiel, den abgelehnten Tendenzen ganz das
    Ausleben zu versagen. Das Kind lernt im Spiel die Subli-
    mierung. Die ersten Vorbilder für Sublimierungsprozesse
    wären die bei der Defäkation. Versagungen auf dem Gebiete
    der Ichliebe. Das Maß der Sublimierungsfähigkeit hängt
    von der ichlibidinösen Besetzung ab.

    Dr Federn: Dr Bernfeld schränkt den Sublimierungsbegriff zu
    sehr ein. Vom Standpunkt der Ichgerechtheit. Der absolute
    Gegensatz zwischen Sublimierung und Verdrängung ist
    nicht aufrecht zu halten. Das Charakteristische der Sub-
    limierung besteht in der Objekterhöhung und in der
    Tätigkeitserhöhung. Dabei ist das Prinzip der Verschrän-
    kung beachtenswert. Ebenso wie Objektlibido Narzis-
    mus der Sublimierung unterliegt. Vom primitiven körper-
    lichen Narzissmus geht ein Weg auf höhere Niveaus des
    Narzissmus.

    Kolnai: handelt sich bei Sublimierung um Veredlung
    des Objekts oder um Veränderung der Struktur des Triebs.
    Hat Sublimierungsbegriff Wertcharakter. Bei Idealisierung
    wird Gegenstand verwandelt, bei Sublimierung handelt
    es sich um Nutzbarmachung der Triebenergie im Dien-
    ste höherer Bestrebungen. Sublimierungsprozess im Hei-
                                                la

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    Dr Deutsch: Dr Bernfeld hat Sublimierung vielleicht nicht
    richtig definiert. Die Sublimierung Zielablenkung der
    Objektlibido. Sublimierungsfähigkeit ist eine Frage: bei
    Analyse oft Objektlibido frei, aber keine Sublimierungs-
    fähigkeit.

    Dr Bernfeld: Reik meint, dass Dr Bernfeld narzißtische und
    ichgerechte Strebungen zu Unrecht zusammengeworfen hat.

    Dr Nunberg: Schon die Sexualforschung der Kinder ist eine
    Form Sublimierung. Die Sublimierung ist an die Abgewöh-
    nung.

    Frau Dr Deutsch: Schnelle Aufklärungsfrage ist in Bezug
    auf die Sublimierungsfähigkeit zu revidieren. Zu früh-
    zeitige sexuelle Aufklärung kann Schaden bringen.

    Prof. Freud: hebt hervor 1.) den Wertcharakter der Subli-
    mierung. Tatsächlich in der Wertung eine Inkonsequenz
    begründet ist sie, weil Sublimierung ein Grenzbegriff der
    Psychoanalyse ist. 2.) das Verhältnis von Sublimierung
    und Verdrängung. Eine Verdrängung schließt Sublimierung
    aus. Nicht das Objektsschicksal, sondern das Triebschicksal steht
    in Frage, nicht die psychischen Repräsentationen. In Erfah-
    rung keine scharfe Scheidung zwischen Sublimierung und
    Verdrängung. Es gibt einen Ausweg: die scharfe Unterscheidung
    bezieht sich auf totale Vorgänge, die Triebvorgänge sind a-
    ber selten total. Es kann eine Quantität Trieb ver-
    drängt, eine andere das Schicksal der Sublimierung

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    erfahren. Es sollen die Grenzen des Begriffes Sublimierung be-
    stimmt werden.
    Dr Bernfeld Schlußwort: Das Kind muß Verdrängung und
    Sublimierung erlernen.