Protokoll der (WS 21/ 3.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 9. November 1921. Kleine Mitteilungen 1921-516/1921

Reik, Theodor (1921-516/1921): Protokoll der (WS 21/ 3.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 9. November 1921. Kleine Mitteilungen

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    52. Sitzung am 9. November 1921.              Frau Lou Salomé

    Anwesend: Aichhorn, Dr Bohl, Doz. Deutsch und Pappenheim,
    Dr Benedikt, v. Ro Freud, Bernfeld, Sadger, Schilder, Nun-
    berg, Weiss, Winterstein, Kolnai, Reich, Fenichel, Fokschaner,
    Dr Federn, Storfer, Deutsch, Nepallek, Bernfeld, Hitschmann,
    Bychowski, Strachey, Hiller, Schmiedeberg, Federn,
    Frau Dr Deutsch, Sarasin, Kempner, Jekels, Dr Friedjung.

    Dr Bernfeld berichtet über Vorträge, die er gehalten hat.

    Dr Hitschmann berichtet über Ambulatorium.

    Storfer referiert über ein Feuilleton von Polgar über
    Groddeck „Seelensucher“.

    Dr Rank liest eine Stelle über Psa über von Flake vor.

    Frau Dr Deutsch: „Eine Beobachtung“ Zwei Brüder, die ei-
    nander völlig unähnlich sind, von denen der ältere
    stirbt. Der jüngere Bruder hat sich nachher foto physisch
    und psychisch dem älteren Bruder ausserordentlich
    angeähnelt. Wollte den älteren Bruder bei der Mutter
    ersetzen – dies war das Motiv dieser Metamorphose.

    Dr Schilder bezieht sich auf Erblichkeitsmassen; man muss
    nicht auch psychologische Faktoren heranziehen.

    Dr Nunberg behandelt Impotenten, ging aus frommen
                         Hause – an jüdischen Feiertage in

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    Bordell. Wurde zur Strafe impotent. Hode rechts wurde
    atrophisch, musste operiert werden. Kastrationskomplex war
    so stark, dass er sich verbrennen wollte.

    Rank Dr Bernfeld: „Zur Krawattensymbolik“ Ein 5-
    jähriges Mädchen modelliert einen Jungen mit Kra-
    vatte aus Plastelin, worauf Krawatte als Penis verwendet
    erscheint. Hat knapp vorher zuerst einen Jungen mit
    frans Penis nackt gesehen.

    Dr Nunberg: berichtet über zwei Fälle über besonders
    starke Liebesbeziehungen von Vätern zu Töchtern. Ein Vater
    hatte 42 jährig eine Beziehung zur 14 jährigen Tochter.
    Der 2. Vater hatte starke inzestuöse Phantasien in Be-
    zug auf die Tochter. Der erste Fall gelangte selbst
    zum Inzest; in diesem Falle auch die Homosexualität
    Seine Beziehung zur Tochter ist narzistischer Natur.
    Patient identifiziert sich mit Vater und Tochter. Im 2.
    Falle Phantasien einer Ehe mit Tochter, die erst 3 jährig
    war. Sucht in den kleinen Mädchen sein infantiles
    Ichideal. Deflorationsphantasie nicht nur mit sadis-
    tisches, sondern mit analerotik verknüpft.

    Dr Rank berichtet Beispiele von Identifizierung beim Mär-
    chen.

    Dr Reik weist auf die Rolle der Identifizierung in der Psy-
    chogenese der Homosexualität.

    Dr Friedjung: weist auf Karl Ewalds „Mein grosses Mädel“ hin.

    Prof. Freud: in einem Punkte ist die Motivierung bei
                         Nunberg nicht ausreichend.

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    Besondere Motive im Spiel, dass das Sexualobjekt mit Sub-
    jekt nicht wächst.

    Doz. Schilder: „Psychose nach Staroperation“ Eine Patien-
    tin behauptet nach Staroperation, man wolle ihr Nase,
    Brüste etc. abschneiden, auch kastrieren. Erlebte auch Aggres-
    sionen von Tieren in Phantasie. Kleine Tiere waren zerstückelt.
    An Augenoperation schliessen sich Kastrationsphantasien.
    Hatte Züge von Transivitivismus gezeigt. Die Operation
    ruft den Komplex an Gefährdung des Lebens und des Geni-
    tales. Schilder Geburtsphantasien in Psychose spielen ei-
    ne grosse Rolle. Der Kastrationskomplex ist der letzte
    der Komplexe. Die spätere hypomanische Phantasie schliesst
    die Psychose ab. Die Psychose stellt eine Art Komplex-
    bearbeitung dar, daher später die hypomanische Pha-
    se. Das Organische drückt sich psychisch aus.

    Dr Hitschmann: Zur Symbolik des AugenfallesAuges: eine Lehrerin
    mit Zwangsbefürchtung, sich mit Nadel ins Auge zu
    stechen.

    Dr Deutsch bemerkt, jede Operation an Frau löst
    Kastrationskomplex aus.

    Dr Rank Dr Rank: eine Parallele zu der Schilderung
    Schilders mit Osirissage. Dort dieselbe Schichtung
    des Verpönten. Dort auch Auge und Genitale gleichgestellt.

    Prof. Freud: am Ende bekommt Auge Macht, die Tiere zu
    bändigen. Im Traum ähnliche Situationen. Meint Schit-
    der, dass die magische Kraft des Auges schon Vorklang
    der manischen Phase, damit ist Kastration verleug-
    net.

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    Doz. Schilder: berichtet über Fall von Selbstblendung, der
    dadurch von seiner Sexualität loskommen. Nachher ist
    er wirklich sexuell ruhig, sah darin ruhige Landschaf-
    ten.

    Kolnai: „Ichtriebe und Sexualtriebe“ Die Ichtriebe
    fördern die be. Interessen des Ichs. Die Ichtriebe wer-
    den auch egoistische genannt, die Sexualtriebe
    aber nicht altruistische. Die Stellung der Ich- und Se-
    xualtriebe zur Sublimierung verschieden; bezieht
    sich auf Ferenczi: Kann man Ichtriebe als Funktio-
    näre der Verdrängung der Sexualtriebe ansehen? Gibt
    Wie verhält sich Parallelismus des Ich- und Sexualtrie-
    be zur Bevorzugung der Ichtriebe im Bew.? Ist
    Verdrängung als pathogenes Element war? Welcher
    Faktor bändigt Ichtriebe? Warum verankert sich
    Gesellschaft in Ichtrieben und nicht in Arttrieben?
    Ich besitzt auch Lustprämie. Die Ichtriebe Kultur kein
    Ich- ein Ichprodukt, sondern auch Sexualitätsprodukt.

    Reik (unleserl.)

    Prof. Freud: Der Inhalt des Begriffes Ichtriebes hat
    sich verschoben.

    Dr Hitschmann: „Über Unterrichtsfrage in Psa“. Zeigt
    ein Tafeln zur Veranschaulichung der Begriffe Bw, Ubw.
    etc.

    Doz. Deutsch: Klärs bildliche dar

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    Reik: hat Studien

    Dr Hitschmann: Referat „Psychopathologie des Ausnahmezu-
    stands von Stransky.