Protokoll der (XX. / 2.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 1. November 1922. Herbert Silberer: Beobachtungen an Träumen 1922-517/1922

Bernfeld, Siegfried (1922-517/1922): Protokoll der (XX. / 2.) Sitzung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am 1. November 1922. Herbert Silberer: Beobachtungen an Träumen

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       Sitzung vom 1. November 1922.   
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        Anwesend: Prof. Freud, Sadger, Federn, Friedjung, Silberer, Reich,
    Nunberg, Fockschaner, Kempner, Deutsch, Jekels, Jokl, Nepalek, Hug, Reick,
    Hitschmann, Bernfeld, Rank, A. Freud, Schilder, Kaplan. Auswärtige: de
    Groot, Riviere, Asch, Blum, Sarasin. Gäste: Hoffer, Sarpas.

        Bernfeld berichtet über die Kurse von ihm und Frau Dr. Hug-Hellmuth,
    es werden abgehalten werden von ihm: 1)Kinderpsychologie für Vorgeschrit-
    tene, 2)Psychologie der Erziehung und des Erziehers; von Dr. Hug 1)Kinder-
    psychologie für Anfänger, 2)Psychoanalytische Besprechungen.

        Federn berichtet über die Kurse  des Ambulatoriums.

        Reich regt an Referierabende und bittet die Interessenten sich zu
    melden.

        Rank bringt als Nachtrag zum Kongressreferat Barbara Lows Referat in
    der Times.

        Fockschanern fragt an, was die Mitteilung des Neuen Wiener Journals von
    der Gründung einer psychoanalytischen Gruppe in Kasan Richtiges enthält,
    wird auf die Nachricht in der Zeitschrift verwiesen.

        Federn macht auf die böswillige Darstellung der Psychoanalyse im Film
    Mabuse der Spieler aufmerksam, regt an etwas gegen solche Darstellungen
    zu unternehmen.

        Freud lehnt entschieden ab.

        Reick teilt mit, Bibliotheksstunden sind Mittwoch von 8 - 9 abends.
    Bibliothekszuwachs: Eros and Psyche (Spende von Dr. Federn).

        H e r b e r t  S i l b e r e r  hält seinen Vortrag:

        Diskussion: Bernfeld, Rank, Reich.

        Nunberg weist auf den kannibalistischen Sinn des Kästchentraumes hin,
    wendet sich im übrigen gegen Silberers Aufstellungen, insbesondere den
    Terminus entoptisch.

        Hitschmann desgleichen, findet den Vortrag jungisch und stekelisch,
    Fucht vor dem Sexuellen und Infatien, Widerstand gegen die wirkliche

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    Traumdeutung.

        Federn: Die Kulissen sind bereits von Tausk gedeutet. wendet sich
    gegen die neue Nomenklatur Silberers, die nicht richtig ist.

        Rank: Alle seine Vorwürfe sollen nicht gegen Silberer aufgefasst werden,
    weil er ihn nicht als Praktiker betrachtet. Silberer hat seine eigenen
    Aufstellungen nicht mehr verstanden, wenn er alles Unbewusste gleich
    funktional setzt.

        Deutsch desgleichen,würde versuchen die Deutungen Silberers narzistisch
    zu deuten.

        Hitschmann: Das Silberersche Symbol des Ballspielens kann nur das
    Bild einer schlechten Analyse sein, weil in einer richtigen dieses Hin
    und Her des Ballspielens nicht stattfindet.

        Freud will Silberers Ausführungen erstens vervollständigen, zweitens
    in Schutz nehmen, drittens bekämpfen. Erstens: Vieles was Silberer
    funktional heisst, ist einfach Darstellung von abstrakten Gedanken. Es
    ist dies ein Darstellungsmittel, das wir natürlich kennen. Ein sehr
    häufiger Fall, den Silberer nicht erwähnt für die Darstellung der Analyse
    ist:in einem unterirdischen Raum sein Verweilen und Gehen. Zweitens:
    Er will Silberer in Schutz nehmen gegen den Vorwurf dass er unmittelbar
    deute. Das ist im Falle der Uebertragung durchaus richtig, wir setzen
    die Uebertragungsdeutungen unmittelbar ein und brauchen die Zugeständ-
    nisse des Patienten dazu nicht. Drittens: das wichtigste; man kann nicht
    alle diese Vorgänge, die mit der Uebertragung zusammenhängen, einfach
    funktional nennen wollen. Das schöne Wort entoptisch soll auf eine andere
    Verwendung warten, wenn überhaupt. Es ist garkein Grund es anzunehmen.
    Wozu ein besonderer Tatbestand und ein eigenes Fremdwort, wenn alle Er-
    scheinungen zu den bekannten Eigentümlichkeiten der Traumarbeit gehören.
    Solche Versuche zu Aenderungen sind uns bekannt. Es ist als ob einer
    nicht auf den Schatten schauen wollte, damit er mit den Personen nichts
    zu tun habe.

        Silberer gibt zu, dass die von ihm angeführten Vorgänge keine solche
    tiefe Sichtbarkeit haben wie andere. Er verweist auf seine Einleitung, er
    wolle keine neue Theorie geben, sondern bloss eine Zusammenstellung, es
    sei eine irrige Auffassung, dass er funktionale Deutungen überschätze,
    finde sich leider einer gegnerischen Einstellung gegenüber und finde bei

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    den Gegnern jene Widerstände. Dass man Träume beeinflussen kann ist ihm
    wohl bekannt. er habe versucht es zu vermeiden. Er wollte nur aufmerksam
    machen auf die Uebertragung. Er habe nie Widerstand dagegen gehabt, dass
    alle möglichen Determinanten vorhanden seien, aber er sieht auch das funk-
    tionale Phänomen, wenn es sich erweist. Es wird hier ein Problem nicht
    gesehen und dagegen wende er sich.

        Freud unterbrechend: Welches Problem?