Rezension von: Darkschewitsch [sic], L[iweri Ossipowitsch] ›Über den oberen Kern des N. oculomotorius‹ 1889-202/1889

Freud, Sigmund (1889-202/1889): Rezension von: Darkschewitsch [sic], L[iweri Ossipowitsch] ›Über den oberen Kern des N. oculomotorius‹

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    84 Centralblatt für Physiologie. Nr. 4.

     

    Physiologie des centralen und sympathischen Nervensystems.

    L. Dackschewitsch. Ueber den oberen Kern des N. oculomotorius
    (A. f. Anat. u. Physol., Anat. Abth. 1889).

    D. vervollständigt in diesem Aufsatze seine Angaben über den
    im Jahre 1885 von ihm beschriebenen „Oberen“ Kern des Oculomo-
    torius. Localisation und Ausdehnung dieses Zellhaufens studirt man
    am besten an Querschnitten durch den oberen (vorderen) Vierhügel
    vom menschlichen Fötus im Alter von 7 bis 8 Monaten, nach Fär-
    bung mit Weigert’schem Hämatoxylin. Der obere Kern des Oculo-
    motorius tritt erst auf, wenn der untere (bisher alleinig gekannte) sich
    in Abnahme zeigt; er ist von letzterem deutlich geschieden, liegt mit
    seiner Verticalaxe nicht der Medianebene parallel, sondern etwas nach
    aussen geneigt, und besteht aus erheblich kleineren Zellen als der
    untere Kern. Er ist dem hinteren Längsbündel eingelagert und be-

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    Nr. 4. Centralblatt für Physiologie. 85

    zeichnet, wo er zuerst an Querschnitten erscheint, die Grenze zwischen
    einer dickfaserigen und einer feinfaserigen Abtheilung des letzteren.
    Er steht wie der untere Kern in anatomischer Beziehung zu den
    Fasern des N. oculomotorius und zu Fasern des hinteren Längs-
    bündels, ist also im Wesentlichen dem Hauptkern der Nerven gleich-
    zustellen. Ausserdem steht er mit zwei Fasersystemen in Verbindung:
    1. Mit Fasern, welche bogenartig den Aquaeductus Sylvii umziehen
    und sich von den anderen Fasern desselben Verlaufes (vom sogenannten
    tiefliegenden Mark der Vierhügel) durch grösseres Caliber und stär-
    kere Markfärbung unterscheiden. Diese Fasern bilden einen Bestand-
    theil der hinteren Gehirncommissur, weshalb D. sie als „Ventrale
    Partie der hinteren Commissur“ zusammenfasst. Sie treten durch die
    hintere Commissur in die Zirbeldrüse ein, deren Verbindung mit dem
    oberen Oculomotoriuskern sie darstellen; 2) mit Fasern, die, nachdem
    das hintere Längsbündel aus den Schnitten verschwunden ist, die
    Stelle derselben einnehmen, ventralwärts längs dem inneren Rande des
    rothen Kernes herabziehen, dann den Luys’schen Körper umziehen
    und sich der Linsenkernschlinge anlegen. Die Formatio reticularis ist
    an den nämlichen Präparaten, welche diese Verhältnisse zeigen,
    marklos. Sigm. Freud (Wien).