Sitzung am 30. April 1919 1919-509/1919

Reik, Theodor (1919-509/1919): Sitzung am 30. April 1919

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  • S.

    Sitzung am 30. April 1919.
    Anwesend: Prof. Freud, Dr Rank, Dr Tausk, Dr
    Sadger, Dr Winterstein, Dr Nunberg, Dr Deutsch, Dr
    Nepallek, med. Fenichel, Dr Federn, Dr Hitschmann,
    Dr Reik.


    Prof. Freud teilt die Gründung einer Leipziger psycho-
    analytischen Gruppe mit 12 Mitgliedern mit.
    Dr Rank gibt Eindrücke von der Ψα Bewegung
    im Auslande von Jones. Die Londoner Gruppe wurde im
    Kriege aufgelöst und eine neue British Association ge-
    gründet am 20. Februar 1919. New Yorker Gruppe ist auf nied-
    rige Mitgliederzahl gesunken (Mc Curdy, Brill) und die In-
    ternationale Gruppe besteht ebenfalls; begründet soll eine
    Bostoner Gruppe werden. In der Schweiz: Gründung einer psy-
    choanalytischen Vereinigung in Zürich mit wenigen bekann-
    ten Mitgliedern, die angeschlossen wurde. In Genf und Lau-
    sanne gibt es Anzeichen einer Ψα Bewegung. Eine Genfer
    Gruppe unter Claparède besteht fast nur aus Lernenden. Die
    Psychoanalytical Review erscheint weiter. Unliebsame Affairen
    Jungs.
    Dr Hitschmann: 17 jähriges Mädchen mit Eßstörungen, schweig-
    sam und spricht undeutlich. Gesündeste von drei Schwestern.
    In der Kindheit schon schlecht gegessen. Trotz, der sich aus Sado-
    masochismus entwickelt. Trotz äußert sich im Leben außer der
    Familie in Eßverweigerung und Schweigen. Die Onanie der Pat.
    ist begleitet von masochistischen Phantasien. Trotzszenen in
    der Psychoanalyse. Wieweit soll man beim Schweigen der Pat-
    drängen und wieweit mit durch Schweigen reagieren.

  • S.

    In der 2. Stunde hat sie geäußert: „Ich komm nicht mehr.“ Bringt
    schriftliche Äußerungen. Die Eßstörung spielt an Periode an. Wel-
    che Veranlassung der einzelnen Appetitstörung zugrunde-
    liegt, ist noch unklar. Hebt hervor Minderwertigkeitsge-
    fühl bei hochwertigen Geschwister. Die große Ähnlichkeit der
    Kindheitsgeschichte mit der von Zwangsneurotikern kein Schuld-
                                                                                                       gefühl.
    Dr Tausk: Alle ausgesprochenen Masochisten haben kein Schuld-
    gefühl, es steckt alles Schuldbewußtsein im Masochismus.
    Alle Masochisten haben alle mit Naschzwang, = Zweifel, Eßstö-
    rungen zu tun. Man soll drängen: Was denken Sie sich jetzt?
    Schweigen bei Namen: Widerstände, Namen sind gibt er ganz
    nackt heraus. Das Heraussagen ohne Affekt. Die Minderwertig-
    keit als melancholisches Symptom, weil man seinem Ideal
    nicht nahekommt, weil man an ihm gescheitert ist.
    Dr Hitschmann: Die Patientin erzählt, bekam als kleines Kind
    heftigen Schlag von Schwester auf Mund. Schwieg dann, erst spät
    lernt sie wieder sprechen.
    Dr Deutsch: Das Minderwertigkeitsgefühl einer Patientin hängt
    davon ab, daß ihre Eltern sich an ihrer Stelle einen Buben
    gewünscht haben. Damit hängt eine Mutterleibsphanta-
    sie zusammen.
    Dr Winterstein: aus welchem Lebensjahr datiert die Eßstörung
    Dr Hitschmann: von ersten Lebensjahren bis zum 14. Jahr.
    Dr Federn: hat Impotente aus Sadomasochismus behandelt, die
    keinen Eßstörung zeigen. Bei einer Patientin starke Eßstörung; war
    deutlich auf Mutter berechnet. Ein Kind mit Eßstörung: war gu-
    te Trinkerin an Mutterbrust, schwer entwöhnt, wollte nicht trinken.
    1 Jahr später nur aus Flasche getrunken, später Milch abgelehnt.
    Schweigstörung: ein Symptom wird als Widerstand benützt.
    Dr Deutsch: wie sich beide Fälle im Küssen verhalten
    Dr Federn: sind starke Küsserinnen.
    Dr Tausk: die eine meiner Patientinnen enorme Küsserin
    Dr Federn: die genitale Zone ist nicht zum Primat gekommen.

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    Prof. Freud: das Schuldbewußtsein fehlt bei Masochismus,
    weil es notwendig war, um Masochismus zu erzeugen. Ma-
    sochismus niemals primär Eßstörung: bei trotziger
    Masochistin Vorgeschichte: das 2. Kind ist das gefähr-
    detste Kind, verzehren sich in Eifersucht gegen erste. Hat
    rasch genitale Stufe erreicht von dieser auf sadistisch-ma-
    sochistische zurückgeworfen. So entstehen die Perversionen.
    Kinder erreichen zuerst genitale Stufe und auf frü-
    here regredieren. War also Verliebtheit in Vater mit
    hervorchechendem Sadismus. In genitaler Phantasie hat
    orale Faktor Rolle: Kinder bekommt man durch Essen.
    Mit Verdrängung und Erniedrigung ist diese Eß-
    symptom isoliert, wird Symptom. Ist hysterische Rest der
    einmal sogar bestandenen genitalen Organisation.
    Familiäre Disposition liegt vor, reicht nicht hin zur Neu-
    rose. Behandelt Fall von Sprachstörung: auch Vater hat-
    te sie, alle Geschwister hatten sie. Einer seiner Brüder aber
    Schauspieler. Die Minderwertigkeit war einmal Mehrwertig-
    keit, Unabhängigkeit. Erogenität des Organs. Je unab-
    hängiger das Organ ist, desto mehr Lustgewinn. Erogenität der
    oralen Zone, der in Familie, daher das Kind bei Re-
    gression dieses Symptom behalten. Technische Regel kann nur
    auf Leidenschaftslosigkeit hinweisen: der Vater hatte Ten-
    denz. Die Absicht des Patienten ist Wiederholen. Beim Zwin-
    gen tut man Patienten einen Gefallen, man muß sie
    das wissen lassen. Wenn man das dazu sagt, ist es unschäd-
    lich. Das Gezwungenwerden durch Arzt soll will eigentlich
    der Pat. Minderwertigkeitsgefühl nur das infantile für
    Psy. kommt nur in Betracht. Das Minderw. gefühl ist narziß-
    tische Narbe der früheren Periode. Korrigieren nur in Behand-
    lung des Schweigens: Versuchung viel zu reden beim Schweigen
    groß. Wenn sich Pat. zurückzieht, muß sich auch Arzt zurück-

  • S.

    ziehen. Dadurch übernimmt man Arbeit des Pat. Geholfen darf
    nur dem werden, der sich müht. Kein Entgegenkommen.
    Oberste Grundsatz: Keine Affekte zeigen. Kein persönliches Ver-
    hältnis, es ist Dienst. Konzessionen nützen nicht viel.
    Napoleon.
    Dr Federn: In Kinderstube durch Assoziation über Trotz hinweg-
    helfen.
    Prof. Freud: Affekte brauchen Zeitablauf. Mitteilung braucht
    Zeit. Bei Zwangsneurose Intervall ganz eklatant.
    Dr Hitschmann: Schlag auf Mund, andere Patientin mit sado-
    masochist. Phantasien Schuldbewußtsein.
    Prof. Freud der Pat. zeigt sich geschädigt.
    Dr Tausk hat bei Pat. ausgesprochen, daß Ekel vor Naschen
    Schwangerschaftsphantasie vom Vater ist. Ein Patient redet viel.
    Reik: Religionspsychologie. Baum Traum Apfel.
    Dr Tausk: gibt den Traum eines Patienten Morgenerrektionen
    meistens homosexuell.
    Dr Rank: Forscher Schultz: Rätsel Schriftgelehrten bedeuten
    Mensch.
    Freud: Frucht des Baumes, Unbestimmtheit des Ubw. Um-
    wandlung des Unbewußten. Von späteren Bedeutung auf
    frühere zurückschließen. Neben modernisierten steht
    alte Form. Frazer Golden bough.
    Dr Federn: Beide Esel Beispiel. Steinachsche Entdeckungen.
    Freud: Thema: M Lit. Unheimliche. Volkelt. Histor. Wörterbuch.
    14. V. Vortrag